Juni 15, 2026

Aktuelle Kolumne 15.06.2026 Nr. 886

 

      BuchKolumne 15.06.2026 Nr. 886

Simon Mason – Das kalte Herz von Oxford
Madeline Cash – Verlorene Schäfchen
Jean-Claude Vinet  – Trügerisches La Rochelle
Karine Tuil – Die Liebeshungrigen
Claudia Schaumann – Dieser Sommer gehört mir

Hörbuch zur Ausgabe :

Jason Dark – Geisterjäger John Sinclair
Folge 188 bis Folge 192

 Simon Mason – Das kalte Herz von Oxford

Für Rachel Clarke beginnen an einem strahlenden Sommertag in Oxford die dunkelsten Stunden ihres Lebens: Ihre 4-jährige Tochter Poppy verschwindet, während Rachel kurz abgelenkt ist. Niemand will etwas gesehen haben. Sofort wird die Polizei eingeschaltet, und auch Ryan Wilkins nimmt Anteil an der Suche. Zwar ist er vom Dienst suspendiert, sodass nur sein Ex-Partner DI Ray Wilkins offiziell ermittelt, doch Ryan kann nicht tatenlos bleiben. Zumal ihn ein Ereignis in der Nacht nach der Tat nicht loslässt: „Mick Dick“, ein Kleinkrimineller, kommt bei einem Unfall ums Leben, nachdem ihn irgendetwas in Panik versetzt hatte. Ryan ahnt, dass Mick in Poppys Verschwinden verwickelt war. Und er nutzt seine Kontakte in Oxfords Unterwelt, um das Mädchen zu finden, bevor es zu spät ist.

Simon Mason hebt den britischen Kriminalroman mit seinem so unterschiedlichen Ermittler-Duo Ryan und Ray Wilkins auf ein neues Niveau! Nach dem 1. Fall „Ein Mord im November“, der auch bei uns ein Bestseller wurde, folgt nun der 2. Fall „Das kalte Herz von Oxford“. Dieser war auf der „Times“-Liste der besten Spannungsromane des Jahres. Und das hat Gründe, denn auch der 2. Fall für das tolle Ermittler-Duo Wilkins und Wilkins ist taff, abwechslungsreich, spannend, und vor allem darf man den beiden Ermittlern wieder bei ihrer Arbeit zusehen, und auch ihre Privatleben weiter erforschen. Der ungestüme Ryan Wilkins will wieder zurück in den Polizeidienst, aber das ist für seine Persönlichkeit gar nicht so einfach, denn er kann einfach nicht aus seiner Haut. Ray hat dagegen mit seiner schwangeren Lebensgefährtin Diane zu „kämpfen“. Und natürlich mit dem Fall, der das ganze Land in Aufruhr versetzt. Ganz klar wieder ein Bestseller!

Goldmann, 347 Seiten; 17,00 Euro

Madeline Cash – Verlorene Schäfchen

Eigentlich könnte die Familie Flynn eine Vorbild-Vorstadt-Familie sein: Mutter, Vater und drei Töchter, sonntags geht man in die Kirche. Eigentlich. Denn die Flynns haben es schwer. Jeder für sich und alle miteinander. Seit Mutter Catherine in einer Sinnkrise beschlossen hat, die Ehe zu öffnen, lebt Vater Bud im Auto in der Garage und findet in der Selbsthilfegruppe Zuflucht, die am wenigsten nach Sekte klingt: die Verlorenen Schäfchen. Auch die Töchter suchen ihre Wege aus der familiären Lebenskrise: Die jüngste, Harper, ist sich sicher, dass sie einer großen Verschwörung auf der Spur ist. Louise befindet sich in einem ungünstigen Beziehungsstrudel mit ihrem fundamentalistischen Online-Lover, während die dritte im Bunde, Abigail, einen schweigsamen jungen Mann namens Kriegsverbrecher-Wes datet. Und all diese Fäden laufen ausgerechnet bei einem zwielichtigen Milliardär zusammen.

Die junge US-Autorin Madeline Cash legt mit „Verlorene Schäfchen“ ihren Debütroman vor. Und dieser ist auf der Überholspur, landet bei uns auch auf der Bestsellerliste. Verdient? Auf jeden Fall! Madeline Cash hat einen modernen Familien-, Beziehungs- und Gesellschaftsroman geschrieben, und verpackt darin mit beißemden Witz reichliche Kritik an allem, was es in Familien, Beziehungen und Gesellschaft so gibt. Daraus entsteht aber keine deprimierende Sozialstudie, sondern ein Roman, der auf allen Ebenen funkelt wie ein Feuerwerk am Nachthimmel! Dazu hat Madeline Cash noch ein Händchen für fluffig schöne Figuren und pointierte Dialoge. Gesellen Sie sich zu den „Verlorenen Schäfchen“, und finden so wieder den Glauben an gute Literatur in diesem Buch!

Penguin, 317 Seiten; 24,00 Euro

 Jean-Claude Vinet – Trügerisches La Rochelle

Daumen runter rotviolett

Ein sonniger Morgen an der Küste von La Rochelle. Commissaire Chevalier hilft seinem Schwager in den Austernbänken, da erreicht ihn der Ruf zu einem außergewöhnlichen Einsatz: Bei Arbeiten an einem Windpark auf hoher See ist ein Mann tödlich verunglückt. Als Chevalier und sein Team bei heftigem Seegang auf dem Installationsschiff eintreffen, erwartet sie das Schweigen einer eingeschworen wirkenden Crew. Der Tote scheint alles andere als beliebt gewesen zu sein, und was zunächst wie ein tragischer Unfall aussieht, entpuppt sich bald als Mord. Eines Täters, der sich immer noch an Bord befinden muss …

Jean-Claude Vinet schreibt atmosphärische Frankreich-Krimis! Nach „Geheimnisvolles La Rochelle“ folgt nun der 4. Fall für Commissaire Chevalier „Trügerisches La Rochelle“. Auch diesmal kann der Autor mit atmosphärischen Frankreich- und Küstenbeschreibungen überzeugen, auch seine Figuren sind wieder charmant, aber der Kriminalfall hat nicht die Qualität, die man für einen spannenden Kriminalfall braucht. Zäh, langweilig, ohne große Spannungshöhepunkte. Und da der Krimi für diese Ausgangslage fast stattliche 400 Seiten umfasst, ist dieses Buch harte Kost. Für Krimifans kein Galadinner, sondern eher ein Fischbrötchen mit wenig Fisch, aber dafür mit vielen unnötigen und unappetitlichen Beilagen!

Lübbe, 382 Seiten; 15,00 Euro

Karine Tuil – Die Liebeshungrigen

Ein Jahr nachdem er den Élysée-Palast verlassen hat, ist der ehemalige Präsident Dan Lehman ein Schatten seiner selbst. Seine Ehe mit einer Schauspielerin ist nur noch Fassade. Er trinkt, wird in Gerichtsverfahren verwickelt und versucht mit einem Buch in die Medien zurückzukehren, während seine Frau die Rolle ihres Lebens spielt. Ihr Film ist ein Erfolg, wird für die Goldene Palme in Cannes nominiert. Und dort, in diesem Tempel des Kinos, in dem alles Illusion ist, vermischen sich Realität und Fiktion auf verheerende Weise.

Die Französin Karine Tuil hatte mich 2020 mit „Menschliche Dinge“ restlos begeistert. Die Rezension können Sie auf denglers-buchkritik.de nachlesen. Nur eines ihrer zahlreichen guten Bücher. Daher war ich sehr gespannt auf ihren gefeierten neuen Roman „Die Liebeshungrigen“. Die Geschichte wird einen in Zügen bekannt vorkommen, wenn man die französische Politik nur etwas verfolgt hat. Karine Tuil macht daraus einen Roman, der zeigt, wie schwer es ist, in der Politik zu überleben bzw. danach zu überleben, wenn man uneingeschränkte Macht hatte, und nun praktisch niemand mehr etwas von einem wissen will. Dazu noch eine schöne und junge Ehefrau hat, die ebenfalls nichts mehr von einem wissen will. Das erfahren wir anhand von Dan Lehman. Und seiner Ehefrau Hilda, bei der sich das Leben, nach dem Ende von den politischen Erfolgen ihres Ehemannes, so ganz anders entwickelt. Zuerst Tristes, dann Erfolg und Anerkennung. Ein Ungleichgewicht. Und das ist noch lange nicht alles in diesem großen Gesellschaftsroman. „Die Liebeshungrigen“ ist ein literarischer Geniestreich!

dtv, 282 Seiten; 24,00 Euro

Claudia Schaumann – Dieser Sommer gehört mir

So hat Charlotte sich ihr Leben mit 43 nicht vorgestellt: Sie ist so gut wie geschieden, beide Töchter sind im Ausland, und die Familienvilla gehört den Noch-Schwiegereltern. Höchste Zeit für einen Neuanfang! Spontan zieht sie in ein Tiny House am See und übernimmt eine Bar in der Lüneburger Altstadt. Ihre Freundinnen Ava und Sam finden, dass sie ihre neue Freiheit genießen sollte: Schwimmen unterm Sternenhimmel und tanzen, bis es hell wird! Doch ganz so einfach ist das alles nicht. Charlottes Nachbar Mo ist zwar sehr charmant und hilfsbereit, scheint aber ein Geheimnis zu haben. Und wie bleibt man bloß den eigenen Kindern nah, wenn sie so weit weg sind? Auf jeden Fall beschließt Charlotte: Dieser Sommer gehört ihr!

Claudia Schaumann hat zahlreiche Talente, darunter zählt auch, dass sie einen Bestseller nach dem anderen schreibt. Nach „Sommer ist meine Lieblingsfarbe“ und „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ folgt nun „Dieser Sommer gehört mir“. Charlottes Geschichte hat Pfiff und Herzenswärme. Man ist sofort an ihrer Seite. Erzählt wird die Geschichte größtenteils aus ihrer Sicht, aber auch ihre 16-jährigen Tochter Leni, die ein Auslandsjahr in England verbringt, kommt immer wieder zu Wort. Man bekommt spannende Einblicke in die beiden Leben geboten. Claudia Schaumanns Romane umarmen einen, geben einen Wärme, vermitteln Freude und Spaß, lassen aber auch das Auf und Ab des normalen Alltags- und Liebeslebens präsent sein. Daher: Claudia Schaumanns Bestseller-Romane lesen und glücklich sein!

Goldmann, 492 Seiten; 13,00 Euro

Das Kurz-und-Knapp-Trio

Eckart Conze
Friedlos

Die deutsche Außenpolitik der Gegenwart steht in historischen Traditionen. Über Jahrhunderte war die Mitte Europas Ort der Auseinandersetzung um Frieden und Vormacht. Krieg und Gewalt waren – und sind – Teil dieser Geschichte. So wichtig eine verteidigungsfähige Bundeswehr ist, so wenig dürfen Außenpolitik und Diplomatie in den Hintergrund treten, wenn man dem Friedensgebot des Grundgesetzes gerecht werden will. Das Buch zeigt, das Streben nach Frieden mit der Gewalt des Krieges. In historischer Perspektive geht es um die Frage nach deutschen Interessen und der deutschen Rolle in Europa und der Welt. Von 1648 bis heute. Im Scheinwerferlicht der aktuellen Weltpolitik sollte man dieses Buch mit besonders wachem Auge lesen!

dtv, 569 Seiten, 35,00 Euro

Rebecca Robinson
The Wicked and the Damned

Vaasa hat Reids Leben gerettet – doch zu einem hohen Preis: Als Gefangene des dunklen Magiers Ozik wurde sie von ihrem Hexenzirkel, ihrer Magie und ihrer großen Liebe Reid getrennt und soll nun als Oziks Marionette auf dem Thron von Asteria sitzen. Während Ozik seine Intrigen spinnt, muss Vaasa mit allen Mitteln kämpfen, um ihre Magie, ihr Herz und ihre Freiheit zurückzugewinnen. Reid setzt alles daran, um Vaasa zu retten, und führt Krieg gegen Asteria. Doch als ihm die Verbündeten wegbrechen, muss er sich allein hinter die feindlichen Linien schleichen. Vaasas Lage spitzt sich immer weiter zu. Dann stellt sich für sie die Frage nach einem Verrat, der vieles zerstören kann. Nach „The Serpent and the Wolf“ nun der 2. Teil der Trilogie. Spannend, fesselnd, politisch, actionreich und leidenschaftlich! Noch besser als Teil eins.

dtv, 541 Seiten, 25,00 Euro

Patricia Theisen
Der Gewürzgarten

Hamburg 1918: Zum Ende des Krieges kann die alteingesessene Gewürz-Dynastie Hansen ihre Geschäfte wieder aufnehmen. Kaya, die Tochter des Hauses, hat sich der Medizin verschrieben. Vor der Erlaubnis für ein Medizinstudium soll sie jedoch dem Wunsch des Vaters nachkommen und nach Sansibar reisen, um den Gewürzhandel kennenzulernen. Dort angekommen, ist Kaya gebannt von der Schönheit der Strände, dem azurblauen Meer, den üppigen Plantagen. Und von einem jungen Mann namens Kovu, mit dem sie eine unerklärliche Vertrautheit empfindet. Noch ahnt sie nichts von dem Geheimnis, das sie beide verbindet. „Der Gewürzgarten“ entführt die LeserInnen auf die Insel Sansibar, lässt sie aber auch die Strömung in Deutschland erleben. Dazu Charaktere, die diese Geschichte wunderbar ausfüllen. Ein Lesegenuss!

Blanvalet, 622 Seiten, 16,00 Euro