September 6, 2026

Kolumne 07.09.2026 Nr. 892

 

      BuchKolumne 07.09.2026 Nr. 892

Fredrik Backman – Freunde fürs Leben
Shea Ernshaw – Die Launen des Meeres
Kohei Saito – Am Ende des Fortschritts
Caren Benedikt – Schlosshotel Fuschl
Markus Heitz – Die Villa

Hörbuch zur Ausgabe :

Arno Strobel – Happy Weekend

Fredrik Backman – Freunde fürs Leben

In einer kleinen Küstenstadt verbringt eine Gruppe von Teenagern lange Sommertage auf einem verlassenen Pier. Gemeinsam suchen sie hier Zuflucht von ihrem schwierigen Alltag, geben einander Halt und Stärke und weben ein einzigartiges Band der Freundschaft. Diesen ganz besonderen Sommer wird einer von ihnen auf einem Gemälde festhalten – und damit 25 Jahre später das Leben der jungen Louisa für immer verändern. Denn weil ein Detail auf dem inzwischen weltberühmten Bild sie selbst in den Tiefen ihrer Seele berührt, macht sie sich auf die Suche nach der Geschichte der vier Freunde. In der Stadt am Meer wird sie dabei ihr eigenes Abenteuer finden – und eine ganz neue Zukunft.

Fredrik Backman verzaubert mit seinen berührenden Romanen Millionen LeserInnen auf der ganzen Welt! Seine Bücher leben von Geschichten der ganz normalen Leute, die der Autor in ganz besondere Geschichten hineinwirft. So auch dieses Mal. „Freunde fürs Leben“ ist ein „New-York-Times“-Bestseller, ein weiterer für einen der erfolgreichsten schwedischen Schriftsteller. In „Freunde fürs Leben“ tummeln sich wieder reichlich unwiderstehliche Figuren. Vor allem sticht hier natürlich Louisa heraus. Was ein Energiebündel mit einer so bewegenden Lebensgeschichte. Eine junge Frau, die es nie einfach hatte im Leben, und sich immer durchgekämpft hat. Louisa stellt die Welt ein wenig auf den Kopf. Wir alle sollten im Leben wohl etwas mehr Louisa wagen! Aber auch die Geschichte der vier Freunde ist ein Gedicht, ein Gedicht von einer Freundschaft. „Freunde fürs Leben“ schickt einen in ein Tal der Tränen, und im nächsten Augenblick ist man wieder auf der Spitze des Berges und lacht glücklich in den strahlenden Sonnenhimmel!

Goldmann, 539 Seiten; 25,00 Euro

Shea Ernshaw – Die Launen des Meeres

In der Nacht, in der Clay Lockharts Frau stirbt, fegt ein Sturm über die Hebriden. Dabei wird das Land der Lockharts ins Meer gerissen und verschwindet … Dreißig Jahre später entdeckt die zwölfjährige Ellie eine Insel vor der Küste Kanadas und trifft dort den geheimnisvollen Bewohner von Saltwell Island, den schweigsamen Clay. Als sie nach wenigen Stunden auf das Festland zurückkehrt, ist eine Woche vergangen und Saltwell Island verschwunden. Zwei Jahrzehnte später wird die Insel erneut gesichtet, und Ellie setzt alles daran, zurückzukehren – zu dem Mann, der keinen Tag älter geworden ist.

Das, was Sie gerade gelesen haben, erinnert Sie an einen Roman aus vergangener Zeit? Richtig, es handelt sich um „Die Frau des Zeitreisenden“. Ein Roman, den ich damals auch sehr gelobt und geliebt hatte. Daher war ich sehr gespannt auf diese Geschichte. Und ich wurde nicht enttäuscht! „Die Launen des Meeres“ ist sozusagen eine XXL-2.0-Version von „Die Frau des Zeitreisenden“! Ellie und die Geschichte von Saltwell Island ist in der Gegenwart keine geheime Geschichte mehr, da viele Menschen die Insel mittlerweile gesehen haben, bevor sie wieder verschwand. Im Internet ist mittlerweile ein großer Kosmos um Saltwell Island entstanden. Doch Ellie war die einzige Person, die die Insel jemals betreten hat. „Die Launen des Meeres“ ist eine durch und durch leidenschaftliche und emotionale Geschichte, die Ihr Herz schneller schlagen lassen wird! Versprochen.

Blanvalet, 413 Seiten; 23,00 Euro

Kohei Saito – Am Ende des Fortschritts

Daumen runter rotviolett

In seinem neuen Buch zeigt Kohei Saito wie aus Ressourcenknappheit und geopolitischen Spannungen ein neues Zeitalter der Mangelwirtschaft entsteht und der Kapitalismus an einer von Tech-Oligarchen beherrschten Welt scheitert. Denn ihre Versprechen lösen nicht die entscheidenden Fragen: Wer kontrolliert Land, Wasser, Nahrung und Energie, wenn die Klimakrise die Grundlagen des Wohlstands zerreißt? Während Eliten ihr eigenes Überleben sichern, erodieren Demokratie und Gleichheit. Eine Folge davon ist ein neuer Autoritarismus, der die gesamte Welt überziehen wird. Auf Grundlage dieser radikalen Diagnose der Gegenwart entwickelt Kohei Saito schließlich Gedanken: Es gibt Hoffnung.

Ich nehme gleich diesen Gedanken auf: Nein, dieses Buch macht keine Hoffnung, sondern es schürt nur noch mehr Verdruss! Kohei Saitos Nr.-1-Bestseller schlägt hohe Wellen. Die eine, kleine Front, findet gut, was er da aufgeschrieben hat, die andere, weitaus größere Front, findet in diesem Buch keinen Fortschritt, sondern nur den Untergang. Es ist zynisch, herabwürdigend, unglaubwürdig, nicht differenziert, polemisch, beleidigend. So könnte ich unentwegt fortfahren, aber ich erspare mir das. Kohei Saito wird als neuer Star-Philosoph gefeiert. Ja, er ist ein Star, wie man mit einem Haufen Mist viel, ja, sehr viel Geld verdienen kann. Oh, Mist, das ist ja nun auch Kapitalismus, aber das Buch sollte doch aufzeigen, wie man in den „Ruinen des Kapitalismus“ überlebt. Da bleibt ja nur zu hoffen, dass der Autor jeden Euro, den er mit diesem Buch verdient, spendet. Ebenso natürlich jeden Euro, den er als Professor verdient. Er auch nicht mehr als auf 10 m² lebt, nie mit dem Auto, Bus und Zug fährt, sondern immer brav zu Fuß geht, keinesfalls in ein Flugzeug steigt, usw. Tut er das nicht, ist er der größte Lügner von allen. „Am Ende des Fortschritts“ ist der Untergang der Weiterentwicklung der Welt!

dtv, 363 Seiten; 26,00 Euro

Caren Benedikt – Schlosshotel Fuschl

Salzburger Land, Sommer 1955: Theresa von Reuschenberg, Hotelière mit Herz und Vision, steht vor dem Chaos. Die Festspiele laufen, „Sissi“ wird gedreht, die High Society geht bei ihr ein und aus – und plötzlich taucht ihr tot geglaubter Bruder Benedikt auf. Gezeichnet von der Kriegsgefangenschaft, fordert er seinen Anteil am Familienerbe. Während Theresa von finanziellen Schwierigkeiten geplagt um ihre Hotels kämpft, droht Benedikt, alles zu zerstören. Doch Theresa lässt sich ihre Liebe und Leidenschaft nicht nehmen und tut alles, um ihre Hotels, vor allem aber ihre Familie, beisammenzuhalten.

Caren Benedikt feierte u. a. mit ihrer „Das-Grand-Hotel“-Trilogie einen großen Bestsellererfolg. Nun kehrt sie sozusagen auf den literarischen Hotelmarkt zurück, und zwar ins Salzburger Land, dort besitzt Theresa von Reuschenberg (und ihr Ehemann; dazu noch zwei erwachsene Töchter) zwei Hotels. Das Hotel Goldener Hirsch in Salzburg und das Schlosshotel am Fuschlsee (und dazu noch eine verpachtete Bar in Salzburg). Daher ist der Buchtitel etwas trügerisch, denn die Geschichte spielt nicht nur am Fuschlsee. Aber das trügt nicht, welch tolles Leseerlebnis einen Caren Benedikt mit ihrem neuen Hotel-Roman beschert. „Schlosshotel Fuschl“ ist ein prächtiger Roman, der nichts vermissen lässt! Die Geschichte, angesiedelt in der Aufbruch-Phase nach dem 2. Weltkrieg, ist spannend durch die vielen Verwicklungen und dem, was für Theresa alles auf dem Spiel steht. Die Hotels, ihre wirtschaftliche Existenz, die Ehe, die Familie, ihr Ansehen. Ziehen Sie ein, liebe LeserInnen, ins „Schlosshotel Fuschl“, und lassen Sie sich von einer prächtigen Geschichte begeistern!

Blanvalet, 414 Seiten; 17,00 Euro

Markus Heitz – Die Villa

Doreen und Marina Markert sind Mutter und pubertierende Tochter, die sich bislang eher glücklos durchs Leben schlagen. Doch dann ziehen sie bei einer Zwangsversteigerung endlich einmal das ganz große Los: Zum Schnäppchenpreis kommen sie in den Besitz einer alten Villa im Leipziger Stadtteil Gohlis. Dort scheint sich das Leben der beiden erst einmal in jeder Hinsicht zum Guten zu wenden: Plötzlich laufen die Geschäfte der Mutter, die Teenager-Tochter startet mit ihrer Musik als YouTube-Star durch. Beide finden die Aufmerksamkeit und Zuneigung, die sie suchen. Aber alles hat seinen Preis: Als Doreen schließlich erkennt, auf welchen Pakt sie und ihre Tochter sich unbewusst eingelassen haben, könnte es bereits zu spät sein. Währenddessen geht Musiker Ethan in London auf die verzweifelte Suche, wer den brutalen Mord an seiner Mutter begangen hat, und kommt einer unheilvollen Verbindung auf die Spur. Und mit jedem Tag, der vergeht, steigt die Anzahl der Toten.

Markus Heitz ist seit Jahrzehnten bekannt für seine herausragenden Fantasy-Romane! Doch er wagt auch immer wieder den Ausflug in das Horror-Genre, und diesmal gelingt ihm das wieder vorzüglich. „Die Villa“ liest sich wie ein früher Stephen-King-Roman! Eine Auszeichnung, die in diesem Genre mit nichts gleichzusetzen ist. Die Ausgangslage ist klar definiert. Mutter und Tochter schlagen sich so durchs Leben, Geld ist nie genug da, dann die unerwartete Ersteigerung einer Villa die mindestens 1,5 Millionen Euro bringen kann, für schlappe 100 Euro. Dieses Geschenk wird von den Hauptfiguren angenommen und nach und nach entwickelt sich dieser echte Stephen-King-Geist dieser Story. Denn die Villa hat Kräfte, unnatürliche Kräfte, die Glück und Reichtum bringen können, kurzfristig, denn die Villa fordert viel. Menschleben sind eines davon. Checken Sie in „Die Villa“ ein – mit allen Folgen. Sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Knaur, 330 Seiten; 16,99 Euro

Das Kurz-und-Knapp-Trio

Peter-André Alt
Die Kanzler und die Intellektuellen

Regierungschefs und kritische Intelligenz eines Landes haben gemeinsam, dass sie sich Gedanken über die großen Streitthemen der Nation machen. Oft aber sind sie sich uneins. Wiederbewaffnung, Pressefreiheit, Ost-West-Antagonismus, Studentenrevolte, Entspannungspolitik, Terrorismus, Umweltbewegung, Wiedervereinigung, Migrationspolitik und Integrationsdebatte – über all diese Themen wurde gestritten, in denen linke Intellektuelle oder rechtsstehende Gelegenheitsreaktionäre auf den offiziellen Kurs der Politik Einfluss nahmen oder es versuchten. Dieses Buch hat zum ersten Mal das Beziehungsgeflecht untersucht. Zeitgeschichte erleben, Politik und gesellschaftliche Diskussionen nachempfinden – dieses aufschlussreiche Werk macht das auf höchstem Niveau möglich!

C. H. Beck, 218 Seiten, 48,00 Euro

Freddie Mercury
Ein Leben in Songs

 

Als Freddie 1991 starb, vermachte er seiner ehemaligen Verlobten und engsten Freundin Mary Austin nicht nur sein Haus und seinen Besitz, sondern auch ein künstlerisches Archiv, das fast zwei Jahrzehnte umspannt. Von seinen frühesten Werken vor der Gründung von Queen bis zum Ende seiner Solokarriere enthalten seine Notizbücher und Skizzen bisher unveröffentlichtes Material. In diesem Buch werden die Songs begleitet von Geschichten, Erinnerungen und Anekdoten seiner lebenslangen Gefährtin und von Fotos aus Freddies persönlicher Sammlung, von denen viele noch nie veröffentlicht wurden. „Ein Leben in Songs“ ist das künstlerische Vermächtnis eines der größten Songwriter aller Zeiten. Ein Buch, wie ein musikalisches Gemälde. Besuchen Sie diese einzigartige Galerie dieses musikalischen Genies!

C. H. Beck, 320 Seiten, 38,00 Euro

Jakob Schwerdtfeger
Punkt Punkt Komma Strich,
fertig ist die Kunstgeschicht.

Voller Humor liefert der Comedian und Kunsthistoriker Jakob Schwerdtfeger einen verständlichen und fundierten Überblick über alle Kunstepochen – vom Mittelalter bis heute. Er buddelt überall nach Funfacts und Anekdoten, egal ob bei großen Meistern oder unterschätzten Underdogs. Weshalb landete die Mona Lisa in einer Pizza-Werbung? Warum beeinflussten Geisterbeschwörungen die Erfindung der Abstraktion? Wie machte die Sängerin Taylor Swift ein unbekanntes Gemälde weltberühmt? Und warum ist der Barock das Koks der Kunst? Was hat der Expressionismus mit der Milka-Kuh zu tun? Wieso ist die Renaissance die Streberin unter den Epochen? Mit diesem Buch sind Sie nach der Lektüre um ein Vielfaches schlauer als zuvor! Lesen, staunen, amüsieren und dabei spielerisch lernen. Setzen, Note 1, Herr Schwerdtfeger!

dtv, 269 Seiten, 25,00 Euro

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