Aktuelle Kolumne vom 30.05.2016 - Nr. 406


Stephen Kingdaumen rauf

Basar der bösen Träume

Basar der bösen Träume

„Basar der Bösen Träume“ ist eine umfassende Kurzgeschichtensammlung des Bestsellerautors. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht. Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube. Stephen King schreibt dazu: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

Oh, Stephen King, was machen Sie nur mit Ihren Lesern? Sie nicht nur mit Ihren unvergesslichen, gruseligen und dramatischen Romanen begeistern, sondern auch immer wieder mal mit denen von Ihnen so heiß geliebten Kurzgeschichten. Von denen bekommt der Leser in „Basar der bösen Träume“ nun wieder eine ganze Menge geboten. Nicht alle erreichen das höchste Level, aber man kann sich trotzdem keiner der Geschichten entziehen. Stephen King kann’s lang und kurz! Da gibt’s ein gefräßiges Auto, das Menschen verspeist; eine ungeliebte Ehe, die plötzlich zu Ende geht; ein alter Mann und seine geliebte Insel; einen bösen Jungen; ein Journalist, der Nachrufe verfasst und damit Böses heraufbeschwört; und noch viele mehr. Zu jeder Kurzgeschichte schreibt Stephen King auch noch eine kurze Einleitung. Das macht die Geschichten dann noch spannender.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Wie immer liest der geniale David Nathan Stephen King. Wie immer eine perfekte Lesung. 19,99 Euro..

Heyne, 766 Seiten; 22,99 Euro


Mary Kay Andrewsdaumen runter

Ein Sommer ohne Liebe

Ein Sommer ohne LiebeGreer ist Location-Scout. Sie ist immer auf der Suche nach den besten Drehorten für die großen Kinofilme. Ihr aktuelles Projekt führt Greer nach Cypress Key, das wohl letzte urige Fischerdorf an der Golfküste Floridas. Hier hat alles noch seinen ursprünglichen Charme – und das gilt auch für den umweltbewussten, aber durchaus attraktiven Bürgermeister Eden. Der ist nämlich alles andere als begeistert von der Idee, dass eine riesige Filmcrew sein geliebtes Städtchen bevölkert und verschmutzt. Während die beiden noch streiten, merkt Greer, dass sie vielleicht gerade ihr Herz verliert …

Mary Kay Andrews schreibt heitere und spritzige Liebesromane! Seit ihrem großen Bestseller „Die Sommerfrauen“ ließ sie viele weitere folgen. Die Autorin hat sich zur Sommerroman-Autorin entwickelt, auch wenn sie Geschichten schreibt, bei denen nicht immer die Sonne scheint. Ihr aktueller Roman „Kein Sommer ohne Liebe“ klang sehr vielversprechend, aber Mary Kay Andrews verzettelt sich mit der Geschichte. So richtig Schwung kommt nie rein. Die 525 Seiten sind definitiv viel zu lang für diese Story, so wie sie erzählt wird. Das ist schade, denn aus der Grundidee hätte man viel mehr machen können, als einen mittelmäßigen Liebesroman.

Fischer, 525 Seiten; 9,99 Euro


John Dos Passosdaumen rauf

Manhattan Transfer

Manhattan TransferIm New Yorker Dschungel herrscht das Jagdfieber: Arbeit, Glück und Macht, das will man. Die Figuren des Romans – ein junger Einwanderer, ein Gewerkschaftsführer, ein Mörder, ein Karrierist, eine nach Selbstständigkeit strebende Frau, ein sensibler Alkoholiker und andere – scheinen aus der unbestimmbar großen Masse der Stadtbewohner herausgerissen, um irgendwann wieder in ihrem Gewühl unterzugehen. Die zentrale Hauptfigur des Romans ist jedoch die Großstadt New York von den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts bis nach dem Ersten Weltkrieg.

John Dos Passos New-York-Klassiker ist das erste Mal 1925 erschienen. Rowohlt präsentiert ihn nun in einer Neuübersetzung. Ein Klassiker, der modern ist, das ist „Manhattan Transfer“. Ein schicker Roman in Sprache und mit seiner Geschichte. John Dos Passos (1886 -1970) revolutionierte 1925 mit diesem Großstadtporträt den amerikanischen Roman. „Manhattan Transfer“ erzählt von den kleinen Menschen in der großen City New York. Eine Stadt, die jeden Einzelnen verschlingen kann. Man leidet und fühlt mit den Figuren. John Dos Passos schreibt klar und nüchtern. Er gehörte damals, wie heute, zu den ganz Großen amerikanischen Schriftstellern, wie einst Ernest Hemingway, William Faulkner und F. Scott Fitzgerald.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Ein Hörspiel, das einen vom Sofa fegt! Mit den Sprechern Ulrich Matthes, Ulrich Noethen, Axel Prahl, Maren Eggert u. a. 19,99 Euro.

Rowohlt, 540 Seiten; 24,95 Euro


Eva Almstädtdaumen rauf

Ostseetod

OstseetodIn einem kleinen Dorf an der Ostsee verschwindet ein elfjähriges Mädchen. Die Suchaktion bleibt erfolglos; angeheizt durch Gerüchte formiert sich eine Bürgerwehr. Kurz darauf wird im Wald die Leiche eines Mannes gefunden – ein Mord. Welche Verbindung besteht zwischen dem Toten und dem verschwundenen Kind? War der Tote Laras Entführer? Kommissarin Pia Korittki, selbst Mutter, weiß, dass jede Sekunde zählt. Und dann ist plötzlich ein zweites Mädchen verschwunden ...

Und wieder ein Krimi-Leckerbissen der Bestsellerautorin! „Ostseetod“ ist mittlerweile der elfte Fall für Kommissarin Pia Korittki, seit Neuestem Kriminalhauptkommissarin. Eine aufwühlende Geschichte, ein gekonnt in Szene gesetztes Personal und nicht wenig Spannung. Eva Almstädt hat mit Pia Korittki eine Kult-Kommissarin erschaffen! Es wird Zeit, dass die elf Fälle auch fürs Fernsehen verfilmt werden.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Eva -Almstädt-Stammvorleserin Anne Moll liest auch diesen Fall in gewohnt guter Qualität. 12,99 Euro.

Bastei Lübbe, 414 Seiten; 9,99 Euro


Gulwali Passarlaydaumen rauf

Am Himmel kein Licht

Am Himmel kein Licht

Gulwali Passarlay wuchs in einer traditionellen afghanischen Paschtunen-Familie auf. Mit nur zwölf Jahren schickt ihn seine Mutter Richtung Europa, um ihn vor dem blutigen Konflikt der Taliban mit den US-Soldaten zu retten, dem bereits sein Vater zum Opfer gefallen war. Seine Flucht ist eine Odyssee durch acht verschiedene Länder, die er als Junge alleine bewältigen muss: das vollständige Ausgeliefertsein an die Schlepper, gefährliche Grenzübertritte, Hunger und Erschöpfung, Gefängnisaufenthalte, eine Bootsfahrt übers Mittelmeer, die er nur haarscharf überlebt.

Ein authentisches, aufwühlendes und spannendes Buch über die Flucht eines 12-jährigen von Afghanistan nach Europa. „Am Himmel kein Licht“ zeigt, wie oft unter unmenschlichen Bedingungen die Flucht hin zu einem Leben in Frieden aussieht. Dieses Buch lässt einem die Flüchtlingskrise aus einem anderem Blickwinkel sehen, dem direkten, dem eines Flüchtenden. Die Gründe der Flucht, die Wege der Flucht, das Ankommen, wenn man es denn schafft, und dann der Wille, aus sich etwas zu machen. Viele haben es nicht geschafft, der im Jahr 2006 12-jährige Gulwali Passarlay hatte das Glück lebend in England anzukommen.

Piper, 415 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

John Grisham

Der Gerechte

Der Gerechte

Sebastian Rudd ist kein typischer Anwalt. Seine Kanzlei ist ein Lieferwagen, eingerichtet mit Bar, Kühlschrank und Waffenschrank. Er arbeitet allein, sein einziger Vertrauter ist sein Fahrer, der zudem als Leibwächter und Golfcaddie fungiert. Sebastian Rudd verteidigt jene Menschen, die andere als den Bodensatz der Gesellschaft bezeichnen. Warum? Weil er Ungerechtigkeit verabscheut und überzeugt ist, dass jeder Mensch einen fairen Prozess verdient. Doch diese Arbeit fordert den Anwalt immer wieder aufs Neue heraus. Sein ganzes Können ist jedes Mal gefragt.

„Der Gerechte“ ist ein so richtig schmutziger Justiz-Thriller! Er handelt von einem Anwalt, der sich die Hände schmutzig macht, in dem er meist schuldige Mörder, Vergewaltiger, Drogentäter usw. verteidigt. Hier erfährt man vom kleinen, teils gefährlichen Anwaltsgeschäft, es geht nicht um diesen riesengroßen Fall, sondern um zahlreiche kleinere. Und John Grisham geht neue Wege, denn er orientiert sich mit der Figur des Sebastian Rudd an Mickey Haller, Michael Connellys Kult-Anwalt, den Sebastian Rudd im Roman übrigens auch liest. Die Fälle aus „Der Gerechte“ erinnern an die Kult-Anwalts-Serie aus den 1990ern „Practice“. Ein John-Grisham-Roman ist als Hörbuch eigentlich nur noch mit der Stimme von Charles Brauer vorstellbar, der die Grisham-Geschichten nun schon seit zwei Jahrzehnten einliest. Zum Glück liest er auch „Der Gerechte“.

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 22,99 Euro

Random House Audio, 2 MP CDs, 715 Minuten; 19,99 Euro


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