Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 19.08.2019 - Nr.574


C. J. Tudor

daumen rauf

Lieblingskind

Lieblingskind

Eines Nachts verschwand seine geliebte Annie. Aus ihrem eigenen Bett. Das ganze Dorf hat sie gesucht, überall. Alle haben das Schlimmste befürchtet. Und dann, wie durch ein Wunder, kehrte sie vierundzwanzig Stunden später zurück. Aber sie konnte – oder wollte – nicht sagen, was ihr zugestoßen war. Und auch er konnte es sich nicht erklären. Er wusste nur, dass sie nicht mehr dieselbe war. Nicht mehr seine Annie. Und er bekam Angst - mörderische Angst vor seiner eigenen kleinen Schwester ...

C. J. Tudor hat im letzten Jahr mit dem „Kreidemann“ einen der Thriller des Jahres geschrieben. Er war weltweit auf den Bestsellerlisten. Nun folgt ihr zweites Buch „Lieblingskind“. Stephen King hat sich in dieses Buch verliebt. Nach der Lektüre weiß man, warum das so ist. „Lieblingskind“ hat etwas von einem Stephen-King-Roman. Das Unheimliche, die Spannung, die lebendigen Figuren, einen starken Erzählton. „Lieblingskind“ wird Sie schnell in seinen Bann ziehen und nicht mehr loslassen. So werden Sie während der Lektüre auch zu einem Bewohner der Kleinstadt Arnhill. Mit dramatischen Folgen für Ihr Nervenkostüm!

Goldmann, 430 Seiten; 15,00 Euro


Neil Gaiman

daumen runter

Zerbrechliche Dinge

Zerbrechliche Dinge

Die Magie von Geschichten zieht sich wie ein roter Faden durch Neil Gaimans Werk. In diesen Erzählungen und Gedichten geht es u. a. um einen mysteriösen Zirkus, der sein Publikum in Angst und Schrecken versetzt, wie Sherlock Holmes in einem seltsam verzerrten viktorianischen England einen royalen Mord aufklären muss oder eine Gruppe von Feinschmeckern nach der letzten ungekosteten Gaumenfreude forscht.

Neil Gaiman, der mit „American Gods“ einen Klassiker der Moderne geschrieben hat, ist ein großartiger Autor! Aber auch dieser kann auf Abwege geraten, und das ist Neil Gaiman mit seinem neuen Buch „Zerbrechliche Dinge – Geschichten und Wunder“. Die 31 Geschichten auf 409 Seiten sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Manche ließen die fantastischen Neil-Gaiman-Qualitäten aufblitzen, andere wiederum waren sterbenslangweilig. So ist man immer hin- und hergerissen. Überzeugen konnte mich diese Sammlung nicht, auch wenn das Buch einige Auszeichnungen bekommen hat. Manche Geschichten verdienen vielleicht diese Auszeichnungen, aber keinesfalls alle 31 Geschichten.

Eichborn, 409 Seiten; 16,00 Euro


Rachel Kushner

daumen rauf

Ich bin ein Schicksal

Ich bin ein SchicksalRomy Hall tritt eine zweimal lebenslängliche Haft in der Stanville Women’s Correctional Facility an, tief in Kaliforniens Central Valley. Draußen die Welt, von der sie nunmehr abgeschnitten ist: San Francisco, wo sie aufwuchs und wo ihr kleiner Sohn Jackson lebt. Drinnen eine ganz neue: Hunderte Frauen, die um das Nötigste zum Überleben kämpfen; ständiges Bluffen und Katzbuckeln und die beiläufige Gewalt durch Aufsichtspersonal wie Gefangene. Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer am Horizont: einen noch an Ideale glaubenden Sozialarbeiter, der sich der jungen Frau annimmt.

Die junge Amerikanerin Rachel Kushner konnte mich schon mit „Flammenwerfer“ und „Telex aus Kuba“ begeistern. Nun erscheint ihr neuer Roman „Ich bin ein Schicksal“. Und auch diesen Roman lobt Stephen King in höchsten Tönen. Vollkommen zu Recht! Ein Roman, der einen gewaltig durchschüttelt! Durch Rachel Kushers Erzählung spürt man die Enge, die Ausweglosigkeit, das Verlorengehen des Menschseins bis ins Mark. Man wird Mitinsasse in dem Frauengefängnis und weiß schnell, dass man in diese Hölle niemals wollen würde. Doch sie verliert nie das kleine Stückchen Hoffnung aus den Augen, das man braucht, um dieses Leben meistern zu können. Kushner schafft es auch, mach humorvolle Passagen unterzubringen. Geschickt erzählt, abwechselnd in der Gegenwart und der Vergangenheit, als noch kein Gefängnisleben auf der Tagesordnung stand.

Rowohlt, 393 Seiten; 24,00 Euro


Andrei Kurkow

daumen rauf

Graue Bienen

Graue Bienen

Der Bienenzüchter Sergej lebt im Donbass, wo ukrainische Kämpfer und prorussische Separatisten Tag für Tag aufeinander schießen. Er überlebt nach dem Motto: Nichts hören, nichts sehen – sich raushalten. Ihn interessiert nur das Wohlergehen seiner Bienen. Denn während der Mensch für Zerstörung sorgt, herrscht bei ihnen eine weise Ordnung und wunderbare Produktivität. Eines Frühlings bricht er auf: Er will die Bienen in eine Gegend bringen, wo sie wieder in Ruhe Nektar sammeln können.

Krieg und Bienen, wie geht das zusammen? In „Graue Bienen“ von Andrei Kurkow erfährt man das auf sehr anschauliche Weise. Taktgeber des Romans ist natürlich der Krieg in der Ukraine. Ein Krieg, der so nah ist und für uns doch so weit entfernt. „Graue Bienen“ ist düster, weil es nicht anders funktioniert, will man das beschreiben, was sich im Grenzland zu Russland abspielt. Aber doch auch hell leuchtend, denn der Autor findet einen Ton, der einen auch immer wieder mal schmunzeln lässt.

Diogenes, 445 Seiten; 24,00 Euro


Herman Melville

daumen rauf

Mardi und eine Reise dorthin

Mardi und eine Reise dorthin

Südsee und Abenteuer, Liebe und Geheimnis, Zivilisations- und Gesellschaftskritik: All das findet sich in Herman Melvilles Roman „Mardi“. Alles beginnt mit einer Flucht: Der Erzähler desertiert von einem Walfänger, auf dem er erfolglos den Pazifik durchstreift hat. Die Begegnung mit einem unwiderstehlich schönen Mädchen führt ihn zunächst nach Mardi, dann zu weiteren Südsee-Idyllen und in den weiten Ozean enthemmten Fabulierens.

 


Herman Melville (1819 – 1891) hat mit „Moby Dick“ großartige Weltliteratur geschrieben! Nun bringt Manesse den fantastischen Roman „Mardi und eine Reise dorthin“ heraus. 1849 entstanden gilt er als Vorläufer von „Moby Dick“. Eine Geschichte voller Fantasie, toller Einfälle, starken Figuren und szenisch spannenden Beschreibungen.

Manesse, 824 Seiten; 45,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jeanne Marie Laskas

Briefe an Obama

briefe an obama hörbuch

Was tut ein US-Präsident, wenn er wissen will, wie es um sein Land steht? Er liest. Während seiner Amtszeit gingen täglich Zehntausende Briefe im Oval Office ein. Jeden Abend las Barack Obama zehn ausgewählte Schreiben, einige beantwortete er persönlich. Zu Wort kommen Obama-Anhänger ebenso wie politische Gegner, vom Schulkind bis zum Kriegsveteranen. Was sie bewegt: die Folgen der Finanzkrise, die geplante Gesundheitsreform, soziale Gerechtigkeit, Bildungschancen und Start-up-Ideen, das Schicksal der Soldaten im Auslandseinsatz oder schlicht Schulaufgaben.

Sie wollen die Stimme Amerikas hören, dann lesen Sie dieses Buch! Oder hören das Hörbuch mit den ausgezeichneten Sprechern. Was fühlten und dachten die Menschen während der Präsidentschaft Barack Obamas? „Brief an Obama“ verrät es Ihnen. Was waren ihre wichtigsten Anliegen? Hier erfährt man es. Die Themen sind ausgewogen und vielfältig, so dass es auch für den Zuhörer immer spannend bleibt. Jeanne Marie Laskas hat das Buch gut aufgebaut und am Ende ist man traurig, weil man weiß, dass Barack Obama nun nicht mehr Präsident ist und keine Briefe mehr mit seinem Charme und Einfühlungsvermögen beantworten wird. Ein kleiner Makel hat das Buch und das Hörbuch dann doch: die Zeit, oder eher Donald Trump, hat Amerika eingeholt. Gelesen werden die Geschichte und die Briefe von Christian Baumann, Julia Cortis, Juliane Köhler und Franz Pätzold. Hörprobe 3:36 Min.

briefe an obama

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Goldmann, 22,00 Euro..

 
Der Hörverlag, 8 CDs, 583 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle Kolumne vom 12.08.2019 - Nr.573


Lucy Clarke

daumen rauf

Das Haus am Rand der Klippen

Das Haus am Rand der Klippen

Das Haus am Rand der Klippen war Elles größter Traum. Doch kaum eingezogen, liegt ihre Welt in Trümmern: Ihre Ehe zerbricht, sie ist bankrott, und ihr Verlag drängt auf ihr neues Buch, während sie mit Schreibblockaden und Schlaflosigkeit kämpft. Der Abgabetermin rückt näher, ihre Existenz hängt davon ab, und vielleicht liegt es an den angespannten Nerven, dass sie sich ständig beobachtet fühlt. Doch als Elle von einer Reise zurückkehrt, spürt sie schon beim Betreten ihres Hauses, dass etwas anders ist. Jemand war hier. Und hat ihr schlimmstes Geheimnis entdeckt.

Die Engländerin Lucy Clark schrieb die Bestseller „Der Sommer, in dem es zu schneien begann“, „Die Landkarte der Liebe“, „Das Haus, das in den Wellen verschwand“ und „Die Bucht, die im Mondlicht versank“. Nun liegt ihr neuer Roman vor. „Das Haus am Rand der Klippen“ hat eine geheimnisvolle Atmosphäre, ein Haus als ungewöhnlicher zweiter Hauptdarsteller und eine Heldin, mit der man mitleidet und mitfiebert und mitgerissen ist von dem was mit ihr und um sie herum alles passiert! Bestsellerautorin Lucy Clark lässt einen ganz schnell in die Haut von Bestsellerautorin Elle Fielding schlüpfen. Zugleich zeigt Clark intensive Einblicke in die Innenwelt einer Autorin. Viele träumen davon beruflich ein Autor zu sein, doch Clark zeigt, dass dieser Traum sich auch ins Gegenteil verkehren kann. Die Auflösung der Geschichte ist dann ein echter Knaller! Lucy Clark weiß, wie man einen spannenden Roman richtig erzählt.

Piper, 415 Seiten; 15,00 Euro


Judith Winter

daumen runter

Finsterwald

Finsterwald

Buchstabe für Buchstabe entziffert Kathrin Stiller die Botschaft, die sie auf einem Zettel in ihrem Verlies aus Angst und Einsamkeit gefunden hat. Es ist kalt und es ist immer Nacht. Ihre Lage scheint aussichtslos – aber nun schöpft sie Hoffnung: Also ist sie nicht die Erste, die hierher verschleppt wurde. Es muss schon jemand vor ihr da gewesen sein. Plötzlich ist sich Kathrin sicher, dass „die andere“ nicht mehr am Leben ist. Sie ist durch diese Tür gegangen und gestorben. Drinnen wartet ein langsamer Tod. Draußen wartet noch Schlimmeres. Ein Serienkiller verewigt sich auf den Körpern seiner Opfer. Können Em und Zhou ihn stoppen? Für die beiden Ermittlerinnen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Judith Winter hat mit den Ermittlerinnen Emilia Capelli und Mai Zhou zwei ganz außergewöhnliche Charaktere in der deutschen Krimiliteratur erschaffen! „Finsterwald“ ist nach „Siebenschön“, „Lotusblut“ und „Sterbegeld“ nun der vierte Band der Reihe. Über „Siebenschön“ schrieb ich einst „Ein Thriller, der Sie um den Schlaf bringen wird!“. Der erste Band war wahrlich überragend. Auch der zweite ließ keine Thrillerwünsche offen. Mit diesen hohen Ansprüchen ging ich nun auch an „Finsterwald“ heran, und wurde leider etwas enttäuscht. Spannung und Thrill war durchaus vorhanden, der Kriminalfall hätte etwas besser ausgearbeitet sein können, und das Privatleben der Ermittlerinnen, das mich die ersten drei Bände begeistert hat, war hier nun weniger überzeugend. Vor allem Emilia fiel hier negativ auf. „Finsterwald“ liegt immer noch über dem Durchschnitt der Thrillerneuerscheinungen, aber ist in allem betrachtet der schwächste Band der Reihe.

dtv, 494 Seiten; 9,95 Euro


Udo Gansloßer / Kate Kitchenham

daumen rauf

Hunde-Forschung aktuell: Anatomie, Ökologie, Verhalten

Hunde Forschung aktuellDer Hund steht im Fokus der Wissenschaft. Weltweit wird über sein Wesen geforscht, denn Hundehalter möchten wissen, wie ihr vierbeiniger Freund denkt und fühlt. Dr. Udo Gansloßer und Kate Kitchenham stehen in Kontakt mit führenden Wissenschaftlern und haben die neuesten Forschungsergebnisse in diesem Buch zusammengefasst. Sie beschäftigen sich mit allem, was Hunde zu Helden machen.

Für jeden Hundehalter- und freund ist dieses Buch ein großartiges Geschenk! Man verliert sich in dem Buch und erfährt so viel Bekanntes und Neues über Hunde und deren Geschichte und ihr Verhalten, so dass man seinen besten Freund noch besser versteht und vielleicht auch gleich das eine oder andere in den täglichen Lern- und Aufmerksamkeitsprozess mit einbinden kann. Das Buch hat folgende Schwerpunktthemen: „Domestikation“, „Das soziale Leben der Hunde mit uns Menschen“, „Das soziale Leben der Hunde mit Artgenossen“, „Lernen und Intelligenz“, „Lebenslauf“, „Helden auf vier Pfoten“, „Genetik und Zucht“ und „Wildtierkunde“.

Kosmos, 432 Seiten; 45,00 Euro


René Nyberg

daumen rauf

Der letzte Zug nach Moskau

Der letzte Zug nach Moskau

Fanny war von ihrer jüdischen Familie verstoßen und sogar für tot erklärt worden, als sie 1937 den nichtjüdischen Finnen Bruno Nyberg heiratete. Von da an gab es über viele Jahre keinen Kontakt. Alle überlebten den Krieg, denn die Juden in Finnland blieben vor der Verfolgung verschont. Anders als in Lettland. Dort in Riga lebte Mascha mit ihrem Mann Josef und ihrer Familie. Fanny und Mascha hatten vor dem Krieg viel vergnügte Zeit miteinander verbracht. Mascha war Musikpädagogin, Josef Geiger. Die beiden bestiegen mit zwei Koffern den letzten Zug, der noch in Richtung Moskau fuhr, zwei Tage vor dem Einmarsch der Deutschen 1941. Eltern und Geschwister schlossen sich der Flucht nicht an. Sie wurden alle ermordet. Mascha und Josef jedoch überlebten den Holocaust in der Sowjetunion und kehrten gegen Kriegsende wieder nach Riga zurück.

Eine durch und durch bewegende Familiengeschichte! Der Finne Renè Nyberg, Politikwissenschaftler und Diplomat, erzählt das Leben seiner Mutter in einem spannenden Kontext zum Leben damals in Finnland und der Sowjetunion. „Der letzte Zug nach Moskau“ hat mich gefesselt!

dtv, 237 Seiten; 22,00 Euro


Christine Gitter

daumen rauf

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Apothekerin

Medikamente sind für uns Helfer in der Not, manchmal lebensnotwendig, sie bergen aber auch Risiken und Nebenwirkungen für unsere Gesundheit. Die Pharmazeutin Christine Gitter kennt sie ganz genau: die Fragen und Sorgen all jener, die eine Apotheke aufsuchen. Wie soll man es schaffen, eine riesige Kapsel zu schlucken? Woher weiß die Kopfschmerz-Tablette, dass sie in den Kopf soll und: Gibt es diese Pille auch vegan? Jetzt hat sie ihr gesammeltes Apotheken-Wissen aufgeschrieben.

Endlich mal wissen, was in der Hausapotheke so alles los ist! Dieses Buch hilft aufklärend und charmant dabei zu verstehen, wie Medikamente wirken, wo man aufpassen muss und vermittelt noch reichliches Zusatzwissen für den Laienapotheker in uns allen. Die Hauptthemen sind: „Eine Tablette geht auf Reisen“, „Wie wirken Arzneimittel, und wenn ja, warum“, „Forschung und Technologie“, „Glauben Sie nicht alles, was Sie schlucken!“, „Die ultimative Hausapotheke leicht gemacht“ und „Was in die Hausapotheke gehört“.

Droemer, 288 Seiten; 16,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Graham Moore

Der Mann, der Sherlock Holmes tötete

der mann der sherlock holmes tötete hörbuch

Arthur Conan Doyle tritt in die Fußstapfen seiner berühmtesten Figur Sherlock Holmes: Weil Scotland Yard keinen Anlass sieht, den Mord an einem augenscheinlich leichten Mädchen aufzuklären, macht er sich selbst auf die Suche nach dem Mörder. Er schleicht durch die dunklen Straßen des viktorianischen London und landet an Orten, die kein Gentleman betreten sollte. Etwa hundert Jahre später ist ein junger Sherlock-Fan in einen Mordfall verstrickt, bei dem Doyles verschwundenes Tagebuch und einige Fälle seines berühmten Detektivs eine wichtige Rolle spielen. Zwei Morde, zwei Amateurdetektive, zwei Welten.

Für Sherlock-Holmes-Fans ist Graham Moores „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“ ein außerordentlicher Lesegenuss! Oder Hörgenuss. Ganz spannend zu erfahren ist, wie Moore Doyles inneren Kampf gegen seine Heldenfigur Sherlock Holmes ausficht. Er geht ja auch soweit, Holmes zu töten, was ganz London gegen den Autor Doyle aufbringt. Es zeigt auch, wie wenig man den Autor sieht, der hinter der Erschaffung der Figur steht, sondern nur die Romanfigur. Fluch und Segen zugleich. Nicht weniger spannend ist das Zusammenspiel von Sir Arthur Conan Doyle und Bram Stoker, der damals meinte, sein „Dracula“ würde in ein paar Jahren in Vergessenheit geraten sein. Wie er sich irrte. Bei den ganzen echten historischen Figuren und ihren Erlebnissen ist der Kriminalfall in der Vergangenheit, und die Jagd nach dem Tagebuch in der Gegenwart, fast schon Nebensache. Aber auch diesen Erzählsträngen hat Graham Moore genügend Spannung eingehaucht. Wer kann solch einem Stoff die richtige, tragende Stimme verleihen? Natürlich David Nathan, einem von Deutschlands Stimmkönigen! Hörprobe 11:16 Min.

Der Mann der Sherlock Holmes tötete

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Eichborn, 22,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 433 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 05.08.2019 - Nr.572


Martina Sahler

daumen rauf

Die Zarin und der Philosoph

Die Zarin und der Philosoph

Die junge Katharina krönt sich nach einem Putsch selbst zur Zarin. Sie sieht sich als Nachfolgerin von Peter dem Großen und will Russland nach Westen öffnen. Doch die Welt hält den Atem an, kann man der Deutschen auf dem Zarenthron trauen? Preußens König Friedrich II. schickt einen Philosophen nach Petersburg, um die Pläne der neuen Herrscherin auszuspähen. Stephan Mervier ist beeindruckt von Katharina, von ihrer Klugheit, ihrem Charisma, aber Russlands Rückständigkeit und das Elend der Leibeigenen machen ihn wütend. Dabei wächst der Widerstand im Winterpalast längst heran. Eine enge Vertraute Katharinas kämpft auf Seiten der Unterdrückten. Stephan verliebt sich in die mutige Rebellin, die in großer Gefahr schwebt. Denn die Zarin fördert zwar Fortschritt, Bildung und die Wissenschaften, aber ihre Herrschaft ist absolut, und sie setzt ihre Macht mit äußerster Härte durch.

Martina Sahler versteht es Historie lebendig werden zu lassen! Nach dem begeistert aufgenommenen „Die Stadt der Zaren“ entführt Martina Sahler den Leser mit „Die Zarin und der Philosoph“ wieder ins 18 Jahrhundert nach Russland, nach Sankt Petersburg. Das Leben zur damaligen Zeit fängt Martina Sahler sehr gut ein. Die Figuren und deren Handeln und die Geschichte rund um Katharina ist gut verfasst, allerdings lässt der Spannungsbogen etwas zu wünschen übrig. Da wäre mehr drin gewesen. Trotzdem hat mich die Geschichte gefangen genommen und mich bis zum Ende gehalten. „Die Zarin und der Philosoph“ ist Geschichte zum anfassen!

List, 492 Seiten; 20,00 Euro


Kjell Ola Dahl

daumen runter

Die Frau aus Oslo

Die Frau aus Oslo

Oslo, 1942. Die Stadt ist von den Nazis besetzt. Die Jüdin Esther kämpft im Widerstand - bis sie verraten wird. In letzter Sekunde gelingt ihr die Flucht nach Schweden. Ihre Familie jedoch wird deportiert. In Stockholm trifft Esther den Widerstandskämpfer Gerhard Falkum, der ebenfalls aus Oslo geflohen ist. Er steht unter Mordverdacht an seiner Frau. Ein Verdacht, der nie ausgeräumt werden kann und Esther Jahrzehnte später noch beschäftigt. Denn zurück in Oslo will sie herausfinden, wer ihre Familie damals in den sicheren Tod geschickt hat ...

Kjell Ola Dahl ist einer der großen Krimiautoren Norwegens! „Die Frau aus Oslo“ wurde 2015 als bester Krimi Norwegens ausgezeichnet, dazu hörte sich die Geschichte spannend an. Mit diesem Buch konnte man eigentlich nichts falsch machen. Doch. Die beiden Zeitebenen (es gibt auch noch eine kleinere dritte) wechseln meist regelmäßig ab. So erlebt man die Geschehnisse im Jahr 1942 und im Jahr 1967. Wobei ich eigentlich gedacht hatte, mindestens 70 % der Geschichte spielen im Jahr 1942. Darauf hatte ich mich gefreut. Doch enttäuscht musste ich feststellen, dass der überwiegende Roman im Jahr 1967 spielt und mir dieser Erzählstrang weit weniger gefällt wie der im Jahr 1942. Zudem weicht Kjell Ola Dahl oft vom Weg ab, er bläht Nebensächlichkeiten auf und verlässt den Spannungspfad viel zu oft. Das ganze Gemisch konnte mich nicht begeistern.

Lübbe, 428 Seiten; 15,00 Euro


Tim Blanning

daumen rauf

Friedrich der Große – König von Preußen

Friedrich der Große König von PreußenDas Buch fängt das Genie des berühmtesten preußischen Königs, seine Vitalität und komplexe Persönlichkeit ebenso ein wie das Ungeheuer Friedrich mit seinen fatalen Engstirnigkeiten und Borniertheiten. Die Homosexualität des Herrschers wird hier erstmals in einer großen Biographie ohne Verdruckstheiten angesprochen. Gleichermaßen vertraut mit Friedrichs Schlachten wie mit dem ästhetischen Programm von Schloss Sanssouci, schöpft das Buch aus einer lebenslangen Beschäftigung mit dem 18. Jahrhundert und dem Ancien Régime, das schon wenige Jahre nach Friedrichs Tod mit der Französischen Revolution an sein Ende kommen wird.

Wer sich bisher nur am Rande mit dem Leben von Friederich dem Großen beschäftigt hat, der wird mit diesem Buch viele Wissenslücken schließen. Der Brite Tim Blanning hat einen teils schweren Stoff in einen leicht zu lesenden und spannenden Text verwandelt! Das Buch besteht aus drei Hauptteilen: „Friedrichs Leiden und Größe“ (darunter Die Erbschaft, Wie Friedrich gebrochen wurde, Die Emanzipation Friedrichs), „Krieg und Frieden“ (darunter Frieden und Krieg 1745 – 1756, Der Siebenjährige Krieg) und „An der Heimatfront“ (darunter Öffentlichkeit und Nation, Land und Stadt, Bei Hofe und zu Hause).

C. H. Beck, 718 Seiten; 34,00 Euro


Céline Santini

daumen rauf

Kintsugi

Kintsugi

Kintsugi ist eine alte japanische Kunstform, um gesprungene Keramik zu reparieren. Dabei werden die Bruchstellen nicht vertuscht, sondern vergoldet und damit in ihrer ganzen Schönheit inszeniert. Wenn unsere Lebenspläne, unsere Gesundheit und Beziehungen buchstäblich in die Brüche gehen, unterstützt uns Kintsugi dabei, diese Scherben aufzusammeln und sie achtsam zu einer ganz neuen Form zusammenzusetzen. Auf diese Weise können wir an unseren Verletzungen und Niederschlägen wachsen, sie als bereichernd annehmen - als wertvolle Bruchstellen, die uns ganz machen und stärken.

 „Kintsugi“ ist bereichernd, befruchtend und erleuchtend! Das Leben hat zahlreiche Bruchstellen, dieses Buch ist eine Hilfestellung für alle, die gerade eine solche durchleben. Die Hauptthemen sind: „Entdecken“, „Zerbrechen“, „Zusammenfügen“, „Sich gedulden“, „Reparieren“, „Aufdecken“ und „Sublimieren“.

Kailash, 288 Seiten; 20,00 Euro


Beth Kempton

daumen rauf

Wabi-Sabi

Wabi Sabi Kemton

Einfach genau richtig sein, dieser Wunsch treibt viele um. Doch was, wenn wir das längst sind und es nur nicht wahrnehmen? Wabi-Sabi ist ein jahrhundertealtes japanisches Konzept, das Schönheit in der Unvollkommenheit erkennt - das ideale Gegengift zum allgegenwärtigen Perfektionismus. Die Japanologin Beth Kempton zeigt, wie wir mit Wabi-Sabi unser Zuhause, unser Arbeitsleben und unsere Haltung zu uns selbst gestalten. Wabi-Sabi lehrt die Wertschätzung von dem, was wir haben, die bewusste Wahrnehmung des Augenblicks und das Loslassen der Vergangenheit.

Ein Buch wie ein Balsam für die Seele! Das Leben wieder so genießen wie es ist, absolut unperfekt. Dieses Buch, Wabi-Sabi, hilft dabei. Die Hauptthemen sind: „Ursprünge, Merkmale und Bedeutsamkeit von Wabi Sabi“, „Vereinfachen und Verschönern“, „Leben im Einklang mit der Natur“, „Akzeptieren und Loslassen“, „Das Scheitern umdeuten“, „Beziehungen hegen und pflegen“, „Die berufliche Reise genießen“ und „Die Momente wertschätzen“.

Lübbe, 271 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Kathryn Taylor

Dunmor Castle – Das Licht im Dunkeln

Dunmor Castle Das Licht im Dunkeln hörbuch

Kennt sie diesen Ort? Im Auftrag ihres Chefs fährt die junge Designerin Lexie in Irlands sturmumtosten Norden: Sie soll Dunmor Castle zum Renovieren vorbereiten. Das einst hochherrschaftliche Anwesen und seine Umgebung kommen ihr seltsam vertraut vor. War sie als kleines Kind bereits hier? Schon lange sucht Vollwaise Lexie nach Hinweisen auf ihre Vergangenheit. Als die Erinnerungen Stück für Stück zurückkehren, muss sie bald gegen quälende Albträume kämpfen. Trost und Hilfe findet sie ausgerechnet bei Grayson, Sohn des Hauses und ihr beruflicher Gegenspieler. Kann sie ihm wirklich trauen?

Nach ihren erfolgreichen „Coulors-of-Love“ und „Daringham-Hall“-Reihen startet Kathryn Taylor mit „Dunmor Castle“ eine neue Reihe. Liebe, Leidenschaft, spannende Verwicklungen, passendes Personal – der Mix stimmt auch diesmal. Kathryn Taylor weiß, wie sie vor allem ihre weiblichen Leser begeistern kann. Nach „Das Licht im Dunkeln“ will man nach dem fiesen Cliffhanger schnell wissen, wie es weitergeht. Wer anders als Marie Bierstedt, mit ihrer dramatischen und feengleichen Stimme, soll solch eine Geschichte lesen können? Keine! Hörprobe 6:56 Min.

Dunmor Castle Das Licht im Dunkeln

 

Auch als Taschenbuch erhältlich bei Bastei Lübbe, 10,00 Euro.

Lübbe Audio, 5 CDs, 362 Minuten; 16,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 29.07.2019 - Nr.571


Andreas Gößling

daumen rauf

Drosselbrut

Drosselbrut

Hochsommer in Berlin. Innerhalb kurzer Zeit verschwinden zwölf junge Frauen – verlockt von einer Social-Media-Kampagne namens „Befrei dich!“. Mit effektvollen Videos von kleinen Vögeln, die sich in Nestern aus Plastikmüll strangulieren, werden die Teenager motiviert, ihr soziales „Netz“ zu zerreißen und sich in einsamen Wäldern auf Selbsterfahrungstrip zu begeben – auf Nimmerwiedersehen. Was für die Beamten vom Vermisstendezernat zunächst wie reine Routine aussieht, lässt bei Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein sämtliche Alarmglocken schrillen. Und dann taucht die erste Leiche auf.

Ein True-Crime-Thriller, der einem den Atem raubt! Der Autor hat den „Jahrhundertfall“ Dutroux, in den tatsächlich auch Berliner Teenager verwickelt waren, zu einem True-Crime-Thriller adaptiert. Andreas Gößling setzt seine True-Crime-Thriller-Reihe spektakulär fort! Nach „Wolfswut“ lässt er nun „Drosselbrut“ folgen. Der steht seinem Vorgänger in nichts nach. Ein Thriller, in dem viel passiert. Andras Gößling versteht es die Spannung durch seine schnellen Szenenwechsel hoch zu halten. Mit Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein hat er eine moderne, zupackende und eigenwillige Frauenfigur erschaffen, der man als Leser garantiert immer auf den Fersen bleiben will.

Knaur, 525 Seiten; 14,99 Euro


Gard Sveen

daumen runter

Die stille Tochter

Die stille Tochter

Oslo, 1982: An einem eiskalten Dezembertag verschwindet die ehemalige DDR-Bürgerin und KGB-Agentin Christel Heinze. Hat ihre große Liebe Arvid Storholt, ein berühmt berüchtigter Doppelagent, damit zu tun? War es wirklich wahre Liebe oder nur eine Gelegenheit zum Verrat? Oslo, 2016: In einem See werden die Überreste einer Frauenleiche gefunden. Kurz darauf wird Arvid Storholt ermordet. Tommy Bergmann, selbstzerstörerischer Ex-Polizist, ermittelt für den norwegischen Geheimdienst. Gibt es eine Verbindung zwischen der toten Unbekannten und dem ermordeten Sowjetagenten? Tommy Bergmann stößt auf einen alten Skandal, der auch ihm selbst gefährlich werden kann.

Der Norweger Gard Sveen hat mit Tommy Bergmann eine Figur mit vielen Ecken und Kanten geschaffen! Augetreten ist er bisher in „Der letzte Pilger“, „Teufelskälte“ und „Der einsame Bote“. Nun ermittelt er in „Die stille Tochter“ zum vierten Mal. Gard Sveen schreibt keine Thriller vom Reißbrett, das kann gut sein, aber auch schlecht. Bei Gard Sveen schwanke ich da hin und her, denn der Story fehlt es an durchgängiger Spannung und einem erzählerischen Plan. Zu oft springt Gard Sveen von einer Zeitebene und wieder zurück. Praktisch von Kapitel zu Kapitel. Ein richtiger Lesefluss kann so kaum aufkommen. Dagegen hätte die Spionagestory Potenzial für mehr, und die Charaktere sind gut ausgearbeitet.

List, 367 Seiten; 14,99 Euro


Charlotte Lucas

daumen rauf

Fünf Sterne für dich

Fünf Sterne für dichFür ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden. Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee ... und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf. Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe ...

So charmant, so ehrlich und so mitreißend! „Fünf Sterne für dich“ hat sich seine fünf Sterne auf jeden Fall verdient. Wie ist es als Alleinerziehender, was passiert in der Schule, wie ist es für die Lehrer und wie im Leben der Teenager, was für Abenteuer birgt die Liebe im meist nicht einfach zu meisternden Alltagsleben? Diese und noch mehr Themen geht Charlotte Lucas in ihrem Roman „Fünf Sterne für dich“ nach. Sie versteht es etwas Drama, Komödie und Romantik mit viel Alltagsleben zu würzen. Die Charaktere sind gut getroffen, allen voran natürlich Pia, Konrad und Mathilda, auch wenn einige andere etwas überzeichnet sind.

Lübbe, 573 Seiten; 18,00 Euro


Ian McEwan

daumen rauf

Maschinen wie ich

Maschinen wie ich

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen „Adam“ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

 


Weltbestsellerautor Ian McEwan zeigt mit „Maschinen wie ich“ wieder sein ganzes literarisches Können verknüpft mit großem Einfallsreichtum! Wie er dem Leser in seinem fiktiven Jahr 1982 nahe bringt, wie die Künstliche Intelligenz unser normales Alltagsleben in Zukunft durcheinanderbringen wird, ist erstaunlich leicht, anschaulich und spannend zugleich geschildert.

Diogenes, 405 Seiten; 25,00 Euro


Aimee Molloy

daumen rauf

Die Mütter

Die Mütter

Sie treffen sich jede Woche. Sie teilen Freuden, Sorgen und Nöte. Eine Gruppe Frauen, die nur eines verbindet: Sie sind alle frischgebackene Mütter, und das schweißt zusammen. Freundschaften entstehen. Und ein Plan - einmal eine winzige Auszeit vom Babyalltag zu nehmen, abends in einer Bar. Die alleinerziehende Winnie lässt ihren kleinen Sohn Midas für den Abend bei einer Babysitterin. Als Winnie nach Hause kommt, ist ihr Kind spurlos verschwunden, niemand hat etwas bemerkt. Es folgen Tage, in denen jede der Mütter durch die Hölle geht: Sarah will Antworten. Collette weiß zu viel. Nell hat etwas zu verbergen. Und eine Mutter hat etwas Unaussprechliches getan ...

Ein Drama-Thriller, der aufzeigt, wie Mütter denken, fühlen und handeln im Angesicht einer schicksalhaften Katastrophe! Aimee Molloy ist als Sachbuchautorin in den USA sehr erfolgreich, mit „Die Mütter“ hat sie nun ihr Romandebüt vorgelegt. Und was für eins. „Die Mütter“ fesselt auf vielen verschiedenen Ebenen, durch den geschickten Aufbau der Story, die Charaktere, die alle ein Geheimnis haben, und der nie nachlassenden, subtilen Spannung.

Rowohlt Polaris, 347 Seiten; 12,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Guillaume Musso

Die junge Frau und die Nacht

Die junge Frau und die Nacht

Nur auf Drängen seines besten Freundes Maxime kehrt der erfolgreiche Schriftsteller Thomas anlässlich einer Jubiläumsfeier ihrer alten Schule aus den USA in seine französische Heimatstadt Antibes zurück – an den Ort, an dem vor fünfundzwanzig Jahren Vinca, seine große Liebe, spurlos verschwand. Damals beging Thomas mit Maximes Hilfe aus Liebe und Verzweiflung ein grausames Verbrechen. Nun droht die Vergangenheit sie einzuholen, denn jemand ist hinter ihr Geheimnis gekommen und will nur eines: Rache. Um sich und ihre Familien zu schützen, müssen Thomas und Maxime herausfinden, warum Vinca damals das Internatsgelände verließ. Doch je näher sie der Wahrheit kommen, desto größer wird die Gefahr …

Der französische Bestsellerautor Guillaume Musso ist ein literarisches Phänomen! Jeder neue Roman überzeugt mit einer überraschenden Geschichte und faszinierenden Charakteren. Es gibt kaum eine Möglichkeit, Guillaume Musso zu entkommen! Das trifft auch auf sein neuestes Werk „Die junge Frau und die Nacht“ zu. Eine wahrlich überraschende Story, die mit den abwechselnden Erzählsträngen für zusätzliche Spannung sorgt. Und der große Knall, Guillaume Musso weiß wie man es macht, kommt ganz zum Schluss! Gelesen wird der neue Musso von Richard Barenberg. Mit Stil und stimmlicher Präsenz präsentiert Richard Barenberg den Roman von Guillaume Musso. Hörprobe 5:00 Min.

Die junge Frau und die Nacht cover

 


Auch als Paperback erhältlich bei Pendo, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 526 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 22.07.2019 - Nr.570


Harlan Coben

daumen rauf

Suche mich nicht

Suche mich nicht

Für Simon wird ein Alptraum wahr, als seine Tochter Paige von einem Tag auf den anderen verschwindet. Hinterlassen hat sie eine Botschaft, in der sie klar macht, dass sie nicht gefunden werden will. Panisch begibt sich Simon auf die Suche, und als er Paige im Central Park tatsächlich entdeckt, erkennt er seine Tochter nicht wieder. Denn diese junge Frau ist völlig verstört und voller Angst. Sie flieht vor ihm, und Simon hat nur eine Chance, wenn er sie retten will: Er muss ihr in die dunkle und gefährliche Welt folgen, in deren Sog sie verloren ging. Und was er dort entdeckt, reißt ihn und seine gesamte Familie in einen Abgrund …

Wenn man einen Thrillerautor mit dem Prädikat „Weltklasse“ auszeichnen kann, dann ist das Harlan Coben! Seinen Thrillern wohnt eine Magie inne, denn die Spannung ist nicht von dieser Welt. So auch in seinem neuen Thriller „Suche mich nicht“. Was von der Story viele Coben-Thriller auszeichnet ist, dass man niemals weiß, wie sich die Geschichte entwickeln wird. Eine feste Thrillerschablone gibt es bei ihm nicht. Simons Suche nach seiner Tochter Paige wartet mit vielen Wendungen auf, die einen wie die Hauptfigur Simon nicht ruhen lassen. Und am Ende ist vieles wieder ganz anders, als man sich das zuvor gedacht hatte.

suche mich nicht hörbuch

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Harlan-Coben-Stammvorleser Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney, weiß wieder in allen Belangen zu überzeugen. 14,99 Euro. Hörprobe 3 :23 Min.

Goldmann, 457 Seiten; 15,00 Euro


Katarzyna Bonda

daumen runter

Der Rat der Gerechten

Der Rat der Gerechten

Die Einwohner von Hajnówka, einer Kleinstadt an der polnisch-weißrussischen Grenze, bereiten sich auf die Hochzeit des Jahres vor: Iwona Bejnar heiratet Piotr Bondaruk. Die junge Iwona stammt aus einer armen polnischen Familie, während der wesentlich ältere Bondaruk, Weißrusse und Besitzer einer Holzfirma, zu den reichsten Geschäftsleuten der Stadt gehört. Während der Hochzeit verschwindet Iwona plötzlich und bleibt wie vom Erdboden verschluckt. Besteht ein Zusammenhang mit dem Verschwinden früherer Partnerinnen von Piotr Bondaruk? Die Profilerin Sasza Załuska, die zu den Ermittlungen hinzugezogen wird, gräbt tief in der Vergangenheit des Ortes und stößt auf ein ungesühntes Verbrechen, über dem jahrzehntelang ein Mantel des Schweigens lag.

Katarzyna Bonda gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen Polens. Nach „Mädchen aus dem Norden“ ist „Der Rat der Gerechten“ nun der zweite Fall um Profilerin Sasza Zaluska. „Mädchen aus dem Norden“ war auch in Deutschland ein viel beachteter Krimi. Ich war angetan vom ersten Fall von Sasza Zaluska, daher war ich gespannt auf ihren zweiten. Die Geschichte hörte sich vielversprechend und ausladend an. Was sie auch war, also ausladend, denn der Roman, auf dem Cover steht zur Vorsicht schon mal nichts von einem Krimi, umfasst 700 Seiten. Und da muss man schon eine Autorin der Klasse einer Elizabeth Georg sein, um diese mit einem spannenden Kriminalroman zu füllen. Katarzyna Bonda schafft das über weite Strecken nicht. Wenn es 300 Seiten weniger gewesen wären, ich hätte nichts vermisst an diesem Roman. Zu unübersichtlich, zu kompliziert aufgebaut, zu viele Charaktere, die nicht wirklich etwas Nachhaltiges zur Geschichte beitragen.

Heyne, 700 Seiten; 17,00 Euro


Katrine Engberg

daumen rauf

Blutmond

BlutmondEs ist ein klirrend kalter Januar. In den prunkvollen Sälen des Geologischen Museums trinken sich die Größen der Modewelt warm für die Copenhagen Fashion Week, als draußen im Schnee der Designer Bartholdy unter Qualen zusammenbricht. Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln in dem Fall. Jeppe ist zurück von einem längeren Urlaub in Australien, doch die Erholung hält nicht lange an. Denn Jeppes bester Freund ist seit dem grausamen Mord an Bartholdy unauffindbar.

Nach „Krokodilwächter“ ist „Blutmond“ der zweite Fall für das Ermittlerpaar Jeppe Kørner und Anette Werner. Die Dänin Katrine Engberg hat mit ihrer Kopenhagen-Thriller-Reihe auch schnell in Deutschland viele begeisterte Leserinnen und Leser gefunden. Das Ermittlerpaar Jeppe Kørner und Anette Werner alleine sind es schon wert diesen Krimi zu lesen! Für mich mehr ein sich langsam entwickelnder Krimi als ein rasanter Thriller. Thriller steht auf dem Cover. Der Qualität tut das aber keinen Abbruch. Mir hat es besonders Anette Werner mit ihrer unkonventionellen Art angetan. Katrine Engberg hat mit ihrem Ermittlerpaar zwei charakterstarke Figuren erschaffen, deren Ermittlungsarbeit spannend zu verfolgen ist. „Blutmond“ wird jeden begeistern, der hochkarätige Spannungsliteratur liebt!

Diogenes, 472 Seiten; 24,00 Euro


Katharina Fuchs

daumen rauf

Zwei Handvoll Leben

Zwei Handvoll Leben

Deutschland 1914: Charlotte wächst auf dem archaischen Landgut ihres mächtigen Vaters in Sachsen auf. Die Welt scheint ihr zu Füßen zu liegen, als sie von ihrer Tante und deren jüdischem Ehemann in die Leipziger Ballsaison eingeführt werden soll. Sie begegnet ihrer ersten Liebe. Doch der Beginn des ersten Weltkriegs zerstört ihre Pläne. Und ihr Leben verändert sich für immer. Gleichzeitig gelingt es Anna, zwischen den Wasserstraßen des Spreewalds, wo Verzicht und harte Arbeit erfinderisch machen, dem Schicksal immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Doch sie verkennt die tiefe Liebe ihres besten Freundes, bevor er an die Westfront zieht. An einem eiskalten Tag im Februar 1919 steigt die neunzehnjährige Schneiderin alleine in den Zug nach Berlin. In den engen Hinterhöfen des Wedding prallen Hunger und Armut auf den ungezügelten Lebensdurst der beginnenden zwanziger Jahre. Und im Konsumtempel KaDeWe sucht man Verkäuferinnen.

Ein epischer Roman über zwei deutsche Frauenschicksale in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – fesselnd und faszinierend! Katharina Fuchs ist mit „Zwei Handvoll Leben“ ein echtes Juwel von einem Roman gelungen. Die Leben von Charlotte und Anna entführen den Leser in eine stürmische Zeit. Beiden Frauenfiguren bringt man große Sympathien entgegen.

Droemer, 541 Seiten; 19,99 Euro


Dinah Jefferies

daumen rauf

Die Saphirtochter

Die Saphiertochter

Ceylon, 1935. Louisa Reeve, Tochter eines erfolgreichen Edelsteinhändlers, ist glücklich verheiratet mit dem Geschäftsmann Elliot. Als dieser tödlich verunglückt, erfährt sie nach und nach, dass er ein Doppelleben führte. Eines Tages besucht Louisa die koloniale Zimtplantage Cinnamon Hills, an der ihr Mann Anteile besaß, und lernt den raubeinigen Naturburschen Leo kennen, der mehr über Elliot zu wissen scheint, als er vorgibt. Und während die herrliche Plantage mit Blick auf den Indischen Ozean ihren magischen Zauber entfaltet, gerät Louisas Herz nicht nur wegen Elliots schockierendem Verrat zunehmend in Aufruhr ...

 

Dinah Jefferies ist ein Garant für spannende Unterhaltungsliteratur! Schon mit „Die Frau des Teehändlers“, „Die Tochter des Seidenhändlers“ und „Die englische Fotografien“ konnte sie die Leserinnen und Leser begeistern. Das gelingt ihr auch mit ihrem neuen Werk „Die Saphirtochter“.

Lübbe, 398 Seiten; 15,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Minette Walters

In der Mitte der Nacht

In der Mitte der Nacht

September 1348: Seit Monaten wütet die Pest in Südengland. Lady Anne of Develish ist es gelungen, ihre Schutzbefohlenen in Sicherheit zu bringen. Doch die Versorgung wird mit der Zeit immer schwieriger. Ihr geliebter Verwalter Thaddeus ist losgezogen, um Vorräte zu beschaffen und weitere Überlebende zu retten. Da er als Bastard eines Leibeigenen über keinerlei Einfluss verfügt, nennt er sich mit Lady Annes Billigung „Milord of Athelstan“. Eine hochgefährliche Strategie: Auf eine derartige Titelanmaßung steht nichts anderes als der Tod. Der Plan geht gut, bis Hugh de Courtesmain auftaucht, der neidzerfressene ehemalige Verwalter von Develish. Thaddeus wird gefangengenommen und verhört. Wird Lady Anne ihn retten können, bevor er – und mit ihm die Gesellschaft von Develish – verloren ist?

Nach „Die letzte Stunde“ setzt die englische Weltbestsellerautorin Minette Walters ihr großes Historienepos mit „In der Mitte der Nacht“ fort. Ein würdiger Abschluss, der zu fesseln weiß mit den einnehmenden Charakteren, dem geschichtlichen Hintergrund und Walters Erzählkunst! Minette Walters, einst gefeierte Krimiautorin, hat mit diesen beiden Romanen bewiesen, dass sie auch im historischen Roman zu bestehen weiß. Wie schon der Vorgänger wird auch „In der Mitte der Nacht“ von Gabriele Blum gelesen. Sie veredelt mit ihrer Lesung Minette Walters Geschichte! Hörprobe 4:00 Min.

cover mitte der nacht

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 22,00 Euro.

Random House Audio, 2 MP3 CDs, 718 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle Kolumne vom 15.07.2019 - Nr.569


Tommy Jaud

daumen rauf

Der Löwe büllt

Der Loewe Büllt Roman

Es läuft nicht gut für Nico Schnös, 47, den überforderten Controller mit der kaputten Brille. Warum gibt ihm seine Mutter seit dem Tod des Vaters täglich durch, was sie kocht und wie sie putzt? Was genau treibt Nicos Frau in dieser seltsamen Kuschelsekte? Doch es kommt noch dicker. Als er bei einem Wutanfall eine Kaffeetasse auf den Finanzvorstand wirft, schickt sein Chef ihn in den Zwangsurlaub: Entweder Nico kommt entspannt zurück, oder er ist seinen Job los. Der kanarische Ferienclub ist paradiesisch schön – doch sämtliche Entspannungsversuche gehen nach hinten los. Vielleicht hätte Nico nicht ausgerechnet seine hyperaktive Mutter mitnehmen sollen.

Tommy Jaud ist zurück – lustiger und besser denn je! Wenn Sie nicht durch lautes Lachen auffallen wollen, dann sollten Sie den neuen Roman von Tommy Jaud auf keinen Fall in der Öffentlichkeit lesen! Tommy Jaud schafft es, dass man sogar dem Tod noch etwas Lustiges abgewinnen kann. Seine Gags sind bissig und zünden fast durchgehend. Nicht nur zum Thema Tod und Trauer, was schon ein kleines Kunststück ist, sondern auch bei den Themen Mutter, Urlaub, Chef, Ehefrau und Eifersucht. Tommy Jaud ist ein Garant für genialen Humor!

Der Loewe Büllt

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Tommy Jaud liest selbst und das voller Witz und Elan. 19,95 Euro.. Hörprobe 4:58 Min.

Scherz, 313 Seiten; 16,99 Euro


Martha Grimes

daumen runter

Inspector Jury und der Weg des Mörders

Inspector Jury und der Weg des Mörders

Robbie Parsons kennt als Taxifahrer jeden Winkel Londons. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Bis eines Tages zwei seiner Fahrgäste, David und Rebecca Moffit, beim Aussteigen wie aus dem Nichts erschossen werden – und der Mörder prompt in Robbies Taxi springt, um sich durch die Stadt chauffieren zu lassen. Doch zum Glück steigt der bewaffnete Fahrgast am Bahnhof Waterloo aus und verschwindet. Inspektor Jury ist schockiert, als er davon erfährt, denn er hat kurz zuvor Bekanntschaft mit dem sympathischen David gemacht. Eine erste Spur führt ihn in einen exklusiven Londoner Club. Und was er dort erfährt, stellt ihn vor ein Rätsel …

Endlich ist er zurück! Kultinspektor Jury gibt sich literarisch wieder die Ehre. Meine Freude darüber, dass Weltbestsellerautorin Martha Grimes ihren Helden wieder ermitteln lässt, wehrte aber nur kurz. Leider setzt Martha Grimes eher an die zuletzt erschienen Jury-Romane an, und die waren alle sehr durchwachsen. So auch „Inspector Jury und der Weg des Mörders“. Vom charmanten Inspektor Jury zu lesen ist noch das Beste, denn die Geschichte selbst bietet nur ein sehr dürftiges Spannungspotenzial und einzelnen Szenen und Handlungsstränge sind unnötig in die Länge gezogen. Inspektor Jury hat den Höhepunkt seiner literarischen Karriere schon länger hinter sich!

Goldmann, 509 Seiten; 20,00 Euro


Agustin Martinez

daumen rauf

Das Dorf der toten Herzen

Das Dorf der toten HerzenStaubig und unwirtlich ist es in Portocarrero, dem Dorf in der südspanischen Wüstengegend. Spröde und verschlagen sind seine Bewohner. Doch Jacobo und Irene müssen mit ihrer vierzehnjährigen Tochter Miriam hierherziehen, als Jacobo seinen Job verliert. Da geschieht in einer stockdunklen Nacht der Überfall: Zwei Männer dringen in ihr abgelegenes Landhaus ein und töten Irene. Als Jacobo im Krankenhaus aus dem Koma erwacht, fragt er verzweifelt nach seiner Tochter. Aber man lässt sie nicht zu ihm – und ein furchtbarer Verdacht keimt auf: Hat Miriam den Mord an ihren Eltern in Auftrag gegeben? Und was verbergen die Bewohner von Portocarrero?

Der Spanier Agustin Martinez hat mit seinem Krimidebüt „Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Mädchen“, aus dem auch eine sehr gut inszenierte Fernsehserie hervorging, einen Bestseller gelandet. Nun ist sein zweiter Kriminalroman erschienen. „Das Dorf der toten Herzen“ ist ein Krimi mit großer Anziehungskraft und einer unheimlichen Atmosphäre! Die gut gezeichneten Figuren runden diese Story ab. Man fragt sich immerzu, kann eine 14-jährige wirklich solch eine Tat in Auftrag geben? Oder hatten die Eltern doch irgendetwas zu verbergen? Waren ganz andere Kräfte am Werk? Agustin Martinez wechselt in seiner Erzählung zwischen Gegenwart und Vergangenheit ab. Dieser erzählerische Kniff bringt zusätzlich Spannung in die Geschichte.

Fischer, 400 Seiten; 14,99 Euro


David Baldacci

daumen rauf

Ausgezählt

Ausgezählt

Als Atlee Pine sechs Jahre alt ist, dringt ein Mann in ihr Kinderzimmer ein und entführt ihre eineiige Zwillingsschwester Mercy. Mercy taucht nie wieder auf, Atlee bleibt traumatisiert zurück. Knapp dreißig Jahre später ist sie zur einzelgängerischen FBI-Agentin geworden, die sich ein möglichst einsames Büro nahe des Grand Canyon gewählt hat. Eines Tages wird am Boden der Schlucht ein grausam aufgeschlitztes Maultier gefunden. Ein scheinbar harmloser Provinzfall. Doch dann stößt Atlee auf Spuren einer mörderischen Verschwörung, die bis in die obersten politischen Kreise reicht. Kann sie höchste Gefahr für Amerika und die Welt abwenden – und zugleich dem Entführer ihrer Schwester näherkommen?


David Baldacci gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu Amerikas erfolgreichsten Thrillerautoren! Mit der charismatischen Figur der Atleen Pine legt er eine neue Thrillerreihe vor, die schon mit dem ersten Band zu überzeugen weiß. „Ausgezählt“ hat garantiert nicht ausgezählt! Atleen Pine, bitte kommen Sie schnell zurück!

Heyne, 479 Seiten; 22,00 Euro


Ray Celestin

daumen rauf

Todesblues in Chicago

Todes Blues

Sommer 1928. Aus den Flüsterkneipen dringen neue Jazzklänge, während die Bewohner Chicagos vor Hitze fast wahnsinnig werden. Gleich drei Verbrechen halten die Stadt in Atem: die Entführung einer Fabrikantenerbin, der Gifttod mehrerer Mitglieder der High Society und ein Mord im Rotlichtviertel, dessen Opfer die Augen aus den Höhlen entfernt wurden. Die Pinkerton-Detektive Ida Davis und Michael Talbot ermitteln – und folgen einer gefährlichen Spur, die sie direkt in die Kreise des größten Mafiabosses aller Zeiten führt: Al Capone.

„Todesblues in Chicago“ ist nach „Höllenjazz in New Orleans“ der zweite Band aus dem „City-Blues-Quartett“. Ray Celestin beschreibt die Zeit von damals nahezu filmisch. Man wandelt mit den Figuren durch diese Zeit. „Todesblues in Chicago“ überzeugt mit einer gelungenen Atmosphäre und einem hohen Maß an Spannung!

Piper, 590 Seiten; 16,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Jason Dark

John Sinclair Folge 83 bis 87 – Tonstudio Braun

Sinclair 83



In „Maringo, der Höllenreiter“ hat der Schwarze Tod hatte einen neuen Plan ausgeheckt, um John Sinclair zu vernichten. Er erweckte den Höllenreiter aus seinem 1000-jährigen Schlaf. Mit ihm zusammen, stellte er dem Geisterjäger eine raffinierte Falle. Hörprobe 5:34Min

 

Sinclair 84


In den Tiefen des Loch Morar hauste Ogur, ein gewaltiges Ungeheuer, die Seelen der Menschen waren seine Nahrung. Und wer über den See fuhr, riskierte sein Leben. Schon viele waren spurlos verschwunden. John Sinclair sollte dem Spuk in „Das Ungeheuer von Loch Morar“ ein Ende bereiten, doch Unerwartetes geschieht. Hörprobe 2:34 Min


 

Sinclair 85


Überall waren Zombies. Plötzlich fiel es John Sinclair wie Schuppen von den Augen: Myxin und der Schwarze Tod. Hier wollten sie ihre Entscheidungsschlacht austragen. Keiner der hier wohnenden Menschen würde das überleben. In wenigen Minuten würde der Kampf in „Die Zombies“ beginnen. Hörprobe 7:12 Min

 

 

Sinclair 86


In „Maringo, der Höllenreiter“ hat der Schwarze Tod hatte einen neuen Plan ausgeheckt, um John Sinclair zu vernichten. Er erweckte den Höllenreiter aus seinem 1000-jährigen Schlaf. Mit ihm zusammen, stellte er dem Geisterjäger eine raffinierte Falle.Sandra war tot. Daran gab es keinen Zweifel. John Sinclair hatte ihre Leiche selbst gesehen. Und nun stand sie vor ihm. Betörend schön und höllisch gefährlich. Wie gefährlich, sollte er schnell erfahren. Und noch viel mehr, denn Sandra war in „Sandra und ihr zweites Ich“ nicht die Einzige … keine Hörprobe


Sinclair 87


Was Glenda Perkins John Sinclair in „Die Teufelssekte“ gestand, verschlug ihm die Sprache. Wochenlang hatte er seine dämonischen Gegner beobachtet, und trotzdem war ihnen seine Sekretärin in die Falle gegangen. Ihr Geständnis kam zu spät. Auch er lief ins offene Messer, das einen gläsernen Sarg darstellte. Keine Hörprobe




Lübbe Audio setzte das John-Sinclair-Original aus dem Tonstudio Braun digital überarbeitet fort. Und wieder erwartet den Hörer ein gruseliger Spaß! Die unfreiwillige Komik, die auch Charme hatte, aus den frühen Episoden ist nun praktisch nicht mehr vorhanden. Nun, wo man sich in den 80er-Folgen befindet, denkt man schon fast an die neuen Folgen, die Lübbe Audio dann Jahre später gestartet hatte. Aus diesen fünf Folgen sticht die Doppelfolge „Das Ungeheuer von Loch Morar“ (84) und „Die Zombies (85) absolut heraus. Große Gruselaction! Aber auch „Sandra und ihr zweites Ich“ (86) weiß mit einer überraschenden Geschichte zu überzeugen. Auch diese Kult-Klassiker-Folgen sollte man nicht verpassen!

Lübbe Audio, je 1 CD, je ca. 60 Minuten; je 6,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 08.07.2019 - Nr.568


Sarah Stovell

daumen rauf

Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.

Sie liebt mich

Bo und Alice: Bestseller-Autorin die eine, höchst talentiert und noch ganz am Anfang ihrer Schriftsteller-Laufbahn die andere. Auf einem Schreibworkshop lernen sie sich kennen, und Bo beschließt sofort, Alice unter ihre Fittiche zu nehmen. Aber da ist noch mehr zwischen den beiden, prickelnd, knisternd – oder doch nicht? Wird Bo tatsächlich ihre Ehe und das Glück ihrer geliebten kleinen Töchter riskieren? Würde Alice ohne guten Grund ihr Leben zerschlagen, nur um in Bos Nähe sein zu können?

„Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht“ ist ein durch und durch fesselnder Spannungsroman! Sarah Stovell beschreibt die beiden Frauenfiguren abwechselnd. Man bekommt aus der Sicht von Bo und Alice jeweils einen anderen Blick auf das Geschehen. Die Gefühlswelten der beiden Hauptakteurinnen sind gegebenermaßen komplett unterschiedlich. Da die erfolgreiche, sich im Leben eingerichtete Starautorin, dort die erfolglose Jungautorin, die noch nicht richtig im Leben angekommen ist. Es entwickelt sich ein spannendes Hin und Her. Der Aufbau einer Freundschaft und dann einer Beziehung mit vielen Gefühlen, bevor dann alles aus dem Ruder läuft. Eine Geschichte, bei der man lange nicht weiß, wer denn nun die Böse und wer die Gute ist. Allerdings hatte ich von Anfang an ein Gefühl und das wurde am Ende auch bestätigt. Obwohl die letzte Seite dann doch noch einmal eine faustdicke Überraschung bietet.

Knaur, 344 Seiten; 14,99 Euro


J. Jefferson Farjeon

daumen runter

Dreizehn Gäste

Dreizehn Gäste

Zwölf Gäste hat Lord Aveling zu einer Party auf sein Landgut Bragley Court geladen. Darunter befinden sich eine Schauspielerin, ein Journalist, eine Krimiautorin sowie die schöne und mysteriöse Witwe Nadine Leveridge. Da diese am örtlichen Bahnhof einen Verletzten aufliest und kurzerhand mit nach Bragley Court nimmt, erhöht sich die Zahl der Anwesenden unvorhergesehen auf die unglückbringende Dreizehn. Und tatsächlich lässt das Verhängnis nicht lange auf sich warten. Als erst ein Gemälde zerstört und dann ein Mann ermordet aufgefunden wird, ruft man die Polizei. Doch kann Kriminalinspektor Kendall ans Licht bringen, welcher der Gäste ein dunkles Geheimnis birgt?

Klett-Cotta bringt seit einiger Zeit Klassiker der Kriminalliteratur neu heraus. „Dreizehn Gäste“ (Erstauflage 1936) von J. Jefferson Farjeon (1883 – 1955) fügt sich nun in diese Reihe ein. Das Cover des Buches ist klasse! Es hat Stil und Eleganz. Die Geschichte selbst ist nur zu einem kleinen Teil mit dem Prädikat „klasse“ zu bezeichnen. Vor allem wenn es um die Beschreibung und die Atmosphäre der Zeit geht taucht man darin ab. Die Charaktere selbst haben auch etwas, was einen zu Anfang an das Buch bindet. Doch schon bald merkt man eins: Wo ist die Spannung? Und die zähen Dialoge der Charaktere machen es auch nicht besser. „Dreizehn Gäste“ ist in den Stilen der Krimis von Agatha Christie verfasst, doch an das Original kommt J. Jefferson Farjeon nur selten heran.

Klett-Cotta, 348 Seiten; 15,00 Euro


Geir Gulliksen

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Geschichte einer Ehe

Geschichte einer EheDies ist die Geschichte einer Ehe. Und einer großen Liebe. Es geht um eine Frau und einen Mann, die sich ein Leben teilen, es ist ein gutes. Sie führen eine moderne Beziehung. Sie sind glücklich miteinander. Jedenfalls für lange Zeit. Dann plötzlich bricht alles auseinander. Warum? Was ist geschehen? Der Mann in diesem Roman sucht Antworten. Was muss passieren, dass zwei, die einander liebten, nicht mehr miteinander reden, leben, schlafen können? Was ist schiefgelaufen, vor allem aber: wie hat sie es, die Frau gesehen?

„Ein Eheroman, der stilistisch funkelt wie ein Diamant! Wie entschwinden aus einer einst glücklichen Ehe nach und nach die leidenschaftlichen Gefühle für den anderen und dann gar auch noch die rein freundschaftlichen? Wie kommt es, dass Frau und Mann die Beziehung nicht dauerhaft glücklich leben können? Davon erzählt „Geschichte einer Ehe“. Sowie noch von einigem mehr. Was alles passieren kann, dass einer Ehe so einen Schiffbruch zugefügt, erfährt man hier hautnah. Es bewahrheitet sich einmal mehr: Eine Ehe ist eine zarte Pflanze, die man richtig düngen und gießen muss. Tut man das nicht, stirbt die Pflanze ab. Geir Gulliksen ist in Norwegen eine große Persönlichkeit im Literaturbetrieb. „Geschichte einer Ehe“ stand auf der Shortlist des Nordischen Literaturpreises.

Luchterhand, 222 Seiten; 22,00 Euro


Charles Baudelaire

daumen rauf

Der Spleen von Paris

Der Spleen von Paris

Die gefeierte Neuübersetzung von Fleurs du Mal wird hier ergänzt durch Le Spleen de Paris, ein weiteres Hauptwerk Baudelaires, das seinen Weltruf als scharfsinniger, bitterböser poetischer Chronist des Pariser Lebensgefühls in der frühen Moderne mitbegründete. In diesem Band tritt Baudelaire mit den Petits Poèmes en Prose und frühen Dichtungen nicht nur als Lyriker, sondern in der Novelle La Fanfarlo auch als Erzähler auf. Zahlreiche der früheren Gedichte des Autors erscheinen hier erstmals in deutscher Sprache, ebenso wie das Fragment gebliebene Versdrama Idéolus.


Charles Baudelaire (1821 – 1867) führte ein Bohemeleben und hatte den Ruf eines Dandys. Seine Arbeiten sind weltbekannt. „Der Spleen von Paris“ ist ein Klassiker der Weltliteratur und zugleich ein Buch zum verlieben! Gedichte so schön, so vielseitig, so voller Leben und Emotionen, das es das Herz erfreut! Enthalten sind: „Jungenddichtungen“, „In Zusammenarbeit entstandene Gedichte“, Baudelaire zugeschriebene Gedichte“, „Wiederentdeckte Gedichte“, „Der Spleen von Paris – Gedichte in Prosa“ und „Entwürfe aus dem Nachlass“.

Rowohlt, 510 Seiten; 40,00 Euro


Matthias Waechter

daumen rauf

Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert

Geschichte Frankreichs im 20. Jahrhundert

Ausgehend von der dritten französischen Republik, die sich als Avantgarde in einem Europa der Monarchien verstand, einem Land, das demographisch stagnierte und kolonial expandierte, schildert das Buch Frankreichs 20. Jahrhundert: den Ersten Weltkrieg mit dem anschließend „verlorenen““ Frieden und der turbulenten Zwischenkriegszeit; den „seltsamen Krieg“ von 1939/40 gegen NS-Deutschland, gefolgt von der Besatzung des Landes sowie Kollaboration und Widerstand unter dem Vichy-Regime; das Drama der Dekolonisierung mit Kriegen in Vietnam und Algerien und dem Schlüsseljahr 1958, aus dem die bis heute gültige politische Verfassung Frankreichs hervorging, die Machtübernahme der Sozialisten unter Mitterrand 1981, der die Zeitenwende von 1989/90 mitgestaltete, und der Weg zur verunsicherten Nation der Gegenwart.

Ein spannendes und sehr informatives Buch über unseren Nachbarn Frankreich! Das Buch ist eine Fundgrube an großen und kleinen Geschichten. Nach der Lektüre kennt man die Geschichte Frankreichs so viel besser! Das Buch hat für Themenschwerpunkte: „Republik der Widersprüche 1880 – 1914“, Gewonnener Krieg, Verlorener Krieg 1914 – 1940“, Vom Zusammenbruch zur Dekolonisierung 1940 – 1962“, „Vom Boom zur Krise 1962 – 1981“ und „Die verunsicherte Nation 1981 – 2002“.

C. H. Beck, 608 Seiten; 34,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Martin Walker

Menu surprise

Menue surprise

Bruno steht vor einer ungewohnten Herausforderung: Er soll in Pamelas Kochschule Feriengästen lokale Geheimrezepte beibringen. Die Messer sind gewetzt, die frischen Zutaten bereit, doch die prominenteste Kursteilnehmerin fehlt: die junge Frau eines britischen Geheimdienstoffiziers, die sich auf Empfehlung ihrer Familie im Périgord erholen wollte. Bruno spürt sie auf – in einem vermeintlichen Liebesnest, das jedoch bald zum Schauplatz eines Doppelmords wird.

Die Krimis von Martin Walker sind wie ein Urlaub in Frankreich! Sie versprühen ganz viel Charme und Lebensfreude und sind trotzdem noch angereichert mit einem spannenden Kriminalfall. Meistens zumindest. „Menu surprise“ ist mittlerweile der elfte Fall für Bruno, Chef de police, und es befanden sich bisher auch ein paar richtig langweilige darunter. Doch „Menu surprise“ hat genau die richtige Mischung von dem, was Martin Walkers Bücher ausmachen. Es gibt aber etwas, was die Geschichten von Martin Walker noch besser macht, und das ist Johannes Steck. Er ist die Stimme für die großen Geschichten und für Bruno. Und bei diesem Hörbuch beweist er, dass er auch sehr gut singen kann. Hörprobe 13:24 Min.

Menue surprise cover



Auch als Hardcover erhältlich bei Diogenes, 24,00 Euro.

 

Diogenes Hörbuch, 8 CDs, 663 Minuten; 26,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 01.07.2019 - Nr.567


Sissel-Jo Gazan

daumen rauf

Was du von mir wissen sollst

Was du von mir wissen sollst

Rosa wächst in den 80er Jahren in Aarhus auf und versteht sich prächtig mit ihrer unkonventionellen Mutter Helle. Nur die Frage nach Rosas leiblichem Vater will Helle ihrer Tochter nicht beantworten. Zum Glück hat sie einen wunderbaren Ersatzvater, den homosexuellen Künstler Kalle Krudt. Doch die Frage nach ihrem wirklichen Vater treibt Rosa weiter um. Als Erwachsene macht sie sich schließlich auf nach Berlin, um das Geheimnis zu lüften.

Sissel-Jo Gazan, Mutter von drei Kindern, perfektes Aussehen und eine große literarische Begabung. Die Autorin, in Aarhaus geboren, lebt seit 2005 in Berlin. „Was du von mir wissen solltest“ ist ein Roman, der so viel umfasst. Er bietet einem eine echte literarische Entdeckungsreise. Das Lebensgefühl der 1980er vermittelt in einem spannenden Entwicklungs-, Familien- und Gesellschaftsroman! Und nicht nur das. Man bekommt auch einen Einblick über die Street-Art-Szene der damaligen Zeit, sowie das politische Geschehen. Rosas Weg vom neugierigen Kind zur umtriebigen Erwachsenen hat Sissel-Jo Gazan perfekt ausgearbeitet.

dtv, 587 Seiten; 17,90 Euro


Thomas Harris

daumen runter

Cari Mora

Cari Mora

Die Schreie einer Frau sind Musik in seinen Ohren. Er ist groß, blass, haarlos, und wie ein Reptil liebt er die Wärme. Menschen begegnen ihm mit Angst und Ekel. Er ist daran gewöhnt. Denn wenn sie das Monster in ihm erkennen, ist es meist zu spät. Bis der Killer sich Cari Mora aussucht. Die junge Frau hat keine Angst vor dem Grauen und wagt es, dem Dämon ins Auge zu blicken.

Thomas Harris hat einen neuen Thriller geschrieben! Als ich diese Nachricht vor ein paar Monaten las, war die Vorfreude groß. Doch was der einstige Großmeister des Thrillers, der mit „Das Schweigen der Lämmer“ Weltliteratur erschaffen hat, mit „Cari Mora“ abgeliefert hat, ist zum größten Teil ein einziges Trauerspiel von einem Thriller. Die Grundidee hätte vielleicht noch etwas, aber die Umsetzung, in der Belanglosigkeiten so viel Platz einnehmen, ist eines Thomas Harris’ nicht würdig. Noch dazu ist das Buch gar nicht 335 Seiten dick, wobei man da schon nicht von dick sprechen kann. Sondern „Cari Mora“ umfasst nur 275 Seiten, der Rest ist eine Leseprobe von „Das Schweigen der Lämmer“, dass wohl jeder geneigte Thrillerleser schon mindestens einmal gelesen hat.

Heyne, 335 Seiten; 22,00 Euro


Heidi Rehn

daumen rauf

Das Lichtspielhaus – Zeit der Entscheidung

Das Lichtspielhaus Zeit der EntscheidungMünchen, 1926. Die Goldenen Zwanziger Jahre funkeln auf Hochglanz, München ist nach Berlin die Metropole des deutschen Films und Kinos. Die Donaubauers sind eine der großen Kino-Betreiberfamilien an der Isar. Mit ihrem mondänen Lichtspielpalast sorgen die heiß umschwärmte Theater-Schauspielerin Elsa und ihr charmanter Ehemann Karl landesweit für Furore. Alfred Hitchcock bietet Elsa sogar die Hauptrolle in seinem nächsten Film an. Dann aber brennt Karl mit einer Revue-Tänzerin durch. Statt als Star auf der Leinwand muss Elsa sich von einem auf den anderen Tag als Kino-Besitzerin im realen Leben behaupten - keine leichte Aufgabe für die junge Frau, die sich zudem gegenüber ihrer gestrengen Schwiegermutter behaupten muss. Als durch Hitlers Machtergreifung Film und Kino zum begehrten Propagandainstrument werden, droht Elsa ihre Lizenz zu verlieren …

Heidi Rehn gehört zu Deutschlands profiliertesten Autorinnen historischer Stoffe! Die „Lichtspielhaus“-Saga kann man mit einem Wort beschreiben: genial! Das kann man schon nach dem ersten Band sagen. Heidi Rehn erschafft ein lebendiges Bild der 1920er Jahre in München und darüber hinaus. Sie erzählt interessant und informativ über das Kino, über die Wichtigkeit des Films zur damaligen Zeit. Doch die Geschichte bietet noch viel mehr. Es ist zugleich ein Gesellschafts- und Eheroman. Und als Hitler an die Macht kommt ändert sich noch mal einiges. Dem „Lichtspielhaus“ fehlt es nicht an Spannung und Abwechslung! Die Fortsetzung wird sehnlichst erwartet.

Knaur, 511 Seiten; 10,99 Euro


András Forgách

daumen rauf

Akte geschlossen

András Forgách Akte geschlossen

Nach dem Tod der Mutter erhält András Forgách Akten vom Geheimdienst, die sein Leben auf den Kopf stellen. Er hing zärtlich an seiner Mutter und hatte ihre Lebensgeschichte rekonstruiert: eine ungarische Jüdin, die aus Tel Aviv nach Budapest zurückkehrte, weil sie Lenin über alles liebte und dem Werben eines Journalisten erlag. Sie lebten in London, Paris, in Budapest. Stets war sie der Mittelpunkt des turbulenten Freundeskreises, der Anker der Familie. Und doch hatte sie alle, sogar die Söhne, bespitzelt und verraten. So steht es in den Akten. Wohin jetzt mit der Liebe, wo nichts im Leben mehr stimmt?



Eine spannende Spurensuche! Ein Buch, das einen des Öfteren sprachlos macht. Der ungarische Autor András Forgách schreibt ein literarisch ansprechendes Buch über ein System der Bespitzelung, das nicht einmal vor der eigenen Familie halt macht. „Akte geschlossen“ öffnet einem die Augen!

S. Fischer, 349 Seiten; 24,00 Euro


Prof. Stefan Kölsch

daumen rauf

Good Vibrations

Good Vibrations

Musik ist nicht nur schön ‒ sie bewahrt auch unsere Gesundheit, hält jung und verbessert den Spracherwerb. Sie hilft bei Schlaganfall, chronischen Krankheiten und Demenz. Sie wirkt geradezu Wunder bei Wachkomapatienten. Die Bedeutung von Klängen und Melodien für unsere Psyche und unseren Körper findet immer mehr Beachtung und ist inzwischen unumstritten. Der Autor zeigt uns anhand vieler Beispiele aus seinem Forschungsbereich, weshalb Musik in allen Formen eine immer größere Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung ganz unterschiedlicher Krankheiten einnimmt, sodass sie inzwischen einen neuen Wissenschaftszweig in der Gesundheitsforschung fundiert.

Musik bedeutet Leben, Musik, bedeutet Wohlbefinden, Musik ist wie Urlaub für unsere Seele und unseren Körper! In diesem Buch erfahren wir den neusten Stand zur Forschung zu diesem Thema und der Leser erhält wertvolle Vorschläge, wir er mit Musik in seinem täglichen Leben dieses verbessern kann. Die vier Schwerpunkte des Buches sind: „Eine Welt ohne Musik wäre eine Welt ohne Menschen“, „Musik und Emotion: Ein Leben mit Musik ist ein längeres Leben“, „Was geschieht im Gehirn, wenn Musik Emotionen hervorruft?“ und „Wie Musik bei Krankheiten hilft“.

Ullstein, 384 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Chip Cheek

Tage in Cape May

Tage in Cape May hörbuch


September 1957: Henry und Effie fahren für die Flitterwochen nach Cape May, ein Ferienort an der Ostküste. Doch das Städtchen ist verlassen, die Saison ist zu Ende. Die beiden jungen Leute aus Georgia fühlen sich fremd, isoliert und in ihrer Schüchternheit gefangen. Gerade als sie beschließen, den Urlaub zu verkürzen, treffen sie zufällig auf Clara, eine Ferienbekanntschaft Effies aus Kindertagen, die eine glamouröse Gruppe von New Yorkern um sich versammelt. Darunter Max, ein reicher Playboy und ihr Liebhaber, und dessen unnahbare und rätselhafte Schwester Alma. Der verlassene Ort wird zu ihrem Spielplatz, und während sie in leerstehende Ferienhäuser einsteigen, Segeln gehen, nackt unter dem Sternenhimmel herumwandern, sich lieben und sich betrinken, geraten Henry und Effie in eine Situation, die den Rest ihres Lebens prägen wird.

„Tage in Cape May“ verzaubert einen, hat den richtigen Groove, ist voller kleiner und großer Gefühle, gespickt mit hingebungsvoller Leidenschaft, spielt in einer spannenden gesellschaftlichen Ära und ist am Ende ein großes Melodram einer Ehe mit all ihren tückischen Fahrwassern! Chip Cheek schafft es spielerisch, dass man als Leser und Hörer die Zeit mit in Cape May ist und die Stunden und Tage nur so an einem vorbeirauschen. Random House Audio hätte keinen besseren Sprecher als Marius Clarén für diese Geschichte engagieren können. Marius Clarén ist die deutsche Stimme von Hollywoodstar Tobey Maguire. Und in Henry, der die zentrale Figur des Romans ist, sieht man den jungen Tobey Maguire. Das Hörbuch „Tage in Cape May“ wird so zum Hollywood-Movie mit Oscar Avancen für die Ohren. Hörprobe 2:45 Min.

Tage in Cape May



Auch als Hardcover erhältlich bei Blessing, 22,00 Euro

 

Random House Audio, 8 CDs, 577 Minuten; 22,00 Euro


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