Juni 14, 2024

Kolumne 20.05.2024 Nr. 822

     BuchKolumne 20.05.2024 Nr. 822

Douglas Preston – Extinction – Wenn das Böse erwacht
Mo Malo – Tod in Saint-Malo
Amelie Fried – Der längste Sommer ihres Lebens
Lize Spit – Der ehrliche Finder
Christoffer Carlsson – Wenn die Nacht endet

Hörbuch der Woche:

Lisa Jackson – Never Safe

 Douglas Preston – Extinction – Wenn das Böse erwacht

Tief in den Rocky Mountains liegt das gigantische Ferienresort Erebus. Dank modernster Gentechnik können die betuchten Gäste wie vor Jahrtausenden wollige Mammuts, gewaltige Riesenhirsche und meterhohe Riesenfaultiere in ihrem natürlichen Habitat erleben. Als ein Millionärssohn und seine Frau entführt und im Hinterland tot aufgefunden werden, gerät eine Gruppe von gewaltbereiten Öko-Terroristen in Verdacht. FBI-Agentin Frances Cash und Sheriff James Colcord sollen den Fall schleunigst aufklären. Doch dann häufen sich die Morde, und der 400 Quadratkilometer umfassende Ferienort muss evakuiert werden. Inmitten der prähistorischen Flora und Fauna werden Cash und Colcord mit etwas Bösem konfrontiert, dem es nicht ums Neubeleben, sondern ums Auslöschen geht.

Douglas Preston ist eine Institution, wenn es um wissenschaftlich fundierte Thriller geht, die zudem immer noch mit einer Menge Spannung und Action überzeugen und die perfekten Vorlagen für einen Hollywood-Blockbuster liefern. Sein neuester Thriller „Extinction – Wenn das Böse erwacht“ erfüllt genau diese Kriterien. In der Geschichte selbst wird Erebus oft mit „Jurassic Park“ verglichen (Zitat: „Jurassic Park war ebenso schlechte Fiktion wie schlechte Wissenschaft). Ich würde es anders formulieren: Sie kennen die bombastische Hollywood-Trilogie „Jurassic World“? Dann ist „Extinction – Wenn das Böse erwacht“ genau das Richtige für Sie. Hier gibt es keine Dinosaurier, aber zahlreiche andere Tiere, alles Pflanzenfresser, aus einer sehr weit zurückliegenden Zeit. Und noch etwas anderes. Auch längst Vergessenes. Douglas Preston präsentiert uns sozusagen „Jurassic World“ light. Aber seien Sie gewarnt: light ist in diesem Thriller gar nichts! Sie werden im „so friedlichen“ Erebus, das auf frisch verheiratete ausgerichtet ist, garantiert keine Thriller-Flitterwochen verleben, sondern das nackte Grauen erleben!

Knaur, 473 Seiten; 18,00 Euro

Mo Malo – Tod in Saint-Malo

Es ist Sommer in Saint-Malo, und ein großes Musikfestival steht bevor. Auch Maggie (69), Louise (44) und Enora (22), die als Dreigenerationenteam die hübsche Traditionspension Corrigan Inn führen, fiebern dem Event entgegen. Doch dann wird Paul Le Tohic, Star der wichtigsten Band, ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Heikel für die Corrigan-Frauen: Paul war ein Ex-Liebhaber von Maggie. Die Paul kurz vor seinem Tod noch in seinem Zimmer besucht hatte. Und dabei gesehen wurde. Um den Polizeiermittlungen unter Leitung eines frisch eingetroffenen neuen Kommissars zuvorzukommen, setzen die drei nun als Breizh Brigade alles daran, in der vom Meer umtosten Stadt einem Mörder auf die Spur zu kommen.

Der französische Autor Mo Malo feiert in seiner Heimat als Thriller-Autor Erfolge. Nun wagt er sich an eine Cosy-Crime-Serie, die sich bei den LeserInnen ja großer Beliebtheit erfreuen. Er schickt ein weibliches Trio ins Rennen, das sich aus drei unterschiedlichen Altersklassen zusammensetzt. Und das auch noch aus einer Familie. Die Breizh Brigade. Mal was anderes. Was nicht so anders ist als bei zahlreichen anderen Cosy-Crime-Reihen, ist die dürftige Spannung, die einfach so vom Meer hinweggespült wird. Maggie, Louise und Enora sind durchaus sympathisch, und auch die Kulisse ist ganz schön, aber der Kriminalfall ist es nicht. Müde Spannung wohin man blickt im schönen Saint-Malo. Freundliche 333 Seiten, und dann war’s das auch schon mit dem „Tod in Saint-Malo“.

Lübbe, 333 Seiten; 16,00 Euro

  Amelie Fried – Der längste Sommer ihres Lebens

Die engagierte Unternehmerin Claudia steht kurz vor der Erfüllung ihres großen Traums: Bürgermeisterin ihrer süddeutschen Heimatstadt zu werden. Plötzlich taucht ihre 18-jährige Tochter Anouk im Umfeld radikaler Klimaaktivisten auf, landet im Gefängnis und beschert ihrer Familie sogar eine Hausdurchsuchung – alles ein gefundenes Fressen für die Medien. Claudias Kandidatur ist gefährdet, der Ruf des Autohauses, das sie in dritter Generation leitet, beschädigt, die Kunden bleiben weg. Ihre Mutter Marianne, einst Chefin der Firma, hintertreibt Claudias Pläne ebenfalls. Und anstatt seiner Frau beizustehen, wird Ehemann Martin, der nun das Autohaus leitet, zum unberechenbaren Gegenspieler. Claudias ganze Existenz steht auf dem Spiel – und schließlich sogar das Leben ihrer Tochter. Wird es ihr gelingen, Anouk zu retten?

Amelie Fried schreibt wieder im besten Sinne einen Gesellschafts- und Familienroman auf höchstem Niveau! Höchst unterhaltend, höchst spannend und höchst dramatisch. Sie stellt spannende und aktuelle gesellschaftliche Fragen. Dazu zählen so Themen wie der Klimawandel, das Streben nach kommunalen politischen Aktivitäten und die damit verbundenen Probleme. Das Abwenden von einem gewissen Personenkreis und der Hass im Internet. Dazu kommen die familiären und alltäglichen Probleme. „Der längste Sommer ihres Lebens“ wird für Sie zu einem – leider – sehr schnellen Leseerlebnis, denn die Seiten fliegen nur so dahin!

Heyne, 431 Seiten; 22,00 Euro

  Lize Spit – Der ehrliche Finder

Seit er vor einem Jahr in Bovenmeer angekommen ist, sitzt Tristan in der Schule neben Jimmy, der klüger und einsamer ist als alle anderen und es sich zur Aufgabe macht, Tristan Ibrahimi durch das Schuljahr zu begleiten. Denn der hat nicht nur einen Krieg erlebt und eine Flucht durch ganz Europa, sondern er hat auch das, wonach Jimmy sich am meisten sehnt: eine intakte, große Familie, die Halt und Geborgenheit bietet. Gemeinsam bauen sie sich ihre eigene Welt voller geheimer Orte und einer Sprache, die beide verstehen, eine Welt, in der Freundschaft möglich ist. Bis jemand eine Entscheidung trifft, die nicht nur ihre Welt gefährdet und Jimmy und Tristan alles abverlangt.

Lize Spit wuchs in einem Dorf in Flandern auf und lebt heute in Brüssel. Ihr Debütroman „Und es schmilzt“ hat auch mich damals begeistert, in meiner Kolumne Nr. 476 vom 02.10.2017. Nun legt sie mit „Der ehrliche Finder“ ihren dritten Roman vor. Ein Roman aus unserer Zeit, eine Zeit die politisch aufgeladen ist. Lize Spit bricht diese Zeit (auch wenn die Geschichte in den 1990ern spielt, es hat sich in dieser Hinsicht nicht viel verändert) auf eine kleine und literarische feine Geschichte herunter, die berührt, das Herz schneller schlagen und durchaus die eine oder andere Träne fließen lässt. Bei mir war es genauso! „Der ehrliche Finder“ ist, ganz ehrlich, eine Geschichte, die man umarmen möchte!.

S. Fischer, 125 Seiten; 18,00 Euro

Christoffer Carlsson – Wenn die Nacht endet

An einem kalten Wintermorgen 1999 wird im halländischen Skavböke der 18-jährige Mikael Söderström erschlagen aufgefunden. Mit seinen Freunden war er in der Nacht zuvor auf einer Party, doch niemand im Dorf kann und will glauben, dass einer von ihnen der Täter ist. Bei den Ermittlungen stößt die Polizei immer wieder auf zwei Namen: Killian Persson und Sander Eriksson. Doch nachweisen kann man dem ungleichen Gespann, das seit der Kindheit unzertrennlich ist, nichts. Die Spuren verlaufen sich. Als 20 Jahre später Mikaels jüngerer Bruder in Skavböke ermordet wird, übernimmt Vidar Jörgensson von der Polizei Halmstad den Fall. Seine Ermittlungen führen zurück zu den Ereignissen von damals …

Will man in Schweden einen Krimi-Bestseller lesen, dann kommt man an den Büchern von Christoffer Carlsson nicht vorbei! Und auch bei uns hat er sich eine Fangemeinde aufgebaut. Nach „Unter dem Sturm“ und „Was ans Licht kommt“ ist „Wenn die Nacht endet“ der dritte Band der Halland-Krimis. Christoffer Carlsson peitscht die LeserInnen in 117 Kapitel auf gut 450 Seiten durch die spannende und psychologisch ausgereifte Geschichte. Mehr als ein Kriminalroman, ein Gesellschaftsroman verpackt in einem Kriminalroman. „Wenn die Nacht endet“ wurde mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet.

Kindler, 461 Seiten; 24,00 Euro