Mai 24, 2022

Kolumne 24.01.2022 Nr. 701

Dengerls-buchkritik.de - Nr 701

BuchKolumne 24.01.2022 Nr. 701

Steve Cavanagh – Thirteen
Lukas Rietzschel – Raumfahrer
Peter Dempf
Die Magd der Fugger
Lisa Graf
Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben
Ben Creed
Der kalte Glanz der Newa

 Steve Cavanagh – Thirteen

Steve Cavanagh - Thirteen

Der New Yorker Strafverteidiger Eddie Flynn soll Amerikas prominentesten Mordverdächtigen vor Gericht vertreten: Bobby Solomon – jung, attraktiv und der Liebling von ganz Hollywood. Eddies Klienten zählen normalerweise nicht zu den Reichen und Schönen. Aber wenn er von der Unschuld eines Angeklagten überzeugt ist, tut Eddie alles, um ihn freizubekommen. Und er glaubt Bobby, dass dieser nichts mit dem Mord an seiner Frau und deren Liebhaber zu tun zu hat, obwohl alle Beweise gegen ihn sprechen. Der Fall scheint aussichtslos, bis Eddie erkennt: Der wahre Killer sitzt in der Jury.

Lee Child, Michael Connelly, Mark Billingham, Don Winslow und Ian Rankin. Was verbindet diese einzigartigen Thriller-Autoren? Sie alle schwärmen hymnisch von Steve Cavanaghs „Thirteen“. Und die Story hört sich ja auch irre, verrückt, spektakulär an. Ist sie am Ende auch! Auch die Ausgangslage ist eher ungewöhnlich für einen Thriller. Man kennt den Killer, man weiß, was er vorhat, und trotzdem verfolgt man fieberhaft das Geschehen, denn Steve Cavanagh streut genügend Wendungen und Überraschungen ein, das einem garantiert nie langweilig wird. Er führt auch das amerikanische Justizsystem vor, bei dem ja bekannt ist, dass viele Unschuldige hinter Gitter landen, und das unter den zum Tode verurteilt auch zahlreiche Unschuldige sind. „Thirteen“ ist ein grandioser Thriller! Von Eddie Flynn möchte man unbedingt noch mehr lesen. Ein Anwalt, wie Michael Connellys Kult-Anwalt Mickey Haller.

Goldmann, 539 Seiten; 13,00 Euro

 Lukas Rietzschel – Raumfahrer

Lukas Rietzschel - Raumfahrer

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.

Lukas Rietzschel hat mit seinem Debütroman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ einen Bestseller gelandet. Mich konnte sein Debüt nicht überzeugen. „Zu wenig griffige Handlung, zu wenig Spannung, zu wenig, was die große Bühne des Themas geboten hätte. ‘Mit der Faust in die Welt schlagen’ bleibt so eher ein kleiner Roman zu dem Thema“, schrieb ich damals. Und die Fehler seines Erstlings wiederholt er auch bei seinem zweiten Roman „Raumfahrer“. Ein ostdeutsches Familiendrama mit feiner Wortwahl – hätte es werden können. Die Handlung gäbe es her, aber diese ist konfus und ohne roten Faden umgesetzt. Die unpassenden Zeitsprünge verwirren, die wenig einladenden Charaktere kamen mir nie näher. Der „Raumfahrer“ schwebt im literarischen Bücher-All traurig vor sich hin.

dtv, 286 Seiten; 22,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Etwas besser als das Buch, ist das Hörbuch. Die Geschichte wird nicht besser, aber man lauscht gerne der jungen und frischen Stimme von Christian Friedel. 22,00 Euro.

Lukas Rietzschel – Raumfahrer – Hörprobe 7:31 Min

    Peter Dempf – Die Magd der Fugger

Peter Dempf - Die Magd der Fugger

Augsburg im 14. Jahrhundert. Als Webergeselle verschuldet Hans Fugger einen Unfall, den Anna, die Tochter des Schultheißen, nur knapp überlebt. Doch sie verrät ihn nicht, sondern hilft ihm später sogar, ein besonderes Tuch zu weben. Ein Tuch, das ihm trotz anfänglicher Ablehnung den Weg in die Zunft der Weber und in die bessere Gesellschaft ebnet. Annas einzige Bedingung: eine Stelle als seine Magd. Notgedrungen gibt er ihr nach – ein Glück, denn sie erweist sich als wertvolle Hilfe. Doch während er weiter aufsteigt, geschehen um ihn herum immer wieder merkwürdige Dinge.

Peter Dempf gehört zu den profiliertesten deutschen Autoren historischer Romane! Seine Schriftstellerkarriere begleite ich nun schon seit Jahrzehnten. Praktisch jeder seiner Romane erfüllt die hohen Qualitätsstandards des Genres. So auch sein neuer „Die Magd der Fugger“. Saubere Recherche, lebendige Details, lebensnahe Figuren, ein spannender Aufbau. Ein historischer Roman, wie man ihn sich als Kenner des Genres wünscht!

Lübbe, 528 Seiten; 12,00 Euro

    Lisa Graf – Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben

Lisa Graf - Dallmayr – Der Traum vom schönen Leben

München 1897. Anton und Therese Randlkofer führen den beliebten Feinkostladen Dallmayr in der Dienerstraße. Während die Gutsituierten erlesene Pralinen, honigsüße Früchte und exquisiten Kaffee probieren, träumen vor den prachtvoll dekorierten Schaufenstern die einfachen Bürger vom schönen Leben. Ein jeder möchte Kunde im Dallmayr sein. Doch dem glanzvollen Aufstieg des Familienunternehmens droht ein jähes Ende, als Patriarch Anton ganz unerwartet verstirbt. Schon wenige Tage später beginnt sein Bruder Max zu intrigieren, um das florierende Geschäft unrechtmäßig an sich zu reißen. Entschlossen, ihm das Feld nicht kampflos zu überlassen, setzt sich Therese an die Spitze des Unternehmens. Noch weiß sie nicht, dass auch in den eigenen vier Wänden Geheimnisse lauern.

Lisa Graf hat mit der „Dallmayr“-Saga ein wunderbares historisches Epos erschaffen! Süffig, elegant, spannend und abwechslungsreich. Das alles trifft auf den ersten Roman der Saga „Der Traum vom schönen Leben“ zu. Und ich traue Lisa Graf, nach diesem starken Beginn, zu, dass sie genau mit dieser Intensität weiterschreibt. Der zweite Band „Der Glanz einer neuen Ära“ erscheint im November 2022.

Penguin, 640 Seiten; 15,00 Euro

  Ben Creed – Der kalte Glanz der Newa

Ben Creed - Der kalte Glanz der Newa

Leningrad im eisigen Winter 1951: Wie auf Notenlinien wurden fünf grausam verstümmelte Leichen zwischen drei Bahngleisen arrangiert – ein Anblick, der selbst die hartgesottenen Polizisten um Leutnant Revol Rossel zutiefst erschüttert. Könnte Stalins gefürchtetes Ministerium für Staatssicherheit dahinterstecken? Leutnant Rossel glaubt, dass er seit dem Krieg und einem Zusammenstoß mit der Geheimpolizei nichts mehr zu verlieren hat – doch als er während der Ermittlungen mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert wird, muss er erkennen, wie viel für ihn noch immer auf dem Spiel steht.

Das Autorenduo Ben Creed entführt einen in eine eiskalte Sowjetunion. Eiskalt ist die Geschichte, eiskalt ist das Setting. Eiskalte Spannung ist garantiert! Mit Leutnant Revol Rossel hat Ben Creed einen vielschichtigen Helden entworfen, der sich in einer extrem gefährlichen und tödlichen Zeit behaupten muss. „Der kalte Glanz der Newa“ ist eiskalte Thriller-Literatur auf hohem Niveau! Das Buch wurde von der britischen TIMES als bester Thriller des Jahres 2020 ausgezeichnet.

Knaur, 428 Seiten; 14,99 Euro