Juli 13, 2020

Kolume 18.05.2020

BuchKolumne 18.05.2020 Nr. 613

Martin Walker – Connaisseur
Monique Truong – Sweetest Fruits
Lyssa Kay Adams – The Secret Book Club
Sandra Petrignani – Die Freibeuterin
Ula Hansen – Wassertöchter

Martin Walker – Connaisseur

Martin Walker - Connaisseur

Bruno ist neu Mitglied einer Wein- und Trüffelgilde, eine große Ehre. Doch lange kann er die pâtés und Monbazillacs nicht verkosten, denn er wird an einen Unfallort gerufen. Auf dem Anwesen des ältesten Gildenmitglieds ist eine Studentin, die in dessen Gemäldesammlung recherchierte, nach einem nächtlichen Rendezvous zu Tode gestürzt. Oder war es in Wahrheit Mord? Eine Spur führt Bruno zum Schloss einer berühmten Tänzerin und Résistance-Heldin: Josephine Baker.

„Connaisseur“ ist der zwölfte Fall für Bruno, Chef de Police. Martin Walkers Krimireihe um den charmanten und einnehmenden Bruno ist ein echter Lesegenuss! Auf alle zwölf Bücher trifft das nicht zu, aber auf die meisten. Auf seinen neuesten „Conaisseur“ auf jeden Fall. Von Seite eins an nimmt einen die Geschichte mit. Bruno, wie immer agil, und das Leben genießend, findet sich in einer temporeichen und spannenden Geschichte wieder. Martin Walker schafft es auf unnachahmliche Art einen Kriminalroman zu schreiben der großes Lesevergnügen bereitet! Keine große Hektik, langsames Ermitteln, interessante Randthemen, wenn Bruno ermittelt ist vieles etwas anders, aber in „Connaisseur“ niemals langweilig.

Diogenes, 437 Seiten; 24,00 Euro


Monique Truong – Sweetest Fruits

Drei starke Frauen erzählen ihre Geschichte – eine junge Griechin, eine ehemalige schwarze Sklavin aus Kentucky und die Tochter eines Samurai. Zugleich ersteht in den Stimmen dieser drei Frauen aus Lafcadio Hearns Leben (1850 – 1904), jede auf ihre Art eine begnadete Erzählerin, das interessante Dasein dieses Schriftstellers und Reisenden vor dem Leser: Das abenteuerliche und kurze Leben eines literarischen Gestaltwandels.

„Sweetest Fruits“ ist ein Roman, der eigentlich ein Kurzgeschichtenband ist. Erzählt wird das Leben dreier Frauen: Elizabeth Bisland (1861 -1929) New York 1906, Alethea Foley (1853 – 1913) Cincinnati, 1906 und Koizumi Setsi (1868 – 1932) Tokio, 1909 und ihrer Liebe zu dem Schriftsteller Lafcadio Hearn. Jede Geschichte umfasst gut 100 Seiten. Jede der drei Frauen hat etwas zu erzählen, und das Bild des Schriftstellers, des Mannes wird dadurch klarer, aber in das Leben der Frauen kann man als Leser kaum tiefer eindringen. Es bleibt alles an der Oberfläche und man bekommt keinen richtigen Zugang zu den Figuren. Mal spannend und interessant, aber durchweg nichts, was einen unbedingt weiterlesen lassen will. Wie die süßen Früchte, so ist auch dieser Roman schnell vergänglich.

C. H. Beck, 347 Seiten; 23,00 Euro

Lyssa Kay Adams – The Secret Book Club

Die Ehe von Profisportler Gavin Scott steckt in der Krise. Genau genommen ist sie sogar vorbei, wenn es nach seiner Frau Thea geht. Und das darf nicht sein. Thea ist die Liebe seines Lebens! Und er versteht, verdammt noch mal, nicht, was überhaupt passiert ist. Eigentlich müsste SIE sich bei IHM entschuldigen! Gavin ist ratlos und verzweifelt – bis einer seiner Freunde ihn mit zu einem Treffen nimmt. Einem Treffen des Secret Book Club. Hier lesen und diskutieren Männer heimlich Liebesromane, um ihre Frauen besser zu verstehen. Gavin hält das für Schwachsinn. Wie sollen Liebesschnulzen ihm helfen, seine Ehe zu retten? Doch die Lektüre überrascht ihn. Und Thea steht eine noch viel größere Überraschung bevor!

Der Liebesroman als Lebens- und Liebeshilfe für Männer und Frauen – wie wunderbar in unserer oft so kalten Welt! „The Secret Book Club“ lässt einen träumen, staunen, lieben, strahlen und glücklich sein. Lyssa Kay Adams hat mit ihrer Reihe „The Secret Book Club“ Lesestoff zum Verlieben geschaffen. Die Geschichte und die Figuren gehen einem zu Herzen. Die Lovestory von Gavin und Thea hat viel Potenzial, die die Autorin auch gut ausschöpft. Die Reihe nimmt mit „The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman“ nun ihren Anfang. Fortgesetzt wird die Reihe mit „The Secret Book Club – Die Liebesroman-Mission“, der im August erscheinen soll.

Kyss Rowohlt Polaris, 395 Seiten; 12,99 Euro

Sandra Petrignani – Die Freibeuterin

Sie war eine der bedeutendsten Frauen der europäischen Kulturgeschichte: Natalia Ginzburg (1916-1991). Ihre Werke zählen zu den Klassikern der Weltliteratur. Sie schrieb Erzählungen, Romane, Gedichte, Theaterstücke. Als Literatur-, Theater-, und Filmkritikerin war sie wegweisend. Sie war Verlegerin und Abgeordnete im Parlament. Zu ihren Weggefährten zählen die wichtigsten italienischen Autoren der Nachkriegszeit wie Cesare Pavese, Italo Calvino, Alberto Moravia und Elsa Morante.

Die Autorin spürt dem abenteuerlichen und mutigen Leben Natalia Ginzburgs nach. Sie besucht ihr Geburtshaus in Sizilien, die Turiner Wohnung in der Via Pallamaglio, das Versteck in den Abruzzen während der Besatzung durch die Nationalsozialisten sowie die Wohnung am Campo Marzio in Rom. Sie trifft die noch lebenden Weggefährten und liest ihr großes Werk noch einmal. Natalia Ginzburgs Leben ist so vielfältig und spannend wie ein Film! Eine Frau, die sich nie abbringen ließ, ihren Weg zu gehen. Sandra Petrignani, eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Italiens, geht ins Detail, ohne dabei ausufernd zu werden. So bleibt dann zu sagen: „Die Freibeuterin“ wird auch Sie entern!

btb, 639 Seiten; 24,00 Euro

Ula Hansen – Wassertöchter

Wir alle Es sind gute Zeiten für die hochbegabte Fallanalystin Emma Carow. Sie ist glücklich. Frisch verliebt. Die Dämonen der Vergangenheit ruhen. Emma kann einschlafen, ohne an ihre brutale Vergewaltigung vor vielen Jahren zu denken. Auch mit den Kollegen kommt sie besser klar. Dann findet eine Vergewaltigung statt. Das Opfer hat Schnittwunden, die an ein Ritual erinnern, eingeritzt mit einem sehr scharfen Messer. Genau wie bei Emma damals. Kann es sein, dass ihr Vergewaltiger wieder aktiv ist? Die Indizien sprechen dagegen. Doch als kurz darauf eine grauenhaft zugerichtete Wasserleiche auftaucht, ist Emma sicher: Auch dieses Opfer trägt seine Handschrift. Niemand glaubt ihr. Die Dämonen kehren zurück. Und Emma beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

„Wassertöchter“ ist nach „Neuntöter“ und „Blutbuch“ der dritte Band der Emma-Carow-Trilogie. Schon die ersten beiden Bände haben einen starken Eindruck hinterlassen. „Wassertöchter“ führt diesen nun fort. Emma Carow ist eine Frauenfigur, die anpackt. Das Autorenduo Ule Hansen jagt einen durch 96. Kapitel ohne dabei die Notbremse zu ziehen! Ein Thriller ohne Haltestation. Bitte anschnallen!

Heyne, 431 Seiten; 17,00 Euro