September 21, 2020

Kolumne 10.08.2020

BuchKolumne 10.08.2020 Nr. 625

Alexi Zentner – Eine Farbe zwischen Liebe und Hass
Luca Ventura – Mitten im August
Nana Kwame Adjei-Brenyah – Friday Black
Dr. med. Carmen Jochem
– Brust bewusst
Dr. med. Susanne Esche-Belke / Dr med. Suzann Kirschner-Brouns
– Midlife Care

Alexi Zentner – Eine Farbe zwischen Liebe und Hass

Der junge Weiße Jessup ist Football-Star auf seiner High-School. Seine Freundin ist eine Schwarze. Seine Einstellung beim Football: Man braucht nicht nur die Bereitschaft, dem Gegner wehzutun und selbst was abzukriegen, sondern man muss es genießen. Jessups Familie glaubt an die Überlegenheit der weißen Rasse, und damit scheinen für ihn gewisse Weichen gestellt zu sein. Doch nach der Rückkehr seines Stiefvaters aus dem Knast und einem tragischen Unfall muss er endlich selbst Antworten finden auf die Fragen: Was glauben, wem folgen, wen lieben?

„Eine Farbe zwischen Liebe und Hass“ zeigt das erkrankte Gesellschaftsbild des heutigen Amerika! Die Familie von Football-Star Jessup, der zudem auch noch gut in der Schule ist, ist arm, das könnte schon ein vorgezeichneter Weg sein. Sein Denken über die Weißen und die Schwarzen, die Armen und die Reichen, ist unterteilt, aber trotzdem sehr differenziert. Seine Mitgliedschaft in der „Heilige Kirche des Weißen Amerika“ erzeugt Schubladendenken bei den Menschen, er ist aber nur wegen seiner Familie Mitglied, selbst geht er nicht mehr hin. Der 17-jährige Jessup ist anders, möchte sich nicht in diese Ecke drängen lassen. Doch was macht Familie und das enge Umfeld, Freunde mit einem? Die Gesellschaft, die weniger differenziert, sondern eher klarer zwischen Weiß und Schwarz, und Schwarz und Weiß unterteilt. Ist man einmal in eine Ecke gedrängt worden, gibt es daraus kaum mehr ein entrinnen. Diese Fragen stellt dieser Roman und diese Themen behandelt er. „Eine Farbe zwischen Liebe und Hass“ ist unglaublich fesselnd und es läuft einen eiskalt den Rücken runter bei der Entwicklung der Geschichte!

Suhrkamp, 377 Seiten; 18,00 Euro

   Luca Ventura – Mitten im August

Der Inselpolizist Enrico Rizzi hat es auf Capri zumeist mit kleineren Delikten zu tun und daher genügend Zeit, seinem Vater in den Obst- und Gemüsegärten hoch über dem Golf von Neapel zu helfen. Bis mitten im August ein Toter in einem Ruderboot an den felsigen Strand getrieben wird: Jack Milani, Spross einer Industriellenfamilie und Student der Ozeanologie. Es ist der erste Mordfall für den jungen Rizzi, ein Fall, bei dem es neben der Aufklärung eines Verbrechens auch um die Zukunft der Weltmeere geht.

Wo hat sich der Krimi noch nicht herumgetrieben? Auf Capri. Luca Ventura, ein Pseudonym, schafft da nun Abhilfe. „Mitten im August“ könnte auch der Titel eines sommerlich leichten Romans sein, und das ist er tatsächlich weit mehr, als ein Kriminalroman. Denn der Fall und auch die Spannung spielen in diesem Buch eher eine Nebenrolle. Was Luca Ventura gut macht, ist die italienische Stimmung zu verbreiten und auch die Beschreibungen der Umgebung laden gar zum Hinreisen ein. Aber der Kriminalroman geht dabei verloren. Enrico Rizzi ist ein sympathischer Zeitgenosse, dem man durchaus gerne folgt. Da Luca Ventura bereits an einem zweiten Fall für Enrico Rizzi und dessen norditalienischen Kollegin Antonia Cirillo schreibt, bleibt die Hoffnung, dass er in die schöne Verpackung auch mehr Spannung hineinpackt.

Diogenes, 323 Seiten; 16,00 Euro

   Nana Kwame Adjei-Brenyah – Friday Black

In zwölf Storys erzählt Nana Kwame Adjei-Brenyah von Liebe und Leidenschaft in Zeiten von Gewalt, Rassismus und ungezügeltem Konsum. Wie fühlt es sich an, im heutigen Amerika jung und schwarz zu sein? Welche Spuren hinterlässt alltägliche Ungerechtigkeit? Es ist eine Mischung aus hartem Realismus, dystopischer Fantasie und Komik.

Der Mord an George Floyd hat die amerikanische Bewegung „Black Lives Matter“ zu einer weltweiten Bewegung gemacht. Die Kurzgeschichten des jungen Afroamerikaners Nana Kwame Adjei-Brenyah, Sohn ghanaischer Eltern und in Spring Valley, New York geboren, geben dem schwarzen Amerika ein Gesicht. Wenn auch nicht in allen mit gleicher Qualität und Aussagekraft. Die erschütterndste, dramatischste und Beste ist sicher die erste der Kurzgeschichten „Die Finkelstein Five“. Dort tötet ein Weißer auf bestialische Weise fünf schwarze Jugendliche mit einer Kettensäge, weil er sich und seine zwei Kinder bedroht sah. Ein Freispruch wäre das einzig richtige, meint sein Verteidiger während der Gerichtsverhandlung. Aus dieser Geschichte hätte man einen ganzen Roman machen können, mit allen Aspekten des heutigen gespalten Amerika. Leider hat das Nana Kwame Adjei-Brenyah nicht getan. Die anderen Storys wirken oft experimentell und mit weniger Aussagekraft, aber trotzdem, alleine „Die Finkelstein Five“, und was diese Tat weiter auslöst, ist es schon wert, dieses Buch zu lesen.

Penguin, 237 Seiten; 20,00 Euro

   Dr. med. Carmen Jochem – Brust bewusst

Sind meine Brüste normal? Wie bleibt mein Dekolleté schön? Was tun, wenn die Brustwarzen jucken? Die Autorin gibt Antworten darauf. Von der Pubertät über die Stillzeit bis in die Wechseljahre verwandeln sich die Brüste immer wieder. Carmen Jochem erklärt diese faszinierenden Veränderungen und beschreibt, was Frauen tun können, damit ihre Brüste ein Leben lang gesund und schön bleiben. Sie räumt mit Tabus und Irrglauben auf und gibt wertvolle Tipps für BH-Kauf, Stillzeit, Brustkrebs-Vorsorge und Co.

Ehrlich, direkt und ohne Scham gibt die junge Medizinerin Dr. med. Carmen Jochem Antworten auf alle Fragen rund um die Brust. Für Frauen eine hilfreiche und lehrreiche Lektüre, die verstehen hilft und Licht ins Dunkel bringt. Aber auch für Männer ein sehr lehrreiches Buch, um „ihre“ Frauen und deren Brüste besser verstehen zu können. Die Hauptthemen sind: „Vorhang auf für die Brust“, „Ganz am Anfang: Die Brüste entstehen“, „Pubertät: Die Brüste wachsen“, „Die Brüste mitten im Leben“, „Schwangerschaft und Stillzeit: Wenn die Brüste wahre Wunder vollbringen“ und auch „Der Busen-Gesundheits-Check“, „Busen top in Form“, „Anleitung zur Selbstuntersuchung der Brust“, „Brustkrebs: Die wichtigsten Fakten“ und „Die Wechseljahre: Wie funktioniert Healthy Aging für die Brust?“.

Heyne, 303 Seiten; 18,00 Euro

Dr. med. Susanne Esche-Belke / Dr med. Suzann Kirschner-Brouns – Midlife Care

Hormongesteuert? Klar! In der Lebensmitte bringen uns Östrogene, Progesteron und Co. ganz schön aus dem Takt – und viel zu oft wird dieses Ungleichgewicht nicht richtig diagnostiziert, geschweige denn behandelt. Dabei stellen sich Hormonveränderungen bereits mit Anfang 40 ein, wenn die Periode meist noch treue Begleiterin ist. In dieser Perimenopause können depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme und andere Symptome das Leben schwer machen, und auch während der eigentlichen Menopause werden viele Frauen nur ungenügend begleitet. Doch die Autorinnen wissen: Es gibt wirksame Strategien, um diese Phasen gesund und glücklich zu gestalten.

„Midlife Care“ ist für alle Frauen ab 40 ein Buch mit sehr hohem Mehrwert! Verstehen, erkennen, fühlen, das eigene Empfinden in diesem Buch wiederfinden und Antworten auf so viele Fragen bekommen. Die beiden charmanten Ärztinnen Dr. med. Susanne Esche-Belke und Dr. med. Suzann Kirscher-Brouns vermitteln ihr Wissen auf lockere und stilvolle Weise. Die Hauptthemen sind: „Im Strudel der Hormone“, „Das Hormon-Karussell“, „Hormone ausbalancieren – so geht’s“, „Hormonmanipulation von außen“ und „Selfcare (u. a. ‚Body-Mind-Medizin‘ und ‚Beziehungen und Sexualität‘)“.

Lübbe, 352 Seiten; 20,00 Euro