Mai 2018

Kolumne vom 21.05.2018 - Nr.509


Mac P. Lorne

daumen rauf

Die Pranken des Löwen

Die Pranken des Löwen

England 1110 - Der junge Gardist Robert Fitzooth wird zum persönlichen Leibwächter der englischen Prinzessin Matilda bestimmt, die den deutschen König Heinrich V. heiraten wird. An ihrer Seite überquert er die Alpen, gelangt bis nach Rom, wird in den Streit zwischen Kaiser und Kurie verwickelt und muss in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg kämpfen. Doch er findet auch die Liebe seines Lebens und sein Enkel wird dereinst einen Namen tragen, den alle Welt kennt - Robin Hood.

Mac P. Lorne hat mit seiner sagenhaften Robin-Hood-Reihe jetzt schon Klassiker des historischen Romans erschaffen! Schon der erste Roman der Reihe „Die Pranken des Löwen“ ist ein historischer Leckerbissen. Hier regiert Hochspannung Hand in Hand mit fein ausgearbeiteten Charakteren, die allzu einen dazu verleiten, immer mehr von ihnen erfahren zu wollen. Auch von den Nebenfiguren. Und die Krönung des Romans ist, dass er erst der erste von fünf aus der Robin-Hood-Reihe ist. Man darf sich noch auf mehrere Tausend Seiten großartigen historischen Roman freuen.

Knaur, 729 Seiten; 10,99 Euro


Christiane Meyer-Ricks

daumen runter

Wannseemorde

Wannseemorde

Die alleinerziehende Journalistin Mirjam Kruse sucht Ruhe und Erholung in Wannsee. Doch als der Sohn ihrer Freundin brutal überfallen wird, ist an Entspannung nicht mehr zu denken. Auf der Suche nach den Tätern begegnet Mirjam dem Rettungsschwimmer und Ex-Kommissar Heinz Stolper. Gemeinsam ermittelt das ungleiche Team im Berliner Nobelbezirk. Doch als ihre Kinder bedroht werden, erkennt Mirjam, dass sie sich mit einem mächtigen Feind angelegt hat.

„Wannseemorde“, der Titel klang vielversprechend. Die Story hörte sich ganz gut an, ich war gespannt auf diese neue Autorin. Bisher hat sie einen Kriminalroman veröffentlicht, 2015 „Die Moorheiligen“. Leider hält die Story kaum etwas, was diese und auch der Titel verspricht. Es wirkt alles etwas konfus und wenig stringent. Der rote Faden, der einen bei der Stange hält, war nur zu Anfang da und dann war er weg und war nicht mehr zu finden. Auf dem Cover steht Thriller, also den sucht man hier wahrlich komplett vergebens. Zu wenig Tempo, zu viele unnötige Nebenschauplätze und zu wenig Spannung. Christine Meyer-Ricks ist Journalistin und hat ihren „Master of Journalism“ in London absolviert. Sie stellt mit diesem Krimidrama, wollen wir es mal so bezeichnen, unter Beweis, dass es von einer ausgezeichneten Journalistin zu einer guten Spannungsautorin ein weiter Weg ist.

Gmeiner, 342 Seiten; 12,00 Euro


Sinclair Lewis

daumen rauf

Main Street

Main StreetCarol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben. So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei konträren Weltbildern - urbane Liberalität vs. rustikales Hinterwäldlertum. Dass Letzteres nicht so einfach zu überwinden ist, sondern böse zurückschlägt, wenn es sich bedroht fühlt.

Manesse hat die Leser im letzten Jahr mit Sinclair Lewis’ Klassiker „Babbitt“ als schmucke Neuauflage beglückt, nun lässt sie den nächsten Klassiker aus Sinclair Lewis’ Feder folgen, „Main Street“. Das Buch erschien das erste Mal 1920 in Amerika. „Main Street“ ist eine vergnügliche und hinterfragende Geschichte von überbordenden literarischem Glanz! Sinclair Lewis’ Carol ist eine so blitzgescheite, heitere, leidenschaftliche und zupackende Frauenfigur aus dem ersten viertel des 20. Jahrhunderts, das es nur so eine Freude ist, ihre Wege auf jeder Seite zu verfolgen. Und als Leser lernt man, dass das ländliche Amerika von damals und heute gar nicht so viele Unterschiede aufweist.

Manesse, 1.002 Seiten; 28,00 Euro


Michael Connelly

Ehrensache

EhrensacheDetective Harry Bosch ist in Rente gegangen und nicht mehr beim Los Angeles Police Department, aber sein Halbbruder, der Anwalt Mickey Haller, braucht die Hilfe des erfahrenen Ermittlers. Eine Frau ist im Schlafzimmer ihres Hauses brutal ermordet worden, und alle Indizien deuten auf einen von Hallers Klienten, einen früheren Gangster, mittlerweile bürgerlicher Familienvater. Obwohl die Mordanklage wasserdicht scheint, hält Mickey sie für vorgeschoben. Offenbar soll seinem unschuldigen Klienten etwas angehängt werden.

 

Wer schreibt seit Jahrzehnten erstklassiger Thriller? Michael Connelly! „Ehrensache“ ist der zwanzigste Band aus der Harry-Bosch-Reihe. War einer davon schlecht? Nein! „Ehrensache“ überzeugt von Anfang bis Ende mit Hochspannung und starkem Personal. Dazu gehört auch die andere von Michael Connelly erschaffene literarische Kultfigur, der unkonventionelle Anwalt Mickey Haller.

Droemer, 410 Seiten; 22,99 Euro


Stefan Baron / Guangyan Yin-Baron

Die Chinesen

Die Chinesen

 

Nie zuvor war unsere Zukunft so sehr mit China verknüpft wie heute. Und das nicht nur im Hinblick auf unsere Arbeitsplätze und unser wirtschaftliches Wohlergehen, sondern auch auf unsere Art zu leben und die Bewahrung des Weltfriedens. Zugleich erscheint das ferne Riesenreich seltsam fremd und undurchschaubar.

 

Das deutsch-chinesische Autorenpaar haben mit ihrem Werk „Die Chinesen – Psychogramm einer Weltmacht“ ein herausragendes Werk zum Verständnis des Riesenreichs, seinen Menschen und ihrem Handeln geschrieben. Will man China verstehen und kein kompliziertes und schwer lesbares Buch lesen, dann sollte man zu diesem Werk greifen. Es ist erhellend und sehr informativ.

Econ, 445 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Nicola Förg

Rabenschwarze Beute

Rabenschwarze Beute

Silvester in Murnau. Zur üblichen Knallerei gesellt sich auch ein echter Schuss, der einen Toten fordert. Das Opfer, Markus Göldner, ist ein arrivierter Architekt, der aber vor allem durch sein aggressives Engagement im Vogelschutz auffiel: Er wetterte gegen Sommerfeuerwerke, gegen Böllerschützentreffen und gegen Windkraftanlagen. Da er sich so viele Feinde damit gemacht hat, kommen Irmi Mangold und Kathi Reindl mit ihren Ermittlungen kaum voran. Doch dann verschwindet die vierjährige Tochter der berühmten Modebloggerin La Jolina. Kurz darauf wird sie erfroren aufgefunden. Die beiden Kommissarinnen erkennen langsam, dass die beiden Fälle zusammenhängen.

Nicola Förg gehört zu den besten deutschen Krimiautorinnen! Und das schon seit über einem Jahrzehnt. Ihre Reihe um die Kommissarinnen Irmi Mangold und Kathi Reindl haben bei den Fans schon Kultstatus erreicht. Ihr neuester Fall, der neunte, „Rabenschwarze Beute“ ist ein echter Krimi wie er sein muss. Zwei Ermittlungsstränge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, ergeben nach und nach doch ein großes Ganzes. Der Leser ist erstaunt und freut sich über die zahlreichen Wendungen und die spannenden Ermittlungen der bayerischen Kommissarinnen. Ein Alpen-Krimi der Güteklasse A! Gesprochen wird das Hörbuch von einer alten Bekannten, wenn es um die Alpen-Krimis geht. Die bekannte bayerische Schauspielerin Michaela May geizt nicht mit bayerischem Dialekt, was dem Hörbuch eine besondere Würze verleiht. Ihre charmante Stimme macht aus dem Krimi ein schönes und spannendes Hörerlebnis! Hörprobe

Rabenschwarze Beute Cover



Auch als Paperback erhältlich bei Piper, 15,00 Euro.

Osterwold Audio, 5 CDs, 393 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 14.05.2018 - Nr.508


Celeste Ng

daumen rauf

Kleine Feuer überall

Kleine Feuer überall

Fassungslos steht Elena Richardson im Bademantel und den Tennisschuhen ihres Sohnes draußen auf dem Rasen und starrt auf ihr Haus, das in Flammen steht. Dieses steht in Shaker Heights, den wohlhabenden Vorort von Cleveland, Ohio, in dem der Außenanstrich der Häuser ebenso geregelt ist wie das Alltagsleben seiner Bewohner. Ihr Mann ist Partner einer Anwaltskanzlei, sie selbst schreibt Kolumnen für die Lokalzeitung, die vier halbwüchsigen Kinder sind bis auf das jüngste, Isabel, wohlgeraten. Doch als die Fotokünstlerin Mia und ihre Tochter Pearl zur Miete in eines ihrer beiden Häuser ziehen verändert das nach und nach alle. Bis es brennt …

„Kleine Feuer überall“, ja, in dieser Geschichte lodern sie überall. Erleben Sie wie die Fassaden aller Beteiligten nach und nach zu bröckeln beginnen. Wie aus einem leichten wohltuenden Lüftchen ein familiärer, alles zerstörender Tornado wird. Die Beziehungen von Eltern zu ihren Kindern und von Kindern zu ihren Eltern thematisiert Celeste Ng in lebensnah skizzierten Szenen. Celeste Ng beweist dabei ein feines Gespür für die Psychologie ihrer Figuren. Wie kleine Taten, aber auch große und schon lange in der Vergangenheit zurückliegende, und alltägliche Begebenheiten nach und nach einen Menschen und sein Handeln verändern können. Das Unglück kommt schleichend, aber dann mit einem großen Knall. Celeste Ng gelang gleich mit ihrem ersten Roman „Was ich euch nicht erzählte“ ein internationaler Bestseller. Mit „Kleine Feuer überall“ setzt sie diesen Erfolg nun fort. Eine Serie des Stoffes ist mit Hollywoodstar Reese Witherspoon in Planung.

dtv, 382 Seiten; 22,00 Euro


Dora Heldt

daumen runter

Sommer. Jetzt!

Sommer Jetzt

Der Sommer ist einfach die schönste Jahreszeit! Das findet auch Bestsellerautorin Dora Heldt. Wären da nur nicht diese zahlreichen lästigen Kleinigkeiten: die blöde Flugangst, die fehlende Bikinifigur, die vollen Strände, die unpraktischen Reiseallergien und all die anderen Ärgernisse, die dem perfekten Sommer im Weg stehen. Doch wer lässt sich schon bei strahlendem Sonnenschein oder an einem lauen Sommerabend die Laune verderben. Das wäre ja noch schöner!

Dora Heldt ist eine sichere Bank in der Unterhaltungsliteratur! Daher war ich gespannt auf ihr neues Buch. Ein kleines Sommerbüchlein ist es geworden, leider mit Geschichten (Kolumnen) die schon in vorherigen Büchern erschienen sind. Das hätte man dem Leser irgendwo mitteilen sollen, da er sich sonst schnell veralbert vorkommen kann. Die fünf Geschichten und die fünf Kolumnen selbst haben auch nicht die Qualität ihrer großen Romane. Sie unterhalten nur in sehr kleinen Dosen. Als kleiner Überbrücker bis zum nächsten großen Dora-Heldt-Roman geht das Büchlein gerade noch so durch. Für Dora-Heldt-Neueinsteiger ist „Sommer. Jetzt!“ nicht zu empfehlen, da man sonst einen ganz falschen Eindruck von dieser großartigen Autorin bekommt.

dtv, 188 Seiten; 12,00 Euro


Chevy Stevens

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Ich beobachte dich

Ich beobachte dichTief und kalt ist der Ozean an der kanadischen Westküste, weit und rau das Land. Hier lebt Lindsey mit ihrer 17-jährigen Tochter Sophie. Vor elf Jahren ist sie in letzter Minute ihrem gewalttätigen Ehemann Andrew entkommen. Er musste ins Gefängnis, weil er betrunken mit dem Auto einen Menschen getötet hat. Lindsey hat alle Spuren verwischt und für sich und Sophie ein neues Leben aufgebaut. Doch nun hat Andrew seine Haftstrafe abgesessen und kommt frei. Und plötzlich geschehen in Lindseys Leben merkwürdige Dinge, die eigentlich nur von Andrew verursacht sein konnten. Doch wie hat er sie gefunden? Und warum hat ihre Tochter Sophie nicht die gleiche Abneigung gegenüber Andrew wie ihre Mutter?

In „Ich beobachte dich“ lauern die Gefahren auf jeder Seite! Der Leser kann nie sicher sein. Leise schleicht sich der Psychohorror an, dem Lindsey ausgesetzt ist. Die kanadische Bestsellerautorin Chevy Stevens erzählt die Geschichte von Lindsey und Andrew abwechselnd in zwei Strängen. In der Gegenwart erzählt sie von dem neuen Leben, das Lindsey sich aufgebaut hat und in das Andrew nun wieder einzudringen scheint. In der Vergangenheit erzählt sie wie aus der anfänglichen großen Liebesgeschichte psychologischer Horror wurde und es nur noch ein Ziel für Lindsey geben konnte: die Flucht. „Ich beobachte dich“ fesselt von der ersten Seite an. Ein Thriller der eher leisen Töne, aber genau das macht ihn so unerhört spannend.

Scherz, 474 Seiten; 14,99 Euro


Naomi Alderman

Die Gabe

Die GabeEs sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

Frauen regieren die Welt! Nicht wenige denken, dann würden wir in einer besseren Welt leben. Doch Naomi Alderman macht aus dieser Idee einen fantastischen Horrorroman, denn auf diese Art wie in „Die Gabe“, hatte sich das sicher niemand vorgestellt. Der Roman zeigt was passieren kann, wenn die Macht, die man hat, missbraucht wird. Sind da Frauen auf Dauer anders als Männer? Dieser und weiteren Fragen geht dieser außergewöhnliche Roman nach.

Heyne, 461 Seiten; 16,99 Euro


Karl Geary

Montpelier Parade

Montpelier Parade

Dublin. Sonny ist ein Teenager aus einfachsten Verhältnissen, neben der Schule jobbt er bei einem Metzger. Außerdem hilft er dem Vater, der sein Geld mit Handwerksarbeiten in Häusern reicher Leute verdient (und gleich wieder verspielt). Bei einem dieser Jobs lernt Sonny Vera Hatton kennen, eine spröde, irgendwie verletzt wirkende Engländerin mittleren Alters, die ganz allein in der prächtigen Villa an der Montpelier Parade wohnt. Auf den ersten Blick schon ist er fasziniert von ihr, doch die Kluft zwischen ihren Welten scheint unüberwindbar. So steht Sonny abends manchmal heimlich in ihrem Garten. Schaut ihr durchs Fenster zu. Und wird – als Zeuge eines Selbstmordversuchs – ihr Lebensretter. Eine ganz und gar verbotene Beziehung nimmt ihren Lauf.

„Montpelier Parade“ erzählt die Geschichte einer ganz und gar außergewöhnlichen Lovestory! Eine, die nicht sein darf, und trotzdem finden ein junger Mann und eine reifere Frau, auf eine besondere, zarte und aufwühlende Art zusammen. Die eine Person will Liebe, die andere nur Ablenkung und Sex. Doch wer will was? Und für wie lange? Karl Geary hat mit Sonny und Vera zwei Figuren erschaffen, die das Leben auf ihre Art geformt hat, und genau das macht sie füreinander interessant. Doch kann „Montpelier Parade“ mit einem Happyend zu Ende gehen?

Rowohlt, 286 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Daryl Gregory

Die erstaunliche Familie Telemachus

Die erstaunliche Familie Telemachus mp3

Auf den ersten Blick ist Matty Telemachus ein typischer vierzehnjähriger Junge mit den typischen Problemen eines vierzehnjährigen Jungen. Aber Matty ist alles andere als normal und seine Familie ist es schon gar nicht. Als Matty entdeckt, dass er über ungewöhnliche Fähigkeiten verfügt, macht er sich auf die Suche nach dem langen gehegten Familiengeheimnis: Sind seine Verwandten wirklich Medien, beherrschen sie Telepathie, Telekinese und vielleicht noch andere Kräfte?

Von so einer Familie wie den Telemachus haben Sie garantiert noch keinen Roman gelesen. Oder gehört. Dem Amerikaner Daryl Gegory ist mit „Die erstaunliche Familie Telemachus“ ein ganz erstaunlicher Roman gelungen! Die Figuren, die darin wandeln, wandeln auch noch lange nach dem Hören im Kopf weiter umher. Diese schön verrückte Geschichte wäre auch ein guter Filmstoff für George Clooney. Der liebt als Regisseur ja solche Stoffe. Dieser tolle Roman wird als Hörbuch noch geadelt, da es von David Nathan, die deutsche Stimme von Hollywoodstar Johnny Depp, gelesen wird. Wenn er vorliest ist weghören unmöglich!

Die erstaunliche Familie Telemachus



Auch als Hardcover erhältlich bei Eichborn, 24,00 Euro.

Lübbe Audio, 8 CDs, 587 Minuten; 24,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 07.05.2018 - Nr.507


Claudia Rossbacher

daumen rauf

Steirerquell

Steirerquell

Eine Handy-Nachricht lässt LKA-Ermittlerin Sandra Mohr das Blut in den Adern gefrieren. Ihre beste Freundin fleht panisch um Hilfe, ehe die Verbindung abreißt. Sandra begibt sich auf die Suche nach Andrea, die das Wochenende in einem Wellness-Hotel im Thermenland verbringen wollte. Aber wo genau? Und mit wem? Was ist Andrea zugestoßen? Ist sie untergetaucht? Oder wurde ihr die Vorliebe für verheiratete Männer zum Verhängnis? Als eine verkohlte Frauenleiche auftaucht, muss Sandra das Schlimmste befürchten …

Vor kurzem lief die zweite Verfilmung eines Krimis von Claudia Rossbacher in der ARD. „Steirerkind“ hatte über 5 Millionen Zuschauer. Ein großer Erfolg, so wie ihre Bücher. Der neue Fall, der achte für LKA-Ermittlerin Sandra Mohr, „Steirerquell“ ist nun erschienen. Die Kriminalromane der Österreicherin Claudia Rossbacher gehören zu den Besten des Genres! Die Krimis zeichnen sich durch ihre Dichte und die präzise Polizeiarbeit aus. Hier gibt es keine großen Nebenschauplätze, sondern es dreht sich um den Fall und die Befragung von Verdächtigen und weniger Verdächtigen. Sandra Mohr ist auch in ihrem achten Fall immer noch eine Figur, der man auf Schritt und Tritt folgt. Die Kabbeleien mit ihrem Kollegen Sascha Bergmann lassen einen zwischendrin immer wieder schmunzeln. „Steirerquell“ ist von Anfang an ein spannender Krimi, der mit so einigen Überraschungen aufzuwarten weiß!

Gmeiner, 279 Seiten; 15,00 Euro


Kate London

daumen runter

Das verlorene Mädchen

Das verlorene Mädchen

London 1987: Am Morgen nach dem großen Sturm macht sich die fünfzehnjährige Tania Mills auf den Weg zu ihrer Freundin. Danach wurde sie nie mehr gesehen. 27 Jahre später wartet ihre Mutter noch immer auf ein Lebenszeichen. Als DS Sarah Collins von der Londoner Polizei den Fall übernimmt, lässt sie die rätselhafte Geschichte um Tanias Verschwinden nicht mehr los. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Lizzie Griffith versucht sie, die Ereignisse jenes schicksalhaften Tages zu rekonstruieren - und stößt auf eine beunruhigende Spur ...

Bei dem Werdegang der Engländerin Kate London – Schauspielerin, Regisseurin und dann von 2006 – 2014 als Polizistin bei der MET – denkt man, sie müsste genügend Erfahrung gesammelt haben, um auch eine gute Autorin zu werden. Doch wie so oft ist das nicht so. Eine gute Autorin zu sein, fällt einem nicht zu, egal was man zuvor gemacht hat. Schon mit ihrem ersten Krimi „Die stille Zeugin“ konnte sie nicht überzeugen. Noch weniger gelingt ihr das mit ihrem neuen „Das verlorene Mädchen“. Der eigentlich spannende Krimi kommt auch hier zu kurz. Meist quält man sich durch unnötige Längen und die Langeweile überkommt einen schnell. „Das verlorene Mädchen“ – verlorene Lesestunden!

Bastei Lübbe, 462 Seiten; 10,00 Euro


Jason Rekulak

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Billy Marvins Wunderjahre

Billy Marvins WunderjahreEs ist der Mai des Jahres 1987, und vom Cover des Playboys lächelt Vanna White. Im amerikanischen Fernsehen dreht sie das „Glücksrad“, und bei 14-jährigen Jungs wie Billy, Alf und Clark drehen bei ihrem Anblick die Hormone durch. Wenn es den dreien gelänge, eine Ausgabe des Magazins zu ergattern, könnte das ihr ganzes Leben verändern. Auf legalem Weg ist die Zeitschrift für sie unerreichbar, also schmieden sie einen genialen Plan. Sie ahnen nicht, welche Gefahren, Gegner und Abfalltonnen ihnen im Weg stehen – und wie ein Mädchen namens Mary tatsächlich Billys ganzes Leben verändern könnte. Für immer.

„Billy Marvins Wunderjahre“ ist ein Buch, in das man sich verlieben muss! Jeder männliche Leser, der in den 1970er geboren ist, wird sich in irgendeiner Form in der Geschichte wiederfinden. So herrlich zu lesen, was Ende der 1980er so In war, der C64, die Pixelspielchen, der Walkman, der Playboy als heiliger Gral pubertierender Jungs, und natürlich Mädchen. Aber die sind für die heranwachsenden Jungs ja immer In. Was Billy und seine Freunde alles erleben, um an eine Ausgabe des Playboys zu gelangen ist abgedreht, verrückt und absolut irrwitzig. Es liest sich fast so, als ob sie einen großen Bankraub planen. Und noch ein Extra bietet das Buch: Nach der Lektüre werden Sie auch wissen, wie man ein Computerspiel auf dem C64 programmiert, wenn es noch 1987 wäre.

Wunderraum, 345 Seiten; 23,00 Euro


Iny Lorentz

daumen rauf

Tage des Sturms

Tage des Sturms coverAls uneheliche Tochter des Schlossherrn hat die junge Magd Resa von ihrer Herrin Rodegard nicht viel Gutes zu erwarten. Unbeabsichtigt kommt sie auch noch den Heiratsplänen in die Quere, die Rodegard für ihre eigene Tochter schmiedet. Kurzerhand lässt Rodegard das Mädchen in ein Berliner Bordell verschleppen. Als Prostituierte gebrandmarkt, gehört Resa zum Abschaum der Gesellschaft. Doch während der blutigen Barrikadenkämpfe der Märzrevolution steht plötzlich ein verletzter junger Mann vor den verriegelten Toren des Bordells und bittet Resa um Hilfe. Ist Friedrich für Resa die Chance, sich ihr Leben zurückzuholen und Rache an Rodegard zu nehmen?

Iny Lorentz ist und bleibt die Ausnahmeerscheinung im historischen Roman. Was das Iny Lorentz schreibt wird zu literarischem Gold! Und so ist es nicht verwunderlich, dass ihr neuer Roman „Tage des Sturms“ an die hohe Qualität der bisherigen Werke des Autorenteams anknüpft. Starke Story, lebendige Figuren, historische Details, nicht überfrachtet, sondern genau richtig gesetzt. „Tage des Sturms“ ist der erste Teil einer neuen Trilogie.

Tage des Sturms mp3

Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Iny-Lorentz-Stammvorleserin Anne Moll entführt einen wieder prächtig mit ihrer Stimme in die historische Welt. 20,00 Euro. Hörprobe

Knaur, 617 Seiten; 10,99 Euro


Jens Henrik Jensen

Oxen – Der dunkle Mann

Oxen Der dunkle Mann

Niels Oxen, der traumatisierte Elitesoldat, ist untergetaucht. Um dem mächtigen Geheimbund „Danehof“ das Handwerk zu legen, hat er Museumsdirektor Malte Bulbjerg brisante Unterlagen zugespielt. Doch kurze Zeit später ist Bulbjerg tot, und ein weiterer Mord wird Oxen in die Schuhe geschoben. Ihm bleibt keine andere Wahl, als aus dem Untergrund heraus zu agieren. Als es der Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck gelingt, Oxen aufzuspüren, werden beide vom „Danehof“ in eine Falle gelockt.

 

 „Der dunkle Mann“ ist nach „Das erste Opfer“ der zweite Teil der Thriller-Trilogie um den Ex-Elitesoldaten Niels Oxen. Schon „Das erste Opfer“ war ein Thriller auf ganz hohem Niveau. Nicht umsonst war die Trilogie in Skandinavien ein Bestseller, genauso wie bei uns der erste Teil der Reihe. „Der dunkle Mann“ ist ein High-Speed-Thriller mit einer tiefgründigen Geschichte und psychologisch ausgefeilten Figuren! Somit kann Jens Henrik Jensen auch mit dem zweiten Teil der Reihe überzeugen.

Oxen Der dunkle Mann mp3


Auch als Hörbuch erhältlich bei DAV. Wenn ein Hörbuch spannende und wunderbare Hörstunden verspricht, dann ist meist ein Sprecher am Werk: Dietmar Wunder, die deutsche Stimme von 007 Daniel Craig. 19,99 Euro.

dtv, 509 Seiten; 16,90 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Tom Saller

Wenn Martha tanzt

Wenn Martha tanzt

Thomas reist nach New York, um das Notizbuch seiner Urgroßmutter Martha bei Sotheby's versteigern zu lassen. Es enthält bislang unbekannte Skizzen und Zeichnungen von Feininger, Klee, Kandinsky und anderen Bauhaus-Künstlern. Martha wird 1900 als Tochter des Kapellmeisters eines kleinen Dorfes in Pommern geboren. Von dort geht sie ans Bauhaus in Weimar – ein gewagter Schritt. Martha entdeckt das Tanzen für sich und erringt so die Bewunderung und den Respekt der Bauhaus-Mitglieder. Bis die Nazis die Kunstschule schließen und Martha in ihre Heimat zurückkehrt. In ihrem Arm ein Kind und im Gepäck ein Notizbuch von immensem Wert – für sie persönlich und für die Nachwelt. Doch am Ende des Zweiten Weltkriegs verliert sich auf der Flucht Marthas Spur ...

Eine Geschichte, in der man sich komplett verliert. Sich ihr zu entziehen, nein, das schafft man nicht. Der geschickte Aufbau des Autors Tom Saller, wie er Gegenwart und Vergangenheit ineinanderfließen lässt, und so sie Spannung bis zum Ende hochhält, ist perfekt umgesetzt! Die letzte CD geizt dann nicht mit Überraschungen. Man sieht plötzlich alles klarer und ist ein wenig erschüttert. „Wenn Martha tanzt“, davon kann der Leser und Hörer nicht lassen! Gelesen wird diese tolle Geschichte von zwei sehr guten Stimmen. Anne Ratte-Polle spricht den Part der Martha in der Vergangenheit, und der bekannte Fernsehschauspieler Barnaby Metschurat spricht den Thomas in der Gegenwart. Hörprobe

Wenn Martha tanzt cover



Auch als Hardcover erhältlich bei List, 20,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 6 CDs, 422 Minuten; 20,00 Euro


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