Januar 28, 2021

Kolumne 07.12.2020 Nr. 642

BuchKolumne 07.12.2020 Nr. 642

Barack Obama – Ein verheißenes Land
Julia Zweig – Glück. Allein.
Diane Setterfield – Was der Fluss erzählt
Verschiedene Autoren – Dinosaurier und andere Lebewesen der Urzeit
Thomas Reinertsen Berg – Auf einem Blatt die ganze Welt

Barack Obama – Ein verheißenes Land

Barack Obama nimmt die Leser und Leserinnen mit auf eine Reise von seinem frühesten politischen Erwachen über den ausschlaggebenden Sieg in den Vorwahlen von Iowa, der die Kraft basisdemokratischer Bewegungen verdeutlichte, hin zur entscheidenden Nacht des 4. Novembers 2008, als er zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde und als erster Afroamerikaner das höchste Staatsamt antreten sollte. Er gewährt Einblicke in die Dynamik US-amerikanischer Politik und internationaler Diplomatie. Wir begleiten Obama ins Oval Office und in den Situation Room des Weißen Hauses sowie nach Moskau, Kairo, Peking und an viele Orte mehr. Er teilt seine Gedanken über seine Regierungsbildung, das Ringen mit der globalen Finanzkrise, seine Bemühungen, Wladimir Putin einzuschätzen, die Bewältigung scheinbar unüberwindlicher Hindernisse auf dem Weg zur Verabschiedung einer Gesundheitsreform. Er beschreibt, wie er mit US-Generälen über die amerikanische Strategie in Afghanistan aneinandergerät, und die Wall Street reformiert.

Die Autobiographie von Barack Obama wurde sehnsüchtig erwartet und ist nach Erscheinen schon ein Weltbestseller. Eine Autobiographie von einem echten Demokraten mit echten Werten. Nach 4 Jahren Donald Trump ist dieses Buch ein Segen, eine Rückbesinnung auf das was es bedeutet, Demokrat zu sein, ein Präsident zu sein, der versucht alle im Blick zu haben. Das zeigt schon der Beginn des Buches, als Barack Obama sein immer offenes Ohr für die Gärtner des Weißen Hauses anspricht. Die Reise beginnt aber mit einem Jugendlichen, der für Politik rein gar nichts übrig hat, aber ein paar Jahre später dafür brennt etwas bewegen zu können. Als er dann seine zauberhafte Frau Michelle kennenlernt, beginnen auch seine politischen Ambitionen. Die kollidieren dann aber auch immer mehr mit dem Familienleben, was auch eine Ehekrise heraufbeschwört. Aber das Paar beißt sich durch, genauso wie Barack Obama – bis zum Präsidentenamt, das er antritt, als die Welt in einer verheerenden Finanzkrise steckt. Die er meistert. Es folgen erste Auslandstreffen, wo er dann auch Angela Merkel trifft, bevor er dann das „heiße Eisen“, die Reform der Krankenversicherung, anpackt. Weitere Entscheidungen folgen. Und es endet mit dem Todesbefehl für Osama bin Laden. Unglaublich fesselnd erzählt. Das Buch geht weit über eine Autobiographie hinaus. Die privaten Anekdoten vermischen sich mit politischen Einblicken in das innerste der Macht. Oft las es sich wie ein realer Polit-Krimi. Über 1.000 Seiten lang habe ich kaum einmal aufblicken können aus dem Buch, als ich angefangen hatte zu lesen. Eine Autobiographie, die süchtig macht! Ganz großes politisches und intellektuelles Kino. Auf die Fortsetzung kann man sich heute schon freuen.

Penguin, 1.024 Seiten; 42,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Andreas Fröhlich, der Bob Andrews aus den Drei ???, liest Barack Obamas „verheißenes Land“ auf ganz verheißungsvolle Art! 42,00 Euro.

Barack Obama – Ein verheißenes Land – Hörprobe 5:00 Min.

Julia Zweig – Glück. Allein.

Laura, Ende dreißig, erfolgreich im Beruf, könnte eigentlich zufrieden sein mit ihrem Leben. Aber während ihre Freundinnen Kinder bekommen, bleibt ihr Wunsch nach einem Baby unerfüllt. Weil kein Mann in Sicht ist, mit dem sie eine konventionelle Familie gründen könnte, macht sie sich auf die Suche nach einem Vater für ihr Kind – ohne Sex, ohne Liebe, ohne Stress. Nur eine Bedingung sollte er erfüllen: Er muss Verantwortung für das Kind übernehmen. Auf der Suche nach dem idealen Vater muss Laura einige gruselige Kandidaten abwehren – und am Ende erkennen, dass auch ein perfekt ausgearbeiteter Plan nicht viel taugt, sobald Gefühle ins Spiel kommen.

Auf diesen „keinen Liebesroman“ hatte ich mich sehr gefreut! Doch die Freude hielt nicht lange. Der Roman beginnt frisch und lebendig, man ist voll bei Laura, doch schon bald laufen sich die Ideen der Autorin Julia Zweig, ein Pseudonym, tot. Die Geschichte beginnt sich im Kreis zu drehen, die Dialoge, zuvor witzig und klug, wandeln sich zu harmlos und nervig. „Glück. Allein. (K)ein Liebesroman“ erzählt aber trotzdem eine Geschichte aus unserer heutigen Zeit. Vielen Frauen und Männer sind einfach bindungsunfähig, auch wenn alles doch noch liebestechnisch gut ausgehen kann, legt Julia Zweig, trotz des Humors, schon ein wenig den Finger in die Wunde.

Droemer, 254 Seiten; 14,99 Euro

Diane Setterfield – Was der Fluss erzählt

Eine stürmische Winternacht im ländlichen England des späten 19. Jahrhunderts: In der uralten Gaststube des “Swan” sitzen die Bewohner von Radcot zusammen und wärmen sich an ihren Geschichten und Getränken, als ein schwer verletzter Mann mit einem leblosen Mädchen im Arm hereinstolpert. Eine Krankenschwester wird gerufen, die nur noch den Tod des Kindes feststellen kann. Als sie jedoch ein paar Stunden später die Todesursache festzustellen versucht, bemerkt sie, dass das Kind atmet und sich bewegt. Ein Wunder? Oder etwa Zauberei? Oder gibt es dafür eine wissenschaftliche Erklärung? Und woher kommt das Mädchen?

Diane Setterfield hat 2007 mit „Die dreizehnte Geschichte“ einen Bestseller gelandet. Nun ist ihr neuer Roman erschienen. „Was der Fluss erzählt“ ist ein unglaublich wunderbarer Roman, der mich vom Fleck weg verzaubert hat! Jeder Seite funkelt vor überbordender Erzählkunst. Auch wenn die Geschichte vor gut 150 Jahren spielt, so sind ihre Anleihen an die Gegenwart doch größer als man denkt. Man erzählt etwas, fabuliert etwas dazu, erzählt es weiter, und so kommt nach und nach eine Wahrheit zu Stande, die mit den wirklichen Geschehnissen fast gar nichts mehr zu tun hat. Aber das ist nur der eine Teil der Geschichte, denn sie hat noch viel mehr zu bieten. Diane Setterfield führt einen in die Irre, lässt einen staunen, erzählt dabei immer in wunderschönen Sätzen, und entfaltete nach und nach gar einen Kriminalfall, der etwas von einem Agatha-Christie-Roman hat. Und zu einer wunderbaren Geschichte gehören auch genau solche Akteure, auch die findet man in „Was der Fluss erzählt“. Unheimlich, geheimnisvoll, mystisch, dramatisch, einfühlsam, traurig, fesselnd, überwältigend = „Was der Fluss erzählt“.

Blessing, 572 Seiten; 24,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Die versierte Hörbuchsprecherin Sabine Kast verleiht dieser besonderen Geschichte einen edlen Ton. 24,00 Euro.

Diane Setterfield – Was der Fluss erzählt – Hörpobe: 10:00 Min

Verschiedene Autoren – Dinosaurier und andere Lebewesen der Urzeit

Lassen Sie sich auf eine atemberaubende Reise in die Urzeit entführen! Von der Entstehung unserer Erde vor ca. 4,5 Milliarden Jahren bis zum Erdzeitalter Quartär – dieses Buch berichtet über die Lebewesen der Urzeit in über 2.200 Fotos und 3D-Grafiken. Ob winziges Bakterium, riesige Dinosaurier, frühe Säugetiere, Fossilienfunde oder die ersten Menschen – visuelle Darstellungen dokumentieren eindrucksvoll die Entwicklung des Lebens.

Was für ein prächtiges Mammutwerk! Für Dino-Fans ist dieser Bildband mit vielen interessanten Fakten ein Muss. Hier sieht und erfährt man so viel über Dinosaurier, einfach herrlich! Die Hauptthemen sind: „Archaikum“, „Proterozoikum“, „Kambrium“, „Ordovizium“, „Silur“, „Devon“, „Karbon“, „Perm“, „Trias“, „Jura“, „Kreide“, „Paläogen“, „Neogen“ und „Quartär“. In diesen Evolutionsphasen erfährt man viel über Mikroorganismen, Wirbellose, Wirbeltiere, und Pflanzen. Diese Neuausgabe ist für die Dino-Fans auch ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk.

Dorling Kindersley, 440 Seiten; 49,95 Euro

Thomas Reinertsen Berg – Auf einem Blatt die ganze Welt

Mit jeder der 49 faszinierenden Karten dieses Buches erzählt Thomas Reinertsen Berg die Geschichte ihres Gestalters. Er entfaltet das Panorama ihrer Zeit und nimmt uns mit auf eine Reise durch die Jahrtausende. Etwa nach Antwerpen, dem Zentrum der Kartografie im 16. Jahrhundert, wo Abraham Ortelius 1570 den ersten modernen Atlas schuf. Von den geheimnisvollen Symbolen der Steinzeit bis zu Google Earth.

Der Norweger Thomas Reinertsen Berg erzählt, wie Wissenschaft und Weltbild, Kunst und Technik, Macht und Ambitionen die Weltkarten prägen. Ein Buch, zum Staunen und Bewundern für die Kunstwerke der Kartenkunst! Thomas Reinertsen Berg hat sich vollkommen diesem Thema verschrieben, das merkt man dem Buch an. Mit viel Liebe zum Detail schildert er die Geschichten zu den Karten, die so viel mehr zeigen und verraten als nur den Weg. Die Hauptthemen sind: „Die ersten Weltbilder“, „Wie Frösche um einen Teich“, „Heilige Geografie“, „Der erste Atlas“, „In die Welt hinaus“, Die großen Vermessungen“, „Weiße Flecken im Norden“, „Aus der Luft betrachtet“, „Der blaue Planet“ und „Die digitale Welt“. Das Buch wurde mit dem Brageprisen, dem renommierten norwegischen Literaturpreis in der Kategorie Sachbuch, ausgezeichnet.

dtv, 348 Seiten; 34,00 Euro