September 21, 2020

Kolumne 13.07.2020

BuchKolumne 13.07.2020 Nr. 621

Elisabeth Herrmann – Requiem für einen Freund
Leif GW Persson – Wer zweimal stirbt
Debra Jo Immergut – Die Gefangene
Klaus-Peter Wolf – Rupert Undercover
Kathleen Freitag – Die Seebadvilla

Elisabeth Herrmann – Requiem für einen Freund

Eines Tages bekommt der Berliner Anwalt Joachim Vernau eine Betriebsprüfung. Zu seinem Erstaunen verbeißt sich der Beamte in eine Jahre alte Restaurantquittung – und liegt wenig später erschossen in Vernaus Büro. Die Polizei geht von Selbstmord aus, aber Vernau hegt Zweifel. Vor allem als er herausfindet, dass der Beamte heimlich im Fall einer prominenten Steuerfahnderin ermittelt hat, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war. Ein Netz aus Korruption und Gewalt zieht sich bis in die höchsten Kreise Berlins – und Vernau gerät ins Visier der Schattenmänner, die jeden aus dem Weg räumen, der ihre Kreise stört.

Elisabeth Herrmann ist eine Garantin für hochklassige Spannungsliteratur! Sie hat verschiedene Charaktere als ihre Hauptfiguren entworfen, ihr bekanntester ist sicher der Berliner Rechtsanwalt Joachim Vernau, dessen Geschichten auch schon mit Jan Josef Liefers in der Hauptrolle verfilmt wurden. Nun ist Joachim Vernau zum sechsten Mal im Einsatz in „Requiem für einen Freund“. Von Anfang an hat einen die Geschichte. Nicht wegen bahnbrechender Spannung zu Anfang, die kommt später, sondern weil Joachim Vernau einfach ein echt sympathischer Kerl ist, den man auch beim Suchen nach einer Ikea-Rechnung gerne verfolgt. Elisabeth Herrmann gelingt es, um eine verschollene Restaurantquittung ein großes Mysterium aufzubauen. Selten waren Belege für die Steuer so interessant wie in diesem Krimi. Und wo das dann alles mündet, nicht megaüberraschend, aber spannend bis zum Schluss. Jeder Kriminalroman von Elisabeth Herrmann ist ein Volltreffer!

Goldmann, 475 Seiten; 10,00 Euro

   Leif GW Persson – Wer zweimal stirbt

Der junge Pfadfinder Edvin campt auf einer kleinen Schäreninsel, wo er und seine Kameraden Pilze sammeln. Ausgerüstet mit einem Körbchen findet er stattdessen einen halbvergrabenen Totenkopf im Wald. Obwohl er erst zehn Jahre alt ist, weiß er sofort, was zu tun ist: Er steckt den Schädel in eine Plastiktüte und türmt aus dem Pfadfinderlager zurück nach Stockholm geradewegs in die Wohnung seines Nachbars – dem berühmt berüchtigten Kommissar Evert Bäckström. Evert Bäckström, irgendwo zwischen Mitte 40 und Mitte 50, klein, dick und durchaus nicht ganz auf der Höhe der Zeit, was Gleichberechtigung und politische Korrektheit angeht, ist als Kommissar bei der Polizei in Stockholm tätig. Sein Benehmen ist schlecht, sein Instinkt jedoch untrüglich.

Leif GW Persson ist einer der erfolgreichsten Krimitautoren Skandinaviens! Der Schwede hat schon viele gute Kriminalromane verfasst. Seine neueste Reihe ist die um Kommissar Evert Bäckström. Nach „Mörderische Idylle“, „Sühne“ und „Der glückliche Lügner“ ist „Wer zweimal stirbt“ nun der vier Roman der Reihe. Die Evert-Bäckström-Reihe gehört sicher nicht zu den besten aus Leif GW Perssons langer Bestsellerkarriere. Wie schon die Vorgänger macht auch dieser keine allzu gute Figur. Langweilig und aufgeblasen. Die Grundidee des Romans hätte auch auf 300 Seiten untergebracht werden können und nicht auf fast 600 Seiten. Leif GW Persson verläuft sich meist in seiner eigenen Story. Und Evert Bäckström ist auch nicht gerade der geborene Sympathieträger.

btb, 574 Seiten; 16,00 Euro

   Debra Jo Immergut – Die Gefangene

Frank erkennt sie auf Anhieb. Die Haare, der Gang, das Lächeln – sie hat sich nicht verändert. In der Highschool war er unsterblich in dieses Mädchen verliebt. Damals hat sie ihn keines Blickes gewürdigt. Nun steht Miranda in ihrer gelben Gefängniskluft vor ihm, wegen kaltblütigen Mordes zu 52 Jahren Haft verurteilt. Frank ist ihr als Psychologe zugewiesen, müsste aber den Fall wegen Befangenheit abgeben. Doch Frank trifft eine fatale Entscheidung mit gefährlichen Konsequenzen für beide.

„Die Gefangene“ wurde von der „New York Times“ als „bester Spannungsroman des Jahres“ ausgezeichnet. Eine besondere Geschichte. Ein Psychogramm zweier so unterschiedlicher Charaktere auf ganz unterschiedlichen Seiten des Systems! Der eine, der Psychologe, die andere, die Gefangenen. Die Amerikanerin Debra Jo Immergut hat eine starke Idee gut umgesetzt. Was passiert, wenn man seinen High-School-Schwarm auf diese Art wieder trifft, ohne dass diese es ahnt, wer der andere ist? Einen Krimi oder gar einen Thriller darf man von diesem Buch nicht erwarten, aber es ist eine spannende Charakterstudie zweier so unterschiedlicher Lebenswege, die sich am Ende an einem so trostlosen Ort wie dem Gefängnis erneut treffen. Fesselnd bis zum letzten Kapitel, das offenbart, wohin blinde Liebe führt.

Penguin, 298 Seiten; 20,00 Euro

   Klaus-Peter Wolf – Rupert Undercover

ISchon immer wollte Rupert zum BKA. Doch die haben ihn nie genommen. Jetzt aber brauchen sie ihn, denn er sieht einem internationalen Drogenboss zum Verwechseln ähnlich. Für Rupert ist das die Chance seines Lebens: Endlich kann er beweisen, was in ihm steckt. Eine gefährliche Undercover-Mission beginnt. Ganz auf sich allein gestellt merkt er schnell, dass nichts so ist, wie es scheint und die Sache gefährlicher als gedacht. Kann er ohne seine ostfriesischen Kollegen überhaupt überleben?

Bestseller-Magnet Klaus-Peter Wolf schenkt dem geheimen Star seiner Ostfriesland-Krimis einen eigenen Roman – Hauptkommissar Rupert wird zur Hauptfigur und füllt seinen Part dermaßen gut aus, dass man zwingend mehr davon lesen möchte! „Rupert Undercover“ – ein Kriminalroman mit Pfiff!

Fischer, 384 Seiten; 12,00 Euro

Kathleen Freitag – Die Seebadvilla

Ahlbeck, 1952: Gemeinsam mit ihren Töchtern Henni und Lisbeth führt Grete eine kleine Pension auf Usedom. Das Leben in der DDR ist nicht einfach für die drei Frauen. Dass sie ein eigenes Unternehmen führen, ist der Regierung ein Dorn im Auge. München, 1992: Zwischen den Sachen ihrer Mutter Henni findet Caroline einen Brief, in dem es um die Rückeignung einer Villa auf Usedom geht. Noch nie hat Caroline von dem Anwesen gehört. Sie stellt ihre Mutter zur Rede, doch Henni will nicht über damals sprechen, und so beschließt Caroline, auf eigene Faust an die Ostsee zu fahren.

Kathleen Freitag ist vom Fach, schrieb u. a. Drehbücher für die ARD-Erfolgsserie „In aller Freundschaft“. „Die Seebadvila“ ist nun ihr erster Roman. Und mit dem weiß sie gleich zu überzeugen! Mit Grete, und ihren beiden Töchter Henni und Lisbeth, und dann Hennis Tochter Caroline hat Kathleen Freitag eindringliche Frauenfiguren erschaffen. Die Ansiedlung der Geschichte in den 1950ern an der Ostsee und dann nach der Wende in der neuen Zeit ist sehr gut gelungen. Die Geschichte erzählt abwechselnd von den Figuren. „Die Seebadvilla“ ist ein atmosphärischer und spannender Familienroman mit eindringlichen Frauenfiguren!

HarperCollins, 352 Seiten; 15,00 Euro