Mai 24, 2022

Kolumne 25.04.2022 Nr. 714

BuchKolumne 25.04.2022 Nr. 714

Camilla Läckberg / Henrik Fexeus – Schwarzlicht
Sebastian Fitzek / Micky Beisenherz – Schreib oder stirb
Saidiya Hartman – Aufsässige Leben, schöne Experimente
Ian Stewart – Wetter, Viren und Wahrscheinlichkeiten
David Spencer – Alles bio – logisch?!

Camilla Läckberg / Henrik Fexeus – Schwarzlicht

Wer ermordet eine Frau, indem er sie in eine Kiste sperrt und mit mehreren Schwertern durchbohrt? Weil der Fall an einen grausam missglückten Zaubertrick erinnert, zieht die Stockholmer Kommissarin Mina Dabiri den Profiler Vincent Walder hinzu, der selbst als Mentalist auftritt. Doch wie Mina kommt auch Vincent mit Menschen nicht sonderlich gut zurecht. Erst als eine weitere Leiche auftaucht und Vincent einen Code entschlüsselt, der auf einen Countdown hindeutet, beginnen Mina und er einander zu vertrauen – und die beiden müssen feststellen, dass ihre eigenen dunklen Geheimnisse im Zentrum des Falls stehen.

„Schwarzlicht“ ist der Auftakt der Krimi-Trilogie von Bestseller-Autorin Camilla Läckberg und Mentalist Henrik Fexeus aus Schweden. In der Krimi-Reihe „Die Dabiri-Walder-Trilogie“ dreht sich alles um psychologische Untiefen, Rätsel, Codes und Illusionen. Camilla Läckberg ist eine DER Krimi- und Thriller-Queens in Europa! Das sie sich nun mit einem Mentalisten zusammentut um eine Krimi-Trilogie zu schreiben, kann eigentlich nur Gutes verheißen. Tut es am Ende auch. „Schwarzlicht“ führt einen hinters Licht und sorgt für überraschend viel Spannung! Eine ausgeklügelte Story und Figuren, von denen man immer mehr erfahren möchte. Ein guter Einklang für einen Thriller und ein noch besserer Auftakt für die weiterführende Thriller-Trilogie. Das „Schwarzlicht“ scheint ganz hell am Thriller-Horizont!

Knaur, 621 Seiten; 18,00 Euro

 Sebastian Fitzek / Micky Beisenherz – Schreib oder stirb

Schreib oder stirb - Sebastian Fitzek -Micky Beisenherz

Carl Vorlau, mysteriöser Patient einer psychiatrischen Privatklinik, behauptet, vor Monaten die siebenjährige Pia entführt und an einen geheimen Ort verschleppt zu haben. Über seine Tat will Vorlau nur mit einem einzigen Menschen reden – dem unkonventionell arbeitenden Literaturagenten David Dolla, dem Vorlau ein diabolisches Angebot macht: Der Agent soll ihm einen Verlagsvorschuss von einer Million Euro verschaffen, für einen Thriller mit dem Titel „Ich töte was, was du nicht siehst“. Ein Geständnis in Form eines True-Crime-Romans über das Schicksal der kleinen Pia! Als Belohnung verspricht Vorlau, Dolla zu einem Helden zu machen, der das Mädchen in letzter Sekunde vor dem sicheren Tod rettet. Sollte Dolla den Auftrag jedoch ablehnen, will Vorlau nicht nur Pia sterben lassen, sondern auch das Leben des Agenten für immer zerstören.

Sebastian Fitzek ist ein Ausnahmekönner im Psychothriller-Genre! Micky Beisenherz ein guter Fragesteller in Talksendungen. Beide wollten mit „Schreib oder stirb“ einen humorvollen Psychothriller schreiben. Das Ergebnis ist in weiten Teilen ein Desaster! Wenn Sebastian Fitzek das Buch alleine geschrieben hätte, mit dem ein oder anderen humorvollen Einschub, hätte aus der eigentlich ganz guten Story ein gutes Buch werden können. Doch so, eine sprachliche Katastrophe! Ich bekam schon nach wenigen Seiten Kopfschmerzen von diesem aufgesetzten Humor. Einfach nur schrecklich! Auf Teufel komm raus lustig sein zu wollen ist meist so etwas von unlustig, wie dieses Buch beweist. Und dieser unlustige, aufgesetzte Humor nahm auch noch überhand. Fast schon jede Figur und jede Szene wurde mit diesem Gossenhumor überfrachtet. Das Buch begann schlecht, wurde dann noch schlechter und am Ende hieß es: lies und stirb. Denn wer dieses Buch bis zum Ende durchgehalten hat, der ist dem Tode wirklich näher als dem Leben.

Droemer, 333 Seiten; 19,99 Euro

 Saidiya Hartman – Aufsässige Leben, schöne Experimente

Aufsässige Leben, schöne Experimente-Saidiya Hartman

Im frühen 20. Jahrhundert erprobten junge afroamerikanische Frauen in großstädtischen Slums neue, subversive Formen der Liebe und der Solidarität außerhalb von Konvention und Gesetz: nichteheliche Partnerschaften und flüchtige Ehen, queere Identitäten und alleinerziehende Mutterschaft. Ihre Lebensentwürfe waren revolutionär, doch sie selbst sind vergessen.

Saidiya Hartman, Professorin an der Columbia University und spezialisiert auf afroamerikanische Literatur- und Kulturgeschichte, schlägt in der Geschichtsschreibung ein ganz neues, forsches Kapitel auf. Sie belebt das historische Archiv mit literarischer Imagination und rekonstruiert die experimentellen Welten und rebellischen Begehren dieser Vorreiterinnen. Und das macht sie auf eine ganz besondere Art. Saidya Hartman geht dahin, wo es so manchen Historikern oder Historikerinnen weh tut. Sie zeigt die Vielfältigkeit, den Mut, die Eleganz von schwarzen Frauen. „Sie kämpften darum, selbstbestimmte und schöne Leben zu erschaffen.“ Das war in der Historie so und ist es auch in der Gegenwart. Geschichten von weißen Frauen aus dieser Zeit gibt es viele, dank Saidya Hartman bekommen wir nun einen anderen Einblick in die Geschichte. Einige Hauptthemen sind: „Die schreckliche Schönheit des Slums“, „Die intime Geschichte von Sklaverei und Freiheit“, „Eine Chronik der Armut und Not“, „Die sexuelle Geografie des Black Belt“, „Die Anarchie von schwarzen Mädchen in aufrührerischer Zusammenrottung“, „Der Sozialist hält eine Rede über die freie Liebe“ und „Die Schönheit des Ensembles“.

Claassen, 528 Seiten; 28,00 Euro

  Ian Stewart – Wetter, Viren und Wahrscheinlichkeiten

Wetter, Viren und Wahrscheinlichkeiten-Ian Stewart

Wie machen wir aus Nichtwissen Wissen? Wie bekommen wir mehr Sicherheit, welche unserer Entscheidungen die beste ist? Wenn es darum geht, das scheinbar Zufällige zu beherrschen, haben wir es mit den Mitteln der Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung weit gebracht. Heute können wir vielfältige Formen von Unwissen bis zu einem gewissen Grad mess- und handhabbar machen. Allerdings haben wir in unserem Jahrhunderte währenden Bemühen, uns mit dem Unbekannten bekannt zu machen, immer auch neue Ungewissheiten entdeckt. Und oft genug gab es dabei fatale Fehlurteile. Man muss also schon wissen, wie es geht.

Wir möchten unsere Zukunft gerne kennen, statt den Ereignissen einfach ausgesetzt zu sein: Ob es um das Wetter geht, die Börsenkurse, unsere Chancen vor Gericht oder beim Lotto, das Geschlecht unseres Kindes, die Berechnung einer Herdenimpfung. Der britische Kult-Mathematiker Ian Stewart zeigt in diesem Buch, wie man sich dem Ungewissen mit Wissen annähern kann! Ich habe viel gelernt, weit über die Mathematik und Statistiken hinaus. Sehr wahrscheinlich wird Sie dieses Buch überraschen! Die Hauptthemen sind: „Die sechs Zeitalter der Ungewissheit“, „Aus den Eingeweiden lesen“, „Würfeln“, „Eine Münze werfen“, „Zu viel Informationen“, „Trugschlüsse und Paradoxien“, „Soziale Physik“, „Wie sicher sind Sie sich da?“, „Gesetz und Unordnung“, „Das Vorhersehbare nicht vorhersehen“, „Die Wetterfabrik“, „Therapeutische Maßnahmen“, „Finanzielle Wahrsagerei“ „Unser bayesiansches Gehirn“, „Quantengewissheit“, „Spielen Würfel Gott?“, „Nützliche Ungewissheit“ und „Unbekanntes Unwissen“.

Rowohlt, 394 Seiten; 22,00 Euro

  David Spencer – Alles bio – logisch?!

David Spencer-Allesbio – logisch

Wollen Sie die wunderbare Welt der Pflanzen entdecken? Und die faszinierenden und vielfältigen Seiten von unserem alltäglichen Obst und Gemüse kennenlernen? Dann ist für Sie „Allesbio“ der Weg dazu. Was hat das Obst und Gemüse in unserem Kühlschrank mit moderner Pflanzen-Biologie zu tun? Warum ist die Tomaten-Zucht auf dem Balkon ein Ringen gegen die Natur? Weshalb müssen auch Pflanzen geimpft werden? Sind Pflanzen-Zucht und Gen-Technik wirklich unnatürlich? Und wie kann uns die Pflanzen-Forschung dabei helfen, nachhaltiger zu leben?

Der Autor David Spencer ist sich sicher: Wenn wir das Hightech-Wissen aus der Forschung und moderne Methoden zur Züchtung mit Öko-Landbau kombinieren, können wir zu einer grünen Landwirtschaft und klimafreundlicher Ernährung gelangen. Dieses Buch ist mehr als eine nerdige Sammlung von Funfacts: Es erzählt erstaunliche und verrückte Geschichten aus der wunderbaren Welt der Pflanzen-Forschung. Logisch, alles bio, möchte man sagen. Um eine bessere Welt zu erschaffen wäre das mehr als wünschenswert, aber leider derzeit nicht umsetzbar. Doch in kleinen Schritten kann man dem großen Ganzen ein Stück näherkommen. David Spencer vermittelt auf luftig leichte Art Natur-Wissen für Jedermann! Die Hauptthemen sind: „Alles nur in meinem Topf“, „Pflanzenzähmen leicht gemacht“, „Das Wunder von Beeren“, „Ein Korn im Feldbett“, „Natural Birn’ Killers“, „Walk the Lein“, „Eine Frage der Ähre“ und „Die Zukunft ist bio – logisch“.

Droemer, 220 Seiten; 16,99 Euro