Juni 25, 2022

Kolumne 25.05.2015

Kolumne vom 25.05.2015 – Nr. 353


Mo Hayderdaumen rauf

Wolf

Mo Hayder - Wolf

Vor vierzehn Jahren wurde ein junges Liebespaar brutal ermordet. Der Hauptverdächtige gestand das Verbrechen und wurde verurteilt. Als Oliver Anchor-Ferrers mit seiner Familie in das einsam gelegene Ferienhaus in der Nähe des damaligen Tatorts zurückkehrt, macht er eine schockierende Entdeckung: Ist der Täter von einst etwa wieder auf freiem Fuß? Noch kann er nicht ahnen, dass das schon bald nicht mehr seine größte Sorge sein wird. Der Albtraum kehrt mit Macht zurück, nur diesmal ist er die Hauptfigur …

Wenn Mo Hayder einen Thriller schreibt, dann ist das immer eine Story, die an die Nerven geht. “Wolf” zeigt erneut diese Stärken. In diesem Psychothriller baut sie die Spannung langsam auf, aber man ist sofort gefesselt von der Story. Das liegt daran, wie Mo Hayder sie erzählt. Schnell klar ist in dem Buch gar nichts. Zahlreiche Überraschungen erwarten den Leser. Wieder ein Detective-Inspector-Jack-Caffery-Thriller der überzeugt. Mo Hayder versteht es, sich in die Psyche ihrer Leser zu schleichen, dort herumzugeistern und nicht mehr zu verschwinden. “Wolf” – ein echter Thriller-Biss!

Goldmann, 442 Seiten; 14,99 Euro


Joann Sfardaumen runter

Der Ewige

Joann Sfar Der EwigeIn New York begibt sich ein junger Ukrainer in die Psychoanalyse, er will endlich seine Biografie aufarbeiten. Am Anfang des letzten Jahrhunderts starb er auf einem Schlachtfeld in Europa – nur um kurz darauf als Vampir wiederaufzuerstehen. Ein Zustand, mit dem er sich nie anfreunden konnte, der ihm zuwider war, der ihn von seiner großen Liebe entfernte und der neben dem ungemütlichen Blutsaugen auch noch andere Unannehmlichkeiten mit sich brachte. Der so höfliche Mann verliebt sich nun hundert Jahre später in seine Therapeutin. Beiden ist nicht bewusst, wie verwoben ihre Geschichten sind und in welcher Gefahr sie schweben.

In “Der Ewige” geht es ganz schön zur Sache. Mit Herzchenromantik, wie das Cover suggeriert, hat dieser Roman nichts am Hut. Hier gibt’s reichlich Blut, Sex und Vampirfantasy. Joann Sfar ist ein bekannter französischer Comiczeichner. Dieses Können merkt man auch diesem Roman an. Er zeichnet hier nun Bilder mit Worten, sehr anschaulich. Das ist bei der Heftigkeit, die der Roman oft zu bieten hat, nicht für jeden etwas. Joann Sfar nimmt einen mit auf eine abgefahrene Reise in eine literarische Geisterbahn. Und der Franzose beweist trotz dieser Tour, dass er Sinn für Humor hat. Doch das alles ist auch verwirrend und bruchstückhaft erzählt, so dass “Der Ewige” nicht vollkommen überzeugen kann.

Eichborn, 365 Seiten; 22,99 Euro


Martha Leadaumen rauf

Die Entdeckungen der Gwen Carrick

Martha Lea-Die Entdeckungen der Gwen CarrickCornwall, 1859. Gwen Carrick ist anders. Statt sich für häusliche Dinge zu begeistern, liebt sie die Naturwissenschaften. Da ihr der Zugang zur Universität verwehrt ist, zeichnet und malt sie die Insekten ihrer Heimat. Bei einem ihrer Ausflüge lernt sie den Arzt Edward Scales kennen und verliebt sich sofort in ihn. Denn Edward verspricht ihr Freiheit, Selbstbestimmung und Anerkennung als Wissenschaftlerin. Und so lässt sie sich auf eine gewagte Reise zur Erforschung der Insekten im Amazonas-Becken ein, nicht ahnend, dass Edward ein Geheimnis verbirgt, das alles zerstören könnte.

Ein Roman, der mich sehr positiv überrascht hat! Martha Lea schafft es auf unheimlichen Wegen eine Geschichte zu erzählen, die die damalige Zeit, die Gesellschaft und deren Menschen in einem guten Erzählton darstellt. Die Hauptfiguren hat die Autorin vielschichtig und geheimnisvoll gestaltet. Ich wollte immer wissen, wie Gwen Carrick ihren Weg weitergeht, was aus ihr und Edward Scales wird, und was es mit dem großen Unbekannten auf sich hat. Der große Unbekannte ist ein Kriminalfall in Form einer Gerichtsverhandlung, der parallel zur Hauptgeschichte läuft. Das bringt weitere Spannungsmomente, die bis zum Ende anhalten. “Die Entdeckungen der Gwen Carrick” ist eine echte Entdeckung!

Droemer, 408 Seiten; 19,99 Euroo


Dörte Hansendaumen rauf

Altes Land

Doerte Hansen - Altes Land

1945 stehen Flüchtlinge vor der Tür der Bäuerin Ida Eckhoff, Hildegard mit ihrer Tochter Vera. Doch Hildegard verlässt den Hof und lässt ihre Tochter Vera zurück. Die erbt den Hof. Sie hat aber Angst vor dem großen Haus, lässt es verfallen, bis sechzig Jahre später wieder zwei Flüchtlinge vor der Tür stehen. Veras Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn. Vera, die Zahnärztin, und Anne, die Musikerin, haben mehr gemeinsam als sie ahnen.

 

Literatur auf hohem Niveau! Dörte Hansen bringt eine schöne Sprache mit einer dramatischen, herzlichen und humorvollen Geschichte zusammen. Ein Buch, das immer wehrende Themen aufgreift: Vertreibung, Flucht, das finden eines neuen Zuhauses. Sehr aktuell, heute wie vor 70 Jahren

 Knaus, 287 Seiten; 19,99 Euro


Roger Smithdaumen rauf

Leichtes Opfer

Roger Smith-Leichtes Opfer

Kapstadt, Südafrika. Das Ehepaar Michael Lane und seine Frau Beverly hat ein Problem, ihr Sohn Christopher hat mit einer Hantel eine junge Frau erschlagen. Für Beverly steht schnell fest: Sie brauchen einen Schuldigen, der nicht ihr Sohn ist. Den finden sie auch, aber das hat tödliche Auswirkungen …
 

Ein Thriller wie ein lauter Knall! Roger Smith schreibt schnell und kühl, er lässt dem Leser keine Zeit zum Luft holen. Schlag auf Schlag geht die Story voran. Wie die Verwicklungen immer tragischer und dramatischer werden ist starker Stoff. Die Figuren wandeln am Abgrund und der Fall ist nur eine Frage der Zeit.

Tropen, 334 Seiten; 19,95 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Miranda Beverly-Whittemore

Bittersweet

Miranda Beverly-Whittemore-Bittersweet

Ev Winslow ist reich, beliebt und wunderschön. Alles, was ihre College-Zimmergenossin Mabel nicht ist. Umso mehr freut sich Mabel, als Ev sie einlädt, den Sommer mit ihr in Bittersweet zu verbringen, ihrem eigenen Ferienhäuschen auf dem Landsitz der Winslows in Vermont. Mabel genießt das Leben dort. Bevor sie weiß, wie ihr geschieht, hat sie alles, wovon sie je geträumt hat: Freunde, die erste Liebe, und zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, dazuzugehören. Doch dann macht Mabel eine schreckliche Entdeckung, und sie muss entscheiden, ob sie aus dem Paradies vertrieben werden will – oder die dunklen Geheimnisse der Familie bewahrt, um endlich eine der ihren zu werden.

Ein passender Buchtitel. Eine bittersüße Geschichte, die sehr viel Wert auf die Figurenzeichnung legt. Spannung gibt es bis zum letzten Drittel hin eher wenig, aber dann bekommt auch hier der Roman seinen Drive. Doch Miranda Beverly-Whittemore ist keinesfalls zu vergleichen mit Lucinda Riley oder einer Kate Morton. In Sachen Storyaufbau muss die Autorin noch sehr viel lernen. Was dieses Hörbuch trotzdem zu etwas Besonderem macht ist die Sprecherin. Katharina Wackernagel, eine von Deutschlands bekanntesten Schauspielerinnen, spricht “Bittersweet”. Und wie. Sie hat eine klare und melodische Stimme. Ihr lauscht man super gerne und sie lässt auch manch Länge in der Geschichte vergessen.

Auch als Paperback erhältlich bei Insel, 14,99 Euro.

Der Hörverlag, 2 MP3 CDs, 767 Minuten; 14,99 Euro


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