Juni 25, 2022

Kolumne 16.05.2022 Nr. 717

BuchKolumne 16.05.2022 Nr. 717

Francesca Reece – Ein französischer Sommer
Susanne Matthiessen – Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn
Amir Hassan Cheheltan
– Eine Liebe in Kairo
Ulrike Fokken
– Bachgeflüster
Karen Swan
– Sommer im Paradies

 Francesca Reece – Ein französischer Sommer

Als Assistentin des berühmten Schriftstellers Michael verbringt Leah den Sommer in einer Villa an der Küste von Südfrankreich. Dort soll sie die Tagebücher seiner Jugendjahre ordnen. Malerische Morgenstunden am Strand, Wein, gutes Essen, kultivierte Gespräche. Leah genießt den unbeschwerten Rhythmus des bohèmen Lebens und die illustre Gesellschaft in der Sommervilla. Doch Michaels Tagebücher von seinen Ausschweifungen im Soho der 60er und dem krisengeschüttelten Athen der 70er Jahre offenbaren immer dunklere Seiten des Schriftstellers, und bald stößt Leah auf ein Geheimnis, das eng mit ihr selbst verwoben ist.

Francesca Reece erzählt von zwei ganz unterschiedlichen Menschen, Generationen, Weltanschauungen. Die junge Leah und der ältere Michael lassen einen diese Unterschiede spüren und erleben. Als LeserIn kann man sich in beide einfühlen. Francesca Reece erzählt abwechselnd, einmal Leahs Leben in der Gegenwart, dann Michaels Leben in der Vergangenheit. Wie erlebt Leah Michaels Geschichte? Wie geht Michael mit Leah um? Stoff für viele anregende und spannende Lesemomente. In Leah spiegelt sich auch ein Teil einer Generation wieder. Nicht festlegen wollen, sich treiben lassen. Auch ihre Männerauswahl, weiß Leah, beschreibt sie als Mensch ganz gut: „Dann gab es Frauen wie mich, die neben anderen fragwürdigen Verehrern Drogendealer, ungebildete, aber lautstark auftretende Dissidenten, Soziopathen, Stalker und Männer, die auf öffentlich praktiziertes Japan-Bondage standen, aneinanderreihten“. „Ein französischer Sommer“ – ein Sommer-Roman mit viel Verve!

S. Fischer, 447 Seiten; 24,00 Euro

Susanne Matthiessen – Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn

Sylt – verlassen und menschenleer. Susanne Matthiessen ist überwältigt, als sie ihre Heimatinsel im Lockdown zum ersten Mal ohne Touristen erlebt. Auf einmal ist es wieder die Natur, die den Rhythmus des Insellebens bestimmt. Das vertraute, dörfliche Miteinander vergangener Zeiten lebt noch einmal auf. Susanne fühlt sich in ihre Kindheit zurückversetzt. Während sie zusammen mit ihrer Freundin die einsame Insel erkundet, bleibt „ihr Sehnsuchtsort“ für Hunderttausende andere Deutsche Sperrgebiet. Die Krise ruft bei Susanne alte Gefühle wach, als Sylt in den 80er Jahren schon einmal Schauplatz gleich drei großer Katastrophen war, Westerland – ausgerechnet – zum Epizentrum der deutschen Punkszene aufstieg. Damals brachen sie und ihre Freunde von der magischen Insel auf. Fast alle schafften den Absprung, doch nicht alle ein Leben auf der Sonnenseite.

Die gebürtige Sylterin Susanne Matthiesen konnte mit ihrem Debüt „Ozelot und Friesennerz – Roman einer Sylter Kindheit“ gleich einen Bestseller landen. Dank der Insel-Liebe der Deutschen und einer schönen Kindheitsgeschichte. Das verlangt nach mehr. Und Susanne Matthiesen liefert. „Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehn – Roman einer Sylter Jugend“ ist nun ihr zweites Buch. Als ich las, dass Denis Scheck dieses Buch gut fand, wurde mir schon ganz flau im Magen. Denn wer einen so eingeschränkten Blick auf den Buchmarkt hat wie Denis Scheck, dessen Bewertung ist für den Müll. Und Denis Schecks Bewertung eines Buches trifft wieder einmal den Nagel auf den Kopf. „Beste deutsche Unterhaltungsliteratur“, sagt der literarische Müll-Mann dazu. Und genau das ist es nicht! Es ist phasenweise ganz nett zu lesen, aber meist langweilig, voller Selbstmitleid und öde. Das schöne Cover, von dem man sich eine gute Geschichte erhoffen konnte, ist mit das Beste an diesem Buch.

Ullstein, 261 Seiten; 22,00 Euro

    Amir Hassan Cheheltan – Eine Liebe in Kairo

Als der iranische Botschafter in Ägypten 1947 seinen Dienst antritt, muss er zwei Aufgaben lösen: Er soll Fausia, die Schwester des ägyptischen Königs, zur Rückkehr in den Iran bewegen, wo sie seit 1939 mit Schah Mohammed Reza Pahlevi verheiratet ist. Sie ist aus der unglücklichen Ehe zurück in ihre Heimat geflohen. Und er soll dafür sorgen, dass der Leichnam des in Südafrika verstorbenen Vaters Schah Rezas in den Iran überführt wird. Während sich der Botschafter in Kairo an die Erfüllung seiner Aufträge macht, verliebt er sich in Sakineh, die Frau eines indischen Philosophieprofessors in der ägyptischen Metropole.

Der Iraner Amir Hassan Chehelzan hat mit „Der Teheran-Trilogie“ und „Der Zirkel der Literaturliebhaber“ schon eindrucksvolle Werke geschrieben. Darauf folgt nun „Eine Liebe in Kairo“. Amir Hassan Chehelzan versteht es, eine historisch spannende Geschichte zu erzählen und dabei die Schönheit der Wörter immer wieder im Blick zu haben. Darunter fällt auch, wie Sakineh durch die Augen des Botschafters beschreibt: „Ein klares, unschuldiges Gesicht, glänzende Augen, Lippen, Zähne, Mund wunderschön, einfach makellos! Sogar aus ihrer Art zu atmen, sprachen Gesundheit und Jugend.“ Und, mit einer Brise Humor versehen: „Hervorgehoben wurde die Schönheit noch durch das verdrießliche, stark zerfurchte Gesicht ihres armen Gatten, das aussah wie ein durchgepflügter Acker.“ Und wie die Erotik nirgendwo Halt macht: „Ob in Palästen in Teheran oder in Kairo, hier wie dort resultierten endlose Verwicklungen aus erotischen Bedürfnissen.“ „Eine Liebe in Kairo“ – ein Buch zum Verlieben! Literarisch, geschichtlich, politisch. Ein Roman, der so viel umfasst, in so eleganter Sprache erzählt. Ein Buch, dem man nicht entkommen kann!

C. H. Beck, 380 Seiten; 25,00 Euro

  Ulrike Fokken – Bachgeflüster

Ob zu Fuß an ruhigen Bächen, mit dem Kajak auf idyllischen Flüssen oder auf Erkundungstour mit dem Kanu – Flusslandschaften faszinieren Menschen. Flüsse und Bäche bieten vielen seltenen oder vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen einzigartigen Lebensraum. Anhand ausgewählter heimischer Bäche und Flüsse erzählt die Autorin vom Leben in und an den Gewässern. Wir tauchen ein in die vielfältige Welt von Grasfrosch und Azurjungfer, Seeadler, Bachforelle, Schwarzerle und Silberweide, Biber, Fischotter, Eisvogel und schwimmenden Rehen.!

Ulrike Fokken konnte mich schon mit ihrem Buch „Spuren lesen – Geschichten, die uns die Fährten der Tiere erzählen“ lehrreich unterhalten. Mit ihrem neuen Buch begeben sich die LeserInnen nun an heimische Bäche und Flüsse und können erleben, wie schön und turbulent es dort ist und zugeht. Eine Erkundungsreise, die einem zeigt, wie faszinierend es sein kann, die Natur zu erleben. Kleine Wunder erwarten einen. Die kleinen Dinge machen es im Leben aus, damit es schöner ist. Dieser Streifzug an Bächen und Flüssen entlang bietet diese kleinen Dinge. „Bachgeflüster“ flüstert Ihnen zu, bitte lies mich!

Quadriga, 237 Seiten; 24,00 Euro

  Karen Swan – Sommer im Paradies

Goldene Sandstrände, strahlend blauer Himmel und das satte Grün des Regenwalds: Für die Londoner Kinderärztin Tara ist Costa Rica das Paradies auf Erden. Aber seit zehn Jahren ist sie nicht mehr dort gewesen – seit ihre Jugendliebe Alex ihr das Herz gebrochen hat. Erst eine große Familienfeier bringt Tara dazu, ins Land ihrer Träume zurückzukehren. Doch statt sich am Strand zu entspannen, muss sie tief in den Dschungel vordringen, um einen schwer kranken Jungen zu retten. Und der Einzige, der ihr dabei helfen kann, ist ausgerechnet Alex – der Mann, den sie vergeblich zu vergessen versucht.

Die englische Bestseller-Autorin Karen Swan ist bekannt für ihre zauberhaften Plots, die sie einmal zur Sommer- und einmal zur Winterzeit in genauso zauberhafte Bücher verwandelt. Nach zuletzt „Sommerträume am Meer“ und „Der Zauber eines Wintertages“ erscheint nun wieder ein Sommer-Roman. „Sommer im Paradies“, der Titel ist Programm. Sommer-Feeling im Paradies, mit einer tollen Geschichte. Karen Swan lesen heißt: abschalten, genießen, sich treiben lassen und träumen!

Goldmann, 508 Seiten; 11,00 Euro