September 27, 2022

Kolumne 15.08.2022


BuchKolumne 15.08.2022 Nr. 730

Ben Aaronovitch – Die Silberkammer in der Chancery Lane
Sam Lloyd – Sturmopfer
Antonia Brauer
Die Töchter des Geistbeckbauern
Tom Grimm – Das inoffizielle House of the Dragon Kochbuch
Ingo Bott – Pirlo – Falsche Zeugen

   Ben Aaronovitch – Die Silberkammer in der Chancery Lane

Die Silberkammer in der Chancery Lane

Peter Grant, der Londoner Bobby und Zauberlehrling hat einen neuen Fall. In den Silberkammern in der Chancery Lane hat es einen merkwürdigen Todesfall gegeben. Der Tote weist eine große Wunde im Brustkorb auf – als hätte man ihm das Herz herausgerissen. Die Ermittlungen führen zu einem zweiten Toten. Und dann zunehmend weiter über London hinaus – in völlig unerwartete räumliche, zeitliche und extradimensionale Gefilde. Dabei hat Peter eigentlich schon mehr als genug damit zu tun, sich auf ein ganz bestimmtes freudiges Ereignis vorzubereiten, das allmählich die Züge eines hochmagischen und illustren Großevents annimmt.

Ben Aaaronovitch ist definitiv ein Kult-Autor! Seine mega-erfolgreiche Buchreihe um den Londoner Bobby und Zauberlehrling Peter Grant verzaubert seine LeserInnen. Nach zu Letzt „Ein weißer Schwan in Tabernacle Street“ folgt nun der neunte Band „Die Silberkammer in der Chancery Lane“. Und wieder geht es hoch her. Der Fall geht für Peter Grant und Anhang in eine ganz unerwartete Richtung, die gar Jahrhunderte zurückreicht. Es wird fies und turbulent, aber Peter Grant weiß, wie er auch die schlimmsten Ereignisse ins Positive wandeln kann. „Die Silberkammer in der Chancery Lane“ zeigt, welch Qualität auch nach dem neunten Band weiter in der Reihe steckt. Amüsant, spannend, magisch, voller wunderbarer Ideen und Überraschungen!

dtv, 410 Seiten; 15,95 Euro

    Sam Lloyd – Sturmopfer

sturmopfer sam lloyd

Ein Haus auf den Klippen an der Südwestküste Englands. Auf Mortis Point leben Lucy und Daniel mit ihren beiden Kindern. Sie führen ein beschauliches Leben – bis zu dem Tag, der alles verändert. Daniels Segelboot wird herrenlos auf See gefunden, kurz nachdem ein Notruf abgesetzt wurde. Von Lucys Mann jedoch fehlt jede Spur. Als Lucy erfährt, dass auch ihre Kinder verschwunden sind, gerät ihr Leben endgültig aus den Fugen. Offenbar befanden Billie und Fin sich ebenfalls an Bord des Bootes. An einen erweiterten Suizid, wie Detective Abraham Rose ihn vermutet, will Lucy nicht glauben. Während sich über dem Meer ein Jahrhundertsturm zusammenbraut, der die Suche nach den Vermissten erschwert, versuchen Lucy und Abraham fieberhaft herauszufinden, was wirklich an Bord geschah. Als sie der Wahrheit näherkommen, wird Lucy klar, dass der eigentliche Albtraum gerade erst begonnen hat.

Sam Lloyd konnte mit 2021 mit „Der Mädchenwald“ begeistern. Damals schrieb ich: „Der Mädchenwald“ ist ein Weltklasse-Thriller! Das hat viele Gründe. Der Hauptgrund ist die klasse Story Idee und deren Umsetzung. Dem Engländer Sam Lloyd ist mit seinem ersten Thriller da gleich etwas Herausragendes gelungen, was nur schwer mehr zu toppen sein wird in seiner weiteren Schriftstellerkarriere. Die Twiste in der Geschichte bekommen die volle Punktzahl.“ Nun ist sein neuer Thriller „Sturmopfer“ erschienen. Leider hatte ich mit meiner damaligen Aussage, dass der „Mädchenwald“ nur schwer mehr zu toppen sein wird, vollkommen recht. „Sturmopfer“ ist ein echtes Thriller-Opfer! Denn es steht wohl Thriller auf dem Buch, aber man sucht ihn in diesem Buch meist vergebens. Natürlich gibt es einige Spannungshöhepunkte, vor allem zum Ende hin, und es herrscht auch eine düstere Atmosphäre vor, aber das reicht nicht für über 440 Seiten. „Sturmopfer“ besticht vor allem durch sehr viel philosophischen Leerlauf und unnötigen Nebenschauplätzen, was die Story zäh und spannungsarm macht. „Sturmopfer“ versinkt in der tosenden See und wird nicht wieder zum Vorschein kommen im Meer von guten Thrillern!

Rowohlt Polaris, 443 Seiten; 17,00 Euro

   Antonia Brauer – Die Töchter des Geistbeckbauern

Die Töchter des Geistbeckbauern

Hallertau, 1911: Im schwersten Winter seit Menschengedenken kommt die kleine Wally Geistbeck zur Welt. Auf dem Hof ihrer Eltern erlebt sie zusammen mit ihren Schwestern eine glückliche Kindheit – bis mit dem Ersten Weltkrieg und der Inflation der Niedergang der mächtigen Bauerndynastie beginnt. Wally kommt auf die Haushaltsschule im Kloster, um eine gute Partie zu werden. Doch ohne Mitgift bleibt ihr nur, eine Stelle als Dienstbotin zu suchen. Dafür muss sie die geliebte Heimat verlassen – und Ludwig, den Nachbarsjungen, für den sie seit dem ersten Schultag schwärmt. Obwohl Wally in der großen Stadt alles abverlangt, gibt sie nie auf. Denn sie weiß, wie alle Geistbecktöchter, dass morgen wieder die Sonne aufgeht.

Oh, was war sie hart, die Zeit damals. „Die Töchter des Geistbeckbauern“ zeigen ungeschönt und hautnah, wie es damals war auf dem Land, bei den Höfen und darüber hinaus. Antonia Brauer ist ein richtiges Zeit-Gemälde gelungen. Die Geschichte fließt ruhig dahin, wie ein leiser Bach im Dickicht eines tiefgrünen Waldes. Es passiert nichts Spektakuläres, aber trotzdem entwickelt die Geschichte ihren ganz eigenen Sog. Wally ist der Autorin gut gelungen, aber auch die anderen Charaktere haben sich bei mir relativ schnell verankert. „Die Töchter des Geistbeckbauern – Jahrs des Säens“ haben mich in eine ganz andere Zeit, in eine ganz andere Welt entführt. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung „Jahre es Erntens“, der im Oktober 2022 erscheint.

dtv, 447 Seiten; 11,95 Euro

Tom Grimm – Das inoffizielle House of the Dragon Kochbuch

Tom Grimm_Das inoffizielle House of the Dragon Kochbuch

In George R. R. Martins beliebten Fantasy-Romanen wird nach Herzenslust geschlemmt. Was läge da näher, als in einem Kochbuch auf Basis von „House of the Dragon“ passende Rezepte zu vereinen? Wie wäre es mit einer Dornischen Schlange in feuriger Sauce, einem blutroten Hochzeitskuchen oder einem geschmorten Wildschweinrücken? Über 60 Rezepte aus allen Regionen Westeros’ finden im Kochbuch ihren Platz. Festmahle und Gelage wie in den Sieben Königslanden – jetzt auch in der heimischen Küche.

„House of Dragon“, die Vorgeschichte zur epochalen Serie „Game of Thrones“, startet am 22.08.2022 bei Sky. Und jetzt können Sie beim Gucken von „House of Dragon“ oder „Game of Thrones“ passend dazu speisen – mit diesem Buch. Eine vorzügliche Idee – für Fans der Serien, aber auch für die, die einfach mal etwas anders speisen wollen! Zu den drei bereits genannten Gerichten gibt es zum. Beispiel noch: „Frühstück auf der Mauer“, „Nachtwachen-Schwarzbrot“, „Winterfell-Essigpilze, „Goldbraten des Hauses Lennister“, „Nierenpastete der Alten Nan“, „Tywin Lennisters Ochsenschwanzsuppe“, „Gregor Cleganes Matschkartoffeln“, Apfelküchlein des kettenlosen Maesters“, „Sansas Zitronenküchlein“ und „Heiße Schokolade des Lordkommandanten“.

Doch damit nicht genug. Wer gourmetfantasymäßig auch nach Mittelerde abtauchen möchte, dem sei auch das weitere Buch von Tom Grimm empfohlen: „Das inoffizielle Mittelerde Kochbuch“.

Dorling Kindersley, 160 Seiten; 19,95 Euro

   Ingo Bott – Pirlo – Falsche Zeugen

Pirlo – Falsche Zeugen-Inge Bott

Rainer Waßmer ist tot. Er war der Anführer einer Nazi-Rocker-Bande, mit denen die Clan-Familien in Düsseldorf eigentlich bisher in friedlicher Ko-Existenz lebten. Bis jetzt. In der Nacht hatten sich Clans und Rocker ein kleines Gefecht geliefert. Klarstellen, wo jeder steht. Doch nun ist Waßmer tot, und Faruk Maliki, Thronfolger einer bedeutenden Clan-Familie, wird des Mordes beschuldigt. Er braucht dringend einen Anwalt. Oder eine Anwältin. Oder am besten gleich beide. Pirlo und Sophie suchen fieberhaft nach Beweisen, die ihren Mandanten entlasten könnten. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr und zwischen die Fronten.

Ingo Botts Pirlo-Debüt „Gegen alle Regeln“, hat mich überzeugt. Dazu schrieb ich: „Anton Pirlo hat etwas von Stephan Ludwigs genialem Ermittler Zorn! Eigenwillig, unangepasst, lässig. Ein Strafverteidiger wie kein anderer in der deutschen Krimilandschaft. Von Anton Pirlo will man unbedingt noch viel mehr Fälle lesen.“ Mein Wunsch ging in Erfüllung. Der zweite Fall für Anton Pirlo und seine Partnerin Sophie Mahler „Falsche Zeugen“ ist erschienen. In Düsseldorf gibt es wieder einiges zu klären! Ingo Bott, Fachanwalt für Strafrecht, zeigt wieder, das er vom Fach ist. Man lernt so einiges über das deutsche Strafrecht und über Verteidigungsstrategien. Ingo Bott hält die Spannung hoch – auf allen Ebenen! Das Potenzial des Falls reizt Ingo Bott aus, und auch die Figurenentwicklung treibt er voran. Anton Pirlo und Sophie Mahler sind echte Hingucker! Denn die Geschichten um die Hauptfiguren herum sind nicht weniger spannend als der Fall selbst.

Scherz, 491 Seiten; 16,00 Euro