April 15, 2024

Kolumne 22.05.2023 Nr. 770

     BuchKolumne 29.05.2023 Nr. 770

Min Jin Lee – Gratisessen für Millionäre
Dora Heldt – Liebe und Eierlikör
Veit Etzold
– Die Zentrale
Jean-Claude Vinet
– Tod in La Rochelle
Franziska Tanneberger
– Das Moor

Min Jin Lee – Gratisessen für Millionäre

Casey Han, Tochter koreanischer Einwanderer, hat sich den amerikanischen Traum zu eigen gemacht: Sie will reich und erfolgreich sein. Doch nach dem Studium hat sie noch keinen Job und lebt über ihre Verhältnisse – zum Ärger der Eltern, die große Opfer gebracht haben, um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Während Casey vor der bunten Kulisse New Yorks einen Weg voller kleiner Triumphe und spektakulärer Misserfolge beschreitet, prallen Werte und Wünsche aufeinander.

Min Jin Lee wurde für ihren Roman „Ein einfaches Leben“ gefeiert. Ein Weltbestseller. Nun folgt ihr neuer Roman, der eigentlich gar kein so neuer ist. Mit „Gratisessen für Millionäre“ geht es zurück in die 1990er. Was für eine Zeit! Die amerikanische Originalausgabe erschien 2007, aber da das Buch zuvor angesiedelt ist, spielt das eigentlich keine Rolle. So kann man das Ende des 20. Jahrhunderts noch einmal miterleben, durch die Augen von Casey Han. Deren Leben im Kleinen für die LeserInnen literarisch spektakulär verläuft. Min Jin Lee hat nicht nur einen großartigen Gesellschaftsroman geschrieben, in der zwei Welten aufeinanderprallen, sondern sie hat daraus ein literarisches Epos mit fast 900 Seiten gemacht. Und keine Seite möchte ich missen. In dieser so umfangreichen Geschichte erzählt die Autorin so viele kleine spannende Geschichten, die mich immer wieder haben staunen lassen. Ein literarisches Epos, das man lieben muss. Grandios!

dtv, 848 Seiten; 28,00 Euro

Dora Heldt – Liebe oder Eierlikör

Ernst Mannsen versteht die Welt nicht mehr. Die sonst so verlässliche Hilke Petersen trägt plötzlich Lippenstift und hat keine Zeit, auf dem Frühlingsbazar Kuchen zu verkaufen. Hella und Gudrun reden von Frühlingsgefühlen und Liebeshormonen und vermuten, dass Hilke eine Romanze hat. Und plötzlich taucht auch noch das Gerücht auf, dass das halbe Dorf sich bei einer Dating-App angemeldet hat, die Liebe oder Eierlikör heißt. Und dass, obwohl Ernst schon so viel über Betrüger im Netz gelesen hat. Er vermutet, dass der Lippenstift nur der Anfang der Katastrophe ist, in die Hilke sich begibt, und ist entschlossen, das zu verhindern. Mithilfe seines Enkels Mats und Freundin Hella forscht er Undercover nach, nicht ahnend, wie schnell man sich auf einem Date wiederfinden kann.

Unterhaltungs-Bestseller-Queen Dora Heldt ist immer lesenswert! Eigentlich. Ihre „Die-Haus-am-See“-Romane sind einfach nur wow! Aber auch solch eine Autorin kann mal einen Ausreißer nach unten haben. So geschehen mit „Liebe oder Eierlikör“. Der Roman hat seine Momente, mal witzig, mal ein kleines bisschen spannend, aber meist doch eher seicht und uninspiriert. Die Charaktere sind etwas überspitzt dargestellt, durchaus aber nett, aber ich konnte nicht so richtig warm werden mit ihnen. Trotzdem werden wahrscheinlich doch einige Dora-Heldt-Fans ihre Freude an dem Buch haben, nicht zuletzt, weil während des Lesens durchaus Urlaubsgefühle nach der Insel Sylt aufkommen.

dtv, 317 Seiten; 15,00 Euro

  Veit Etzold – Die Zentrale

Für die junge Bankerin Laura Jacobs scheint sich eigentlich alles zum Besten zu wenden: Ihr Arbeitgeber versetzt sie auf ein Spezialprojekt in die Zentrale der Bank, was einer beachtlichen Beförderung gleichkommt. Doch je tiefer Laura in das Projekt eintaucht, desto tiefer werden auch die Abgründe der Finanzwelt, die sich vor ihr auftun. Erneut stößt sie dabei auf jenen unheimlichen Investor, der sie beinahe um ihr Haus gebracht hätte. Laura muss feststellen, dass ihr Gegner keineswegs aufgegeben hat – er hat längst einen neuen Plan für sie. Einen Plan, der einen Mord beinhaltet. Und sämtliche Indizien deuten auf Laura als Täterin.

Veit Etzold ist einer der angesagtesten Thriller-Autoren Deutschlands! Mit seiner neuen Finanz-Thriller-Reihe hat Veit Etzold als Ex-Banker und Wirtschaftsberater praktisch ein Heimspiel. Nach „Die Filiale“ folgt nun „Die Zentrale“. Und wieder ist die engagierte, kämpferische und sympathische Heldin Laura Jacobs im Einsatz in der Finanzwelt. Erneut muss sie an mehreren Fronten kämpfen und muss dabei hohe Hürden überwinden. Veit Etzold beweist erneut, dass er sich hervorragend in der Finanzwelt auskennt und mit diesem Wissen einen ebenso hervorragenden Thriller schreiben kann. Ein brandaktueller Finanz-Thriller, der einen keine Sekunde ruhen lässt!

Droemer, 320 Seiten; 11,99 Euro

   Jean-Claude Vinet – Tod in La Rochelle

Nach La Rochelle zieht es jedes Jahr unzählige Touristen, die dort auch in der malerischen Altstadt flanieren. Für das Flanieren hat Clément Chevalier jedoch keine Zeit. Der Commissaire hat sich aus der Großstadt Lyon hierher in die beschauliche Provinz versetzen lassen und wird gleich an seinem ersten Arbeitstag zu einem Tatort gerufen: Auf der Île de Ré wird die Leiche eines prominenten Winzers gefunden, offensichtlich ermordet. Der Täter scheint schnell gefunden zu sein. Doch als am Tour de la Lanterne ein weiterer Toter auftaucht, ahnt Chevalier, dass der Fall noch lange nicht gelöst ist.

Frankreich-Krimis haben auf dem deutschen Krimi-Markt seit Jahren Hochkonjunktur! Nun schickt Jean-Claude Vinet (das Pseudonym, wie soll es anders sein, eines deutschen Autors) sein Commissaire Clément Chevalier ins Rennen. „Tod in La Rochelle ist der erste Fall für den Ermittler. Und gleich ein richtig guter. Ein spannender Krimi mit viel Lokalkolorit, einem sympathischen Ermittler und zahlreichen weiteren Überraschungen. Commissaire Clément Chevalier darf wiederkommen. Und das gerne ganz schnell!

Lübbe, 367 Seiten; 13,00 Euro

Franziska Tanneberger – Das Moor

Das Moor: schmatzende, nasse Sumpflandschaften, wo Vögel nisten, Schilfpflanzen, Torfmoose und Gräser wachsen. Ein Lebensraum, der eine ganz besondere Artenvielfalt in sich birgt. Franziska Tanneberger, eine der bekanntesten Moorforscherinnen Deutschlands, nimmt die LeserInnen mit zu Mooren auf der ganzen Welt. Wir zelten auf sinkendem Boden, folgen dem Seggenrohrsänger bis in den Senegal und erfahren, warum Moore Teil der Klimarettung sein müssen.

Wer den Klimaschutz ernst nimmt, der sollte auch den Schutz und das Renaturieren der Moore sehr ernst nehmen! Ich habe bereits viele Dokus dazu gesehen und das Buch von Franziska Tanneberger hat mich noch tiefer in die Materie eintauchen lassen. Wollen auch Sie wissen, wie wichtig Moore für unseren Planeten sind, dann lesen Sie dieses Buch! Die Hauptkapitel sind: „Von der Natur des Moores“, „Die Weltkarte der Moore“, „Eine kleine Geschichte der Moore in Deutschland“, „Von der Moor- zur Klimaforschung“, „Nasse Moore braucht das Land“, „Zauberwort Paludikultur“ und „Eine Moorwende für die Zukunft“.

dtv, 237 Seiten; 24,00 Euro