Mai 27, 2020

BuchKolumne 06.04.2020 Nr. 606

BuchKolumne 06.04.2020 Nr. 606

Bei denglers-buchkritik.de kannst Du jeden Montag neue Rezensionen und Buchkritiken lesen und Dir Tipps und Anregungen für neuen Lesestoff holen – egal ob Roman, Krimi, Science-Fiction oder Thriller.

Corina Bomann – Die Farben der Schönheit – Sophias Hoffnung

Berlin, 1926. Aufgewühlt verlässt Sophia ihr Elternhaus. Ihr Vater will sie nie wiedersehen, ihre Mutter ist in Tränen aufgelöst. Erst als sie vor ihrem Geliebten steht, begreift Sophia, dass sie das gemeinsame Kind alleine aufziehen muss. Noch dazu als Unverheiratete. Verzweifelt reist sie zu einer Freundin nach Paris, wo sich ihr eine unerhörte Möglichkeit bietet. Die große Helena Rubinstein ist von Sophias Ausstrahlung und von einer ihrer selbstgemachten Cremes begeistert. Und sie bietet ihr an, in ihrem Schönheits-Imperium zu arbeiten. Sophia reist nach New York, voller Hoffnung auf ein neues Glück.

Corina Bomann ist die deutsche Lucinda Riley! Ich war vollkommen gefesselt von der Geschichte – von der ersten Seite an! Sophias Weg hat mich keinen Augenblick ruhen lassen. Corina Bomann gibt ihren weiblichen Figuren so viel Leben, so viel Kraft, so einen starken Ausdruck, man lebt mit ihnen. Natürlich kommt auch die Spannung und das Drama nicht zu kurz – wie üblich bei Corina Bomann! In „Sophias Hoffnung“ passiert so viel Bewegendes und das bleibt auch bist zur letzten Seite so. Nach der berauschenden Trilogie um „Die Frauen vom Löwzenhof“ lässt Corina Bomann nun die nächste folgen – „Die Farben der Schönheit“. „Sophias Hoffnung“ ist der erste Teil, im Juni folge der zweite, „Sophias Träume“.

Ullstein, 541 Seiten; 14,99 Euro


Sebastian Stuertz – Das eiserne Herz des Charlie

Charlie Berg hat ein schwaches Herz und die feine Nase eines Hundes. Das einzige, was ihn seine Eltern gelehrt haben: Zwei Künstler sollten nie Kinder bekommen! Es sind die frühen 90er, Charlie will ausziehen, nicht mehr der Depp der Familie sein, der alles zusammenhält, während Mutter am Theater die Welt verstört und Vater wochenlang bekifft im Aufnahmestudio sitzt. Die Zivistelle im Leuchtturm ist zum Greifen nah – da läuft alles aus dem Ruder: Auf der Jagd mit Opa trifft ein Schuss nicht nur den Hirsch, sondern auch Opa. Und Charlies heimliche große Liebe Mayra, seine Videobrieffreundin aus Mexiko? Hat nichts Besseres zu tun, als den Ganoven Ramón zu heiraten.

Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut! Die Beschreibung zum Buch klang richtig gut. Ich erwartete einen Roman im Stil der jungen amerikanischen Autoren, die in diesen breitgefächerten Romanen oft sehr gute Werke abliefern. Zudem war das Cover einladend und auch der Titel machte neugierig. Es war angerichtet für eine große Geschichte mit über 700 Seiten, die mich in ihren Bann ziehen würde. Dachte ich. Doch Sebastian Stuertz, animiert hauptberuflich Grafiken für Film und Fernsehen, hat mit „Das eiserne Herz des Charlie Berg“ einen fast durchgängig langweiligen Roman geschrieben. Vom richtigen Aufbau eines Romans hat Sebastian Stuertz leider keine Ahnung. Er hat Figuren entworfen, die es durchaus wert sind, erkundet zu werden, aber sie bewegen sich in einer Geschichte mit so vielen Belanglosigkeiten und ohne durchgängigen Spannungsaufbau.

btb, 720 Seiten; 22,00 Euro

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Shenja Lachner entführt souverän in die Geschichte. Seiner Stimme zu lauschen ist besser, als das Buch selbst zu lesen. 22,00 Euro. Hörprobe: 10.00 Min.

Sebastian Stuertz – Das eiserne Herz des Charlie Berge 10:00 Min.

Liz Moore – Long Bright River

Einst waren sie unzertrennlich, seit fünf Jahren sprechen sie nicht mehr miteinander, doch die eine wacht insgeheim über die andere. Jetzt aber ist die Lage bedrohlich geworden: Mickey, Streifenpolizistin in Philadelphia, findet ihre drogenabhängige Schwester Kacey nicht mehr auf den Straßen der Blocks, die sie kontrolliert und auf denen Kacey für ihren Konsum anschaffen geht. Gleichzeitig erschüttert eine Reihe von Morden an jungen Prostituierten die von Perspektivlosigkeit und Drogenmissbrauch geplagte Stadt. Mickey hat gleich an mehreren Fronten zu kämpfen.

Liz Moores Stil entert einen sofort – kühl, lakonisch, forsch. Ein Buch wie ein Wirbelsturm! Die Mischung aus Kriminal-, Familien- und Gesellschaftsroman ist Liz Moore hervorragend gelungen! „Long Brigth River“ besticht somit auf mehreren Ebenen, was aus diesem Roman ein sehr ansprechendes Buch macht. Mit großer Spannung folgt man dem Leben der Streifenpolizistin Mickey in der Gegenwart und dem in ihrer Kindheit, in der sie mit der später drogenabhängigen und sich prostituierende Schwester Kacey einiges durchleben muss. Liz Moore hat auf beiden Zeitebenen viel zu erzählen.

C. H. Beck, 411 Seiten; 24,00 Euro

Ta-Nehisi Coates – Der Wassertänzer

Bisher kannte Hiram Walker nichts als ein Leben in Ketten. Aufgewachsen in der Sklaverei, musste er als kleiner Junge miterleben, wie seine Mutter verkauft wurde und für immer verschwand. Doch sie hat ihm eine seltene Gabe vererbt. Als diese ihn vor dem Ertrinken rettet, beschließt er aus der Gefangenschaft zu fliehen. So beginnt für Hiram eine abenteuerliche Reise von den Tabakplantagen West Virginias über geheime Guerillazellen in der Wildnis des amerikanischen Südens nach Philadelphia, wo ihn ein völlig neues Leben in Freiheit zu erwarten scheint. Doch zuvor muss er noch eine alte Rechnung begleichen und die Frau, die er liebt, und die, die ihn aufzog, in die Freiheit führen.

„Der Wassertänzer“, Ta-Nehisi Coates‘ erster Roman, war in den USA ein Bestseller und eines der meistverkauften Bücher des vergangenen Jahres. „Der Wassertänzer“ fesselt den Leser mit einer großen Geschichte und vielen kleinen Geschichten, die es einen fühlbar vermitteln, was Freiheit wirklich bedeutet! Es zeigt die Grausamkeit der Sklaverei und des Rassismus. Hiram Wallker wird einen noch lange begleiten, auch wenn man die letzte Seite gelesen und das Buch zugeschlagen hat. Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Sabin Tambrea liest berauschend und verleiht dem „Wassertänzer“ so den verdienten Ton. 24,00 Euro Hörprobe 8:01 Min.

Blessing, 544 Seiten; 24,00 Euro

Ta-Nehisi Coates – Der Wassertänzer Hörprobe 8:01 Min.

Katrine Engberg  –  Glasflügel

Jeppe Kørner ermittelt in einem spektakulären Mordfall, der ganz Kopenhagen beschäftigt: Im ältesten Brunnen der Stadt, inmitten der Fußgängerzone, wurde eine Leiche gefunden. Auf die Hilfe seiner Kollegin Anette Werner kann er diesmal nicht zählen, denn die muss sich statt um den Mordfall um ihr Baby kümmern. Bald schon stößt Kørner auf eine düstere Einrichtung für hilfsbedürftige Jugendliche und auf Leute, die ihre eigene Vorstellung von Fürsorge haben.

Die attraktive Dänin Katrine Engberg lässt mir ihren Kopenhagen-Thriller jedes Thriller-Herz höherschlagen! Nach „Krokodilwächter“ und „Blutmond“ folgt nun der dritte Fall „Glasflügel“. Ein Thriller, wie an der Schnur gezogen! Katrin Engberg verliert sich nicht in Unwichtigen, sondern ist immer nah am Leser, gibt ihm Spannung und zugängige Charaktere. Bitte unbedingt mehr davon!

Diogenes, 427 Seiten; 20,00 Euro