Juni 1, 2026

Aktuelle Kolumne 01.06.2026 Nr. 885

 

      BuchKolumne 01.06.2026 Nr. 885

Ingar Johnsrud – Blendfeuer
Claire Douglas – Geliebte Schwester
Torsten Woywod  – Mathilde und Marie
Sarah Goodwin – Der Fjord
Linea Maja Ernst – Fast Abend, immer noch hell

Hörbuch zur Ausgabe :

Pierre Martin
Madame le Commissaire und die tödliche Rallye

Ingar Johnsrud – Blendfeuer

Während des norwegischen Nationalfeiertags wird in Oslo ein Mann in einer Tiefgarage regelrecht hingerichtet. Gleichzeitig explodiert über der Ostsee ein Militärflugzeug, das acht ukrainische Soldaten einer Spezialeinheit an Bord hatte – ein Anschlag? Und hängen die beiden Vorfälle womöglich zusammen? Liselott Benjamin und Martin Tong vom Polizeilichen Sicherheitsdienst sollen die Flugzeugexplosion aufklären – sich aber von dem Mordfall fernhalten. Vor allem aber sollen sie keine Theorien über eine mögliche Beteiligung Russlands in Umlauf bringen. Denn: In Oslo finden geheime Friedensverhandlungen statt. Und diese dürfen unter keinen Umständen gefährdet werden. Der Druck auf Benjamin und Tong wächst, vor allem, als neben Russland auch norwegische Behörden ins Visier geraten. Welche Rolle spielt Jens Meidell, der Shootingstar der Arbeiterpartei, der sich als Parteivorsitzender in Stellung bringt? Welchen Preis ist er bereit, für den Weg an die Macht zu zahlen? Oder ist auch er nur eine Marionette in einem größeren Spiel?

Der Norweger Ingar Johnsrud schreibt brisante, hochaktuelle und spannungsgeladene Polit-Thriller! Das hat er bereits mit „Echokammer“ getan, der auch mich begeistert hat. Die Rezension können Sie auf denglers-buchkritik.de nachlesen. „Echokammer“ war der 1. Fall für das Ermittler-Duo Benjamin & Tong, und ein Bestseller. Nun lässt Ingar Johnsrud den 2. Fall folgen. „Blendfeuer“ ist brisant, hochaktuell und spannungsgeladen! Ich wiederhole mich hier gerne. Ein Polit-Thriller, der sämtliche Register zieht, um die LeserInnen zu unterhalten, aber auch aufzufordern, nachzudenken. Was kann man von einem Thriller aus diesem Genre mehr erwarten?

Droemer, 416 Seiten; 16,99 Euro

Claire Douglas – Geliebte Schwester

Tasha und ihre Schwester Alice ähneln sich wie Zwillinge, dabei könnten sie kaum unterschiedlicher sein. Tasha ist verheiratet, hat Kinder und lebt in der Nähe ihrer Heimatstadt Bristol. Alice hingegen führt ein luxuriöses Leben, macht Karriere und reist mit ihrem Mann Kyle um die Welt. Und doch würden sie einander ihr Leben anvertrauen. Als Tasha dringend Urlaub braucht, schlägt Alice ihr einen Haustausch vor. Aber der Wechsel hat fatale Konsequenzen – Alice wird in der Nacht angegriffen, kommt ins Krankenhaus, und ihr Mann Kyle wird getötet. Und während Tasha um ihre Schwester bangt, weiß sie, dass der Angriff eigentlich ihr gegolten hat …

Vielleicht kennen Sie die Serie „Frauentausch“ auf RTL2. Die englische Bestsellerautorin nimmt nun den Grundgedanken dieser Serie und lässt zwei Schwestern die Häuser und die Leben tauschen. Für eine Woche. Aus dieser eher trashigen Serie macht Claire Douglas einen eleganten und explosiven Thriller! Doch es „erwischt“ nicht die Schwester, sondern der Ehemann der anderen Schwester wird getötet, das ändert aber nichts an der Motivation des Täters, denn dieser will seinen Fehler wieder „gutmachen“, und trotzdem die richtige Schwester töten. Aber warum? Claire Douglas nimmt einen mit in das Familienleben der beiden Schwestern. Intensiv und emotional lässt sie die LeserInnen daran teilhaben. Und daraus baut sich dann auch die Spannung rund um das Leben von Tasha und Alice auf. Bestseller-Queen Claire Douglas hat mit „Geliebte Schwester“ wieder einen Thriller geschrieben, der ihre Fans begeistern wird!

Penguin, 416 Seiten; 16,00 Euro

 Torsten Woywod – Mathilde und Marie

Daumen runter rotviolett

In Redu, einem kleinen Bücherdorf mit 390 Einwohnern inmitten der belgischen Ardennen, wird die Zeit als Freund und nicht als Gegner empfunden: Umgeben von ausgedehnten Wäldern, rauschenden Flüssen und steilen Anhöhen gibt es hier lediglich einen Fernseher, während das Internet nur eine Stunde am Tag verfügbar ist. Als die junge Französin Marie kurzentschlossen ihr Leben in Paris hinter sich lässt und zu einer Reise mit unbekanntem Ziel aufbricht, ahnt sie nicht, dass sie bald an diesem Ort ankommen wird. Im Zug begegnet sie Jónína, einer Isländerin, die Menschen mit ungewöhnlicher Klarheit zu lesen vermag und somit auch Maries Situation schnell erfasst. Sie nimmt Marie mit zu sich nach Hause, nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung betreibt. Mit jedem Tag fühlt sich Marie in Redu wohler. Hier lernt sie nicht nur neue Seiten des Lebens, sondern auch sich selbst kennen. Und sie trifft auf eine ganz besondere Gemeinschaft. Als der Frühling vollends Einzug hält, werden Veränderungen in Gang gesetzt, denen sich selbst die mürrische Mathilde nicht entziehen kann.

Torsten Woywod liebt Bücher! Sein beruflicher Lebensweg zeichnet dies nach. Auch merkt man seine Liebe zu Büchern seinem Debütroman „Mathilde und Marie“ an. Der Roman wurde gefeiert und sogleich auch ein Bestseller. Gefeiert? Vor allem die Medien und die Presse haben ihn gefeiert. Aber wie sieht es bei den LeserInnen aus? Beit weitem nicht so gut. Schon in seinem Vorwort verspricht Torsten Woywod eine ganz, ganze große Geschichte. So etwas wie „Wie ein einziger Tag“ von Nicholas Sparks nur mit Büchern und zwei starken Frauen. Nein, das ist diese Geschichte nicht. Sie ist einladend, zumindest in den Passagen, in denen von Büchern und dem Bücherdorf geschwärmt wird. Aber darüber hinaus? Da merkt man nun die kolossale Unerfahrenheit von Debütant Torsten Woywod. Alleine Bücher zu lieben reicht dann eben doch nicht aus, denn die Geschichte ist über die ganze 330 Seiten betrachtet langweilig, eintönig, ohne Höhepunkte und einem gewissenhaften Spannungsaufbau. Und das Allerschlimmste daran ist, aus der Grundidee hätte man so eine spannende und emotionale Geschichte machen können. Es zeigt, wer im Buch-Marketing arbeitet, hat auch das Zeug dazu, aus seinem Roman einen Bestseller zu machen, auch wenn dieses Buch das keineswegs verdient hat!

dtv, 335 Seiten; 22,00 Euro

 Sarah Goodwin – Der Fjord

Ein luxuriöses Anwesen an der norwegischen Küste – weißer Sand, kristallklares Wasser und ein atemberaubender Blick auf den Fjord. Als Amelia die Einladung zur legendären Sommerparty der Familie Fowley erhält, weiß sie: Das ist ihre Chance! Denn es war auf der Party der Fowleys im Vorsommer, als ihre Schwester Rose zum letzten Mal gesehen wurde. Getarnt als Freundin eines Gasts, dringt Amelia in die schillernde Welt der Reichen und Mächtigen ein. Wird sie hier endlich erfahren, was mit ihrer Schwester geschah? Doch je näher sie der Wahrheit kommt, desto gefährlicher wird ihr Spiel.

Nach „Die Insel“, „Das Resort“ und „Die Yacht“ folgt nun mit „Der Fjord“ das nächste Spannungs-Highlight der britischen Autorin Sarah Goodwin! Die Autorin baut die Spannung Seite um Seite geschickt auf. Sie lässt die LeserInnen zappeln, was denn nun mit Rose geschehen ist, und vor allem, wie einfallsreich sich die Anwältin Amelia über ein Jahr hinweg bei den Fowleys einschleicht, um dann überhaupt auf die Party in Norwegen zu gelangen. Und was dort alles passiert, das hat es in sich. Sarah Goodwin enttäuscht auch diesmal nicht. „Der Fjord“ ist ein Thriller mit einer sehr spannenden Story und reichlich spektakulärer Natur!

Lübbe, 384 Seiten; 13,99 Euro

Linea Maja Ernst – Fast Abend, immer noch hell

An der Uni waren Sylvia und ihre Freunde unzertrennlich, jetzt haben sie Jobs, Beziehungen, manche sogar Kinder. Doch eine Sommerwoche wollen sie gemeinsam verbringen, in einem Haus am See. Im Mittsommerlicht, beim Kochen und Krebse fangen, in Gesprächen über Liebe, Queerness und das Leben, kehrt die alte Vertrautheit schnell zurück. Doch als zwei von ihnen Heiratspläne verkünden, lassen sich verborgene Sehnsüchte immer schwerer unterdrücken. Leben sie alle wirklich so frei und glücklich, wie sie es sich immer erträumt haben?

Linea Maja Ernst hat mit ihrem Debütroman „Fast Abend, immer noch hell“ in ihrer Heimat Dänemark einen Nr.-1-Bestseller gelandet. Auch International wurde der Roman gefeiert. Nun erscheint er auch bei uns. Ein Buch wie eine gute Freundin oder ein guter Freund, heimelig, schön, umarmend, aber auch stürmisch, wild und ja, auch mal gar nicht so schön! „Fast Abend, immer noch hell“ versammelt eine bunte Truppe, dort im Wald am See. Ein aufgeladener Sommer-Roman, der Beziehungen hell ausleuchtet und zeigt, dass in unserer modernen Welt die Wünsche und Sehnsüchte auch nicht so anders sind wie in den Zeiten davor!

S. Fischer, 250 Seiten; 24,00 Euro

Das Kurz-und-Knapp-Trio

Volker Klüpfel
Mord ist die beste Beseitigung

Kaum hören Möchtegern-Schriftsteller Tommi und Putzfrau Svetlana den Reiseruf im Radio, rast die Gesuchte auch schon im Auto an ihrem Camper vorbei. Sofort heften sie sich an ihre Fersen und spüren den Wagen auf einem Rastplatz auf. Doch die Frau ist verschwunden. Natürlich wittert Svetlanas Spürnase sofort ein Verbrechen. Ehe Tommi sich’s versieht, stecken sie mitten in ihrem nächsten Kriminalfall. Dabei kommen sie nicht nur unglaublichen Verbrechen auf die Spur, sondern begeben sich auch in die Abgründe menschlicher Beziehungen. Als Tommi ein bisschen zu tief gräbt, gerät er plötzlich selbst in Lebensgefahr. Nach „Wenn Ende gut, dann alles“ der 2. Fall für das chaotisch-charmante Ermittlerduo Tommi und Svetlana. Witzig, gewitzt, geistreich und reich an Spannung!

Penguin, 352 Seiten, 24,00 Euro

Pablo Hidalgo / John R. Mullany
Star Wars – The Mandalorian

Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen zu allen drei Staffeln von „Star Wars: The Mandalorian.“ Dieser in enger Zusammenarbeit mit Lucasfilm produzierte Buch zum Disney+-Phänomen steckt voller neuer Einblicke und exklusiver Bilder. Entdecken Sie die versteckten Gadgets von Din Djarins Beskar-Rüstung. Erfahren Sie mehr über die Kultfigur Grogu. Entdecken Sie die Geheimnisse des mandalorianischen Ehrenkodex, bekannt als „Der Weg“. Lernen Sie die Helferin Fennec Shand und den skrupellosen Moff Gideon und vieles mehr kennen. Gerade ist „The Mandalorian and Grogu“ im Kino gestartet, da bietet sich mit diesem Buch genau die richtige Chance noch tiefer in die Welt des Mandalorian einzutauchen. Für „Star-Wars“- und „Mandalorian“- Fans ist die brillante illustrierte Enzyklopädie unverzichtbar!

Dorling Kindersley, 232 Seiten, 30,00 Euro

Uwe Neumahr
Die Buchhandlung der Exilanten

In den 1920er Jahren sind „Shakespeare and Company“ und „Das Haus der Bücherfreunde“, die Buchhandlungen von Sylvia Beach und Adrienne Monnier, Anlaufstellen für Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler. Hier trifft sich die Avantgarde, von James Joyce und Ernest Hemingway über Pablo Picasso bis zu Jean-Paul Sartre. Mit dem Einfall der Deutschen in Frankreich im Mai 1940 aber gerät auch die Literatur in Gefahr. Zu den Besatzern gehört Ernst Jünger, während die Schriftstellerin Gertrude Stein sich dem neuen Regime in Vichy anschmiegt. Adrienne Monnier und Sylvia Beach setzen alles daran, ihre Freunde Walter Benjamin, Gisèle Freund, Siegfried Kracauer und manche andere zu retten. Bis Sylvia Beach selbst von der Gestapo abgeholt wird. Den Schatz dieser bisher verborgenen literarischen Widerstandsgeschichte hebt Uwe Neumahr mit diesem eindrucksvollen Buch!

C. H. Beck, 320 Seiten, 26,00 Euro