September 27, 2023

Kolumne 24.04.2023 Nr. 766

 

      BuchKolumne 24.04.2023 Nr. 766

Salman Rushdie – Victory City
Janet Lewis – Draußen die Welt
Sarah Pearse – Das Sanatorium
Marvel & Nick Jones – Guardians of the Galaxy – Helden, Schurken, Schauplätze und Geschichten
Frauke Scheunemann – Mord am Haff

Salman Rushdie – Victory City

 

Südindien im 14. Jahrhundert: Die neunjährige Waise Pampa Kampana wird von einer Göttin auserkoren, ihre menschliche Hülle und ihr Sprachrohr in die Welt zu sein. In ihrem Namen erschafft Pampa aus einer Handvoll Samen eine Stadt: Bisnaga – Victory City, das Wunder der Welt. All ihr Handeln beruht auf der großen Aufgabe, die ihr die Göttin gestellt hat: den Frauen in einer patriarchalen Welt eine gleichberechtigte Rolle zu geben. Aber die Schöpfungsgeschichte Bisnagas nimmt mehr und mehr ihren eigenen Lauf. Während die Jahre vergehen, Herrscher kommen und gehen, Schlachten gewonnen und verloren werden und sich Loyalitäten verschieben, ist das Leben von Pampa Kampana untrennbar mit dieser Stadt verbunden. Von seinem Aufstieg zu einem Weltreich bis zu seinem tragischen Fall.

Die Geschichte des Autors Salman Rushdie ist eine ganz, ganz eigene. Ein Autor, dem ein Terrorregime tot sehen will. Und das seit Jahrzehnten. Doch er macht weiter, auch nach dem Anschlag, den er vor Kurzem überlebt hat. Nun sein neuer Roman. Und was für einer. „Victory City“ ist ein so wunderschöner, wunderbarer, kluger, ehrlicher Roman, zugleich aber auch einer mit Liebe, Hass, Neid, Missgunst, Krieg, Zerstörung. „Victory City“ entsteht vor den Augen der LeserInnen aus den glorreichen Samen und verabschiedet sich nach und nach wieder von den LeserInnen. Fast ein wenig eine Parabel auf die Welt, auf der wir leben. Wir wissen, wie sie entstanden ist, wir erleben ihren Aufstieg, und nun erleben wir den langsamen Zerfall – wenn wir nichts dagegen tun. Ganz nach Pampa Kampana: „Ich habe gelebt und sah ein Reich aufsteigen und untergehen. Ich selbst wurde auch zu nichts. Was bleibt, ist die Stadt der Worte. Worte sind die einzigen Sieger.“

Penguin, 606 Seiten; 25,00 Euro

  Janet Lewis – Draußen die Welt

Janet Lewis - Draußen die Welt

Mary Perrault, Anfang fünfzig, führt mit ihrem Mann und den vier Kindern ein beschauliches Leben im ländlichen Kalifornien. Aber dann bricht 1929 die New Yorker Börse zusammen: Der Kampf ums nackte Überleben bringt das Fundament der Gesellschaft ins Wanken und bedroht auch das innere Gleichgewicht der Familie Perrault. Immer wieder gerät Mary in Situationen, in denen sie entscheiden muss, ob sie zum eigenen Vorteil oder zum Wohle anderer handeln soll.

Janet Lewis (1899 – 1998) ist eine Autorin, die Geschichten fein austarieren kann! dtv hat sich zur Aufgabe gemacht ihre vier Romane, darunter eine Trilogie um historische Justizfälle, ins Deutsche zu übersetzen. Die Trilogie rief bei den LeserInnen gemischte Gefühle hervor. Nun erscheint mit „Draußen die Welt“ der einzige Roman der Autorin außerhalb dieser Trilogie. Erstmals veröffentlicht 1943 wirkt er in gewissen Zügen doch sehr aktuell. Aber man braucht Geduld, um zum Kern der Geschichte vorzudringen, und auch dann, ist es keine Geschichte, die mit großen Szenen, Aktionen oder mit großer Spannung überzeugt. Die Stärke liegt bei „Draußen die Welt“ eher im Kleinen, in gewissen Detailbetrachtungen, auch über die Natur, aber das hat für mich den Roman nun nicht zu einem Lesegenuss werden lassen. Trotzdem kann man sich in „Draußen die Welt“ verlieren, oft ist man aber auch verloren.

dtv, 366 Seiten; 24,00 Euro

    Sarah Pearse – Das Sanatorium

Halb versteckt im Wald und überragt von dunkel drohenden Gipfeln war Le Sommet schon immer ein unheimlicher Ort. Einst diente es als Sanatorium für Tuberkulosepatienten, dann verfiel es mit den Jahren und wurde schließlich aufgegeben. Nun hat man es zu einem Luxushotel umgebaut, doch seine düstere Vergangenheit ist noch immer spürbar. Als Detective Inspector Elin Warner zur Verlobungsfeier ihres Bruders anreist, beginnt der Albtraum: Erst verschwindet Isaacs Verlobte, dann geschieht ein Mord. Schließlich schneidet auch noch ein Schneesturm das Hotel von der Außenwelt ab, und die Gäste sind mit einem Killer gefangen.

Die begeisterten Stimmen zu diesem Thriller lassen sich gar nicht bremsen! Nicht ganz unschuldig daran ist Hollywood-Star Reese Whiterspoon, die neuerdings auch als Buch-Göttin gilt. Auf den richtigen Namen kommt es eben an. Aber dieser Thriller wird dem Hype durchaus gerecht. „Das Sanatorium“ sorgt für einen kalten Schauer nach dem anderen – und das von Seite 1 an! Der Plot ist dabei natürlich nicht neu, sondern schon sehr oft so bedient worden. Aber auf das Wie kommt es an. Und die Britin Sarah Pearse drückt die richtigen Knöpfe. Ein moderner Thriller-Plot, eines guten alten Agatha-Christie-Krimis! Die Meisterin des Genres hätte an „Das Sanatorium“ sicher auch ihre Freude gehabt. Neben dem Plot ist der Autorin auch ihr Personal gut gelungen. Erin ist eine sehr präsente und gebrochene Figur, mit der man sich als LeserIn schnell verbunden fühlt. Und so fühlt man den Schauer umso mehr, aber ist auch dem Lüften der Geheimnisse um das Sanatorium auf der Spur.

Goldmann, 503 Seiten; 17,00 Euro

 Marvel & Nick Jones – Guardians of the Galaxy –
 Helden, Schurken, Schauplätze und  Geschichten

Die ganze Geschichte über die Guardians of the Galaxy. Vom draufgängerischen Star-Lord über den genialen Waschbären Rocket bis zum lebenden Baum Groot: das MARVEL Universum wäre ohne seine ikonischen Helden, kuriosen Wesen und mächtigen Schurken aus Guardians of the Galaxy nicht so, wie MARVEL Fans es lieben. Doch wie wurde aus einer Bande Gesetzloser eine Gruppe, die sich dem Schutz der Galaxis verschrieben hat? In diesem Buch gibt es spannende Details über alle Helden und Schurken und passend zu Guardians of the Galaxy Vol. 3 geballtes Wissen zur Hintergrundgeschichte: Von den ersten Comic-Auftritten bis zu den neuesten Storylines und ihrer Auswirkung auf das MARVEL Universum.

Wer das MARVEL-Universum liebt, liebt wohl vor allem auch die „Guardians of the Galaxy“. Die Comics sind eine Schau, die Filme noch umso mehr. Und jetzt zum Kinostart des dritten Teils der Film-Reihe gibt es ein tolles Buch, das einen vollumfänglich in das Reich des bunten Haufens entführt. Durchgängig gibt es ganz tolle Comic-Szenen, dazu die ergänzenden und informativen Texte, man schwelgt im Universum der Guardians of the Galaxy. Ein Buch, das sich kein Fan der Reihe entgehen lassen sollte! Die Hauptkapitel sind: „Guardians des 31. Jahrhunderts“, „Guardians der Zukunft“, „Guardians, sammeln!“, „Guardians der Jetzt-Zeit“, „Guardians auf der Flucht“ und „Guardians für die Zukunft“.

Dorling Kindersley, 216 Seiten; 29,95 Euro

  Frauke Scheunemann – Mord am Haff

Frauke Scheunemann - Mord am Haff

Eine Einbruchserie gibt der Polizei auf Usedom Rätsel auf und versetzt die Bewohner zwischen Peenemünde und Ahlbeck in Aufregung. Selbstverständlich will Radioreporterin Franziska Mai etwas zur Auflösung der Diebstähle beitragen und wittert außerdem Stoff für ihre Sendung bei Bäderland-Radio, dem kleinen Ostsee-Lokalsender. Kommissar Kay Lorenz belächelt derweil Franzis Versuche, den Tätern eine Falle zu stellen – bis der Einbruch in einer Luxus-Feriensiedlung ein Todesopfer fordert. Nun ist Kay doch auf Franzis Hilfe angewiesen, denn diese ist ihm einen entscheidenden Schritt voraus und jagt bereits ihrer ersten Spur nach.

Frauke Scheunemann, Teil des Bestseller-Duos Anne Hertz und erfolgreiche Autorin der charmanten „Dackel Herkules“-Reihe“, hat im letzten Jahr mit „Der Tote im Netz“ das Krimi-Parkett betreten. Mit Bravour! Ihre Krimi-Reihe um Radioreporterin Franziska Mai und Kommissar Kay Lorenz ist gespickt mit reichlich Lokalkolorit und Verve. Frauke Scheunemann liebt die Insel Usedom und lässt die LeserInnen auch im zweiten Band an den Geheimnissen und den schönen Plätzen der Insel teilhaben. Ihr freundliches Ermittler-Duo tut ein Übriges dazu. „Mord am Haff“ ist spannend-charmante Krimi-Unterhaltung! Im Frühjahr 2024 wird die Reihe mit „Tod zur See“ fortgesetzt.

Scherz, 345 Seiten; 16,00 Euro