Mai 27, 2024

Kolumne 18.03.2024 Nr. 813

     BuchKolumne 18.03.2024 Nr. 813

Barbara Kingsolver – Demon Copperhead
Jessa Maxwell – Wer den Löffel abgibt
Nikki Marmery – Mein Name ist Lilith
Monty Don – Das Gartenbuch
Katrin de Vries – Ein Garten offenbart sich

Barbara Kingsolver – Demon Copperhead

Ein Trailer in den Wäldern Virginias, dem Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der Hillbilly-Cadillac-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt – die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren, großer Klappe und einem zähen Überlebenswillen, bei allem, was das Leben für ihn bereithält: Armut, Pflegefamilien, Drogensucht, erste Liebe und unermesslichen Verlust.

Die weltweite Presse überschlägt sich mit hymnischen Besprechungen zu „Demon Copperhead“. Autorenkollegen von Stephen King bis Richard Powers schwärmen in den höchsten Tönen für diesem Roman. Ist das gerechtfertigt? Aber HALLO! „Demon Copperhead“ ist ein literarisches Erweckungserlebnis! Ein Roman, wie man ihn im Jahr – sehr wahrscheinlich – nur einmal zu lesen bekommt! Barbara Kingsolver gibt Demon Copperhead eine so unglaublich natürliche, liebevolle, knautschige, wilde, unverblümte Stimme, die seinesgleichen sucht. Das Leben von Demon ist unverschämt und ungewollt wild, traurig, sehr traurig, aber auch immer wieder mit der nötigen Schippe Hoffnung und so voller unerwarteter Ereignisse. Auf jeder Seite erwartet einen ein neues Abenteuer. Darunter sind viele Abenteuer, die Demon aber gerne vermieden hätte, doch für die LeserInnen ein literarischer Springbrunnen an purem Leben. Lebenswillen. Überleben. Wenn man schon als Kind ganz unten ist, und trotzdem nicht aufgibt, dann hat man das Zeug dazu, ein literarischer Held zu werden. Der Hauptdarsteller eines Klassikers zu sein, über den man auch in Jahrzehnten noch sprechen wird. „Demon Copperhead“ erinnert mich auch an die glanzvollen Romane eines John Irving. Ein geniales Meisterstück! Weltbestseller. Pulitzer-Preisträger.

dtv 862 Seiten; 26,00 Euro


Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Meisterlich gelesen von Fabian Busch! 30,00 Euro.

Barbara Kingsolver – Demon Copperhead. Hörprobe 3:22 Min.

 Jessa Maxwell – Wer den Löffel abgibt

Betsy Martin, Starköchin und Jurorin, öffnet zum zehnten Mal ihre Türen für die „Bake Week“, einen erfolgreichen Backwettbewerb eines bekannten Streamingdiensts. Mit dem Fernsehteam, den Teilnehmern und Teilnehmerinnen muss sie dieses Jahr auch einen zweiten, jüngeren Juror auf ihrem Landsitz und Elternhaus Grafton Manor willkommen heißen – ihre Begeisterung über die Konkurrenz hält sich allerdings in Grenzen. Das Ensemble des Wettbewerbs ist wie stets bunt gemischt: Neben einer großmütterlichen älteren Dame sind ein wissenschaftlicher Perfektionist, eine ehrgeizige junge Frau, ein gelangweilter Start-up-Millionär, ein Familienvater und eine labile Hobbybäckerin vertreten. Doch hinter den Fassaden verbergen sich Rätsel und Geheimnisse. Kleine Sabotageakte eskalieren und es kommt, wie es kommen muss: Bald liegt eine Leiche am Set.

Backen und morden = „Wer den Löffel abgibt“! Der Titel ist sehr passend und mit einem Augenzwinkern gewählt. Auch das Cover überzeugt. Doch der Inhalt hat so seine Schwächen. Wie beim Backen scheinen die Zutaten zu stimmen, doch das alles zu einem stimmigen Teig, zu einer stimmigen Geschichte zu formen, da hat die Autorin Jessa Maxwell noch Verbesserungspotenzial. Mit den Krimis von Agatha Christie kann man diesen Kriminalroman nicht vergleichen. Es fehlt an Spannung, an den nötigen Kniff und auch die Charaktere laden nicht dazu ein, weiter in ihren Genuss kommen zu wollen. Vielleicht stimmen beim nächsten Buch dann nicht nur die Zutaten, sondern überzeugt auch das Endergebnis.

Knaur, 345 Seiten; 12,99 Euro

  Nikki Marmery – Mein Name ist Lilith

4044 v. Chr.: Lilith und Adam leben gemeinsam im Garten Eden. Als Adam verlangt, dass Lilith als seine Frau seinem Willen gehorchen soll, weigert sie sich – und wird aus dem Paradies vertrieben. Zornig sieht Lilith, wie Gott Eva erschafft, die Frau, die nur Unterordnung kennt. Denn Lilith erinnert sich noch an Asherah, die einst mächtige Ur-Göttin. Doch sie ist verschwunden. Zusammen mit dem Erzengel Samael bricht Lilith auf, die Göttin zu finden und die Frauen aus der Unsichtbarkeit zurück ins Licht der wahren Geschichte zu führen.

Im Paradies, am Anfang der Zeit, beginnt die große Lüge: Frauen sind Männern untergeordnet. Nikki Marmerys „Lilith“ ist die Neuerzählung des christlichen Mythos. Die Bibel würde ganz rot werden, wenn die Bibel dieses Buch würde lesen können! Nikki Marmerys Ideenreichtum ist unbegrenzt. Sie spielt mit der Geschichte, wie ein Gladiator mit einer kleinen flauschigen Kuschelkatze. Die Geschichte beginnt mit: „Anfangs liebte ich ihn. Wie schön er in jenen Tagen war … Sein betörend modriger Geruch riss mir den Boden unter den Füßen weg. Er machte mich ganz flattrig. Und vermutlich ich ihn. Anfangs.“ Der Beginn einer Beziehung – rosarot und betörend. Schon vor tausenden von Jahren. Doch das Gebilde bekommt schnell Risse. Bibelmächtige Risse. „Mein Name ist Lilith“ ist ein durch und durch feministischer Roman mit viel Krawall und einer großen Geschichte der Umkehr, der Wahrheiten. Eine Geschichte, die große Lust macht!

Fischer, 462 Seiten; 22,00 Euro

   Monty Don – Das Gartenbuch

Monty Dons Gartenbuch ist die Kombination aus Gartenpraxis und Kreativität. Neben praktischen Anleitungen zur Anlage und Pflege von Gärten finden sich hier Gestaltungsvorschläge für die verschiedenen Bedürfnisse und Erwartungen, denen ein Garten gerecht werden soll. Abgerundet wird das Buch mit Pflanzenporträts, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und viel Gartenwissen. Das bedeutet für Sie: Traumgarten leicht gemacht!

Es geht wieder los, die Gartensaison. Raus in den Garten, auf die Terrasse oder auch nur den Balkon, und Natur gestalten. Der bekannte englische Garten-Experte Monty Don berät Sie mit seinem neuen Buch in allen wichtigen Fragen. Ein Buch, das sich kein Gartenfreund entgehen lassen sollte! Einige Hauptkapitel sind: „Gartentypen“, „Böden“, „Topferde“, „Gartenwerkzeug“, „Blüten“, „Beeren, Borke & Blätter“, „Nutzpflanzen“, „Struktur & Design“, „Zimmerpflanzen“, „Vermehrung“, „Aussaat“, „Kompost“, „Schädlinge“ und „Krankheiten“.

Dorling Kindersley, 352 Seiten; 29,95 Euro

  Katrin de Vries – Ein Garten offenbart sich

Als Katrin de Vries nach Jahren in der Großstadt zurück in ihre Heimat zieht, in ein Backsteinhaus in Ostfriesland, zu dem auch ein großer Garten gehört, ist sie noch überzeugt: Rasen gehört gemäht, Unkraut gejätet und morsche Bäume sollten gefällt werden. Doch nach und nach ändert sich ihre Vorstellung von Naturschönheit, ja von Natur überhaupt, und sie wagt einen neuen Ansatz: Statt den Garten nach herrschenden Vorstellungen zu gestalten, lässt sie den Bäumen, Gräsern, Büschen und Blumen vor ihrer Haustür freien Lauf. Und während es um sie herum wächst, wimmelt und sprießt, beobachtet sie und lernt – und muss dabei unweigerlich an ihre Großeltern denken, für die der Garten noch eine ganz andere Bedeutung hatte.

„Ein Garten offenbart sich“ – eine Offenbarung für jeden Gartenfreund! Katrin de Vries hat mit ihrem Buch eine persönliche Garten-, eine ganz persönliche Lebensgeschichte geschrieben. Ein Buch wie ein Heftpflaster für die gestresste Seele! Einige Hauptkapitel sind: „Die Zukünftigen“, „Nichts mehr tun“, „Hausputz“, „Der Grund“, „Zierrat“, „Dinge kaufen“, „Ein ostfriesischer Dschungel“, „Stille Helden“, „Grüngoldene Kätzchen“, „Fremde Schönheiten“, „Der menschliche Tod“ und „Ein Blick hinaus“.

dtv, 228 Seiten; 24,00 Euro