Mai 24, 2024

Kolumne 17.04.2022 Nr. 765

 

      BuchKolumne 17.04.2023 Nr. 765

Judy I. Lin – A Magic Steeped in Poison
Thorsten Kirves – Die stille Mörderin
David Safier – Solange wir leben
Evliya Çelebi – Das Reisebuch
Mhairi McFarlane – Fang jetzt bloß nicht an zu lieben

Judy I. Lin – A Magic Steeped in Poison

Judy I. Lin - A Magic Steeped in Poison - Was uns verwundbar macht

Ning hat nur ein Ziel: Sie muss das Leben ihrer kleinen Schwester retten, denn nach dem Tod ihrer Mutter könnte sie nicht noch einen Verlust ertragen. Und so nimmt sie die Einladung zum Wettkampf der mächtigsten Tee-Magier des Reiches an, obwohl sie gar nicht für sie bestimmt ist. Denn wer diesen Wettkampf gewinnt, hat einen Wunsch frei. Ning reist in die kaiserliche Stadt und betritt eine völlig neue Welt. Hier ist sie umgeben von Feinden, jede Runde ist ein Kampf auf Leben und Tod, und nichts als ein paar getrocknete Kräuter sind Nings Waffe. Nur ein Fremder scheint in ihr mehr zu sehen als sie selbst. Wird er ihr helfen, den Wettkampf zu gewinnen, oder ist er für sie die größte Gefahr?

Für Tee-Fans, die auch fantastische Literatur lieben, ist dieses Epos ein Muss! Was Judy I. Lin aus der Mystik um den Tee macht, ist fesselnd und magisch. Tee als Aufhänger für eine magisch-fantastische Geschichte, das hat schon was. Nings Reise vom „einfachen“ Mädchen zur Kämpferin, zur Tee-Magierin habe ich mit großer Faszination gelesen. Als Tee-Liebhaber hat mir die Geschichte doppelt so gut gefallen. Nach der Lektüre werden Sie, werdet Ihr die nächste Tasse Tee mit einem ganz anderen Geschmack auf der Zunge genießen. Und „A Magic Steeped in Poison“ ist noch nicht das Ende, im Herbst 2023 folgt mit „A Venom Dark and Sweet“ der Abschluss der Tee-Magie-Saga.

Sauerländer, 478 Seiten; 19,90 Euro

 Thorsten Kirves – Die stille Mörderin

Thorsten Kirves - Die stille Mörderin

Supermarktkassiererin Claudia Hilser war schon vieles in ihrem Leben, morgen wird sie Mörderin, so ihr Plan. Doch als sie die Waffe auf ihr Opfer richtet, blickt sie selbst in den Lauf einer Pistole. Kommissar Tom Simon hat noch nicht verwunden, dass er einen Menschen töten musste und seinem geliebten, aber wegen Mordverdachts gesuchten Zwillingsbruder Marco nicht mehr vertrauen kann. Da holt ihn seine neue Partnerin zu einem brisanten Fall. Der Bestseller-Autor und Rechtspopulist Neil Krambach ist ermordet worden. Unter Verdacht steht eine Gruppe linker Aktivisten, doch die Wahrheit ist um einiges komplizierter – was hat der Fall mit Claudia Hilser zu tun? Und persönlicher – eine Spur führt zu Zwillingsbruder Marco.

Thorsten Kirves ist Drebuchautor und Filmemacher und hat mit seinem ersten Kriminalroman „Der Aussteiger“ reichlich lobende Stimmen und eine Nominierung für den Glauner-Preis eingeheimst. Nun liegt mit „Die stille Mördeirn“ der zweite Fall für Kommissar Tom Simon vor. Mit Tom Simon ist Thorsten Kirves ein durchaus unkonventioneller Kommissar gelungen. Man merkt dem Autor seine Leidenschaft für Cop- und Gangster-Storys an. Was „Die stille Mörderin“ reichlich hat sind unendliche Längen in der Story. Von den Qualitäten eines guten Drehbuachautors und Filmemachers, der doch eigentlich die raschen Szenenwechsel, die am besten immer noch mit einem kleinen Cliffhanger enden sollten, beherrschen sollte, erkennt man in diesem Buch nur wenig. Die Story, die politisch links und rechts reichlich bedient, und bei der es auch immer wieder kracht, hat spannende Elemten, doch die 560 Seiten sind für die Erzählweise von Thorsten Kirves viel zu lang. Nicht jeder hat die Qualitäten einer Elizabeth George, die auch auf 800 Seiten so schreibt, dass man keine Seite davon missen möchte.

Droemer, 560 Seiten; 15,99 Euro

   David Safier – Solange wir leben

David Safier erzählt die Geschichte seiner Eltern: Sie führt von Wien des Jahres 1937, durch die Gefängnisse der Gestapo, nach Palästina, wo sein Vater Joschi als Barmann und Spion arbeitet und schließlich zur See fährt. Seine Mutter Waltraut wächst als Tochter eines Werftarbeiters in Bremen auf, erlebt Kriegszeit, Trümmerjahre und Wirtschaftswunder. Bei ihrer ersten Begegnung ist Waltraut eine junge alleinerziehende Witwe, Joschi zwanzig Jahre älter als sie. Wenig spricht dafür, dass die beiden sich ineinander verlieben und ein gemeinsames Leben wagen – ein Leben geprägt von steilen Höhenflügen und dramatischen Schicksalsschlägen.

David Safier ist einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands! Seine Bücher sind reihenweise Bestseller und immer sehr amüsant. Darunter auch „Mieses Karma“ oder die „Miss-Merkel“-Reihe. Aber David Safier kann auch anders. Sein für mich bester Roman ist „28 Tage“. Dieser spielt 1943 im Warschauer Ghetto. Grandios! Und nun nimmt er sich wieder einem ähnlichen Thema an. David Safier erzählt in „Solange wir leben“ die Geschichte seiner Eltern. Dramatisch, spannend, feinfühlig. „Solange wir leben“ hat mich von der ersten Seite an gepackt! Ich habe bereits sehr viele Romane und Bücher über den Holocaust und ähnliche Geschichten gelesen und auf denglers-buchkritik.de besprochen. Aber jede neue Geschichte rüttelt mich immer wieder aufs Neue durch. So auch „Solange wir leben“, doch diese Geschichte reicht ja noch sehr weit über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus. Eine Erkenntnis (es gibt aber noch viele weitere) aus diesem Buch ist, das, wenn man in einer komplett überfüllten Gefängniszelle in der ersten Reihe steht, einen dieser lapidare Umstand das Leben retten kann.

Kindler, 464 Seiten; 24,00 Euro

    Evliya Çelebi – Das Reisebuch

Evliya Çelebi - Das Reisebuch

„Merkwürdiger Fund einer türkischen Reisebeschreibung“, meldete der Orientalist Josef von Hammer im Jahr 1814. Gemeint war das Seyahatname – «Reisebuch» – des Evliya Çelebi, dass seitdem die Forschung beschäftigt. Der gebildete Istanbuler hat mit unstillbarer Neugierde die meisten Provinzen und Hunderte von Städten des Osmanischen Reichs und seiner Nachbarn besucht und ebenso akribisch wie unterhaltsam beschrieben. Aus Mekka und Medina kehrte er als Hadschi zurück. Als Muezzin stand er im Kampf gegen die Venezianer auf den Mauern von Kreta. In derselben Funktion nahm er 1664 an der osmanischen Gesandtschaft nach Wien teil. Seine Beschreibung Ägyptens kann es mit Napoleons Description de l’Égypte aufnehmen.

Klaus Kreisers sorgfältige Auswahl aus dem riesigen Schatz folgt den zehn Büchern und bietet damit zugleich einen kundigen Gesamtüberblick über das größte Reisewerk des 17. Jahrhunderts, wenn nicht der Weltliteratur. Der Inhalt dieser zehn Bücher ist wie folgt: Erstes Buch: Istanbul; Zweites Buch: Anatolien, Kaukasus, Kreta Aserbaidschan; Drittes Buch: Syrien, Palästina, Kurdistan, Armenien, Rumelien; Viertes Buch: Irak, am Van-See und erneut in Iran; Fünftes Buch: Russland und die Balkanhalbinsel; Sechstes Buch: Die Ungarnfeldzüge und darüber hinaus; Siebtes Buch: Wien, Krim, Kaukasus; Achtes Buch: Griechenland und erneut Krim und Rumelien; Neuntes Buch: Die Wallfahrt nach Mekka; Zehntes Buch: Ägypten, Sudan und am Roten Meer. Eine spannende Zeitreise ins 17. Jahrhundert, durch die Augen eines reisenden und gescheiten Türken gesehen! Ich habe gestaunt, gelernt und mich dabei sehr gut unterhalten.

C. H. Beck, 512 Seiten; 36,00 Euro

  Mhairi McFarlane – Fang jetzt bloß nicht an zu lieben

Mhairi McFarlane - Fang jetzt bloß nicht an zu lieben

Obwohl Harriet Hatley die begehrteste Hochzeitsfotografin in Leeds ist, glaubt sie nicht an die Ehe und findet Romantik nur schwer erträglich. Als ihr langjähriger Freund ihr einen Heiratsantrag macht, gerät Harriet in Panik. Kurz darauf ist sie nicht nur Single, sondern braucht auch dringend eine neue Wohnung. Nur deshalb zieht sie bei Cal ein, ohne ihn vorher wenigstens einmal getroffen zu haben – mit einer unangenehmen Überraschung. Dann kommt Harriets bestgehütetes Geheimnis ans Licht und droht ihr Leben zu zerstören, und ausgerechnet Cals scharfsinniger Humor bewahrt sie vorm Durchdrehen. Doch reicht das, um sich gemeinsam der Vergangenheit zu stellen?

Will man romantisch-unterhaltsame Bücher mit Tiefgang lesen, sollte man zu denen von Mhairi McFarlane greifen! Die Britin Mhairi McFarlane hebt sich wohltuend von den vielen Autorinnen ab, die ebenfalls in diesem Genre aktiv sind. Mhairi McFarlanes Romane verursachen Herzklopfen! So auch ihr neuer „Fang jetzt bloß nicht an zu lieben“, der wieder alles vereint, was ihre Geschichten so bezaubernd machen. Lesen, seufzen, Glücklichsein!

Knaur, 424 Seiten; 12,99 Euro