Aktuelle Kolumne vom 10.12.2018 - Nr.538


Lawrence Block (Hrsg.)

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Das Mädchen mit dem Fächer

Das Mädchen mit dem Fächer

In „Das Mädchen mit dem Fächer“ erzählen großteils bekannte Autoren Geschichten nach einem Kunstwerk. Die Geschichten gelten nicht nur einem berühmten Künstler und seinen Gemälden. Vielmehr wurde jeder der Autoren gebeten, eine Story zu einem Gemälde oder einem Kunstwerk seiner Wahl zu schreiben. Herausgekommen ist eine Sammlung von Geschichten, in denen sich der Bogen von den Höhlenmalereien von Lascaux über Michelangelo, Hieronymus Bosch und Auguste Renoir bis hin zu René Magritte und Salvador Dalí spannt.

Als ich vor einiger Zeit „Nighthawks“ in die Hand nahm, wusste ich schon sehr bald, dass es sich hier um ein ganz außergewöhnliches Erzählwerk handelt. In dem Buch, das der Amerikaner Lawrence Block zusammengestellt hat, schreiben bekannte Autoren Geschichten nach einem Bild von Kultmaler Edward Hopper. Kann man dieses Werk toppen? Nein. Aber man kann es ergänzen. Das ist nun mit „Das Mädchen mit dem Fächer“ geschehen. Hier schreiben wieder zahlreiche Autoren eine Geschichte zu einem Gemälde eines großen Künstlers. Enthalten sind unter anderem: Jill D. Block mit Art Frahms „Sicherheitsregeln“, Lee Child mit Auguste Renoirs „Vase mit Chrysanthemen“, Nicholas Christopher mit Paul Gauguins „Das Mädchen mit dem Fächer“, Michael Connelly mit Hieronymus Boschs „Der Garten der Lüste“, Warren Moore mit Salvador Dalis „Der Apotheker von Ampurdan“, David Morrell mit Vincent van Goghs „Zypressen“, Joyce Carol Oates mit Balthus’ „Die schönen Tage“. „Das Mädchen mit dem Fächer“ ist großartige literarische Kunst! In vielfacher Form. Wie schon „Nighthawks“ muss man auch dieses außergewöhnliche Erzählprojekt einfach lieben!

Droemer, 351 Seiten; 29,99 Euro


Matteo Civaschi / Matteo Pavesi

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Großes Kino in 5 Sekunden

Großes Kino in 5 Sekunden

Mit den bekanntesten Szenen aus den besten Kinofilmen aller Zeiten und den Biographien großer Kinomeister von Hitchcock bis Spielberg wird die Geschichte des Films zu neuem Leben erweckt. In den kongenial gestalteten Piktogrammen wird jeder Film zum Rätsel, jede Seite zu einem spannenden Leinwanderlebnis.

Die Italiener Matteo Civaschi und Matteo Pavesi haben versucht das ganz große Kino in absolut minimalistischer Form darzustellen. Und sind damit großteils gescheitert. Für Cineasten ist dieses Buch eher eine Beleidigung. Aber man kann es, wenn man kein Cineast ist, auch positiv sehen: denn in so verkürzter Form hat man selten über Hollywood, das große Kino und Filme gelesen oder einfach nur geblättert. Im ersten Teil des Buches wird u. a. auf das große Kino und das Heimkino eingegangen, bevor dann die Filmklassiker der Autoren, über deren Auswahl man auch sehr geteilter Meinung sein kann, in 5 Sekunden erklärt werden. Mit wenigen Strichmännchen und Symbolen. Die Idee ist eigentlich nicht schlecht, aber die Umsetzung und die Filmauswahl haben mir nicht gefallen.

Fischer, 224 Seiten; 12,00 Euro


Amelie Fried

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Paradies

ParadiesPetra freut sich auf eine Auszeit ganz für sich, ohne Haushalt, Kinder, Mann und Job. Ihren Sehnsuchtsort findet sie auf einer spanischen Insel, bei einer Seminarwoche im herrlich gelegenen Hotel Paraíso mit Selbsterfahrung, Körperarbeit, Meditation und Yoga. Dort trifft sie auf die anderen Teilnehmer der Gruppenreise, darunter Anka, Suse und Jenny, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und Geheimnisse haben, die nicht nur Petras Leben aus den Fugen heben. Als auch noch ein Sturm die Hotelgäste einschließt und ein Entkommen von der Insel unmöglich macht, kochen die Emotionen innerhalb der Gruppe lebensgefährlich hoch. Am Ende wird aus dem Meer eine Frauenleiche geborgen.

Amelie Fried schreibt gehobene Unterhaltungsliteratur! Seit fast zwei Jahrzehnten ist sie eine Institution. Jedes ihrer Bücher habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Schon nach wenige Seiten ist klar, auch ihr neuer Roman „Paradies“ ist wieder ein Hochkaräter! Es geht um die Liebe und das Leben, um das Streben nach Glück, alleine, aber vor allem in einer Beziehung. Wie funktioniert eine Beziehung zwischen Frau und Mann? Es gibt so viele Fallstricke, wie Amelie Fried anhand der vier Hauptpersonen beschreibt. Eine Beziehung darf nie zur Selbstverständlichkeit werden, sondern jeder Partner sollte sich immer bewusst sein, wie wichtig der andere ist. Das Leben zeigt leider, dass Menschen sich gravierend ändern können und damit Versprechungen von einst nur noch Makulatur sind. Das trifft auch auf Freundschaften zu. Auch um die geht es in „Paradies“. Und auch die Selbstfindung, sein eigenes Ich finden, den richtigen Weg für sich im Leben einschlagen, bekommt Platz in diesem Buch. „Paradies“ ist paradiesische, dramatische und spannende Unterhaltungsliteratur!

Heyne, 432 Seiten; 17,00 Euro


James R. Hansen

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Aufbruch zum Mond

Aufbruch zum MondAm 21. Juli 1969 hält die Welt den Atem an: Neil Armstrong setzt als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. So berühmt Armstrong dadurch wurde, so wortkarg und scheu trat er in der Öffentlichkeit auf. Der Autor gewährte er erstmals exklusiven Zugang zu privaten Dokumenten und persönlichen Quellen. Von Armstrongs Kindheit bis zum unfassbaren Ruhm durch die Apollo-11-Mission und Armstrongs Beteiligung an der Untersuchung der Challenger-Katastrophe - First Man erzählt das Leben eines Mannes, dessen "kleiner Schritt" Geschichte schrieb.


„Aufbruch zum Mond“ ist die faszinierende Biografie eines faszinierenden Mannes! James R. Hansen bringt dem Leser das Leben und Wirken dieses so bekannten und zugleich unbekannten Mannes auf eindrucksvolle Weise nahe. Das Buch diente auch als Vorlage für die Verfilmung mit Hollywoodstar Ryan Gosling. In Amerika war der Film, gemessen an den Produktionskosten, ein Flop, das bringt aber nicht die Qualität des Films und am Ende auch des Buches zum Ausdruck.

Heyne, 509 Seiten; 12,99 Euro


Zack Scott

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Apollo – Der Wettlauf zum Mond

Apollo Der Wettlauf zum Mond

Eines der ehrgeizigsten Unternehmen der Menschheit: das Apollo-Programm der US-Raumfahrt-Behörde NASA. Es startete 1961 mit der Ankündigung von US-Präsident John F. Kennedy, bis zum Ende der 1960er-Jahre einen US-Astronauten auf den Mond und wieder zurück zur Erde zu bringen. Am 21. Juli 1969 war es soweit: Die Mondlande-Fähre Eagle setzte auf dem Mond auf, und wenige Stunden später betrat der amerikanische Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Dies war der Höhepunkt des Apollo-Raumfahrtprogramms, das rund 400.000 Menschen beschäftigte und 120 Milliarden Dollar kostete. Die Mondlandung war zugleich ein weltweites Fernsehereignis; sie wurde von mehr als 500 Millionen Menschen live am Bildschirm verfolgt.

Wenn man „Aufbruch zum Mond“ gelesen hat, der kann mit „Apollo – Der Wettlauf zum Mond“ sein Wissen über die Apollo-Missionen mit diesem Buch komplettieren. Zack Scott zeigt in seinem Buch detailliert und u. a. mit Grafiken und Schaubildern wie die Apollo-Missionen verlaufen sind, und wer die Besatzung auf den Missionen waren. Insgesamt haben 12 Astronauten der NASA den Mond betreten. Für Raumfahrtliebhaber ein Buch, auf das sie nicht verzichten sollten. Und auch ein schönes Weihnachtsgeschenk!

Droemer, 166 Seiten; 28,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Haylen Beck

Ohne Spur

Ohne Spur

Audra Kinney flieht mit ihren zwei kleinen Kindern vor ihrem gewalttätigen Ehemann. Mit dem Auto will sie zu einer Freundin nach San Diego, ans andere Ende der USA. Doch mitten in der Wüste von Arizona wird sie von der Polizei angehalten. Im Kofferraum ihres Wagens findet der Sheriff ein Päckchen Marihuana, das Audra noch nie gesehen hat. Alle Unschuldsbeteuerungen sind zwecklos – sie wird verhaftet. Und was dann kommt, hätte sie sich in ihren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Denn plötzlich sind ihre Kinder verschwunden. Der Sheriff behauptet, Audra sei allein im Wagen gewesen. Die Welt hält Audra für eine Mörderin. Und ihr Wort steht gegen das des Sheriffs. Kein Mensch glaubt ihr. Bis auf einen.

Thriller-Gott Harlan Coben liebt diesen Thriller! Das alleine sagt schon einiges über über das Buch von Haylen Beck aus. Und tatsächlich hat der Bestsellerautor recht, denn „Ohne Spur“ wird Sie als Leser in der Spur halten. Ein temporeicher Thriller, der vor unerwarteten Wendungen nur so strotzt und mit starken Figurenzeichnungen aufwarten kann! Man kann die Motive der Handlanger der Bösen verstehen, auch wenn es weht tut, und vor allem leidet man natürlich mit Audra und ihren Kindern mit. Auch wenn für den erfahrene Thrillerleser relativ schnell klar ist, warum man die Kinder entführt hat, so trübt, dass das Thriller Erlebnis aber nur sehr geringfügig. Shenja Lacher gibt dem Stoff den extra Kick. Er liest nicht nur vor, sondern er spielt die Figuren, fühlt sie mit viel Leben aus. Hörprobe

Ohne Spur cover



Auch als Taschenbuch erhältlich bei dtv, 9,95 Euro.

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 494 Minuten; 9,99 Euro


Denglers-buchkritik.de