Juni 14, 2024

Kolumne 06.05.2024 Nr. 820

      BuchKolumne 06.05.2024 Nr. 820

Genevieve Cogman – Scarlet
Pedro Almodóvar – Der letzte Traum
Daniel Mason – Oben in den Wäldern
Karen Swan – Der letzte Sommer – Die Inseltöchter
Susanne Popp – Loreley – Die Frau am Fluss

Hörbuch der Woche:

Jason Dark – Geisterjäger – John Sinclair
Folge 166 bis Folge 170

  Genevieve Cogman – Scarlet

England, 1793. Vampire und menschliche Aristokraten leben Seite an Seite. Das Bluttrinken ist eine geregelte Angelegenheit, gemordet wird höchstens im Geheimen. Als in Frankreich die Revolution ausbricht, setzt eine Gruppe von verwegenen Kämpfern alles daran, die französische Königsfamilie vor der Guillotine zu retten. Ihr Deckname: die Liga des Scarlet Pimpernel. Unvermittelt sieht Eleanor sich in dieses Abenteuer verstrickt, ein Dienstmädchen mit starker Ähnlichkeit zu einer hochgestellten Persönlichkeit. Ihr Auftrag: nach Frankreich reisen und in die Rolle von Marie Antoinette schlüpfen. Als eine Magierin von ihr Besitz ergreifen will, wird ihr klar, dass neben der Französischen Revolution auch ein uralter Krieg zwischen Zauberern und Vampiren stattfindet – und sie sich mitten darin befindet.

Die Britin Genevieve Cogman hat mit ihrer „Die-Bibliothekare“-Reihe große Spuren im Fantasy-Genre hinterlassen. Nun startet sie ein neues Epos: „Die Liga des Scarlet Pimpernel“. Der erste Roman trägt den Namen „Scarlet“. Was für eine verrückt-geniale Story! Vampire und Menschen leben fröhlich nebeneinanderher, wenn da nicht die Ereignisse der Weltgeschichte wären. Die Französische Revolution wirft einen großen Schatten, auch bis nach England. Und zurück nach Frankreich, denn es muss gehandelt werden, die Adligen können nicht weiter vertrieben und getötet werden. Freilich spielen die Vampire dabei auch eine Hauptrolle. „Die Liga des Scarlet Pimpernel“ ist ein verrückt-geniales Epos! Eine Mischung aus „Les Misérables“, „Interview mit einem Vampir“ und „Mario Antoinette“. Aus dieser Geschichte könnte man prima eine heldenhafte Netflix-Serie machen.

Lübbe, 414 Seiten; 18,00 Euro

Pedro Almodóvar – Der letzte Traum

Befreiung und Liebe sind die Lebensthemen von Pedro Almodóvar, einem der wichtigsten Filmemacher der Gegenwart, der auch ein leidenschaftlicher Schriftsteller ist. Mit zwölf Erzählungen betritt Pedro Almodóvar nun die literarische Bühne: Sie handeln von Paradiesvögeln und inbrünstigen Sängerinnen, von Schicksalsschlägen und radikalen Zäsuren, sie verhandeln die Abgründe und die Schönheit des Lebens.

Das schreibt der Verlag zum Buch: „Schonungslos und poetisch entsteht eine Autobiographie im Spiegel der Literatur, eine Feier des Lebens und der Kunst.“ Die zwölf Erzählungen sind: „Der Besuch“, „Zu viele Geschlechtsumwandlungen“, „Die Spiegelzeremonie“, „Johanna, das Wahnröschen“, „Der letzte Traum“, „Leben und Tod von Miguel“, „Bekenntnisse eines Sex-Symbols“, „Bittere Weihnachten“, „Adieu, Vulkan“, „Die Erlösung“, „Erinnerungen an einen leeren Tag“ und „Ein schlechter Roman“. Ein schlechtes Buch ist „Der letzte Traum“ nicht, aber auch kein gutes. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich an Qualität und Spannung. Mir kam immer wieder der Gedanken: „Warum hat ein so erfolgreicher Mann wie Pedro Almodóvar nicht mehr zu erzählen? Er hätte doch sicher 500 spannende Seiten füllen können. Doch er schreibt kleine autobiographische Skizzen und dazu noch andere Erzählungen. Ein buntes Sammelsurium! Das kann man nun positiv sehen oder negativ.

S. Fischer, 223 Seiten; 24,00 Euro

  Daniel Mason – Oben in den Wäldern

Wer hat hier, wo ich wohne, schon einmal ein Leben geführt – und wer wird diesen Ort nach mir sein Zuhause nennen? Es ist die Geschichte eines Hauses in den Wäldern von Massachusetts. Und mit ihr von den Schicksalen, Geheimnissen und Abgründen der Menschen, die das Haus über die Jahre bewohnen. Von einem Soldaten, der nach einer Verwundung nicht auf die Schlachtfelder zurückkehrt, sondern beschließt, sich in der Abgeschiedenheit dem Apfelanbau zu widmen. Von seinen Töchtern, Zwillingen, deren symbiotisches Leben mit dem Erwachsenwerden zunehmend Risse bekommt – und jäh in einer Tragödie endet. Von einem Reporter, der auf ein uraltes Massengrab stößt, und einem liebeskranken Maler, der einem geheimen und riskanten Verlangen nachgeht. Während sich die Bewohner des kleinen gelben Hauses mit der Schönheit und den Wundern ihrer Umgebung auseinandersetzen, beginnen sie zu erkennen, wie lebendig die Vergangenheit dieses Ortes ist.

Daniel Mason hat mit Romanen wie „Der Klavierstimmer ihrer Majestät“ und „Der Wintersoldat“ begeistert. Nun liegt mit „Oben in den Wäldern“ sein neuer Roman vor. Eine sprachlich fulminante Geschichte, die einen in ihren ganz eigenwilligen Bann zieht! „Oben in den Wäldern“ bringt viele Sätze hervor, die man so schnell nicht wieder vergessen wird. Hier ein Auszug: „Aber Gott hatte ein Auge auf mich. Oder vielleicht verrutschte Ihm auch einfach der Pinsel, als Er die Schlachtszene auf Seine Leinwand malte, und rettete so mein Leben.“ Und das geht oft so weiter. Daniel Masons „Oben in den Wäldern“ ist ein Roman vom Kommen und Gehen, der Natur mit ihren Jahreszeiten, den Menschen, mit ihren Eigenheiten, Durchsetzungswillen, dem Wunsch auf Veränderung, bis das Alter jeden seine unerbittliche Schlinge umlegt und fest zuzieht. „Oben in den Wäldern“ ist ein weiser, ein philosophischer und fesselnder Roman!

C. H. Beck, 429 Seiten; 26,00 Euro

   Karen Swan – Der letzte Sommer – Die Inseltöchter

Sommer 1930: Effie liebt ihre Heimat St. Kilda über alles. Auf der abgelegenen schottischen Insel mit ihren schroffen Felsen und unzähligen Seevögeln hat sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht. Als der Earl of Dumfries und sein Sohn Lord Sholto St. Kilda besuchen, soll Effie den beiden die Schönheit der Insel zeigen. Doch der junge Lord hat nur Augen für Effie, und der Abschied fällt ihm ebenso schwer wie ihr. Kurz darauf erfahren die Bewohner St. Kildas, dass sie aufs Festland übersiedeln müssen. Für Effie ist die Vorstellung, ihre geliebte Heimat zu verlassen, ein Albtraum. Doch es ist zugleich ihre einzige Chance, Lord Sholto wiederzusehen.

Karen Swan schreibt Liebesromane, die verzaubern und verführen! Zuletzt sind von ihr „Sommer im Paradies“, „Sommernächte in Paris“ und „Ein Geschenk zur Winterzeit“ erschienen. Nach ihren Jahreszeiten-Romanen geht sie nun noch einen anderen Weg. Karen Swan beschreitet den Pfad einer Lucinda Riley und einer Soraya Lane! Ihre Romane sind aber „nur“ im historischen Umfeld angesiedelt. Mit ihrer Reihe „Die Inseltöchter“ beschreibt sie die Geschichten der vier Freundinnen Effie, Mhairi, Flora und Jayne. Der erste Band „Der letzte Sommer“ ist Effie gewidmet. Stürmisch, wild, leidenschaftlich! Das ist Effies Geschichte. Der zweite Band „Die gestohlenen Stunden“, Mhairis Geschichte, erscheint im August 2024.

Goldmann, 586 Seiten; 12,00 Euro

 Susanne Popp – Loreley – Die Frau am Fluss

Bacharach 1817. Die mittellose Waise Julie arbeitet als Magd im Gasthaus ihres Vormunds. Ein geheimnisvoller Zauber geht von ihr aus, und ihre außergewöhnliche Schönheit sorgt immer wieder für Eifersucht und Streit. Der Pfarrer fordert gar, dass sie den Ort verlässt. Auch Johann hat Eltern und Geschwister verloren. Er kehrt seinem Heimatdorf den Rücken, um in Karlsruhe bei der Rheinbegradigung sein Auskommen zu finden. Nach einem entsetzlichen Ereignis verlässt er die Großbaustelle und wird Schiffer auf dem breiten Fluss. Julie und Johann lernen sich kennen. Sie ahnen nicht, welche Schatten die Vergangenheit auf sie werfen wird. Am sagenumwobenen Loreley-Felsen nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Susanne Popp hat mit ihrer „Teehändlerin“-Trilogie bereits zahlreiche LeserInnen für sich eingenommen. Nun startet sie eine neue Reihe. „Loreley“ ihr Name. „Loreley“ ist eine faszinierende historische Saga, die märchenhaft, detailgenau und spannend zugleich ist! Zudem gibt es eine schöne Landschaft und Figuren, denen man gerne entlang des Flusses des Lebens folgt. Natürlich vor allem der zauberhaften Julie. Nach „Loreley – Die Frau am Fluss“ folgt im September 2024 „Loreley – Strom der Zeit“.

Fischer, 459 Seiten; 13,00 Euro