Oktober 2, 2022

Kolumne vom 12.02.2018

Kolumne vom 12.02.2018 – Nr.495


Jon Hollins

daumen rauf

Das Gold der Narren – Dragon Lords 1

Das Gold der Narren Dragon Lords 1

Spätestens seit „Der Hobbit“ weiß jeder, dass Drachen schlechte Herrscher sind, die den ganzen Tag auf ihrem Goldschatz sitzen, die Steuern erhöhen und ihren Untertanen das Vieh von der Weide fressen. Das bekommt auch der arme, aber unbescholtene Bauer Will Fallow zu spüren, als eines Tages die Soldaten des Drachenkönigs Mattrax auf seiner Schwelle stehen, um ihn wegen Steuerhinterziehung in den Schuldturm zu werfen. In letzter Sekunde gelingt es Will, in die nahe gelegenen Wälder zu fliehen, wo er einer kleinen Gruppe besonderer Leute begegnet. Gemeinsam ziehen sie nun gegen die Drachen in den Kampf, um sich ihr Gold zurückzuholen …

Ein Fantasy-Spektakel der Extraklasse! Der Roman beginnt absolut fesselnd und lässt einen dann keine Seite mehr los. Jon Hollins schreibt spannend und immer wieder mit einem Augenzwinkern versehen. So schmunzelt man fast durchgehend zwischen der ganzen Spannung und Dramatik, die der erste Teil der Dragon-Lords-Reihe zu bieten hat. Jon Hollins’ Charaktere kann man wahrlich als sehr speziell bezeichnen. Aber die verrückte Bande macht einen Großteil der Faszination dieses Werks aus. Fantasy in der das Blut spritzt und der Witz dabei immer mitschwingt. Wenn Quentin Tarantino einen Drachen-Fantasy-Roman verfilmen sollte, wäre die „Dragon-Lords“-Reihe von Jon Hollins eine gute Wahl! Am 12 März erscheint schon der zweite Teil der Reihe, „Gefallene Götter“.

Heyne, 668 Seiten; 15,99 Euro


Magda Albrecht

daumen runter

Fa(t)shionista

Fatshionista

Schon als Sechsjährige ärgert sich Magda Albrecht über die Kommentare ihrer Mitmenschen, die abfällig über ihren dicken Körper sprechen. Heute will sie das Schönheitsideal verändern, besser: ausdehnen, denn nicht die vielen Pfunde, sondern die Vorurteile sind hartnäckiger als gedacht: Wer dick ist, hat versagt, ist faul und ungebildet. Warum eigentlich?, fragt sich die Autorin nach vielen Jahren der Verunsicherung und verordnet sich seither keine Diätshakes mehr, sondern eine doppelte Portion Selbstbewusstsein.

Wenn ich Magda Albrechts Kind- und Jungenderlebnis lese, fühle ich mich in meine Jungendzeit zurückversetzt. Auch ich hatte in dieser sehr schweren Zeit massives Übergewicht. Daher kann ich alles Leid, dass sie da durchlebt hat 1 zu 1 bestätigen. Mit 16 Jahren wog ich 150 kg! Doch ich fand mich dann selbst nicht mehr damit ab dick zu sein. Egal was andere sagten, ich wollte schlank sein. Ich wollte modische Klamotten tragen und vor allem gesund älter werden. Ich habe mich nicht aufgegeben, so wie es Ausredenkönigin Magda Albrecht tut. Ich habe bis ich 19 war – ohne Hilfe – über 70 Kilo abgenommen. Magda Albrecht schafft es nicht gesund abzunehmen, was nichts mit einer Diät zu tun hat. Sie propagiert nun, wie toll es ist dick zu sein. Dem kann ich mich nicht anschließen. Jeder soll so sein, wie er es für richtig hält – keine Frage. Aber mit seinem Dicksein haussieren zu gehen,  ist schon fragwürdig. Magda Albrecht findet immer eine Ausrede und eine Studie, warum auch andere Menschen krank werden und sterben – nicht nur Dicke. Darum geht es nicht. Sie hat diese Ausrede auf gut 200 der 300 Seiten perfektioniert. Das muss man ihr lassen. So viel Text für etwas, was man auf 10 Seiten ausreichend und vor allem ohne eine Ausrede zu finden, beschreiben könnte. Magda Albrecht ist noch jung. Doch in den nächsten 10 bis 15 Jahren werden durch ihr extremes Übergewicht immer mehr Schäden für ihren Körper entstehen, wenn sie ihr jetziges Gewicht beibehält. Und die werden dann bleiben und noch schlimmer werden. Aber das ist ihr Ding.

Ullstein, 331 Seiten; 16,00 Euro


Hans Joachim Schädlich

daumen rauf

Felix und Felka

Felix und FelkaRom, an einem Nachmittag im Mai 1933. Ein tätlicher Angriff des Malers Hanns Hubertus Graf von Merveldt zwingt den deutsch-jüdischen Maler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der nazistischen Judenverfolgung unmöglich. Nach Aufenthalten an der italienischen Riviera, in Paris und Ostende finden sie schließlich eine Bleibe in Brüssel. Dem dringlichen Rat eines Freundes, sich nach Palästina zu retten, folgen sie nicht. Obwohl die Bedrohung durch die deutschen Besatzungsbehörden zunimmt, bleiben sie in Brüssel, verstecken sich in einer Mansarde.

Minimalistischer schreiben als Hans Joachim Schädlich kann man kaum. Aber er beherrscht diesen minimalistischen Stil. „Felix und Felka“ ist absolut herausragend! Eine jüdische Geschichte während der Nazidiktatur so erzählt zu bekommen, das hat es bisher noch nicht gegeben. Hans Joachim Schädlich beschreibt nicht die Personen oder die Umgebung, und wenn dann nur in einem Satz, sondern er erzählt die dramatische Geschichte des jüdischen Malerpaars Felix Nussbaum und Felka Platek fast wie ein Gedicht. Das Drama um „Felix und Felka“ rast so mit atemberaubender Geschwindigkeit voran. Ein kleiner großer Roman!

Rowohlt, 194 Seiten; 19,95 Euro


Claudia Gray

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Leia – Prinzessin von Alderaan

Leia Prinzessin von AlderaanDie sechzehn Jahre alte Leia Organa steht vor der bislang größten Herausforderung ihres noch jungen Lebens: Sie muss ihre Eignung als Thronerbin des Planeten Alderaan unter Beweis stellen. Dazu gehören Überlebenstraining, Schulungen in galaxisweiter Diplomatie und brandgefährliche Missionen auf Welten, die unter imperialer Kontrolle stehen. Als wäre das alles nicht schon schwer genug, muss sich Leia auch mit dem veränderten Verhalten ihrer Eltern auseinandersetzen, die nicht mehr sie selbst zu sein scheinen. Als die junge Prinzessin schließlich herausfindet, welche Geheimnisse vor ihr verborgen werden, steht Lea vor einer schweren Entscheidung …

„Star Wars“ ist Kult! Ob als Film oder Buch, man saugt die Geschichten nur so in sich auf und wird Teil dieser Welt. Nun hat eine der wenigen Frauen unter den Star-Wars-Roman-Autoren ihren neuen Roman veröffentlicht. „Lea – Prinzessin von Alderaan“. Darin erfährt man viel über das Leben der jungen Lea, dass man so bisher nicht kannte. Für jeden „Star-Wars“-Fan eine lohnende Lektüre!

Panini Books, 380 Seiten; 14,99 Euro


Denis Thériault

daumen rauf

Die Verlobte des Briefträgers

Die Verlobte des Briefträgers

Bilodo, ein junger Briefträger aus Montreal, hat nach einem Unfall sein Erinnerungsvermögen eingebüßt. Als er aus dem Koma erwacht, sitzt Tanja an seinem Bett, die schüchterne Kellnerin aus seinem Lieblingslokal. Sie behauptet, seine Verlobte zu sein, doch Bilodo zweifelt daran. Erst als Tanja beschließt, ihm Haikus zu schreiben, die er seit jeher liebt, scheint sie sein Herz zu erobern – bis eines Tages die Erinnerung schlagartig wiederkehrt.

 

Der Franzose Denis Thériault ist vielseitig begabt. Sein neuester Roman zeigt auch eine ganz besondere Begabung. Mit wenigen Zeilen fesselt er den Leser an seine Figuren und ihre Geschichte. Die Geschichte von einer Liebe, die auf ganz leisen Sohlen daherkommt und dann plötzlich in einem Feuerwerk übergeht. „Die Verlobte des Briefträgers“ ist ein zauberhafter Liebesroman, der einen auch viel über das Leben erzählt.

dtv, 208 Seiten; 14,90 Euro


Hörbuch der Woche

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Jürgen von der Lippe

Live – Wie soll ich sagen …?

Live Wie soll ich sagen

Seit 2014 tourt der Altmeister der deutschen Comedy mit seinem Live-Programm und macht jedes Mal die Säle voll bis auf den letzten Platz. Jürgen von der Lippe durchleuchtet unseren Alltag, das komplizierte Verhältnis zwischen Mann und Frau, die oft verwirrende deutsche Sprache – und kitzelt unsere Lachmuskeln dort, wo sie es am allerliebsten haben. Wenn er zur Gitarre greift, zeigt sich: Er kann – auch nach 40 Jahren – immer noch Ohrwürmer.

2 Stunden Dauerlachen gefällig? Dann hören Sie sich das neue Bühnenprogramm „Wie soll ich sagen …?“ von Jürgen von der Lippe an. Medizin für die Lachmuskeln! Jürgen von der Lippe lässt einen Kracher nach dem anderen los. Er widmet sich der deutschen Sprache, dem Miteinander, dem Altwerden, seiner Kindheit und seinem Leben als Komiker in der Öffentlichkeit. Und er hat die Stimme von Peter Maffay, Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer perfekt drauf. Vor allem bei Herbert Grönemeyer werfen Sie sich weg vor lachen. Zum Abschluss des Programms verrät Jürgen von der Lippe noch, was er sagt, wenn er mal so richtig von jemandem genervt ist: „Wissen Sie, was der Unterschied zwischen einem Schneemann und mir ist? Den Schneemann können Sie nur im Winter am Arsch lecken.“ Hörprobe

Random House Audio, 2 CDs, 114 Minuten; 9,99 Euro


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