Juli 24, 2021

Kolumne 14.06.2021 Nr. 669

BuchKolumne 14.06.2021 Nr. 669

John Grisham – Der Polizist
Andrea De Carlo – Margherita und der Mond
Mirna Funk
Zwischen Du und Ich
Elsa Dix
Der tote Rittmeister
Jörg Lauster
Der heilige Geist – Eine Biographie

 John Grisham – Der Polizist

John Grisham - Der Polizist Buch

Jake Brigance steht als Pflichtverteidiger im Zentrum eines aufsehenerregenden Mordprozesses in Clanton, Mississippi. Sein Mandant Drew Gamble hat einen örtlichen Deputy umgebracht – doch war es Notwehr oder Mord? Die Mehrheit von Clanton fordert lautstark einen kurzen Prozess und die Todesstrafe. Dabei ist Drew Gamble gerade einmal 16 Jahre alt. Jake Brigance arbeitet sich in den Fall ein und versteht schnell, dass er alles tun muss, um den Jungen zu retten. Auch wenn er in seinem Kampf für die Wahrheit nicht nur seine Karriere, sondern auch das Leben seiner Familie riskiert.

Anwalt Jake Brigance wurde bereits früh in John Grishams Karriere bekannt. Als Anwalt von Carl Lee Hailey im Bestseller „Die Jury“. Über zwei Jahrzehnte später erlebten ihn die LeserInnen dann noch einmal in „Die Erbin“. „Die Jury“ wurde 1989 veröffentlicht, „Der Polizist“ spielt im Jahr 1990. Ein brillanter Spannungsroman! Ein Fall, der klar erscheint, ohne Ausweg für Drew, der aber am Ende gar nicht so klar ist, wenn man alle Fakten betrachtet und wie Jake Brigance sie vor Gericht präsentiert. Bis dahin ist aber ein Stück Weg zu gehen. „Der Polizist“ befasst sich hauptsächlich mit dem Weg bis zur Gerichtsverhandlung, die dann nur das letzte Fünftel des Romans einnimmt. Aber alleine dieser Weg ist schon sehr fesselnd. Und zu sehen, wie Jake durch die Pflichtverteidigung des Angeklagten so viel verliert. Geld, Ansehen, angebliche Freunde. Doch Jake ist der Einzige, der diesen Weg bereit ist zu gehen, alle anderen Anwälte haben gekniffen. „Der Polizist“ verbreitet eine vibrierende Spannung, jede Seite hält etwas Neues bereit, das man gierig aufsaugt. John Grisham ist so gut wie zu seinen Anfängen!

Heyne, 671 Seiten; 24,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Charles Brauer ist so gut wie eh und je! 24,00 Euro.

John Grisham – Der Polizist – Hörprobe 10:00 Min

 Andrea De Carlo – Margherita und der Mond

Andrea de Carlo - Margherita und der Mond

Die Liebe zum Kochen wurde Margherita in die Wiege gelegt. Wie einst ihr Vater – ein italienischer Sternekoch – führt nun auch sie ein Restaurant in Venedig. Trotzdem scheint sie für ihren 87-jährigen Vater kaum zu existieren. Und irgendwie, merkt sie, ist sie auch sich selbst abhandengekommen. Als der Vater zu einer Fernseh-Kochshow eingeladen wird, begleitet ihn Margherita – und begibt sich damit auf eine Reise, die ihr Leben verändern wird.

Andrea De Carlo ist ein ganz großartiger Autor! Seine Bücher sind in seiner Heimat reihenweise Bestseller. Darunter so Werke wie „Zwei von zwei“ und sein Megawerk „Villa Metaphora“. Doch auch ein so großartiger Autor hat mal einen Ausreißer nach unten. So geschehen mit seinem neuen Werk „Margherita und der Mond“. Die Tochter-Vater-Geschichte überzeugt nicht. Margherita ist eine durchaus prägnante Hauptfigur, sie kann die Geschichte aber auch nicht retten. Uninspiriert und ohne richtigen roten Fanden zieht sie sich müde dahin. Der Rückblick auf ihr Leben, den sie gewährt, hat Höhen und Tiefen, wie der Roman auch. Bis zum Mond möchte man mit diesem Roman nicht fliegen.

Diogenes, 285 Seiten; 18,00 Euro

    Mirna Funk – Zwischen Du und Ich

Mirna Funk - Zwischen Du und Ich

Wenn Nike ihre Wohnung in Berlin-Mitte verlässt, muss sie am Stolperstein ihrer Urgroßmutter vorbei. Nike ist als Jüdin in Ostberlin aufgewachsen, jede Straße trägt Erinnerung, auch schmerzhafte. Als sie ein Jobangebot in Tel Aviv bekommt, nimmt sie an. Dort trifft sie Noam, er ist Journalist, seine Geschichte ist tief und komplex. Nike lässt ihn in ihr Leben, als ersten Mann seit Jahren. Doch zwischen ihr und Noam steht Noams Onkel Asher. Der ist vereinnahmend und brutal und setzt alles daran, dass Nike aus Noams Leben verschwindet.

Die Berlinerin Mirna Funk hat mit ihrem Debütroman „Winternähe“ erste Erfolge gefeiert. Nun liegt ihr zweiter Roman „Zwischen Du und Ich“ vor. Eine Geschichte zwischen Aufbruch und Ankommen, zwischen Liebe und Zerstörung, zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Mirna Funk hat Nike und Noam sehr lebensnah gestaltet. Ihre Lebensgeschichten haben sie geprägt. Nike mit ihrer letzten Beziehung, die in Gewalt mündete. Noam, der charmant und liebevoll, aber auch aufbrausend, eifersüchtig und gewalttätig sein kann. Ihre sehr leidenschaftliche Liebe kann am Ende nur mit einem Ergebnis enden. Neben der Beziehung der beiden Hauptfiguren erfährt man einiges über das Leben in Israel und über die Last und den Horror der Vergangenheit. Diese Vergangenheit tragen viele Israelis immer mit sich herum.

dtv, 302 Seiten; 22,00 Euro

   Elsa Dix – Der tote Rittmeister

Elsa Dix - Der tote Rittmeister

Norderney 1913: Im glanzvollen Seebad, wo der Adel des Kaiserreichs die Sommerfrische genießt, herrscht anlässlich des Thronjubiläums eine feierliche Stimmung. Doch dann überschatten bestürzende Ereignisse die sommerliche Idylle: Ein Rittmeister der kaiserlichen Kavallerie wird ermordet, und ein kleines Mädchen aus dem nahen Seehospiz verschwindet spurlos. Die unerschrockene Viktoria Berg begibt sich mit dem Journalisten Christian Hinrichs auf die Suche nach der Wahrheit und entdeckt in der feinen Seebadgesellschaft Abgründe, tief und geheimnisvoll wie die Nordsee …

Elsa Dix lebt in Düsseldorf und liebt Norderney. Ihre Inselliebe und -kenntnisse hat sie in ihren Debütroman „Die Tote in der Sommerfrische“ einfließen lassen. Ich war sehr angetan von dieser „Sommerfrische“! Nun liegt der zweite Band der Seebad-Krimireihe um das Ermittlerduo Viktoria Berg und Christian Hinrichs vor. Bei „Der tote Rittmeister“ stimmt wieder alles! Die beiden Ermittler haben einen wieder ganz schnell an der Angel, auch die Umgebung und wie Elsa Dix sie beschreibt lassen einen schnell in das historische Norderney abgleiten. Dazu noch ein spannender Fall, da bleiben keine Wünsche offen.

Goldmann, 396 Seiten; 10,00 Euro

  Jörg Lauster – Der Heilige Geist – Eine Biographie

Jörg Lauster - Der heilige Geist – Eine Biographie

Neben Gott Vater und seinem Sohn Jesus Christus ist der Heilige Geist die dritte Person des „dreieinigen Gottes“. Er schwebte vor der Schöpfung über der Urflut, senkte sich bei der Taufe auf Jesus herab und ließ die Apostel im Pfingstwunder in fremden Sprachen predigen. Der Geist erscheint als säuselnder Wind und brausender Sturm, als Feuer und Taube, in der Kirche und in der freien Natur. Er ist die große verändernde Macht, die zu Taten der Liebe anstiftet, Visionen befeuert, Künstler und Prediger inspiriert, Traditionen und Autoritäten untergräbt und als Weltgeist die Geschichte vorantreibt.

Eine Biographie, wie keine andere! Den heiligen Geist zu erforschen, eine besondere Aufgabe, die Jörg Lauster auf vorzügliche Art gelungen ist. Die Hauptthemen sind: „Der Geist über dem Wasser“, „Geist vom Himmel: Pfingsten und der Geist im frühen Christentum“, „Geist und Erde: Der Stoffwechsel des Geistes“, „Den Geist denken: Der Geist und das Dogma“, „Leben ohne Warum: Die Mystik und der Geist Gottes in der Seele“, „Freiheit und Gottebenbildlichkeit: Der Geist als Verwandtschaft mit Gott“, „Begeisterung: Inspiration als Psychologie des göttlichen Geistes“, „Die Kraft der Utopie“, „Der Geist in der Geschichte der Versöhnung“, „Feuerzungen vom Himmel: Das Pfingstchristentum“ und „Der Geist in der Natur“.

C. H. Beck, 431 Seiten; 29,95 Euro