April 14, 2024

Kolumne 19.02.2024 Nr. 809

     BuchKolumne 19.02.2024 Nr. 809

Dani Atkins – Was die Sterne dir schenken
Gianna Milani – Commissario Tasso treibt den Winter aus
Karen Rose – Kaltblütige Lügen
Max Annas – Berlin, Siegesallee
Peter Schäfer – Das aschkenasische Judentum

      Hörbuch der Woche

Andrea Camilleri – Ein tiefer Blick in die Seele

 Dani Atkins – Was die Sterne dir schenken

Voller Sorge fliegt die 32-jährige Lexi von New York ins heimische England. Ihre Schwester Amelia wurde bewusstlos am Strand gefunden und liegt seitdem im Krankenhaus, mit äußerst rätselhaften Symptomen: Einerseits weist ihr Gedächtnis enorme Lücken auf – andererseits erinnert sie sich bis ins kleinste Detail an ihren Ehemann Sam und dessen Hund. Das Problem dabei: Amelia war nie verheiratet. Die Ärzte raten Lexi, so zu tun, als ob es Sam gäbe, um Amelias Genesung nicht zu gefährden. Widerwillig lässt sie sich darauf ein. Als sie eines Tages bei Amelias Haus am Strand spazieren geht, trifft sie dort einen Mann mit Hund, der exakt der Beschreibung von Sam entspricht. Doch der Name des Mannes ist Nick, und er ist Lexis Schwester noch nie begegnet.

Was für eine Geschichte! Was für ein Leserausch! Dani Atkins ist bekannt für ihre emotionalen und gefühlvollen Lovestorys, die meist viel mehr sind als „nur“ Lovestorys. So auch ihr neuer Roman „Was die Sterne dir schenken“. Eine Geschichte, die Lovestory, Drama und Krimi in einem ist. Schon nach wenigen Seiten entwickelt sich eine Leserausch. Die Seiten fliegen nur so dahin. Es gibt viele kleine Geheimnisse zu entdecken in diesem Buch, und natürlich das eine große: Was hat es mit Amelias Gedächtnislücken auf sich? Halten Sie Ihre Taschentücher bereit, Sie werden sie brauchen! Ein Roman, perfekt für einen Hollywood-Film, für einen, der einen Oscar verdient hätte. Die Geschichte bietet eine emotionale Achterbahnfahrt, die Sie so schnell nicht wieder vergessen werden!

Knaur, 431 Seiten; 12,99 Euro

Gianna Milani – Commissario Tasso treibt den Winter aus

Februar 1963: Etwas widerwillig besucht Aurelio Tasso den Egetmann-Umzug in Tramin, bei dem traditionell der Winter ausgetrieben wird. Vor allem die hölzernen Schnappviecher flößen Tasso Respekt ein. Dann wird mitten in der Menge ein junger Mann umgebracht. Niemand will etwas gesehen haben. Die Möglichkeit, es könne ein Unglück gewesen sein, ist schnell vom Tisch, Beschuldigungen werden ausgesprochen. Sogar ein Schnappviech wird verdächtigt. Mit Hilfe von Mara Oberhöller versucht Tasso tapfer, die vielen verschiedenen Fäden zu entwirren, aber er muss erst einige Knoten lösen, bevor er den Mörder findet.

Nach „Commissario Tasso auf dünnem Eis“ und „Commissario Tasso stochert im Nebel“ ist „Commissario Tasso treibt den Winter aus“ der dritte Band dieser charmanten Krimi-Reihe. Einen dicken grünen Daumen gibt es gleich vorab – für die wunderschönen Cover der drei bisherigen Bücher. Leider kann die Story nicht mit dem äußeren Glanz mithalten. Charmant ist die Krimi-Reihe, das Ambiente der 1960er Jahre in Südtirol ist auch ein echter Hingucker und wunderschön sind die Cover! Aber: die Story bietet nur sehr milde Spannung, um es charmant auszudrücken, und auch manch Figurenzeichnung ist wenig nachdrücklich. Gianna Milani ist das Pseudonym der deutschen Autorin Diana Menschig.

Lübbe, 317 Seiten; 15,00 Euro

 Karen Rose – Kaltblütige Lügen

Nachdem Detective Kit McKittrick vom San Diego Police Department einen anonymen Hinweis auf das mögliche Grab eines Mordopfers in einem Stadtpark bekommen hat, stößt ihr Team dort tatsächlich auf die Leiche einer jungen Frau. Sie ist mit pinken Handschellen gefesselt – so wie zahlreiche Opfer eines Serienkillers, der schon seit Jahren sein Unwesen treibt. Kit schöpft Hoffnung, endlich eine neue Spur zu haben. Doch schon bald nimmt der Fall neue, ungeahnte Dimensionen an. Mittendrin der Psychologe Sam Reeves, der sich als der anonyme Hinweisgeber herausstellt und alles andere als unschuldig scheint.

Karen Rose ist DIE Thriller-Queen! Unermüdlich ist sie in ihrer Arbeit, den LeserInnen Bücher zu schenken, die diese um ihren Schlaf bringen. Nicht anders ist es bei ihrem neuen Thriller „Kaltblütige Lügen“. Karen Rose schafft einen neuen Schauplatz nach dem anderen, mit einem neuen Ermittler-Team nach dem anderen. Dieser Thriller ist der Start der „San-Diego“-Reihe mit Detective Kit McKittrick in der Hauptrolle. Eine Frau mit einer traumatischen Kindheit, als sie ihre Schwester Wren verlor. Ein Mord! Und genau deswegen ist sie Polizisten geworden, um diesen persönlichen Fall aufzuklären und natürlich noch viele andere. Nervenaufreibende Spannung, eine durchtriebene Story, eine Ermittlerin, der man unbedingt folgen will, und Karen Rose hat ihren nächsten Thriller-Bestseller geschrieben. Karen Roses „San-Diego“-Reihe hat das Zeug dazu, eine ganz starke zu werden!

Knaur, 540 Seiten; 18,99 Euro

   Max Annas – Berlin, Siegesallee

Das Reich im Sommer 1914: Der Völkermord in Deutsch-Südwest liegt Jahre zurück, in den Kolonien herrscht Ruhe, und überhaupt lebt man in prächtigen Zeiten. Da lernen sich in Steglitz bei Berlin drei junge Männer kennen. Joseph Ayang, Sohn eines Kameruner Kolonialbeamten, will Theologie studieren. Friedrich Smith ist der im Reich geborene Sohn eines schwarzen Amerikaners. Ernst, der dritte, wurde von seinem Herrn aus Südwest mitgebracht. Die drei beschließen, dass etwas getan werden muss, um die Verbrechen in den Kolonien zu rächen: Sie bringen nachts Soldaten um, erst einen, dann zwei. Ohne Wirkung. Die Fabrikantentochter Florentine vom Baum hält es nicht aus in einer Gesellschaft, in der Frauen unfrei sind. Als sie über ihren Bruder die drei Männer kennenlernt, bietet sie ihnen ihre Hilfe an. Und die vier fassen einen ungeheuerlichen Plan: Der Kaiser soll sterben.

Max Annas wurde fünfmal mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Darunter auch die Bücher der „Morduntersuchungskommission“. Nun wagt er einen Schritt in die Vergangenheit, genauer ins Jahr 1914. Und er geht ein Thema an, das auch heute noch Wirkung zeigt in Deutschland, die der Kolonialzeit. Max Annas hat mit „Berlin, Siegesallee“ einen sehr authentischen und spannenden Roman geschrieben, der die deutsche Kolonialgeschichte behandelt und somit auch über 100 Jahre nachdem die Geschichte spielt, immer noch aktuell ist.

Rowohlt, 284 Seiten; 22,00 Euro

  Peter Schäfer – Das aschkenasische Judentum

Ein Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer, Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Der Autor kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage – jenseits der bis heute verbreiteten Klischeevorstellungen – den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Er erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittelalter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittelalterliche Deutschland und in die Antike zurück.

Peter Schäfer hat zuletzt zwei aufsehenerregende Bücher geschrieben: „Kurze Geschichte des Antisemitismus“ und „Die Schlange war klug“. Nun ein weiteres Buch von ihm, das Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird: „Das aschkenasische Judentum – Herkunft, Blüte, Weg nach Osten“. Aschkenas – so nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Basierend auf archäologischen und schriftlichen Quellen gibt dieses Buch einen Überblick über Herkunft und Blüte des aschkenasischen Judentums und seinen erzwungenen Weg nach Osteuropa. Das Buch umfasst mehr als 2.000 Jahre jüdischer Geschichte, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. Peter Schäfers Bücher haben geschichtliches Gewicht! So wird auch „Das aschkenasische Judentum“ ein Standardwerk zum Thema werden. Eine Auswahl der Hauptkapitel: „Mutterland und Diaspora“, „Juden im Römischen Reich“, „Der lange Weg nach Westeuropa“, „Ursprungslegenden der Frommen von Aschkenas“, „Fernhandel und Geldwirtschaft“, „Bedeutende aschkenasische Gemeinden“, „Einübung in die Torah“, „Talmudkommentar und Tosafot“, „Die Frommen von Aschkenas“, „Kreuzzüge: Die Heiligung des göttlichen Namens“, „Hass, Legenden und Pogrome“, „Antijüdische Propagandabilder“ und „Aufbrüche in eine neue Welt“.

C. H. Beck, 560 Seiten; 39,00 Euro