August 2018

Kolumne vom 20.08.2018 - Nr.522


Sabine Weiß

daumen rauf

Die Arznei der Könige

Die Arznei der Könige

Lüneburg im 14. Jh. Nach dem Tod ihrer Familie hat die junge Adlige Jakoba in einem Kloster ihre Bestimmung als Krankenpflegerin gefunden. Doch ihr Bruder zwingt sie in eine neue Ehe, und als ihr brutaler Mann einem Unfall zum Opfer fällt, muss Jakoba fliehen. Nur der Hilfe Arnolds, eines Theriak-Krämers, hat sie es zu verdanken, dass sie sich nach Paris durchschlagen und als Heilerin einen Namen machen kann. Rasch ist sie so erfolgreich, dass sogar der sieche König nach ihr ruft und nach der „Arznei der Könige“ verlangt. Doch damit macht sie sich gefährliche Feinde.

Sabine Weiß gehört zu den besten Historien-Ladys Deutschlands! Mit ihrem neuen Roman „Die Arznei der Könige“ zeigt sie eindrucksvoll, warum das so ist. Fesselnd von der ersten Seite an. Jakoba ist eine Figur, an die sich der Leser sofort dranhängt. Sie will frei von den Zwängen ihrer Familie sein, auch wenn sie dann die Pein im Kloster ertragen muss. Doch das ist ja nur der Anfang von Jakobas Weg. Der bringt noch so viele Unwegsamkeiten mit sich, Jakoba muss immer stark sein, um das zu erreichen, was sie so gerne will, anderen helfen und heilen. Die historischen Details, das Ambiente, die Beschreibung des Mittelalters, alles stimmt bei Sabine Weiß.

Bastei Lübbe, 637 Seiten; 11,00 Euro


Thomas Rydahl

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Der Einsiedler

Der Einsiedler

Am Strand von Fuerteventura wird die Leiche eines kleinen Jungen gefunden. Niemand scheint das Kind zu vermissen, und so versucht die Polizei, den Fall unter den Teppich zu kehren, um die anstehende Feriensaison nicht zu gefährden. Als der Taxifahrer Erhard Jorgenson, knapp 70 Jahre alt und ein Einzelgänger, davon Wind bekommt, macht er sich mit unerschütterlicher Hartnäckigkeit auf die Suche nach der Wahrheit. Aber kann ein alter Mann, der aus der Zeit gefallen scheint, ein Mordkomplott aufklären, das weit über die Küste Fuerteventuras hinausreicht?

Auf den Krimi „Der Einsiedler“ vom Dänen Thomas Rydahl war ich sehr gespannt. Die Story hörte sich vielversprechend an, auch der Ort, an dem sie spielt, und ein besonderer Ermittler sollte mich erwarten. Nicht unerwähnt soll die stattliche Seitenzahl von über 600 bleiben. Für einen Krimi durchaus ambitioniert, wenn man hier Spannung und Atmosphäre durchgängig aufrechterhalten will. Aber genial, wenn man es schafft. Thomas Rydahl schafft es nicht! Die erste Hälfte des Buches ist sehr langatmig. Die Inselatmosphäre ist das, was einen noch etwas bei der Stange hält. Aber man will ja einen spannenden Krimi lesen und kein Reisebuch. Die Story gewinnt dann zwar etwas an Spannung, aber das kann das Buch auch nicht mehr retten.

Heyne, 606 Seiten; 23,00 Euro


Dirk Husemann

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Die Bücherjäger

Die BücherjägerKonstanz 1417: Poggio Bracciolini ist ein Meister im Aufstöbern antiker Texte - ein Bücherjäger, der sich in altehrwürdige Klosterbibliotheken einschleicht. In einem Bergkloster am Bodensee entdeckt er ein Buch, das an eine Kette gelegt ist. Doch kaum hat Poggio die ersten brisanten Zeilen entziffert, ist der Foliant verschwunden. Entschlossen nimmt der Bücherjäger die Verfolgung der Diebe auf. Denn wenn der Text in die falschen Hände gerät, wird er die gesamte abendländische Welt ins Wanken bringen.

Dirk Husemann hat sich vom Geheimtipp im historischen Roman zu einer festen Größe entwickelt! Er begeisterte die Leser bisher immer mit großen und ideenreichen Geschichten aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten. Nach „Ein Elefant für Karl den Großen“, „Die Seidendiebe“ und „Die Eispiraten“ spielten seine neuen historischen Leckerbissen „Die Bücherjäger“ nun im 15 Jahrhundert. „Die Bücherjäger“ überzeugt erneut mit einer ideenreichen, spannenden und wendungsreichen Geschichte. Dirk Husemann geht ins Detail, hält das Erzähltempo aber trotzdem hoch. Historische Langeweile? Nicht mit einem Roman von Dirk Husemann.

Bastei Lübbe, 447 Seiten; 11,00 Euro


Myriam Rawick

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Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen – Mein Tagebuch Aleppo 2011 - 2017

Mama sagt dass selbst die Vögel nicht mehr singen Mein TagebuchMyriam ist knapp sieben Jahre, lebt mit ihren Eltern in Aleppo, liebt das Gewimmel auf dem Basar und die Gerüche des Jabel-Saydé-Viertels, wo sie und andere armenische Christen wohnen. Als im September 2011 die Unruhen ausbrechen, rät die Mutter ihr, ein Tagebuch zu führen, um den Schrecken zu bannen. Myriam hält fest, wie ihre Welt in Terror und Angst zusammenbricht, sie von einem Viertel ins nächste ziehen müssen, Cousins sterben oder entführt werden. Nur selten kann sie dem Terror ringsum ein kurzes kindliches Glück abtrotzen. Doch sie und ihre Familie halten unverbrüchlich zusammen und überleben mit Glück und Geschick das unfassbare Leid.

„Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen“ – ja, bei der Lektüre der erschütternden und ergreifenden Tagebücher der jungen Myriam erlebt man die die Schrecken des Syrien-Krieges so nah aus den Augen eines Kindes mit, das es beim Lesen schmerzt. Hier singen keine Vögel mehr, geschweige denn gibt es noch normales menschliches Treiben und Geplapper. Der Krieg hat alles vernichtet. Am 15. Dezember 2016 kam der französische Journalist Philippe Lobjois nach Aleppo, lernte Myriam und ihre Familie kennen und erfuhr von ihrem Tagebuch. Später half er ihr, es aus dem Arabischen ins Französische zu übertragen.

Blessing, 175 Seiten; 15,00 Euro


Bana Alabed

daumen rauf

Ich bin das Mädchen aus Aleppo

Ich bin das Mädchen aus Aleppo

Bana Alabed war sieben Jahre alt, als sie sich an die Welt wandte, um die Gewalt, die Angst, den Horror auszudrücken, die sie und ihre Familie im Bürgerkrieg in Syrien erlebten - per Twitter. Ihre Botschaften bewegten die Welt, sie gaben dem Elend und Millionen unschuldigen Kindern eine Stimme.

Ein Buch, das die Schrecken des Krieges durch die Kinderaugen der Bana Alabed und ihrer Mutter zeigt. Ein weiteres Buch zum Syrien-Krieg, das man gelesen haben sollte. Das Buch ist sehr schön und liebevoll aufgemacht und mit zahlreichen Fotos versehen. Kritische Stimmen sagen, dass die „süße“ Bana Alabed nur vorgeschickt wurde, um Mitleid zu erregen. Sei es dahingestellt, Bana Alabed ist aber nur eines von Hunderttausenden von Kindern, die die Schrecken des Krieges erleben mussten. Diese eine Stimme steht nun da, für alle die, die kein Buch schreiben und veröffentlich können, um auszudrücken, was in Syrien Schreckliches geschehen ist. Und noch geschieht.

Lübbe, 203 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Brad Parks

Nicht ein Wort

Nicht ein Wort Hörbuch

Die Kinder Emma und Sam von Bundesrichter Scott Sampson sind unbemerkt vor der Schule entführt worden. Das erfährt er, als seine Frau Alison ohne die beiden Kinder nach Haue kommt. Dann klingelt das Telefon. „Ihre Kinder sind in unserer Gewalt!“ sagt eine Stimme. Wenn Scott sie wiedersehen will, hat er genaue Instruktionen in einem Drogenfall zu befolgen, der am nächsten Tag verhandelt werden soll. Plötzlich steht das Schicksal seiner gesamten Familie auf dem Spiel, und Scott Sampson muss die schwerste Entscheidung seines Lebens treffen: Wird er Recht sprechen oder seine Familie retten?

„Nicht ein Wort“ verursacht allerhöchste Suchtgefahr! Ein in vielen Bereichen perfekter Thriller. Brad Parks ist mit „Nicht ein Wort“ ein Harlan-Coben-Thriller 2.0 gelungen! Wie es dem amerikanischen Autor gelingt, die Spannung bis zum Ende hoch zu halten ist beeindruckend. Ich dachte öfter, so, nun ist doch eigentlich ein Spannungshöhepunkt erreicht, was soll nun noch kommen? Brad Parks findet darauf aber immer wieder eine neue spannende Antwort. Einen großen Hauch Hollywood-Kino bringt Sprecher Tobias Kluckert, die deutsche Stimme von u. a. Bradley Cooper und Gerald Butler, in die Geschichte ein. Er liest diesen Thriller nicht einfach nur gekonnt, nein, er spielt praktisch jede Szene. Legt in jeden Satz Stimmung, Gefühl und Ausdruck. Eine perfekte Lesung für einen perfekten Thriller!

Nicht ein Wort

 

Auch als Paperback erhältlich bei Fischer, 14,99 Euro.

 

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 750 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 13.08.2018 - Nr.521


Bettina Röhl

daumen rauf

Die RAF hat Euch lieb

Die RAF hat Euch lieb

Brauchte die Bundesrepublik die Revolte von 68? Ist 68 gar das Jahr einer „Neugründung“ der heutigen Bundesrepublik? Die APO-Bewegung – und ihre „Speerspitze“, die RAF – ist das wohl meist beschriebene Thema der neueren politischen Geschichte des Landes. Mit bisher unbekannten Fakten und den Stimmen neuer Zeitzeugen unterlegt, liefert Bettina Röhl, die als Kind die Gründung der RAF hautnah miterlebte, eine Analyse und erzählt die scheinbar bekannte Geschichte neu. Bei ihren Recherchen fand die Autorin zahlreiche bisher unveröffentlichte Briefe, Dokumente und Fotos, die den Leser die damalige Zeit miterleben und nachvollziehen lassen.

Ich habe bereits zahlreiche Bücher über die RAF-Geschichte in den letzten zehn Jahren auf denglers-buchkritik besprochen. Es ist schon viel gesagt zu dem Thema, und doch gewährt Bettina Röhls Buch „Die RAF hat Euch lieb“ einen etwas anderen Blick auf die damalige Zeit und ihre Akteure. Für Leser die es nicht wissen sollten, Bettina Röhl ist die Tochter von Ulrike Meinhof. Ulrike Meinhof, ein fanatischer Charakter durch und durch. Das wusste man zwar zuvor schon, doch Bettina Röhl zeigt eben doch noch einmal einiges Neues auf. „Die RAF hat Euch lieb“ verspricht dem Leser eine spannende Lektüre und einen interessanten Blick auf die 68er! Das Buch ist in drei Hauptthemen unterteilt: „Auf dem Höhepunkt von 68“, „Die Entstehung der RAF“ und „Mythos Meinhof“.

Heyne, 636 Seiten; 24,00 Euro


Bronnie Ware

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5 Dinge, die wir von unserer Krankheit lernen können

5 Dinge die wir von unserer Krankheit lernen können

Bronnie Ware erfüllte sich mit über 40 ihr größten Traum: Sie wurde Mutter. Doch dann begegnete ihr die größte Herausforderung ihres Lebens: Rheumatoide Arthritis – eine sehr schmerzhafte Autoimmunkrankheit, die weitreichende körperliche Einschränkungen mit sich bringt. Mit Mut und Hingabe nimmt sie ihr Schicksal an. Und sie zeigt von chronischer Krankheit Betroffenen, wie das Hier und Jetzt zum Lehrmeister werden kann.

Die Australierin Bronnie Ware landet mit ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ einen Bestseller. Nach so einem Erfolg möchte man als Autorin natürlich mehr, und so folgt nun ihr nächstes „5-Dinge“-Buch. Doch es handelt sich hierbei um ein Buch, mit der selbst erlebten Leidensgeschichte. Natürlich ein sehr ernstes Thema. Bronnie Ware ist zu bewundern, wie sie mit ihrem Schicksal umgeht, wie viele andere Menschen aber auch, die Ähnliches erleiden. Doch Bronnie Ware hat darüber ein Buch geschrieben, und das ist nicht besonders inspirierend zu lesen. Sie erzählt von sich, ihrem Alltag und ihrem Leben. Das ist manchmal interessant, aber meist langweilig. Dann driftet sie immer wieder in andere Sphären ab, was auf mich eher befremdlich wirkt. Man hofft mit ihr, dass sie für sich einen guten Weg findet, aber das Buch ist keine Hilfe für Menschen, die selbst in einer ähnlichen Lage sind.

Arkana, 314 Seiten; 20,00 Euro


Stefan Schweizer

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Die Akte Baader

Die Akte BaaderAndreas Baader wächst ohne Vater bei Mutter, Tante und Großmutter auf. Früh zeichnen sich trotz verzweifelter Bemühungen der Mutter schulische Probleme und berufliches Scheitern ab. Baader schlittert in die Kriminalität, bewegt sich gern in der halbseidenen Münchener Schickeria, um dann in Berlin einen Politisierungsschub zu erfahren. Mit der Kommune 1 und der Kaufhausbrandstiftung 1968 vollzieht sich sein Weg vom Rebell zum Revolutionär. Mit der Gründung der linksrevolutionären Roten Armee Fraktion (RAF) wird er zum Staatsfeind Nr. 1!

Nach „Die RAF hat Euch lieb“, bei der Ulrike Meinhof im Mittelpunkt stand, dreht sich in „Die Akte Baader“ alles um den anderen großen Namen der RAF, Andreas Baader. Autor Stefan Schweizer geht einen etwas anderen Weg. „Die Akte Baader“ ist ein biografischer Roman, kein Sachbuch. Realität und Fiktion gehen hier Hand in Hand. Aber das tut der Qualität keinen Abbruch, ganz im Gegenteil, „Die Akte Baader“ wird so zu einem fesselnden Krimi! Stefan Schweizer zeigt, dass Andreas Baader nicht der große „Terror-Popstar“ war, für den ihn viele hielten, sondern nur ein junger Mann mit einer Menge Probleme, einem starken Hang zur Gewalt und einer übergroßen Selbstüberschätzung war. Der Mythos Baader ist nach dieser Krimi-Bio keiner mehr.

Gmeiner, 313 Seiten; 15,00 Euro


Alexander von Humboldt

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Das Buch der Begegnungen

Das Buch der BegegnungenWagemut und Wissbegier, ein feines Beobachtungs- und Differenzierungsvermögen und vor allem die unbändige Lust an immer neuen Begegnungen machten Alexander von Humboldt vor 200 Jahren zu einem epochalen Weltentdecker. Das Buch zeigt einen warmherzigen Menschen ohne Berührungsängste. Auf seiner Reise in die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804 hielt der preußische Kosmopolit eine Vielzahl exotischer Physiognomien fest und sah die Welt, wie sie vor ihm noch keiner gesehen hatte. Als einer der ersten Europäer überhaupt kritisierte er Kolonialismus, Sklavenhandel und christlichen Bekehrungseifer. Dagegen betonte er die Würde und den kulturellen Reichtum vermeintlich primitiver Völker.

2018/2019 sind die großen Humboldt-Jahre. Es erscheinen zahlreiche Werke mit unterschiedlichen Ansätzen. „Das Buch der Begegnungen“ ist eines davon, und sicher eines der schönsten Exemplare. Manesse präsentiert dem Leser aber nicht nur eine edle Ausführung, sondern das Buch um Alexander von Humboldts „Amerikanischen Reisetagebücher“, eine Auswahl aus 4.500 Seiten, bietet viel Lesenswertes und Überraschendes. Man taucht ein in die Welt, so wie Humboldt sie damals erlebte. Eine Abenteuergeschichte, die man selbst vielleicht nicht unbedingt erleben wollte – aber lesen tut man das Erlebte mit Erstaunen. Und man erkennt, dass das Universalgenie seiner Zeit weit voraus war. Im denken, fühlen und handeln.

Manesse, 395 Seiten; 45,00 Euro


Lucy Cooke

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Die erstaunliche Wahrheit über Tiere

Die erstaunliche Wahrheit über Tiere

Aale, die aus Sand entstehen; Schwalben, die unter Wasser Winterschlaf halten; und Bären, die gestaltlose Klumpen auf die Welt bringen, die erst von ihren Müttern in Form geleckt werden müssen – die Geschichte wimmelt von abstrusen Behauptungen über Tiere, erfunden von den hellsten und einflussreichsten Köpfen ihrer Zeit. Diese Erklärungsversuche offenbaren nicht nur Interessantes über die Tiere, sondern auch über uns und die Dinge, an die wir glauben. Die Autorin deckt zahlreiche Mythen und Irrtümer auf, verrät faszinierende und höchst unterhaltsame Fakten, die sie gesammelt hat, während sie Hyänen hinterherjagte, Fledermäuse ausspionierte und betrunkene Elche stalkte. Sie erklärt, warum Faultiere ihr Leben riskieren, wenn sie ihren Darm entleeren; Pinguine manchmal unter Depressionen leiden; und dass sogar die bizarrste Theorie einen wahren Kern haben kann.

Ein Fest von einem Buch- über Tier und Menschen! Was tun Tiere und was denken Menschen. Ganz unterschiedlich sehen wir so manches Phänomen. Einen wunderbaren Einblick in die Tierwelt bietet die Engländerin und studierte Zoologien Lucy Cooke mit „Die erstaunliche Wahrheit über Tiere“. Ein Buch, das man einfach liebhaben muss! Folgende Tiere sind Geschichten in diesem Buch gewidmet: Aal, Biber, Faultier, Hyäne, Geier, Fledermaus, Frosch, Storch, Flusspferd, Elch, Panda, Pinguin und Schimpanse.

Malik, 365 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Corina Bomann

Die Frauen vom Löwenhof – Agnetas Erbe

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Agneta wird mit einem Telegramm vom geliebten Stockholm zurück aufs Land gerufen. Ihr Vater und ihr Bruder sind bei einem Brand ums Leben gekommen. Dabei hatte sie sich schweren Herzen von ihrer mächtigen Familie losgesagt, um in der Stadt ein freies Leben als Malerin führen zu können. Jetzt werden ihr Titel, Glanz und Vermögen zu Füßen gelegt, sie soll das Erbe ihres Vaters antreten als Gutsherrin vom Löwenhof. Ihre Wünsche und Träume sind andere, sie sehnt sich nach einem Leben an der Seite von Michael, einem aufstrebenden Anwalt. Selbstlos stellt Agneta sich der Pflicht und Familientradition. Ihr Herz jedoch kann nicht vergessen und sehnt sich nach Liebe.

Corina Bomann hat mit ihrer Familiensaga „Die Frauen vom Löwenhof“ ganz großes, spannendes und dramatisches Hollywood-Kino Made in Germany verfasst! „Agnetas Erbe“ macht den Anfang und der alleine hat schon Höchstnoten verdient. Agneta ist eine starke und moderne Frauenfigur in unruhigen Zeiten. Die deutsche Bestsellerautorin Corina Bomann stellt diese Frauenfigur in eine historisch interessante Zeit und lässt sie Glück, Freude, Trauer durchleben, schickt sie auf eine Reise, die sie und auch die Leserinnen und Leser verändern wird. Diese starke Frauenfigur der Agneta braucht auch eine starke weibliche Stimme, und die hat Hörbuch Hamburg in Nora Jokhosha gefunden. Sie hat Kraft in der Stimme und verleiht Agneta aber auch weiche Akzente. Hörprobe

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Auch als Taschenbuch erhältlich bei Ullstein, 10,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 912 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 06.08.2018 - Nr.520


Matthew Desmond

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Zwangsgeräumt

Zwangsgeräumt

Matthew Desmond nimmt den Leser mit in die ärmsten Viertel von Milwaukee, einer mittelgroßen, normalen amerikanischen Großstadt. Er erzählt die Geschichte von acht Familien am Rande der Gesellschaft. Die meisten armen Mieter stecken heute über die Hälfte ihres Einkommens in die Miete, so dass Zwangsräumungen zu einem alltäglichen Phänomen geworden sind - vor allem für alleinerziehende Mütter.

Nach der Lektüre weiß man, wie wertvoll es ist, ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben! Man wusste es sicher auch schon vor der Lektüre, aber danach schätzt man es noch um ein Vielfaches mehr. „Zwangsgeräumt“ zeigt das Innenleben der amerikanischen Gesellschaft, vor allem der unteren Schicht, die praktisch jeden Tag kämpfen muss, das Geld zu verdienen, um ihre Miete bezahlen zu können. Die Geschichten, die Matthew Desmond in „Zwangsgeräumt“ schildert, gehen unter die Haut! Es kommt aber auch die andere Seite zu Wort. Wie übel es sein kann, Vermieter dieser Menschen zu sein, und man selbst immer mit einem Bein vom Bankrott entfernt ist, weil die Mieten nicht pünktlich oder gar nicht bezahlt werden. Meist handelt es sich bei den Vermietern auch um Einzelpersonen mit ein, zwei Angestellten. Der wirtschaftliche Kampf, um nicht über den Abgrund zu fallen, wird auf allen Seiten ausgefochten. Die Geschichten im Buch fanden zwischen Mai 2008 und Dezember 2009 statt. Das Buch wurde 2016 verfasst und mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

Ullstein, 536 Seiten; 26,00 Euro


Claudia Rikl

daumen runter

Das Ende des Schweigens

Das Ende des Schweigens

Neubrandenburg. Hans Konrad, ein ehemaliger Major der NVA hat sich in seiner Datsche die Pulsadern aufgeschnitten. Seine Zunge liegt abgeschnitten neben ihm. Doch kein Selbstmord? Journalistin Susanne Ludwig findet den Leichnam. Der grausige Anblick beschwört bei ihr traumatische Erinnerungen herauf, trotzdem beginnt sie sofort zu recherchieren, wer den alten Mann umgebracht haben könnte. Was dem ermittelnden Kommissar nicht gefällt. Vor fast 30 Jahren hat Kriminalhauptkommissar Michael Herzberg im berüchtigten Stasigefängnis Bautzen II eingesessen. Objektiv kann er deshalb nicht bleiben, als der Fall ihn mit düsteren Kapiteln der DDR-Geschichte und einem noch aktiven Netzwerk ehemaliger Militärs und Stasimitarbeiter konfrontiert. Dennoch ist er überzeugt, dass der Fall mit seiner persönlichen Geschichte nichts zu tun hat. Ein fataler Irrtum.

Ein interessantes Thema macht noch keinen guten Kriminalroman, so muss man das Krimidebüt von Claudia Rikl sehen. Es hört sich alles spannend an, aber leider ist die Umsetzung nicht mit Spannung gesegnet, sondern eher mit vielen Gähnattacken des Lesers. 522 Seiten für einen Kriminalroman sind ja auch stattlich. Da muss man schon ein Meister seines Fachs sein, um diese Seiten auch mit viel Spannung und Leben auszufüllen, so dass der Leser immer gefesselt bleibt. Claudia Rikl gelingt das nur in wenigen Phasen der Geschichte. Auch die Figuren sind nicht so gestaltet, dass man sich unbedingt für sie erwärmen kann. Claudia Rikl schreibt derzeit am nächsten Fall für Michael Herzberg.

Kindler, 522 Seiten; 14,99 Euro


Yusra Mardini

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Butterfly

ButterflyYusra Mardini wächst in Damaskus in einer schwimmbegeisterten Familie auf. Von klein an trainiert sie in jeder freien Minute, denn sie hat einen großen Traum: bei den Olympischen Spielen als Schwimmerin anzutreten. Doch dann bricht in ihrer Heimat Syrien der Bürgerkrieg aus und macht alle Hoffnung zunichte. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Sara flieht Yusra 2015 nach Europa. Bei der Überfahrt über die Ägäis droht das mit 20 Flüchtlingen völlig überfüllte Schlauchboot einer Schlepperbande zu sinken. Ohne lange nachzudenken, springen die beiden Leistungs-Schwimmerinnen Yusra und Sara ins Wasser und ziehen, unterstützt von zwei weiteren Flüchtlingen, das Boot über Stunden hinweg an die griechische Küste. So retten sie allen Flüchtlingen das Leben. Ihre Flucht aus Syrien führt die Schwestern weiter nach Berlin. Dort nimmt Yusra nicht nur endlich wieder ihr Schwimmtraining auf, sondern steht 2016 vor der Erfüllung ihres Traums, als sie als Teilnehmerin des Flüchtlings-Teams nach Rio zu den Olympischen Spielen reisen darf.

Yusras Geschichte zeigt, wie aus einem ganz normalen Teenagerleben, das von dem Ehrgeiz des Vaters, dass die Tochter ein Schwimm-As werden muss, bestimmt wird, ein Leben wird, das Tag für Tag, Monat für Monat immer mehr in die Hölle des Krieges abgleitet. In „Butterfly“ erlebt man noch einmal mit, wie aus dem friedlichen Land Syrien ein Kriegsgebiet wurde. Wie normale Bürger täglich zu Hunderten, dann zu Tausenden starben. Einfach so. Flucht aus dem Land war das Einzige, was noch einen Sinn ergab. Aber in ein Land, wo junge Menschen auch eine Zukunft haben. Deutschland. So schwer zu verstehen ist das nicht. Auch wenn nicht wenige in unserem Land es nicht so sehen. Man erlebt noch einmal die geschichtshistorische Zeit des Sommers 2015 mit. Yusra war ein Teil davon. Sie und ihre Schwester waren zwei Flüchtlinge von Hunderttausenden, nein, zwei Mädchen, die eine Zukunft ohne Krieg wollten. Zum Ende der Geschichte muss man sagen, dass Yusra natürlich ein sehr hübsches Mädchen ist, das, gepaart mit ihrer Persönlichkeit, ihren Heldenmut und ihren sportlichen Erfolg, haben ihre Geschichte aus den hunderttausend anderer herausstechen lassen. Das machte sie in gewisser Weise berühmt und gesellschaftspolitisch auch zu einer herausstechenden jungen Frau. Respekt vor allen Menschen zu haben, das hat Yusra Mardini früh gelernt. Diesen Respekt sollten wir alle haben.

Knaur, 352 Seiten; 19,99 Euro


Julianne Donaldson

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Eine Liebe in Blackmoore

Eine Liebe in BlackmooreEngland, 1820. Kate Worthington hat sich geschworen, niemals zu heiraten. Sie möchte frei sein und die Welt bereisen. Ihre Mutter missbilligt das, schließlich ziemt sich das nicht für eine junge Frau. Als Kate jedoch auf das Anwesen Blackmoore eingeladen wird, lässt sie sich auf eine Wette mit ihrer Mutter ein: Gelingt es Kate, drei Heiratsanträge in Blackmoore zu bekommen – und sie alle abzulehnen –, ist sie frei. Wenn nicht, entscheidet ihre Mutter über ihre Zukunft. Ein Kinderspiel, denkt Kate. Doch kaum in Blackmoore angekommen, merkt sie, dass es gar nicht so leicht ist, in wenigen Tagen drei Männerherzen zu erobern – und zu brechen.

Die Amerikanerin Julianne Donaldson, die England liebt und sich als hoffnungslose Romantikerin sieht, verarbeitet beide Einflüsse in ihrem zweiten Roman „Eine Liebe in Blackmoore“. Man merkt der Lektüre die Liebe der Autorin zu England und zu der Zeit an, in der sie spielt, denn die Geschichte versprüht unheimlich viel Charme. Und Romantisch ist das Ganze durch und durch. Die Story klinkt frisch und ideenreich, und das ist sie auch.

Pendo, 364 Seiten; 16,00 Euro


Dr. Jean M. Twenge

daumen rauf

Me, My Selfie and I

Me My Selfie and I

Sie sind zwischen 1995 und 2005 geboren und damit die erste Generation, die schon im Jugendalter ein Smartphone besitzt. Sie verbringen Stunden in sozialen Netzwerken und mit dem Schreiben von Kurznachrichten, aber sehen ihre Freunde seltener von Angesicht zu Angesicht. Sie sind toleranter, drehen sich jedoch mehr um sich selbst. Sie werden langsamer erwachsen und haben ein höheres Sicherheitsbedürfnis. Dieses Buch zeigt einen bildhaften Querschnitt der neuen Generation.

Die amerikanische Psychologin Dr. Jean M. Twenge hat mit „Me, My Selfie and I“ ein aufschlussreiches und tiefblickendes Buch in das Herz der neuen Generation geschrieben! Punkte des Buches sind u. a.: „Alle machen mit: Soziale Medien“, „Sind Bücher tot?“, „Die Displays werden dunkel - Psychische Gesundheit und Glück“, „Verlassen und einsam“, „Schwere depressive Störungen, Selbstverletzung und Selbstmord“, „Verlust von Religion und Spiritualität“, „Isoliert, aber nicht wirklich“, „Die Generation Selfie als Käufer“, „Sex in der Tinder Generation“, „Die Generation Selfie verstehen und ihr helfen“.

Mosaik, 479 Seiten; 15,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Greer Hendricks und Sarah Pekkanen

The Wife Between Us

Greer Hendricks und Sarah Pekkanen

Das perfekte Leben, für Vanessa gab es das einmal. Doch seit der Scheidung von Richard ist sie ein Wrack. Nur ein Gedanke hält sie aufrecht: seine Hochzeit mit der anderen zu verhindern. Nellie dagegen schwebt im siebten Himmel. Ausgerechnet sie, die alles andere als ein aufregendes Leben führt, hat sich der attraktive, charismatische Richard ausgesucht. Alles wäre perfekt, gäbe es da nicht Dinge, die aus dem neuen Heim verschwinden. Und diese Frau, die sie beobachtet.

„The Wife Between Us“ spielt mit den Versatzstücken des Thrillers und des dramatischen Liebesromans. Geschickt verweben die beiden Autorinnen die Geschichten der beiden weiblichen Hauptfiguren. Man leidet mit der einen und freut sich mit der anderen. Doch das ändert sich plötzlich. Warum? Lassen Sie sich überraschen. Der Roman lebt von den Überraschungsmomenten, die so ganz unverhofft auftauchen, und der präzisen Zeichnung der beiden Frauenfiguren. Und das Ende hält dann einen richtigen Knalleffekt parat. Das lässt die zeitweisen Längen des Romans, und die Frage, wo der Roman hinführen soll, vergessen. Dagmar Bitter fühlt sich mit ihrer Lesung in beide Frauenfiguren gut ein. Sie verleiht Vanessa und Nellie jeweils eine passende Stimme und Stimmung. Hörprobe

Greer Hendricks und Sarah Pekkanen



Auch als Paperback erhältlich bei Rowohlt Polaris, 12,99 Euro.

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 780 Minuten; 12,95 Euro


Denglers-buchkritik.de