Oktober 18, 2026

Aktuelle Kolumne 19.10.2026

 

      BuchKolumne 19.10.2026 Nr. 895

Charlotte Link – Kalte Tage
Tana French – Wie ein Fluss in der Nacht
Ilona Bannister  – Five – Das Ticken der Zeit
Sarah Langan – Trad Wife
Annika Büsing – Magisch

Hörbuch zur Ausgabe :

Jason Dark– Geisterjäger John Sinclair :
Folge 193 – Folge 197

 Charlotte Link – Kalte Tage

In einer verschneiten Winternacht wartet eine Frau auf die Rückkehr ihrer Tochter, die sich mit einer Internetbekanntschaft trifft. Plötzlich steht ein Fremder in ihrem Haus – ein Albtraum beginnt. Am nächsten Morgen geht ein Notruf bei der Polizei in Scarborough ein: Ein Mann wurde erschossen, eine junge Frau ist spurlos verschwunden. Detective Inspector Kate Linville beginnt zu ermitteln. Kurz darauf wird ein Autofahrer als vermisst gemeldet, der auf einer einsamen Landstraße unterwegs war. Fast zu spät erkennt Kate die gestörte Geisteswelt eines Täters, der völlig skrupellos agiert.

Deutschlands weibliche Krimi- und Thriller-Elite hat seit weit über einem Jahrzehnt eine starke Anführerin. Ihr Name: Charlotte Link! Ihre Kate-Linville-Thriller-Reihe hat bereits Kult-Status erreicht. Mit dieser Reihe hat sie auch weit über Deutschland hinaus bewiesen: Charlotte Link ist die schriftstellerische Schwester von Elizabeth George! Denn ihre Bücher spielen ebenso in England und haben diesen ganz eigenen Charme der englischen Krimi-Literatur. Das alles trifft natürlich auch auf den neuesten Fall für Kate Linville zu, dem sechsten Buch in der Reihe. In „Kalte Tage“ erwartet Sie ein fesselnder Krimi, der Sie keine Minute ruhen lassen wird! Kate Linville hat darin auch mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen. Weit über den Kriminalfall hinaus bietet Charlotte Link wieder beste Spannungs- und Gesellschaftsliteratur!

Blanvalet, 623 Seiten; 26,00 Euro

Tana French – Wie ein Fluss in der Nacht

In einer kalten Nacht verschwindet Rachel Holohan aus dem irischen Dorf Ardnakelty. Die liebenswürdige junge Frau stand kurz vor der Hochzeit mit dem Sohn des lokalen Großgrundbesitzers. Auch Ex-Cop Cal Hooper schließt sich den Suchtrupps an, denn er schuldet seinen Freunden Loyalität. Doch Cals Verlobte Lena und seine Ziehtochter Trey fürchten die uralten Verbindungen im Ort – und geraten selbst in die Schusslinie.

Tana French kehrt wieder nach Ardnakelty zurück. Nach zuletzt „Feuerjagd“ trifft man nun wieder den Ex-Polizisten Cal aus Chicago, der auf das malerische und ruhige irische Land gezogen ist, um dort seinen Ruhestand zu genießen. Tana French hat mit den Büchern zuvor aufgezeigt, dass es doch nicht so ruhig ist auf dem irischen Land. Und auch diesmal in „Wie ein Fluss in der Nacht“ passieren wieder Dinge, die Cal und die bunte Bewohnerschar beschäftigen, aufwirbeln und für Tumulte sorgen. Für reichlich Spannung und interessante Figurenkonstellationen ist ebenso gesorgt. Atmosphärisch auf hohem Niveau, man spürt die irische Landluft, den Regen auf der Haut während des Lesens. „Wie ein Fluss in der Nacht“ sorgt für spannende Momente in einer verheißungsvollen Landschaft!

Fischer, 558 Seiten; 26,00 Euro

 Ilona Bannister – Five – Das Ticken der Zeit

Daumen runter rotviolett

Noch fünf Minuten, bis jemand stirbt: Ist es Emma, die unter der Last des Mutterseins fast zerbricht? Ihr Sohn Gideon, dessen kindliche Unbezähmbarkeit zur gefährlichen Falle wird? Der Geschäftsmann Liam, der in einen Streit mit Emma gerät? Die störrische Wissenschaftlerin Mrs Worth, die endlich ihre Enkel wiedersehen will? Oder der hilfsbereite junge Sonny, der kurz davor ist, sein Leben zu verspielen? Sie alle warten an einem Londoner Bahnsteig auf den Zug. Einer von ihnen wird dessen Ankunft nicht überleben. Sie alle haben Schicksale. Manche von ihnen haben Geheimnisse. Wir werden alles über sie erfahren, während wir mit ihnen auf den Zug warten. Während der Streit eskaliert. Während Panik ausbricht. Während die Uhr gnadenlos heruntertickt.

Tick, Tack, Tick, Tack. Eine Minute, zwei Minuten … bis einer tot ist. Das ist „Five – Das Ticken der Zeit“. Ilona Bannister hat einen unkonventionellen Thriller geschrieben! Einen Thriller, der auf einer gewissen Strecke des Buches durchaus begeistert, aber auf der kompletten Strecke doch viel Leerlauf und unnötige Längen aufweist. Und das bei 300 Seiten Länge. Die Charaktere sind gut dargestellt, konnten mich aber fast durchweg nicht abholen. Daher flogen die Seiten bei mir schnell dahin, aber eben oft nicht aus Spannungsgründen. Sie sollten in den Fahrplan Ihrer Lesezeit nicht zwingend „Five – Das Ticken der Zeit“ eintragen.

Droemer, 320 Seiten; 18,00 Euro

Sarah Langan – Trad Wife

Jeden Tag verfolgen Hunderttausende das Leben der berühmten Trad-Wife-Influencerin Mia Wright auf ihrer idyllischen Farm „Black Swan“. Mit ihrem gutaussehenden Ehemann, sieben perfekten Kindern und einem Leben voller selbst zubereiteter Mahlzeiten ist sie eine Ikone moderner Weiblichkeit. Doch Journalistin Jenny Kaplan möchte hinter ihre perfekte Fassade schauen – und je länger sie sich dafür auf der Farm aufhält, desto mehr merkt sie, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Jenny fängt an, schlecht zu träumen, und ihr Gedächtnis weist mehr und mehr Lücken auf. Im Herzen von „Black Swan“ verbirgt sich ein Schrecken, der sie nach und nach zu verschlingen droht.

Caro Claire Burke hat es mit dem sensationellen Bestseller „Yesteryear“ literarisch vorgemacht (die Rezension dazu können Sie auf denglers-buchkritik.de nachlesen): Die Tradwifes sind im Buchmarkt angekommen und man kann wunderbare Romane über sie schreiben. Hinter die Fassade der glanzvollen Onlinepräsenz gucken, die meist so überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Nun fügt US-Autorin Sarah Langan mit „Trad Wife“ ein weiteres literarisches Kapitel hinzu. „Trad Wife“ ist wunderbar bissig und angstfrei, ein Gesellschaftsroman erster Güte und zugleich ein heimlicher Horror-Roman, der seine Klauen nach jedem ausstreckt, der das Buch geöffnet hat, um darin zu lesen! Also Vorsicht: Lesen auf eigene Gefahr!

TOR, 432 Seiten; 18,00 Euro

 Annika Büsing – Magisch

Magisch ist zurück. Natürlich in dem Haus hinter dem Knallerbsenwall, natürlich mit einem Job, der nicht ganz legal ist, natürlich mitten in der flirrenden Hitze des Spätsommers. Und alles fühlt sich an wie in ihren besten Zeiten, als Marie und Magisch erst enge Freunde und dann die erste Liebe wurden. Mehr als fünfzehn Jahre sind vergangen, und jetzt sitzen sie unten am Feldweg bei der Pferdekoppel im Schatten der Büsche und trinken Fanta-Korn als wären sie nie weg gewesen. Doch Andi, Maries Bruder, ist auch noch da, war tatsächlich nie weg, ist mittlerweile in der Partei, und noch immer gefährlich. Als Magisch bedroht wird, ist für Marie der Zeitpunkt gekommen, die Frage nach der Brandmauer in der eigenen Familie neu zu stellen.

Auch wenn es bei diesem Buchtitel naheliegend ist, ich muss es einfach schreiben: Der Büsing-Sound ist magisch! Nach ihren Romanen „Nordstadt“, Koller“ und „Wir kommen zurecht“ folgt nun „Magisch“. Magisch ist die Geschichte, weil sie mit dem Büsing-Sound einen ganz eigenen Drive entwickelt. Es geht um Liebe, um Ankommen, Zurückkommen, um Freunde, Familie und den Kitt in unserer Gesellschaft, der immer mehr zu bröckeln beginnt. Magisch ist der Typ nicht, der Magisch heißt, Paul Magisch, aber er ist ein Charakter, der trotzdem einlädt, immer mehr von ihm erfahren zu wollen, denn wenn er auch nicht magisch ist, langweilig ist er keinesfalls. Auf Marie trifft das auch zu. Und auch einige andere Figuren haben den Knalleffekt, die diese Geschichte veredeln, denn diese Geschichte lebt von ihren lebendigen Figuren und den punktgenauen Dialogen. Enden möchte ich mit einem dieser vielen wundervollen Sätze in diesem Buch: „Magisch braucht Liebe, ganze Kanister kannst du über ihm ausgießen, es ist nie zu viel.“

S. Fischer, 288 Seiten; 24,00 Euro

Das Kurz-und-Knapp-Trio

DK / Anne Rooney
Bau dir die Titanic
Wie kam es zum tragischen Untergang der Titanic und warum fasziniert das Schicksal dieses Schiffs die Menschen bis heute? Dieses Titanic-Buch erzählt die Geschichte des legendären Luxusdampfers sehr anschaulich. Man kann den Bau der Titanic auf der Werft in Belfast verfolgen, sehen, wie die Dampfmaschinen funktionierten und wie prächtig man in der 1. Klasse logierte. Jede Doppelseite zeigt eine erstaunliche Facette des Luxus-Liners, dargestellt in schönen Illustrationen. Auch historische Persönlichkeiten wie der Kapitän der Titanic oder der Heizer John Priest treten auf und ergänzen den Bericht von der Kollision mit dem Eisberg und den dramatischen letzten Stunden. Der besondere Kniff an diesem Buch ist der Bausatz im Buch. Man kann so sein eigenes Schiffsmodell basteln und die Titanic innen und außen nochmals ganz genau entdecken. Ein rundum gelungenes Lern- und Mitmachbuch der Sonderklasse! Wie die Titanic damals selbst.

Dorling Kindersley, 63 Seiten, 25,00 Euro

Ano Ojala
Weißer Rausch

Während der klirrend kalte Winter Lappland fest im Griff hat, kommt es an der finnisch-schwedischen Grenze zu mehreren Verbrechen. Ein Mann wird mit einer Nagelpistole getötet; eine junge Mutter wird in einem Einkaufszentrum gefoltert und erschossen; eine neue Droge greift um sich und fordert Tote. Kommissarin Ronja Jentzsch von der grenzübergreifenden Ermittlungseinheit der finnischen Polizei versucht, sich einen Reim auf die Vorfälle zu machen, die alle in Zusammenhang zu stehen scheinen. Erste Hinweise deuten nach Schweden, und auch der Geheimdienst hat plötzlich Interesse an dem Fall. Wer hat es hier auf wen abgesehen, und vor allem auf was? Und wie passt Kristian, ein junger Zollbeamter und Familienvater, ins Bild, der die Ermittlungen immer wieder kreuzt? Der Bestseller aus Finnland, der Beginn der Lappland-Trilogie. Ein eiskalter Thriller durch und durch! Bitte mehr davon.

Droemer, 368 Seiten, 16,99 Euro

Jill Lepore
Die Regierung der Maschinen

„Die Regierung der Maschinen“ ist ein alarmierendes Buch, aber trotz seiner Fülle an beunruhigenden Fakten kein Grabgesang auf die Demokratie. Es ist ein Weckruf an uns alle, aufzuwachen und dem Künstlichen Staat, der sich anbahnt, entgegenzutreten. Denn er besteht nicht nur aus einer „Regierung ohne Zustimmung“, sondern sogar aus einer „Regierung ohne Menschen“. Er kann entmachtet werden wie der Feudalismus, der Faschismus und die Sklaverei. Aber dafür muss man verstehen, was vor sich geht. Die Pulitzerpreisträgerin und Harvard-Professorin Jill Lepore erzählt, wie es zum steilen Aufstieg von KI kam und wir in die Hände von einigen Tech-Tycoons geraten sind, die glauben, das Recht zu haben, über unsere Zukunft zu entscheiden. Ein aktuelleres, brisanteres und intelligentes Buch zu Gesellschaft und KI gibt es derzeit nicht auf dem Buchmarkt!

C. H. Beck, 381 Seiten, 29,90 Euro

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