Aktuelle Kolumne vom 25.07.2016 - Nr. 414


Richard Dawkinsdaumen rauf

Die Poesie der Naturwissenschaften

Die Poesie der Naturwissenschaften

Der herausragende Naturwissenschaftler Richard Dawkins erzählt die Geschichte seines Lebens ― von der Kindheit bis zur Karriere als einer der einflussreichsten Wissenschaftler weltweit. Er berichtet von seiner Ankunft im Flower-Power-Kalifornien der 60er Jahre, von der Party zum 42. Geburtstag seines Freundes Douglas Adams, von bahnbrechenden Erkenntnissen in der Evolutionsbiologie und seiner großen Liebe zur Lyrik. Anhand seines Familienstammbaums erklärt er die Vererbungslehre, und die Entwicklung der Theorie des egoistischen Gens wird bei ihm zum Wissenschaftsthriller. Wenn er beschreibt, wie er vom Gläubigen zum Atheisten wurde, versteht man, welche Rolle Religion für den Menschen spielt.

Eine außergewöhnliche Autobiographie, eines außergewöhnlichen Menschen mit einem außergewöhnlichen Leben! Richard Dawkins (Jahrgang 1941) erzählt von seinen Urgroßeltern, von seinen Kindheitserinnerungen aus Afrika, seiner strengen Schul- und Internatszeit, dann Oxford und wie sich sein Weg abzuzeichnen begann. Was danach folgte ist spektakulär. Zwischen alle den Erzählungen streut Dawkins immer wieder sein Wissensgebiet ein. Da geht es um Bienen, Seesterne, Raupen und noch so viele andere Dinge. Richard Dawkins hat aus dem Leben und von seiner Arbeit unglaublich viel zu erzählen. „Die Poesie der Naturwissenschaften“ ist eine Autobiographie die weit weg ist vom Normalen. Eine echte Fundgrube, bei der man auf jeder Seite staunt und Neues entdeckt.

Ullstein, 730 Seiten; 38,00 Euroo


Martin Walserdaumen runter

Ein sterbender Mann

Ein sterbender MannTheo Schadt, 72, Firmenchef und auch als Autor erfolgreich, wird von seinem engsten und einzigen Freund seit 19 Jahren, Carlos einem Dichter, verraten. Beruflich ruiniert, sitzt Theo Schadt jetzt an der Kasse des Tangoladens seiner Ehefrau, in der Schellingstraße in München. Und weil er glaubt, er könne nicht mehr leben, wenn das, was ihm passiert ist, menschenmöglich ist, hat er sich in einem Online-Suizid-Forum angemeldet. Da schreibt man hin, was einem geschehen ist, und kriegt von Menschen Antwort, die Ähnliches erfahren haben. Das gemeinsame Thema: der Freitod.

Es gab einmal eine Zeit, da war Martin Walser ein großer Schriftsteller. Doch diese Zeit liegt schon lange zurück. Seit Jahren nun schon, schreibt Martin Walser (Jahrgang 1927) Romane, die überquellen – vor Langeweile. „Ein sterbender Mann“ reiht sich da ein. Eigentlich eine Geschichte, die sich spannend anhört und aus der man viel hätte machen können, aber der Autor findet nie Zugang zu seiner eigenen Geschichte. Geradlinige Literatur, nicht mit Martin Walser. Was gibt es zu „Ein sterbender Mann“ noch zu sagen? P. S. Der Roman ist unausgegoren, belanglos, langweilig, ein Abgesang des Schriftstellers auf sich selbst.

Rowohlt, 287 Seiten; 19,95 Euro


Celeste Ngdaumen rauf

Was ich euch nicht erzählte

Was ich euch nicht erzählte Am Morgen des 3. Mai 1977 erscheint Lydia nicht zum Frühstück. Am folgenden Tag findet die Polizei ihre Leiche. Mord oder Selbstmord? Die Lieblingstochter von James und Marilyn Lee war ein ruhiges, strebsames und intelligentes Mädchen. Für den älteren Bruder Nathan steht fest, dass Jack an Lydias Tod Schuld hat. Marilyn, die ehrgeizige Mutter, geht auf Spurensuche. James, Sohn chinesischer Einwanderer, bricht vor Trauer um die Tochter das Herz. Allein die stille Hannah ahnt etwas von den Problemen der großen Schwester. Was bedeutet es, sein Leben in die Hand zu nehmen? Welche Kraft hat all das Ungesagte, das Menschen oft in einem privaten Abgrund gefangen hält? Nur der Leser erfährt am Ende, was sich in jener Nacht wirklich ereignet hat.

Eine dramatische Familiengeschichte der besonderen Art! Die Figuren in „Was ich euch nicht erzählte“ sind lebensecht dargestellt. Jede dieser Figuren geht mit dem Tod von Lydia anders um. Vater James, Mutter Marilyn und die Geschwister Hannah und Nathan. Was macht der Tod eines geliebten so jungen Familienmitglieds mit dem Rest der Familie? Dieser Frage geht die Autorin nach. Aber auch, wie Kinder eine Ehe und die Liebe verändern, was es bedeutet, Teil einer Familie zu sein. Es kann „weich und warm und erdrückend“ sein. Wie eine Entfremdung in der Familie stattfindet, von den Ehepartnern und von den Eltern zu den Kindern. Und was es heißt, fremd im eigenen Land zu sein. „Was ich euch nicht erzählte“ nimmt einen auf eine emotionale und aufwühlende literarische Reise mit – tragisch, traurig, das normale Leben erzählend.

Auch als Hörbuch erhältlich bei DAV. Britta Steffenhagen liest kühl und elegant. Ihre Lesung wird der sehr guten Geschichte gerecht. 19,99 Euro.

dtv, 282 Seiten; 19,90 Euro


Thomas Riddaumen rauf

Maschinendämmerung – Eine kurze Geschichte der Kybernetik

Maschinendämmerung  Eine kurze Geschichte der KybernetikSind wir auf dem Weg in eine schöne neue Cyberwelt? Vernetzte Haushaltsgeräte und selbstfahrende Autos könnten bald so alltäglich sein wie permanentes Lifelogging und Maschinen, die unsere Gedanken lesen. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Wie wurden Maschinen nicht nur Ersatz für unsere Muskelkraft, sondern ein unverzichtbarer Begleiter, dem wir sogar das Denken überlassen? Kontrollieren wir noch unsere Maschinen, oder kontrollieren sie längst uns? Um das und um noch viel mehr geht es in diesem Buch.

Ein Buch voller Mythen, die nach und nach Realität wurden und wahrscheinlich noch werden. Der Autor schreibt, dass die Geschichte der kybernetischen Mythen den Schwerpunkt des Buches bildet. Die Themen sind breit gefächert und reichen von autonomen Robotern, Exoskeletten und Walking Trucks bis zu Virtuelle-Realität-Brillen und Remailers. Falls Sie nur Bahnhof verstehen, in Zukunft aber klar sehen wollen, lesen Sie dieses Buch. Es wird Sie ein ums andere Mal überraschen.

Propyläen, 492 Seiten; 24,00 Euro


Ulli Olvedidaumen rauf

Die Yogini

Die Yogini

Krieg und Intrigen, Leidenschaft und innere Suche zeichnen Lenjams Weg. Sie wächst gemeinsam mit ihrer Ziehschwester Nyima und deren wohlhabenden Eltern in Osttibet auf, in einer Welt voller Götter, Geister und Dämonen, doch zugleich in der geistigen Welt des tibetischen Buddhismus. Angetrieben von ihrem größten Wunsch, eine Yogini, Schülerin auf dem tantrischen Weg zu werden, findet sie Meister und Meisterinnen und erlernt das Geheimnis der spirituellen Partnerschaft.


Ein berauschender, mitreißender, erfüllender und abenteuerlicher Roman! Eine Geschichte, die einen noch lange begleitet, auch nach der Lektüre. Die Frauenfiguren des Romans schillern nicht weniger, als die Geschichte selbst. Tief von der Seele heraus. Man lernt in „Die Yogini“ das alte Tibet und den Buddhismus auf eine eingängige Art kennen.

Arkana, 574 Seiten; 22,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Nicole Gozdek

Die Magie der Namen

Die Magie der Namen

Der 16-jährige Nummer 19 träumt davon, als Erwachsener ein Held und bedeutender Name zu werden. Als der Tag der Namensgebung endlich gekommen ist, lösen sich seine Hoffnungen in Unglauben auf. Er erhält einen Namen, den keiner zu kennen scheint. Wer ist dieser Tirasan Passario, dessen Namen er für den Rest seines Lebens tragen wird? Nur das große Namensarchiv in der Hauptstadt Himmelstor kann ihm Auskunft geben. Gemeinsam mit dem Krieger Rustan Polliander und dessen Freunden macht er sich auf in die weit entfernte Stadt. Doch die Reise entpuppt sich als gefährlicher als erwartet. Namenlose und dunkle Verfolger trachten der Gruppe nach dem Leben.

Welch wunderbares und furioses Fantasy-Abenteuer! Nicole Gozdeks Debütroman „Die Magie der Namen“ sprüht nur so vor frischen Ideen, unverwechselbaren Charakteren und nicht wenigen spannenden Momenten. Die Autorin hat eine Welt erschaffen, in der Namen alles sind. Sie bestimmen dein Leben, sie geben dir Macht oder lassen dich im Volk verschwinden. Dieses furiose Fantasy-Abenteuer wird gelesen von Jacob Weigert. Ein Hörbuchsprecher, den man sich merken muss! Er hat etwas von dem großartigen Stefan Kaminski, dem Mann der tausend Stimmen. Auch Jacob Weigert gibt den einzelnen Figuren fantastische Stimmen.

Auch als Hardcover erhältlich bei IVI, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 520 Minuten; 19,99 Euro


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