Dezember 9, 2022

Kolumne 27.07.2015

Kolumne vom 27.07.2015 – Nr. 362


Inge Löhnigdaumen rauf

Nun ruhet sanft

Nun ruhet sanft

Ein Mann tötet seine Frau und seine Kinder. Davon geht Kommissar Konstantin Dühnfort aus. Wie kann ein Vater zu einer solch grausamen Tat fähig sein? Der Fall trifft Dühnfort persönlich, gerade hat Gina ihm offenbart, dass sie schwanger ist. Ein kühler Kopf fällt ihm schwer, da ein alter Fall ähnlich war und der mordende Ehemann nicht überführt werden konnte. Kurz nach dem Mord taucht der Familienvater plötzlich am Tatort auf. Mit einem Strauß Blumen für seine Frau. Steht er tatsächlich unter Schock, oder ist er ein guter Schauspieler? Oder gar unschuldig?

Inge Löhnig gehört zu den Besten! Zu den besten Kriminalautorin in unserem Land. In ihre Reihe um Kommissar Dühnfort liefert sie einen klasse Krimi nach dem anderen ab. Man ist sich sicher, besser kann der nächste nicht mehr werden. Und doch gelingt ihr das immer wieder. Nun auch mit “Nun ruht sanft”. Man denkt, man durchschaut alles, doch die Autorin führt einen immer wieder auf die falsche Spur. Eine Story, die einen sofort packt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Sensationell! Und dazu noch das “normale” private Leben des Kommissars, das dezent eingestreut wird, und das die Reihe gut abrundet.

List, 430 Seiten; 9,99 Euro


Paige Toondaumen runter

Ohne dich fehlt mir was

Ohne dich fehlt mir wasUnbeschwert und glücklich verbringt Alice die Ferien mit Joe. Beiden ist klar, dass ihre Affäre dem Sommer gehört und der Realität niemals standhalten kann. Alice ist ehrgeizig und will in Cambridge studieren; Joe arbeitet in der Kneipe seiner Eltern. Als Alice mit gebrochenem Herzen ihre erste Vorlesung antritt, ermahnt sie sich, dass Jungen wie der begabte Lukas viel besser in ihr Leben passen. Doch die Erinnerung an Joe will nicht verblassen. Und dann sieht Alice ihn wieder: auf der Kinoleinwand. Auch jetzt trennen sie Welten, denn Joe ist ein berühmter Filmstar.

Paige Toon schreibt hochwertige Liebesromane. Mit ihren Bestsellern wie “Du bist mein Stern”, “Einmal rund ums Glück” und “Diesmal für immer” hat sie sich eine große Fangemeinde erschrieben. So konnte man sich auf den neuen Roman “Ohne dich fehlt mir was” freuen. Leider vermisst man hier Paige Toons Qualitäten. Die Story zieht sich nach gutem Anfang wie ein Kaugummi, die Figuren bleiben einem merklich fremd und sind auch wenig sympathisch, und auch sonst birgt die Geschichte kaum Spannungsmomente, die einen unbedingt weiterlesen lassen wollen. Ein lauwarmer Liebesroman in einem heißen Sommer!

Krüger, 445 Seiten; 14,99 Euro


Thomas Kasturadaumen rauf

Dark House

Thomas Kastura Dark HouseZehn Jahre ist es her, dass John und seine Freunde als Abschluss ihres Studiums in einem verlassenen Gebäude ein “Dark House” einrichteten: mehrere völlig abgedunkelte Räume, in denen nichts zu sehen, aber alles erlaubt war. Wie weit würden sie gehen? Würden sie nach dieser Grenzerfahrung noch dieselben sein? Kurz darauf verübte eine junge Frau aus der Gruppe Selbstmord, über den niemals wirklich gesprochen wurde. Nun wollen die Freunde endlich Licht ins Dunkel bringen und treffen sich auf Johns Anwesen an der Küste von Dorset. Kaum ist ein Tag vergangen, liegt einer von ihnen tot auf den Klippen. Doch dieser Tote wird nicht der letzte sein …

Der deutsche Thomas Kastura schreibt schon seit Jahren gute Spannungsliteratur. Mit “Dark House” hat er einen seiner besten Romane geschrieben. Ein Thriller der ruhig beginnt, aber dann immer mehr an Fahrt beginnt! Nachdem die Charaktere nach und nach vorgestellt wurden, geht es dann Schlag auf Schlag. Einer nach dem anderen geht und kommt nicht wieder. Der Showdown ist dann über fünfzig Seiten lang und einen Hauch unglaubwürdig. Die Idee, die hinter “Dark House” steckt ist noch besser als der Thriller selbst. Da kann man dem Autor vorwerfen, dass er nicht noch mehr aus der Story herausgeholt hat. Doch auch so wird man spannend unterhalten. “Dark House” – nicht im Dunkeln lesen!

Droemer, 346 Seiten; 16,99 Euro


John Wisemandaumen rauf

Der große National Geographic Survival Guide

Der große National Geographic Survival GuideUnfälle und Naturkatastrophen können sich immer und überall ereignen. Wie überlebt man dann mit der richtigen Ausrüstung und dem notwendigen Wissen, und vor allem mit dem nötigen Willen in der Wildnis? Es muss aber nicht gleich zum Schlimmsten kommen. Auch für Naturaussteiger ist diese Lektüre gedacht. Dieses Buch verrät alles, was sie brauchen.

Raus in die Natur … und dort auch überleben, mit diesem Buch schaffen Sie das! Dieser Survial Guide gibt Ihnen wirklich alle erdenklichen Tipps, wie man in der Natur zurechtkommt. Welche Ausrüstung braucht man; wie findet man Wasser; wie baue ich mir einen Unterschlupf; wie mache ich Feuer; Häute und Felle spielen genauso eine Rolle wie der richtige Knoten; und noch so vielem mehr.

National Geographic, 398 Seiten; 24,99 Euro


Harro Albrechtdaumen rauf

Schmerz – Eine Befreiungsgeschichte

Schmerzen – Eine Befreiungsgeschichte

Schmerz ist die Grenzfläche, an der Psyche und Körper aufeinandertreffen. Er ist Wundschmerz und Trennungsschmerz, ist körperliche und seelische Verletzung. Bis heute ist der Schmerz ein ungelöstes Problem, millionenfach leiden die Menschen unter Schmerzen. Dieses Buch erzählt vom langen Kampf dagegen, von Fortschritten, Fehlschlägen und ungelösten Fragen.

Den Schmerz aus allen Winkeln betrachten, das tut der Autor in diesem Buch. Er schreibt über die Geschichte des Schmerzes, und wie er seinen festen Bestandteil seit jeher in der Menschheitsgeschichte hat. Auch geht der Autor auf mögliche Heilmethoden ein. Und da gibt es viele, weit nicht alle haben mit Pillen zu tun. Eindrucksvoll geschrieben, beachtenswert recherchiert! Ein Buch, das den Schmerz nicht verschwinden, einen aber vielleicht besser damit umgehen lässt.

Pattloch, 608 Seiten; 24,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Titus Müller

Berlin Feuerland

Berlin Feuerland

Hannes Böhm lebt in dem Industrieviertel, das die Berliner Feuerland nennen. Als eine Art Fremdenführer verdient er sich ein kleines Zubrot, indem er neugierigen Bürgern die Armut und die Not in den Hinterhäusern zeigt. Dabei lernt er Alice kennen, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss wohnt. Alice ist schockiert über das Ausmaß der Verelendung – und zugleich beeindruckt von Hannes, der voller Ehrgeiz und Fantasie zu sein scheint. Doch als die Märzunruhen 1848 ausbrechen, als sich der Konflikt zwischen dem preußischen König und den Aufständischen zuspitzt, scheint es für die Gefühle, die Hannes und Alice füreinander entwickeln, keine Zukunft mehr zu geben.

Titus Müller gehört in Deutschland seit über einem Jahrzehnt zu den Autoren historischer Romane, der sich nicht festlegen lässt. Er liebt Geschichte und pickt sich Jahrzehnte und Jahrhunderte bunt heraus. Nach seinem letzten packenden Roman “Nachtauge”, der zu Zeiten des 2. Weltkriegs spielt, wandert er mit “Berlin Feuerland” wieder ein Jahrhundert zurück. In diesem Roman zeigt er auf, wohin krasse Armut auf der einen, und übermäßiger Reichtum auf der anderen Seite führen kann. Die Menschen lehnen sich auf. Ein Vergleich zu heute ist da nicht weit. Auch die zarte Liebesgeschichte zwischen Hannes und Alice ist wunderbar in diese historischen Ereignisse eingebunden. Tobias Dutschke, der nicht wenige Talente hat, liest vielseitig und sehr stimmungsvoll. Auch beweist er, dass er eine gute Singstimme hat.

Auch als Hardcover erhältlich bei Blessing, 19,99 Euro

Radioropa Hörbuch, 2 MP3 CDs, 853 Minuten; 19,99 Euro


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