Juni 30, 2022

Kolumne 15.08.2016

Kolumne vom 15.08.2016 – Nr. 417


Jenny Downham

daumen rauf

Die Ungehörigkeit des Glücks

Die Ungehörigkeit des Glücks

Das Leben der 17-jährigen Katie nimmt eine unerwartete Wendung, denn ihre Großmutter Mary wird bei ihr zu Hause einziehen. Ihre Mutter Caroline hat dem widerwillig zugestimmt, denn sie hatte seit vielen Jahren keinen Kontakt zu Mary und ist nicht gut auf sie zu sprechen. Katie muss mit der ihr fremden Großmutter das Zimmer teilen. Und sie fängt an, sich für Marys Geschichte zu interessieren. Katie will dem Familiengeheimnis auf die Spur kommen. Das ist nicht einfach, weil Mary an Alzheimer leidet. Doch Katie erkennt verblüffende Ähnlichkeiten zwischen sich und Mary: beide haben eine ungehörige Vorstellung vom Glück …

In „Die Ungehörigkeit des Glücks“ stellt die Bestsellerautorin Jenny Downham die unterschiedlichen Lebensbilder dreier Frauen aus drei Generationen nebeneinander und verflechtet sie auf spannende und dramatische Weise. Jede Generation hat ihre eigenen Probleme, aber doch sind sie irgendwie gleich, wenn man genauer hinschaut. Und Jenny Donwham schaut genauer hin. Die Frauenfiguren sind gut ausgearbeitet. Der Roman zeigt auch, dass man einen Menschen kennenlernen muss, bevor man über ihn urteilt. „Die Ungehörigkeit des Glücks“ ist ein Roman der Generationen verbindet.

C. Bertelsmann, 479 Seiten; 19,99 Euro


Karen Perry

daumen runter

Was wir getan haben

Was wir getan habenMasai Mara, Kenia 1982. Drei Kinder spielen am Fluss. Sie lachen und wetteifern, doch dann herrscht plötzlich Stille. Bis der erste Schrei ertönt. Dublin 2013. Katie Walsh arbeitet als Journalistin bei einer Tageszeitung und soll ausgerechnet über Luke Yates, einen erfolgreichen Unternehmer, ein Porträt schreiben. Katie und Luke kennen sich seit Kindertagen, sie haben gemeinsam mit Lukes jüngerem Bruder Nick einen Sommer in Kenia verbracht. Doch seit jener Zeit ist der Kontakt zwischen ihnen abgebrochen. Zu schrecklich ist die Erinnerung an jenen heißen Nachmittag am Fluss, das Gefühl der Schuld, dass sie seither nur eines wollen: vergessen.

Das irische Autorenduo Karen Perry legt nach ihrem spannenden Debütroman „Bittere Lügen“ nun mit „Was wir getan haben“ nach. „Bittere Lügen“ hatte mir gut gefallen, daher ging ich mit großen Erwartungen an den zweiten Roman des Duos heran. Leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt. Zu langatmig erzählt, das störte mich am meisten. Und dem Buch fehlen die vielen kleinen spannenden Momente. Der große spannende Moment kommt ja dann zum Schluss und der ist durchaus überraschend. Auch beweist das Duo psychologisches Feingefühl und die Figuren sind gut dargestellt. „Was wir getan haben“ ist so aber nicht komplett überzeugend.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Ulrike Kapfer und Elmar Börger lesen die beiden Hauptfiguren Katie und Nick mit gutem Ausdruck. 19,99 Euro.

Scherz, 380 Seiten; 14,99 Euro


Tasmina Perry

daumen rauf

Nur ein letzter Kuss

Nur ein letzter Kuss Abby Gordons Ehemann geht fremd, sie trennt sich von ihm, aber aus dem Kopf geht er ihr nicht. Ablenkung bringt ihr die Arbeit im Royal Cartography Institute, dass gerade eine große Ausstellung zu den britischen Entdeckungsreisenden vorbereitet. Abby hofft, die Geschichten von Himalaya-, Südpol- und Afrika-Expeditionen helfen ihr über ihren Liebeskummer hinweg. Dabei stößt sie auf das Foto einer Abschiedsszene zwischen einem Amazonasforscher und seiner Geliebten. Abby macht das Bild zum Mittelpunkt der Ausstellung – und sieht sich bei der Eröffnung einer überraschenden Besucherin gegenüber: Rosamund Bailey, einer Ikone des Journalismus, der Frau auf dem Foto …

Die Engländerin Tasmina Perry hat schon mit ihrem Roman „Drei Tage Manhattan – Begleitung gesucht“ begeistern können. Ihr neuer Roman „Nur ein letzter Kuss“ schließt an diese Qualität an. Ein Roman, der einen umarmt und innig an sich drückt. Eine Liebesgeschichte, eigentlich zwei, die Tasmina Perry auf spannende, dramatische und berührende Art und Weise erzählt. Auch hier sind die Frauenfiguren gut ausgearbeitet. Abby und Rosamund fangen einen sofort ein. „Nur ein letzter Kuss“ – ein Roman wie eine wohlig warme Wärmflasche.

Bloomsbury Berlin, 463 Seiten; 14,99 Euroo


Frauke Scheunemann

daumen rauf

Ziemlich unverhofft

Ziemlich unverhofftNikola Petersen, Anwältin und alleinerziehende Mutter in Hamburg, hat ihr Leben fest im Griff. Eigentlich. Nun hat ihre Rechtsanwaltsgehilfin gekündigt, Sozietätspartner Alexander hat seit Wochen einen Durchhänger und Schwiegermutter und Chefbabysitterin Gisela will auf Kreuzfahrt gehen. Nikola hätte gern ein wenig Zeit, um nach Feierabend den Flirt mit ihrem Kollegen Simon Rupprecht auszubauen. Aber daraus wird nichts, denn dann reist noch die Mutter von Nikolas Nachbarn Tiziano an. Aus unerfindlichen Gründen ist Signora Felice der festen Überzeugung, dass Nikola Tizianos neue Freundin ist. Und der tut leider alles, um seine Mutter in diesem Glauben zu lassen …

Komödien-Spezialistin Frauke Scheunemann hat mit „Ziemlich unverhofft“ einen turbulenten, vielseitigen, überraschenden und witzigen Familienroman geschrieben. Trotz der Leichtigkeit zeigt er sehr anschaulich, was der Alltag alles von einem fordert. Die Autorin setzt nach „Ziemlich unverbesserlich“ ihre Reihe fort.

Goldmann, 251 Seiten; 14,99 Euro


Ernest van der Kwast

daumen rauf

Die Eismacher

Die Eismacher

Die Talaminis haben sich seit fünf Generationen der Handwerkskunst des Eismachens verschrieben. Jedes Jahr im Frühling siedeln sie von Italien nach Rotterdam über, wo sie während der Sommermonate ein kleines Eiscafé betreiben. Der ältere Sohn Giovanni bricht aber mit der Familientradition, um sein Leben der Literatur zu widmen. Denn er liebt das Lesen so sehr wie das Eis. Bis ihn eines Tages sein Bruder aufsucht: Luca, der das Eiscafé übernommen hat, ist inzwischen mit Sophia verheiratet, in die beide Brüder einst unsterblich verliebt waren. Und er hat eine ungewöhnliche Bitte …

Ein Roman verführerisch lecker wie ein großer Eisbecher! Der indische Niederländer Ernest van der Kwast hat mit „Die Eismacher“ den großen Durchbruch geschafft. In den Niederlanden ist er ein Bestseller. Die Figuren mit ihren kleinen und großen Geschichten verzaubern den Leser. Eine Familiengeschichte die sich liest, wie Vanilleeis mit Himbeersoße schmeckt.

btb, 382 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Karin Brynard

Weinende Wasser

Weinende Wasser

Albertus Beeslaar, der zwei Meter große Inspector, hat sich erst vor kurzem in den Norden Südafrikas versetzen lassen, in die staubtrockene Provinz Nordkap. Nach über zwanzig Jahren bei der Mordkommission in Johannesburg wünscht Beeslaar sich nichts mehr als einen ruhigen Posten auf dem Land. Doch ein furchtbares Verbrechen bringt ihn auch hier um den Schlaf: Auf einer Farm werden eine junge Frau und ihr Kind ermordet, ihre Leichen zudem seltsam drapiert. Beim Anblick des grausigen Tatorts ahnt der Inspector, dass dieser Fall ihn bis an seine Grenzen treiben wird.

„Weinende Wasser“ ist ein spannender Kriminalroman, der einen Südafrika und seine Menschen näherbringt, sowie deren Probleme und Ansichten. Das alles macht „Weinende Wasser“ sehr hörens- und lesenswert. Der Kriminalroman der Südafrikanerin Karin Brynard wurde mit zwei Literaturpreisen ausgezeichnet und war in ihrem Heimatland ein Bestseller. Die Reihe um Inspector Albertus Beeslaar wird fortgesetzt. „Weinende Wasser“ wird mitreißend gelesen von Achim Buch. Mit seiner tiefen Stimme macht er das Krimierlebnis noch intensiver.

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 9,99 Euro.

Lübbe Audio, 8 CDs, 574 Minuten; 16,99 Euro


Denglers-buchkritik.de