Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 15.10.2018 - Nr.530


Adam Zamoyski

daumen rauf

Napoleon – Ein Leben

Napoleon Ein Leben

Der Sohn aus einer armen Familie wird mit 26 Jahren General, kaum zehn Jahre später ist er Herr über Europa. Monarchen zittern vor ihm, die Völker bejubeln ihn als Herold einer Zeitenwende. Doch der korsische Komet verglüht so rasch, wie er aufgestiegen ist. Dieses wuchtige Buch erzählt Napoleons Leben.

Der englische Autor und Historiker Adam Zamoyski hat mit seinen Büchern „1812“ und „1815“ bereits historische Sachbuchbestseller abgeliefert. Er kennt sich also schon hinreichend mit Napoleon Bonaparte aus, aber natürlich musste er für dieses Buch noch weitreichend recherchieren. Er widmet sich darin nun auch vorzugsweise Napoleons Aufstieg bis zu den ersten großen Schlachten, die weiteren sind dann nur noch am Rande beschrieben, und natürlich seinem Abstieg. Eine allumfassende Biografie, aber eben kein Schwerpunkt auf die großen Schlachten, die er geschlagen hat. Folgende Kapitel sind u. a. enthalten: „Ein scheuer Messias“, „Inselträume“, „Der Kadett“, „Frankreich oder Korsika“, „Jungendlieben“, „Herr über Italien“, „Ägypten“, „Pest“, „Der Konsul“, „Caesar“, „Der Befreier Europas“, „Der Weg zum Imperium“, „Austerlitz“, „Kaiser des Westens“, „Der Herr Europas“, „Der Sonnkaiser“, „Kaiser des Ostens“, „Zenit“, „Blendende Macht“, „Der Rubikon“, „Nemesis“, „Schale Siege“, „Vereinsamung“, „Der Geächtete“. „„Napoleon – ein Leben“ ist eine lebendige und fesselnde Darstellung vom Leben Napoleon Bonapartes!

C. H. Beck, 863 Seiten; 29,95 Euro


Joseph Knox

daumen runter

Dreckiger Schnee

Dreckiger Schnee

Isabelle Rossiter, die Tochter eines einflussreichen Politikers, ist von zu Hause ausgerissen. Detective Aidan Waits, bei seinen Vorgesetzten in Ungnade gefallen, soll sie wiederfinden. Seine Suche auf den nächtlichen Straßen Manchesters führt ihn in einen Sumpf von Drogen und Gewalt: Offenbar setzt ein mächtiger Dealer minderjährige Mädchen als Drogen-Kuriere ein, und nicht nur eine von ihnen ist verschwunden. Aidan Waits dämmert, dass Isabelle mit voller Absicht untergetaucht ist, um ihr Leben zu retten. Und auch sein eigenes hängt am seidenen Faden. Ein zwielichtiges Spiel in den Grauzonen des Gesetzes beginnt.

Der junge und fesche Joseph Knox ist Buchhändler und landete mit seinem Debütthriller in seiner Heimat England gleich einen Bestseller. Die Story hörte sich okay an, nichts was mich nun sofort packen würde. Und so war dann auch die Geschichte selbst. Sie ist durch und durch okay, aber richtig gepackt hat sie mich nie. Der Einstieg war interessant und auch im letzten Viertel wurde es wieder spannender, dazwischen herrschte oft viel Langatmigkeit und die Spannung blieb dabei auf der Strecke. Das Setting mit Manchester konnte mich durchaus begeistern, weniger aber die Hauptfigur des Detective Aidan Waits. Ich hatte nur selten das Gefühl, dass ich wissen will, wie es mit ihm und seiner Ermittlung weitergeht.

Knaur, 431 Seiten; 14,99 Euro


Jessica Fellowes

daumen rauf

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht

Die Schwestern von Mitford Manor Unter Verdacht buchLondon, 1920: Für die 19-jährige Louisa geht ein Traum in Erfüllung. Sie bekommt eine Anstellung bei den Mitfords, der glamourösen und skandalumwitterten Familie aus Oxfordshire. Endlich kann sie der Armut und dem Elend der Großstadt entfliehen und dafür auf ein herrschaftliches Anwesen ziehen. Louisa wird Anstandsdame und Vertraute der sechs Töchter des Hauses, allen voran der 17-jährigen Nancy, einer intelligenten jungen Frau, die nichts mehr liebt als Abenteuer und gute Geschichten. Als Florence Nightingale Shore, eine Krankenschwester und Freundin der Familie, am helllichten Tag ermordet wird, beginnen Nancy und Louisa eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell erkennen sie, dass nach den Wirren des Krieges jeder etwas zu verbergen hat.

Jessica Fellows hat mit der „Die-Schwestern-von-Mitford-Manor“-Reihe eine großartige 1920er-Saga erschaffen! Aufregend und überraschend und voll lebendiger Figuren. Die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Jessica Fellowes, bekannt durch ihre Begleitbücher zum Serienhit „Downton Abbey“ fühlt sich in der damaligen Zeit zu Hause. Das lässt sie den Leser spüren, durch viele Details und Atmosphäre. Jessica Fellows wandelt mit der „Die-Schwestern-von-Mitford-Manor“-Reihe auf den Spuren einer Lucinda Riley! „Unter Verdacht“ ist nämlich nur der erste Band der Reihe, weitere folgen. Wie bei Lucinda Riley mit ihrer „Schwestern“-Reihe.

Die Schwestern von Mitford Manor Unter Verdacht

 
Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Aufregend und spielerisch gelesen von Schauspiel-Ass Juliane Köhler! 16,99 Euro. Hörprobe

Pendo, 496 Seiten; 16,99 Euro


Paolo Giordano

daumen rauf

Den Himmel stürmen

Den Himmel stürmenTeresa lebt mit ihren Eltern in Turin, doch die Sommerferien verbringt sie jedes Jahr bei der Großmutter in Apulien, mit den Nachbarjungen Bern, Tommaso und Nicola. Die vier Freunde sind unzertrennlich, bis zwischen Bern und Teresa etwas Neues entsteht: die erste große Liebe. Aber im Jahr darauf ist Bern nicht mehr da. Zutiefst enttäuscht verbannt Teresa Apulien aus ihrer Erinnerung. Erst zum Begräbnis der Großmutter fährt sie wieder hin. Am Rande des Friedhofs steht ein Mann in einem langen Mantel: Bern. Sie gehen aufeinander zu. Doch Bern verschwindet ein zweites Mal aus Teresas Leben.

 Der promovierte Physiker und Autor des großen Bestsellers „Die Einsamkeit der Primzahlen“ legt seinen neuen Bestseller vor. „Den Himmel stürmen“ ist eine mitreißende, intensive, aufwühlende und nachdenklich stimmende Geschichte! Man erlebt mit Teresa und Bern eine Gefühlsachterbahn der besonderen Art. „Den Himmel stürmen“ zeigt, das man den Himmel mit seinen Gefühlen nicht für immer stürmen kann. Gefühle für einen Menschen bleiben nicht immer gleich – was schade ist, aber so ist leider das Leben.

Rowohlt, 527 Seiten; 22,00 Euro


Utta Seidenspinner

daumen rauf

Wohnwahnsinn

Wohnwahnsinn

Wie konnten deutsche Wohnungen zum Spielball globaler Investoren werden, und wer sind die Profiteure? Die Autorin kommt der Kostenexplosion der vergangenen Jahre systematisch auf die Spur. Entdeckt versteckte Milliarden-Transaktionen, die komplett am Finanzamt vorbeigehen, ein Geldwäschesystem namens „Russischer Waschsalon", die italienische 'Ndrangheta in Thüringen und trifft auf ägyptische Makler, die Berliner Wohnungen in Shopping Malls in Dubai verkaufen. Und sie findet Mieter, die in ehemals kommunalen Wohnsiedlungen in ständiger Angst vor der nächsten Mieterhöhung leben.

Ein Buch mit einem Thema, das derzeit in allem Munde ist! Wie kann ich als normaler Arbeiter eine normale Wohnung zu einem normalen Mietpreis finden? Oder mir ein Eigenheim bauen, das man noch zu Lebzeiten abbezahlen kann? Die Autorin liefert zu diesen Fragen Antworten und findet die Ursachen für den „Wohnwahnsinn“. Folgende Hauptthemen sind enthalten: „Ein Home zum Preis von einem Castle“, „Lieber Düsseldorf als Dubai – ausländische Investoren“, Geldwäsche im großen Stil?“, „Der Urknall – vom gemeinnützigen Wohnungsbau an die Börse“, „Was können wir tun?“, „Liebe auf den ersten Blick – Mein Traumhaus“ und „Was Sie tun können – Von Mieten bis Kaufen“.

Berlin Verlag, 202 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Juli Zeh

Neujahr

Neujahr mp3

Lanzarote, am Neujahrsmorgen. Henning sitzt auf dem Fahrrad, will den Steilaufstieg nach Femés bezwingen und lässt seine Lebenssituation Revue passieren. Eigentlich ist alles in bester Ordnung. Er hat zwei gesunde Kinder und einen passablen Job. Mit seiner Frau Theresa praktiziert er ein modernes, aufgeklärtes Familienmodell, bei dem sich die Eheleute in gleichem Maße um die Familie kümmern. Aber Henning geht es schlecht. Er lebt in einem Zustand permanenter Überforderung. Familienernährer, Ehemann, Vater - in keiner Rolle findet er sich wieder. Seit Geburt seiner Tochter leidet er unter Angstzuständen und Panikattacken, die ihn regelmäßig heimsuchen wie ein Dämon. Als Henning schließlich völlig erschöpft den Pass erreicht, trifft ihn die Erkenntnis wie ein Schlag: Er war als Kind schon einmal hier in Femés.

Henning ist gefangen in seinem Leben, diese Gefühle kennen viele. Eigentlich liebt er seine Kinder, seine Ehefrau, seinen Job, dass was er geschaffen hat, doch seinem Unterbewusstsein wird es zu viel. Das hasst die viele Zeit, die für Kinder, Ehe und Familie verwendet werden müssen, und keine freie Minute mehr bleibt um durchatmen zu können, sich dem zu widmen, was einem selbst wichtig ist. Die Folge sind Panikattacken, ein Burn-out droht. Bis hierhin verdient der Roman Bestnoten. Ich dachte, eine Geschichte, die ehrlich anspricht, was man sich als Vater oder Mutter, Ehemann und Ehefrau normal nicht zu sagen traut, dass man alleine vielleicht ein besseres Leben hätte führen können. Alles schien auf ein yatessches Ehedrama hinauszulaufen. Genial, dachte ich weiter. Aber Bestsellerautorin Juli Zeh (Unterleuten) schafft es dann doch tatsächlich, die Geschichte komplett umzudrehen und sie ins Lächerlich zu führen. An Hennings angehender Depression, die zuvor perfekt aufgebaut wurde, soll plötzlich ein lange zurückliegendes Kindheitserlebnis mit seiner Schwester Luna, das viel zu viel Platz in der Geschichte einnimmt, schuld sein. Der Roman wäre so nicht mehr zu retten gewesen, aber das Hörbuch schaffte es. Und das liegt an der feinen und ruhigen Lesung vom bekannten Schauspieler Florian Lukas (u. a. bekannt aus der ZDF-Krimi-Reihe Friesland). Hörprobe

Neujahr

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Luchterhand, 20,00 Euro.

Der Hörverlag, 4 CDs, 304 Minuten; 20,00 Euro


Kolumne vom 08.10.2018 - Nr.529


Nicholas Sparks

daumen rauf

Wo wir uns finden

Wo wir uns finden

Die 36-jährige Hope Anderson steht vor schicksalhaften Entscheidungen. Sie ist seit mehreren Jahren mit ihrem Partner zusammen, weiß aber nicht, ob er wirklich die Liebe ihres Lebens ist. Zusätzlich wurde bei ihrem Vater gerade eine tödliche Krankheit diagnostiziert, was schwierige Fragen für ihre eigene Zukunft aufwirft. Kurz entschlossen nimmt sich Hope eine Woche frei und zieht sich in das idyllische Strandhaus der Familie zurück, um Klarheit in ihr Leben zu bringen. Doch dann trifft sie den sympathischen Abenteurer Tru, der alles durcheinanderwirbelt. Für beide ist es Liebe auf den ersten Blick, sie verbringen herrliche romantische Tage miteinander. Aber beide stehen unter dem Druck familiärer Verpflichtungen, die ihrer Beziehung entgegenstehen. Und so drohen Hope und Tru sich zu verlieren, bevor sie sich richtig gefunden haben.

„Wo wir uns finden“ ist eine ganz besondere Lovestory, da sie von der Grundgeschichte her auf einer wahren Begebenheit beruht. Oder etwa doch nicht? Lassen Sie sich überraschen. Auf jeden Fall spielt der Autor selbst darin eine tragende Rolle. „Wo wir uns finden“ ist eine Lovestory aus den 1990ern, die so, in unserer heutigen, technologisierten Welt, nicht mehr möglich wäre bzw. ganz anders verlaufen würde. Weltbestsellerautor Nicholas Sparks hat wieder etwas ganz Besonderes geschrieben. Die Seiten fliegen nur so dahin. Man lebt mit Hope und Tru, erlebt die Gefühle, lässt sich mitreißen von ihrer beiden Geschichten und Gefühle. „Wo wir uns finden“ zeigt, dass man immer an die große Liebe im Leben glauben sollte! Doch es zeigt auch, dass selbst die Liebe zwei verliebter Menschen manchmal nicht ausreichen kann, da das Leben andere Pläne hat.

Wo wir uns finden HörprobeAuch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Alexander Wussow lässt mit seiner weichen und sanften Stimme die Gefühlswelt des Nicholas Sparks prächtig aufleben. 19,99 Euro. Hörprobe

Heyne, 380 Seiten; 20,00 Euro


Lukas Rietzschel

daumen runter

Mit der Faust in die Welt schlagen

Mit der Faust in die Welt schlagen

Philipp und Tobias wachsen in der Provinz Sachsens auf. Im Sommer flirrt hier die Luft über den Betonplatten, im Winter bricht der Frost die Straßen auf. Der Hausbau der Eltern scheint der Aufbruch in ein neues Leben zu sein. Doch hinter den Bäumen liegen vergessen die industriellen Hinterlassenschaften der DDR, schimmert die Oberfläche der Tagebauseen, hinter der Gleichförmigkeit des Alltags schwelt die Angst vor dem Verlust der Heimat. Die Perspektivlosigkeit wird für Philipp und Tobias immer bedrohlicher. Als es zu Aufmärschen in Dresden kommt und auch ihr Heimatort Flüchtlinge aufnehmen soll, eskaliert die Situation. Während sich der eine Bruder in sich selbst zurückzieht, sucht der andere ein Ventil für seine Wut. Und findet es.

Ein – leider – aktueller Roman, der genau wegen dieser Aktualität zahlreiche lesenswerte Komponenten enthält. Lukas Rietzschel (Jahrgang 1994) schildert durchaus eindrucksvoll und bedrückend wie ein Dorf nach und nach dem Untergang entgegen geht. Das was das aus den Menschen, vor allem im Osten machen kann, sieht man ja nun täglich in den Nachrichten und bei den Wahlen. Das Thema hätte also riesengroßes Potenzial gehabt um daraus einen ganz großen Roman über das Deutschland nach 2015 zu machen. Gelungen ist dieses Unterfangen Lukas Rietzschel nicht. Zu wenig griffige Handlung, zu wenig Spannung, zu wenig, was die große Bühne des Themas geboten hätte. „Mit der Faust in die Welt schlagen“ bleibt so eher ein kleiner Roman zu dem Thema.

Mit der Faust in die Welt schlagen mp3Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Der junge Christoph Letkowski ist eine gut gewählte Stimme für diese Geschichte. Eine authentische Lesung! 20,00 Euro. Hörprobe

Ullstein, 317 Seiten; 20,00 Euro


Elizabeth Jane Howard

daumen rauf

Die Jahre der Leichtigkeit

Die Jahre der LeichtigkeitDie Cazalets. Eine großbürgerliche Familie im England der späten Dreißigerjahre – unruhige Zeiten. Aus dem Familiensitz Home Place in der malerischen Grafschaft Sussex wird unerwartet ein Zufluchtsort für mehrere Generationen. Zusammen mit ihren Familien kehren die Cazalet- Brüder Hugh, Edward und Rupert wie jeden Sommer in das Haus ihrer Kindheit im Herzen von Sussex zurück. Vor ihnen liegen herrlich lange Ferienwochen. Doch die unbekümmerte Stimmung ist trügerisch: Der Zweite Weltkrieg wirft seine Schatten voraus, und auch innerhalb der Familie schwelen Konflikte.

Die Engländerin Elizabeth Jane Howard (1923 – 2014) hat mit der Cazalets-Saga eine absolut umwerfende Geschichte erschaffen! Sie erzählt so einfach Dinge wie Einkaufen, bei Tisch sitzen, sich mit den Kindern oder den Tieren beschäftigen, kochen, in Urlaub fahren oder gar nur das Aufstehen mit so viel Charme, und ja, mit so viel Leichtigkeit, dass es nur so eine Freude ist. Bei einer anderen Autorin würde man vielleicht vor Langeweile gähnen, bei Elizabeth Jane Howard freut man sich auf jede neue Zeile. Genau so verhälft es sich, wenn es an den regen Austausch der Figuren geht. Ihre Charaktere haben alle ihre ganz eigene Stimme. Mal lieb, mal störrisch, man ernst, mal traurig, mal weise, mal weniger gescheit. Es macht große Freude den Charakteren und den Dialogen zu folgen. „Die Jahre der Leichtigkeit“ ist der erste Band der Saga um die Familie Cazalet, in dem, wie es der Titel schon sagt, noch die Leichtigkeit das Geschehen bestimmt, auch wenn die ersten Vorboten des nahenden Krieges schon zu spüren sind. Der zweite Band „Die Zeit des Wartens“ folgt schon im November 2018.

dtv, 573 Seiten; 16,90 Euro


Dante Alighieri

daumen rauf

Die göttliche Komödie

Die göttliche KomödieDie „Divina Commedia“ ist der Klassiker der italienischen Literatur schlechthin und zugleich ihr grandioser Auftakt. Dante Alighieris Jenseitsreise mit de berühmten drei Stationen „Inferno“, „Purgatorio“ und „Paradiso“ ist eine überwältigende Gesamtschau der Weltgeschichte, die zwischen den Epochen steht und die Renaissance in ihrem kommenden Glanz bereits erahnen lässt.

 

 

Über eines DER Werke der Weltliteratur schlechthin muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Gehört haben wahrscheinlich schon fast alle davon, gelesen wohl weitaus weniger. Das sollte sich nun ändern. Mit der wunderschönen Neuausgabe von Manesse mit 48 Illustrationen von Gustave Doré und reich kommentierte von Ida und Walther von Wartburg erschließen sich Dantes Werk und Welt hier in ihrer ganzen Fülle. Wer Weltliteratur gelesen haben will, der sollte „Die göttliche Komödie“ unbedingt hinzufügen.

Manesse, 1.200 Seiten; 36,00 Euro


Lew Tolstoi

daumen rauf

Für alle Tage – Ein Lebensbuch

Für alle Tage Ein Lebensbuch

Lew Tolstoi hat große Gedanken und Einsichten, „den Verstand stärkende und das Herz erfüllende“ Erkenntnisse nach Themen sortiert den 365 Tagen des Jahres zugeordnet, um sich jeden Tag aus dieser Quelle seines Denkens und Handelns zu vergewissern. In diesen Zitaten und Reflexionen kommen seine Grundüberzeugungen zum Ausdruck: Gewaltlosigkeit, Ablehnung des Krieges und des Kriegsdienstes, Achtung und Respekt auch vor den Tieren, Bedürfnislosigkeit und die Nützlichkeit der Landarbeit, Ablehnung des Eigentums und bedingungslose Nächstenliebe, Ablehnung der kirchlichen Institutionen – um nur einige der wichtigsten Punkte zu nennen.

Der wunderschönen Ausgabe von „Der göttlichen Komödie“ sollten Sie auch noch diese nicht weniger schöne Prachtausgabe von Lew Tolstois „Für alle Tage“ hinzufügen. Auch hier schenkt der Verlag, C. H. Beck, dem Leser ein prächtig gestaltetes Buch. Lew Tolstoi hat hier wahrlich ein „Lebensbuch“ verfasst. Die hier versammelten Zitate und Kurzgeschichten sind so weise und intelligent, so hinterfragend und vorausblickend, so ehrlich und von Herzen kommend. Dieses Buch ist ein mächtig großer Schatz für Ihr Bücherregal! Es handelt sich um die nun frisch erschienene 4. Auflage, nachdem die letzte von 2011 länger vergriffen war. Für die interessierten Leser von Weltliteratur ist „Für alle Tage“ ein großes Glück.

C. H. Beck, 760 Seiten; 58,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Sofia Lundberg

Das rote Adressbuch

Das rote Adressbuch

Doris wächst in einfachen Verhältnissen im Stockholm der Zwanzigerjahre auf. Als sie zehn Jahre alt wird, macht ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England – zurück nach Schweden und zu dem Mann, den sie einst verlor, aber nie vergessen konnte.

Eine wunderschön erzählte Geschichte über das Leben, die Liebe, das Älterwerden und das Sterben! Anhand dieser Geschichte wird einem das Leben so richtig bewusst. Doris hat in ihrem Leben so viel erlebt, Schönes wie Tragisches, sie war eine Schönheit, doch im Alter ist diese Erinnerung daran nur noch eine Episode in ihrem Leben. Die Schönheit ist vergänglich, die Liebe kann vergehen oder nie wiedergefunden werden, und das Leben läuft von Beginn an dem Tod entgegen. Um das alles als Leser genau so alles miterleben zu können, erzählt Sofia Lundberg abwechselnd von der alten und der jungen Doris. Hier nur noch ein dahinvegetieren, jede Bewegung ein einziger Schmerz, und dort das pralle Leben voller aufregender Ereignisse und Schönheit. Wunderbar werden die alte und die junge Doris gelesen von Beate Himmelstoß und Susanne Schroeder. Hörprobe

Das rote Adressbuch

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Goldmann, 20,00 Euro.

Der Hörverlag, 6 CDs, 442 Minuten; 20,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 01.10.2018 - Nr.528


John Connolly

daumen rauf

Stan

Stan

Ein Greis blickt zurück auf sein Leben. Es beginnt vor dem Ersten Weltkrieg, als ein junger britischer Komiker nach Amerika fährt. Auf der Bühne hat er wenig Glück. Aber dann dreht er in einem Dorf Namens Hollywood seinen ersten Film. Wenige Jahre später ist er ein Weltstar, zusammen mit seinem besten Freund. Die beiden werden bis zu Ollies Tod untrennbar sein, danach wird er nie mehr einen Film drehen, sondern bis zuletzt Dialoge für Ollie und sich schreiben. Dieses Leben erzählt Connolly vor der faszinierenden Kulisse der Traumfabrik, die so voller Glanz und Schatten war.

Eine Roman-Biographie voller Witz, Eleganz, Tempo und literarischer Klasse! Dass der irische Bestsellerautor John Connolly, bekannt durch seine Krimis und Thriller, auch eine literarische Roman-Biographie schreiben kann, daran denkt man nicht sofort. Aber er hat mit „Stan“ wahrlich ein tolles Buch über das Leben von Arthur Stanley Jefferson oder Stan Laurel geschrieben. Für Stan Laurel ist, als er um Aufmerksamkeit und Ruhm kämpft, Charlie Chaplin lange Zeit der Fixpunkt am Komikeruniversum. Da möchte er hin, aber nicht so sein wie der Mensch Chaplin, denn Chaplin ist menschlich ein „Monster“ und „versucht jede junge Frau zu ficken, die den Fehler begeht, zu lange an einem Ort stehen zu bleiben“. Für Stan ist es ein harter und steiniger Weg bis zum späteren Star, als den ihn die Welt nun kennt. Ihn zeichnet auch immer seine Bescheidenheit aus und das Denken daran, dass der Ruhm auch ganz schnell wieder vorbei sein kann. Zu viele Niederschläge hatte er erleben müssen. Auch sein Privatleben ist nicht auf Rosen gebettet. Er hat auch dort einige Klippen, vor allem mit den Frauen, zu umschiffen. Auch den Lebensweg des „Dicken“ Babe Hardy erlebt man in „Stan“ in Teilen mit. Für Cineasten und „Dick-und Doof“-Fans ist „Stan“ ein Fest von einem Buch! Ein kleines Manko hat das Buch dann doch: die vielen Namen der damaligen Filmindustrie, die John Connolly zwar niederschreibt, sie aber nicht mit Leben erfüllt. Sie bleiben daher nur Namen ohne Gesichter.

Rowohlt, 527 Seiten; 24,00 Euro


Dr. med. Heike Melzer

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Scharfstellung – Die neue sexuelle Revolution

Scharfstellung Die neue sexuelle Revolution

Das Internet ist dabei unser aller Leben, die Liebe und unsere Sexualität nachhaltig zu verändern: Dank der ständigen digitalen Verfügbarkeit von Reizen löst sich Sexualität zunehmend aus ihrer Einbettung in der Partnerschaft. Neue sexuelle Funktionsstörungen breiten sich rasant aus. Die Grenzen von Beziehungen werden durchlässig. Kinder konsumieren Pornografie häufig Jahre vor dem ersten Kuss. In therapeutischen Praxen häufen sich die Klagen Betroffener, deren Phantasien und Verhaltensweisen sich dermaßen verselbstständigen, dass sie dabei sind, alles, was ihnen bisher lieb und teuer war, zu gefährden. Wie verändert sich unser Sexleben und damit auch die Gesellschaft durch Netzpornos, Dating-Apps, Sex-Toys und käuflichen Sex?

„Scharfstellung“ ist nicht so „scharf“, wie es der Titel verspricht! Wer nicht in einer 100-% -glücklichen Beziehung lebt oder komplett dem Sexualleben abgeschworen hat, für den wird dieses Buch nicht viel Neues oder Überraschendes bieten. Die Zusammenfassung der einzelnen Hauptthemen in einem Buch ist ganz nett, und bietet hier und da interessante Einblicke, aber ansonsten ist „Die neue sexuelle Revolution“ nicht mehr ganz so neu. Die Hauptthemen sind: „Masturbation & Sextroversion“, „Scharfmacher der Nation: Pornos“, „Es rappelt in der Kiste: Sex-Toys“, „Die Wahre Liebe: Prostitution“, „Lust ohne Alltagslast: Casual Dating“, „Beobachtungen aus der Praxis: Sexualität im Wandel“, „Verführt, verschärft, versext: Sex- und Pornosucht“ und „Kinder und Jugendliche: Aufklärung geht heute anders“.

Tropen, 234 Seiten; 16,95 Euro


Veikko Bartel

daumen rauf

Mörderrinnen

MörderrinnenWarum töten Menschen? Was lässt sie diese letzte Grenze überschreiten? In über 30 Tötungsdelikten hat Veikko Bartel schon vor Gericht verteidigt, in diesem Buch erzählt er die vier spektakulärsten, anrührendsten, grausamsten Fälle. Er schildert die Hintergründe, die hasserfüllten Reaktionen der Öffentlichkeit und die biographischen Tragödien, die sich hinter den Taten verbergen, den Zynismus und die Resignation der Justizbehörden. Sein Buch stellt die Frage nach Gerechtigkeit und zeigt mit jedem Fall: Die Realität ist spannender als jeder Krimi.

Veikko Bartel lässt den Leser tief in die Seele von Frauen blicken, die zu Mörderinnen wurden! „Mörderinnen“ ist ein Buch, das mehr zeigt als die „bloße“ Tat, es zeigt das Innenleben der Frauen, was sie dazu getrieben hat zu töten oder es versucht haben, und wie ihr Fall vom Rechtsstaat abgeurteilt wurde. Spannend und rasant erzählt! Das Buch enthält vier Geschichten: „Elvira P: - Die Kindsmörderin“, „Hertha F. – Die Gattenmörderin“, „Gina S. – Die Sadistin“ und „Natascha G. – Die Giftmörderin“. Dabei sind „Die Sadistin“ und „Die Giftmörderin“ mit jeweils um die 60 Seiten die längsten Geschichten. Veikko Bartel arbeitet heute nicht mehr als Strafverteidiger, sondern als Dozent für Steuerrecht. Ich denke, das ist eher ungewöhnlich. Irgendwann schienen ihm die Mordfälle dann doch zu viel zu werden.

Mosaik, 231 Seiten; 18,00 Euro


Thomas Drexel

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Best of Low Budget Häuser

Best of Low Budget HäuserDie 50 schönsten Low-Budget-Häuser der letzten Jahre in diesem Buch zeigen unterschiedlichste Wege zum architektonisch hochwertigen und gleichzeitig kostengünstigen Bauen. Singlehaus oder Familiendomizil, Satteldach oder Flachdach, Holz oder Beton: hinsichtlich Größe, Bauformen und Materialien illustrieren die Projekte eine riesige Bandbreite. Jeder kostenbewusste Bauherr erhält eine Vielzahl an Vorbildern und Ideen, bis hin zu Hinweisen zur Wahl des richtigen Architekten. Jedes Projekt wird mit kompakten Texten, bautechnischen Informationen, Baudaten und Kostenangaben (Brutto-Gesamtkosten), Plänen und Fotos vorgestellt.

Für Architektur-Interessierte und anstehende Häuslebauer ist dieses Buch eine wahre Fundgrube von frischen und preiswerten Ideen! Welche neuen Möglichkeiten gibt es sein Wunschhaus, dass nicht von der Stange kommt, zu einem akzeptablen Preis in die Tat umzusetzen? Dieses Buch gibt Aufschluss. Sie erwarten Häuser von 80.000 € bis 300.000 €. Von ganz klein bis passabel luxuriös.

DVA, 288 Seiten; 30,00 Euro


Robert Kirkland / Jay Bonansinga

daumen rauf

The Walking Dead – Der Anfang

The Walking Dead Der Anfang

Die Apokalypse: Eine weltweite Plage lässt die Toten wiederauferstehen und Jagd auf Menschenfleisch machen. Die wenigen Überlebenden fliehen in Angst und Schrecken – bis auf einen. Der Mann, den sie später nur den „Governor“ nennen werden, beschließt, sich dem Grauen entgegenzustellen. Dies ist seine Geschichte …

 

„The Walking Dead“ ist DIE weltweite Serien-Sensation! Eine Serie, die weit mehr als Horror zu bieten hat. Sie zeigt tiefgründige Charaktere im Auge des Untergangs der uns bekannten Welt. Grandios! Kult-Autor Robert Kirkland hat mit Jay Bonansinga auch ganz starke Romane zur Serie verfasst. „Der Anfang“ ist der erste Doppelband der Reihe, der die Folgen „Der Aufstieg des Governor“ und „Der Weg nach Woodbury“ enthält. Auch ein zweiter Doppelband mit dem Titel „Der Governor“ ist bereits erscheinen. Er enthält die Folgen „Der Fall des Governor“, den ersten und zweiten Teil.

Heyne, 864 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Heather Morris

Der Tätowierer von Auschwitz

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1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben. Dann, eines Tages, tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens - und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Die wahre Geschichte des slowakischen Juden Lale Sokolov hat mich zugleich sehr erschüttert und berührt! Über die Gräueltaten der Nazis in Auschwitz habe ich in den letzten 17 Jahren schon sehr viele Bücher gelesen. Die Wenigen, die es geschafft haben, dort zu überleben und es dann schafften, darüber zu berichten. So auch Lale Sokolov, der im Lager eigentlich schon zweimal praktisch tot war, aber es durch schicksalhafte Fügung schaffte, dem Tod zu entkommen. Der Lale, der der Tätowierer von Auschwitz war und sich unsterblich im täglichen Horror in seine Gita verliebte. Die Liebe zu ihr, die wenigen Treffen die im Lager möglich waren, ließen ihn weiter an seine Maxime glauben: überleben. „Der Tätowierer von Auschwitz“ ist ein Buch, das man gelesen haben muss! Und ein Hörbuch, das man gehört haben sollte. Sprecher Julian Mehne versucht mit seiner einnehmend, weich dahintragenden Stimme etwas vom Schrecken der Geschichte zu nehmen. Hörprobe

morris der taetowierer von auschwitz

 

Auch als Paperback erhältlich bei Piper, 16,00 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 439 Minuten; 18,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 24.09.2018 - Nr.527


Dora Heldt

daumen rauf

Drei Frauen am See

Drei Frauen am See

Sie sind enge Freundinnen von Kindesbeinen an: Friederike, Jule, Alexandra und Marie. Egal, wohin ihre Lebenswege sie verschlagen hatten: Jeden Freitag vor Pfingsten trafen sie sich auf Einladung von Marie im wunderschönen Haus am See, in dem sie schon als Kinder herrliche Sommer verbracht hatten. Die Nachricht von Maries Tod mit Anfang fünfzig trifft sie alle wie ein Schock. Denn seit ihrem Streit zehn Jahre zuvor hatten sie kaum noch Kontakt miteinander. Aber selbst nach ihrem Tod hält Marie eine Überraschung für ihre Freundinnen bereit: eine Einladung zum Notar. Die Vorstellung, sich wiederzusehen, erfüllt jede von ihnen mit Unbehagen. Was ist es, wovor sie sich fürchten? Und was ist es, das sie dazu bringt, trotzdem anzureisen?

Dora Heldt schreibt so lebensnah, als ob die Charaktere aus dem Roman Freunde und Bekannte aus dem eigenen Umfeld wären. Man ist so mit ihnen verbunden. Grandios! Alexandra, Jule, Friederike, allen gibt Dora Heldt so viel Leben, so viel schönen und weniger schönen Alltag. Man erlebt die drei Mittfünfzigerinnen wie sie vor Umwälzungen in ihrer aller Leben stehen, wie alte Banden vielleicht wieder geknüpft werden, wie die Vergangenheit auch immer wieder ihre Zukunft bestimmt. Von Marie erfährt man hauptsächlich aus ihrem Tagebuch, dass sie geschrieben hat, als sie noch ein Teenager war. Die unterschiedlichen Erzählstränge der drei Hauptfiguren und die immer wiederkehrenden Blicke in die Vergangenheit erzeugen einen absoluten Lesesog. „Drei Frauen am See“ - spannend, ergreifend, wunderbar erzählt. Ein Traum von einem Buch! Es hat ja schon gute 600 Seiten, aber es hätten auch 1.000 Seiten sein dürfen. Dora Heldt beweist erneut, warum Sie Deutschlands Bestsellerqueen der Unterhaltungsliteratur ist!

dtv, 574 Seiten; 16,90 Euro


Laksmi Pamuntjak

daumen runter

Herbstkind

Herbstkind

Alles, was in ihrem Leben gut ist, kam für Siri immer im Herbst – beruflicher Erfolg als Künstlerin, der Beginn einer neuen Liebe –, doch auf einmal hält der Herbst etwas anderes für sie bereit. Sie erfährt von ihrer Mutter Amba, dass der Mann, den sie für ihren Vater gehalten hat, nicht ihr leiblicher Vater ist. Diese Nachricht erreicht sie kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag und gerade als es ihr schien, als sei sie angekommen in ihrem Leben als Wanderin zwischen den Welten mit Wurzeln in Indonesien. Um ihr Gleichgewicht wiederzufinden, zieht sie nach Berlin, eine Stadt so vernarbt und widersprüchlich wie sie selbst, und eine Stadt, mit der ihre beiden Väter viel verband.

Laksmi Pamuntjak ist eine indonesische Essayistin, Lyrikerin und Journalistin, und sie hat mich 2015 mit ihrem Werk „Alle Farben Rot“ durchaus begeistert. So war ich gespannt auf ihren neuen Roman „Herbstkind“. Was mich wieder gefesselt hat war, was Laksmi Pamuntjak über die Politik, die Kultur, das Leben und die Menschen von Indonesien zu erzählen hat. Da bekommt man als deutscher Leser ja nicht allzu viele Möglichkeiten, das in einem Roman dargeboten zu bekommen. Aber das reicht nicht, damit der Roman überzeugen kann. Zu verworren ist die Erzählweise, zu wenig ist in der Geschichte ein roter Faden zu finden. Auch konnten mich die Charaktere nicht richtig auf ihre Reise mitnehmen.

Ullstein, 488 Seiten; 24,00 Euro


Val McDermid

daumen rauf

Rachgier

RachgierEine verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Auto – das ist alles, was von der unauffälligen Büroangestellten Kathryn McCormick übrig ist. Erst vor kurzem hatte sie auf einer Hochzeit einen attraktiven Mann kennengelernt und auf neues Glück nach einer herben Enttäuschung gehofft. DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hill versuchen den Mann ausfindig zu machen, müssen aber feststellen, dass keiner der anderen Hochzeitsgäste ihn kannte. Eine weitere Frauenleiche bestätigt Carols furchtbaren Verdacht: Ein ebenso raffinierter wie perfider Serienkiller macht sich die Einsamkeit seiner Opfer zunutze.

Val McDermid ist mit ihren Thrillern eine Klasse für sich! Und das schon seit mehreren Jahrzehnten. Sie hat auch hin und wieder ein schwächeres Buch dabei, aber ihr neues „Rachgier“ gehört definitiv nicht in diese Kategorie. Der neue Fall für das Kultermittlerduo Carol Jordan und Tony Hill gehört zu den Highlights der großartigen Thriller-Reihe! In „Rachgier“ bekommt man alles geboten, was man von der außergewöhnlichen Serie, die mittlerweile zehn Bände umfasst, erwartet. Die lieb gewonnen Hauptfiguren entwickelt Val McDermid gekonnt weiter und der Fall, der zu lösen ist, ist spannend und mit einigen Wendungen versehen.

Knaur, 474 Seiten; 9,99 Euro


Diana Gabaldon

daumen rauf

Outlander – Im Bann der Steine

Outlander Im Bann der SteineIn sieben Abenteuern – zwei davon bislang unveröffentlicht – stürzen Sie mit dem Weltkriegs-Flieger Jerry MacKenzie durch die Steine, erfahren, wie die Spionin Minnie Rennie im Herzog von Pardloe ihren Meister findet, begleiten den jungen Jamie Fraser nach Frankreich und reisen mit Lord John Grey von Kanada über Jamaica bis ins belagerte Havanna. Jeder der sieben Kurzromane spielt zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, und doch sind sie alle mit jener epischen Saga verbunden, die 1946 in Schottland beginnt, als Claire Randall in den magischen Steinkreis tritt und im Jahre 1743 erwacht.

Diana Gabaldon hat mir ihrer „Outlander“-Saga noch zu ihren Lebezeiten Klassiker der modernen Literatur erschaffen! Knaur setzt die Neuveröffentlichungen in schöner Optik weiter fort. „Im Bann der Steine“ ist ein Fest für die Fans! Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber alle haben den gewissen Gabaldon-Effekt! Enthalten sind: „Lord John und der Usus der Armee“, „Die Stille des Herzens“, „Lord John und der Herr der Zombies“, „Wie ein Blatt im Wind“, „Unschuldsengel“, „Minervas Geheimnis“ und „Die Kanonen von El Morro“.

Knaur, 698 Seiten; 19,99 Euro


David Graeber

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Bullshit-Jobs

Bullshit Jobs

Ein Bullshit-Job ist eine Beschäftigungsform, die so völlig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass selbst der Arbeitnehmer ihre Existenz nicht rechtfertigen kann. Es geht also gerade nicht um Jobs, die niemand machen will, sondern um solche, die eigentlich niemand braucht. Im Zuge des technischen Fortschritts sind zahlreiche Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt worden. Trotzdem ist die durchschnittliche Arbeitszeit nicht etwa gesunken, sondern auf durchschnittlich 41,5 Wochenstunden gestiegen. Wie konnte es dazu kommen? Der Autor zeigt, warum immer mehr überflüssige Jobs entstehen und welche verheerenden Konsequenzen diese Entwicklung für unsere Gesellschaft hat.

Der Amerikaner David Graeber hat mit seinem Werk „Schulden. Die ersten 5.000 Jahre“ einen Weltbestseller gelandet. Sein neues Buch „Bullshit-Jobs“ ist nicht weniger gesellschaftskritisch und mitreißend wie der Vorgänger. Haben auch Sie einen Bullshit-Job? In diesem Buch erfahren Sie es. Die Hauptkapitel sind u. a.: „Was ist ein Bullshit-Job?“, „Was für Typen von Bullshit-Jobs gibt es?“, „Warum bezeichnen sich die Inhaber von Bullshit-Jobs regelmäßig selbst als unglücklich?“, „Wie fühlt es sich an, einen Bullshit-Job zu haben“, „Warum vermehren sich die Bullshit-Jobs?“.

Klett-Cotta, 464 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Cecelia Ahern

Frauen, die ihre Stimme erheben – Roar!

Frauen die ihre Stimme erheben Roar

Da ist die Frau, die im Boden versinkt und dort auf jede Menge anderer Frauen trifft. Oder die Frau, die auf ihrem Grundstück Zweifel sät. Eine andere Frau, deren Uhr so laut tickt, dass sie nicht schlafen kann, und eine, die aus ihrer Schublade herausklettert. Lauter Frauen, denen gerade dann Flügel wachsen, wenn sie es gar nicht erwarten. So wie es für uns alle in jedem Moment möglich ist, wenn wir nur auf uns selbst hören.

Ein Buch, das vor gelungenen Metaphern auf unsere Frau-Mann-Lebenswelt nur so strotzt! Weltbestsellerautorin Cecelia Ahern erzählt in dreißig Geschichten vorrangig von Frauen, die einer männerdominierten Welt ein eigenes Selbstbildnis entwickeln. Das könnte man nun rückständig betrachten, denn Frauen haben ihren Platz in der westlichen Gesellschaft ja schon lange gefunden. Wir leben ja nicht mehr in den 1950ern. Aber trotzdem treffen auch viele der Geschichten auch heute noch genauso den Nagel auf den Kopf wie damals in unserer Beziehungs-, Arbeits- und Alltagswelt. Mir haben viele Geschichten gut gefallen, besonders aber „„Die Frau, die man ins Regal gestellt hat“. Ein Glanzstück von einer Kurzgeschichte! Gelesen wird das Buch von den sehr unterschiedlichen weiblichen Stimmen: Merete Brettschneider, Anne Moll und Theresa Underberg. Theresa Underberg, bekannt aus der Fernsehserie „Bettys Diagnose“ und aus den „Fünf-Freunde“-Hörspielen, liest auch „Die Frau, die man ins Regal gestellt hat.“ Hörprobe 1 * Hörprobe 2 * Hörprobe 3

Frauen die ihre Stimme erheben

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Krüger, 18,00 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 280 Minuten; 16,95 Euro


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Aktuelle Kolumne vom 17.09.2018 - Nr.526


Stephen King

daumen rauf

Der Outsider

Der Outsider

Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen – ein wasserdichter Fall also? Doch Maitland hat auch ein wasserdichtes Alibi. Wie kann das sein? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war?

Fesseln von der ersten Seite an, und das über viele Jahrzehnte, das kann nur einer: Stephen King! Und natürlich trifft das auch wieder auf seinen neuen Roman „Der Outsider“ zu. Ein Horror-Thriller, der es in sich hat! Das erste Drittel liest sich wie ein gekonnter John-Grisham-Roman frührer Tage, bis dann immer mehr Mystisches und dann der blanke Horror in die Geschichte einfließt. Mit „Der Outsider“ beweist Stephen King erneut, dass er sich auch im höheren Autorenalter immer noch weiterzuentwickeln weiß und trotzdem seinen bekannten Stärken treu bleibt. Ein sagenhaft guter Plot und Beschreibungen, die man als Leser aufsaugt wie ein Schwamm. „Der Outsider“ ist ein weiteres überraschendes und spannendes und Werk in Stephen Kings langer Vita!

Heyne, 751 Seiten; 26,00 Euro


Lisa Jackson

daumen runter

Dunkle Bestie

Dunkle Bestie

Grizzly Falls, Montana: Bei einer heimlichen Party im nächtlichen Wald wird Detective Pescolis Tochter Bianca von einer dunklen Bestie angefallen. Auf der Flucht stolpert sie schließlich über die Leiche ihrer seit Tagen vermissten Mitschülerin Destiny. Als ein Kriminaltechniker einen riesigen Fußabdruck neben der Toten entdeckt, gibt es in Grizzly Falls, Montana, kein Halten mehr: Eine Jagd auf die Bestie bricht aus, die sogar ein Reality-TV-Team in die Stadt lockt. Sehr zum Unmut der Detectives Pescoli und Alvarez, deren Arbeit durch den Rummel zusätzlich erschwert wird. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen …

Lisa Jackson ist ein Garant für nervenaufreibende Thriller! Aber auch eine Bestsellerautorin vom Rang einer Lisa Jackson kann mal einen weniger guten Thriller abliefern. So geschehen mit „Dunkle Bestie“. Es ist der siebte Band der Montana-„To-Die“- Reihe rund um Detective Regan Pescoli und Detective Selena Alvarez. Das Setting stimmt bei diesem Thriller durchaus, auch können die Hauptfiguren wieder ihre Stärken einbringen, aber die Story ist etwas konfus und die Spannung wird platt getrampelt von unnötigen Ausführungen, die die Geschichte nicht voranbringen, sondern sie auf der Stelle treten lassen. 150 Seiten weniger, der Geschichte hätte es an nichts gefehlt.

Knaur, 526 Seiten; 9,99 Euro


Julie Buxbaum

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Tell me three things

Tell me three thingsAn ihrem ersten Tag an der neuen Highschool geht für Jessie Holmes einfach alles schief. Und dabei ist ihr Leben gerade sowieso schon kompliziert genug. Da bekommt sie eine anonyme E-Mail mit Ratschlägen, wie sie den Schulalltag überstehen kann. Sie hat zwar keine Ahnung, wer dahintersteckt, aber trotzdem beschließt sie, die Tipps zu befolgen. Und Nachricht für Nachricht verliebt sie sich mehr in den Absender. Doch wer ist der Unbekannte, der ihr Herz immer wilder schlagen lässt?

Die faszinierende Amerikanerin Julie Buxbaum hat mich schon mit „Mein Herz in allen Einzelteilen“ total begeistert. Ich war sehr gespannt auf ihren neuen Roman „Tell me three things“, ein New-York-Times-Bestseller. Und schon nach wenigen Seiten war klar, Julie Buxbaum wird mich fast 400 Seiten lang wieder begeistern. In einer so wunderschön lakonischen, erfrischenden und ehrlichen Sprache erzählt sie Jessies Leben an der neuen Highschool mit all seinen Fallstricken und in ihrem neuen, nicht gewollten Familienleben. „Tell me three things“ ist charmant, warmherzig und witzig. Eine Geschichte, die man einfach lieben muss!

One, 393 Seiten; 10,00 Euro


Marie Lacrosse

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Das Weingut – In stürmischen Zeiten

Das Weingut In stürmischen ZeitenWeißenburg im Elsass, 1870. Die junge Waise Irene kommt als Dienstmädchen in das Herrenhaus des reichen Weinhändlers Wilhelm Gerban. Dessen Sohn Franz glaubt an die Ideale der französischen Revolution, wofür sein Vater wenig Verständnis hat. Als Irene auf Franz trifft, verlieben die beiden sich leidenschaftlich ineinander. Doch nicht nur Standesschranken und familiäre Intrigen stehen ihrer Beziehung im Wege. Auch am europäischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Ein furchtbarer Krieg bricht aus. Gegen alle Widerstände kämpfen die beiden jungen Leute um ihr Glück.

Zurzeit sind ja Romane rund um den 1. Weltkrieg angesagt. Viele Autorinnen siedeln ihre Romane zu dieser Zeit an. Marie Lacrosse geht einen anderen Weg. Sie siedelt ihre Geschichte rund um ein Weingut ein gutes halbes Jahrhundert davor an. Zu Zeiten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Die historischen Details aus dieser Zeit beschreibt die Autorin detailliert und lebendig. Man ist als Leser schnell angekommen. Sie erzählt auch sehr plastisch. Auch sind ihr die Charaktere ausgesprochen gut gelungen. Die „Weingut“-Saga von Marie Lacrosse ist ein echtes historisches Highlight! Der zweite Teil folgt im April 2019.

Goldmann, 669 Seiten; 13,00 Euro


Lutz Wilhelm Kellerhoff

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Die Tote im Wannsee

Die Tote im Wannsee

Wolf Heller interessiert sich eigentlich nicht für Politik, doch plötzlich ist alles politisch. Ohne es zu wollen, gerät er zwischen die Fronten. Die Polizei gilt als reaktionärer Haufen, Studenten demonstrieren lautstark in den Straßen, und seine Freundin Louise zieht in eine Kommune. Da wird eine junge Frau tot am Ufer des Wannsees gefunden. Nur die roten Schlangenlederschuhe geben einen brauchbaren Hinweis auf ihre Identität. Als der Kommissar ein Bild der Schuhe in einer Berliner Zeitung veröffentlichen lässt, meldet sich eine Kollegin der Toten: Heidi Gent arbeitete in Horst Mahlers Anwaltskanzlei. Heller soll den Fall schnell abschließen. Auf der Polizei liegt noch der Schatten der Ermordung von Benno Ohnesorg, der Druck aus dem Schöneberger Rathaus ist enorm. Doch als er zufällig mitbekommt, dass sein Chef lautstark mit einem Unbekannten über die Tote streitet, lässt er nicht mehr locker.

„Die Tote im Wannsee“ ist ein Kriminalroman erster Güte! Er besticht durch reichlich Spannung, eine gut dargestellte, historisch sehr interessante Zeit in Deutschland und durch seine lebendigen Figuren. Dem Autorentrio Martin Lutz, Sven Felix Kellerhoff und Uwe Wilhelm, die sich hinter dem Pseudonym Lutz Wilhelm Kellerhoff verbergen, ist mit ihrem ersten Kriminalroman ein Volltreffer gelungen!

Ullstein, 381 Seiten; 16,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Timur Vermes

Die Hungrigen und die Satten

Die Hungrigen und die Satten

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod. Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert.

Timur Vermes landete mit „Er ist wieder da“ einen sensationellen und absolut außergewöhnlichen Bestseller. So war ich sehr gespannt auf sein Nachfolgewerk. Und „Die Hungrigen und die Satten“ erfüllt die Erwartung. Timur Vermes widmet sich mit seinem ganz eigenen lakonischen, satirischen Stil dem Brandthema schlechthin: Flüchtlinge. Und wie er das hochbrisante Thema versucht in einen satirischen und trotzdem ernsten Roman zu packen, wirklich gelungen. Er übernimmt hier so manches aus dem, wie die Menschen in unserem Land, in Europa damit umgehen. Unter anderem schreibt er fast immer von dem Flüchtling. Er entwürdigt damit den Menschen, genauso wie es eben viele Europäer tun. Aus Individuen mit einem eigenen Schicksal wird nur der Flüchtling. Punkt. Auch die Medienberichterstattung 2015 nimmt er gekonnt aufs Korn. Dazu zum Ende hin gehend die absolute Zuspitzung des Flüchtlingsmarsches nach Europa. Wie er damit umgeht, zeigt die Hilflosigkeit der Europäer, der Politiker, der Menschen. Timur Vermes hat mit „Die Hungrigen und die Satten“ einen der Aufreger Romane des Herbstes geschrieben! Kongenial gelesen von Christoph Maria Herbst! Was sollte man auch anderes erwarten. Schon bei „Er ist wieder da“ spielte Christoph Maria Herbst seine Stärken aus. Er bringt die Komik mit so viel Eleganz und Geschmeidigkeit herüber wie kaum ein anderen im Hörbuchmarkt. An seinem Bayerisch muss er allerdings noch etwas arbeiten. Hörprobe - 15 Min.

Die Hungrigen und die Satten COVER

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Eichborn, 22,00 Euro

Lübbe Audio, 8 CDs, 555 Minuten; 22,00 Euro


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Kolumne vom 10.09.2018 - Nr.525


Augustin Erba

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Die auffällige Merkwürdigkeit des Lebens

Die auffällige Merkwürdigkeit des Lebens

Wer kann schon von sich behaupten, einen genialen Atomphysiker als Vater zu haben und eine ungarische Prinzessin als Mutter? Für das echte Leben geschaffen ist Amadeus‘ ungewöhnliche Familie aber nicht: Die Mutter verschanzt sich mit Migräne hinter der Schlafzimmertür, der Vater rechnet den ganzen Tag, wenn er nicht grad die Fassung verliert. Amadeus übernimmt die Rolle des Erwachsenen und kümmert sich um seine Geschwister. Nur Schäferhund Felix ist sein Verbündeter und das einzige Familienmitglied, das umarmt werden kann. Jahrzehnte später ist Amadeus Journalist, Single und lernt ganz überraschend eine Frau kennen, die ihn doch tatsächlich zu lieben scheint. Aber Beladen mit all seinen Kindheitsproblemen wird die zukünftige Ehe nicht einfach werden …

Lakonisch, gescheit, melancholisch und literarisch verführerisch, das ist dieser Roman des Schweden Augustin Erba. Er erzählt zugleich eine heitere und schwere Familiengeschichte in einem ganz leichten und feinfühligen Ton. „Die Auffälligkeit des Lebens“ ist aber auch ein Roman über die Liebe und eine Ehe. In prägnanten Schlaglichtern zeigt Augustin Erba wie aus Verliebtheit eine Ehe wird, es werden Kinder geboren, die das Eheleben nicht einfacher machen. Und aus einstiger Verliebtheit wird nach und nach Entfremdung. Mit Amadeus ist Augustin Erba ein herrlicher Charakter gelungen, den man versteht, den man nicht versteht, mit dem man hofft und bangt, dass er das Leben meistert, als Kind und als Erwachsener. „Die Auffälligkeiten des Lebens“ sind anspruchsvoll verfasst. Augustin Erba wechselt fast bei jedem Kapitel zwischen Amadeus’ Kindheit zu Amadeus’ Gegenwart hin und her. Ohne Zeitangaben, daher ist ein konzentriertes Lesen schon erforderlich. Aber man gewinnt dadurch auch einen besonderen Blick auf Amadeus’ Leben. Ein sehr weiser Satz aus dem Buch: „Wenn Liebe immer reichen würde, sähe die Welt ganz anders aus.“

Ullstein, 423 Seiten; 22,00 Euro


Ann Baiano

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Sizilianisches Verderben

Sizilianisches Verderben

Der Journalist Luca Santangelo recherchiert in einem Kloster mitten in Palermo. Einst war es berühmt, jetzt leben hier nur noch drei betagte Nonnen. Als eine von ihnen zusammenbricht, wird Luca misstrauisch – sie scheint keines natürlichen Todes gestorben zu sein. Will jemand die Schwestern beseitigen, um an die wertvollen Schätze des Klosters zu kommen? Geht es um etwas Persönliches? Während Luca noch das wahre Motiv sucht, ereignet sich ein weiterer Mord. Lucas Freundin Ada stößt währenddessen in der Bibliothek des Klosters auf ein altes Tagebuch, dem eine junge Nonne die Geschichte um eine große Liebe anvertraut hat, um falsche Versprechen und bittere Rache …

Ann Baiano hat mich mit ihrem Debüt „Sizilianisches Blut“ begeistert. Auch der Nachfolger „Sizilianische Rache“ war noch spannend. Der dritte Krimi aus ihrer Feder „Sizilianisches Verderben“ fällt nun etwas ab. Positiv zu vermerken bleibt der Charme der Serie rund um die Hauptfigur Luca Santangelo und Sizilien. Am meisten haben mich aber die viel zu häufigen und langweiligen Abschweifungen in die historische Vergangenheit ab 1830 geärgert. Auch sonst kann der Krimi mit wenig aufwarten, was einen wirklich guten Krimi ausmacht. Und Ann Baiano, das Pseudonym einer Verlagsleiterin, sind auch die Ideen für einen konsequenteren Spannungsaufbau ausgegangen. Hatte ihr Debütkrimi noch 320 Seiten, der zweite dann schon nur noch 288 hat „Sizilianisches Verderben“ nur noch 281 Seiten. Wären die häufigen Abschweifungen in die Vergangenheit nicht, würden nur noch etwas über 200 Seiten übrigbleiben. Das sagt dann eigentlich schon alles.

Goldmann, 281 Seiten; 15,00 Euro


Luce D’Eramo

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Der Umweg

Der UmwegSie ist achtzehn Jahre alt, begeisterte Faschistin und kann die Nachrichten von Konzentrationslagern im nationalsozialistischen Deutschland nicht glauben. Also macht sich Luce d’Eramo im Jahr 1944 nach Deutschland auf. Ihre Reise führt sie durch Arbeits- und Konzentrationslager, durch ein zerbombtes und auch innerlich zerrüttetes Land. Am Ende verliert sie ihre körperliche Unversehrtheit, aber auch die Illusionen über eine zerstörerische Ideologie.

Luce D’Eramo (geboren 1925 in Reims, verstorben 2001 in Rom) legt mit ihrem Buch „Der Umweg“ ein bewegendes Stück Zeitgeschichte vor! Man spürt bei jeder Zeile, das, was Luce d’Eramo hat durchmachen und erleiden müssen. Sie erzählt sehr plastisch. Man spürt den Dreck in den Händen, den Schmerz am Körper, die Geißelung der Seele. „Der Umweg“ ist Literatur in einer harten und klaren Form! „Der Umweg“ ist keine durchgängig erzählte Geschichte, aber das tut der Qualität, dem Schrecken der Erzählung keinen Abbruch. Es ist in vier große Kapitel unterteilt: „Flucht aus den Lagern“, „Unter den Steinen“, „Erste Ankunft im Dritten Reich“ und „Der Umweg“.

Klett Cotta, 479 Seiten; 24,00 Euro


Regena Thomashauer

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Pussy

Regena Thomashauer PussyDie Pussy, das weibliche Geschlechtsorgan, ist weit mehr, als wir bisher dachten. Die Autorin ermutigt Frauen, das oft vernachlässigte Zentrum weiblicher Kraft, Macht, Lust und Freude neugierig zu erkunden und liebevoll zum Leben zu erwecken. Sie meint, die Pussy hat gar eine eigene Intelligenz, der Frau sich getrost anvertrauen darf, wenn es um wichtige Lebensentscheidungen oder auch spontanes Vergnügen geht. Das sinnliche Bewusstsein, dessen Sitz die Pussy ist, ist laut der Autorin sogar essenziell wichtig für unsere spirituelle, intellektuelle und emotionale Gesundheit.

Was für ein Buchtitel! Er bringt den Inhalt auf den Punkt: „Pussy“. Nicht wenige Frauen trauen sich das Wort für ihre „Göttin“ ja gar nicht aussprechen, die Amerikanerin Regena Thomashauer tut das in dem Buch gefühlt einhunderttausendmal. Nach dieser Lektüre werden die Leserinnen sich und ihre Körpermitte anders sehen. Ein Buch, das Frauen stärken und ihnen Mut machen kann! „Wohin wird deine Pussy dich mitnehmen, wenn du ihr die Schlüssel zuwirfst und sie fahren lässt?“ Eine der Fragen dieses Buches. Lassen Sie sich überraschen, wo die Lektüre mit ihnen „hinfährt“.

Arkana, 313 Seiten; 16,00 Euro


Hugo Boris

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Die Polizisten

Die Polizisten

Am Ende eines heißen Sommertags werden die Polizisten Virginie, Aristide und Érik mit einem Sondereinsatz beauftragt: Sie sollen einen Flüchtling, dessen Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, zum Flughafen bringen. Schnell begreift Virginie, dass den Mann in seiner Heimat der sichere Tod erwartet. Sie und ihre Kollegen geraten in einen Gewissenskonflikt: Gehorsam leisten oder den eigenen moralischen Instinkten folgen? Die Fahrt nach Roissy wird zu einer schweren Prüfung, aus der keiner der Beteiligten unversehrt hervorgeht, wenngleich jeder andere Konsequenzen für sich daraus zieht.


Ein hochaktueller, mitreißender und packender Roman über ein Thema, zu dem alle eine Meinung haben! Der Franzose Hugo Boris greift in „Die Polizisten“ eine ergreifende Geschichte auf, wie sie sich fast wöchentlich in Frankreich und auch bei uns abspielt. Was ist der richtige Umgang mit Asyl, Einwanderung und am Ende auch mit der Demokratie. Ein Buch, dass unsere gesellschaftlich schweren Zeiten gekonnt einfängt. Zudem zeigt es die schwere Arbeit der „einfachen“ Polizisten, die Tag für Tag einen äußerst schwierigen Job zu erledigen haben.

Ullstein, 185 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Linda Castillo

Ewige Schuld

In ewigerSchuld mp3

Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Doch diese Tat hat er immer vehement bestritten. Jetzt ist er ausgebrochen, hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung an sie lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau! Als Kate diesen zwei Jahre alten Fall wieder aufgreift, ahnt sie noch nicht, wie gefährlich diese Ermittlung werden …

„Ewige Schuld“ ist der neunte Fall für die Kult-Ermittlerin Kate Burkholder. Ein Kriminalroman mit zahlreichen Überraschungen und Wendungen, der bis zum Schluss spannend bleibt! Auch wenn ich schon von Anfang an so eine gewisse Ahnung hatte, die sich dann auch bestätigt hat, hat das für mich an der Qualität des Krimis nichts eingebüßt. „Ewige Schuld“ beweist erneut, dass der amerikanische Bestsellerautorin Linda Castillo die Ideen nicht ausgehen, wie man in der Amisch-Gemeinde Mord und Totschlag praktisch auf der Tagesordnung stehen lassen kann. „Ewige Schuld“ wird erneut, zum neunten Mal, von Tanja Geke (u. a. leiht sie Hollywoodstar Zoe Saldana die Stimme) gelesen. Sie ist in dieser Zeit zu Kate Burkholder geworden. Sie verleiht der Figur durch ihre Stimme Stärke und Empathie. Hörprobe

In ewigerSchuld



Auch als Taschenbuch erhältlich bei Fischer, 10,99 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 454 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle

Dr. Qing Li

daumen rauf

Die wertvolle Medizin des Waldes

Die wertvolle Medizin des Waldes

Jeder weiß, wie gut ein Waldspaziergang tun kann. Aber nicht jeder weiß, wie das Vitamin N – wie Natur – tatsächlich wirkt. Über 30 Jahre lang hat Dr. Qing Li die heilsame Kraft des Waldes erforscht und die in Japan und mittlerweile auch weltweit beliebte „Shinrin-Yoku“-Methode entwickelt. Durch praktische Übungen werden unsere fünf Sinne angeregt und Körper und Geist in Einklang gebracht. Die Wirksamkeit der Methode ist unumstritten, unter anderem wird damit Stress reduziert, unser Herz-Kreislaufsystem und unser Stoffwechsel verbessert, der Blutzucker gesenkt, Konzentration gefördert, Depressionen abgemildert und unser Immunsystem gestärkt.

Ein wundervolles Buch über die seelische und körperliche Heilkraft von Bäumen und dem Wald. Die Lektüre des Buches ist so kraftspendend wie ein Spaziergang durch den Wald. Das machen die schönen Zeilen von Professor und Waldmediziner Dr. Qing Li und die wunderschönen Fotos von Bäumen und Wäldern. Das Buch zeigt, das ein Baum ein Lebewesen ist und ein guter Freund im Leben werden kann, der sich einem das ganze Jahr über durch unterschiedlich präsentiert und einem Kraft spenden und auch glücklich machen kann. Man muss sich nur die Zeit nehmen und erkennen, wie wertvoll jedes einzelne Blatt eines Baumes sein kann. Machen Sie Baum Watching und nutzten Sie es als Entschleunigungsmedizin gegen den stressigen Alltag!

Hoerebuch Die wertvolle Medizin des Waldes Wie die Natur Korper und Geist starkt Qing Li

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Andreas Neumann lässt einen die schönen Zeilen über die Bäume und dem Wald überall hören. Eine weiche und entschleunigende Lesung. 16,95 Euro. Hörprobe 1 - Hörprobe 2 - Hörprobe 3

Rowohlt Polaris, 319 Seiten; 16,99 Euro


Kim Stanley Robinson

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New York 2140

New York 2140

New York, einhundert Jahre später. Der Meeresspiegel ist angestiegen, und die Straßen des Big Apple haben sich in Kanäle verwandelt und aus den einstigen Wolkenkratzern sind hoch aufragende Inseln geworden. Aber noch hat New York sich nicht aufgegeben. In einem Haus treffen so unterschiedliche wie ergreifende Schicksale aufeinander – Schicksale, die von der Zukunft nach dem Ökokollaps erzählen. Da ist zum Beispiel ein nimmermüder Detektiv, und da ist das Internet-Sternchen. Auf dem Dach leben die Coder. Ihr Verschwinden setzt schließlich eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben aller New Yorker für immer beeinflussen werden.

Ein Roman, an den ich sehr große Erwartungen hatte! Vorrangig natürlich das Thema, wie die Welt in einhundert Jahren aussehen wird. New York als Paradebeispiel, wenn der Meeresspiegel so stark steigen wird, wie vorhergesagt. Dazu noch ein preisgekrönter Autor, seine Mars-Trilogie hatte mich überzeugt. Es war angerichtet für ein Lesefest. Doch leider konnte Kim Stanley Robinson meine Erwartungen nur in sehr wenigen Bereichen erfüllen. Er hat die hervorragende Grundidee im überfluteten New York untergehen lassen. Die Geschichte ist geprägt von hartnäckiger Langeweile. Robinson gibt eigentlich Unwichtigem so viel Raum, so dass man von einem Lesefest nur träumen kann. Auch haben die Charaktere nicht das Zeug dazu, die Geschichte noch irgendwo aus den Tiefen hervorzuholen.

Heyne, 811 Seiten; 16,99 Euro


Tibor Rode

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Das Morpheus-Gen

Das Morpheus GenFür den New Yorker Anwalt David Berger gerät die Welt aus den Fugen: Seit Nächten kann er nicht schlafen, sondern bleibt rund um die Uhr wach. Kurz darauf werden seine Freundin und sein bester Freund ermordet, und für die Polizei steht fest, dass er der Täter ist. Unterstützung auf der Flucht erhält David von der Archäologin Nina, die aus unbekannten Gründen seine Nähe sucht. David wird bald klar: Das, was ihm bislang den Schlaf geraubt hat, kann ihn das Leben kosten. Er ahnt nicht, dass sich hinter seiner plötzlichen Schlaflosigkeit eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit verbirgt.

Der Deutsche Tibor Rode hat u. a. schon mit „Das Mona-Lisa-Virus“ einen großartigen Thriller-Bestseller geschrieben. Gespannt konnte man nun auf das Nachfolgewerk sein. Und: „Das Morpheus-Gen“ schlägt ein wie eine Bombe! Ein Thriller, der einen garantiert wachhält und erst wieder schlafen lässt, wenn man die letzte Seite gelesen hat! Die Story ist frisch, ausgefeilt und rasant erzählt. Sie weiß immer wieder mit unerwarteten Wendungen zu überzeugen. Die Charaktere, allen voran David Berger, überzeugen. Er, der nicht mehr schlafen kann, zeigt, welche Folgen das haben kann. Ein Wunsch, immer wach zu bleiben, wird nach und nach zum Alptraum.

Lübbe, 430 Seiten; 15,00 Euro


Bernard Cornwell

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Narren und Sterbliche

Narren und SterblicheDer Winter 1595 ist kalt. Das macht auch den Mitgliedern der Theatertruppe von William Shakespeare zu schaffen, einer von vielen in London. Die Stadt ist seit längerem vom Theaterfieber ergriffen. Die puritanische Obrigkeit will alle Bühnen verbieten lassen, aber viele im Hochadel lieben das Theater, und auch die Königin tut es. Zur Hochzeit einer hochgestellten Dame soll die Truppe ein neues Stück auf die Bühne bringen, eine Komödie mit dem Titel „Der Sommernachtstraum“. Mit von der Partie: Richard, William Shakespeares jüngerer Bruder, vom Älteren wenig geliebt und auf der Bühne nur in Frauenrollen geduldet. Dann geschieht eine Katastrophe: Ein konkurrierendes Schauspielhaus lässt das Stück stehlen. Aber Richard weiß, wie die Uraufführung zu retten ist.

Bernard Cornwell ist in der Historie zu Hause. Welches historische Thema er auch aufgreift, jeder seiner Romane wird zu Bestsellergold! Mit seinem neuen historischen Roman ist es da nicht anders. „Narren und Sterbliche“ ist aber ein ungewöhnlicher und in vielen Phasen auch überraschender historischer Roman. Dem Thema, William Shakespeare und die Aufkeimende Zeit des Theaters, gewinnt Bernard Cornwell viele spannende Momente ab.

Wunderlich, 506 Seiten; 25,00 Euro


Linn Ullmann

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Die Unruhigen

Die Unruhigen

Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben. Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht.


Die skandinavische Bestellerqueen nähert sich in „Die Unruhigen“ ihrer Kindheit. Der Roman ist autofiktional, er behandelt das Leben ihrer bekannten Eltern und ihr eigenes Erwachsenwerden. Die Geschichte hat aber auch die große Komponente, wie wir zu den Menschen werden, die wir am Ende sind. Kindheit, Erwachsenwerden, Altwerden – das Leben in seiner ganzen Form. „Die Unruhigen“ verspricht im positiven Sinne unruhige Lesestunden!

Luchterhand, 414 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Katharina Adler

Ida

Ida mp3

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie' und einer äußerst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, „um die Befriedigung [brachte], sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien.“

Die junge Katharina Adler (Jahrgang 1980) porträtiert in ihrem Debütroman „Ida“ das Leben ihrer Urgroßmutter. Da der Roman ein halbes Jahrhundert verfasst, bis zum Ende des 2. Weltkriegs, ist er nicht nur das verschlungene Porträt einer eigenwilligen und Mythen umrankenden Frau, sondern auch ein breit gefächerter Gesellschaftsroman. Ein literarisches Kunststück! Dieses literarische Kunststück wird mit Klasse und Eleganz gelesen von Petra Morzé, Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Sie gibt Ida eine deutliche und unverwechselbare Stimme. Dazu beherrscht Petra Morzé nicht nur ein charmantes Deutsch, sondern auch ihr ureigenes Österreichisch und ein klares Englisch lässt sie gekonnt einfließen. Hörprobe

Adler ida

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Rowohlt, 25,00 Euro.

Argon Hörbuch, 10 CDs, 750 Minuten; 29,95 Euro


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Kolumne vom 27.08.2018 - Nr.523


Karen Perry

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Girl Unknown

Girl Unknown

Eines Nachmittags steht Zoë Barry in Professor David Connollys Büro an der Dubliner Uni und behauptet, seine Tochter zu sein. David ist fassungslos. Nach dem ersten Schock stellt er Zoë seiner Frau Caroline und seinen Kindern vor. Bald ist die junge Frau Teil der Familie, zieht sogar bei den Connollys ein. Doch während sie in Davids Gegenwart schüchtern und verletzlich wirkt, zeigt sie Caroline gegenüber ein anderes Gesicht – kühl und berechnend. Ist Zoë die, die sie vorgibt zu sein? Wen haben die Connollys in ihr Haus und in ihr Leben gelassen? Eine Tochter? Eine Schwester? Oder eine völlig Fremde, die geduldig darauf wartet, ihrer aller Leben zu zerstören?

Der dritte Spannungsroman des Autorenduos Karen Perry ist mit Abstand das Highlight ihrer bisherigen Bücher! Ganz langsam schleicht sich die Spannung in „Girl Unknown“ an. Das ganz große Plus des Romans ist das perfekt entworfene Personal, bei denen man die Handlungen nachvollziehen kann. Man wird selbst oft vor die Frage gestellt: Wie hätte man in dieser oder jener Situation reagiert und entschieden? Wie man es von Karen Perry kennt, wird die Geschichte aus zwei Sichten erzählt. Abwechselnd bekommt man so Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von David und Caroline. Und die gehen mit der Situation um Zoë jeweils ganz anders um. Es entwickelt sich ein Psychokammerspiel unter den Protagonisten das die Spannungsschraube immer mehr anzieht. Gleichzeitig bietet „Girl Unknwon“ die intensiven Innenansichten eine Ehe. So bekommt man mit dieser Geschichte einen Spannungsroman und einen Roman über eine Ehe in einem.

Scherz, 393 Seiten; 14,99 Euro


Sabine Kornbichler

daumen runter

Der letzte Gast

Der letzte Gast

München. Die Dogwalkerin Mia bringt Coco, den Pudel ihrer schwer kranken Kundin Berna, zurück. Die alte Dame erwartet sie bereits an der Tür, sie wirkt benommen und fahrig, behauptet, ihr Neffe sei zu Besuch, und schickt Mia mit der Bitte fort, in zwei Stunden noch einmal wiederzukommen. Später reagiert sie jedoch nicht auf ihr Klingeln. Alarmiert dringt Mia in das Haus ein und findet dort Spuren einer heftigen Auseinandersetzung. Sie entdeckt Berna, die erdrosselt in ihrem Bett liegt. Von diesem Moment an ist sie für die Polizei eine wichtige Zeugin – und für den Täter eine ernst zu nehmende Gefahr.

Sabine Kornbichler ist eine Grand Dame der deutschen Kriminalliteratur! Doch auch eine so erfahrene und versierte Autorin kann mal eine Story mit zahlreichen Schwächen erschaffen. So geschehen mit „Der letzte Gast“. Vor allem fehlt es dem Krimi an mächtig viel Spannung. Die Spannung ist hier eher ein laues Lüftchen, was einen nicht zum Weiterlesen animiert. Zu Anfang ist das höchste Spannungsaufkommen, dann verflacht es zusehends. Der größte Kritikpunkt und für einen Kriminalroman der Todesstoß. Auch die etwas unklug agierende Hauptdarstellerin trägt nicht dazu dabei, dass man den Krimi unbedingt zu Ende lesen will.

Piper, 373 Seiten; 15,00 Euro


Riley Sager

daumen rauf

Final Girls

final girls sagerAls Einzige hat die Studentin Quincy ein Massaker auf einer Party überlebt. Sie hat jede Erinnerung an damals aus ihrem Gedächtnis gelöscht und sich mühsam ein normales Leben aufgebaut. Zwei andere Frauen, Lisa und Samantha, haben ähnlich Grauenvolles durchgemacht – ein Fest für die Medien, in denen die drei als „Final Girls“ bekannt werden. Doch der Horror ist noch lange nicht zu Ende: Lisa wird tot aufgefunden. Ermordet? Der Schlüssel zu allem scheint in dem Massaker in Pine Cottage zu liegen, das nur Quincy überlebte. Angestachelt von Samantha, versucht sie verzweifelt sich zu erinnern, was dort geschah ...

„Final Girls“ bedeutet finale Spannung von Anfang bis Ende! Riley Sager ist mit seinem Debütthriller gleich ein viel beachteter Bestseller gelungen, der auch von Universal verfilmt werden wird. Ein perfekter Thriller, um ihn zu verfilmen! Man ist selbst immer am miträtseln, was denn nun wirklich in Pine Cottage geschah. Das hat Riley Sager als Buch gut umgesetzt, und das wird man auch filmisch gut umsetzen können. Und mit Quincy ist Riley Sager eine vielschichtige Frauenfigur gelungen, bei der man nicht so genau weiß, woran man bei ihr ist. Das Buch wird abwechselnd, aber nicht jedes Kapitel, in zwei Strängen erzählt. Einmal die Gegenwart, in der Quincy dem auf die Spur kommen will, was damals in Pine Cottage geschah, und dann der Strang, was wirklich in Pine Cottage geschah.

dtv, 413 Seiten; 9,95 Euro


Bill Clinton und James Patterson

daumen rauf

The President is Missing

The President is Missing cover„The President Is Missing“ handelt von einer Bedrohung so gigantischen Ausmaßes, dass sie nicht nur das Weiße Haus und die Wall Street in Aufruhr versetzt, sondern ganz Amerika. Angst und Ungewissheit halten die Nation in ihrem Würgegriff. Gerüchte brodeln – über Cyberterror und Spionage und einen Verräter im Kabinett. Sogar der Präsident selbst gerät unter Verdacht und ist plötzlich von der Bildfläche verschwunden.

 

Bill Clinton und James Patterson, da haben sich zwei außerordentlich schillernde Männer zusammengetan. Der eine ein Präsident, den man nie vergessen wird, der andere ein Bestsellerautor, der seines gleichen sucht. Und beide Männer sind auch noch fast aus dem gleichen Jahrgang, 1946 und 1947. Jeder bringt sein Fachwissen ein. Der eine über die politischen Abläufe, der andere sein Können für den perfekten Thriller. „The President is Missing“ wurde weltweit groß angekündigt, und der Roman wird seiner Vorschusslorbeeren durchaus gerecht. Aktuelle und politische Hochspannung sind bei „The President is Missing“ garantiert!

The President is Missing
Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Ausgewogen und intensiv gelesen wird dieser aktuelle und politische Spannungsroman von Uve Teschner. 24,95 Euro. Hörprobe

Droemer, 475 Seiten; 22,99 Euro


Emily Esfahani Smith

daumen rauf

Glück allein macht keinen Sinn: Die vier Säulen eines erfüllten Lebens

Die vier Säulen eines erfüllten Lebens

Was ist wahres Glück? Die Autorin verdeutlicht, dass wir dem falschen Ziel hinterherjagen. Nicht Glück macht das Leben lebenswert, sondern ein tieferer Sinn. Gestützt auf Erkenntnisse der Psychologie, Philosophie und Literatur sowie Geschichten von Menschen, die ein erfülltes Leben führen, beschreibt sie die vier Säulen des Sinns.

Glück – jeder Mensch hat wohl seine eigene Interpretation dazu. Glück bedeutet nicht, dass man viel Geld haben oder von allen geliebt werden muss. Das Glück für jeden von uns ist woanders zu suchen, damit man es schafft, auch wirklich von innen heraus das Glück zu spüren. Das Buch kann dabei helfen. Es ist in folgende 7 Punkte aufgebaut: „Die Sinnkrise“, Die erste Säule: Sich zugehörig fühlen“, „Die zweite Säule: Die eigene Bestimmung finden“, „Die dritte Säule: Die Welt durch Geschichten verstehen“, „Die vierte Säule: Sich als Teil eines größeren Ganzen erfahren“, Persönliches Wachstum“ und „Sinnkulturen“. Dieses Buch über den tieferen Sinn von Glück ist ein großes Glück für den Leser!

Mosaik, 351 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Max Bentow

Der Schmetterlingsjunge

Bentow MDer Schmetterlingsjunge

Der Berliner Kommissar Nils Trojan nimmt einen neuen Tatort in Augenschein. Die Frau, die ermordet wurde, liegt entkleidet auf dem Bett, ihren Rücken ziert das farbenprächtige Gemälde eines riesigen Schmetterlings. Nur zwei Tage später ereignet sich ein weiterer Mord, wieder hinterlässt der Täter sein bizarres Kunstwerk auf dem Körper des Opfers. Trojan versucht, die verborgene Botschaft des Mörders zu entschlüsseln, doch sein Gegner hat ihn längst in ein perfides Verwirrspiel verstrickt. Und Trojan weiß – er muss die Obsession begreifen, die den Täter treibt, wenn er das grausame Töten beenden will …

Max Bentow beweist erneut, dass er der deutsche Thomas Harris ist! Seine Thriller habe alle psychologische Tiefe, so auch seiner neuer „Der Schmetterlingsjunge“. Seine Killer sind keine Killer von der Thriller-Stange. Auch hier beweist Max Bentow im „Schmetterlingsjungen“ erneut, dass ihm die grausamen Phantasien für seine Täter nicht ausgehen. Zu erwähnen ist natürlich auch, dass der Thriller der siebte Fall für den Berliner Kommissar Nils Trojan ist. Und auch seine Figur hat Max Bentow schlüssig weiterentwickelt. Wie schon die Max-Bentow-Thriller zuvor, wird auch „Der Schmetterlingsjunge“ von Starschauspieler und „Tatort“-Kommissar Axel Milberg gelesen. Seine feine, fast schon listige Lesung macht das Hören noch spannender. Hörprobe

Bentow MDer Schmetterlingsjunge 1

 

Auch als Paperback erhältlich bei Goldmann, 14,99 Euro.

 Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 576 Minuten; 14,99 Euro


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