Kolumne vom 31.03.2014


David Safierdaumen rauf

28 Tage lang

28 Tage lang

Die 16-jährige Jüdin Mira schmuggelt Lebensmittel aus der freien Zone ins Warschauer Ghetto um dort zu überleben. Dabei riskiert sie jedes Mal ihr Leben. Als sie erfährt, dass die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden soll, schließt sich Mira dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage. 28 Tage, in denen Mira Momente von Verrat, Leid und Glück erlebt. 28 Tage, in denen sie sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört. 28 Tage, um ein ganzes Leben zu leben. 28 Tage, um eine Legende zu werden.

Bestseller-Autor David Safier ist bekannt für seine schrägen, witzigen und intelligenten Unterhaltungsromane. Bei seinem neuen Roman vergeht einem das Lachen. Der Autor leichter Literatur schreibt ein bleischweres Buch, aber mit so viel Spannung, Dramatik, Authentizität, dass man sich "28 Tage lang" keiner Sekunden entziehen kann. Die Geschichte aus dem Warschauer Ghetto zeigt, wie die Menschen in dieser Zeit leiden mussten und dann nur noch eines vor Augen hatten: den Tod. Safier erzählt das so eindringlich, dass es einen zu Tränen rührt und es kommt die Wut auf die Bestien von damals hoch. Beängstigend, schmerzvoll, bewegend, grausam. "28 Tage lang" wird auch eine Legende werden, eine literarische! Das Buch hat alles, um ein internationaler Bestseller zu werden.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Maria Koschny, hat auch "Die Tribute von Panem" eingelesen, gibt eine starke Vorstellung als Mira ab. 19,99 Euro.

Kindler / Rowohlt Rotfuchs, 404 Seiten; 16,95 Euro


Michael Pooredaumen runter

Der raffinierte Mr. Scratch

Poore-Der-raffinierte-Mr.-Scratch

John Scratch ist der berühmteste Fernsehmoderator der Welt. Amerika liebt seine Show. Darin zerstört er Ehen oder vernichtet Existenzen. Es ist eine Sendung, bei der manche behaupten, sie könne nur der Teufel höchstpersönlich moderieren. Und sie haben Recht. Der düstere, aber charmante John Scratch ist der Teufel. Seit seine große Liebe, ein gefallener Engel, die Erde verlassen hat, versucht John Scratch seine Angebetete aus den Gefilden des Himmels zurückzuholen. Der Teufel findet Verbündete unter den Menschen, aber er muss erkennen, dass er noch eine Menge über die Menschen lernen muss. Auch nach all den Jahrtausenden, die er schon unter ihn weilt.

Die Geschichte hörte sich sehr vielversprechend an. Man hätte ganz viel daraus machen können. Debütant Michael Poore macht leider wenig daraus. Er spielt mit dem Leser Pingpong. Die Geschichte hüpfte unkontrolliert zwischen den Jahrzehnten und Jahrhunderten hin und her. Mal ist man im Jahr 2005, dann 1623, 1969, 1750, dann wieder 1969 und wieder 2005. Und so setzt sich das fort. Ein Lesefluss entsteht so nie, man fängt immer wieder zwischendrin an. So ist aus dem eigentlich amüsanten und spannenden Roman ein literarischer Schweizer Käse geworden. Auch aus Mr. Scratch hätte man mehr rausholen können. Die Figur bleibt auch im Mittelmaß hängen, wie der ganze Roman.

Lübbe, 444 Seiten; 16,99 Euro


Åke Edwardson daumen rauf

Das dunkle Haus

Åke Edwardson Das dunkle Haus

Nach zwei Jahren Auszeit kehrt Kommissar Erik Winter aus der Sonne Marbellas in die Dunkelheit nach Göteborg zurück. Er fühlt sich mit fünfzig noch zu jung für den Ruhestand. Und er kommt zur rechten Zeit. Die Stadt wird von dem blutigen Mord an einer jungen Frau und ihren beiden kleinen Kindern erschüttert. Das jüngste Kind ließ der Täter am Leben. Warum nur? Bald hält man ihren Mann für den Mörder, doch Winters Instinkt sagt ihm etwas anderes. Gegen alle Widerstände beginnt er zu ermitteln. Kann er eine Treibjagd verhindern?

Kommissar Erik Winter ist zurück. Ein Glücksfall für die Kriminalliteratur! "Das dunkle Haus" ist ein düsterer Kriminalroman, ganz im Stile der Erik-Winter-Reihe. Leider muss man sagen, es ist nicht einer der Besten der langjährigen Krimi-Reihe. "Das dunkle Haus" hat viele starke Passagen, aber auch immer wieder Längen, die Edwardson auch noch richtig auslebt. Für die Story wären sie aber nicht nötig gewesen. Da hat sich Bestseller-Autor Ake Edwardson etwas verheddert. Aber man wird von den Figuren immer wieder abgeholt, die Edwardson gekonnt gut gezeichnet hat. Trotzdem: Es ist einfach schön, dass er wieder da ist, der Kommissar Erik Winter.

Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. Boris Aljinuvic, der schon viele Erik-Winter-Krimis prägend gelesen hat, ist auch bei Winters Rückkehr wieder der Vorleser. Der "Tatort"-Kommissar hat eine weiche und klangvolle Stimme. Aljinuvic & Edwardson sind ein Team! 19,99 Euro.

Ullstein, 502 Seiten; 19,99 Euro


Christos Tsiolkasdaumen rauf

Barrakuda

Barrakuda

Daniel Kelly will nur eins: Schwimmen und Siegen. Seine Eltern tun alles für ihn, seine Geschwister sehen zu ihm auf, von seinen Freunden wird er gefeiert. Doch dann verliert er einen entscheidenden Wettkampf, und alles ändert sich.

Der australische Autor Christos Tsiolkas hat mit "Nur eine Ohrfeige" einen grandiosen Gesellschaftsroman geschrieben. Nun liegt sein neues Buch "Barrakuda" vor. Wieder lotet der die Gefühle der Menschen bis ins Kleinste aus. Was passiert, wenn etwas geschieht, mit dem man nicht rechnet? Wie verändert sich die Person, wie sein Umfeld. Diesen und noch mehr Fragen geht Tsiolkas auch in "Barrakuda" nach. Sehr lesenswert!

Klett-Cotta, 468 Seiten; 22,95 Euro


Stefan Bachmanndaumen rauf

Die Seltsamen

Die-Seltsamen

Batholomew lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Hetti zusammen. Dann wird Batholomews bester Freund entführt und später auch noch seine Schwester Hetti. Er macht sich auf, seine Schwester zu suchen, findet einen Freund und soll auch noch die Welt retten.

Ein wilder, schöner und spannender fantastischer Roman! In Amerika hat "Die Seltsamen" schon ein großes Echo hinterlassen. Das ist zu verstehen, da diese neue Jugendbuch-Reihe tolle Figuren und eine tolle Story bereithält. Und für Diogenes ein ganz anderes, aber sehr gelungenes Cover. Man kann gespannt sein auf die Fortsetzung.

Diogenes, 367 Seiten; 16,90 Euro


Hörbuch der Wochedaumen_rauf

John Niven

Straight White Male

Straight White Male

Kennedy Marr, Autor alter Schule. Irisch, zynisch durch und durch, ein Borderline-Alkoholiker und Sex-Süchtiger. Sein Mantra lautet: hart trinken, gut essen und jede Frau flachlegen, die bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mittlerweile als Drehbuchautor in L. A. ansässig, flucht er sich durch die kalifornische Literatur- und Filmszene. Doch sein verschwenderischer Lebensstil bringt ihn an den Rand des Bankrotts, bis sich unverhofft eine Lösung anbietet. In England wird er für einen hoch dotierten Literaturpreis vorgeschlagen. Um an das Geld zu kommen, gilt es allerdings Auflagen zu erfüllen, die so gar nicht zu Kennedy Marr passen wollen.

John Niven nimmt literarisch kein Blatt vor den Mund. In Nivens Roman geht es immer zur Sache. Sex, Mord, Geld, Gier, alles Laster und Düsterheiten der Menschheit lässt er literarisch aufleben. Auch in "Straight White Mal" legt er sich wieder mächtig ins Zeug. Man durchlebt mit Kennedy Maar eine Gefühlsachterbahn der besonderen Art. Soll man ihn hassen, lieben, oder in ihm einfach nur ein Figur sehen, die ihr Leben auf ganz eigene Art nimmt? Gerd Köster haut auch richtig rein. Er liest manchmal still und leise, und dann so, als gäbe des kein Morgen mehr. Er liest, als ob er selbst betroffen wäre oder es durchlebt. Auch als Paperback erhältlich bei Heyne, 16,99 Euro.

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 24,99 Euro

Random House Audio, 2 MP3 CDs, ca. 12,5 Stunden; 19,99 Euro


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