Januar 31, 2023

Kolumne 05.12.2022 Nr. 746

BuchKolumne 05.12.2022 Nr. 746

Peter Prange – Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht
Solomonica de Winter – Das Gesetz der Natur
Colleen Hoover – Nur noch einmal und für immer
Sandra Kegel (Hrsg.) – Prosaische Passionen
Karen Rose – Tränenfluch

Peter Prange – Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht

1925: Berlin ist die flirrende Metropole Europas. Nach dem Chaos von Straßenkämpfen und Inflation gibt es nur noch eine Richtung: aufwärts! Auch für Rahel und Tino brechen goldene Zeiten an. Während sie zum neuen Star der Ufa ausgerufen wird, treibt er den kometenhaften Aufstieg der Filmfabrik voran. Aber dunkle Wolken ziehen auf, Nazis marschieren durch die Straßen, und unversehens wird Rahels und Tinos Liebe auf eine Probe gestellt, die stärker zu sein droht als sie. Als die Ufa zum Spielball der politischen Mächte wird, muss Tino, um ihre Liebe zu retten, eine furchtbare Entscheidung treffen.

Peter Prange will nur eins: seine LeserInnen prächtig unterhalten! Und das schafft er natürlich auch wieder mit seinem Doppelband-Mammutwerk „Der Traumpalast“. Nach „Im Bann der Bilder“ folgt nun die Fortsetzung „Bilder von Liebe und Macht“. Was für eine gewaltig gute Fortsetzung. Man ist gleich wieder in der Geschichte, gleich wieder bei den Figuren. Das Leben pulsiert im Berlin den 1920er Jahren. Und wenn das Leben immer dunkler wird in den 1930er Jahren. Peter Prange verbindet die Geschichte der Anfänge des deutschen Kinos, mit dem Aufkommen der NSDAP und Hitler und einer dramatischen Entwicklung bei seinen Figuren. Großes Lese-Kino mit großen Bildern! Geschrieben von einem unserer besten Autoren.

Scherz, 763 Seiten; 26,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. „Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht“ wird wieder von Frank Arnold gelesen. Frank Arnold erschafft wieder 25 Stunden Hör-Kino! 25,00 Euro.

Peter Prange – Der Traumpalast – Bilder von Liebe und Macht – Hörprobe 5:00 Min.

Solomonica de Winter – Das Gesetz der Natur

In Neuamerika leben die Menschen nach dem Gesetz der Natur. Auch Gaia Marinos muss sich diesen Regeln beugen. Versteckt in den Wäldern lebt sie das Leben einer Aussätzigen und hat den anderen doch eines voraus: In einer Welt ohne schriftliche Aufzeichnungen kann sie lesen. Als sie in Gefangenschaft gerät, rettet ihr diese Fähigkeit das Leben. Gaia macht es sich zur Aufgabe, die letzten Bücher der Erde zu finden, doch als diese Mission zu scheitern droht, muss sie sich entscheiden: Wie weit ist sie bereit zu gehen?

Ein Fantasy-Roman, auf den ich mich sehr gefreut hatte! Doch leider währte meine Freude nur sehr kurz. Zwar trifft dieses zu: Ein Dystopie in elegantem Ton! Auch Gaia ist eine Figur, der man folgt, und noch Potenzial für mehr hat. Doch blieb die klassische Fantasy praktisch komplett auf der Strecke. Die junge und attraktive Niederländerin Solomonica de Winter verquatscht sich allzu oft und verbreitet dabei ausgedehnte Langeweile. Daher ist neben der klassischen Fantasy auch der Spannungseffekt eher klein. Wenn eine Trilogie kommen sollte, ist dies kein guter Einstieg in diese. Ob man der eleganten Sprache folgen will, in der ansonsten von Dürren überschatteten Geschichte ist, daher eher fraglich.

Diogenes, 596 Seiten; 25,00 Euro

Colleen Hoover – Nur noch einmal und für immer

Bevor Lily Ryle traf, den Vater ihres Kindes, gab es in ihrem Leben eine erste Liebe: Atlas. Als sie ihm zufällig wiederbegegnet, flammen bei beiden die alten Gefühle wieder auf und sie beginnen, sich wieder zu treffen. Dabei ist ihnen klar: Zwar ist Lily längst von Ryle geschieden und die Betreuung der gemeinsamen Tochter läuft relativ problemlos. Doch dieses fragile Gleichgewicht droht zu kippen, sobald Ryle von Atlas erfährt.

Colleen Hoover ist ein Phänomen! Die LeserInnen der Romance-Bestseller-Queen reißen sich um ihre Bücher. Durch TikTok wurde der Hype um die Autorin noch einmal gesteigert. Eine Story für sich. Die Fans waren hungrig. Nach „Nur noch ein einziges Mal“ folgt nun „Nur noch einmal und für immer“. Der Hunger der Fans wird gestillt. Die Geschichte um Lily, Atlas und Ryle steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Liebe, Drama und Emotionen pur. Eine Story, wie die Fans von Colleen Hoover sie lieben werden!

dtv, 351 Seiten; 20,00 Euro

Sandra Kegel (Hrsg.) – Prosaische Passionen

Frauen schreiben anders! Katherine Anne Porter schreibt anders als Eileen Chang, Alfonsina Storni schreibt anders als Marina Zwetajewa, Edith Wharton schreibt anders als Else Lasker-Schüler, Clarice Lispector schreibt anders als Carson McCullers, Marguerite Duras schreibt anders als Tania Blixen, Djuna Barnes schreibt anders als Grazia Deledda, Selma Lagerlöf schreibt anders als Silvina Ocampo, Anaïs Nin schreibt anders als Tove Ditlevsen und Sofja Tolstaja schreibt anders als Virginia Woolf.

Diese erste globale Prosasammlung weiblichen Schreibens um und nach 1900 zeigt: Die literarische Moderne war ganz wesentlich weiblich! Nicht nur in Europa, überall auf der Welt veränderte sich das künstlerische Selbstverständnis von Frauen von Grund auf. Sie eroberten sich kreative Freiräume, machten weibliches Denken und Fühlen literaturfähig, vor allem aber schufen sie große Erzählkunst und behaupteten sich so auf dem Feld der Hochliteratur, die bis dahin als exklusive Männerdomäne galt. Was für eine megastarke literarische Sammlung Literatur von Frauenhand! Ich bin begeistert. So viele unterschiedliche Autorinnen versammelt in einen prachtvollen Band. Ein Hochgenuss, literarisch, und zugleich ein Augenschmaus fürs Bücherregal. Eine kleine Auswahl der über 100 Geschichten: „Die Geschichte eine Stunde“ (Chopin); „Prostituiert“ (Doff); „Der Roman einer Fischersfrau“ (Lagerlöf); „Wenn ich ein Mann wäre“ (Gilman); „Das Verdikt“ (Wharton); „Tommy, die Unsentimentale“ (Cather); „Der Fleck an der Wand“ (Woolf); „Zwei Alte Herren erzählen sich Geschichten“ (Blixen); „Ehe, ganz modern“ (Mansfield); „Granny Weatherall, die Sitzengelassene“ (Porter); „Die Fahrt auf der Themse“ (Christie) und „Der Walzer“ (Parker).

Manesse, 924 Seiten; 40,00 Euro

Karen Rose – Tränenfluch

13 Jahre lebte Mercy Callahan in dem Glauben, sie sei endlich in Sicherheit. Doch seid ihr Bruder, FBI-Agent Gideon Reynolds, gegen die im Untergrund agierende Sekte „The Church of Second Eden“ ermittelt, ist nichts mehr wie zuvor. Denn jetzt weiß der Sektenführer Ephraim Burton, mit dem Mercy als Kind zwangsverheiratet wurde, dass sie noch lebt. Und er hat mehr als einen guten Grund, das zu ändern. Burtons erste Attacke auf Mercy kann Gideons bester Freund Detective Rafe Sokolov gerade eben so verhindern. Mit seiner Hilfe beschließt Mercy, sich ihrem Peiniger endlich zu stellen. Denn wenn es ihnen nicht gelingt, „The Church of Second Eden“ aufzuspüren und ein für alle Mal auszuschalten, werden sie und Gideon niemals wirklich sicher sein. Weder Mercy noch Rafe ahnen, was Burton und die Sekte zu tun bereit sind, um ihre Geheimnisse zu wahren.

Nach „Tränennacht“ ist „Tränenfluch“ der zweite Teil von Karen Roses neuer „Sacramento“-Reihe. Schon der erste Band mit seinen über 700 Seiten war Hochspannung pur. Nun legt Karen Rose mit „Tränenfluch“ noch mal einen obendrauf: über 800 Seiten Hochspannung pur. Karen Rose zeigt wieder ihre Stärken: Spannung, Leidenschaft, starkes Personal und eine knisternd-dramatische Story!

Knaur, 812 Seiten; 18,99 Euro