August 16, 2022

Kolumne 04.07.2022 Nr. 724

BuchKolumne 04.07.2022 Nr. 724

Sarah J. Maas – Crescent City – Wenn ein Stern erstrahlt
Adeline Dieudonnè – 23 Uhr 12
James Ellroy
– Allgemeine Panik
Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek
– Auris–Der Klang des Bösen
Kristina Pfister
– Ein unendlich kurzer Sommer

   Sarah J. Maas – Crescent City – Wenn ein Stern erstrahlt

Liebe, Lügen – und gefährliche Geheimnisse: Nachdem Bryce den Tod ihrer besten Freundin gerächt und Crescent City gerettet hat, schließt sie mit den göttlichen Asteri einen Pakt: Wenn sie und Hunt sich unauffällig verhalten, werden sie für ihre Verbrechen nicht bestraft. Doch mit ihrer neu erwachten Magie zieht Bryce die Aufmerksamkeit der Rebellen auf sich, die sie auf ihre Seite ziehen wollen. Aber Bryce will weder in eine Rebellion verwickelt werden noch den Befehlen der Asteri weiterhin folgen. Gemeinsam mit Hunt schmiedet sie einen eigenen Plan. Der aber ist hochgefährlich.

Und es hat Zoom gemacht! So ging es mir, als ich „Crescent City“ las. Das traf auf Band 1 „Wenn das Dunkle erwacht“ und nun auch auf Band 2 „Wenn ein Stern erstrahlt“ zu. Eine Geschichte, die einen hinwegfegt wie ein Wirbelsturm! „Wenn ein Stern erstrahlt“ wirft die LeserInnen direkt mitten hinein ins Geschehen. Die lange Anfangssequenz erinnert an die, aus den James-Bond-Filmen. Ohne Unterlass Action und Spannung. Auch als es dann etwas langsamer weitergeht, geht Spannung und Intensität nicht verloren. Sarah J. Maas entwickelt die Geschichte und die Charaktere spektakulär weiter. Und es hat Zoom gemacht! Die Amerikanerin und Bestsellerautorin Sarah J. Maas ist ja durch ihre „Das-Reich-der-Sieben-Höfe“-Reihe zu weltweiter Bekanntheit gelangt. Ihre „Crescent-City“-Bücher stehen ihrer anderen Saga aber in nichts nach.

dtv, 893 Seiten; 24,00 Euro

  Adeline Dieudonnè – 23 Uhr 12

Eine Sommernacht an einer Autobahn-Raststätte in den Ardennen. Im hellen Neonlicht werden ein Dutzend Personen um 23 Uhr 12 Zeuge, wie eine alte Frau über die Leitplanke der Fahrbahn klettert. Die Kassiererin der Tankstelle; Chelly, die Pole-Dance-Lehrerin; Alika, das philippinische Kindermädchen; Victoire, 25-jähriges Topmodel; Loïc, Autoschlosser und Pick-up-Artist; Joseph, Handelsvertreter für Milben …: Jeder von ihnen ist ein Outsider und hat einen an der Klatsche.

Adeline Dieudonnè, 1982 in Brüssel geboren und in Frankreich als Autorin gefeiert, konnte gleich mit ihrem Debütroman „Das wirkliche Leben“ einen internationalen Bestseller landen. Auch ich war begeistert! Doch wie bei zahlreichen gehypten jungen AutorInnen scheint auch Adeline Dieudonnè eine literarische Eintagsfliege gewesen zu sein. Schon ihr zweites Buch „Bonobo Moussaka“ war eine große Enttäuschung! Und nun ist ihr neuer Roman „23 Uhr 12“ erschienen, und wieder zeigt sich, das wirkliche Autorenleben holt Adeline Dieudonné schneller ein, als ihr wohl lieb ist. „23 Uhr 12“ ist wieder ein schmaler Roman, der schön groß gedruckt wurde, um ihn nicht noch schmäler erscheinen zu lassen. Wie es scheint hat die Autorin nicht das schriftstellerischem Handwerkszeuge dazu, einen guten und großen Roman zu entwerfen. „23 Uhr 12 – Ein Roman in 12 Geschichten“ trägt ja schon im Titel das Versagen einen wirklich großen Roman zu schreiben. Sie widmet den elf bzw. zwölf Protagonisten Chelly, Sébastien, Alika, Julianne, Loic, Oliver, Julie, Red Apple, Antoine, Victoire, Monica und Joseph, der Geschichte jeweils ein paar wenige Seiten. Aus ihren Geschichten setzt sich eine Art Mini-Puzzle zusammen zu einem Na-ja-Roman. Teils interessante Geschichten, die bei mehr schriftstellerischen Talent zu einem echten Roman hätten ausgebaut werden können, aber so bleiben sie belanglos. „23 Uhr 12“, für die Autorin Adeline Dieudonné ist es bereits 5 vor 12.
 

dtv, 173 Seiten; 18,00 Euro

  James Ellroy – Allgemeine Panik

Ein Leben wie das von Freddy Otash kann nur an einem einzigen Ort enden: im Fegefeuer. Dort sitzt seit nunmehr 28 Jahren der kettenrauchende, trinkende, sexbesessene und alles belauschende Spürhund Hollywoods fest. Otashs Karriere füllt mehrere Leben, sein Leben mehrere Bücher: Marinesoldat im Zweiten Weltkrieg, Polizist beim LAPD, Privatdetektiv, schließlich in den Fünfzigerjahren wichtigster Redakteur des Boulevardmagazins Confidential, das die kleineren und größeren Perversionen der amerikanischen Prominenz an die Oberfläche zerrte und mit Lust der Öffentlichkeit zum Fraß vorwarf. Aber jetzt will Freddy endlich raus aus der Vorhölle, und dazu muss er die Wahrheit sagen.

Ich habe ein Faible für die Geschichten um das alte Hollywood! Auch wenn sie nicht immer konform und schön waren, sondern oft schmutzig, sexuell aufgeladen und öfter auch tödlich, so ist die Zeit von damals schon ein echter Hingucker! All das bekommt man im neuen Roman von Bestsellerautor James Ellroy geboten. James Ellroy erzählt so rotzig und frech, das es eine Freude ist! „Allgemeine Panik“ ist ein Kriminalroman, ein Gesellschaftsroman, ein Abbild der politischen und sexuellen Hollywoodzeit in den 1950er Jahren. Literatur mit einem Hauch Verdorbenheit und als ekstatischer Hochleistungssport der Worte! Das kann nur einer, Autorenikone James Ellroy.

Ullstein, 431 Seiten; 26,00 Euro

 Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek – Auris – Der Klang des Bösen

Ein Schrei, der 15-jährigen Silvan Berg rennt quer über das herrschaftliche Anwesen seiner Eltern am Kleinen Wannsee in Berlin – und kommt gerade noch rechtzeitig, um seine geliebte Mutter aus einem Fenster im dritten Stock der Villa stürzen zu sehen. Für den Bruchteil einer Sekunde meint er, oben seinen Vater zu erkennen. Niemand auf der Polizeistation nimmt den panischen Jugendlichen ernst, der etwas vom Mord an seiner Mutter stammelt – niemand außer Matthias Hegel. Der forensische Phonetiker kann hören, dass Silvan nicht lügt. Mit Hilfe der engagierten True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge beginnt Hegel in einem Fall zu ermitteln, in dem nichts ist, wie es scheint.

Der große Erfolg der „Auris“-Reihe geht weiter! Nach zuletzt „Todesrauschen“ folgt nun der vierte Band „Der Klang des Bösen“. Wieder bekommt man engagiere Hauptfiguren geboten. Matthias Hegel und Jula Ansorge sorgen für erhöhten Puls! Aber auch andere Figuren bekommen ihre Kapitel. In 65 Kapitel auf gut 330 Seiten rast man Schlag auf Schlag durch das Buch. Ein atemloser Thriller, der jedes Thriller-Herz schneller schlagen lässt!

Droemer, 332 Seiten; 12,99 Euro

   Kristina Pfister – Ein unendlich kurzer Sommer

Wo soll man eigentlich hin, wenn man vor sich selbst davonläuft? In irgendeinen Zug einsteigen und bis zur Endstation fahren? So jedenfalls landet Lale auf dem heruntergekommenen Campingplatz an diesem See, der fast zu schön ist. Sie hilft dem alten, grantigen Besitzer Gustav beim Renovieren der maroden Bäder, füttert die flauschigen Kaninchen, trägt jeden Tag die gleiche, alte Latzhose und schweigt. Bis Christophe diese vermeintliche Ruhe durcheinanderbringt. Christophe mit den dunklen Augen, angereist vom anderen Ende der Welt, auf der Suche nach seinen Wurzeln. Christophe, der zu spüren scheint, was Lale fühlt.

Was für ein melancholisch angehauchter Buchtitel: „Ein unendlich kurzer Sommer“. Ja, auch ich finde, dass der Sommer immer viel zu schnell wieder vorbei ist. Und das trifft leider auch auf die Lektüre von Kristina Pfisters Sommer-Roman zu. Viel zu schnell ist man durch die aufwühlende und trotzdem oft luftig leichte Geschichte von Lale, Christophe und Gustav geeilt. Die Geschichte umweht einen wie eine leichte Sommerbrise!

Fischer, 368 Seiten; 16,00 Euro