Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 17.06.2019 - Nr.565


Karin Ernst

daumen rauf

Überflieger

Überflieger

Claire und ihr Mann Niko glauben, es geschafft zu haben. Sie genießen finanzielle Unabhängigkeit, bewohnen ein wunderbares Haus in einer beliebten Großstadt, sehen blendend aus und sind gesund. Und sie haben natürlich zwei großartige und begabte Kinder, denen der Erfolg quasi in die Wiege gelegt wurde. Cordelia, die Ältere, ist eine talentierte Pianistin, vor allem aber ruhen die Hoffnungen auf dem jüngeren Sohn Raffi, der sich schon als Dreijähriger Lesen und Schreiben beigebracht hat und von dem alle Großes erwarten. Doch mit Raffis Schuleintritt erweisen sich sämtliche Hoffnungen als reine Fantasie, und es beginnt eine wahre Tour de Force für die Familie.

Der Titel des Buches ist Programm. Das Buch ist ein echter Überflieger. Ein deutscher Gesellschafts-, Familien- und Eheroman der Extraklasse! Wie Karin Ernst zeigt, wie ein ach so schönes und auch schön gedachtes Familienleben komplett aus den Fugen gerät, weil sich der Sohn nach Schuleintritt anders entwickelt als gedacht, ist große Kunst. Ich habe mit allen Figuren mitgelebt und mitgelitten. Vor allem zeigt das Buch auch, wie überfordert arbeitende Eltern sein können, weil die eigenen Kinder sie so fordern. Man kann seine Kinder lieben und trotzdem an einen absoluten körperlichen und seelischen Tiefpunkt gelangen. Weiter geht Karin Ernst auch auf das Schulsystem und seine Tücken ein. Hier zeigt sich, dass die Kinder, die Lehrer und eben auch die Eltern oft am Anschlag sind.

Droemer, 440 Seiten; 19,99 Euro


Joe Mungo Reed

daumen runter

Wir wollen nach oben

Wir wollen nach oben

Sol und Liz sind ein Power-Paar. Sol ist Radprofi und fährt für das britische Team bei der Tour de France, ist aber nicht der Star des Teams. Liz forscht als Genetikerin zur DNA von Zebrafischen und droht ihre Fördergelder zu verlieren, wenn der Durchbruch nicht kommt. Nicht alles lässt sich planen, und seit Sol und Liz einen Sohn bekommen haben, ist ihr Leben nicht leichter geworden. Das Tempo drosseln, Schwäche zulassen, ausruhen, das alles ist keine Option, denn die Tour fordert alles von der jungen Familie. Als Sols Trainer ihm ans Herz legt, sich dopen zu lassen, ist es schließlich Liz, die ihn von dem Schritt überzeugt. Und ist dies erst der Anfang, denn immer tiefer verwickelt sich das Paar in illegale Aktivitäten..

Ein Roman, von dem ich mir viel erwartet hatte! Einen besonderen Eheroman eines besonderen Power-Paars. Doch davon ist auf den 286 Seiten nur in kleinen Ansätzen etwas zu finden. Ein spannender Aufbau der Beziehung von Liz und Sol? Fehlanzeige. Dafür langweilt Joe Mungo Reed einen seitenweise mit Radsport. Das kann man durchaus spannend erzählen, doch in dieser Geschichte liest sich das wie ein platter Radreifen. Wer Radsport über alles liebt, der kann diesem Roman vielleicht ein bisschen etwas abgewinnen, aber für alle anderen ist dieser ein sportliches und literarisches Trauerspiel.

dtv, 286 Seiten; 22,00 Euro


Viola Shipman

daumen rauf

Ein Cottage für deinen Sommer

Ein Cottage für deinen SommerAdie Lou verbrachte die Sommerferien als Kind im Cottage, das Cozy Cottage, ihrer Eltern am Michigansee. Damals waren Schwimmreifen und Angeln genug für das Glück endlos scheinender Tage am Wasser. Auf der Suche nach diesem Gefühl gibt sie nach ihrer Scheidung ihre Stelle in Chicago auf und zieht an den See. Wird es ihr gelingen, das Ferienhaus ihrer Familie in ein stylisches und gemütliches Inn umzubauen? Und wer wird ihr helfen, ihren Traum zu verwirklichen?

Die Amerikanerin Viola Shipman schreibt Romane, die zum träumen und fürs Herz sind! Mit ihren ersten drei Büchern „Für immer in deinem Herzen“, „So groß wie deine Träume“ und „Weil es dir Glück bringt“ hat sie sich eine große Fangemeinde aufgebaut Nun ist ihr vierter Roman erschienen „Ein Cottage für deinen Sommer“. Mit Adie Lou erlebt man schöne, leichte und stürmische Zeiten im Cozy Cottage. Man fühlt sich sofort wohl dort und erlebt alles intensiv mit. „Ein Cottage für deinen Sommer“ wird einen weit über den Sommer hinaus in Erinnerung bleiben. Eine Geschichte, die einen umarmt. Eine Geschichte, wie eine Wärmflasche für die Seele!

Krüger, 442 Seiten; 14,99 Euro


Kate Harris

daumen rauf

Auf der Seidenstraße

Auf der Seidenstraße

Vom Bosporus bis in den Himalaja – zwei Frauen auf der Reise ihres Lebens. Schon als Teenager träumte Kate Harris davon, eine Entdeckerin zu werden und als Astronautin zum Mars zu fliegen. Doch während ihres Wissenschaftsstudiums strauchelt sie. Und gemeinsam mit ihrer Freundin Mel bricht sie auf, um die sagenumwobene Seidenstraße mit dem Fahrrad zu erkunden: von Istanbul aus entlang des Schwarzen Meers über den Kaukasus bis nach Tibet und Indien. Dabei taucht sie ein in eine Welt jenseits aller Grenzen, die so ungestüm ist wie sie selbst.

Ein Buch voller bewegender Momente und Abenteuer! Zwei Frauen, die einen Traum Wirklichkeit werden lassen. Kate Harris entführt einen in ferne Länder mit spannenden Begegnungen, atemberaubende Naturerlebnissen und zeigt die Seidenstraße, wie sie heute ist. Durch Chinas Seidenstraßenprojekt ist die ja in aller Munde. Das macht das Buch noch interessanter.

Malik, 333 Seiten; 18,00 Euro


Walt Whitman

daumen rauf

Leben und Abenteuer von Jack Engle

Leben und Abenteuer von Jack Engle

So schmutzig und glanzvoll ist Amerika: Der Waisenjunge Jack Engle wächst um 1850 im multikulturellen New York auf. Er muss lernen, sich zu behaupten zwischen Armut und Wohlstand, zwischen korrupten Geschäftsleuten und windigen Politikern, zwischen verführerischen Tänzerinnen und nicht ganz trockenen Alkoholikern. Doch Jack schlägt sich durch in der wimmelnden Metropole. Gemeinsam mit seinen Freunden Nat und Martha gelingt es ihm schließlich sogar, die Machenschaften eines betrügerischen Anwalts aufzudecken.

Dtv lässt Walt Whitman wiederaufleben. Applaus dafür! Zuletzt habe ich bereits „Der schöne Mann“ freudig gelesen und besprochen. Nun erscheint auch bei dtv, der bereits 2017 bei Manesse und von mir besprochene Roman, „Leben und Abenteuer von Jack Engle“. Dieses Werk erschien 1852 als Fortsetzungsroman anonym in der „Sunday Dispatch“, und war über 150 Jahre verschollen. Walt Whitman zeigt darin schon seine großen literarischen Stärken! Und er erzählt von dem einfachen, aber spannenden Leben des Jack Engle und von einer pulsierenden, aufregenden, aber auch gefährlichen Stadt New York.

dtv, 244 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Mario Giordano

Tante Poldi und die Schwarze Madonna

Tante Poldi und die Schwarze Madonna Hörbuch


Lecktsmiamarsch, Poldis Geburtstag steht vor der Tür! Blöderweise sieht es nicht so aus, als ob sie den überleben würde. Denn als in Rom eine junge Ordensschwester vom Dach des Apostolischen Palastes stürzt, gerät die Poldi höchstpersönlich unter Verdacht. Einziger Hinweis auf den Täter: eine Schwarze Madonna. Und diesmal hat es die Poldi mit sehr gefährlichen Leuten zu tun. Als sich dann noch in Torre Archirafi auf einmal alle von ihr abwenden, reicht es ihr. Poldi stürzt sich in einen neuen Fall und gerät mit dem Commissario ihres Herzens ins Visier der Mörder.

Nach „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“, „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“ und „Tante Poldi und der schöne Antonio“ ist „Tante Poldi und die Schwarze Madonna“ der vierte Roman der Reihe. Die Tante-Poldi-Reihe ist Kult! Mario Giordano hat mit Tante Poldi eine bayerisch-italienische Miss Marple des 21. Jahrhunderts erschaffen. Und auch die Nebencharaktere haben unheimlich viel Charme. Die Tante-Poldi-Krimis sind einfach ein wahrer Leckerbissen! So auch der vierte Fall für die forsche Poldi. Christian Baumann hat nach dem genialen Philipp Moog mittlerweile auch das Tante-Poldi-Gen! Nachdem Baumann Moog im dritten Band ersetzt hatte war ich etwas enttäuscht, er kam nicht an Moog heran. Mit diesem vierten Band hat man Christian Baumann mittlerweile aber auch ins Hörerherz geschlossen. Hörprobe 10:00 Min.

Tante Poldi und die Schwarze Madonna



Auch als Paperback erhältlich bei Lübbe, 15,00 Euro.

 

Lübbe Audio, 6 CDs, 445 Minuten; 16,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 10.06.2019 - Nr.564


Javier Marias

daumen rauf

Berta Isla

Berta Isla

Tomás – halb Spanier, halb Engländer – ist ein Sprachentalent und verliebt in die junge Berta Isla. Sehr früh sind sich beide sicher, dass sie ein gemeinsames Leben wollen. Als er zum Studium nach Oxford geht, bleibt sie jedoch in Madrid zurück – nicht ahnend, dass Tomás dort einen schwerwiegenden Fehler begeht, der beide in eine verhängnisvolle Lage bringt. Um einer Haftstrafe zu entgehen, beginnt er, heimlich für den britischen Geheimdienst zu arbeiten. Schon bald nach seiner Rückkehr vermutet Berta, die inzwischen seine Ehefrau ist, dass Tomás ein Doppelleben führt. Als er dann zu Beginn des Falklandkrieges plötzlich spurlos verschwindet, beginnt sie endgültig zu hinterfragen, wen sie geheiratet hat.

Es gibt nicht viele Autoren auf der Welt, wo jeder neue Roman des Autors ein literarisches Großereignis ist. Javier Marias ist einer dieser wenigen Autoren! „Berta Isla“ ist eine Geschichte über die Liebe, über Beziehungen, über das große Glück, das zwei Menschen nicht haben dürfen. Ein Melodram allererster Güte! Man lernt beide Hauptfiguren, Isla und Tomás, auf intensive, auf mariassche Art kennen. Ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihr Tun, alles wird greifbar für den Leser. Ein enorm spannendes und psychologisch ausgereiftes Beziehungsdrama, das im literarischen Glanz erstrahlt!

S. Fischer, 654 Seiten; 26,00 Euro


Mary Higgins Clark / Alafair Burke

daumen runter

Mit deinem letzten Atemzug

Mit deinem letzten Atemzug

Die bombastische Met-Gala ist eigentlich der gesellschaftliche Höhepunkt des Jahres in Manhattan. Doch dann stürzt Virginia Wakeling, eine steinreiche Witwe und großzügige Mäzenin, vom Dach des Kunstmuseums. Schnell zeigt sich: Es war Mord. Und auch der Mörder scheint gleich festzustehen: Ivan, der über zwanzig Jahre jüngere Personal Trainer und Geliebte der Witwe. Doch die Polizei findet keine Beweise gegen ihn. Drei Jahre später soll Laurie Moran den Fall mit Hilfe ihrer TV-Sendung „Unter Verdacht“ endlich aufklären. Je näher sie das Umfeld der Verstorbenen kennenlernt, desto klarer wird ihr, dass es eine Vielzahl weiterer Verdächtiger gibt: Virginias erwachsene Kinder und Verwandte ebenso wie ihre angeblich allerengsten Freunde.

„Mit deinem letzten Atemzug“ ist der fünfte Band der Laurie-Morgan-Reihe. Die vier Bände zuvor konnten auch nicht durchweg überzeugen. Mal Spannung, mal Langeweile, ein paar zarte Wendungen hier und da. So und noch etwas schlechter gestaltet sich auch Band fünf. Richtig Spannung will nie aufkommen. Durch die eingängige Schreibweise kommt man zwar schnell voran, aber den Thrill erlebt man dabei eben nicht. Das Personal überzeugt auch nicht richtig. Das Buch bleibt im Mittelmaß hängen. Es steht wohl die einstige Ikone des Thrillers auf dem Cover, Mary Higgins Clark, aber geschrieben wurde das Buch wohl großteils von Alafair Burke. Die aber die Tochter des Bestsellerautors James Lee Burke ist.

Heyne, 367 Seiten; 19,99 Euro


Vincent Kliesch / Sebastian Fitzek

daumen rauf

Auris

AurisDie kleinste Abweichung im Klang einer Stimme genügt dem berühmten forensischen Phonetiker Matthias Hegel, um Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. Zahlreiche Kriminelle konnten mit seiner Hilfe bereits überführt werden. Hat der Berliner Forensiker nun selbst gelogen? Allzu freimütig scheint sein Geständnis, eine Obdachlose in einem heftigen Streit ermordet zu haben. Die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge, darauf spezialisiert, unschuldig Verurteilte zu rehabilitieren, will unbedingt die Wahrheit herausfinden. Doch als sie zu tief in Hegels Fall gräbt, bringt sie nicht nur sich selbst in größte Gefahr.

Ein Thriller wie ein Donnerhall! Super spannend von Anfang an. Die vielen Andeutungen lassen einen nicht ruhen und die Seiten fliegen nur so dahin. Das Ende kommt viel zu schnell. So wie „Auris“ muss ein spannender Thriller aussehen. Vincent Kliesch hat aus der Idee von Bestsellerautor Sebastian Fitzek einen genialen Thriller gemacht! Das Thema um den forensischen Phonetiker Matthias Hegel ist auch ein sehr besonders. Nach „Auris“ ist man süchtig nach mehr. Hoffentlich setzt Vincent Kliesch die Reihe um Matthias Hegel und Julia Ansorge schnellstmöglich fort. Beide Figuren haben eine Menge Potenzial.

Droemer, 352 Seiten; 12,99 Euro


Jörg Maurer

daumen rauf

Am Tatort bleibt man ungern liegen

Am Tatort bleibt man ungern liegen

Alina Rusche liegt tot in ihrem Garten. Kommissar Jennerwein ist überzeugt, dass es kein Unfall, sondern Mord war. Doch warum musste die Putzfrau sterben? Hatte sie bei ihrer Arbeit Dinge erfahren, die gefährlich waren? Als der Direktor der KurBank zugibt, dass Alina für ihn geputzt hat, führt die Spur direkt in den legendär sicheren Schließfachraum. Hier ruhen versteckt und verriegelt genügend Geheimnisse, für die sich ein Mord lohnt. Der gesamte Kurort gerät in Aufregung, denn Jennerwein ermittelt in alle Richtungen. Das einzige, was er dabei nicht erahnt, ist der nächste Tatort.

Nach dem schwächeren letzten Fall präsentiert sich Jörg Maurer wieder in guter Form! „Am Tatort bleibt man ungern liegen“ bietet eine wunderschöne Kulisse, gut aufgelegtes Personal und einen verzwickten Fall! Und Jennerwein und Hölleisen geben sich die Ehre! Denn Jennerwein agiert in diesem zwölften Band eher im Hintergrund. Ein spannender und zugleich köstlich amüsanter Krimi, der mit überraschenden Wendungen aufwarten kann!

Scherz, 373 Seiten; 16,99 Euro


Andy Seliverstoff

daumen rauf

Liebe kennt keine Größe

Liebe kennt keine Größe

Großer Hund, kleiner Mensch: Diese Kombination hat es dem Fotografen Andy Seliverstoff angetan. Seine Bilder zeigen die faszinierende Vertrautheit zwischen Kindern und ihren Tieren. So können Hunde für Kinder tolle Spielkameraden sein - auch wenn sie manchmal fast doppelt so groß sind. Eine deutsche Dogge hebt die Pfote, als wolle sie einem kleinen Mädchen den Kopf tätscheln, ein ungarischer Hirtenhund tollt ausgelassen im Schnee herum und eine Gruppe Leonberger macht es sich am Strand bequem …

„Liebe kennt keine Größe“ ist ein Buch zum verlieben! Wer einen großen Hund und Kinder hat, für den ist dieses Buch soundso unverzichtbar. Aber auch alle anderen werden staunen, wie sanft so große Hunde mit so kleinen Menschen sein können. Tolle Fotos, schöne Texte, ein Bildband zum immer wieder durchblättern.

Lübbe, 128 Seiten; 15,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Stefan Ahnhem

10 Stunden tot

ahnhem zehn stunden tot hoerbuch


Helsingborg ist nicht mehr der idyllische Ort an der schwedischen Küste, der er mal war. Während eine Reihe von Morden die Stadt erschüttert, kämpft Kommissar Fabian Risk gegen sein ganz persönliches Leid: Seine Familie droht an seiner Arbeit als Mordermittler zu zerbrechen. Aber sein Job ist sein Leben. Er kann nicht anders und nimmt sich der Aufklärung der Morde an, doch er findet keine Spur. Risk und seine Kollegen ahnen nicht, dass der Täter seine Opfer durch ein Würfelspiel rein zufällig auswählt, genau wie die Mordwaffe und den Tatort. So lassen sich keinerlei Verbindungen zu ihm herstellen. Wird dieser Fall ungelöst bleiben?

Nach „Und morgen du“, „Herzsammler“ und „Minus 18°“ ist „10 Stunden tot“ der vierte Krimi aus der Reihe um den schwedischen Ermittler Fabian Risk. „10 Stunden tot“ ist ein düsterer Kriminalroman mit einigen Überraschungen, einer stark gezeichneten Hauptfigur und mit einem ganz fiesen Cliffhanger! Die zahlreichen Nebenhandlungen der Reihe werden auch in diesem Roman fortgesetzt. Manchmal etwas zu viel, da entstehen einige Längen, aber das trübt das Gesamtbild nicht dramatisch. Dabei ist Fabian Risks Privatleben nicht weniger spannend als seine Ermittlungsarbeit. Über manche Schwächen der Geschichte hilft einer ganz besonders hinweg: David Nathan! Er adelt jedes Hörbuch. Seine Stimme ist grandios! Hörprobe 7:55 Min.

ahnhem zehn stunden tot

 

Auch als Paperback erhältlich bei Ullstein, 14,99 Euro

 

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 840 Minuten; 18,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 03.06.2019 - Nr.563


Tanja Reich

daumen rauf

Jesolo

Jesolo

Kinder sind kein Thema für Andrea. Sie hat einen Job, der okay ist. Sie führt seit vielen Jahren eine Beziehung mit Georg, die okay ist. Jedes Jahr verbringen sie einen netten Urlaub in Jesolo. Was die Zukunft betrifft, will Andrea sich nicht festlegen, aber Georg will ein Fundament für ein gemeinsames Leben. Als sie aus dem gemeinsamen Urlaub zurückkommen, ändert sich alles – Andrea ist schwanger. Hin- und hergerissen entscheidet sie sich für das Kind – und geht damit einen Kompromiss nach dem anderen ein: Sie nimmt einen Kredit auf, obwohl sie nie einen Kredit aufnehmen wollte; sie zieht ins Haus ihrer Schwiegereltern, obwohl sie nie mit ihnen unter einem Dach leben wollte. Von allen Seiten prasseln Ratschläge auf Andrea nieder, und sie wird in eine Mutterrolle gedrängt, mit der sie sich nicht identifizieren kann.

Kühl, präzise, absolut ehrlich! Tanja Raich seziert auf literarisch ansprechende Art die seelische Achterbahnfahrt einer Frau in einer Beziehung. „Jesolo“, der Debütroman der jungen Autorin, zeigt ungeschönt wie die Liebe in einer Beziehung vergehen kann, sich alles anders entwickelt, wie man sich das erträumt hat. Eine Beziehung, eine Liebe kann das schönste auf der Welt sein, aber auch zu einem Minenfeld werden, bei der man immer aufpassen muss, welchen Schritt man als nächsten tut, welchen Satz man als nächsten sagt. Wie alles wieder schön wird, oder doch nicht? Wie man sich in alles fügt, obwohl man eigentlich gar nicht will. Das ist die eine Seite, die andere die, das die Hauptfigur ein Kind bekommt, und das weitere Fragen aufwirft. Will sie das überhaupt? Ein Kind, eine Familie? Will sie das mit ihm? Will sie in einem Leben aus Konventionen gefangen sein? Ein eindrucksvoller Roman mit Nachhall!

Blessing, 221 Seiten; 20,00 Euro


Ingrid Noll

daumen runter

Goldschatz

Goldschatz

Fünf junge Leute wollen es der Wegwerfgesellschaft zeigen: Tante Emmas altes Bauernhaus soll nicht abgerissen, sondern in eine alternative Studenten-WG verwandelt werden. Doch für die Renovierung fehlt das Geld. Da taucht in Emmas Trödel ein Säckchen mit wertvollen Goldmünzen auf. Aber der Schatz holt sie nicht etwa aus der Bredouille. Im Gegenteil, er führt sie mitten hinein und macht sie mit den unschönen Regungen des menschlichen Herzens bekannt.

Ingrid Noll war einst die Grand Dame des deutschen Kriminalromans. Doch diese Hochzeit liegt nun schon Jahre zurück. Mit jedem neuen Buch in den letzten Jahren enttäuschte sie mal mehr, mal weniger. So verhält es sie auch mit ihrem gerade erschienenen Roman „Goldschatz“. Wobei sich die Story durchaus vielversprechend anhört. Einen richtigen Krimi sucht man mittlerweile aber vergebens bei Ingrid Noll, so auch in „Goldschatz“. Etwas mehr Spannung hätte der Geschichte sehr gutgetan. Die Autorin schreibt flüssig, in angenehmen Ton, doch gepackt hat mich das nur selten. Auch die Figuren konnten mich über die Dauer des Romans nicht überzeugen.

Diogenes, 358 Seiten; 22,00 Euro


Pamela Druckerman

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Vierzig werden á la parisienne

Vierzig werden á la parisienneWie fühlt es sich an, über vierzig zu sein? Was haben wir gelernt, wenn wir so alt sind? Sind wir jetzt endgültig erwachsen? Und warum hat uns niemand davor gewarnt, dass man auch an den Armen Cellulitis haben kann? Die Autorin widmet sich dem entspannten Älterwerden und erforscht das Leben in den Vierzigern und fragt sich, ob ihr Kopf je mit ihrem Gesicht mithalten wird.

Die Amerikanerin Pamela Duckerman, die in Miami aufgewachsen ist und nun schon länger in Paris lebt, erzählt in köstlich amüsanter, tragisch tiefer und melancholisch angemessener Form wie es ist in den Vierzigern zu sein. Das irgendwie Junge ist vorbei, auch wenn man sich vielleicht noch selbst so fühlt, aber so total Erwachsen möchte man doch auch nicht sein, das wirkt ja dann noch älter. Ein Zwiespalt die Vierziger. Viele Meilensteine sind erreicht, und die eigene Sterblichkeit kommt auch das erste Mal so richtig auf den Plan, auch wenn wir, wenn es gut läuft, noch gut 50 Jahre Leben vor uns haben. Das Buch ist ein Mix aus ganz Grundsätzlichen, was auftaucht, wenn man die Vierziger erreicht hat, und der eigenen Geschichte der Autorin. Eine spritzige Lektüre, genussvoll für alle die, die nun eine 4 und nicht mehr eine 3 vorne stehen haben! Für Frauen … und Männer.

Mosaik, 336 Seiten; 16,99 Euro


Jean Lopez, Nicolas Aubin, Vincent Bernard, Nicolas Guillerat

daumen rauf

Den Zweiten Weltkrieg verstehen, 1939 – 1945 in Infografiken

1939 1945 in Infografiken

Wir wissen heute so viel über den Zweiten Weltkrieg wie nie zuvor. Doch wie kann man all diese Zusammenhänge anschaulich machen? Mit einem außergewöhnlichen Konzept beantworten ein preisgekrönter Historiker und ein renommierter Grafiker diese Frage. Auf jeder Doppelseite widmen sie sich einem bestimmten Aspekt des Krieges. Infografiken sorgen für Übersichtlichkeit und Tiefenschärfe zugleich.

Ein höchst aufschlussreiches, informatives und anschauliches Werk über den Zweiten Weltkrieg! Durch die vielen detaillierten Grafiken, die das Buch so einzigartig machen, bekommt man einen klaren Blick auf alles. Ein Buch, dass sich kein Leser entgehen lassen sollte, der sich für den Zweiten Weltkrieg interessiert. Die vier Hauptthemen sind: „Mobilisierung, Produktion und Ressourcen“, „Armeen und Waffen“, „Schlachten und Feldzüge“ und „Bilanzen und Brüche“.

dtv, 187 Seiten; 30,00 Euro


Constantin Schreiber

daumen rauf

Kinder des Koran

Kinder des Koran

Antisemitismus bei muslimischen Jugendlichen, mangelnde Vorstellungen von Gleichberechtigung, ein anderes Verständnis von Demokratie und Religionsfreiheit – manche Muslime geben nichts auf die liberalen Werte des Westens. Doch woher kommt das? Eine mögliche Antwort: weil junge Muslime es so lernen. Der Autor nimmt Schulbücher in der islamischen Welt unter die Lupe. Was wird dort im Religions- oder Geschichtsunterricht gelehrt? Was lernen Schüler über Philosophie? Der Autor spricht mit Lehrern, Eltern und Schülern und stellt fest: In einigen Ländern sind Schulen kein Ort der Bildung, sondern Orte der Ideologisierung. Junge Menschen lernen dort, die Welt mit anderen Augen zu sehen, als wir es im Westen tun. Und das hat auch Auswirkungen auf Deutschland und Europa.

 Der fließen arabisch sprechende Constantin Schreiber hat mit seinem Buch „Inside Islame“ einen Bestseller gelandet. Nun legt er gleich den nächsten nach. Mit „Kinder des Koran“ lernt der Leser die Lebenswahrheiten und die Schulbücher der Kinder und Jungendlichen aus unterschiedlichen arabischen Ländern kennen. Darunter sind Afghanistan, Iran, Ägypten, Palästina und die Türkei. Er lernt so zu verstehen, warum aus einst unschuldigen Kindern ideologisch denkende Erwachsene werden und welche Probleme das für die Gesellschaft und den Frieden bedeuten kann.

Econ, 298 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Elisabeth Herrmann

Schatten der Toten

Schatten des todes


Judith Kepler kennt den Tod wie wenige andere – denn sie ist Tatortreinigerin. Ihr Chef will, dass sie die Firma übernimmt, und ihre Beziehung zu einem Waisenmädchen entwickelt sich auf unerwartete Weise. Doch dann stirbt Eva Kellermann, eine frühere Stasi-Spionin. Ihr letztes Geheimnis setzt eine tödliche Jagd in Gang, auf einen der größten Verbrecher dieser Zeit: Bastide Larcan. Er ist Judiths Vater – der so viel Leid verursachte und sich nie dafür verantworten musste. Seine Spur führt nach Odessa, und Judith muss sich entscheiden: für ihr Leben oder für eine Reise in die Vergangenheit, in der die Schatten der Toten sie erwarten …

„Schatten der Toten“ ist nach „Zeugin der Toten“ und „Stimme der Toten“ der dritte Roman aus der Reihe um die Tatortreinigerin Judith Kepler. Elisabeth Herrmann wird mit jedem Buch besser! „Schatten der Toten“ ist der neueste Beweis dafür. Ein Spannungsroman mit ganz starken Figurenzeichnungen und einer hochkarätigen Story! Wenn man zu einem Spannungsroman von Elisabeth Herrmann greift, dann weiß man schon zuvor, man bekommt Großartiges geboten. Nina Petri ist eine DER Frauenstimmen der deutschen Hörbuchszene! Wenn sie vorliest ist man nicht weniger gespannt auf die Geschichte als auf ihre Stimme. Bei „Schatten der Toten“ handelt es sich um eine vollständige Lesung mit über 20 Stunden Gesamtlaufzeit. Hörprobe 7:07 Min.

Schatten des todes buch

 

Auch als Paperback erhältlich bei Goldmann, 15,00 Euro.

 

Der Hörverlag, 2 MP3 CDs, 1,248 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 27.05.2019 - Nr.562


Jessica Bruder

daumen rauf

Nomaden der Arbeit

Nomaden der Arbeit

Zehntausende Menschen in Amerika sind unterwegs. Sie leben in Wohnmobilen, Vans, Anhängern. Übernachten auf Supermarkt-Parkplätzen, neben den Highways, in der Wüste. Sie schaufeln Zuckerrüben in North Dakota, reinigen Toiletten in den Nationalparks von Kalifornien, arbeiten Zwölf-Stunden-Schichten im Amazon-Versandzentrum im winterlichen Texas. Und sie haben eines gemeinsam: Sie sind alt. Der American Dream hat für sie Bingo-Spielen und Gartenpflege vorgesehen. Doch im 21. Jahrhundert, erschüttert von der Finanzkrise der Zehnerjahre, ist der Boden für den sprichwörtlich wohlverdienten Ruhestand weggebrochen. Deshalb ziehen sie als Nomaden der Arbeit von einem saisonalen Tageslohnjob zum nächsten.

Die Journalistin Jessica Bruder wollte nur einen Artikel schreiben über die „Nomaden der Arbeit“, doch es gab viel, viel mehr Geschichten zu erzählen, als sie gedacht hatte. Drei Jahre begleitete sie diese Menschen. „Nomaden der Arbeit“ zeigt eines der großen sozialpolitischen Probleme der USA, das keinen Präsidenten so richtig zu interessieren scheint. Die großen Probleme der „kleinen“ Leute. Die unterschiedlichen Geschichten der Menschen, die sich doch oftmals gleichen, die Jessica Bruder in diesem Buch gesammelt hat, sind mit einer gewissen Traurigkeit behaftet, aber sie sind spannend erzählt. Amerikas Wanderarbeiter hatten meist eine gesicherte Existenz und eine anstehende Rente, bis nach und nach, vor allem durch den Börsencrash 2008, der soziale Abstieg begann. Kein festes, Zuhause, kein fester Job, harte Arbeit, immer unterwegs. Und sehr oft sind es ältere Menschen, die von der wenigen Sozialhilfe nicht leben können, die ihnen der Staat zahlt. Authentisch und erschütternd – der Abgesang auf den American Dream!

Blessing, 383 Seiten; 22,00 Euro


Laura Karasek

daumen runter

Ja, die sind echt

Ja die sind echt

Wie du’s machst, machst du’s falsch. Zumindest als Frau in einer Männerwelt. Zwischen Whisky und Lippenstift, Helikoptermami und Rabenmutti, zwischen Opernball und Arschgeweih. Bergsteigen in Pumps ist nicht einfach. Die Autorin ist dennoch losgelaufen und beantwortet Fragen: Wie sexy ist noch seriös? Wann bemerkt eigentlich mein Chef, dass ich eine Mogelpackung bin? Muss ich mein Kind beim Algebra-Wettbewerb anmelden? Darf ich laszive Selfies verschicken? Wohin fliehe ich bei einem miesen Date? Fragen, die noch keine Generation Frauen zuvor beantworten musste.

Laura Karasek hat Jura studiert und als Rechtsanwältin gearbeitet, sie hat einen berühmten Vater, Kritiker-Legende Helmuth Karasek, sie sieht sehr gut aus und konnte mir ihrem Debütroman „Verspielte Jahre“ einen Bestseller landen. Eine beeindruckende Frau! Nun ist ihr Buch „Ja, die sind echt“ erschienen, in dem ihre Kolumnen zusammengefasst sind. Laura Karasek hat noch etwas, sie hat Humor. Aber der blinzt nur hin und wieder richtig durch, oft wirken ihre Texte eher selbstverliebt mit dem Hang zur Langeweile. Es muss aber auch herausgestellt werden, dass richtig gute Texte dabei sind, aber als Ganzes überzeugt „Ja, die sind echt“ nicht.

Eichborn, 253 Seiten; 12,00 Euro


Michio Kaku

daumen rauf

Abschied von der Erde

Abschied von der ErdeEs wird Zeit, sagt Michio Kaku, die nächste Zivilisationsstufe zu erklimmen und den Aufbruch ins Weltall voranzubringen: Weltraum-Archen zu planen und zu bauen. In diesem Buch erklärt der weltberühmte Physiker, wie und wann das gehen könnte: natürlich unter Einhaltung der herrschenden physikalischen Gesetze. Die ersten Schritte führen zum Mars. Um das Jahr 2030 will die NASA eine bemannte Mission zum Roten Planeten schicken, in den nächsten Jahren schon mit der Erkundung des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter anfangen. Diese Himmelskörper geologisch auszubeuten, könnte die nächsten Schritte finanzieren: Terraforming mit technischen Mitteln wie Quantencomputer, superharte „Nano-Werkstoffe“ und sich selbst reproduzierenden Schürf- und Arbeitsroboter. Bereits um das Jahr 2050, schätzt Kaku, könnten Mittel und Technik ausreichen, um schon einmal einen ständigen Außenposten auf dem Mars zu errichten.

Die Erde, so wie wir sie kennen, wird vernichtet werden. Ob das passiert, ist nicht die Frage, sondern nur wann. Der berühmte Physiker Michio Kakuk, in den USA ein großer Medienstar, zeigt in „Abschied von der Erde“ wie unsere Spezies überleben kann, bevor es zu spät ist. Er beginnt seine Reise mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, wo der Grundstein gelegt wurde, eine erste Rakete wurde von einem einsamen Visionär gebaut. Raketen wurden weiter entwickelt bis zum Apollo-Programm und der ersten Mondlandung. Das alles war aber nur der Anfang, von etwas viel Größerem. Michio Kaku erzählt lebendig, erklärend und verständlich. Mit ihm kann man das Abenteuer wagen, sich auf eine Reise in die Zukunft zu begeben, um zu erfahren, was alles Unmögliche irgendwann möglich sein wird. „Abschied von der Erde“ ist ein super spannendes und super lehrreiches Buch!

Rowohlt, 478 Seiten; 25,00 Euro


Theo Waigel

daumen rauf

Ehrlichkeit ist eine Währung

Ehrlichkeit ist eine Währung

Als Politiker kämpfte Theo Waigel entschlossen, aber stets fair. Der Grundsatz, Freund und Feind gegenüber ehrlich zu sein, durchzieht wie ein roter Faden sein Leben. Bis in die Kindheit reicht dieser Anspruch zurück - „heuchlerisch“ nennt Waigel heute das Klima der Fünfzigerjahre, in dem die NS-Verbrechen verschwiegen und verdrängt wurden. Er erinnert sich an Weggefährten wie Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und Franz Josef Strauß, erzählt von 1989/90 und den entscheidenden Gesprächen mit Gorbatschow, Mitterrand und Bush, die zur deutschen Einheit führten.

Aus meiner Jugendzeit blieb mir neben Helmut Kohl ein Politiker besonders im Gedächtnis: Theo Waigel. Daher war ich sehr gespannt auf seine Autobiographie und was er alles über sich, die Politik und das Erlebte in historisch so entscheidenden Zeiten zu erzählen hat. Und er hat mich nicht enttäuscht. Theo Waigel erzählt in seiner Autobiographie spannende Politik- und Lebensgeschichten, die mir lange in Erinnerung bleiben werden! Die Hauptthemen sind: „Bayern“, „Deutschland“, „Europa und die Welt“ und „Unvergessliche Begegnungen.“

Econ, 344 Seiten; 24,00 Euro


Juan S. Guse

daumen rauf

Miami Punk

Miami Punk

Der Atlantik hat sich über Nacht von der Küste Floridas zurückgezogen und eine Wüste hinterlassen. Kreuzfahrtschiffe rosten im Sand vor Miami, die Hotels bleiben leer, der Hafenbetrieb ist eingestellt und selbst die Dauerwerbesendungsindustrie liegt am Boden. Mittendrin eine überambitionierte Indie-Game-Programmiererin, eine strauchelnde Arbeiterfamilie, eine junge Soziologin und ein E-Sport-Team aus Wuppertal.

 

Ein bunter, herber und skurriler Gesellschaftsroman, der wie ein Tornado über einem hinwegfegt! Juan S. Guse hat sich mit „Miami Punk“ literarisch etwas getraut und rockt nun Seite für Seite. Ein Roman über unsere Gegenwart, unsere Zukunft, über die Arbeit, das Leben miteinander und zugleich ein Abschied auf das Leben, das wir bisher kannten.

S. Fischer, 637 Seiten; 26,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Romy Hausmann

Liebes Kind

hausmann liebes kind hoerbuch


Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen „Zirkulationsapparat“. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und der Albtraum geht in die Verlängerung.

„Dieser Thriller beginnt, wo andere enden“. So wird das Buch beworben, und genau so ist es. Das psychologische Aufarbeiten des Erlebten, bei praktisch allen Figuren, das ist das zentrale Thema von „Liebes Kind“. Romy Hausmann beweist dabei nicht nur viel Einfühlungsvermögen für ihr entworfenes Personal, sondern weiß auch die Thrillerstellschrauben richtig anzuziehen. Die Geschichte überrascht immer wieder aufs Neue. Einer der besten Psychothriller des Jahres! Und das von einer deutschen Autorin, die dazu mit „Liebes Kind“ auch noch ihr Debüt abliefert. Herausragend! Ein Psychothriller, der einen durchrüttelt, denn das Kopfkino läuft in Dauerschleife ab. Und auch das Hörbuch hat es in sich. „Liebes Kind“ gehört zu den besten Psychothriller-Hörbuchproduktionen des Jahres! Das liegt nicht nur am Stoff, sondern vor allem auch an dem hervorragenden Sprecherensemble. Die 25-jährige Leonie Landa fällt dabei besonders auf. Denn sie spricht die 13-jährige Hanna wie eben eine 13-jährige mit diesen Erlebnissen spricht. Das verursacht Gänsehaut pur, sobald man ihre Stimme hört. Aber auch Heikko Deutschmann und Ulrike C. Tscharre gehen in ihren Rollen voll auf. Das „Liebes Kind“-Hörbuch ist großes Schauspiel und keine gewöhnliche Lesung! Hörprobe 7:07 Min.

hausmann liebes kind

 

Auch als Paperback erhältlich bei dtv, 15,90 Euro.

 

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 648 Minuten; 20,00 Euro


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Aktuelle Kolumne vom 20.05.2019 - Nr.561


Tracy Barone

daumen rauf

Das wilde Leben der Cheri Matzner

Das wilde Leben der Cheri Matzner

Der Radiologe Solomon Matzner und seine italienische Frau freuen sich auf ihr Kind. Da erleidet Cici eine Fehlgeburt, die sie so verstört zurücklässt, dass Sol sich nicht anders zu helfen weiß, als hinter ihrem Rücken schnellstens ein Ersatzkind zu adoptieren: Cheri. Ein rebellisches Mädchen, das auch später als Frau nicht ansatzweise dazu bereit ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

Ein Familienroman, der funkelt wie ein Diamant! Wunderbar geschliffene Figuren, Szenen, Dialoge, ein literarisches Fest! Man erlebt die hellen und die dunklen Stunden des Lebens mit Figuren die einen an der Hand nehmen um sie in ihrem Alltag zu begleiten. Der Aufbau der Geschichte ist nicht linear, aber überraschend. Sie beginnt in den 1960ern während der Kuba-Krise, wo man einen Auszug aus Cici und Solomons Leben erfährt. Dann macht die Geschichte einen Sprung ins Jahr 2002, wo man die Erwachse Cheri erlebt, Ex-Polizistin, nun Akademikerin, an der Uni lehrend und Keilschriftexpertin. Es spielen nun das Thema Kinder bekommen, was Cheri mit dem nahenden 40sten große Probleme bereitet, und vor allem auch ihre Beziehung zu Ehemann und Mutter eine gewichtige Rolle. Das Spiel wiederholt sich im Leben. „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ ist ein Roman voller Höhen und Tiefen des Lebens!

Diogenes, 501 Seiten; 24,00 Euro


Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah (Hrsg.)

daumen runter

Heimat ist Albtraum

Heimat ist Albtraum

Wie fühlt es sich an, tagtäglich als „Bedrohung“ wahrgenommen zu werden? Wie viel Vertrauen besteht nach dem NSU-Skandal noch in die Sicherheitsbehörden? Was bedeutet es, sich bei jeder Krise im Namen des gesamten Heimatlandes oder der Religionszugehörigkeit der Eltern rechtfertigen zu müssen? Und wie wirkt sich Rassismus auf die Sexualität aus? Zum einjährigen Bestehen des „Heimatministeriums“ sammeln die Autorinnen Perspektiven auf eine rassistische und antisemitische Gesellschaft. In persönlichen Essays geben zahlreiche Autoren Einblick in ihren Alltag und halten Deutschland den Spiegel vor: einem Land, das sich als vorbildliche Demokratie begreift und gleichzeitig einen Teil seiner Mitglieder als „anders“ markiert, kaum schützt oder wertschätzt.

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt! Es gibt ja schon eine rege Diskussion darüber. „Heimat ist Albtraum“ ist ein Buch dem man Gutes aber auch Schlechtes abgewinnen kann. Im Buch sind zahlreiche interessante Geschichten versammelt, die zeigen, was Menschen mit Migrationshintergrund immer wieder in Deutschland erfahren. Sehr traurig. Aber doch sind darin auch Geschichten versammelt, die schon sehr reißerisch sind. Die Deutschen sind die bösen, so kann man das grob zusammenfassen. Doch da bleibt immer die Frage, will man auch ein volles Mitglied der deutschen Gesellschaft werden oder nur immer am Rand stehen? Man muss wollen, man muss sich weiterbilden, beruflich wie privat, man muss aufeinander zugehen und nicht bei seinesgleichen bleiben.

Ullstein, 198 Seiten; 20,00 Euro


Sheila Heti

daumen rauf

Mutterschaft

MutterschaftWas wird gewonnen und was geht verloren, wenn eine Frau sich entschließt, ein Kind zu bekommen? In ihren späten Dreißigern, als die Freundinnen sich fragen, wann sie endlich Mutter werden, fragt Sheila Heti sich, ob sie es überhaupt werden will. In einer mehrere Jahre umspannenden Selbsterkundung, mal hierhin, mal dorthin gezogen von ihren Mitmenschen, ihrem Partner und den Verpflichtungen gegenüber ihren jüdischen Vorfahren, versucht sie eine weise und moralische Entscheidung zu treffen. Nachdem Philosophie, ihr Körper, die Mystik und der Zufall nicht geholfen haben, findet sie die Antwort viel näher bei sich.

Einer der Fragen des Lebens oder doch die Frage des Lebens? Die Mutterschaft. Damit setzte sich die erfolgreiche kanadische Autorin Sheila Heti auseinander. Ihr Buch „Mutterschaft“ ist ein ganz besonderer Beitrag zum Thema, über das immer mehr Frauen offene und ehrliche Bücher schreiben. Echte Geschichten oder Romane. Will ich Kinder oder will ich sie doch lieber nicht? Frauen setzen sich damit nun auch literarisch auseinander. Endlich, will man sagen. In unserer Gesellschaft gilt das ja in großen Teilen immer noch als verpönt. Eine Frau sollte Kinder bekommen, Punkt. Nein, eben nicht, wenn sie ihr Leben anders gestalten will. Aber geht dann nicht etwas ab im Leben? Diese Fragen stellen sich viele kinderlose Frauen trotzdem. Mich hat dieses Buch sehr bewegt, zum nachdenken angeregt und mitgenommen auf eine Reise in der die Beziehung zwischen Frau und Mann, die Liebe, der Wunsch nach dem für sich perfekten Leben prägend sind. Die Autorin stellt sich weitere Sinnfrage des Lebens. Sie lässt ihr Leben, Familie, Beziehung, Freunde, Beruf und noch einiges andere Revue passieren, sie reflektiert sich, sie will sich selbst genau kennen, um dann eine Entscheidung zu treffen.

Rowohlt, 316 Seiten; 22,00 Euro


Prof. Dr. Achim Gruber

daumen rauf

Das Kuscheltierdrama

Das Kuscheltierdrama

In fast jedem zweiten deutschen Haushalt leben Haustiere. Wir lieben unsere Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel, Fische, Pferde und Exoten, wir verwöhnen sie, und sie werden Freunde und Lebensbegleiter. Doch die zunehmende Nähe birgt auch Gefahren für beide, Haustier und Mensch. Der Tier-Pathologe und -Forensiker Prof. Dr. Achim Gruber erzählt erstmals über seine Erfahrungen bei der Obduktion am Seziertisch. Er klärt auf, gibt Tipps zur Vermeidung von Fehlern und kritisiert leidvolle Trends in unserer Haustier-Haltung.

Der Buchtitel und das Cover täuschen etwas. Es geht in diesem Buch nicht nur um Katzen und Hunde bzw. um Kuscheltiere. Und ein Pathologe und Forensiker schreibt über das Wohl unserer Haustiere, da war ich doch schon sehr gespannt. So ganz konnte mich das Buch nicht überzeugen, da die Themen manchmal öfter sehr trocken erzählt werden. Natürlich kann auch ich die Züchter nicht verstehen, die mit ihren Extremzuchten, z. B. bei Hunden, nicht das Tierwohl im Blick haben. Das ist nur ein Themenbereich des Buches, das vier Hauptthemen enthält: „Auf der Fährte des Tierpathologen“, „Angeklagt“, „Angesteckt“ und „Reinrassige Irrwege“. „Das Kuscheltierdrama“ ist ein informatives und aufklärendes Buch, das jeder Haustierhalter gelesen haben sollte!

Droemer, 301 Seiten; 19,99 Euro


Veikko Bartel

daumen rauf

Mörder

Veikko Bartel Mörder

Wer in gut 40 Tötungsfällen vor Gericht verteidigt hat, weiß, was Männer dazu bringt, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. In diesem Buch zeigt Strafverteidiger Veikko Bartel die männliche Seite des Tötens und schildert die sechs spektakulärsten Fälle. Er erzählt von den Hintergründen, den seelischen Untiefen und den biographischen Tragödien, die sich hinter den Taten verbergen.


Der Ex-Strafverteidiger Veikko Bartel lässt nach seinem viel beachteten Erstling „Mörderinnen“ nun sein zweites Buch „Mörder“ folgen. Nachdem er zuerst Frauen morden lies, sind es nun die Männer. Spannend und abgründig! Und wieder sind es Fälle aus seiner beruflichen Vergangenheit, in der er wahrlich spektakuläre Fälle vor Gericht vertreten hat. Folgende Fälle sind enthalten: „Der betrogene Finanzbeamte“, „Der Drücker“, „Thailand, mon amour“, „Das Genie“, „Der Scharfschütze der Fremdenlegion“ und „Der Serienvergewaltiger, der Tod von Frau Meyer und das Gewissen eines Verteidigers“.

Mosaik, 252 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jürgen Todenhöfer

Die große Heuchelei

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Die Außenpolitik des Westens beruht auf einer zentralen Lüge: Seine oft terroristischen Militärinterventionen dienen nie der Freiheit und Demokratie, sondern stets ökonomischen und geostrategischen Interessen. Unter Lebensgefahr recherchierte Jürgen Todenhöfer dies zusammen mit seinem Sohn Frederic in den gefährlichsten Krisengebieten der Welt. Sein Fazit: Der Westen muss die Menschenrechte vorleben, statt sie nur vorzuheucheln. Und seine Medien müssen damit aufhören, diese Heuchelei zu decken. Der Westen wird sonst alle Katastrophen der Vergangenheit erneut erleben. Er muss andere Völker und Kulturen so behandeln, wie er selbst behandelt werden will. Nur dann hat er eine Zukunft.

Jürgen Todenhöfer führt den Westen mit seinem Buch „Die große Heuchelei“ vor. Er zeigt auf, das Politiker, vor allem wenn es nicht um das eigene Land geht, sehr viele Lügen oder nur Halbwahrheiten erzählen. Um das eigene Volk zu beruhigen, aber auch die Bevölkerung des Landes, das angegriffen wird. Was man in diesem Buch erfährt, hat man so, als normaler Nachrichtenseher- oder leser, noch nicht gehört oder gelesen. Insiderwissen, dass erschreckend ist! Welche Gräueltaten nicht nur Terroristen, sondern auch vor allem die USA an der Menschheit begehen, ist beispiellos. Man erfährt viel über die Kriege in Syrien, dem Irak, Afghanistan, dem Jemen, das Jürgen Todenhöfers Traumland ist, über das was die USA, aber auch Europa falsch machen bzw. richtig machen könnten. Das Gelesene wird einem noch lange in Erinnerung bleiben! Ein so beunruhigendes Buch braucht einen passenden Sprecher. Hörbuch Hamburg hat ihn in Frank Arnold gefunden. Er liest ruhig und sachlich und verleiht Jürgen Todenhöfers Berichten den richtigen Ton. Hörprobe 6:33 Min.

todenhoefer die grosse heuchelei

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Propyläen, 19,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 625 Minuten; 20,00 Euro


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Kolumne vom 13.05.2019 - Nr.560


Walter Moers

daumen rauf

Der Bücherdrache

Der Bücherdrache

In den Katakomben von Buchhaim erzählt man sich eine alte Geschichte vom sprachmächtigen Drachen Nathaviel. Angeblich besteht er aus lauter Büchern, die von der mysteriösen Kraft des Orms durchströmt sind. Die Legende besagt, der Bücherdrache habe auf jede Frage die richtige Antwort. Der Buchling Hildegunst Zwei, benannt nach dem zamonischen Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo Nathaviel hausen soll. Dabei wagt er sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren wie den heimtückischen Bücherjägern nur so wimmelt. Und er ahnt nicht, dass die größte Gefahr, die ihm droht, vom Bücherdrachen selber ausgeht.

Walter Moers ist einer von Deutschlands kultigsten Kultautoren! Seine Werke um Zamonien und mit Hildegunst von Mythenmetz sind Klassiker der modernen Literatur. Jedes seiner Bücher ist ein Ereignis, das aus der Masse an Neuerscheinungen turmhoch heraussticht. So auch sein neues Werk „Der Bücherdrache“. Leider ist es mit 187 Seiten etwas dünn geraten, aber das ist schon das einzige Manko. Wie immer hätten es auch gut und gerne 500 Seiten sein dürfen. „Der Bücherdrache“ beginnt mit einem wunderbar gezeichneten Comic, der dann in die Geschichte übergeht, die dann auch noch mit einigen, von Walter Moers bekannten und geliebten Zeichnungen, geschmückt ist. „Der Bücherdrache sprudelt nur so über vor Fantasie und fantastischen Einfällen! Eine Geschichte, die die Bücher liebt und die jeder Buchliebhaber ebenso lieben wird.

Der Bücherdrache hoerbuch

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Ein Roman von einem Kultautor schreit auch nach einem Kultsprecher. So viele gibt es davon nicht in Deutschland. Einer davon ist aber gewiss Andreas Fröhlich. Wie immer ein Genuss ihn zu hören! 20,00 Euro. Hörprobe  5 Min.

Penguin, 187 Seiten; 20,00 Euro


Rita Mae Brown

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Die Maus zum Gärtner machen

Die Maus zum Gärtner machen

Mary Minor „Harry“ Harristeen ist gerade mit ihrem Pick-up und ihren tierischen Beifahrern – allen voran Katze Mrs. Murphy – unterwegs, als vor ihnen ein Wagen ins Schlingern gerät und im Graben landet. Die Fahrerin Barbara Leader ist tot – angeblich ein Herzinfarkt. Doch Harry ist sich sicher, da hat jemand nachgeholfen. Barbara hatte als Krankenschwester den ehemaligen Gouverneur Samuel Holloway gepflegt. Hat ihr Tod womöglich etwas mit ihm zu tun? Oder liegt die Lösung des Falls schon seit langer Zeit auf dem Friedhof begraben? Unversehens sind Harry und ihre gewiefte Tigerkatze Mrs. Murphy einem alten Familiengeheimnis aus dem 18. Jahrhundert auf der Spur.

Jedes Jahr auf Neue veröffentlicht die Bestsellerautorin Rita Mae Brown einen neuen Kriminalroman aus ihrer „Ein-Fall-für-Mrs-Murphy“-Reihe. Jedes Jahr auf Neue gebe ich ihr eine Chance, vielleicht wird die Reihe ja doch wieder besser, und kehrt zur Meisterhaftigkeit ihrer Anfänge zurück. Jedes Jahr auf Neue werde ich enttäuscht, so auch dieses Jahr. „Die Maus zum Gärtner machen“, mittlerweile der 24. Band der Reiche, hält das Niveau der letzten Romane – gleichbleibend schlecht, Tendenz weiter absteigend. Einen richtigen Krimi sucht man auch diesmal vergebens, genauso wie Spannung und Überraschungen. Zu Anfang der Reihe konnten die Tierauftritte richtig begeistern, doch auch diese sind nur noch ein Schatten vergangener Tage.

Ullstein, 339 Seiten; 19,99 Euro


Frank Bösch

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Zeitenwende 1979

Zeitenwende 19791979 gilt als "das Schlüsseldatum des 20. Jahrhunderts" (Peter Sloterdijk) und wird als der "Beginn der multipolaren Welt von heute" (Claus Leggewie) bezeichnet. Die iranische Revolution brachte den fundamentalistischen Islam auf die weltpolitische Agenda, während der sowjetische Einmarsch in Afghanistan auf die Krisenherde des 21. Jahrhunderts vorauswies. Der Papstbesuch in Polen, der von Millionen gefeiert wurde, beschleunigte den Untergang des Sozialismus. Und die vietnamesischen Boat People konfrontierten die Deutschen erstmals mit weltweiten Flüchtlingsströmen. Der Autor schildert, wie diese Ereignisse 1979 aufkamen und welche Folgen sie für Deutschland hatten.

Ein großartiges Buch, das sehr anschaulich zeigt, wie prägend das 1979 für die folgenden Jahre und Jahrzehnte sein sollte. Wie die Ereignisse die Welt, aber auch ganz speziell das Leben der Deutschen beeinflussen sollten. Frank Bösch vermittelt in „Zeitenwende 1979“ spannende Geschichtsstunden! Folgende Kapitel sind unter anderem enthalten: „Die Revolution im Iran“, „Papst Johannes Paul II. in Polen“, „Die Revolution in Nicaragua“, „Chinas Öffnung unter Deng Xiaoping“, „Die Boat People aus Vietnam“, „Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan“, „Thatchers Wahl und die Gründung der Grünen“, „Die zweite Ölkrise“, „Der AKW-Unfall bei Harrisburg“.

C. H Beck, 512 Seiten; 28,00 Euro


Stephan Orth

daumen rauf

Couchsurfing in China

Couchsurfing in China

Drei Monate lang erkundet Couchsurfer Stephan Orth das Reich der Mitte: vom Spielerparadies Macau im Süden bis nach Dandong an der Grenze zu Nordkorea, von Shanghai bis in die Krisenprovinz Xinjiang. Er besucht Hightech-Metropolen, die mit totaler Überwachung experimentieren, und abgeschiedene Dörfer, in denen fürs Willkommensessen der Hund geschlachtet wird. Er wird als Gast einer Live-Fernsehshow zensiert und tritt fast einer verbotenen Sekte bei. Dabei wird immer deutlicher, wie sich das Leben hinter den Kulissen der neuen Supermacht gestaltet, welche Träume und Ängste die Menschen bewegen.

Stephan Orth hat seine Leser mit „Couchsurfing im Iran“ und „Couchsurfing in Russland“ begeistert. Nun nimmt er sich der aufstrebenden neuen Weltmacht China an. Wie ticken die ganz normalen Menschen in einem Land zwischen Überwachung und wirtschaftlichem Dauerwachstum? Stephan Orth lässt einen hinter sonst verschlossene Türen blicken. Gibt Einblicke in das Seelenleben der Menschen, in Bräuche und überrascht mit so manch skurriler Begebenheit. Als Leser „surfen“ Sie mit – von Couch zu Couch.

Malik, 250 Seiten; 16,00 Euro


Pierre Lagrange

daumen rauf

Schatten der Provence

Schatten der Provence

Commissaire Albin Leclerc kommt nicht zu seinem wohlverdienten Ruhestand. Denn der Überfall auf einen Kunsttransport mit wertvollen Gemälden findet ausgerechnet kurz vor Carpentras statt. Der Coup geht schief, die Polizei entdeckt im Versteck der Räuber einen unbekannten Cézanne und einen Van Gogh. Alles weist darauf hin, dass sie aus einem geheimen Depot mit Nazi-Raubkunst stammen. Zum Ärger der beiden Polizisten Theroux und Castel mischt sich Albin mit seinem Mops Tyson in ihre Ermittlungen ein. Dabei ist er ihnen immer einen Schritt voraus. Als es Tote gibt, gerät Albin ins Visier der Täter. Plötzlich geht es für ihn um Leben und Tod…


Pierre Lagrange schreibt Provence-Krimis mit hohem Wiedererkennungswert! Commissaire Albin Leclerc ist ein großer Sympathieträger, dessen Fälle oft nicht weniger spannend sind als sein Privatleben. „Schatten der Provence“ ist der vierte Band der erfolgreichen Reihe. Und wieder überzeugt Pierre Lagrange, das Pseudonym eines deutschen Autors, mit viel Lokalkolorit und einem spannenden und interessanten Fall.

Scherz, 403 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Camilla Läckberg

Golden Cage

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Faye und Jack sind das absolute Traumpaar. Sie haben das erfolgreichste Unternehmen Stockholms aufgebaut, wohnen in einem luxuriösen Apartment und sind umgeben von den Reichen und Schönen. Die gemeinsame Tochter Julienne ist die Krönung ihres Glücks. Doch der Schein trügt. Fayes Leben dreht sich nur noch um den verzweifelten Versuch, Jack zu gefallen. Seine Verachtung ist in jeder seiner Gesten spürbar. Was verbirgt ihr einst liebevoller Mann vor ihr? Als Jack und Julienne von einem Bootstrip nicht zurückkehren und die Polizei eine Blutlache im Apartment entdeckt, fällt der Verdacht schnell auf Jack. Hat er seine eigene Tochter ermordet?

Das Buch wurde als erster Thriller der schwedischen Bestseller-Queen angekündigt. Das Buch ist vieles, aber keinesfalls ein Thriller. Was aber nicht die Qualität des Buches betrifft. „Golden Cage“ ist ein spannender und intensiver Ehe- und Racheroman! Er führt einen vor Augen, wie eine Frau sich fühlt, die intelligent ist, aber aus Rücksicht auf ihren Mann in einem goldenen Käfig lebt und eigentlich nur für ihn und die Tochter da zu sein hat. Als sie dann von ihrem Mann wegen einer Jüngeren vor die Tür gesetzt wird, sinnt die weibliche Hauptfigur auf Rache. Eine durchtriebene Rache, die Rache einer klugen und fest entschlossenen Frau. Wer eine Frau wie Faye an seiner Seite weiß und sie betrügt, der braucht danach keine weiteren Feinde mehr im Leben. „Golden Cage“ glänzt golden! Vera Teltz wird zu Faye. Sie geht voll in der Figur auf, so wird die Lesung noch intensiver. So gut das Buch, so gut die Lesung. Hörprobe 5:18 Min.

laeckberg golden cage



Auch als Paperback erhältlich bei List, 17,99 Euro.

Hörbuch Hamburg, 2 MP3 CDs, 480 Minuten; 19,00 Euro


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Kolumne vom 06.05.2019 - Nr.559


Sarah Kuttner

daumen rauf

Kurt

Kuttner Kurt

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, deren Zentrum in Trauer implodiert.

 


Sarah Kuttner schreibt frisch, frech und wild! Mit ihrem neuen Roman trifft sie die leiseren Töne. „Kurt“ begeistert, berührt, betrübt, ein Roman wie ein Wirbelsturm des Lebens. Sarah Kuttner wusste ja schon mit ihrem Debüt „Mängelexemplar“ zu überzeugen. 10 Jahre ist das nun her. Andere Bücher folgten. Die Autorin ist gereift, das zeigt sie mit „Kurt“. Sarah Kuttner findet einen leichten Ton für das schwere Gefühl der Trauer. Mit „Kurt“ weint man, mit „Kurt“ lacht man, mit „Kurt“ erlebt man viele unterschiedliche Gefühlsebenen. Ein Roman wie ein Heftpflaster für das Leben!

 
Kuttner Kurt mp3

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Die Autorin liest selbst. Sarah Kuttner liest auf charmante, bissige und melancholische Art und fängt damit wunderbare die Stimmung des Romans ein. 19,95 Euro. Hörprobe

S. Fischer, 240 Seiten; 20,00 Euro


Mary Adkins

daumen runter

Wenn du das hier liest

Wenn du das hier liest

Jades Leben liegt in Scherben, seit ihre Schwester Iris mit 33 Jahren an Krebs starb. Auch Smith, Inhaber einer maroden New Yorker PR-Agentur, hat mit dem Verlust zu kämpfen. Noch immer schreibt er seiner verstorbenen Assistentin Iris E-Mails, so sehr fehlt ihm ihre humorvolle Art. Als Smith herausfindet, dass Iris bis kurz vor ihrem Tod einen Blog über ihre Krankheit geschrieben hat, setzt er alles daran, ihn zu veröffentlichen und kontaktiert ihre Schwester - Jade jedoch vermutet, er wolle lediglich Geld machen, um seine Agentur zu retten. Kann es ein Happy End für zwei Menschen geben, die schon vor langer Zeit aufgehört haben, an ein Happy End zu glauben?

Der Roman ist auf seine Art eine Herausforderung! E-Mail-Romane können etwas ganz Besonderes sein oder gnadenlos scheitern. Die Amerikanerin Mary Adkins, die Anwältin war und nun Storytelling in New York unterrichtet, schafft es, genau dazwischen zu liegen. Zwischen etwas Besonderem und einschläfernder Lektüre. Die Geschichte ist berührend, traurig, Mut machend, aber durch die so gewählte E-Mail-Umsetzung der Autorin kommt kaum Lesefluss auf. Gerade wenn die Geschichte wieder richtig schön wird, nervt sie einen auch schon wieder.

Kindler, 365 Seiten; 20,00 Euro


Friederike Otto

daumen rauf

Wütendes Wetter

Wütendes WetterHitze, wie wir sie aus fernen Urlaubsregionen kannten, sintflutartiger Starkregen, verheerende Stürme: Ist das schon Klimawandel – oder immer noch „nur“ Wetter? Die Autorin hat die Attribution Science mitentwickelt. Mittels dieser revolutionären Methode kann sie genau berechnen, wann der Klimawandel im Spiel ist. War eine Katastrophe wie Harvey menschengemacht? Ist eine Dürreperiode Folge der globalen Erwärmung oder nur ein heißer Sommer, wie es ihn schon immer gab? Die Zahlen belegen: Eine Hitzewelle wie in Deutschland 2018 ist durch den Klimawandel mindestens doppelt so wahrscheinlich geworden wie früher. Man kann konkrete Verursacher für Wetterphänomene haftbar machen ‒ Unternehmen, ja ganze Länder können jetzt vor Gericht gebracht werden. Und es wird verhindert, dass der Klimawandel weiter als Argument missbraucht wird.

Spätestens seit der bewundernswerten Greta Thurnberg wird über Klimaschutz öffentlich wieder viel mehr gesprochen. Dringend notwendig, wie Friederike Otto mit ihrem Buch belegt. „Wütendes Wetter“ zeigt die Fakten hinter der öffentlichen Diskussion. Und es sind sehr beängstigende Fakten. Ein Buch, das in der aktuellen Diskussion wichtig ist, aber auch noch weit darüber hinaus. Schwerpunkte des Buches sind unter anderem: „Ursache und Wirkung: Wie wir unser Wetter geschaffen haben“, „Hitzewellen, Starkregen und Co.: So viel Klimawandel steckt im Wetter“, „Verplant: Wie der Klimawandel sich rächt, wenn man ihn missachtet“, „Eine Frage der Gerechtigkeit: Sind die Kosten des Klimawandels bekannt, sind die Industrieländer in der Pflicht“, „Klimawandel im Alltag: Das Wetter mit anderen Augen sehen“.

Ullstein, 238 Seiten; 18,00 Euro


Friedrich Hainbuch

daumen rauf

Bienen

Bienen herbig

Bienenprodukte wie Honig, Propolis oder Bienengift sind seit Jahrtausenden bewährte Heilmittel und werden gerade von der Medizin wiederentdeckt. Dieses Buch bietet eine ausführliche Darstellung aller Produkte, die in der Bienenhaltung gewonnen werden können, einschließlich des Bienenstichs als Akupunkturmittel, bei dem die Biene am Leben bleibt. Es beschreibt die historischen Hintergründe und Wirkungsweisen, zeigt, welche Rezepturen und bei welchen Erkrankungen eingesetzt werden können.

Das ohne die Bienen die Welt eine ganz andere wäre und kurz vor dem Kollaps stehen würde, das begreifen mittlerweile immer mehr Menschen, und sie tun auch etwas dafür, dass die Bienen wieder den Lebensraum bekommen, den sie brauchen. Dieses Buch bietet ausführlich und anschaulich was die Bienen alles leisten und für was sie und ihre Erträge alles gut sind. Beginnend mit den zahlreichen Bienenprodukten über Bienen-Wellness für Gesundheit und Wohlbefinden und die Anwendung von Honig und Co. Dazu gibt es noch eine reiche Bebilderung. Ein ganz tolles Buch, das alle haben sollten, die sich für Bienen und ihre Erzeugnisse interessieren!

Bienen



Ebenfalls von Friedrich Hainbuch ist bei Kosmos (192 Seiten, 20,00 Euro) das Buch „Bienen – Was Menschen und Bienen einander bedeuten“ neu erschienen. In diesem wunderschönen Buch geht der Autor gezielter auf die Bienen selbst ein. Ein Buch zum lernen und staunen!

Herbig, 189 Seiten; 20,00 Euro


Jan Haft

daumen rauf

Die Wiese

Die Wiese

Kitzelnde Gräser, leuchtende Blumen, summende Insekten: So fühlt sich eine Sommerwiese an. Eine Wiese ist gleichbedeutend mit einer Entdeckungsreise in ein wahres Naturparadies, in dem Hunderte bunter Pflanzen und bizarrer Tiere leben, deren Naturgeschichte oft noch gar nicht richtig erforscht ist. Nirgendwo sonst leben mehr Insektenarten, nirgendwo sonst herrscht eine solche Farbenpracht. Und gleichzeitig ist kein heimischer Lebensraum so sehr bedroht: Etwa ein Drittel unseres Landes war einst von blühenden Wiesen bedeckt. Heute sind es noch klägliche zwei Prozent.

Der Biologe Jan Haft ist ein vielfach ausgezeichneter Natur- und Tierfilmer. Wiesen liegen ihm sehr am Herzen, daraus hat er nun ein anschauliches, informatives und eindrucksvolles Buch gemacht. „Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt“ wird sie dorthin führen, wo viele von uns sicher schon lange nicht mehr waren. Dazu gibt es noch einige sehr schöne Fotos. Einige Schwerpunktthemen sind: „Das Verschwinden der Farben“, „Die Entstehung der Blumenwiese“, „Schlangen und Orchideen“, „Stumme Landschaft“, „Das gelbe Wunder“, „Rettet die Wiesen!“.

Penguin, 253 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Emily Gunnis

Das Haus der Verlassenen

Das Haus der Verlassenen mp3


Sussex, 1956. Als die junge Ivy Jenkins schwanger wird, schickt ihr liebloser Stiefvater sie fort – ins St. Margaret's Heim für ledige Mütter. Sie wird den düsteren, berüchtigten Klosterbau nie mehr verlassen. Sechzig Jahre später stößt die Journalistin Sam in der Wohnung ihrer Großeltern auf einen flehentlichen Brief Ivys. Er ist an den Vater ihres Kindes adressiert – aber wie ist er in den Besitz von Sams Großvater gelangt? Sam beginnt die schreckliche Geschichte von St. Margaret's zu recherchieren. Dabei stößt sie auf finstere Geheimnisse, die eine blutige Spur bis in die Gegenwart ziehen. Und die tief verstrickt sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte.

Die Engländerin Emily Gunnis arbeitete als erfolgreiche Drehbuchautorin bevor sie nun mit „Das Haus der Verlassenen“ ihren Debütroman geschrieben hat, der in England gleich zum Bestseller avancierte. Bei diesem Roman ist das nachzuvollziehen. Eine Geschichte voller Spannung, Dramatik und aufwühlenden Momenten! Es ist schwer zu ertragen, was die Nonnen den jungen Frauen im St. Margaret's Heim für ledige Mütter antun. Diese Frauen waren oft unendlichen Qualen ausgesetzt. Der Titel trifft hier vollkommen zu: Diese Frauen waren für immer verlassen. Britta Steffenhagen liest feinfühlig und kraftvoll zugleich. Passend für diese Geschichte und deren Frauenfiguren. Hörprobe

Das Haus der Verlassenen



Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 20,00 Euro.

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 503 Minuten; 20,00 Euro


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Kolumne vom 29.04.2019 - Nr.558


Meike Winnemuth

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Bin im Garten

Bin im Garten

„Ein Jahr im Garten leben. Gemüse anbauen. Bäume pflanzen. Blümchen natürlich auch. Wurzeln schlagen. Boden unter den Füßen finden, und zwar einen, den ich persönlich dorthin geschaufelt habe.“ Die Autorin erzählt in ihrem Tagebuch von ihrem ersten eigenen Garten. Vom Träumen und Planen, Schuften und Graben, Säen, Pflanzen, Ernten, Essen. Vom großen Wachsen (Muskelkater!) und Werden (plötzlich: geduldig!). Und entführt den Leser dabei an einen paradiesischen Ort wahren Lebens, mit Radieschen und Schnecken, mit Rittersporn und anderen blauen Wundern.

In ihrem sensationellen Bestseller „Das große Los“ wollte Meike Winnemuth unbedingt weg, jetzt möchte sie zuhause bleiben und genießt die Ruhe bei „Bin im Garten“. Mit fast 60 Jahren findet sie ihr Glück nun dabei sich um ein Lebewesen zu kümmern, einen Hund, und einen „grünen Partner“ an ihrer Seite zu wissen. Sie erzählt äußert sympathisch und witzig davon, wie man süchtig nach seinem eigenen Garten werden kann. Wie schön es ist, etwas anzupflanzen und dann beim langsamen wachsen zuzusehen. Welch großes Glück man daraus schöpfen kann. Die Welt bereisen war ein Abenteuer, der eigene Garten ist noch ein viel Größeres. Und er hat den großen Vorteil, er ist ganz nah und man kann in ihm immer herumspazieren und sich mitten reinsetzen. Am Ende ist die ewig Reisende Meike Winnemuth keine mehr, und auch die Stadtliebhaberin hat sich in ihr großteils verabschiedet. Das hektische Großstadtleben ist nichts mehr für sie. Ihre neue Heimat ist ihr Garten, der ihr so viel positives Lebensgefühl schenkt. Das ist mit nicht aufzuwiegen. Ein Buch zum schmunzeln, lernen und sich wohlfühlen!

Penguin, 320 Seiten; 22,00 Euro


Zinzi Clemmons

daumen runter

Was verloren geht

Was verloren geht

„Du bist ja keine richtige Schwarze“, sagt ihre weiße Mitschülerin eines Tages zu Thandi. Die Worte hallen nach, bis sie eine junge Frau wird. In Pennsylvania wächst sie auf, schließt Freundschaften, beginnt Liebschaften, doch sie gehört nie richtig dazu. Johannesburg ist die Heimat ihrer Mutter – für Thandi unendlich weit entfernt. Bis ihre Mutter an Krebs erkrankt, das Sterbebett zu Hause aufgebaut wird und Thandi sich mit ihrem Vater die Pflegestunden teilt. Es beginnt eine schmerzliche Reise zu ihren Wurzeln und eine erhellende Suche nach Halt, nach Liebe, nach einer eigenen Familie.

Zinzi Clemmons ist die Tochter einer afrikanischen Mutter und eines New Yorker Vaters. Ihre eigene Geschichte fließt somit auch in ihren ersten Roman mit ein. In Amerika hat der Roman durchaus Lob geerntet, doch mich konnte er in dieser Form nicht überzeugen. Zinzi Clemmons wählt große Themen für ihren Roman, auch die Geschichte klingt vielversprechend, aber die Umsetzung lässt in großen Teilen zu wünschen übrig. Alles wirkt sehr abgehackt, das liegt an den kurzen Kapiteln und nicht selten auch an ihrem wirren Inhalt. Lesefluss entsteht so kaum. Eine tiefe Auseinandersetzung mit den Figuren und der Geschichte gibt es auch nicht. Die Geschichte hätte ein 500, 600 Seiten starken, großen Roman gut vertragen, aber so ist es ein Debütroman geworden, der schnell wieder vergessen wird, wenn die Autorin nichts Großes nachliefert.

Ullstein, 236 Seiten; 20,00 Euro


Angelika Throll

daumen rauf

Zimmerpflanzen

ZimmerpflanzenZimmerpflanzen erleben ein grünes Revival. Gekauft ist die lebende Deko schnell, doch erst die richtige Pflege macht die Wohnung zum „Urban Jungle“. Die Autorin erklärt, worauf es beim erfolgreichen Zimmergärtnern ankommt. Basics beachten, Pflegefehler vermeiden, Schädlinge bekämpfen – alle Handgriffe werden Schritt für Schritt beschrieben.

Wenn man nach Meike Winnemuths Buch Lust – und die Möglichkeit – hat, einen eigenen Garten anzulegen, bleiben am Ende aber immer noch viele Monate im Jahr übrig, die man nicht mit dem freudigen Grün draußen verbringen kann. Da bietet sich an, auch drinnen alles auf Grün zu stellen. Ein neuer Trend, der so neu nicht mehr ist, ist der Urban Jungle. Es gibt viele Pflanzen die man draußen nicht so gut halten kann. Für Neueinsteiger bietet sich hier das Buch von Angelika Throll „Zimmerpflanzen – Urban Jungle, mein Paradies zu Hause“ an. Ein Buch, das kompakt, flüssig zu lesen und reich bebildert ist, und eine wunderbare Einführung zum eigenen Urban Jungle darstellt.

Kosmos, 96 Seiten; 12,99 Euro


Markus Heitz

daumen rauf

Die dunklen Lande

Die dunklen Lande

1629. Der 30-Jährige Krieg mit seinen Konflikten erschüttert Europa und tobt besonders gnadenlos in Deutschland. Die junge Abenteurerin Aenlin Kane reist in die neutrale Stadt Hamburg, um das Erbe ihres berühmten Vaters Solomon Kane zu ergründen. Zusammen mit ihrer Freundin Tahmina, einer persischen Mystikerin, gerät sie in die Wirren des Krieges. Sie nehmen einen folgenschweren Auftrag der West-Indischen Compagnie an: Eine zusammengewürfelte Truppe soll sich durch die Linien nach Süddeutschland durchschlagen, bis nach Bamberg, wo grausamste Hexenprozesse die Scheiterhaufen brennen lassen - doch es kommt vieles anders.

Will man qualitativ hochwertige Fantasy von einem deutschen Autor lesen steht dabei ein Name ganz oben auf dem Fantasy Thron: Markus Heitz! Sein Ideenreichtum scheint unbegrenzt. Sein neuestes Werk bestärkt wieder alle seine Qualitäten, die man als Leser von ihm kennt. „Die Dunklen Lande“ stößt einen sofort mitten hinein in eine spannende Zeit, aus dieser man als Leser nicht mehr entkommen kann. Ein tolles Setting und faszinierende Charaktere tun ihr übriges dazu.

Knaur, 540 Seiten; 16,99 Euro


Jörg-Michael Günther

daumen rauf

Der Fall Max und Moritz

Der Fall Max und Moritz

Ganze Generationen von Eltern gaben und geben ihren Kindern die gereimten „Lausbubengeschichten“ zum Lesen oder verwenden sie als Gutenachtgeschichte. Gedanken über mögliche psychische Schäden für den Nachwuchs machen sie sich dabei nicht. Dies ist unverständlich, da die Beschreibung der Umtriebe von Max und Moritz aus einer in der Literatur beispiellosen Aneinanderreihung von kriminellen Taten besteht. Die Superstars des erfolgreichsten Kinderbuches aller Zeiten sind in Wahrheit bösartige Jugendliche, die aufgrund ihrer Verhaltensauffälligkeiten für ein ganzes Dorf eine Belastung sind.


Eine witzige und erfrischende Betrachtung von Max und Moritz und ihren Straftaten! Die Idee zu diesem Buch ist stark, genauso wie seine Umsetzung. Als Leser lernt man deutsche Gesetze auf „spielerische“ Art kennen. Schon der Untersatz zum Buchtitel zeigt, wo es lang geht: „Juristische Gutachten über die Umtriebe zweier jungendlicher Straftäter zur Warnung für Eltern und Pädagogen“.

Eichborn, 240 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Chris Colfer

Land of Stories – Die Suche nach dem Wunschzauber

Land of Stories Die Suche nach dem Wunschzauber Hoerbuch


Als Alex und ihr Zwillingsbruder Conner ein altes Buch zum Geburtstag geschenkt bekommen, ahnen sie nicht, dass dieses ein Portal in ein magisches Reich ist. Sie geraten in eine Welt, in der es nicht nur gute Feen und verwunschene Prinzen gibt, sondern auch ein böses Wolfsrudel und eine noch viel bösere Königin. Doch ganz so einfach ist die Sache mit Gut und Böse leider nicht. Denn in all den Jahren nach dem Happy End haben die Märchenwesen einige Marotten entwickelt, was die Zwillinge in so manche verzwickte Lage bringt. Außerdem haben sie nicht den blassesten Schimmer, wie sie wieder nach Hause finden sollen. In einem geheimnisvollen Tagebuch steht die Lösung – doch hinter dem ist auch die böse Königin her …

Ein bisschen „Die Chroniken von Narnia“, „Harry Potter“ und Walt Disney und dazu ganz viel Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen und natürlich nicht zu vergessen das Ideenfeuerwerk von Chris Colfer, der mit „Land of Stories“ eine überaus fantastische Fantasy-Reihe geschaffen hat. Der erste Band „Land of Stories – Die Suche nach dem Wunschzauber“ ist bereits 2012 in den USA erschienen. Nun endlich gibt es diese Fantasy-Reihe auch auf Deutsch. Auf die nächsten Bände darf man sehr gespannt sein. Wer anders als der großartige Rufus Beck sollte sich dieser fantastischen Fantasy-Reihe als Sprecher annehmen. Er zaubert auch, mit seiner wundervoll verspielten und vielseitigen Stimme. Erfreulich ist auch, dass es sich um eine ungekürzte Lesung handelt. Hörprobe

Land of Stories Die Suche nach dem Wunschzauber



Auch als Hardcover erhältlich bei Sauerländer, 18,00 Euro.

Argon Hörbuch, 2 MP3 CDs, 774 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de