Mai 27, 2024

Kolumne 15.04.2024 Nr. 817

     
      BuchKolumne 15.04.2024 Nr. 817

John Grisham – Die Entführung
Emma Haughton – Tödliche Oase
Benjamin Koppel – Annas Lied
Anna Helford – Season Sisters – Frühlingsgeheimnisse
Ehrhard Behrends – Der große mathematische Zauberstab

      Hörbuch der Woche

Eva Almstädt – Ostseefinsternis

   John Grisham – Die Entführung

Fünfzehn Jahre ist es her, dass Mitch McDeere gemeinsam mit dem FBI seine kriminelle alte Firma hat hochgehen lassen. Mittlerweile arbeitet er in der größten Anwaltskanzlei der Welt in Manhattan. Da holt ihn das Verbrechen wieder ein: Als ihn ein Mentor in Rom um einen Gefallen bittet, findet sich Mitch schnell im Zentrum eines mörderischen Konflikts wieder. Er soll durch eine immense Lösegeldzahlung eine Geiselnahme beenden, doch die Umstände sind dramatisch. Schon bald ist nicht nur er selbst in Gefahr, sondern auch die, die ihm nahestehen.

Mitch McDeere aus dem Weltbestseller und Filmerfolg (mit Tom Cruise) „Die Firma“ ist zurück! Es scheint, als habe sich John Grisham mit „Die Entführung“ einen kleinen Schriftstellertraum erfüllt. Einerseits holt er Mitch McDeere auf die literarische Bühne zurück und anderseits schreibt er einen internationalen Thriller, weit weg wirken da die Gerichtssäle der USA. Die Story beginnt mit der Aufarbeitung von Mitch und Abbys Zeit nach den Ereignissen in „Die Firma“, bevor Mitch dann einen neuen internationalen Fall erhält. Dieser führt ihn im Jahr 2005 ins Libyen von Gaddafi. Aus einem Rechtsstreit um eine Brücke in der Wüste entwickelt sich nach und nach ein rasanter Thriller. Mitch und auch seine Frau Abby kämpfen gleich an mehreren Fronten – Entführung, Morddrohung, Familie. Es beginnt ein spannendes Hin und Her. „Die Entführung“ ist ein ungewohnter John Grisham, aber einer der überzeugt!

Heyne, 383 Seiten; 24,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Es liest wieder Charles Brauer. Der große Charles Brauer. Brauer/Grisham – wie immer ein perfektes Team! 24,00 Euro.

John Grisham – Die Entführung – Hörprobe 3:49 Min.

Emma Haughton – Tödliche Oase

Zoey kann sich nicht an letzte Nacht erinnern. Sie weiß nur, dass etwas nicht stimmt. Denn als sie aufwacht, ist sie nicht mehr in New York, sondern irgendwo in einer glühend heißen Wüste: in einem Haus, das ihr fremd ist, mit Menschen, die sie nicht kennt. Zoey wurde in der Oase aufgenommen, einem luxuriösen und isolierten Rehazentrum mitten im unerträglich heißen Nirgendwo. Dort findet man Zuflucht vor dem Alltag – oder vor dem Gefängnis. Zoey hat zwar ihre Geheimnisse und das ein oder andere Problem, trotzdem ist sie davon überzeugt, alles unter Kontrolle zu haben. Bis mit jedem Tag und jedem Gespräch neue Erinnerungen hochkommen. Schließlich muss Zoey erkennen, dass jemand in der Oase ihr schaden und sie offenbar sogar töten will.

Die Engländerin Emma Haughton hat mit „The Dark“ 2022 ihr Thriller-Debüt abgeliefert. Die Story spielte in der Antarktis. Damals schrieb ich: „Sehr überzeugend schildert sie die Antarktis, die Kälte, die Düsternis und wie ihre Protagonisten mit der Enge dieser Naturgewalt umgehen müssen.“ Emma Haughton hatte also mit dem Setting überzeugt. Aber mit der Spannung eher weniger. Und so ist es auch in ihrem neuen Thriller „Tödliche Oase“. Wieder hat sie ein echt tolles Setting gewählt. Das genaue Gegenteil, von der Kälte in die Hitze. Doch mit dem Ausschöpfen des vorhandenen Spannungspotenzials tut sich Emma Haughton weiter schwer. Die Story beginnt gut, verflacht aber dann zusehends, bis gegen Ende hin wieder mehr Spannung aufkommt. Man hätte so viel aus dieser Story machen können! Doch so ist die Spannung tatsächlich nur eine kleine Oase in einer großen Wüste.

Knaur, 383 Seiten; 16,99 Euro

      Benjamin Koppel – Annas Lied

Kopenhagen zwischen den Weltkriegen: Die politischen Entwicklungen der späten 1930er Jahre stehen unmittelbar bevor, doch noch ist die Wohnung der Koppelmans voller Trubel, Verwandter, Gespräche und Musik. Hannah, die jüngste der vier Geschwister, möchte eines Tages selbst Musikerin werden, wie ihre Brüder. Doch für sie, das einzige Mädchen, ist ein anderer Weg vorgesehen: Es ist an ihr, den Namen der Familie zu wahren und die Eltern nicht zu enttäuschen. Krieg, Flucht und die Trennung von ihrer großen Liebe Aksel verschlagen sie nach Paris in eine arrangierte Ehe. Weit weg von zu Hause erinnern nur die Musik und Aksels Briefe Hannah – eigentlich Anna – daran, wer sie einmal werden wollte. Kann sie die Pflichten des Lebens annehmen und ihre eigenen Träume trotzdem festhalten?

Das literarische Dänemark schwärmt von Benjamin Kopples Buch „Annas Lied“. Darin verarbeitet er Züge seiner eigenen Familiengeschichte und seinem jüdischen Erbe. Eine herzergreifende, traurige, dramatische, hoffnungsvolle, berührende und fesselnde Geschichte! Benjamin Koppel hat die Stimmungen der damaligen Zeit beachtlich intensiv und fein zugleich eingefangen. Anna ist ein starke Frauenfigur, die immer wieder in Ecken gedrängt wird, aus denen sie sich wieder befreien muss. Aber auch die anderen Charaktere sind Benjamin Koppel gut gelungen. Man summt mit ihnen „Annas Lied“.

Fischer, 527 Seiten; 26,00 Euro

   Anna Helford – Season Sisters – Frühlingsgeheimnisse

Von den vier Season-Schwestern ist die Frühlingsschwester Spring die Rebellin, schon mit sechzehn ist sie nach London durchgebrannt. Doch dort gerät sie in schlechte Kreise und wird wegen Drogenmissbrauch zu Sozialstunden verurteilt, die sie bei der achtzigjährigen Sophia Fowler als Haushaltshilfe ableisten muss. Wider Erwarten lernt Spring die strengen Regeln der alten Dame schätzen und freundet sich mit ihr an. Dabei erfährt sie, dass Sophia, einst Herrin von Daffodil Castle, vor Jahren von ihrem Sohn nach London abgeschoben wurde. Über die Gründe schweigt sich Sophia jedoch aus. Daffodil Castle! Kindheitserinnerungen werden in Spring wach, und war nicht Ethan Fowler ihre erste große Liebe? Keine Frage: Sie müssen zurück nach Wales und Frieden mit der Vergangenheit schließen.

Starten Sie in die Buch-Jahreszeiten – mit den „Season Sisters“ von Anna Helford. Lucinda Riley lässt grüßen! Die Grundstory entspricht schon sehr der Großmeisterin in Sachen Gegenwart/Vergangenheit-Storys. Der eine Teil der Geschichte spielt eben in der Gegenwart, der andere 1876. Beide Geschichten sind sehr unterschiedlich und spannend, und bieten so reichlich schöne Lesestunden. Auch die erste Schwester Spring, die wir von den „Season Sisters“ Spring, Summer, Autum und Winter in „Frühlingsgeheimnisse“ kennenlernen dürfen, bietet eine Menge Reibungspunkte. Gut so. Anne Helford ist ein Name, den man sich merken muss! Die Reihe geht im Mai 2024 weiter mit „Sommerstürme“.

dtv, 429 Seiten; 13,00 Euro

  Ehrhard Behrends – Der große mathematische Zauberstab

Was ist die richtige Entscheidung zwischen Geld oder Niete? Wer bahnt sich den einzig möglichen Weg durch den Karten-Irrgarten? Wie verblüfft man die Gästeschar bei runden Geburtstagen und Jubiläen? 26 brandneue Zauberkunststücke erwarte Sie, die es so noch nirgendwo gegeben hat: Wer beim nächsten Treffen mit Freunden oder Familie etwas Funktionierendes vorführen möchte, wird in diesem farbig illustrierten Band garantiert fündig. Ehrhard Behrends erklärt nicht nur, wie die leicht erlernbaren Zaubereien mit Zahlen und Karten klug vorbereitet und effektvoll vorgeführt werden, sondern auch die Mathematik, die sie möglich macht. Man kann alles vorführen, ohne sich um diesen Hintergrund zu kümmern. Wer es aber wissen will – und das macht für die mathematisch Interessierten den Reiz aus –, wird ohne Spezialvorkenntnisse einiges lernen können.

Ehrhard Behrends ist kein Unbekannter. „Der große mathematische Zauberstab“ ist die Fortsetzung des Erfolgsbuches von 2015 „Der mathematische Zauberstab“. Der Autor ist bzw. war Professor für Mathematik und Informatik, und er wurde schon 2015 als Mitglied in den Magischen Zirkel von Deutschland aufgenommen. Ein Mann also, der weiß, wovon er spricht bzw. schreibt. Dieses Buch ist ein lohnendes Investment, damit Sie die Welt um sich herum verblüffen und verzaubern können! Die Hauptkapitel sind: „Zahlenquadrate“, „Geometrie“, „Zauberhafte Rechnungen“, „Zaubern mit Primzahlen“, „Haben Lügen wirklich kurze Beine?“, „Wie wird in Australien gemischt?“, „Ist die Reihenfolge egal?“, „Wie viele Fragen braucht man?“, „… und noch mehr Kartenkunststücke“, „Zaubern mit dem Zufall“ und „Logisches Denken hilft“.

Rowohlt, 303 Seiten; 15,00 Euro