







BuchKolumne 06.04.2026 Nr. 881
Amelie Fried – Eine von uns
Richard Price – Lazarus Man
Thomas Knüwer – Giftiger Grund
Hans-Gerd Raeth – Wir Freitagsmänner
Andrea Bonetto – Ein romantischer Tod
Hörbuch zur Ausgabe:
Arno Strobel – Ungelöst – Die erste Zeugin
Amelie Fried – Eine von uns
Nelly hat es geschafft. Sie ist mit dem erfolgreichen Wirtschaftscoach Tom verheiratet, Tochter Cleo steht kurz vor dem Abitur mit Bestnote, die jüngere Schwester Emma überrascht mit ungewöhnlichen Talenten. Ein sorgloses Leben im Überfluss, von Nelly stolz in Szene gesetzt auf ihrem Videoblog „Happy wife, happy life!“ – bis Tom eines Tages schwer verunglückt und sich der ganze Wohlstand als große Illusion entpuppt. Nelly verliert alles. Mit ihren Töchtern muss sie in eine Sozialwohnung ziehen, und schon bald putzt sie die Häuser der Reichen, in denen sie kurz zuvor noch Gast war. Aber sie gibt nicht auf. Sie kämpft für ein neues Leben.
Neben Hera Lind gehört Amelie Fried nun schon seit Jahrzehnten zu den ganz großen deutschen Bestseller-Autorinnen! Bestseller folgt auf Bestseller, ein toller Roman folgt dem nächsten. Zuletzt hat sie mich mit „Der längste Sommer ihres Lebens“ begeistert, nun tut sie das auch mit ihrem neuen Roman „Eine von uns“. Nelly führt ihr perfektes Leben, erfolgreicher Mann, zwei gescheite Töchter und nun auch noch beliebte Influencerin. Für immer mehr Frauen, wenn man nach den Online-Trends geht, genau das erstrebenswerte Leben. Doch was passiert, wenn plötzlich kein Geld mehr für die Tür hereinkommt? Amelie Fried greift auch in ihrem neuen Roman wieder ein aktuelles Thema auf und macht daraus eine rasend interessante Geschichte, die von Träumen, Hoffnungen und der Erfüllung im Leben erzählt. Weniger kann manchmal mehr sein, wenn man hinfällt, muss man wieder aufstehen und vor allem eins: niemals aufgeben! Ein Buch von Amelie Fried zu lesen ist wie mit einer guten Freundin in einem schönen Café einen leckeren Cappuccino zu trinken!
Heyne, 448 Seiten; 18,00 Euro
Richard Price – Lazarus Man
East Harlem, 2008. Ohne Vorwarnung stürzt ein fünfstöckiges Mietshaus ein, das ganze Viertel versinkt im Chaos. Die Rauchwolke steht dicht über dem Berg aus Schutt, als Rettungsdienste und Medien eintreffen. Als eigentlich keiner mehr mit Überlebenden rechnet, wird Anthony Carter aus den Trümmern geborgen, unversehrt, aber nicht mehr derselbe. Die Geschichte folgt vier sehr unterschiedlichen Charakteren durch die Nachwehen einer urbanen Katastrophe.
Richard Price gehört in den USA zu den literarischen Genies! Seine Romane atmen, seine Romane strahlen Leben aus, seine Beschreibungen von New York und deren Menschen sind auf den Punkt, seine literarische Klarheit treibt einen immer weiter an, sich in Richard Prices literarischen Welt fortzubewegen. Nach so Werken wie „Cash“ und „Clockers“ lässt er nun den „Lazarus Man“ herabsteigen in die Köpfe der LeserInnen. „Lazarus Man“ vereint wieder alle Stärken des literarischen Genies Richard Price! Seine vier Hauptfiguren sind zum Greifen nah, sie haben alle einen gravierenden Einschnitt in ihrem Leben hinter sich, aber machen weiter, immer weiter. Was bleibt auch sonst? Das Leben ist kein Zuckerschlecken, das zeigt Richard Price durch seine Figuren deutlich.
S. Fischer, 399 Seiten; 26,00 Euro
Thomas Knüwer – Giftiger Grund
Für Joran, frisch aus dem Jugendknast entlassen, werden die ersten Tage in Freiheit zum Desaster: Sein Vater erpresst ihn und auf Jobsuche wird er erniedrigt und schikaniert. Verzweifelt schleicht er schließlich nachts zu der Tankstelle, die er vor sieben Jahren überfallen hat. Seine letzte Hoffnung ist die Beute, die er vor seiner Festnahme in einem Kanalschacht verstecken konnte. Die Tankstelle ist längst verlassen – ein Lost Place – doch statt der Beute findet Joran im Schacht eine Leiche: Aras, sein damaliger Freund und Komplize. Ist der Dritte im Bunde sein Mörder? Entsetzt merkt Joran, dass er nicht allein ist auf dem heruntergekommenen Gelände. Da ist Edda, ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Und Charu, die sich als Fotografin von Lost Places einen Namen machen will. Der Tote im Schacht wird für alle drei zu einer schicksalhaften Verbindung.
Thomas Knüwer hat im letzten Jahr mit „Das Haus in dem Gudelia stirbt“ für Aufsehen gesorgt. Auch ich habe den ungewöhnlichen Krimi gelobt. Nun folgt sein zweiter Krimi „Giftiger Grund“. Das erste Drittel des Buches sendete mir nur ein Signal: Was bitte soll hier ein Krimi sein? Und wo bitte ist Spannung aufgebaut? Da ich selbst ja auch schon über 40 erfolgreiche Krimis und Thriller geschrieben habe, würde ich niemals einen Krimi so aufziehen, denn hier sucht man die Spannung über lange Zeit eben vergebens und auch die Auflösung ist wenig überraschend, und der Weg dorthin ist nur in Teilen gut erzählt. Was okay ist, ist Thomas Knüwers Stil. Der macht die langweiligen Passagen zumindest etwas erträglicher. Auch habe ich wenig Zugang zu den Figuren gefunden. Sie haben viele Brüche, wirken anhand ihrer Charaktere durchaus gut gezeichnet, aber sympathisch waren sie mir nicht. Der Verlag schreibt über dieses Buch: „Der beste Krimi der Saison!“ Wenn das der Wahrheit entsprechen würde, dann GUTE NACHT deutsche Krimiliteratur!
Droemer, 331 Seiten; 18,00 Euro
Hans-Gerd Raeth – Wir Freitagsmänner
Wenn ein Mann bei einem Date gesagt bekommt, dass er älter aussieht als sein brandaktuelles Foto, dann weiß er, die Dinge in seinem Leben laufen nicht gerade toll. So wie bei Henri. Irgendwie geht es ihm okay. Aber irgendwie auch überhaupt nicht: seine Ehe ist Geschichte, die Affäre aber auch. Als sein Hausarzt dann auch noch „die Wechseljahre“ bei ihm diagnostiziert, reicht es Henri langsam. Immerhin passt es ganz gut, dass seine Traumfrau Emily als Coach arbeitet. Kann sie ihm helfen? Dummerweise steht Emily privat auf junge Männer. Aber so leicht gibt Henri nicht auf. Er merkt: Er will noch lange nicht aufs Abstellgleis. Und vielleicht sind die Wechseljahre ein Gleiswechsel, den er begrüßen sollte.
Für Männer ab 50 beginnt das beziehungstechnische Waterloo! Entweder scheitert die Ehe, die zuvor ein, zwei Jahrzehnte gedauert hat, oder man ist wieder Single und die Online-Date-Hölle beginnt von vorne. Das sind die Aussichten – wie auf dem Schlachtfeld eben. Genau davon dürfen wir in „Wir Freitagsmänner“ erfahren. Hans-Gerd Raeth legt den Finger in die Wunde der Männer, die mit grauen Haaren und Bauchansatz zu kämpfen haben. Und bei denen die gesundheitliche Defizite Jahr für Jahr zunehmen. Aber er tut das äußerst vergnüglich. Äußerst vergnüglich! Zahlreiche Aha-Momente erwarten einen, egal ob man nun in seinen 40ern oder 50ern ist, man wird sich wiederfinden in „Wir Freitagsmänner“. So ist das Buch am Ende versöhnlich, weil es humorvoll, ehrlich und tröstlich ist!
dtv, 287 Seiten; 23,00 Euro
Andrea Bonetto – Ein romantischer Tod
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Commissario Vito Grassi glaubt nicht an einen Unfall, als ein Wanderer nahe des Sentiero Azzurro tot aufgefunden wird. Erschlagen von den Steinen einer jahrhundertealten Mauer bei einem romantischen Picknick mit Meerblick? Ausgeschlossen, findet Grassi. Nur der Hartnäckigkeit Dottore Penzas ist es zu verdanken, dass man nach der Obduktion zweifelsfrei von einem Verbrechen ausgeht. Der Tote entpuppt sich als Ex-Polizist, der Undercover den Machenschaften des skrupellosen Geschäftsmanns Nicola DiLorenzo auf der Spur war. Er soll sich in einer fragwürdigen Beziehung zu zwei Erbinnen und einem romantischen Poeten befunden haben. Die Ermittlungen stagnieren, bei einem legendären Schwimmwettkampf werden Grassi und seine Kollegin Marta Ricci schließlich Zeuge eines erneuten Mordanschlags, der ihren Fall plötzlich in neues Licht stellt.
Andrea Bonetto schreibt Krimis, die Urlaubs-Feeling und spannende Ermittlungen miteinander verbinden. Seine Reihe um Commissario Vito Grassi hat Kult-Potenzial! Nach „Abschied auf Italienisch“ und „Azzurro Mortale“ folgt nun „Ein romantischer Tod“. Commissario Vito Grassi und seine Kollegin Marta Ricci müssen in allen Bereichen wieder vollen Einsatz zeigen – beruflich wie privat. Das macht Andrea Bonettos Bücher so vergnüglich, das private Hin und Her der sehr unterschiedlichen Hauptfiguren bringt freudige Abwechslung. Und Marta Ricci ist dabei wirklich das genau Gegenteil von Vito Grassi, der seine Kollegin so sieht: „Sie sah aus, als könnte Tarantino sie für die Rolle einer durchgeknallten Killerin casten.“ „Ein romanischer Tod“ – darauf darf sich jeder Italien-Krimi-Fan freuen!
Droemer, 316 Seiten; 16,99 Euro
Das Kurz-und-Knapp-Trio
Tabea Bach
Wiedersehen im Kamelienhaus
Lucy Riwall hat auf der japanischen Insel Soshima die Leitung der knapp vor dem Aus stehenden tsubaki-Manufaktur übernommen und damit keine leichte Aufgabe geschultert. Und sie muss hart arbeiten, um das Vertrauen der Mitarbeitenden zu gewinnen. Dabei denkt sie sehnsüchtig an Finn und fragt sich, ob sie je wieder zusammenkommen werden. Doch auf dem großen Jubiläumsfest in Lucys bretonischer Heimat, zu dem sie mit ihren japanischen Kolleginnen und Kollegen anreist, kommt es zu überraschenden Wendungen und unerwarteten Begegnungen. Nach dem zauberhaften „Das Kamelienhaus“ ist das „Wiedersehen“ umso schöner! Wunderbares Setting, wunderbare Figuren, spannende Story. Tabea Bach schreibt Geschichten, die die LeserInnen berühren!
Lübbe, 461 Seiten, 14,00 Euro
Judith Hermann
Ich möchte zurückgehen in der Zeit
S. Fischer, 156 Seiten, 23,00 Euro
R. M. Gray
Starchaser
In Aster Oberon, einst Piratin, erwacht eine magische Gabe, ungezähmt und gefährlich. Sowohl sie als auch Will, der geheimnisvolle Nightweaver, der ihr Herz erobert hat, tragen einen grausamen Fluch. In wenigen Wochen werden sie zu willenlosen Unterlingen, Kreaturen im Dienst der erbarmungslosen Morana. Der einzige Weg, den Fluch zu brechen, führt über Moranas Blut. Gemeinsam mit Will und Titus, dem verführerischen Prinzen von Eerie, der die tyrannische Herrschaft seiner Familie stürzen will, begibt Aster sich auf eine gefährliche Reise. Ihr Weg führt sie zur Burg Grim, einem Ort voller glitzernder Täuschungen und tödlicher Geheimnisse. Nach dem berauschenden „Nightweaver“ folgt nun „Starchaser“. R. M. Grays romantisch-stürmische Fantasy-Saga ist ein echtes Highlight! Weiter geht es im Herbst mit „Cursebreaker“.
dtv, 508 Seiten, 18,00 Euro








