Juli 22, 2024

Kolumne 25.12.2023 Nr. 801

      BuchKolumne 25.12.2023 Nr. 801

Bernhard Hennen – Schattenelfen – Das Labyrinth der Nacht
Malin Stehn – Nur eine Lüge
Constanza Casati – Klytämnestra
Sylvain Tesson – Weiß
Leo Born – Eisige Stille

Hörbuch der Woche:

Valentina Morelli
Kloster, Mord & Dolce Vita – Schwester Isabella ermittelt

   Bernhard Hennen – Schattenelfen – Das Labyrinth der Nacht

Fürstin Alathaia ist auf der Flucht. Ihr Traum von einem Fürstentum, in dem unbegrenzte Freiheit herrscht, ist zerbrochen, ihr Leben ein Labyrinth der Finsternis. Alle Wege scheinen versperrt. Zu übermächtig ist ihre Gegenspielerin, die Elfenkönigin Emerelle. Doch größte Verzweiflung gebiert größte Entschlossenheit. Und so macht sich Alathaia mit ihren letzten Getreuen auf den Weg, um das Undenkbare zu wagen. Sie reist in die Eiswüsten der Snaiwamark und bittet die geschworenen Feinde der Elfen um Hilfe: die Trolle.

Bernhard Hennen ist ein grandioser Fantasy-Autor! Seine Werke sind Epen, die ihresgleichen suchen. Und natürlich Bestseller. Einer nach dem anderen. Zu Bernhard Hennen‘s großen Epen gehört auch die um die „Schattenelfen“. Hier hat der unermüdliche Autor nun den 4. Band vorgelegt: „Das Labyrinth der Nacht“. Was für ein großartiges Fantasy-Abenteuer! Von Anfang an ist man voll im Geschehen. Viele Akteure erleben viele Abenteuer. Große Gefahren erwarten sie. Auch gibt es reichlich fantastische Frauen-Power! Sie lassen vielen andere Helden alt aussehen. Jede Seite bietet mehr, als man erwarten kann. Bernhard Hennen, weiter so!

Heyne, 416 Seiten; 16,00 Euro

   Malin Stehn – Nur eine Lüge

Emily Brandt hat ihre Schlosshochzeit mit William Nihlzén minutiös geplant. Nur drei Dinge hat sie nicht unter Kontrolle: das Wetter, ihre Mutter Annika und ihren Bruder Erik. Das Wetter spielt mit, doch während der extravaganten Feier kommt es zu Spannungen, verschüttete Wahrheiten kommen an die Oberfläche – und kurz nach Mitternacht liegt eine Leiche am Ufer des Öresunds. Acht Jahre zuvor zerriss die idyllische Mittelklasse-Existenz der Familien Brandt und Nihlzén durch ein furchtbares Ereignis. Freundschaften und Ehen zersplitterten. Und jetzt treffen alle wieder aufeinander – bei dieser Hochzeit, die sie für immer verbinden soll.

Die Schwedin Malin Stehn zündet ein psychologisches Feuerwerk an Spannung und Emotionalität! Mit ihrem Debüt „Happy New Year“ war das so, bei ihrem zweiten Spannungsroman „Nur eine Lüge“ sollte es eigentlich auch so sein. Eigentlich. Ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, auf die psychologisch austarierte Story. Doch eine gute Idee reicht eben nicht. Malin Stehns Personal hat mich nicht abgeholt. Mitfiebern mit den Figuren – Fehlanzeige. Dann wird es schon schwierig, für jedes Buch, egal welches Genre. Zudem zieht sich die Story teils wie Kaugummi, es fehlt an Spannungshöhepunkten und Überraschungen. Zum Ende hin bekommt die Story noch einmal Fahrt, inklusive der Auflösung, aber das hebt „Nur eine Lüge“ auch nicht auf ein höheres Podest.

Scherz, 427 Seiten; 16,00 Euro

   Constanza Casati – Klytämnestra

Klytämnestra: Tochter des mächtigen Königs von Sparta, Schwester der schönen Helena, verheiratet mit dem berühmten Helden Agamemnon – und von mächtigen Männern angeklagt, eine ruchlose Mörderin zu sein. Doch die wahre Geschichte ist eine andere: misshandelt, missachtet und unterschätzt wird Klytämnestra von ihrem tyrannischen Ehemann gezwungen, die eigene Tochter zu opfern. Voller Wut und Trauer beginnt sie sich zu wehren gegen all jene, die ihr Unrecht tun. Und wird trotz aller Widerstände zu einer starken, unabhängigen Frau und Königin, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt.

Constanza Casati, in Texas geboren und in Norditalien aufgewachsen, hat sich intensiv auf ihre Autorenkarriere vorbereitet und gleich mit ihrem ersten Roman „Klytämnestra“ hat sie den Sprung auf die englische Bestsellerliste geschafft. Klytämnestra, die kämpferische Schwester der schönen Helena, wird in diesem Roman ein breitgefächertes, abenteuerliches und dramatisches Leben eingehaucht. Die Zeit von damals lebt, sie atmet, man riecht und schmeckt sie. Die Autorin gelingt damit ein kleines Kunststück. Ein fesselnder historischer Roman, der mit großer Eleganz und dichterischer Feinheit erzählt ist! Constanza Casati hinterlässt gleich mit ihrem ersten Buch eine beachtliche Spur im literarischen Feld.

Goldmann, 554 Seiten; 25,00 Euro

   Sylvain Tesson – Weiß

Vier Jahre lang, von 2017 bis 2020, unternimmt Sylvain Tesson in Begleitung des Bergführers Daniel du Lac jeden März eine kräftezehrende Skitour, um die gesamte Alpenkette von Menton in Frankreich aus über die Gipfel bis nach Triest in Italien zu queren. Gemeinsam bewältigen sie eine weitgehend unbegangene Strecke, deren Verlauf bisher nirgendwo verzeichnet ist, legen 1600 Kilometer in Schnee und Eis zurück, überwinden unter größten Anstrengungen 60.000 Höhenmeter. Jeder Tag birgt eine körperliche Grenzerfahrung, ist ein Angehen gegen die Kälte und die Müdigkeit, aber er ist auch Quell einer befreienden inneren Erfahrung inmitten der Alpen, deren wilde, winterliche Einheit und Kraft kaum jemand erfassen kann.

2021 konnte mich der Franzose Sylvain Tesson schon mit „Der Schneeleopard“ begeistern. Damals schrieb ich über das erfolgreichste französischsprachige Buch des Jahres 2019: „Ein Buch, wie ein leises Gedicht auf die Schönheit der Welt in seiner reinen Form, ohne dem, was sie schmutzig und tyrannisch macht!“ Und wieder macht sich Sylvain Tesson, Autor, Filmemacher und großer Reisender, auf den Weg die Ursprünglichkeit unserer Welt zu entdecken. Wenn Sie aus dem Fenster hinaussehen, werden Sie nichts Weißes vorfinden. In Tesson‘s „Weiß“ sieht es da ganz anders aus. Hier ist das Weiß überbordend. Ein Buch wie eine literarische Grenzerfahrung! Leise, eiskalt, ursprünglich, und hart für den Autor. Aber ein Leseereignis für die LeserInnen!

Rowohlt, 255 Seiten; 23,00 Euro

  Leo Born – Eisige Stille

Frankfurt leidet unter dem heißesten Sommer seit Jahren – und das Verbrechen in der Stadt greift eiskalt um sich. Mehrere Morde und Vergewaltigungen machen Kommissarin Mara Billinksy zu schaffen. Und ihr Kollege Jan Rosen stößt im Internet auf verstörende Filme, in denen Menschen missbraucht und lebendig verbrannt werden. Mara tritt zu lange auf der Stelle. Denn als zwei ihrer engsten Freunde verschwinden und der schwedische Ermittler Erik Nordin wieder vor ihrer Tür steht, weiß die sonst so toughe „Krähe“ nicht mehr, wem sie noch trauen kann – und wer sie in eine tödliche Falle locken will.

Ich verfolge Leo Borns Mara-Billinsky-Thriller schon seit dem ersten Fall „Blinde Rache“. „Eisige Stille“ ist mittlerweile der 8. Fall für Mara Billinsky, die unkonventionell, unangepasst und hart ist. Wie schon die Vorgänger: Ein tougher Frankfurt-Thriller mit einer starken Kommissarin! „Eisige Stille“ wird Sie nicht in Ruhe lassen, die Geschichte wird Ihre Nerven immer wieder bis aufs äußerste strapazieren. Ein Thriller, wie er sein muss: spannend, überraschend und mit starkem Personal!

Lübbe, 447 Seiten; 13,00 Euro

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