Mai 2015

Aktuelle Kolumne vom 22.05.2017 - Nr. 457


Mary E. Pearson

daumen rauf

Der Kuss der Lüge

Der Kuss der Luege

Lia ist mit 17 Jahren die älteste Tochter im Königshaus Morrighan und soll nun mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch Lia flieht aus ihrem geplanten Leben und heuert weit entfernt von zu Hause in einer Taverne an. Dort lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sich zu beiden hingezogen ...

Ungemein fesselnd, ein Setting das zu überzeugen weiß, und Figuren, die zum greifen nahe sind. „Der Kuss der Lüge“ begeistert durch und durch! Mary E. Pearson hat den Roman klug aufgebaut in dem sie immer wieder die Personen wechselt. Die Hauptfigur bleibt Lia, aber die beiden anderen, Auftragsmörder und Prinz, bekommen auch genügend Raum. Durch diese Abwechslung bekommt man überraschende Einblicke in alle drei Figuren und wie sich im Laufe des Buches ihr Denken, ihre Gefühle und ihre Vorhaben verändern. Die Spannung lässt so bis zum Schluss nie nach. Auf Band 2 von den „Chroniken der Verbliebenen“ wartet man mit großer Vorfreude.

One, 559 Seiten; 18,00 Euro


Sabine Thiesler

daumen runter

Nachts in meinem Haus

Nachts in meinem HausTom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung . . .

Sabine Thiesler gehört zu den besten Spannungsautorinnen Deutschlands! Ihre Thriller haben psychologische Tiefe und viel Raffinesse. Ihr neuer Thriller „Nachts in meinem Haus“ ist aber gar kein Thriller, sondern ein durchaus, in Teilen, spannender Roman. Die Geschichte beginnt gut, man malt sich aus, was da nun alles kommen kann, aber es kommt ganz anders, denn so gut geht es nicht weiter. Sabine Thielser kommt vom Weg ab und behandelt auch zahlreiche, für die Hauptgeschichte, unwichtige Nebenschauplätze. So geht die Spannung immer mehr verloren. „Nachts in meinem Haus“ ist so nur ein solider Sabine-Thielser-Roman geworden, nicht zu vergleichen mit ihren sehr guten vorherigen Büchern.

Heyne, 512 Seiten; 19,99 Euro


Maja Winter

daumen rauf

Träume aus Feuer

Traeume aus Feuer Das Großkönigreich Le-Wajun wird vom gottgleichen Sonnenpaar regiert. Großkönig Tizarun und Großkönigin Tenira sind allseits beliebt, doch heimlich ergeht ein perfider Auftrag an die Gilde der Wüstendämonen: Die gefürchteten Assassinen sollen für Großkönig Tizaruns Tod sorgen. Die Auftraggeber des Anschlags ahnen nicht, dass sich längst einer der Wüstendämonen am Hof von Le-Wajun eingeschlichen hat: Karim, getarnt als Knappe eines Fürsten. Für ihn ist der Auftrag sehr persönlich, denn er weiß von einem dunklen Geheimnis in der Vergangenheit des Großkönigs. Die Zeit der Rache ist gekommen!

Maja Winter lässt einen eintauchen in eine andere Welt voller Magie und dem Kampf Gut gegen Böse. Die Autorin hat schon mit ihrer „Drachenjägerin“-Trilogie begeistern können. Nun ist sie mit einer neuen Fantasy-Saga (Sternenbrunnen) am Start und weiß gleich mit dem ersten Band „Träume aus Feuer“ einen vollkommen in den Bann zu ziehen. Maja Winter zeigt vorwiegend das Leben der sich schnell entwickelnden 12-jährigen Prinzessin Anyana, auf die immer mehr Verantwortung zukommt und die von düsteren Träumen geplagt wird. Und natürlich auch das Leben im Königreich und das des geheimnisvollen Karim. Es ist der erste von vier Bänden. Die anderen drei werden in den nächsten Monaten folgen. Als nächstes erscheint „Träume aus Staub“. Man kann es gar nicht erwarten.

Bastei Lübbe, 558 Seiten; 15,00 Euro


Aram Mattioli

daumen rauf

Verlorene Welten

Verlorene Welten

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Indianer und ihrer Vernichtung vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Es beschreibt den langen und gewaltsamen Prozess der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Zugleich bezieht der Autor die Sicht der „Besiegten“ gleichberechtigt in die Betrachtung mit ein und zeigt, wie indianische Nationen ganz unterschiedlich auf die Landnahme reagierten. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen und die vielfältigen Lebensformen.

Amerika, das Land der Siedler und der Erbauer. Alles rosarot. Doch die Wahrheit, die heute jeder kennt, wollte bis in die 1970er in Amerika keiner wissen. Amerika, das Land der Mörder – in Bezug auf die Ureinwohner. Dieses Buch beleuchtet in prägnanten Schlaglichtern wie es den Indianern erging, als der „weiße Mann“ kam. Ein Buch, das wütend und traurig macht. Man hätte alles auch anders lösen können, aber die Fastvernichtung eines ganzen Volkes war die einfachere Lösung.

Klett-Cotta, 464 Seiten; 26,00 Euro


Florian Huber

daumen rauf

Hinter den Türen warten die Gespenster

Hinter den Türen warten die Gespenster

Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ gab es einen unverrückbaren Ort, der Halt und Geborgenheit versprach: die Familie. Sie erwies sich als der einzige Wert, der den Nationalsozialismus weitgehend unversehrt überdauert hatte. Die Familie konnte aber nicht jene Widersprüche und Konflikte aussperren, die im ersten Nachkriegsjahrzehnt die Gesellschaft begleiteten. Dazu gehörte das Verdrängen und Verschweigen. Sie waren der Nährboden für die berüchtigten Familiengeheimnisse der deutschen Gesellschaft nach 1945, an deren Gift bisweilen noch die Enkelgeneration laborierte.

Eine dramatische, spannende und mitreißende Geschichte, die niemanden unberührt lässt! Der Krieg war vorbei, doch die Nachkriegszeit in Deutschland war keineswegs durchweg durchzogen von einem positiven Geist – Ärmel hochkrempeln, anpacken, nun schaffen wir alles. Nein, viele ungelöste Probleme belasteten alle, die Frauen und Mütter, die Männer und Väter und die machtlosen Kinder. Probleme, die auch später nie gelöst wurden. Der Titel „Hinter den Türen warten die Gespenster“ trifft den Geist des Buches sehr gut. Die Gespenster waren überall.

Berlin Verlag, 348 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Anna Basener

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte AudioDie Omma ist eine Ruhrpottikone. Sie war mal Wirtschafterin im Puff, bis sie den brutalen Zuhälter nicht mehr ertragen und ihn kurzerhand mit einer Flasche Korn erschlagen hat. Als die Mitzi, ehemalige Prostituierte und enge Vertraute der Omma, plötzlich stirbt, bricht die Omma alle Zelte in Essen ab und zieht zu ihrer Enkelin Bianca. Nach Berlin-Kreuzberg. Bianca wundert sich sehr, dass die vitale Mitzi plötzlich tot sein soll und die Omma ihr geliebtes Essen verlässt. Bianca stellt immer mehr Fragen. Und dann geschieht etwas ganz Unerwartetes …

Der Titel und das Cover sind ein Hingucker. Und das schöne Äußere wird auch mit einem treffenden Inhalt gefüllt. Ein wundervoll derber Roman, mit leisen und lauten Tönen, der mit einer absolut unkonventionellen Geschichte immer wieder zu überraschen weiß. Und natürlich mit ganz viel Schlüppis. Gefühlt ist es das meist verwendete Wort im ganzen Roman. Das Hörbuch ist eine Wucht! Das liegt natürlich am Text, aber vor allem an Kabaretturgestein Gerburg Jahnke. Wie sie die Figuren interpretiert, das ist traumwandlerisch gut. Sie gibt jeder Figur ihre eigene Stimme. Und sie versteht es, dabei humorvoll zu sein, aber trotzdem ernst zu bleiben.

Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte

 

Auch als Paperback erhältlich bei Eichborn, 16,99 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 408 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 15.05.2017 - Nr. 456


Nicholas Sparks

daumen rauf

Seit du bei mir bist

Seit du bei mir bist

Mit 34 glaubt Russell auf der absoluten Glücksseite des Lebens zu stehen: Er hat eine umwerfende Frau und eine süße kleine Tochter, ein wunderschönes großes Haus und beruflichen Erfolg. Doch dann zerbricht sein Traum binnen kürzester Zeit: In der Ehe zeigen sich deutliche Risse, und eine berufliche Neuorientierung erweist sich als gefährliche Sackgasse. Vollkommen unvermittelt steht er mit einem Mal da, verlassen und arbeitslos, und soll sich allein um die fünfjährige Tochter London kümmern. Zunächst fühlt er sich komplett überfordert, nur langsam schafft er es, sich aus der Krise herauszukämpfen. Dabei hilft ihm auch eine Frau, die er für immer verloren glaubte. Doch dann schlägt das Schicksal erneut zu …

Nicholas Sparks beschreibt Kleinigkeiten des Alltags, die, so wie er sie beschreibt, total spannend sind. Bei einem anderen Autor würde man vor Langweile gähnen, nicht so bei Nicholas Sparks. Sein Können ist außergewöhnlich, weil es auch nach zwei Jahrzehnten nicht an Qualität verloren hat. So lange, so gut zu sein ist einfach nur großartig! „Seit du bei mir bist“ zeigt die Fallstricke einer Ehe und einer Familie. Und wenn der eine in der Ehe mehr liebt, als der andere, führt das immer zu Ungleichheiten. Der eine leidet dann immer viel mehr als der andere. Mit Nicholas Sparks taucht man vollkommen in die Gedanken- und Gefühlswelt von Russell ab. Man fühlt mit ihm, leidet mit ihm, freut sich und spürt die Wut aufkommen, wenn er schlecht behandelt wird. Wieder ein Roman, wie aus dem Leben gegriffen, der die Gefühle des Lesers Achterbahn fahren und einen zwischen Wut, Trauer, Hoffung und Glück alles durchleben lässt.

Seit du bei mir bist audio

Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Alexander Wussow liest wieder voller Gefühl und Hingabe. Seine Interpretation der Nicholas-Sparks-Romane sind ein Genuss! 19,99 Euro.

Heyne, 572 Seiten; 19,99 Euro


Alexis Ragougneau

daumen runter

Der Tote aus der Seine

Der Tote aus der SeineAls man eines Morgens die Leiche eines jungen Obdachlosen aus der Seine zieht, geht man zunächst von einem Selbstmord aus. Doch schon bald muss Kommissar Gombrowicz diese These wieder kassieren: Die Hände des Opfers sind durchbohrt, und eine Seite des Körpers ist aufgeschlitzt – alles deutet auf die bewusste Inszenierung eines religiösen Rituals hin. Da die Polizei keine schnellen Ergebnisse liefern kann, begeben sich Pater Kern und die junge Richterin Claire Kauffmann auf Spurensuche. Schon bald führen verschiedene Fährten die beiden in das unterirdische Labyrinth der französischen Hauptstadt, wo sie eine grausige Wahrheit entdecken müssen ...

Nach „Die Madonna von Notre-Dame“ ist „Der Tote aus der Seine“ der zweite Fall für Pater Kern und Richterin Claire Kaufmann. Claire Kaufmann, die im ersten Fall noch Staatsanwältin war, war für mich hier die überzeugendere Figur. Wenn sie die Hauptfigur gewesen wäre, hätte der Krimi besser werden können. Die Figur des Pater Kern hat ihren Reiz, ja, aber so ein gewisses und wünschenswertes Pater-Brown-Feeling will hier nicht aufkommen. Der erste Fall war eher langweilig, der zweite ist nun etwas besser, aber er bleibt Durchschnitt. Es gibt gute Szenen und spannende Momente, aber der ganze Fall weiß nicht durchgängig zu fesseln

List, 365 Seiten; 14,99 Euro


Pierre Lagrange

daumen rauf

Blutrote Provence

Blutrote Provence Drei Leichen liegen an einem Waldparkplatz bei Caromb. Die Feriengäste wurden mit einer seltenen Waffe hingerichtet. Die Polizei steht vor einem rätselhaften Fall, in den sich zu allem Übel Ex-Commissaire Albin Leclerc einmischt. War es das Werk eines Auftragsmörders? Geht ein Killer in der Provence um, der Touristen tötet? Leclerc erkennt Parallelen zu einem früheren Fall. Er beginnt mit Mops Tyson und der aus Marseille versetzten Polizistin Castel Ermittlungen, die sie eigentlich gar nicht führen dürften.

 

Der pensionierte Commissaire Albin Leclerc hat keine Hobbys oder andere große Interessen. Er mag nur zwei, drei Dinge: vor allem Verbrechen aufklären, seinen Mops Tyson notgedrungen und seine Freundin Veronique, die ihn zu nehmen weiß. Pierre Lagrange hat mit Albin Leclerc einen eigenwilligen Helden erschaffen, der schon im ersten Fall „Tod in der Provence“ sein Können präsentierte. „Blutrote Provence“ ist ein würdiger Nachfolger des sehr spannenden Debüts. Pierre Lagrange gibt seinen Figuren wieder viel Raum zur Entfaltung, auch die Provence zeigt ihre Schönheit. Und „Blutrote Provence“ zeigt, das Wein doch dicker als Blut sein kann.

Scherz, 407 Seiten; 14,99 Euro


Markus Heitz

daumen rauf

Des Teufels Gebetbuch

Des Teufels Gebetbuch

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

 

 

Ein heitzsches Hollywood-Movie zum lesen und staunen! Ein Grusel-Thriller mit Wow-Effekt! Markus Heitz geizt nicht mit Schauwerten und lässt es an Action, Spannung und einer überraschenden Story nicht fehlen. „Des Teufels Gebetbuch“ – wahrlich ein teuflisches Buch, ein teuflisches gutes Buch!

Knaur, 671 Seiten; 16,99 Euro


Verschiedene Autorinnen

daumen rauf

Die Flügel meines schweren Herzens

Die Fluegel meines schweren Herzens

Vom überraschend freizügigen erotischen Vers aus dem 7. Jahrhundert bis zum zeitgenössischen Gedicht über Krieg, Flucht und Exil. Über fünfzig Autorinnen entwerfen eine weibliche Identität jenseits aller Tabus und Denkverbote und leisten einen poetischen Beitrag zur Debatte über den Islam. Der Blick auf die arabische Tradition ist bis heute von Stereotypen geprägt. Dieses Buch regt zu einer differenzierten Sichtweise an und präsentiert die arabische Literatur aus ungewohnter, nämlich spezifisch weiblicher Perspektive. Bereits in frühmuslimischer Zeit formulieren Frauen offen ihre Ansprüche an das Leben und scheuen dabei nicht die Provokation. Die Autorinnen – u.a. aus dem Irak, Syrien, dem Jemen, Marokko und Ägypten – lassen uns teilhaben an ihren Sehnsüchten und ihrer Trauer, malen die Härten des Beduinenlebens aus oder hinterfragen nachdrücklich ihre Rolle als Ehefrau, Geliebte und Mutter.

Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5 Jahrhundert bis heute – wenn man das auf dem Einband liest, weiß man noch nicht, was einen erwartet. Viel mehr, als man denkt, viel abwechslungsreicher, als man vermutet, viel offener, als man sich das heute vorstellt. Ein Beispiel: „… Heilung von der Liebe heißt Küssen und Umarmen / und das ein Bauch sich an den andern reibe, heißt Stoßen, dass die Augen übergehen, und Zerren an Haut und Haaren.“ Alle Gedichte sind auf Deutsch und in arabischer Sprache im Buch enthalten. Ein Buch, in das man sich immer wieder vertiefen wird.

Manesse, 192 Seiten; 19,95 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Nicholas Searle

Das alte Böse

Das alte Boese AudioRoy und Betty haben sich über ein Datingportal im Internet kennengelernt – recht ungewöhnlich für zwei Menschen über 80. Die beiden verstehen sich, bald ist Roy in Bettys schönem Haus auf dem Lande eingezogen. Doch Roy ist ein Krimineller, ist es sein ganzes Leben lang gewesen. Er hat mit siebzig gutgläubige Anleger betrogen, mit fünfzig im Rotlichtbezirk von Soho schmutzige Geschäfte betrieben, als junger Mann noch Schlimmeres getan – und auch der Greis folgt noch dem Trieb, anderen Menschen Böses anzutun. Wer ist dieser Roy? Sicher nicht der, der zu sein er vorgibt. Die Spur seiner Taten führt bis in die Kriegszeit. Nach Deutschland. Und die liebenswerte Betty ahnt nicht, dass jemand sie um ihr Vermögen bringen will.

„Das alte Böse“ – der Titel trifft es Punktgenau! Ein Thriller, der wahrlich überrascht. Wendungsreich, spannend und mit für einen Thriller außergewöhnlichem Personal. Die Story bietet viel, viel mehr als man zuvor vermutet. Das Ende bietet dann die ganz große Überraschung! In England war „Das alte Böse“ ein Bestseller. Bei dieser Story nicht verwunderlich. Wer könnte den knorrigen Roy bisher herüberbringen als Schauspiel- und Hörbuch-As und „Tatort“-Kommissar Dietmar Bär. Keiner. Deswegen liest auch er diesen bösen, bösen Thriller.

Das alte Boese



Auch als Hardcover erhältlich bei Kindler, 19,95 Euro.

Random House Audio, 6 CDs, 471 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 08.05.2017 - Nr. 455


Maja Lunde

daumen rauf

Die Geschichte der Bienen

Die Geschichte der Bienen Cover

England, 1852: Der Biologe und Samenhändler William sieht sich als Forscher gescheitert, das Geschäft liegt brach. Doch dann kommt er auf eine Idee, die alles verändern könnte – die Idee für einen völlig neuartigen Bienenstock. Ohio, USA, 2007: Der Imker George arbeitet hart für seinen Traum. Der Hof soll größer werden, sein Sohn Tom eines Tages übernehmen. Tom aber träumt vom Journalismus. Bis eines Tages das Unglaubliche geschieht: Die Bienen verschwinden. China, 2098: Die Arbeiterin Tao bestäubt von Hand Bäume, denn Bienen gibt es längst nicht mehr. Mehr als alles andere wünscht sie sich ein besseres Leben für ihren Sohn Wei-Wen. Doch dann steht plötzlich alles auf dem Spiel: das Leben ihres Kindes und die Zukunft der Menschheit.

Tosender Applaus für diesen Roman! Geniale Idee und bravouröse Umsetzung. Ein aktueller und fesselnder Roman, der der Gesellschaft auf subtile Weise den Spiegel vorhält. Was kann passieren, wenn man weiter so macht, wie bisher. Das alles in Bezug auf die Bienen gesehen und wie ungeheuer wichtig sie für unser Ökosystem sind. Sterben die Bienen so weiter wird auch die Menschheit irgendwann aufhören zu wachsen. „Die Geschichte der Bienen“ ist eine Geschichte über die Bienen, aber eben noch so viel mehr, es ist eine durch und durch menschliche Geschichte. Der Roman zeigt, wie es begann, dass die Menschen die Bienen „zähmen“ konnten, und wie sie nach dem 2. Weltkrieg immer weniger wurden und es dann fiktional 2007 zum großen Kollaps kam. 2098 ist dann alles anders. Hier muss per Hand alles bestäubt werden, weil es keine Bienen mehr gibt. Maja Lunde hält sich jeweils nicht zu lange bei einer der drei Erzählstränge auf, so dass nie Langeweile aufkommt, man die Seiten nur so wegliest, und schon wieder bei der nächsten Geschichte ist. 500 Seiten lange, fesselnde Lektüre!

Die Geschichte der Bienen Audio

Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Drei Zeitebenen verlangen auch drei Sprecher, diese sind: Bibiana Beglau Markus Fennert und Thomas M. Meinhardt. So dramatisch und abwechslungsreich das Buch ist, so ist auch das Hörbuch. 19,99 Euro.

btb, 512 Seiten; 20,00 Euro


Heinz Strunk

daumen runter

Jürgen

Heinz Strunk   JuergenJürgen Dose lebt in Harburg. Er hat es auch sonst nicht immer leicht gehabt im Leben; sein Job im Parkhaus verlangt ihm viel ab, und damit fängt es erst an. Trotzdem ist für Jürgen das Glas immer halbvoll, doch er ist ein ganz armer Willi, nur weiß er das nicht. Abgesehen von seiner bettlägerigen Mutter und Schwester Petra vom Pflegedienst, hat er nur regelmäßigen Kontakt zu seinem alten Freund Bernd Würmer, der im Rollstuhl sitzt und sich ununterbrochen mit ihm zankt. Beide müssen so einiges im Leben entbehren, am schmerzlichsten die Liebe einer Frau. Und da das ja kein Zustand ist, beschließen sie, was zu tun.



Kennt man einen Strunk, kennt man alle Strunks. Das trifft so ungefähr auch auf den neuen Roman von Bestsellerautor Heinz Strunk zu. „Jürgen“ hat wenig Innovatives, wenig Spannung, wenig Humor, wenig Erfrischendes, wenig einnehmendes Personal, wenig von allem also. Jürgen Dose und sein Leben geht einem als Leser aber bald auf die Nerven. Was die Sache mit dem Buch nicht besser macht. Die Idee zum Buch ist keinesfalls neu, aber trotzdem hätte man daraus ein sehr humorvolles Lesevergnügen machen können. Heinz Strunk ist das mit „Jürgen“ nicht gelungen.

Rowohlt, 253 Seiten; 19,95 Euro


Remy Eyssen

daumen rauf

Gefährlicher Lavendel

Gefaehrlicher Lavendel Frühling in Le Lavandou. Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter fühlt sich längst als echter Südfranzose und verbringt gemeinsam mit Isabelle Zeit auf seinem Weinberg. Doch die Idylle wird getrübt, als Leon zwei brutal zugerichtete Leichen obduzieren muss. Staatsanwaltschaft und Kommissarin haben schnell einen Verdächtigen zur Hand, doch Leon ist skeptisch und beginnt selbst zu ermitteln. Doch es dauert, bis er wirklich eine echte Spur hat, und die Polizei tappt immer noch im Dunkeln. Währenddessen muss er auch in seinem Privatleben noch eine Gefahr abwehren. Leon kommt dann aber einer jahrzehntealten Geschichte auf die Spur …

 

Nach „Tödlicher Lavendel“ und „Schwarzer Lavendel“ ist „Gefährlicher Lavendel“ wieder ein atmosphärischer und spannungsgeladener Provence-Krimi zum mit der Zunge schnalzen! Die einzelnen Charaktere haben sich schon nach dem ersten Roman bei einem festgebissen, aber Remy Eyssen hat sie mit jedem Roman spannend weiterentwickelt. So machen die Figuren alleine genauso viel Spannung aus wie die eigentlichen Fälle. Hauptsächlich natürlich Leon, aber auch seine Liebe und stellvertretende Polizeichefin Isabelle und deren kratzbürstige Tochter Lilou und der mürrische Polizeichef Zerna. Großartig. Remy Eyssen, bitte weiter so!

Ullstein, 493 Seiten; 9,99 Euro


Sebastian Fitzek

daumen rauf

Achtnacht

Achtnacht

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie. Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen. In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen. Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten - und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt. Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst. Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief. Und Ihr Name wurde gezogen!

 

Bestseller-Autor Sebastian Fitzek mal ganz anders! Er ist Fan von den Hollywood-Horror-Blockbustern „The Purge“. Er verweist ja auch darauf gleich auf der ersten Seite. „Achtnacht“ ist das deutsche „The Purge“! Sebastian Fitzek schreibt aber dann doch eine etwas andere Geschichte, die mit der Spannung der Filme nicht ganz mithalten kann. Trotzdem: Ein Thriller, der dem Leser vieles bietet und schockierend gut unterhält!

Knaur, 408 Seiten; 12,99 Euro


Jörg Maurer

daumen rauf

Im Grab schaust du nach oben

Im Grab schaust du nach oben

Böllerschüsse und Blaskapelle am Friedhof des idyllisch gelegenen Kurorts: Eine schöne Beerdigung, sagen alle, die danach ins Wirtshaus gehen. Nur schade, dass Kommissar Jennerwein gleich wieder weg musste, aber wegen dieses G7-Gipfels im Kurort sind alle Ordnungskräfte im Sondereinsatz. Dabei verliert gerade ein Mörder zwischen Polizeiabsperrungen und Anti-Gipfel-Demonstranten sein Opfer aus den Augen, ein schicksalhafter Schuss fällt, und das Bestatterehepaar a. D. Grasegger findet Verdächtiges auf dem Friedhof. Bei seinen Ermittlungen entdeckt Kommissar Jennerwein, dass nichts von Dauer ist – nicht einmal die Totenruhe…


Jörg Maurer bleibt seiner Linie treu – in den Bergen brennt der Alpenkrimi ein wahres Feuerwerk ab! Alleine der Titel sorgt schon für den ersten Lacher: „Im Grab schaust du nach oben“. Und im Buch setzt sich das leise Schmunzeln immerzu fort. Jörg Maurer hat um den negativen Hype des G7-Gipfels auf Schloss Elmau einen spannenden Krimi geschrieben, der der Jennerwein-Reihe ein neues Highlight hinzufügt.

Scherz, 409 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Lucas Grimm

Nach dem Schmerz

Nach dem Schmerz AudioHannah Gold, gefeierte Cellistin, wurde vor 25 Jahren gefoltert und kann seither keinen Schmerz mehr empfinden. Die damals Siebenjährige wurde vor den Augen ihres Vaters, einem Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR gequält, um geheime Informationen aus ihm herauszupressen. Er schwieg - aber schwieg er mit Absicht, um den Preis ihres Lebens? Hannah hat ihren Vater nie wieder gesehen, bis er eines Abends plötzlich in einem ihrer Konzerte sitzt. Von da an wird sie in einen Strudel aus alten und neuen Machenschaften hineingezogen. Wird verfolgt, angegriffen, gejagt. Es gibt keinen sicheren Ort mehr für sie. Sie muss hinter das Geheimnis ihres Vaters kommen.

Ein spannungsgeladener Politthriller mit starken Figuren und einer Story, die es in sich hat! Die Story ist weit ab vom normalen Thriller-Mainstream und auch die Heldin Hannah Gold ist außergewöhnlich. Bei „Nach dem Schmerz“ wird es einem nie langweilig. Das liegt einerseits daran, dass es bei der Story Schlag auf Schlag geht und anderseits an dem sehr gut aufgelegten Sprecher. Uve Teschner liest sehr lebendig und zeigt hier sein volles Können. Er kann problemlos einzelnen Charakteren eine andere Stimme verleihen.

Nach dem Schmerz Cover

 


Auch als Paperpack erhältlich bei Piper, 16,99 Euro.

Osterwold Audio, 2 MP3 CDs, 517 Minuten; 19,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 01.05.2017 - Nr. 454


Karine Tuil

daumen rauf

Die Zeit der Ruhelosen

Die Zeit der Ruhelosen

Der Aufstieg des brillanten Managers François Vély scheint unaufhaltsam. Bis seine Exfrau sich aus dem Fenster stürzt, als sie erfährt, dass er wieder heiraten will. Der Tragödie folgt die Entdeckung, dass seine neue Lebensgefährtin in eine Affäre mit einem Offizier verstrickt ist, der völlig traumatisiert aus Afghanistan heimkehrt. Außerdem wird Vély ein Mediencoup zum Verhängnis, man bezichtigt ihn des Rassismus und Sexismus. Als er persönlich und beruflich am Ende ist, ergreift ausgerechnet der Politiker Osman Diboula Partei für ihn – dabei ist Diboula bekannt als Wortführer gegen eine weiße gesellschaftliche Elite. Wenige Wochen später kommt es im Irak zu einer Begegnung aller Beteiligten, die für Vély fatale Konsequenzen hat.

„Die Zeit der Ruhelosen“ war nominiert für den Prix Goncourt und stand wochenlang auf der französischen Bestsellerliste. Ein Gesellschaftsroman, der am Puls der Zeit ist, und der im Stile eines klassischen, perfekt komponierten Musikstücks geschrieben ist. Was macht die Gesellschaft aus einem, was der Krieg, die Politik, die Arbeit, der Partner, die Freunde. Von all dem werden wir geprägt und macht uns zu Menschen, die wir vielleicht gar nicht sein wollen. Das und noch viel mehr geht Karin Tuil in diesem Roman auf den Grund. Es geht um Macht, Gier, Hass, Liebe, Leidenschaft, und den Wirrungen des Lebens ausgeliefert zu sein. Der Roman bildet das heutige Frankreich mit seinen vielen Strömungen und Problemen sehr gut ab. Karin Tuil ist mit „Die Zeit der Ruhelosen“ ein großer Wurf gelungen! Ruhelos werden auch Sie beim lesen sein, denn man kann Tuils stilvoller Sprache nicht entkommen.

Ullstein, 507 Seiten; 24,00 Euro


Roman Maria Koidl

daumen runter

Der letzte Scheißkerl

Der letzte ScheißkerlEs ist das perfekte Paar: die Angst und die Liebe. Doch warum macht uns eigentlich kaum etwas so viel Angst wie die Liebe? Mehr noch: Was haben Ängste damit zu tun, dass uns Menschen immer wieder magisch anziehen, mit denen wir dann doch keine langfristige Beziehung führen können? Der Autor hat sich mit mehr als viertausend Frauen darüber ausgetauscht und wiederkehrende Beziehungsmuster erkannt. Hier erklärt er, warum Mutter-Theresa-Frauen gern den Privatpatienten suchen oder sich unbezahlte Teilzeit-Erzieherinnen irgendwann erschöpft von ihren Kindkerlen trennen. Ist es doch ein Irrglaube zu meinen, man könnte sich den eigenen Partner passend machen oder ihn gar verändern.

Das zwiespältige Männerbetrachtungsbuch „Scheißkerle“ war vor Jahren ein Bestseller, nun legt Roman Maria Koidl mit „Der letzte Scheißkerl“ nach. Dieses Buch ist anders, der Autor geht auch auf das Miteinander ein, die Frau, die Männer, die Beziehung, und wie man rauskommt aus der Dauerschleife, die einen bindet und gleichzeitig entfernt. Dieses Buch bietet für zahlreiche Leserinnen sicher den einen oder andere Aha-Moment. Die vier charakterisierten Männertypen, die im Buch dargestellt werden, sind doch sehr pauschal und überspitzt dargestellt. Was dem Buch positiv zur Seite steht, sind die Ehrlichkeit und die echten Geschichten, aber irgendwie hat man das alles schon mal gelesen, in leicht veränderter Form, daher bietet „Der letzte Scheißkerl“ nicht recht viel Neues. Eine Lektüre, die einen manchmal schmunzeln, dann wieder nachdenken lässt, die man schnell herunterliest, aber am Ende kaum mehr etwas weiß, was man am Anfang gelesen hat.

Ullstein, 238 Seiten; 16,99 Euro


Cilla & Rolf Börjlind

daumen rauf

Schlaflied

Schlaflied Am Stockholmer Hauptbahnhof herrscht Chaos. Ein Mädchen im Strom der Asylsuchenden schlägt sich ganz alleine durch – bis sie auf die Obdachlose Muriel trifft, die sich ihrer annimmt. Gemeinsam suchen sie Zuflucht in einer einsamen Hütte auf dem Land. Aber ist es in den Wäldern Smalands wirklich sicherer als auf den Straßen von Stockholm? Zur selben Zeit versucht der frühere Kriminalkommissar – und frühere Obdachlose – Tom Stilton seinen Polizeikollegen zu beweisen, dass er wieder ganz auf der Höhe ist. Er soll dabei helfen, den grausamen Tod eines Jungen aufzuklären, der vergraben im Wald gefunden wurde. Wenig später bittet ihn Muriel um Hilfe, weil sie ihren Schützling in Gefahr glaubt. Haben die Fälle etwa miteinander zu tun? Tom Stilton und Olivia Rönning kommen der Wahrheit nur langsam auf die Spur ...

Ein beängstigend aktueller Kriminalroman, der einen von der ersten Seite an packt! Das Autorenduo Börjlind erzählt in zahlreichen Erzählsträngen, mal kürzer, mal länger, und diese werden nach und nach zusammengeführt. Dieser kluge Aufbau lässt die Geschichte nie langweilig werden. „Schlaflied“ beschreibt das Leben der Flüchtlingskinder, was sie erlebt haben, was sie fühlen, und was manchen dann im gesegneten Europa passiert. Diese dunkle Seite, wenn es sie denn wirklich gibt, ist schrecklich. Aber wo Unschuldige, teils namenlose Kinder, ausgenutzt und getötet werden können, läuft etwas ganz falsch in den Köpfen der Menschen.

btb, 576 Seiten; 15,00 Euro


Natascha Wodin

daumen rauf

Sie kam aus Mariupol

Sie kam aus Mariupol

Natascha Wodin geht in diesem Buch dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt von der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, tritt wie durch ein spätes Wunder aus der Anonymität heraus, bekommt ein Gesicht, das unvergesslich ist. „Meine arme, kleine, verrückt gewordene Mutter“, kann Natascha Wodin nun zärtlich sagen.

 

Eine Geschichte, die man so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt! Stark erzählt, dramatisch, bedrückend, beeindruckend. Natascha Wodin verarbeitet mit diesem Buch eine dunkle Vergangenheit, der Leser verarbeitet mit. „Sie kam aus Mariupol“ wurde im März 2017 mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet.

Rowohlt, 358 Seiten; 19,95 Euro


Dirk Gieselmann / Armin Smailovic

daumen rauf

Atlas der Angst

Atlas der Angst

WIR SIND IM KRIEG. So steht es eines sonnigen Tages in der Zeitung. Und die Menschen haben Angst, sie bewaffnen sich und legen Vorräte an. Doch wie kann das sein, in einem Land, das so sicher ist und so reich? Der Fotograf Armin Smailovic und der Autor Dirk Gieselmann haben sich auf die Suche nach dem Albtraum begeben, der Wirklichkeit zu werden droht, nach dem Krieg in den Köpfen - der German Angst. Eine Reise durch das Krisengebiet Deutschland, von Bautzen bis nach Duisburg-Marxloh, von Sylt bis auf die Zugspitze. 100 Orte, 100 Fotos, 100 Texte.

Die Bilder im Buch verstören und begeistern zugleich. Nicht weniger als die Texte, die zeigen, was in den Köpfen der Menschen vorzugehen scheint. Das sichere Deutschland verwandelt sich von Norden nach Süden in ein Land der Angst und des Hasses. Nicht überall gleich dramatisch, aber man denkt sehr über die Texte nach, die im „Atlas der Angst“ stehen.

Eichborn, 213 Seiten; 24,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Ada Dorian

Betrunkene Bäume

Betrunkene Bäume AudioErich ist über achtzig und verliert Stück für Stück seine Unabhängigkeit. Außerdem trauert er um die Liebe seines Lebens. Als junger Forscher hatte Erich eine Expedition in die Taiga unternommen. In jener Zeit hat er Schuld auf sich geladen, die bis heute nachwirkt und Erich vereinsamen lässt. Dann jedoch tritt Katharina in sein Leben. Sie ist von zu Hause ausgerissen, als ihr Vater die Familie verlassen hat.

„Betrunkene Bäume“ zeigt wie schwankend das Leben sein kann. Geradlinig ist gar nichts. Der Roman lebt von seinen starken Figuren Erich und Katharina, von denen Ada Dorian tief in ihre Psyche vordringt. Vor allem an Erich zeigt er, dass nichts schön daran ist, wenn man alt wird. Ada Dorians hat einen ausschmückenden Stil, was der Geschichte gut zu Gesicht steht. Der junge Schauspieler Adam Nümm verleiht dem Text mit seiner Stimme viel Melancholie und Bodenhaftung. Die Lesung wirkt manchmal etwas trocken, aber das passt auch irgendwie zu den Figuren von „Betrunkene Bäume“.

Betrunkene Bäume Cover

 


Auch als Hardcover erhältlich bei Ullstein, 18,00 Euro.

Hörbuch Hamburg, 6 CDs, 406 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 24.04.2017 - Nr. 453


Cory Taylor

daumen rauf

Sterben – Eine Erfahrung

Sterben Eine Erfahrung

2015 erfährt die australische Schriftstellerin Cory Taylor, dass sie nicht mehr lange zu leben hat. In nur wenigen Wochen verfasste sie dieses Buch, das kurz vor ihrem Tod 2016 erschien. Auf bemerkenswerte Weise reflektiert sie über den Sinn der Zeit, die ihr noch bleibt. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Erfahrung, was das Sterben sie gelehrt hat. Der universellen Frage über ein Leben nach dem Tod begegnet sie als nichtreligiöser Mensch in einer sie selbst überraschenden spirituellen Form. Sie erfasst die transformative Kraft des Prozesses, in dem sie sich befindet, und es gelingt ihr, sich diesem kreativ und ehrlich zu stellen. Cory Taylor hat uns allen mit diesem Buch etwas wertvolles geschenkt. Klug, schlicht und zutiefst weise sind ihre Gedanken über das Sterben, die zugleich eine Hymne an das Leben sind.

Von der ersten Seite an leidet man mit, ist traurig, gerührt, und trotzdem kämpferisch, auch wenn man weiß, dass der Kampf verloren gehen wird. Die Australierin Cory Taylor lässt einem an einem Tabuthema, wie Taylor feststellen muss, teilhaben, dem Sterben. Was denkt man, was fühlt man, was tut man, was sind die Wünsche, wenn man weiß, dass man bald sterben wird. „Sterben“ ist auch ein reinigendes Buch. Beim Lesen bekommt das unweigerliche immer mehr ein Gesicht und man denkt immer mehr darüber nach, dass es einem auch selbst so ergehen wird. Das kann reinigende Kräfte entwickeln. Lebe, so lange du kannst, und nimm jeden Tag als großes Geschenk an. Nichts ist selbstverständlich.

Allegria, 172 Seiten; 18,00 Euro


Neil Gaiman

daumen runter

Nordische Mythen und Sagen

Nordische Mythen und SagenNeil Gaiman nimmt uns mit auf eine Reise nach Asgard, erzählt die nordische Mythologie neu. Wir treffen den mächtigen Odin, reisen mit Thor und seinem Hammer durch die neun nordischen Welten, erleben die Liebenswürdigkeit und die Grausamkeit der Götter, wir fürchten die Ragnarök, die letzten Tage. Doch sind es wirklich die letzten? Neil Gaiman erzählt aus einer lange vergangenen Zeit, aus einer weit entfernten Welt.

Man nehme einen Bestsellerautor, dessen Name auf dem Buchcover automatisch Bücher verkauft, ein Thema, das zwar interessant ist, aber keinesfalls eine durchgehend spannende Lektüre hergibt, ein Thema, das es ohne Neil Gaiman auf dem Cover niemals zu einem Hardcover gebracht hätte, sondern nur zu einem schmalen Taschenbuch. Und dieses schmale Taschenbuch hätte sich dann vielleicht ein paar hundert Mal verlauft. Doch nun gibt es Neil Gaiman und dieses Hardcover, und das bedeutete viele verkaufte Stückzahlen. Plagt den großartigen Bestsellerautor eine Ideenblockade, da er so ein Werk auf den Markt bringen muss? Einen Gefallen hat er sich damit nicht getan. Das Buch hätte auch jeder gute Sachbuchautor schreiben können, das Talent eines Neil Gaiman ist hier total verschwendet.

Eichborn, 253 Seiten; 22,00 Euro


Stefanie Giesselbach

daumen rauf

Meine abgeschminkten Jahre

Meine abgeschminkten Jahre Die junge Hamburger Geschäftsfrau Stefanie Giesselbach ist keine 30, als sie in Chicago verhaftet wird. Nach und nach begreift sie, dass sie für die dubiosen Zollgeschäfte ihres Arbeitgebers büßen soll. Sie verliert ihren Job, ihr Einkommen und nach und nach auch ihren Partner. Sie durchlebt vier Jahre Zwangsaufenthalt in den USA, schließlich muss sie für zehn Monate ins Gefängnis. Im Frauenknast erlebt sie Denunziation, Gewalt und Drogengeschäfte – aber auch Fürsorge und Zusammenhalt. Sie trainiert Hunde für Behinderte und eröffnet ihre eigene Eisdiele. Als sie endlich nach Hamburg zurückkehrt, hat sie fünfeinhalb Jahre verloren – aber eine Stärke gewonnen.

Das ganze Buch über begleitet einen ein beklemmendes Gefühl. Unweigerlich denkt man daran, was, wenn man selbst unschuldig in den Strudel der US-Justiz kommen würde? Dabei absolut ohnmächtig ist und nur alles über sich ergehen lassen muss. Und dabei hat Stefanie Giesselbach keine Drogen, Waffen oder illegale Substanzen verkauft, sondern einfach nur Honig im Auftrag ihres Chefs. Doch das reichte, damit ihr die US-Justiz so viel Lebenszeit hat stehlen können. Das ganze liest sich wie ein Hollywood-Film. Ein schrecklich realer Film für Stefanie Giesselbach. Spannend aufgebaut, abwechslungsreich erzählt. Man bekommt einen Einblick in das US-Justizsystem und über das, was in einem Frauengefängnis täglich so passiert.

Piper, 352 Seiten; 15,00 Euro


Ian Rankin

daumen rauf

Ein kalter Ort zum Sterben

Ein kalter Ort zum sterben

Bei einem romantischen Dinner im Caledonian Hotel erinnert sich Rebus an einen Mord, der fast vierzig Jahre zuvor dort stattgefunden hat: Eine junge lebenslustige Bankiersgattin wollte in dem Luxushotel einen Liebhaber empfangen – am nächsten Morgen wurde sie tot aufgefunden. Die Verdächtigen kamen aus den besten Kreisen, der Täter wurde nie gefasst. Ein Skandal, der Rebus nicht loslässt. Während er sich in den alten Akten vergräbt, gerät das kriminelle Machtgefüge in Edinburgh gefährlich ins Wanken: Darryl Christie, einer der Hauptakteure, wird überfallen und halb totgeschlagen. Zieht Ex-Gangsterboss Big Cafferty im Hintergrund die Fäden? Die erste Leiche im tödlichen Revierkampf von Schottlands Unterwelt lässt nicht lange auf sich warten.

Zum Glück für die Krimiliteratur kann Ian Rankin seinen Kultermittler John Rebus nicht ruhen lassen! Und genauso vorzüglich ist die Weiterentwicklung der zahlreichen anderen Figuren, die in jedem Buch wieder auftauchen. „Ein kalter Ort zum Sterben“ vereint wieder alles, was einen guten Rankin ausmacht. Reichlich Spannung, Gesellschaftliche Ausleuchtung, starkes Personal – ein Rankin durch und durch.

Goldmann, 475 Seiten; 20,00 Euro


Prof. Dr. Elizabeth Blackburn / Prof. Dr. Elissa Epel

daumen rauf

Die Entschlüsselung des Alterns

Die Entschlüsselung des Alterns

Telomere sind die Schutzkappen unserer Chromosomen und damit direkt mit der Zellalterung sowie dem Entstehen vieler Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzkreislaufbeschwerden verbunden. Nobelpreisträgerin Dr. Elizabeth Blackburn und ihre Kollegin Dr. Elissa Epel haben in jahrelanger Forschung herausgefunden, woraus unsere Telomere bestehen und wie wir sie erhalten können. Wissenschaftlich fundiert und praktisch erklärt: In diesem Buch finden Sie die Anleitung für einen vitalen Körper.

Lernen Sie den Telomer-Effekt kennen und genießen Sie ein gesundes und langes Leben! Ganz so einfach ist es natürlich auch nicht, man muss schon etwas tun, und sein Leben anpassen, aber wenn man das tut, hat man gute Chancen gesünder zu leben als die, die sorglos mit ihren Zellen umgehen. Dazu gehören ausreichend Sport, gesunde Ernährung, geistige Fitness, ein gesunder Schlaf, emotionales Gleichgewicht. „Die Entschlüsselung des Alterns“ ist wie eine Bibel für Ihre Gesundheit! Wenn Sie es einmal haben, geben Sie es nicht mehr her.

Mosaik, 463 Seiten; 24,00 Euro


Hörbuch der Woche

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David Foenkinos

Das geheime Leben des Monsieur Pick

Das geheime Leben des Monsieur Pick AudioIm bretonischen Finistère gibt es eine ganz besondere Bibliothek. Sie sammelt Manuskripte, die nie erscheinen durften. Eines Tages entdeckt dort eine junge Pariser Lektorin ein Meisterwerk, und der Roman wird zum Bestseller. Der Autor, Henri Pick, war der Pizzabäcker des Ortes. Seine Witwe beteuert, er habe zeit seines Lebens kein einziges Buch gelesen und nie etwas anderes zu Papier gebracht als die Einkaufslisten – ob er ein geheimes Zweitleben führte? Diese verrückte Geschichte spornt viele Menschen an, selbst Neues zu wagen: Paare trennen sich, Liebende finden unerwartet zueinander, und so manche Gewissheit wird auf den Kopf gestellt.

Eine ganz wunderbare Geschichte über das Leben, das Schreiben, das Wunder von Büchern, und die nicht kleineren Wundern in der Liebe und der Ehe. „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ ist ein herzerwärmender literarischer Schatz. Heben Sie ihn für sich und tauchen Sie ein. Der französische Bestsellerautor David Foenkinos beweist mit diesem Roman, dass er auch Komödie kann. Hervorragend charmant und eingängig gelesen von Axel Milberg, einem der besten „Tatort“-Kommissare.

Das geheime Leben des Monsieur Pick

Auch als Hardcover erhältlich bei DVA, 19,99 Euro.

Der Hörverlag, 6 CDs, 434 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 17.04.2017 - Nr. 452


Luo Guanzhong

daumen rauf

Die Drei Reiche Band 1 und Band 2

Luo Guanzhong Die drei reiche Band12

„Die Drei Reiche“ erzählt von der heroischen Epoche Chinas im 2. und 3. Jahrhundert. Das Reich war zerfallen, der Kaiser hilflos. Alle Macht gehörte Generälen, Eunuchen, intriganten Witwen, genialen Strategen und todesmutigen Helden. Erst hundert Jahre später, nach zahllosen Schlachten und Feldzügen von der Mongolei bis nach Vietnam, war das große Reich wieder geeint. Nie zuvor gab es eine vollständige Übersetzung der „Drei Reiche“ ins Deutsche. Eva Schestag schließt endlich diese große Lücke in unserer Kenntnis über das Reich der Mitte – mit einer lebendigen und spannenden Übersetzung in einer umfassend annotierten Ausgabe.

DAS Meisterwerk der chinesischen Literaturgeschichte! Will man Chinas Kultur verstehen, muss man diese beiden Bücher lesen. Der Autor des legendären Werks Luo Guanzhong lebte wohl im 14. Jahrhundert, am Ende der Yuan-Dynastie. Wenn man die Bücher gelesen hat, versteht man, warum auch im heutigen China Monumentalfilme, Fernsehserien und Videospiele den Stoff immer wieder aufgreifen. „Die Drei Reiche“ enthält so viel, man weiß gar nicht, was man alles darüber schreiben soll. Die Geschichte könnte auch im Westen als Vorbild für viele historische Romane und mystische Fantasysagen dienen. Das einzige, was für den westlichen Leser etwas schwer ist, sind die vielen chinesischen Namen. Da muss man mit sich selbst Geduld haben, nach und nach bekommt man ein Gespür dafür. „Die Drei Reiche“ = Sensationell! Sagenhaft! Superklasse!

S. Fischer, 1.740 Seiten; 99,00 Euro


Louisa Thomsen Brits

daumen runter

Hygge

Hygge Louisa Thomsen BritsDie Dänen sind das glücklichste Volk der Erde – laut Weltglücksbericht der Vereinten Nationen. Ihr Glücksrezept heißt „Hygge“. Dahinter verbirgt sich die gemütliche Art zu leben: sich genug Zeit zu lassen für die wichtigen Dinge, das Leben nicht so schwer zu nehmen, gesellig zu sein und lustvoll zu genießen. Dieses Buch erklärt, wie das den Dänen seit Jahrhunderten gelingt und wie auch wir mit „Hygge“ ein wenig glücklicher werden.

Wenn das Hygge-Buch von Louisa Thomsen Brits das einzige auf dem Markt wäre, würde ich sagen, sofort zugreifen und sich an dem Lebensgefühl Hygge mit diesem Buch erfreuen. Doch dieses Buch ist zu diesem Thema nicht das einzige. Das weiter unten besprochene von Meik Wiking bringt Hygge und alles was es ist, viel besser, schöner und bunter rüber. In dem Buch von Meik Wiking wird das Lebensgefühl schnell vermittelt. Das Buch ist zudem fast doppelt so groß wie dieses hier von Mosaik und kostet im Vergleich dann nur € 20. Das Buch von Louisa Thomsen Brits wirkt gegen das von Meik Wiking trist und karg, und die enthaltenen Fotos vermitteln Hygge jetzt auch nicht wirklich gut. Sie wirken eher wie Bilder auf einer Trauerkarte.

Mosaik, 192 Seiten; 16,00 Euro


Shari Lapena

daumen rauf

The Couple Next Door

The Couple Next Door Deine Nachbarin möchte nicht, dass du dein Baby zur Dinnerparty mitbringst. Dein Ehemann sagt, das sei schon in Ordnung. Ihr wohnt ja gleich nebenan. Außerdem habt ihr ein Babyfon und könnt abwechselnd nach der Kleinen sehen. Deine Tochter schläft, als du das letzte Mal nach ihr siehst. Doch jetzt herrscht Totenstille im Haus. Du rennst ins Kinderzimmer - und dein schlimmster Alptraum wird wahr: Die Wiege ist leer. Es bleibt nur eins: die Polizei zu rufen - doch wer weiß, was sie finden wird ...

„The Couple Next Door“ war in den USA und England ein Megabestseller. Dieser Thriller hat diesen großen Erfolg verdient. Das Thema, ein Kind wird entführt, ist nun wahrlich nicht neu, aber was Shari Lapena daraus macht, hat das gewisse Etwas und hebt sich von ähnlichen Storys sehr ab. In „The Couple Next Door“ wimmelt es geradezu vor Überraschungen. Jeder Charakter hat etwas zu verbergen. Die Schlinge zieht sich von Seite zu Seite mehr zu – für den Leser, denn er weiß nicht mehr, was Wahrheit und was Lüge ist. Shari Lapenas Stil ist begnadet gut! Kurz und knackig, wie einst ein James Patterson zu seinen besten Zeiten.

The Couple Next Door Audio
Auch als Hörbuch erhältlich bei Lübbe Audio. Frederike Kemper liest begnadet gut – passend zu Lapenas Stil. 19,99 Euro.

Lübbe, 349 Seiten; 15,00 Euro


Werner Biermann

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Konrad Adenauer

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer hat die Bundesrepublik Deutschland geprägt wie kaum ein Zweiter. Er setzte die soziale Marktwirtschaft durch, söhnte Deutschland mit Frankreich aus und verankerte den Bonner Staat im Westen. Dieses Buch zeichnet Adenauers dramatischen Lebensweg nach: den politischen Aufstieg im Kaiserreich, die steile Karriere als Kölner Oberbürgermeister und prominenter Reichspolitiker in der Weimarer Republik und nicht zuletzt den jähen Absturz während des „Dritten Reiches“ – der ihn beinahe das Leben gekostet hätte, als er 1944 verhaftet wurde. Dabei wird eines klar: Ohne sein in der Literatur bisher vernachlässigtes Vorleben ist der legendäre Kanzler nicht zu begreifen.

Ein informatives Lexikon der Weltfinanzen! Wem gehört was vom Weltkuchen der Finanzen? Dieses Buch klärt darüber ausführlich auf. Hans-Jürgen Jakobs. Ex-Chefredakteur des „Handelsblatts“, ist mit „Wem gehört die Welt?“ ein umfassender Blick in die Welt der Hochfinanzen gelungen. Es zeigt leider auch auf dramatische Weise auf, dass wenige viel haben, und viel wenig haben. Die, die viel haben, haben Verantwortung für die, die wenig bis nichts haben. Einige Reiche der Welt schenken ihr Vermögen zu großen Teilen her, um damit andere zu unterstützen. Leider sind es immer noch viel zu wenige.

Rowohlt Berlin, 613 Seiten; 29,95 Euro


Meik Wiking

daumen rauf

Hygge

Hygge Meik Wiking

Hygge ist ein dänisches Wort mit vielen Bedeutungen, von „Kunst der Innigkeit“ über „Gemütlichkeit der Seele“ und „Abwesenheit jeglicher Störfaktoren“ bis hin zu „Freude an der Gegenwart beruhigender Dinge“, „gemütliches Beisammensein“ oder gar „Kakao bei Kerzenschein“. Hygge ist warmes Licht und ein kuscheliges Sofa, Picknicken im Sommer und Glögg trinken im Winter. Und Hygge ist eine Haltung, die man lernen kann!

Hygge ist ein Heilmittel für die Seele! Setzt man Hygge in seinem Leben um, führt man ein ausgeglichenes Leben, bleibt erdverbunden, freut sich über die kleinen Dinge im Leben, die definitiv nichts mit Geld und Macht zu tun haben. Ja, Hygge ist ein Lebensgefühl, das einfach glücklich macht. Hygge ist Atmosphäre, Gegenwart, Vergnügen, Gleichheit, Dankbarkeit, Harmonie, Bequemlichkeit, Frieden, Zusammensein und Schutz. Würden alle Menschen Hygge ausleben, die Welt wäre ein Paradies. Dieses Buch ist ein Schatz, halten Sie es ganz fest und geben Sie es nicht wieder her!

Lübbe, 288 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Claire Fuller

Eine englische Ehe

Eine englische Ehe AudioIngrid wollte ein selbstbestimmtes Leben führen, Reisen, vielleicht eine Karriere als Schriftstellerin machen. Doch als sie sich in ihren Literaturprofessor Gil Coleman verliebt und von ihm schwanger wird, wirft sie für ihn all dies über Bord. Gil liebt seine junge Frau, und dennoch betrügt er sie, lässt sie viel zu oft mit den Kindern in dem kleinen Ort an der englischen Küste allein. In ihren schlaflosen Nächten beginnt sie, Gil heimlich Briefe zu schreiben. Statt ihm ihre innersten Gedanken anzuvertrauen, steckt sie ihre Briefe in die Bücher seiner Bibliothek und verschwindet schließlich auf rätselhafte Weise. Zwölf Jahre später glaubt Gil, seine Frau wieder gesehen zu haben - und ihre gemeinsame Tochter Flora, hin und her gerissen zwischen Hoffnung und Verzweiflung, beginnt nach Antworten zu suchen …

„Eine englische Ehe“ zeigt eine wahrhaftige Ehe und lässt alle Auf-Wolke-Sieben-schweben-Aspekte weg. Natürlich kochte auch zwischen Ingrid und Gil das Liebesfeuer zu Anfang ganz heiß, aber zu unterschiedlich ist die Auffassung von Ehe und Liebe zwischen den beiden. Die Engländerin Claire Fuller geht mit viel Gefühl auf die Gefühlswelten von vor allem Ingrid ein. Sie zeigt eine Frau zwischen Liebe, Anerkennung und Abneigung. Und dazu beschäftig natürlich die Frage: Was ist mit Ingrid geschehen? „Eine englische Ehe“ – der etwas andere Ehe-Roman. Gelesen von dem bekannten Schauspieler Heikko Deutschmann und der vielseitig begabten Leslie Malton. Die beiden geben den Hauptfiguren eine starke Stimme!

Eine englische Ehe

 

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Piper, 22,00 Euro.

Osterwold Audio, 8 CDs, 596 Minuten; 19,99 Euro


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Kolumne vom 10.04.2017 - Nr. 451


Carlos Ruiz Zafón

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Das Labyrinth der Lichter

Das Labyrinth der Lichter

Spanien in den bleiernen Tagen des Franco-Regimes: Ein Auftrag der Politischen Polizei führt die eigenwillige Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Sie soll das plötzliche Verschwinden des Ministers Mauricio Valls aufklären, dessen dunkle Vergangenheit als Direktor des Gefängnisses von Montjuïc ihn nun einzuholen scheint. In seinem Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie „Das Labyrinth der Lichter“, das Alicia an ihr eigenes Schicksal erinnert. Es führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne, tief in Barcelonas Herz. Der Zauber dieses Ortes schlägt sie in seinen Bann, und wie durch einen Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia dort findet, bringen nicht nur ihr Leben in allerhöchste Gefahr, sondern auch das der Menschen, die sie am meisten liebt.

Spaniens Kultautor führt seine Weltbestseller „Der Schatten des Windes“, „Das Spiel des Engels“ und „Der Gefangene des Himmels“ mit „Das Labyrinth der Lichter“ einem durchschlagenden Ende zu. Carlos Riuz Zafón zu lesen ist wie ein edles Gemälde zu betrachten. Man kann sich für lange Zeit darin verlieren. „Das Labyrinth der Lichter“ ist eine Geschichte, die so leuchtend hell ist wie Vollmond in der Dunkelheit. Magisch, faszinierend, spannend, dramatisch, bunt, überwältigend. Die Figuren wachsen einem ans Herz. Man lässt sie ungern gehen. Wer große Geschichten mit einer schönen Sprache liebt, der wird auch die knapp 1.000 Seiten von „Das Labyrinth der Lichter“ lieben. Für alle Neueinsteiger: die vier Bücher können unhängig voneinander gelesen werden.

S. Fischer, 944 Seiten; 25,00 Euro


Martin Walser

daumen runter

Statt etwas oder Der letzte Rank

Statt etwas oder Der letzte Rank„Mit der Unwahrheit ein Glückskunstwerk zu schaffen, das ist die menschliche Fähigkeit überhaupt.“ Wer sagt das? Seine Frau nennt ihn mal Memle, mal Otto, mal Bert, er versucht zu erkennen, wie aus Erfahrungen Gedanken werden. Den Widerstreit von Interessen hat er hinter sich gelassen, Gegner und Feinde auch, sein Wesenswunsch ist, sich herauszuhalten, zu schweigen, zu verstummen. Am liebsten starrt er auf eine leere, musterlose Wand, sie bringt die Unruhe in seinem Kopf zur Ruhe. „Mir geht es ein bisschen zu gut“, sagt er sich dann, "zu träumen genügt“. So wird das Buch angepriesen. Mit dem Zusatz: Ein Musikstück aus Worten, das dem Leser größtmögliche Freiheit bietet, weil es von Freiheit getragen ist: der Freiheit des Denkens, des Schreibens, des Lebens. In anderen Worten: absolut zusammenhanglos.

Und er schreibt und schreibt und schreibt, und hat schon lange vergessen, dass er nur noch für sich selbst schreibt, aber nicht mehr, um den Leser zu unterhalten. Genau das trifft auf die letzten und vor allem auch auf dieses Werk von Bestsellerautor Martin Walser zu. Natürlich muss man den Hut ziehen, vor dem Altmeister (Jahrgang 1927) der deutschen Literatur, dass er immer noch Geschichten zu Papier bringt. Aber man sollte die Bücher bitte nicht mehr veröffentlichen. Das Cover des Buches ist absolut treffend. Dort ist nur ein Rahmen zu sehen, ohne Bild. Genau das ist das Buch, nur noch ein Rahmen, aber ohne wirklich tragende Geschichte, an der man hängen bleibt.

Rowohlt, 171 Seiten; 16,95 Euro


Daniel Cole

daumen rauf

Ragdoll – Dein letzter Tag

Ragdoll Dein letzter Tag Buch Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Dann wird Wolf zu einem grausigen Tatort gerufen. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Flickenpuppe, einer „Ragdoll“. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau, eine Fernsehjournalistin, eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes ...

„Ragdoll“ – ein Thriller-Highlight mit ganz starken Figuren! Man bekommt schnell Zugang zu den Figuren, weil sie von Daniel Cole allesamt spannend beschrieben werden. Und ausbaufähig. Man ist gierig, noch viel mehr von ihnen zu erfahren. So wird der eigentliche Fall zuerst in die zweite Reihe verbannt, der dann aber immer mehr an Gewicht bekommt, und auch hier zeigt der Engländer Daniel Cole, dass er versteht, wie man einen guten Thriller schreibt. Als Leser rätselt man unweigerlich mit und fragt sich, wie kann das möglich sein, was steckt hinter allem. Eine Story, die wie ein Tornado über einen hinwegfegt! So schnell wie möglich will man den nächsten Teil der Reihe lesen!

Ragdoll Dein letzter Tag Audio
Auch als Hörbuch erhältlich bei Hörbuch Hamburg. „Tatort“-Kommissar Wolfram Koch bringt den klass Thriller mit starkem Ausdruck rüber. 19,99 Euro.

Ullstein, 476 Seiten; 14,99 Euro


Dieter Borchmeyer

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Was ist deutsch?

Was ist Deutsch

Die Frage „Was ist deutsch?“ ist ihrerseits typisch deutsch – keine andere Nation hat so sehr um die eigene Identität gerungen und tut es bis heute. Wie vielfältig und faszinierend die Antworten auf diese Frage im Lauf der Jahrhunderte ausfielen, das zeigt dieses Buch: Von Goethe über Wagner bis zu Thomas Mann schildert der Autor, wie der Begriff des Deutschen sich wandelte und immer wieder neue Identitäten hervorbrachte. Er erzählt von einem Land zwischen Weltbürgertum und nationaler Überheblichkeit, vom deutschen Judentum, das unsere Auffassung des Deutschen wesentlich mitgeprägt hat, von der Karriere der Nationalhymne und der deutschesten aller Sehnsüchte: der nach dem Süden.

Sie wollen Deutschland und die Deutschen verstehen? Dann lesen Sie „Was ist deutsch?“ Dieter Borchmeyer nimmt einen mit auf eine kulturhistorische Identitätsreise durch ein Land, das man zu kennen glaubte und es plötzlich mit ganz neuen Augen sieht. Deutschland ist so viel mehr! Die Themenbereiche sind so vielfältig und reichen von „Das Deutsche im Spannungsfeld von Provinz, Nation und Welt“ bis „Nationale Identität und deutsche Mythologie“ bis „Das Paradigma der deutschen Musik“ bis hin zu „Die Deutschen seit der Wiedervereinigung“. Doch ist das nur ein kleiner Auszug aus diesem mächtigen Werk.

Rowohlt Berlin, 1.056 Seiten; 39,95 Euro


Johannes Bobrowski

daumen rauf

Gesammelte Gedichte

Johannes Bobrowski - Gesammelte Gedichte

Als im Februar 1961 Johannes Bobrowskis erster Gedichtband „Sarmatische Zeit“ erschien, hatte der Schriftsteller nur noch wenige Jahre zu leben. Doch die knappe Zeit reichte ihm aus, um sich bis zu seinem Tod 1965 als einer der suggestivsten und bildkräftigsten Lyriker der deutschen Nachkriegsjahrzehnte zu etablieren. Obwohl in der DDR lebend, stießen seine Texte in beiden Teilen Deutschlands auf Anerkennung: Man machte in ihnen eine neue Art aus, sich zur Welt zu verhalten; seine Themen und Sprachgesten fanden in Lyrik und Prosa anderer Autoren ein vielfältiges Echo.

Am 9. April 2017 wäre Johannes Bobrowski 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bringt DVA die „Gesammelten Gedichte“ in einem Band heraus. Man verliert sich in Johannes Bobrowskis Sprache! Ein prächtiger und mächtiger Lyrikband, von dem man lange etwas hat. Gut 600 Seiten voller berauschender, bedrückender, lebensfroher, melancholischer Gedichte. Darin schwingt natürlich auch Johann Bobrowskis Leben mit, der 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war.

DVA, 752 Seiten; 34,99 Euro


Hörbuch der Woche

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Helen Callaghan

Dear Amy

Dear Amy hoerbuchDie Lehrerin Margot Lewis ist beunruhigt, als ein 15-jähriges Mädchen aus ihrer Klasse verschwindet. Sie ist überzeugt, dass Katie entführt wurde, auch wenn die Polizei dafür noch keinerlei Beweise hat. Dann erhält Margot, die nebenbei die Ratgeber-Kolumne „Dear Amy“ führt, einen unheimlichen Brief: Darin fleht ein Mädchen um Hilfe, das vor 15 Jahren spurlos verschwand. Ein Graphologe bestätigt die Echtheit des Briefes – und dass er nagelneu ist. Margot, deren Gemütszustand sich verschlechtert, lassen die Fälle nicht mehr los, sie will unbedingt helfen. Doch was verschweigt sie selbst?

„Dear Amy“ ist ein Psychothriller, der flott beginnt, dann aber nur langsam wieder an Fahrt gewinnt. Das letzte Drittel bietet dann aber viele spannende Momente und auch einige Überraschungen. Helen Callaghan hat mit Margot Lewis eine starke Hauptfigur geschaffen, die die Handlung auch sehr dominiert. Wer es weniger blutrünstig und überraschend mag, dem sei der Psychothriller „Dear Amy“ empfohlen! Christiane Marx liest ruhig, wenn es sein muss, und dramatisch, wenn die Geschichte es erfordert.

Dear Amy Paper

Auch als Paperback erhältlich bei Knaur, 14,99 Euro

Argon Hörbuch, 6 CDs, 463 Minuten; 19,99 Euro


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Aktuelle Kolumne vom 27.03.2017 - Nr. 449


Sabine Ebert

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Schwert und Krone – Meister der Täuschung

Schwert und Krone Meister der Täuschung

Dezember 1137: Kaiser Lothar ist tot, und sofort bricht ein erbitterter Kampf um die Thronfolge aus. Machtgierigen Fürsten und der Geistlichkeit ist jedes Mittel recht, um den Welfen nicht nur ihren Anspruch auf die Nachfolge streitig zu machen, sondern ihnen auch Bayern und Sachsen zu entziehen. Durch eine ausgeklügelte Intrige gelangen die Staufer in den Besitz der Krone. Konrad von Staufen wird in die Königsrolle gedrängt, obwohl ihm dieser Weg missfällt. Bald muss er erkennen, dass sogar sein Bruder und sein junger Neffe, der künftige Friedrich Barbarossa, ihm nur bedingt die Treue halten. Es beginnt ein jahrelanger Krieg – und raffiniertes Intrigenspiel, in dem Welfen, Askanier, Wettiner und viele andere mächtige Häuser mitmischen – und auch so manche Frau.

Sabine Ebert gehört zu den Königinnen des historischen Romans! Ihre Schilderungen sind so lebendig, als ob man selbst im Mittelalter leben, leiden und kämpfen würde. Ihr großer Charakterreigen lässt den Leser tief eintauchen in historisch hinterlegtes Wissen, das sie mit gekonnter Fabulierkunst mischt. Wer sich für farbenprächtige und spannende historische Romane interessiert, der ist mit „Schwert und Krone – Meister der Täuschung“ gut beraten. Diese historische Saga hinterlässt einen bleibenden Eindruck! Man erwartet mit großer Vorfreude den nächsten Band.

Schwert und Krone Meister der Täuschung md
Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Gabriele Blum umschmeichelt den Hörer mit ihrer Stimme. Die Historie erwacht zum Leben. 19,95 Euro.

Knaur, 584 Seiten; 19,99 Euro


S. L. Grey

daumen runter

Under Ground

Under GroundEin tödliches Grippevirus grassiert in den USA. Während Chaos um sich greift, flieht eine Gruppe ganz unterschiedlicher Menschen in einen unterirdischen Luxusbunker – das Sanctum –, ihre eigene, sich selbst versorgende Welt. Doch schon bald befeuern Abschottung und Enge erste Spannungen unter den Bewohnern. Als der Erbauer des Bunkers tot aufgefunden wird, bricht Panik aus. Mit ihm ist der Code zum Öffnen der Türen verloren. Der Sauerstoff wird knapp. Die Wasservorräte schwinden. Der Kampf ums Überleben beginnt.

S. L. Grey ist das Pseudonym der Bestsellerautoren Sarah Lotz und Louis Greenburg. „Under Ground“ wurde also von zwei Autorinnen geschrieben, und das merkt man der Story auch an. Ich habe mir viel von dem Buch versprochen, gehalten wurde fast nichts davon. Es agieren zu viele ähnliche und zudem unsympathische Charaktere, so kamen sie zumindest bei mir an, und hier erkennt man auch, dass eine Autorin sich um diesen und die andere um jenen Charakter gekümmert hat. Alles wirkt so nicht zusammengehörend. Auch habe ich einen nervenaufreibenden Thriller erwartet, doch den Thriller sucht man lange vergebens. Es handelt sich um einen langweiligen Roman über Menschen, die in einer Extremsituation landen. Aus der Story hätte man einen extrem spannenden Thriller machen können, aber S. L. Grey hat hier fast komplett versagt.

Heyne, 383 Seiten; 12,99 Euro


E. O. Chirovici

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Das Buch der Spiegel

Das Buch der Spiegel Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Flynn schreibt über die Ermordung des Professors Joseph Wieder in Princeton. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass der unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt. Als Katz den Autor kontaktieren will, ist dieser bereits verstorben. Besessen davon, das Ende der Geschichte zu erfahren, versucht Katz, Laura Baines ausfindig zu machen, die als Studentin auf undurchsichtige Weise mit Wieder verbunden war. Doch je tiefer Katz in den Fall eindringt, desto mehr scheint er sich von der Lösung zu entfernen ...

Schnell merkt man, dieser Geschichte kann man sich nicht entziehen, wenn man sie begonnen hat zu lesen. Am Anfang ist alles ein großes Geheimnis, erst so langsam lüftet sich der Schleier über allem. Genau das macht es auch so spannend, weil man nicht recht weiß, wo denn das nun alles hinführt. Als die Geschichte dann klar vor einem liegt, ist sie doch nicht so klar, wie man glaubt. Es gibt mehrere Protagonisten, alle haben irgendwie mit dem Fall zu tun, um den es geht, aber jeder bringt neue Enthüllungen ans Tageslicht. Seien Sie auf der Hut vor „Das Buch der Spiegel“ – Sie könnten sich im Spannungslabyrinth verlaufen!

Das Buch der Spiegel Audio
Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Gleich ein Sprecher-Quartett begeistert mit dieser Lesung. Mit dabei sind Stephan Kampwirth, Volker Lechtenbrink, Jonas Nay und Sebastian Rudolph. 19,99 Euro.

Goldmann, 384 Seiten; 20,00 Euro


Cameron Bloom & Bradley Trevor Greive

daumen rauf

Penguin Bloom

Penguin Bloom

Penguin Bloom ist schon jetzt ein absoluter Publikumsliebling. Die lustigen Fotos der frechen Elster und ihrer australischen Adoptivfamilie gingen über die sozialen Medien durch die ganze Welt. Was die Fans nicht kennen, ist die bewegende Geschichte hinter den großartigen Bildern. Es ist die wahre Geschichte der Familie Bloom, die nach einem tragischen Unfall beinahe zerbricht und durch den witzigen kleinen Vogel namens Penguin gerettet wird.

Ein wunderschönes Buch, durch seine bezaubernden Fotografien, und eine herzzerreißende Geschichte! Das Buch ist wie eine Wärmflache für die Seele. Wie ein Vogel eine Frau, eine Familie vor der Düsternis rettete, davon erzählt diese Geschichte. Cameron Bloom erzählt die Geschichte seiner querschnittsgelähmten Frau, seiner Familie und die von Elster Penguin Bloom. Penguin Blooms Geschichte, und wie sie das Leben „ihrer“ Menschfamilie mit ihrem zauberhaften Tun beeinflusst hat, hat mich zu Tränen gerührt.

Knaus, 208 Seiten; 19,99 Euro


Kathy Reichs

daumen rauf

Die Knochenjägerin

Die Knochenjägerin

Dezember, Anthropologische Fakultät der Universität North Carolina. Temperance Brennan Labor wird von zwei Cops ungebeten betreten. Die Detectives Slidell und Rinaldi untersuchen den gewaltsamen Tod eines Arztes, dessen stark verbannte Leiche in einem Wohnwagen gefunden wurde. Ob Tempe mit ihrer Erfahrung im Analysieren menschlicher Überreste die Identität des Opfers bestätigen kann? Widerwillig erklärt Tempe sich bereit, den Ermittlungsbehörden zu helfen. Ihr erster Kriminalfall stellt nicht nur ihr ganzes Können auf die Probe, sondern bringt auch das Leben der Detectives und ihr eigenes in große Gefahr...

Der oben beschriebene Kurzroman „Tempe Brennans erster Fall“ umfasst 91 Seiten und erscheint zum ersten Mal in diesem Buch. "Die Knochenjägerin“ umfasst aber noch drei weitere Fälle für Tempe Brennan, die bislang als E-Books erschienenen Kurzromane "Fährte des Todes", "Wasser des Todes" und "Gletscher des Todes". Für Fans ist auch „Die Knochenjägerin“ unverzichtbar! Hier spielt Kathy Reichs, bedingt durch die Kürze der Romane, nicht ihre vollen schriftstellerischen Stärken aus, aber die vier Kurzromane wissen trotzdem spannend zu unterhalten.

Blessing, 432 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Luca D’Andrea

Der Tod so kalt

Der Tod so kaltSüdtirol, 1985, Bletterbach-Schlucht. Drei junge Einheimische aus dem nahegelegenen Siebenhoch kehren von einer Wanderung nicht zurück – schließlich findet ein Suchtrupp ihre Leichen, aufs Brutalste entstellt. Der Täter wird nicht gefunden. Dreißig Jahre später beginnt ein Fremder unangenehme Fragen zu stellen. Jeder warnt ihn vor den Konsequenzen, allen voran sein Schwiegervater, der die Toten damals gefunden hat. Doch Jeremiah Salinger, der seiner Frau in ihr Heimatdorf gefolgt ist, lässt nicht locker. Wird er seine Neugier bereuen? Ein Fluch scheint alle zu verfolgen, die sich mit den Morden beschäftigen. Ist dort unten am Bletterbach etwas Furchtbares wieder erwacht?

„Der Tod so kalt“ ist ein beachtenswertes Debüt! Auch wenn auf dem Cover des Buches Thriller steht, beim Hörbuch hat man das unterlassen, handelt es sich hier um keinen Thriller. Nicht einmal richtig um einen Kriminalroman, aber um einen spannenden und dramatischen Roman. Man muss sich auf die Geschichte einlassen, dann wird man nach und nach auch belohnt. Luca D’Andrea erzählt mit Hingabe diese eine Geschichte, weil er auch vieles so kennt, wie man aus seiner Vita erfährt. Man darf gespannt sein, ob er auch weitere spannende Romane erzählen kann, ohne Vorkenntnisse der Sache und des Ortes. Schauspieler-As Matthias Koeberlin arbeitet die Nuance der Geschichte fein heraus. Ihm zuzuhören ist immer ein Genuss!

Der Tod so kalt Buch

Auch als Paperback erhältlich bei DVA, 14,99 Euro.

Der Hörverlag, 1 MP3 CD, 553 Minuten; 14,99 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 03.04.2017 - Nr. 450


Jussi Adler-Olsen

daumen rauf

Selfies

Selfies

Vizepolizeikommissar Carl Mørck wird zur Aufklärung eines brutalen Todesfalls von der Mordkommission in Kopenhagen hinzugezogen. Wie sich herausstellt, gibt es eine Verbindung zu einem mehrere Jahre zurückliegenden und ausgesprochen brisanten cold case. Ausgerechnet jetzt geht es Carls Assistentin Rose sehr schlecht. Sie wird von grauenhaften Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit heimgesucht. Rose kämpft mit aller Macht dagegen an. Welche Rolle spielen die jungen Frauen Michelle, Jasmin und Denise, die sich zu einem starken und hochexplosiven Kleeblatt verbündet haben?

Ein gesellschaftskritischer Kriminalroman, der vor allem die unteren Schichten der Gesellschaft zeigt. Junge Frauen, die zu faul zum Arbeiten sind, nur ihr Aussehen im Kopf haben, aber jeden Monat Geld vom Staat wollen. Diese treffen auf eine Sachbearbeiterin vom Sozialamt, bei der Krebs diagnostiziert wird, und die dann langsam beginnt durchzudrehen. Mit der unscheinbaren Anne-Line Svendsen hat Jussi Adler-Olsen wohl eine der ungewöhnlichsten Serienkillerinnen der Thrillergeschichte erschaffen. Jussi Adler-Olsen lotet die menschlichen Abgründe bis ins kleinste Detail aus. Er geht intensiv auf die Psyche seiner Figuren ein. „Selfies“ – ein bedrückender Thriller, der begeistert und das ganze Können des dänischen Bestsellerautors Jussi Adler-Olsen zeigt.

dtv, 573 Seiten; 23,00 Euro


Val McDermid

daumen runter

Schwarzes Netz

Schwarzes NetzPolizeipsychologe Tony Hill ist mit einer mysteriösen Serie von Selbstmorden konfrontiert. Stets sind es Frauen, die mitten im Leben stehen, mit ihren prononcierten Meinungen jedoch einen Shitstorm von Internet-Trollen hervorgerufen und diesen offenbar nicht verkraftet haben. Merkwürdig nur, dass sie alle den Freitod berühmter Schriftstellerinnen wie Sylvia Plath, Virginia Woolf oder Anne Sexton imitieren und sich deren Werke jeweils in der Nähe der Toten finden. DCI Carol Jordan ist unterdessen zurück in ihrem alten Job bei der Polizei und bekommt ein neues Team, mit dem sie im Norden Englands schwere Fälle aufklären soll. Die rätselhafte Serie von Suiziden wird für sie zur Nagelprobe.

Ich schätze die Britin Val McDermid sehr für ihre großteils außergewöhnlich guten Kriminalromane und Thriller. Dazu gehört auch die Serie um DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hilll. Daher war ich sehr gespannt auf den neuen, den neunten Fall der beiden. Leider enttäuscht Val McDermid diesmal großteils. Auch wenn man die beiden Hauptfiguren als Fan sehr mag, so hat es Val McDermid diesmal doch etwas übertrieben mit den Privatgeschichten. Ihre Ausführungen dazu sind ausufernd und langweilig und bringen die eigentlich gute Story nicht voran, die nicht einmal die Hälfte des Romans ausmacht. Ein Roman ja, denn ein Thriller, so wie es auf dem Cover steht, ist dieses Buch garantiert nicht. Trotzdem hoffe ich, dass es mit den beiden Hauptfiguren noch lange weitergeht.

Knaur, 459 Seiten; 9,99 Euro


Stefan Ahnhem

daumen rauf

Minus 18 Grad

Minus 18 Grad In Helsingborg wird ein Auto aus dem Hafenbecken geborgen. Ein Unfall wird angenommen. Doch bei der Obduktion stellt sich heraus, dass der Fahrer schon lange tot war, als das Auto ins Wasser stürzte. Kommissar Fabian Risk und seine Kollegen untersuchen den mysteriösen Todesfall. Jemand glaubt, den Toten erst letzte Woche gesehen zu haben. Wie ist das möglich? Risk hat einen Verdacht, aber der ist so absurd, dass er ihn zunächst selbst nicht glauben will. Doch es wird noch weitere Opfer geben, ein Serienmörder ist am Werk. Nur durch Zufall ist die Polizei jetzt auf seine Spur gekommen. Der Tote im Hafenbecken war nicht das erste Opfer, und noch lange nicht das letzte …

Der Schwede Stefan Ahnhem hat sich schnell zu einem Krimi-Star entwickelt. Sein ausgezeichnetes Debüt „Und morgen du“ war ein Bestseller, genauso wie sein Nachfolger „Herzsammler“. Auch der dritte Fall für Fabian Risk „Minus 18 Grad“ reiht sich hier ein. Der steht seinen Vorgängern in nichts nach. Stefan Ahnhem entwickelt seinen Kommissar Fabian Risk und alle weiteren Figuren aus dem Team mit Bravur weiter. Die ermittelnden Personen und ihre persönlichen Dramen sind schon eine ganz eigene Story in dem Roman. Aber auch der Kriminalfall bietet einige Wendungen und lässt den Leser lange im Dunkeln tappen. Eiskalte Krimiliteratur, die von einem spannenden Moment zum nächsten eilt!

List, 551 Seiten; 16,99 Euro


Hans-Jürgen Jakobs

daumen rauf

Wem gehört die Welt?

Wem gehört die Welt

Sie heißen Larry Fink, Stephen Schwarzman oder Abdullah bin Mohammed bin Saud Al-Thani. Mit ihren Billionen schweren Fonds legen Blackrock, Blackstone oder Qatar Investment mehr Geld an als Deutschland erwirtschaftet. Sie dominieren längst die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor. Doch wer sie wirklich sind und welche Ziele sie verfolgen, wusste bisher niemand. Die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens, die hier im Porträt vorgestellt werden, versammeln zusammen mehr als 40 Billionen US-Dollar – das sind 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt oder fast das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU.

Ein informatives Lexikon der Weltfinanzen! Wem gehört was vom Weltkuchen der Finanzen? Dieses Buch klärt darüber ausführlich auf. Hans-Jürgen Jakobs. Ex-Chefredakteur des „Handelsblatts“, ist mit „Wem gehört die Welt?“ ein umfassender Blick in die Welt der Hochfinanzen gelungen. Es zeigt leider auch auf dramatische Weise auf, dass wenige viel haben, und viel wenig haben. Die, die viel haben, haben Verantwortung für die, die wenig bis nichts haben. Einige Reiche der Welt schenken ihr Vermögen zu großen Teilen her, um damit andere zu unterstützen. Leider sind es immer noch viel zu wenige.

Knaus, 680 Seiten; 36,00 Euro


Kai Meyer

daumen rauf

Die Krone der Sterne

Die Krone der Sterne

Das galaktische Reich Tiamande wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Regelmäßig werden ihr Mädchen von fernen Planeten als Bräute zugeführt. Niemand weiß, was mit ihnen geschieht. Als die Wahl auf die junge Adelige Iniza fällt, soll sie an Bord einer Raumkathedrale nach Tiamande gebracht werden. Ihr heimlicher Geliebter Glanis, der desillusionierte Kopfgeldjäger Kranit und die Alleshändlerin Shara Bitterstern müssen zusammenarbeiten, um Iniza zu retten. Sie kämpfen um ihre Zukunft – und gegen eine kosmische Bedrohung, die selbst die Sternenmagie der Gottkaiserin in den Schatten stellt.


Kai Meyer ist eine Marke im Fantasy-Genre! Über ein Jahrzehnt hinaus liefert er in diesem Genre einen Bestseller nach dem anderen ab. Und nun vereint er mit „Die Krone der Sterne“ auf spektakuläre Weise die Genres Fantasy und Science Fiction. Tolle Charaktere, jede Menge Spannung und eine ideenreiche Welt. Was will man mehr. Galaktisch gute Unterhaltung! Und die Fans dürfen sich auf mehr freuen – die Geschichte wird fortgesetzt.

TOR, 461 Seiten; 14,99 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Marina Heib

Drei Meter unter Null

Drei Meter unter Null AudioSie beobachtet ihre Opfer. Sie plant ihre Morde. Nichts will sie dem Zufall überlassen. Sie schlägt den Weg der Gewalt jedoch nicht ohne Grund ein. Ihr Leben lang bemühte sie sich um ein normales Leben. Doch die Hülle der Normalität umschloss eine tiefe Verzweiflung, die sie zu verbergen wusste. Bis zu einem nebligen Donnerstag im November. Dem Tag, an dem sie beschließt, eine Mörderin zu werden. Sie will die Dämonen vernichten. Sie will Rache. Sie empfindet kein Mitleid. Sie sollen leiden. Genau wie sie.

„Drei Meter unter Null“ ist ein fantastischer, eindringlicher Thriller, über eine junge Frau, die Rache nimmt! Die Protagonistin will morden, einfach so, das denkt man zumindest zu Anfang. Doch hinter ihren Mordplänen steckt viel mehr. Und so erfährt man, was in ihrer Kindheit geschah, wie aus ihr die wurde, die sie heute ist. Marina Heib schildert das spannend und lässt einen tief in die Seele ihre Protagonistin blicken. Am Anfang versteht man ihren Plan nicht, am Ende umso mehr. Aber zurück bleibt Dunkelheit. Anna Thalbach zuzuhören, ist wie ein klassisches Konzert zu hören. Sie hat die lauten und die leisen Töne gleichermaßen im Repertoire.

Drei Meter unter Null

Auch als Hardcover erhältlich bei Heyne, 19,99 Euro

Random House Audio, 5 CDs, 387 Minuten; 19,99 Euro


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