Juli 13, 2020

BuchKolumne 11.05.2020 Nr. 612

BuchKolumne 11.05.2020 Nr. 612

Jan Caeyers – Beethoven – Der einsame Revolutionär   
Jessica Barry – Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod
Naoko Abe – Hanami  
Andreas Gößling –  Rattenflut   
Isabell May  – Shadow Tales – Das Licht der Fünf Monde

Jan Caeyers  –  Beethoven – Der einsame Revolutionär

Die Kompositionen Ludwig van Beethovens gehören zum unvergänglichen Erbe der Musikgeschichte. Doch wer war der Schöpfer dieser Musik, der uns mit unsterblichen Werken wie dem Fidelio, der Missa solemnis, seinen Klaviersonaten, seinen Streichquartetten und der Neunten Sinfonie beschenkt hat?.

„Beethoven – Der einsame Revolutionär“ von Jan Cayers, viele Jahre der künstlerische Leiter der Beethoven Akademie, ist bereits 2012 erschienen. Doch zum Beethoven-Jahr 2020, der 250. Geburtstag des Komponisten, erscheint in Zusammenarbeit mit dem Beethoven-Haus in Bonn hier eine vollständig neu bearbeitete Ausgabe, die auf dem aktuellen Forschungsstand ist. In diesem Buch taucht man vollkommen in das Leben und Wirken dieses Ausnahmegenies ein! Es gewährt tiefe Einblicke. Jan Cayers vermittelt in dieser Biographie nicht nur das Leben des Ludwig van Beethoven, sondern gestaltet auch die damalige Zeit detailreich. So wird alles noch lebendiger. Er bringt die Seiten zum Klingen. Ein großes Werk, das dem großen Meister würdig ist! Die Hauptthemen sind: „Der Künstler als junger Mann (1770 – 1792)“, „Zeit der Gärung (1792 – 1802)“, „Der Herrscher (1802 – 1809)“, „Masse und Macht (1809 – 1816) und „Der einsame Weg (1816 – 1827)“.

C. H. Beck, 833 Seiten; 25,00 Euro


Jessica Barry –  Freefall – Die Wahrheit ist dein Tod

Als Einzige überlebt die 30-jährige Allison einen Flugzeugabsturz in den Rocky Mountains. Völlig auf sich gestellt kämpft sie sich durch die Wildnis. Doch jemand ist ihr auf den Fersen – jemand, der sicherstellen will, dass niemand das Unglück überlebt. Tausende von Kilometern entfernt kann Allys Mutter Maggie nicht glauben, dass ihre Tochter tödlich verunglückt sein soll. Jahrelang hatte sie keinen Kontakt zu ihr, jetzt setzt sie alles daran, mehr über ihre Tochter zu erfahren: Ally führte ein glamouröses Leben – aber wie viel davon war echt? Während sie in die Vergangenheit ihrer Tochter eintaucht, gerät Maggie selbst in größte Gefahr.

„Freefall“ ist der Debüt-Thriller von Jessica Barry. Wobei Thriller etwas zu hoch gegriffen ist. Besser passen würde ein Mutter-Tochter-Drama mit teils spannenden Elementen. Aber einen atemlosen Thriller sucht man vergebens. Die Geschichte wird abwechselnd erzählt. So bekommt man Einblicke in Allisons und Maggies Leben. Wobei Maggies Perspektive, die auf Spurensuche im Leben ihrer Tochter ist, die weitaus spannender ist. Allisons Teil ist oft langatmig und schleppt sich so dahin. Die häufigen Rückblenden stören den Erzählfluss. Daher ist das Buch zweigeteilt und konnte mich so auch nicht durchweg überzeugen. Jessica Barry versteht aber durchaus ihr Handwerk. Vielleicht merzt sie ihre Fehler in ihrem zweiten Buch aus, dann kann daraus vielleicht ein echt atemloser Thriller werden.

dtv, 429 Seiten; 15,90 Euro

  Naoko Abe – Hanami

Collingwood Ingram, ein junger Botaniker, reist 1902 von Großbritannien nach Japan, um dort neben Tokyo auch Berge und Wälder, geheime Palastgärten und Klöster zu erkunden. Vor allem aber ist er auf der Suche nach wilden Kirschbäumen, denen seine ganze Leidenschaft gehört. In der überhasteten Modernisierung Japans im 20. Jahrhundert werden diese jedoch rücksichtslos abgeholzt. Ingram gelingt es, eine einzigartige Sammlung von Japans wertvollstem Kulturgut zusammenzutragen und nach England zu schmuggeln, um die Kirschblüten dort in einem bezaubernden Garten in Sicherheit zu bringen. Er schwört, diese Bäume einst ihrer Heimat zurückzugeben – ein Unterfangen, das ihn bis an das Ende seines hundertjährigen Lebens umtreibt.

„Hanami“ (auf Japanisch heißt „hana“ Blüte und „mi“ betrachten), und das macht man während der Lektüre durchweg. Man sieht die Zierkirschen blühen. So wunderschön, aber auch so traurig, denn sie blühen ja nur kurz. Daher auch die Verbindung zum Leben, wie die Japaner das mit der Zierkirsche machen. Die Blüte kommt und geht, wie das Leben. Doch während sie da ist, ist sie so unsagbar schön. Wie das Leben, wenn man dieses leben darf. „Hanami“ ist ein inspirierendes, überraschendes und fesselndes Buch! Die Geschichte über die Kirschblüte, und wie fest verwurzelt sie in der japanischen Kultur ist, und die Geschichte über den Exzentriker Collingwood Ingram (der über 100 Jahre alt wurde, 1880 – 1981), der mit seiner Leidenschaft für die vielen Arten der Zierkirsche diese nicht nur nach Großbritannien, sondern auch dann wieder vermehrt nach Japan und auch in den USA und anderen Ländern brachte, dieses breite Spektrum machen dieses Buch so lesenswert. Für Baum- und Japanliebhaber ist dieses Buch ein echter Schatz!

S. Fischer, 432 Seiten; 23,00 Euro

Andreas Gößling – Rattenflut

Offiziell ist Kira Hallstein aus gesundheitlichen Gründen vom LKA Berlin beurlaubt worden – inoffiziell arbeitet sie unter einer neuen Identität für eine geheime Sondereinheit von Europol. Ihre Aufgabe: alles erdenklich Notwendige zu unternehmen, um endlich „Die Bruderschaft“ zu Fall zu bringen, die für Verschleppung, Versklavung, Folter und Missbrauch von Kindern und Jugendlichen weltweit verantwortlich ist. Eine renommierte Krebsklinik für Kinder in Berlin scheint zum weltweiten Netz der Bruderschaft zu gehören, und Kira ist es gelungen, Kontakt zu einem der Pfleger dort aufzunehmen. Doch bevor sie irgendetwas Nützliches von ihm erfahren kann, wird der junge Mann bei einem fingierten Raubüberfall brutal ermordet.

Erst nach dem Tod des BBC-Showmasters Jimmy Savile im Jahr 2011 kam ans Licht, dass Savile jahrzehntelang Hunderte Kinder und Jugendliche in Hospitälern und Hospizen missbraucht hatte, zu denen er als Schirmherr und Spendensammler uneingeschränkten Zugang hatte. Den größten Missbrauchs-Skandal Großbritanniens hat Andreas Gößling in „Rattenflut“ zu einem True-Crime-Thriller verarbeitet. Ein Thriller, der schockiert und einem die Nackenhaare aufstellt! Andreas Gößlings True-Crime-Thriller um die eigenwillige Kira Hallstein sind harter Tobak. Nach „Wolfswut“ und „Drosselbrut“ ist „Rattenflut“ nun der dritte Thriller aus der Reihe.

Knaur 528 Seiten; 14,99 Euro

Isabell May –  Shadow Tales – Das Licht der fünf Monde

Die verträumte Lelani wächst in einem Dorf im Königreich Vael auf. Schon immer spürt sie eine starke Verbindung zu den fünf magischen Monden, die nachts über ihr erstrahlen. Als sich an ihrem 18. Geburtstag das Amulett öffnet, das ihre Eltern ihr hinterlassen haben, steht Lelanis Welt auf einmal Kopf. Zusammen mit ihrem besten Freund Haze macht sie sich auf die Reise, ihre wahre Bestimmung zu erfüllen – und gerät in einen Strudel aus Gefühlen, Selbstfindung und dunkler Magie.

Die gebürtige Österreicherin Isabell May legt mit der „Shadow-Tales“-Dilogie ihr Fantasy-Debüt vor. Und das kann sich sehen lassen. Lelani begleitet man gerne auf ihren Weg und der Suche nach so vielem, was ihr Leben für immer verändern wird. Magisch, fantastisch, fesselnd! „Shadow Tales“ wird nach „Das Licht der fünf Monde“ mit „Die dunkle Seite der Sonne“ fortgesetzt. Dieser erscheint im Dezember 2020.

One, 394 Seiten; 17,00 Euro