Juli 13, 2020

Kolumne 01.06.2020

BuchKolumne 01.06.2020 Nr. 615

Chandler BakerWhisper Network
G. S. Locke – Neon
Vincent Kliesch/Sebastian Fitzek
Die Frequenz des Todes-Auris 2
Pierre Lagrange – Düstere Provence
Yuval Noah HarariFürsten im Fadenkreuz

 

Chandler Baker – Whisper Network

Sloane, Ardie, Grace und Rosalita leiden seit Jahren unter ihrem Vorgesetzten Ames. Zu seinem Verhalten Frauen gegenüber gab es schon immer Gerüchte. Gerüchte, die die Firmenleitung stets ignorierte oder unter den Teppich kehrte. Aber jetzt soll Ames zum Geschäftsführer befördert werden. Allerdings haben die Zeiten sich geändert, und genug ist genug. Die vier Frauen wissen: Sie müssen Ames‘ Aufstieg unbedingt verhindern. Und wenn ihre Worte wie üblich nicht gehört werden, dann müssen sie eben handeln.

Chandler Baker ist eine Frau, bei der man genau hinsieht und genau zuhört. Die Juristin hat mit „Whisper Network“ einen Roman geschrieben, der Schwingungen der „MeToo“-Bewegung sehr gut einfängt. Chandler Baker schreibt wohl vielen berufstätigen Müttern aus der Seele. Wie ist Arbeit und Kind zu vereinen, wie viel Anerkennung bekomme ich dafür, vom Partner, in der Arbeit, der Gesellschaft. Wie sieht man mich als Frau, als Mutter, als Führungsperson in einer Firma. Aber auch welchen anzüglichen Kommentaren und vielleicht sogar Übergriffen bin ich in meinem Beruf ausgesetzt. „Whisper Network“ hat etwas von „Big Little Lies“ und „Desperate Housewives“. Versetzt in eine Großstadt und in eine große Firma. Gesellschaftsroman, Drama, Krimi, ein Mix, der es in sich hat. „Whisper Network“ flüstert Ihnen zu – unbedingt lesen!

Heyne, 480 Seiten; 20,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Anna Carlsson, die Synchronstimme von Eva Longoria, ist eine gute Wahl für diese Geschichte. Sie liest frisch und schwungvoll. 20,00 Euro.

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Chandler Baker – Whisper Network- Hörprobe 10:00 Min.

G. S. Locke – Neon

Ein Serienkiller tötet Frauen in Birmingham und arrangiert ihre Leichen in Neon-Art-Installationen. Detective Matt Jackson ist mit der Ermittlung betraut. Allerdings nur, bis seine Frau Polly selbst Opfer des Serienkillers wird. Jackson ist geschockt, seine Welt bricht zusammen. Er wird von dem Fall NEON abgezogen. Doch er lässt sich nicht kaltstellen. Er ermittelt weiter – zusammen mit Iris, einer Auftragsmörderin, die ihn eigentlich töten sollte, denn er weiß: Mit normalen Methoden kommt er nicht weiter. Je näher sie dem Killer kommen, desto mehr erhärtet sich in Iris ein schrecklicher Verdacht. Können sie ihn stoppen, bevor er weiter mordet?

Ein ungewöhnlicher Thriller, der mich auf der einen Seite total begeistert hat und auf der anderen bin ich wenig von ihm überzeugt worden. Der Killer ist interessant, auch seine grausam-kreative Mordmethode, der Aufbau der Story, mit wechselnden Perspektiven ist gelungen, ebenso hat mich der Schreibstil von G. S. Locke, das Pseudonym eines englischen Bestsellerautors, überzeugt. Was mich aber überhaupt nicht überzeugt hat war der Cop und die Auftragskillerin. Ich fand keinen Zugang zu beiden Figuren und auch das Zusammenspiel, das beide nun den Killer suchen, fand ich wenig gelungen. „Neon“ leuchtet auf der einen Seite ganz hell, und auf der anderen wurde ihm der Stecker gezogen.

HarperCollins, 395 Seiten; 20,00 Euro

Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek – Die Frequenz des Todes – Auris 2

 

Nach kurzen Kampfgeräuschen bricht ein panischer Notruf einer Mutter bei der Nummer 112 plötzlich ab. Wenn jemand aus diesem Tonfragment Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort der Frau ziehen kann, dann der forensische Phonetiker Matthias Hegel – den einige nach wie vor für einen Mörder halten. True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge ist es zwar gelungen, Hegel vom Mordverdacht an seiner Frau zu entlasten, doch dabei ist sie der dunklen Seite des genialen Profilers deutlich zu nahegekommen. Hegel greift im Fall des entführten Babys erneut auf ihre Recherche-Fähigkeiten zurück. Kann Jula das Baby finden? Und was erfährt sie dabei noch alles? Und was ist mit den Informationen zu ihrem tot geglaubten Bruder Moritz, die Hegel ihr angeblich beschaffen will?

Wenn Sie „Die Frequenz des Todes“ einmal angefangen haben zu lesen, nehmen Sie sich nichts weiter vor, denn dann wollen Sie den Thriller unbedingt sofort zu Ende lesen! Vincent Kliesch, der begabte Thriller-Autor, hat sich mit seinen Freund Sebastian Fitzek zu einem zweiten Band um Jula Ansorge und Matthias Hegel aufgeschwungen. Die Fortsetzung von „Auris“ lässt nichts vermissen, was man nicht auch schon aus dem Vorgänger kannte. Hohes Tempo und große Überraschungsdichte! Es werden zahlreiche Verknüpfungen zum ersten Band hergestellt und offene Fragen beantwortet und auch wieder neue gestellt. Auch wenn ich die Zusammenhänge relativ schnell gelöst hatte, so haben mich doch einige andere Dinge der Story überrascht. Und das bis zum letzten Wort.

Droemer, 352 Seiten; 12,99 Euro

Pierre Lagrange – Düstere Provence

Eine Mordserie erschüttert die Provence. Drei Männer sind bereits tot: ein Bankier, ein Priester und ein Restaurant-Besitzer. Sie alle haben vor 25 Jahren gegen Louis Rey ausgesagt. Jetzt kommt der ehemalige Gangsterboss aus dem Gefängnis. Und er rächt sich. Als Albin Leclerc die Ermittlungen aufnimmt, glaubt er noch, dass seine privaten Probleme seine einzigen wären. Doch schon bald wird es ernst für den Commissaire. Denn er ist der vierte Mann, den der Gangster beseitigen will.

Pierre Lagrange ist ein Garant für den perfekten Provence-Krimi! Das beweist er immer wieder aufs Neue. So auch in seinem neuen Buch „Düstere Provence“, dem fünften Fall für den ehemaligen Commissaire Albin Leclerc. Pierre Lagrange gibt Leclercs Privatleben reichlich Platz, wie auch den anderen Figuren, dabei wird es aber nie langweilig, und der Kriminalfall bietet Spannung bis zum Schluss. Eine provenzalische Mischung, die einen sehr gut unterhält!

Scherz, 408 Seiten; 14,99 Euro

Yuval Noah Harari – Fürsten im Fadenkreuz

Schon im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es nicht nur große Schlachten und langwierige Belagerungen von Festungen und Städten, sondern auch gezielte Attentate, Entführungen und Sabotagen, die unter geringem Materialaufwand von nur wenigen Spezialkräften durchgeführt wurden. Solche Aktionen konnten entscheidend sein für den Ausgang von Kriegen oder den Aufstieg und Fall ganzer Herrscherdynastien. Sie sollten zumeist politische Schlüsselfiguren ausschalten, etwas Mitglieder von rivalisierenden Königshäusern oder Kommandeure feindlicher Armeen. Doch sie konnten sich auch gegen die gegnerische Infrastruktur richten, etwa gegen Brücken, Mühlen und Dämme. Und manchmal schlich sich ein mutiger Trupp mit Hilfe eines Verräters in eine belagerte Festung, um der eigenen Armee das entscheidende Tor zu öffnen.

Yuval Noah Harari entführt in „Fürsten im Fadenkreuz – Geheimoperationen im Zeitalter der Ritter 1100 – 1550“ zu den James Bonds des Mittelalters und zeigt, dass der „schmutzige Krieg“ nicht erst in der Moderne erfunden wurde. Ein spannendes und aufschlussreiches Buch, das sich wie ein historischer Kriminalroman liest! Die Hauptthemen sind: „Spezialkommandos, Strategie und Politik im Zeitalter der Ritter – ein analytischer Überblick“, „Das Tor zum Nahen Osten: Antiochia 1098“, „Die Rettung König Balduins: Kharput, 1123“, „Die Ermordung König Konrads: Tyros, 1192“, „Für einen Sack voll Goldmünzen: Calais, 1350“, „Fürsten im Fadenkreuz: Aufstieg und Fall des Hauses Valois-Burgund, 1407 – 1483“ und „Die Mühle von Auriol: Auriol, 1536“.

C. H. Beck, 347 Seiten; 26,95 Euro