September 2018

Kolumne vom 24.09.2018 - Nr.527


Dora Heldt

daumen rauf

Drei Frauen am See

Drei Frauen am See

Sie sind enge Freundinnen von Kindesbeinen an: Friederike, Jule, Alexandra und Marie. Egal, wohin ihre Lebenswege sie verschlagen hatten: Jeden Freitag vor Pfingsten trafen sie sich auf Einladung von Marie im wunderschönen Haus am See, in dem sie schon als Kinder herrliche Sommer verbracht hatten. Die Nachricht von Maries Tod mit Anfang fünfzig trifft sie alle wie ein Schock. Denn seit ihrem Streit zehn Jahre zuvor hatten sie kaum noch Kontakt miteinander. Aber selbst nach ihrem Tod hält Marie eine Überraschung für ihre Freundinnen bereit: eine Einladung zum Notar. Die Vorstellung, sich wiederzusehen, erfüllt jede von ihnen mit Unbehagen. Was ist es, wovor sie sich fürchten? Und was ist es, das sie dazu bringt, trotzdem anzureisen?

Dora Heldt schreibt so lebensnah, als ob die Charaktere aus dem Roman Freunde und Bekannte aus dem eigenen Umfeld wären. Man ist so mit ihnen verbunden. Grandios! Alexandra, Jule, Friederike, allen gibt Dora Heldt so viel Leben, so viel schönen und weniger schönen Alltag. Man erlebt die drei Mittfünfzigerinnen wie sie vor Umwälzungen in ihrer aller Leben stehen, wie alte Banden vielleicht wieder geknüpft werden, wie die Vergangenheit auch immer wieder ihre Zukunft bestimmt. Von Marie erfährt man hauptsächlich aus ihrem Tagebuch, dass sie geschrieben hat, als sie noch ein Teenager war. Die unterschiedlichen Erzählstränge der drei Hauptfiguren und die immer wiederkehrenden Blicke in die Vergangenheit erzeugen einen absoluten Lesesog. „Drei Frauen am See“ - spannend, ergreifend, wunderbar erzählt. Ein Traum von einem Buch! Es hat ja schon gute 600 Seiten, aber es hätten auch 1.000 Seiten sein dürfen. Dora Heldt beweist erneut, warum Sie Deutschlands Bestsellerqueen der Unterhaltungsliteratur ist!

dtv, 574 Seiten; 16,90 Euro


Laksmi Pamuntjak

daumen runter

Herbstkind

Herbstkind

Alles, was in ihrem Leben gut ist, kam für Siri immer im Herbst – beruflicher Erfolg als Künstlerin, der Beginn einer neuen Liebe –, doch auf einmal hält der Herbst etwas anderes für sie bereit. Sie erfährt von ihrer Mutter Amba, dass der Mann, den sie für ihren Vater gehalten hat, nicht ihr leiblicher Vater ist. Diese Nachricht erreicht sie kurz vor ihrem fünfzigsten Geburtstag und gerade als es ihr schien, als sei sie angekommen in ihrem Leben als Wanderin zwischen den Welten mit Wurzeln in Indonesien. Um ihr Gleichgewicht wiederzufinden, zieht sie nach Berlin, eine Stadt so vernarbt und widersprüchlich wie sie selbst, und eine Stadt, mit der ihre beiden Väter viel verband.

Laksmi Pamuntjak ist eine indonesische Essayistin, Lyrikerin und Journalistin, und sie hat mich 2015 mit ihrem Werk „Alle Farben Rot“ durchaus begeistert. So war ich gespannt auf ihren neuen Roman „Herbstkind“. Was mich wieder gefesselt hat war, was Laksmi Pamuntjak über die Politik, die Kultur, das Leben und die Menschen von Indonesien zu erzählen hat. Da bekommt man als deutscher Leser ja nicht allzu viele Möglichkeiten, das in einem Roman dargeboten zu bekommen. Aber das reicht nicht, damit der Roman überzeugen kann. Zu verworren ist die Erzählweise, zu wenig ist in der Geschichte ein roter Faden zu finden. Auch konnten mich die Charaktere nicht richtig auf ihre Reise mitnehmen.

Ullstein, 488 Seiten; 24,00 Euro


Val McDermid

daumen rauf

Rachgier

RachgierEine verkohlte Leiche in einem ausgebrannten Auto – das ist alles, was von der unauffälligen Büroangestellten Kathryn McCormick übrig ist. Erst vor kurzem hatte sie auf einer Hochzeit einen attraktiven Mann kennengelernt und auf neues Glück nach einer herben Enttäuschung gehofft. DCI Carol Jordan und Profiler Tony Hill versuchen den Mann ausfindig zu machen, müssen aber feststellen, dass keiner der anderen Hochzeitsgäste ihn kannte. Eine weitere Frauenleiche bestätigt Carols furchtbaren Verdacht: Ein ebenso raffinierter wie perfider Serienkiller macht sich die Einsamkeit seiner Opfer zunutze.

Val McDermid ist mit ihren Thrillern eine Klasse für sich! Und das schon seit mehreren Jahrzehnten. Sie hat auch hin und wieder ein schwächeres Buch dabei, aber ihr neues „Rachgier“ gehört definitiv nicht in diese Kategorie. Der neue Fall für das Kultermittlerduo Carol Jordan und Tony Hill gehört zu den Highlights der großartigen Thriller-Reihe! In „Rachgier“ bekommt man alles geboten, was man von der außergewöhnlichen Serie, die mittlerweile zehn Bände umfasst, erwartet. Die lieb gewonnen Hauptfiguren entwickelt Val McDermid gekonnt weiter und der Fall, der zu lösen ist, ist spannend und mit einigen Wendungen versehen.

Knaur, 474 Seiten; 9,99 Euro


Diana Gabaldon

daumen rauf

Outlander – Im Bann der Steine

Outlander Im Bann der SteineIn sieben Abenteuern – zwei davon bislang unveröffentlicht – stürzen Sie mit dem Weltkriegs-Flieger Jerry MacKenzie durch die Steine, erfahren, wie die Spionin Minnie Rennie im Herzog von Pardloe ihren Meister findet, begleiten den jungen Jamie Fraser nach Frankreich und reisen mit Lord John Grey von Kanada über Jamaica bis ins belagerte Havanna. Jeder der sieben Kurzromane spielt zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort, und doch sind sie alle mit jener epischen Saga verbunden, die 1946 in Schottland beginnt, als Claire Randall in den magischen Steinkreis tritt und im Jahre 1743 erwacht.

Diana Gabaldon hat mir ihrer „Outlander“-Saga noch zu ihren Lebezeiten Klassiker der modernen Literatur erschaffen! Knaur setzt die Neuveröffentlichungen in schöner Optik weiter fort. „Im Bann der Steine“ ist ein Fest für die Fans! Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, aber alle haben den gewissen Gabaldon-Effekt! Enthalten sind: „Lord John und der Usus der Armee“, „Die Stille des Herzens“, „Lord John und der Herr der Zombies“, „Wie ein Blatt im Wind“, „Unschuldsengel“, „Minervas Geheimnis“ und „Die Kanonen von El Morro“.

Knaur, 698 Seiten; 19,99 Euro


David Graeber

daumen rauf

Bullshit-Jobs

Bullshit Jobs

Ein Bullshit-Job ist eine Beschäftigungsform, die so völlig sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass selbst der Arbeitnehmer ihre Existenz nicht rechtfertigen kann. Es geht also gerade nicht um Jobs, die niemand machen will, sondern um solche, die eigentlich niemand braucht. Im Zuge des technischen Fortschritts sind zahlreiche Arbeitsplätze durch Maschinen ersetzt worden. Trotzdem ist die durchschnittliche Arbeitszeit nicht etwa gesunken, sondern auf durchschnittlich 41,5 Wochenstunden gestiegen. Wie konnte es dazu kommen? Der Autor zeigt, warum immer mehr überflüssige Jobs entstehen und welche verheerenden Konsequenzen diese Entwicklung für unsere Gesellschaft hat.

Der Amerikaner David Graeber hat mit seinem Werk „Schulden. Die ersten 5.000 Jahre“ einen Weltbestseller gelandet. Sein neues Buch „Bullshit-Jobs“ ist nicht weniger gesellschaftskritisch und mitreißend wie der Vorgänger. Haben auch Sie einen Bullshit-Job? In diesem Buch erfahren Sie es. Die Hauptkapitel sind u. a.: „Was ist ein Bullshit-Job?“, „Was für Typen von Bullshit-Jobs gibt es?“, „Warum bezeichnen sich die Inhaber von Bullshit-Jobs regelmäßig selbst als unglücklich?“, „Wie fühlt es sich an, einen Bullshit-Job zu haben“, „Warum vermehren sich die Bullshit-Jobs?“.

Klett-Cotta, 464 Seiten; 25,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Cecelia Ahern

Frauen, die ihre Stimme erheben – Roar!

Frauen die ihre Stimme erheben Roar

Da ist die Frau, die im Boden versinkt und dort auf jede Menge anderer Frauen trifft. Oder die Frau, die auf ihrem Grundstück Zweifel sät. Eine andere Frau, deren Uhr so laut tickt, dass sie nicht schlafen kann, und eine, die aus ihrer Schublade herausklettert. Lauter Frauen, denen gerade dann Flügel wachsen, wenn sie es gar nicht erwarten. So wie es für uns alle in jedem Moment möglich ist, wenn wir nur auf uns selbst hören.

Ein Buch, das vor gelungenen Metaphern auf unsere Frau-Mann-Lebenswelt nur so strotzt! Weltbestsellerautorin Cecelia Ahern erzählt in dreißig Geschichten vorrangig von Frauen, die einer männerdominierten Welt ein eigenes Selbstbildnis entwickeln. Das könnte man nun rückständig betrachten, denn Frauen haben ihren Platz in der westlichen Gesellschaft ja schon lange gefunden. Wir leben ja nicht mehr in den 1950ern. Aber trotzdem treffen auch viele der Geschichten auch heute noch genauso den Nagel auf den Kopf wie damals in unserer Beziehungs-, Arbeits- und Alltagswelt. Mir haben viele Geschichten gut gefallen, besonders aber „„Die Frau, die man ins Regal gestellt hat“. Ein Glanzstück von einer Kurzgeschichte! Gelesen wird das Buch von den sehr unterschiedlichen weiblichen Stimmen: Merete Brettschneider, Anne Moll und Theresa Underberg. Theresa Underberg, bekannt aus der Fernsehserie „Bettys Diagnose“ und aus den „Fünf-Freunde“-Hörspielen, liest auch „Die Frau, die man ins Regal gestellt hat.“ Hörprobe 1 * Hörprobe 2 * Hörprobe 3

Frauen die ihre Stimme erheben

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Krüger, 18,00 Euro.

Argon Hörbuch, 4 CDs, 280 Minuten; 16,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Aktuelle Kolumne vom 17.09.2018 - Nr.526


Stephen King

daumen rauf

Der Outsider

Der Outsider

Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen – ein wasserdichter Fall also? Doch Maitland hat auch ein wasserdichtes Alibi. Wie kann das sein? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war?

Fesseln von der ersten Seite an, und das über viele Jahrzehnte, das kann nur einer: Stephen King! Und natürlich trifft das auch wieder auf seinen neuen Roman „Der Outsider“ zu. Ein Horror-Thriller, der es in sich hat! Das erste Drittel liest sich wie ein gekonnter John-Grisham-Roman frührer Tage, bis dann immer mehr Mystisches und dann der blanke Horror in die Geschichte einfließt. Mit „Der Outsider“ beweist Stephen King erneut, dass er sich auch im höheren Autorenalter immer noch weiterzuentwickeln weiß und trotzdem seinen bekannten Stärken treu bleibt. Ein sagenhaft guter Plot und Beschreibungen, die man als Leser aufsaugt wie ein Schwamm. „Der Outsider“ ist ein weiteres überraschendes und spannendes und Werk in Stephen Kings langer Vita!

Heyne, 751 Seiten; 26,00 Euro


Lisa Jackson

daumen runter

Dunkle Bestie

Dunkle Bestie

Grizzly Falls, Montana: Bei einer heimlichen Party im nächtlichen Wald wird Detective Pescolis Tochter Bianca von einer dunklen Bestie angefallen. Auf der Flucht stolpert sie schließlich über die Leiche ihrer seit Tagen vermissten Mitschülerin Destiny. Als ein Kriminaltechniker einen riesigen Fußabdruck neben der Toten entdeckt, gibt es in Grizzly Falls, Montana, kein Halten mehr: Eine Jagd auf die Bestie bricht aus, die sogar ein Reality-TV-Team in die Stadt lockt. Sehr zum Unmut der Detectives Pescoli und Alvarez, deren Arbeit durch den Rummel zusätzlich erschwert wird. Dann verschwindet ein weiteres Mädchen …

Lisa Jackson ist ein Garant für nervenaufreibende Thriller! Aber auch eine Bestsellerautorin vom Rang einer Lisa Jackson kann mal einen weniger guten Thriller abliefern. So geschehen mit „Dunkle Bestie“. Es ist der siebte Band der Montana-„To-Die“- Reihe rund um Detective Regan Pescoli und Detective Selena Alvarez. Das Setting stimmt bei diesem Thriller durchaus, auch können die Hauptfiguren wieder ihre Stärken einbringen, aber die Story ist etwas konfus und die Spannung wird platt getrampelt von unnötigen Ausführungen, die die Geschichte nicht voranbringen, sondern sie auf der Stelle treten lassen. 150 Seiten weniger, der Geschichte hätte es an nichts gefehlt.

Knaur, 526 Seiten; 9,99 Euro


Julie Buxbaum

daumen rauf

Tell me three things

Tell me three thingsAn ihrem ersten Tag an der neuen Highschool geht für Jessie Holmes einfach alles schief. Und dabei ist ihr Leben gerade sowieso schon kompliziert genug. Da bekommt sie eine anonyme E-Mail mit Ratschlägen, wie sie den Schulalltag überstehen kann. Sie hat zwar keine Ahnung, wer dahintersteckt, aber trotzdem beschließt sie, die Tipps zu befolgen. Und Nachricht für Nachricht verliebt sie sich mehr in den Absender. Doch wer ist der Unbekannte, der ihr Herz immer wilder schlagen lässt?

Die faszinierende Amerikanerin Julie Buxbaum hat mich schon mit „Mein Herz in allen Einzelteilen“ total begeistert. Ich war sehr gespannt auf ihren neuen Roman „Tell me three things“, ein New-York-Times-Bestseller. Und schon nach wenigen Seiten war klar, Julie Buxbaum wird mich fast 400 Seiten lang wieder begeistern. In einer so wunderschön lakonischen, erfrischenden und ehrlichen Sprache erzählt sie Jessies Leben an der neuen Highschool mit all seinen Fallstricken und in ihrem neuen, nicht gewollten Familienleben. „Tell me three things“ ist charmant, warmherzig und witzig. Eine Geschichte, die man einfach lieben muss!

One, 393 Seiten; 10,00 Euro


Marie Lacrosse

daumen rauf

Das Weingut – In stürmischen Zeiten

Das Weingut In stürmischen ZeitenWeißenburg im Elsass, 1870. Die junge Waise Irene kommt als Dienstmädchen in das Herrenhaus des reichen Weinhändlers Wilhelm Gerban. Dessen Sohn Franz glaubt an die Ideale der französischen Revolution, wofür sein Vater wenig Verständnis hat. Als Irene auf Franz trifft, verlieben die beiden sich leidenschaftlich ineinander. Doch nicht nur Standesschranken und familiäre Intrigen stehen ihrer Beziehung im Wege. Auch am europäischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf: Ein furchtbarer Krieg bricht aus. Gegen alle Widerstände kämpfen die beiden jungen Leute um ihr Glück.

Zurzeit sind ja Romane rund um den 1. Weltkrieg angesagt. Viele Autorinnen siedeln ihre Romane zu dieser Zeit an. Marie Lacrosse geht einen anderen Weg. Sie siedelt ihre Geschichte rund um ein Weingut ein gutes halbes Jahrhundert davor an. Zu Zeiten des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71. Die historischen Details aus dieser Zeit beschreibt die Autorin detailliert und lebendig. Man ist als Leser schnell angekommen. Sie erzählt auch sehr plastisch. Auch sind ihr die Charaktere ausgesprochen gut gelungen. Die „Weingut“-Saga von Marie Lacrosse ist ein echtes historisches Highlight! Der zweite Teil folgt im April 2019.

Goldmann, 669 Seiten; 13,00 Euro


Lutz Wilhelm Kellerhoff

daumen rauf

Die Tote im Wannsee

Die Tote im Wannsee

Wolf Heller interessiert sich eigentlich nicht für Politik, doch plötzlich ist alles politisch. Ohne es zu wollen, gerät er zwischen die Fronten. Die Polizei gilt als reaktionärer Haufen, Studenten demonstrieren lautstark in den Straßen, und seine Freundin Louise zieht in eine Kommune. Da wird eine junge Frau tot am Ufer des Wannsees gefunden. Nur die roten Schlangenlederschuhe geben einen brauchbaren Hinweis auf ihre Identität. Als der Kommissar ein Bild der Schuhe in einer Berliner Zeitung veröffentlichen lässt, meldet sich eine Kollegin der Toten: Heidi Gent arbeitete in Horst Mahlers Anwaltskanzlei. Heller soll den Fall schnell abschließen. Auf der Polizei liegt noch der Schatten der Ermordung von Benno Ohnesorg, der Druck aus dem Schöneberger Rathaus ist enorm. Doch als er zufällig mitbekommt, dass sein Chef lautstark mit einem Unbekannten über die Tote streitet, lässt er nicht mehr locker.

„Die Tote im Wannsee“ ist ein Kriminalroman erster Güte! Er besticht durch reichlich Spannung, eine gut dargestellte, historisch sehr interessante Zeit in Deutschland und durch seine lebendigen Figuren. Dem Autorentrio Martin Lutz, Sven Felix Kellerhoff und Uwe Wilhelm, die sich hinter dem Pseudonym Lutz Wilhelm Kellerhoff verbergen, ist mit ihrem ersten Kriminalroman ein Volltreffer gelungen!

Ullstein, 381 Seiten; 16,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Timur Vermes

Die Hungrigen und die Satten

Die Hungrigen und die Satten

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod. Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert.

Timur Vermes landete mit „Er ist wieder da“ einen sensationellen und absolut außergewöhnlichen Bestseller. So war ich sehr gespannt auf sein Nachfolgewerk. Und „Die Hungrigen und die Satten“ erfüllt die Erwartung. Timur Vermes widmet sich mit seinem ganz eigenen lakonischen, satirischen Stil dem Brandthema schlechthin: Flüchtlinge. Und wie er das hochbrisante Thema versucht in einen satirischen und trotzdem ernsten Roman zu packen, wirklich gelungen. Er übernimmt hier so manches aus dem, wie die Menschen in unserem Land, in Europa damit umgehen. Unter anderem schreibt er fast immer von dem Flüchtling. Er entwürdigt damit den Menschen, genauso wie es eben viele Europäer tun. Aus Individuen mit einem eigenen Schicksal wird nur der Flüchtling. Punkt. Auch die Medienberichterstattung 2015 nimmt er gekonnt aufs Korn. Dazu zum Ende hin gehend die absolute Zuspitzung des Flüchtlingsmarsches nach Europa. Wie er damit umgeht, zeigt die Hilflosigkeit der Europäer, der Politiker, der Menschen. Timur Vermes hat mit „Die Hungrigen und die Satten“ einen der Aufreger Romane des Herbstes geschrieben! Kongenial gelesen von Christoph Maria Herbst! Was sollte man auch anderes erwarten. Schon bei „Er ist wieder da“ spielte Christoph Maria Herbst seine Stärken aus. Er bringt die Komik mit so viel Eleganz und Geschmeidigkeit herüber wie kaum ein anderen im Hörbuchmarkt. An seinem Bayerisch muss er allerdings noch etwas arbeiten. Hörprobe - 15 Min.

Die Hungrigen und die Satten COVER

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Eichborn, 22,00 Euro

Lübbe Audio, 8 CDs, 555 Minuten; 22,00 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 10.09.2018 - Nr.525


Augustin Erba

daumen rauf

Die auffällige Merkwürdigkeit des Lebens

Die auffällige Merkwürdigkeit des Lebens

Wer kann schon von sich behaupten, einen genialen Atomphysiker als Vater zu haben und eine ungarische Prinzessin als Mutter? Für das echte Leben geschaffen ist Amadeus‘ ungewöhnliche Familie aber nicht: Die Mutter verschanzt sich mit Migräne hinter der Schlafzimmertür, der Vater rechnet den ganzen Tag, wenn er nicht grad die Fassung verliert. Amadeus übernimmt die Rolle des Erwachsenen und kümmert sich um seine Geschwister. Nur Schäferhund Felix ist sein Verbündeter und das einzige Familienmitglied, das umarmt werden kann. Jahrzehnte später ist Amadeus Journalist, Single und lernt ganz überraschend eine Frau kennen, die ihn doch tatsächlich zu lieben scheint. Aber Beladen mit all seinen Kindheitsproblemen wird die zukünftige Ehe nicht einfach werden …

Lakonisch, gescheit, melancholisch und literarisch verführerisch, das ist dieser Roman des Schweden Augustin Erba. Er erzählt zugleich eine heitere und schwere Familiengeschichte in einem ganz leichten und feinfühligen Ton. „Die Auffälligkeit des Lebens“ ist aber auch ein Roman über die Liebe und eine Ehe. In prägnanten Schlaglichtern zeigt Augustin Erba wie aus Verliebtheit eine Ehe wird, es werden Kinder geboren, die das Eheleben nicht einfacher machen. Und aus einstiger Verliebtheit wird nach und nach Entfremdung. Mit Amadeus ist Augustin Erba ein herrlicher Charakter gelungen, den man versteht, den man nicht versteht, mit dem man hofft und bangt, dass er das Leben meistert, als Kind und als Erwachsener. „Die Auffälligkeiten des Lebens“ sind anspruchsvoll verfasst. Augustin Erba wechselt fast bei jedem Kapitel zwischen Amadeus’ Kindheit zu Amadeus’ Gegenwart hin und her. Ohne Zeitangaben, daher ist ein konzentriertes Lesen schon erforderlich. Aber man gewinnt dadurch auch einen besonderen Blick auf Amadeus’ Leben. Ein sehr weiser Satz aus dem Buch: „Wenn Liebe immer reichen würde, sähe die Welt ganz anders aus.“

Ullstein, 423 Seiten; 22,00 Euro


Ann Baiano

daumen runter

Sizilianisches Verderben

Sizilianisches Verderben

Der Journalist Luca Santangelo recherchiert in einem Kloster mitten in Palermo. Einst war es berühmt, jetzt leben hier nur noch drei betagte Nonnen. Als eine von ihnen zusammenbricht, wird Luca misstrauisch – sie scheint keines natürlichen Todes gestorben zu sein. Will jemand die Schwestern beseitigen, um an die wertvollen Schätze des Klosters zu kommen? Geht es um etwas Persönliches? Während Luca noch das wahre Motiv sucht, ereignet sich ein weiterer Mord. Lucas Freundin Ada stößt währenddessen in der Bibliothek des Klosters auf ein altes Tagebuch, dem eine junge Nonne die Geschichte um eine große Liebe anvertraut hat, um falsche Versprechen und bittere Rache …

Ann Baiano hat mich mit ihrem Debüt „Sizilianisches Blut“ begeistert. Auch der Nachfolger „Sizilianische Rache“ war noch spannend. Der dritte Krimi aus ihrer Feder „Sizilianisches Verderben“ fällt nun etwas ab. Positiv zu vermerken bleibt der Charme der Serie rund um die Hauptfigur Luca Santangelo und Sizilien. Am meisten haben mich aber die viel zu häufigen und langweiligen Abschweifungen in die historische Vergangenheit ab 1830 geärgert. Auch sonst kann der Krimi mit wenig aufwarten, was einen wirklich guten Krimi ausmacht. Und Ann Baiano, das Pseudonym einer Verlagsleiterin, sind auch die Ideen für einen konsequenteren Spannungsaufbau ausgegangen. Hatte ihr Debütkrimi noch 320 Seiten, der zweite dann schon nur noch 288 hat „Sizilianisches Verderben“ nur noch 281 Seiten. Wären die häufigen Abschweifungen in die Vergangenheit nicht, würden nur noch etwas über 200 Seiten übrigbleiben. Das sagt dann eigentlich schon alles.

Goldmann, 281 Seiten; 15,00 Euro


Luce D’Eramo

daumen rauf

Der Umweg

Der UmwegSie ist achtzehn Jahre alt, begeisterte Faschistin und kann die Nachrichten von Konzentrationslagern im nationalsozialistischen Deutschland nicht glauben. Also macht sich Luce d’Eramo im Jahr 1944 nach Deutschland auf. Ihre Reise führt sie durch Arbeits- und Konzentrationslager, durch ein zerbombtes und auch innerlich zerrüttetes Land. Am Ende verliert sie ihre körperliche Unversehrtheit, aber auch die Illusionen über eine zerstörerische Ideologie.

Luce D’Eramo (geboren 1925 in Reims, verstorben 2001 in Rom) legt mit ihrem Buch „Der Umweg“ ein bewegendes Stück Zeitgeschichte vor! Man spürt bei jeder Zeile, das, was Luce d’Eramo hat durchmachen und erleiden müssen. Sie erzählt sehr plastisch. Man spürt den Dreck in den Händen, den Schmerz am Körper, die Geißelung der Seele. „Der Umweg“ ist Literatur in einer harten und klaren Form! „Der Umweg“ ist keine durchgängig erzählte Geschichte, aber das tut der Qualität, dem Schrecken der Erzählung keinen Abbruch. Es ist in vier große Kapitel unterteilt: „Flucht aus den Lagern“, „Unter den Steinen“, „Erste Ankunft im Dritten Reich“ und „Der Umweg“.

Klett Cotta, 479 Seiten; 24,00 Euro


Regena Thomashauer

daumen rauf

Pussy

Regena Thomashauer PussyDie Pussy, das weibliche Geschlechtsorgan, ist weit mehr, als wir bisher dachten. Die Autorin ermutigt Frauen, das oft vernachlässigte Zentrum weiblicher Kraft, Macht, Lust und Freude neugierig zu erkunden und liebevoll zum Leben zu erwecken. Sie meint, die Pussy hat gar eine eigene Intelligenz, der Frau sich getrost anvertrauen darf, wenn es um wichtige Lebensentscheidungen oder auch spontanes Vergnügen geht. Das sinnliche Bewusstsein, dessen Sitz die Pussy ist, ist laut der Autorin sogar essenziell wichtig für unsere spirituelle, intellektuelle und emotionale Gesundheit.

Was für ein Buchtitel! Er bringt den Inhalt auf den Punkt: „Pussy“. Nicht wenige Frauen trauen sich das Wort für ihre „Göttin“ ja gar nicht aussprechen, die Amerikanerin Regena Thomashauer tut das in dem Buch gefühlt einhunderttausendmal. Nach dieser Lektüre werden die Leserinnen sich und ihre Körpermitte anders sehen. Ein Buch, das Frauen stärken und ihnen Mut machen kann! „Wohin wird deine Pussy dich mitnehmen, wenn du ihr die Schlüssel zuwirfst und sie fahren lässt?“ Eine der Fragen dieses Buches. Lassen Sie sich überraschen, wo die Lektüre mit ihnen „hinfährt“.

Arkana, 313 Seiten; 16,00 Euro


Hugo Boris

daumen rauf

Die Polizisten

Die Polizisten

Am Ende eines heißen Sommertags werden die Polizisten Virginie, Aristide und Érik mit einem Sondereinsatz beauftragt: Sie sollen einen Flüchtling, dessen Antrag auf Asyl abgelehnt wurde, zum Flughafen bringen. Schnell begreift Virginie, dass den Mann in seiner Heimat der sichere Tod erwartet. Sie und ihre Kollegen geraten in einen Gewissenskonflikt: Gehorsam leisten oder den eigenen moralischen Instinkten folgen? Die Fahrt nach Roissy wird zu einer schweren Prüfung, aus der keiner der Beteiligten unversehrt hervorgeht, wenngleich jeder andere Konsequenzen für sich daraus zieht.


Ein hochaktueller, mitreißender und packender Roman über ein Thema, zu dem alle eine Meinung haben! Der Franzose Hugo Boris greift in „Die Polizisten“ eine ergreifende Geschichte auf, wie sie sich fast wöchentlich in Frankreich und auch bei uns abspielt. Was ist der richtige Umgang mit Asyl, Einwanderung und am Ende auch mit der Demokratie. Ein Buch, dass unsere gesellschaftlich schweren Zeiten gekonnt einfängt. Zudem zeigt es die schwere Arbeit der „einfachen“ Polizisten, die Tag für Tag einen äußerst schwierigen Job zu erledigen haben.

Ullstein, 185 Seiten; 20,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Linda Castillo

Ewige Schuld

In ewigerSchuld mp3

Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Doch diese Tat hat er immer vehement bestritten. Jetzt ist er ausgebrochen, hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung an sie lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau! Als Kate diesen zwei Jahre alten Fall wieder aufgreift, ahnt sie noch nicht, wie gefährlich diese Ermittlung werden …

„Ewige Schuld“ ist der neunte Fall für die Kult-Ermittlerin Kate Burkholder. Ein Kriminalroman mit zahlreichen Überraschungen und Wendungen, der bis zum Schluss spannend bleibt! Auch wenn ich schon von Anfang an so eine gewisse Ahnung hatte, die sich dann auch bestätigt hat, hat das für mich an der Qualität des Krimis nichts eingebüßt. „Ewige Schuld“ beweist erneut, dass der amerikanische Bestsellerautorin Linda Castillo die Ideen nicht ausgehen, wie man in der Amisch-Gemeinde Mord und Totschlag praktisch auf der Tagesordnung stehen lassen kann. „Ewige Schuld“ wird erneut, zum neunten Mal, von Tanja Geke (u. a. leiht sie Hollywoodstar Zoe Saldana die Stimme) gelesen. Sie ist in dieser Zeit zu Kate Burkholder geworden. Sie verleiht der Figur durch ihre Stimme Stärke und Empathie. Hörprobe

In ewigerSchuld



Auch als Taschenbuch erhältlich bei Fischer, 10,99 Euro.

Argon Hörbuch, 6 CDs, 454 Minuten; 19,95 Euro


Denglers-buchkritik.de

Kolumne vom 03.09.2018

Dr. Qing Li

daumen rauf

Die wertvolle Medizin des Waldes

Die wertvolle Medizin des Waldes

Jeder weiß, wie gut ein Waldspaziergang tun kann. Aber nicht jeder weiß, wie das Vitamin N – wie Natur – tatsächlich wirkt. Über 30 Jahre lang hat Dr. Qing Li die heilsame Kraft des Waldes erforscht und die in Japan und mittlerweile auch weltweit beliebte „Shinrin-Yoku“-Methode entwickelt. Durch praktische Übungen werden unsere fünf Sinne angeregt und Körper und Geist in Einklang gebracht. Die Wirksamkeit der Methode ist unumstritten, unter anderem wird damit Stress reduziert, unser Herz-Kreislaufsystem und unser Stoffwechsel verbessert, der Blutzucker gesenkt, Konzentration gefördert, Depressionen abgemildert und unser Immunsystem gestärkt.

Ein wundervolles Buch über die seelische und körperliche Heilkraft von Bäumen und dem Wald. Die Lektüre des Buches ist so kraftspendend wie ein Spaziergang durch den Wald. Das machen die schönen Zeilen von Professor und Waldmediziner Dr. Qing Li und die wunderschönen Fotos von Bäumen und Wäldern. Das Buch zeigt, das ein Baum ein Lebewesen ist und ein guter Freund im Leben werden kann, der sich einem das ganze Jahr über durch unterschiedlich präsentiert und einem Kraft spenden und auch glücklich machen kann. Man muss sich nur die Zeit nehmen und erkennen, wie wertvoll jedes einzelne Blatt eines Baumes sein kann. Machen Sie Baum Watching und nutzten Sie es als Entschleunigungsmedizin gegen den stressigen Alltag!

Hoerebuch Die wertvolle Medizin des Waldes Wie die Natur Korper und Geist starkt Qing Li

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Andreas Neumann lässt einen die schönen Zeilen über die Bäume und dem Wald überall hören. Eine weiche und entschleunigende Lesung. 16,95 Euro. Hörprobe 1 - Hörprobe 2 - Hörprobe 3

Rowohlt Polaris, 319 Seiten; 16,99 Euro


Kim Stanley Robinson

daumen runter

New York 2140

New York 2140

New York, einhundert Jahre später. Der Meeresspiegel ist angestiegen, und die Straßen des Big Apple haben sich in Kanäle verwandelt und aus den einstigen Wolkenkratzern sind hoch aufragende Inseln geworden. Aber noch hat New York sich nicht aufgegeben. In einem Haus treffen so unterschiedliche wie ergreifende Schicksale aufeinander – Schicksale, die von der Zukunft nach dem Ökokollaps erzählen. Da ist zum Beispiel ein nimmermüder Detektiv, und da ist das Internet-Sternchen. Auf dem Dach leben die Coder. Ihr Verschwinden setzt schließlich eine Kette von Ereignissen in Gang, die das Leben aller New Yorker für immer beeinflussen werden.

Ein Roman, an den ich sehr große Erwartungen hatte! Vorrangig natürlich das Thema, wie die Welt in einhundert Jahren aussehen wird. New York als Paradebeispiel, wenn der Meeresspiegel so stark steigen wird, wie vorhergesagt. Dazu noch ein preisgekrönter Autor, seine Mars-Trilogie hatte mich überzeugt. Es war angerichtet für ein Lesefest. Doch leider konnte Kim Stanley Robinson meine Erwartungen nur in sehr wenigen Bereichen erfüllen. Er hat die hervorragende Grundidee im überfluteten New York untergehen lassen. Die Geschichte ist geprägt von hartnäckiger Langeweile. Robinson gibt eigentlich Unwichtigem so viel Raum, so dass man von einem Lesefest nur träumen kann. Auch haben die Charaktere nicht das Zeug dazu, die Geschichte noch irgendwo aus den Tiefen hervorzuholen.

Heyne, 811 Seiten; 16,99 Euro


Tibor Rode

daumen rauf

Das Morpheus-Gen

Das Morpheus GenFür den New Yorker Anwalt David Berger gerät die Welt aus den Fugen: Seit Nächten kann er nicht schlafen, sondern bleibt rund um die Uhr wach. Kurz darauf werden seine Freundin und sein bester Freund ermordet, und für die Polizei steht fest, dass er der Täter ist. Unterstützung auf der Flucht erhält David von der Archäologin Nina, die aus unbekannten Gründen seine Nähe sucht. David wird bald klar: Das, was ihm bislang den Schlaf geraubt hat, kann ihn das Leben kosten. Er ahnt nicht, dass sich hinter seiner plötzlichen Schlaflosigkeit eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit verbirgt.

Der Deutsche Tibor Rode hat u. a. schon mit „Das Mona-Lisa-Virus“ einen großartigen Thriller-Bestseller geschrieben. Gespannt konnte man nun auf das Nachfolgewerk sein. Und: „Das Morpheus-Gen“ schlägt ein wie eine Bombe! Ein Thriller, der einen garantiert wachhält und erst wieder schlafen lässt, wenn man die letzte Seite gelesen hat! Die Story ist frisch, ausgefeilt und rasant erzählt. Sie weiß immer wieder mit unerwarteten Wendungen zu überzeugen. Die Charaktere, allen voran David Berger, überzeugen. Er, der nicht mehr schlafen kann, zeigt, welche Folgen das haben kann. Ein Wunsch, immer wach zu bleiben, wird nach und nach zum Alptraum.

Lübbe, 430 Seiten; 15,00 Euro


Bernard Cornwell

daumen rauf

Narren und Sterbliche

Narren und SterblicheDer Winter 1595 ist kalt. Das macht auch den Mitgliedern der Theatertruppe von William Shakespeare zu schaffen, einer von vielen in London. Die Stadt ist seit längerem vom Theaterfieber ergriffen. Die puritanische Obrigkeit will alle Bühnen verbieten lassen, aber viele im Hochadel lieben das Theater, und auch die Königin tut es. Zur Hochzeit einer hochgestellten Dame soll die Truppe ein neues Stück auf die Bühne bringen, eine Komödie mit dem Titel „Der Sommernachtstraum“. Mit von der Partie: Richard, William Shakespeares jüngerer Bruder, vom Älteren wenig geliebt und auf der Bühne nur in Frauenrollen geduldet. Dann geschieht eine Katastrophe: Ein konkurrierendes Schauspielhaus lässt das Stück stehlen. Aber Richard weiß, wie die Uraufführung zu retten ist.

Bernard Cornwell ist in der Historie zu Hause. Welches historische Thema er auch aufgreift, jeder seiner Romane wird zu Bestsellergold! Mit seinem neuen historischen Roman ist es da nicht anders. „Narren und Sterbliche“ ist aber ein ungewöhnlicher und in vielen Phasen auch überraschender historischer Roman. Dem Thema, William Shakespeare und die Aufkeimende Zeit des Theaters, gewinnt Bernard Cornwell viele spannende Momente ab.

Wunderlich, 506 Seiten; 25,00 Euro


Linn Ullmann

daumen rauf

Die Unruhigen

Die Unruhigen

Als sie zum ersten Mal nach Hammars kam, war sie ein knappes Jahr alt und ahnte nichts von der großen und umwälzenden Liebe, die sie dorthin geführt hatte. Im Grunde waren es drei Lieben. Vater und Tochter sitzen mit einem Aufnahmegerät zwischen sich zusammen. Ihr Plan lautet, das Altern in einem Buch zu dokumentieren, das sie gemeinsam schreiben wollen. Als sie ihn endlich in die Tat umsetzen wollen, hat das Alter ihn in einer Weise eingeholt, die ihre Gespräche unvorhersehbar und unzusammenhängend macht.


Die skandinavische Bestellerqueen nähert sich in „Die Unruhigen“ ihrer Kindheit. Der Roman ist autofiktional, er behandelt das Leben ihrer bekannten Eltern und ihr eigenes Erwachsenwerden. Die Geschichte hat aber auch die große Komponente, wie wir zu den Menschen werden, die wir am Ende sind. Kindheit, Erwachsenwerden, Altwerden – das Leben in seiner ganzen Form. „Die Unruhigen“ verspricht im positiven Sinne unruhige Lesestunden!

Luchterhand, 414 Seiten; 22,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Katharina Adler

Ida

Ida mp3

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der 'petite hystérie' und einer äußerst verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, „um die Befriedigung [brachte], sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien.“

Die junge Katharina Adler (Jahrgang 1980) porträtiert in ihrem Debütroman „Ida“ das Leben ihrer Urgroßmutter. Da der Roman ein halbes Jahrhundert verfasst, bis zum Ende des 2. Weltkriegs, ist er nicht nur das verschlungene Porträt einer eigenwilligen und Mythen umrankenden Frau, sondern auch ein breit gefächerter Gesellschaftsroman. Ein literarisches Kunststück! Dieses literarische Kunststück wird mit Klasse und Eleganz gelesen von Petra Morzé, Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater. Sie gibt Ida eine deutliche und unverwechselbare Stimme. Dazu beherrscht Petra Morzé nicht nur ein charmantes Deutsch, sondern auch ihr ureigenes Österreichisch und ein klares Englisch lässt sie gekonnt einfließen. Hörprobe

Adler ida

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Rowohlt, 25,00 Euro.

Argon Hörbuch, 10 CDs, 750 Minuten; 29,95 Euro


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