Juni 30, 2022

Kolumne 11.07.2016

Kolumne vom 11.07.2016 – Nr. 412


Andreas Föhrdaumen rauf

Eisenberg

Eisenberg

Dr. Rachel Eisenberg. Rachel ist Mitinhaberin einer angesehenen Münchner Kanzlei, frisch getrennt und Mutter einer 13-jährigen Tochter. Ihr neuer Fall soll eigentlich nur ein bisschen Medienpräsenz bringen – ein Obdachloser, der eines äußerst gewalttätigen Mordes verdächtigt wird –, doch als sie ihrem Mandanten zum ersten Mal gegenübersitzt, ist Rachel sprachlos: Sie kennt den Mann: Professor Heiko Gerlach. Rachel Eisenberg einstige große Liebe. Rachel glaubt nicht an seine Schuld, auch wenn die Beweislage erdrückend ist. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Rachel beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Welche Wahrheit wird sie finden?

Andreas Föhr war jahrlang als Anwalt tätig und kommt mit seiner neuen Figur der Dr. Rachel Eisenberg literarisch nun zu seinem Fachwissen zurück. Nachdem er zuvor mit Kultkommissar Wallner spannend-witzige Krimis geschrieben hat, wird es nun spannend-dramatisch. „Eisenberg“ ist ein Kriminalroman der Güteklasse A! Sehr facettenreich und spannend. Das liegt an dem ausgeknobelten Fall, den bestechenden Gerichtsszenen und den fein ausgearbeiteten Figuren. Hier vor allem die Hauptfigur der Dr. Rachel Eisenberg. Man ist jetzt schon gespannt, welchen Fall die Hauptfigur als nächstes lösen muss.

Knaur, 507 Seiten; 14,99 Euro


Esmahan Aykoldaumen runter

Istanbul Tango

Istanbul TangoKati Hirschel begleitet ihren liebeskranken Angestellten Fofo zu einer Wahrsagerin – und erhält gleich selbst eine Weissagung: Eine Leiche tauche bald in ihrer nahen Umgebung auf. Das ist für die Krimibuchhändlerin und leidenschaftliche Leserin nichts Ungewöhnliches. Doch als sie hört, dass Nil, eine Bekannte von ihr, in kritischem Zustand auf der Intensivstation liegt, wird Kati klar, dass die Wirklichkeit ihr mehr abverlangt, als mit einem Buch auf dem Sofa zu sitzen. Hobbydetektivin Kati findet bald heraus, dass Nil, bevor sie eingeliefert wurde, an einem Roman arbeitete. Und der ist, obwohl er im fernen Argentinien spielt, gewissen Leuten ein Dorn im Auge.

„Hotel Bosporus“, „Bakschisch“, „Goodbye Istanbul“, „Scheidung auf Türkisch“ waren die Vorgänger von „Istanbul Tango“. Waren die ersten beiden Bände noch ganz pfiffig, geht es seitdem Buch für Buch bergab. Als Leser denkt man sich: Kati Hirschel, verkauf Bücher, aber hör auf, Detektivin zu spielen. Dabei hätte die Figur Potenzial, aber nicht so, wie sie nun ist und agiert. Der Autorin scheinen keine guten Storys für ihre Hauptfigur mehr einzufallen. „Istanbul Tango“ hat wenig Feuer, sondern das Buch ist nur eine kleine Krimiflamme, die mehr Langeweile als Krimifreude verbreitet.

Diogenes, 326 Seiten; 16,00 Euro


Karine Giebeldaumen rauf

Du wirst nicht wissen warum

Du wirst nicht wissen warum Als Hauptkommissar Benoît Lorand eines Tages in einem düsteren Kellerverlies erwacht, ist plötzlich alles wie im Albtraum. Eine schöne Frau hält ihn gefangen und bezichtigt ihn eines abscheulichen Verbrechens. Lorand kann sich an nichts erinnern. Ihr hilflos ausgeliefert, versucht er seine Peinigerin davon zu überzeugen, dass er unschuldig ist. Doch sie scheint Beweise für seine Untat zu haben. Und auch wenn das ganz unmöglich ist, der Kommissar kann nur hoffen, dass seine Kollegen ihn bald finden…

Ein Psychothriller, der einen bis zum letzten Moment schockt! Die Autorin spielt nicht nur mit den Ängsten der Hauptfigur, sondern auch mit den Ängsten der Leser. Irgendwie fragt man sich, wie würde man selbst reagieren, handeln, denken, wenn man sich in Benoît Lorands Situation befinden würde. Und man ist glücklich, dass das alles nur einer literarischen Figur passiert. Obwohl der Thriller, bei dem was in letzter Zeit in den Medien zu lesen war, viel mehr Realität enthält, als einem lieb sein kann. Düster und packend. „Du wirst nicht wissen warum“ hat mich durchgehend gefesselt!

Berlin Verlag, 300 Seiten; 9,99 Euro


Oliver Hilmesdaumen rauf

Berlin 1936 – Sechzehn Tage im August

Berlin 1936  Sechzehn Tage im AugustIm Sommer 1936 steht Berlin ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Zehntausende strömen in die deutsche Hauptstadt, die die Nationalsozialisten in diesen sechzehn Tagen als weltoffene Metropole präsentieren wollen. Die »Juden verboten«-Schilder sind plötzlich verschwunden, statt des »Horst-Wessel-Lieds« klingen Swing-Töne durch die Straßen. Berlin scheint für kurze Zeit eine ganz normale europäische Großstadt zu sein, doch im Hintergrund arbeitet das NS-Regime weiter daran, die Unterdrückung zu perfektionieren und das Land in den Krieg zu treiben.

August 2016, die Olympiade in Rio de Janeiro beginnt. Olympia bewegt viele Menschen, es soll ein Fest des Sports und der Völkerverständigung sein. Heute ist die Welt, trotz vieler Brandherde, so friedvoll wie nie. Vor 80 Jahren war das anders. Im August 1936 fand in Hitler-Deutschland die Olympiade statt. Inmitten von Hitlers Kriegsplan. „Berlin 1936“ zeigt das bunte und dunkle Bild vom damaligen Berlin. Der Autor fängt ein breites Spektrum an Menschen ein, und verdeutlicht so, wie es damals war, im August 1936.

Siedler, 302 Seiten; 19,99 Euro


Paolo Bacigalupidaumen rauf

Water – Der Kampf beginnt

Water  Der Kampf beginnt

Der US-amerikanische Südwesten kämpft erbittert um die letzten Wasserreserven und die Rechte am Colorado River. Das Gebiet wird von heftigen Sandstürmen heimgesucht, ganze Millionenstädte verelenden. Wer es sich leisten kann, wohnt in luxuriösen Arkologien, jeder andere ist Hitze, Staub und Nahrungsknappheit ausgesetzt. Kriminalität und Korruption greifen um sich. Angel Velasquez gehört zu einem Spezialeinsatzkommando der Wasserbehörde von Nevada, das die Reservoirs des Bundesstaates verteidigt. Als das Gerücht aufkommt, dass in Phoenix eine neue Wasserquelle aufgetaucht ist, wird er dort hingeschickt, um zu ermitteln.

Ein spannungsgeladener Zukunftsthriller, der hoffentlich nie wahr wird! Oder hat uns die Zukunft in Teilen schon eingeholt? Dieser Thriller gibt Aufschluss. „Water – Der Kampf beginnt“ geht dabei nicht zimperlich mit dem Thema um. Action ist hier keine Mangelware. Auch die Figuren können in dieser wasserumkämpften Welt mit ihren unterschiedlichen Beweggründen überzeugen.

Blessing, 462 Seiten; 19,99 Euro


Hörbuch der Wochedaumen rauf

Gard Sveen

Der letzte Pilger

Der letzte Pilger

Es ist Frühling in Oslo, als ein grausames Verbrechen geschieht: Der ehemalige Widerstandskämpfer Carl Oscar Krogh wird brutal ermordet. Während des Krieges stand er stets auf der richtigen Seite. Wer bringt einen Mann um, den alle bewundern? Kurz zuvor findet man in der Nordmarka drei Leichen. Unter ihnen ein kleines Mädchen. Kommissar Tommy Bergmann, scharfsinnig, klug und ein Selbsthasser voller innerer Abgründe, sieht einen Zusammenhang: Die Toten stehen in Verbindung zu Agnes Gerner, einer Agentin des Widerstandes. Je mehr Tommy Bergmann über die schöne und hochintelligente Frau herausfindet, umso gefährlicher erscheint sie ihm.

Ein furioser Thriller, der Gegenwart und Vergangenheit geschickt und auf äußerst spannende Weise verbindet! Die beiden Geschichten, die parallel erzählt werden, aus der Zeit des 2. Weltkriegs und dem Heute, finden am Ende mit einer Überraschung zusammen. Der Norweger Gard Sveen hinterlässt mit seinem Debüt-Thriller „Der letzte Pilger“, der mehrfach ausgezeichnet wurde, einen starken Eindruck. Man darf gespannt sein, wie es mit der Reihe um Kommissar Tommy Bergmann weitergeht. Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney, gibt der Geschichte einen kraftvollen Ausdruck und den besonderen Bierstedt-Klang.

Auch als Paperback erhältlich bei List, 14,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 2 MP 3CDs, 897 Minuten; 19,99 Euro


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