Januar 31, 2023

Kolumne 12.12.2022 Nr. 747

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BuchKolumne 12.12.2022 Nr. 747

Jack Fairweather – Der Freiwillige
Cyril Hare – Mord auf dem Landgut
Ellen Sandberg – Das Unrecht
Nelson Müller – Gutes Essen
Peter Rohrsen – Das Buch zum Tee

  Jack Fairweather – Der Freiwillige

Im Sommer 1940, nach der Besetzung Polens durch die Nazis, nahm der polnische Untergrundagent Witold Pilecki eine Mission an, um das Schicksal Tausender Menschen aufzudecken, die in einem eben erst errichteten Konzentrationslager interniert waren. Seine Mission war es, über die dortigen Verbrechen zu berichten und im Geheimen eine Truppe aufzustellen, um einen Aufstand anzuführen. Der Name des Internierungslagers – Auschwitz. In den nächsten zweieinhalb Jahren, die Pilecki im Lager verbrachte, schuf er ein Untergrundnetzwerk, dem es gelang, Beweise für die Gräueltaten der Nazis nach draußen zu schmuggeln.

„Der Freiwillige“ ist ein unglaubliches Buch! Pileckis Berichte aus dem Konzentrationslager prägten die Reaktion der Alliierten auf den Holocaust – doch Pileckis Geschichte geriet jahrzehntelang in Vergessenheit. Jack Fairweather ändert dies nun. Er stützt sich für seine umfassende Biografie von Witold Pilecki auf unveröffentlichte Familienpapiere, neu veröffentlichte Archivdokumente und exklusive Interviews mit überlebenden Widerstandskämpfern. Nachdem Netflix „Im Westen nichts Neues“ so beeindruckend und bedrückend verfilmt hat wäre „Der Freiwillige“ auf einer anderen Ebene ein weiteres sehr gutes Projekt für den Streamingdienst. Denn die Geschichte von Witold Pilecki ist, wie eingangs erwähnt, unglaublich! Hollywood könnte sich diese nicht besser ausdenken, doch es ist tatsächlich so passiert. Schockierend! Ich habe bereits sehr viele Bücher zum Holocaust, über Auschwitz und die Konzentrationslager gelesen, diese Geschichte hat mich, wie auch die anderen Bücher, extrem nachhaltig beeindruckt und beschäftigt. Weit über das Ende des Buches hinaus!

btb, 582 Seiten; 18,00 Euro

Cyril Hare – Mord auf dem Landgut

Markshire, England. Das Landgut von Lord Warbeck – Warbeck Hall – ist prächtig hergerichtet für das wohl letzte Weihnachtsfest des im Sterben liegenden Hausherren. Für diesen festlichen Anlass hat der Lord noch einmal alle eingeladen, die ihm nahestehen. Starker Schneefall sorgt dafür, dass niemand der illustren Gesellschaft das Landgut verlassen kann. Dieser Umstand wird besonders brenzlig, als der Sohn des Lords am Weihnachtsabend tot zusammenbricht – vergiftet mit Zyankali. Wer ist dafür verantwortlich? Der übergangene Vetter? Die junge Geliebte? Oder doch der Butler? Eins steht jedenfalls fest: Verdächtige gibt es viele.

Agatha Christie lässt grüßen! Cyril Hare (1900 – 1954) war das Pseudonym des britischen Richters Alfred Alexander Gordon Clark (ein Name, der klangvoller ist als das gewählte Pseudonym). Bis zum 2. Weltkrieg praktiziert er als Anwalt und danach schrieb er erfolgreich Kriminalromane. „Mord auf dem Landgut“ ist ein klassischer britischer Kriminalroman wie man ihn aus der Feder der legendären Agatha Christie kennt. Doch so ganz kommt Cyril Hare nicht an die Großmeisterin des klassischen Kriminalromans heran. Die Spannung springt einen nicht aus dem Buch heraus an, sondern sie knistern leise vor sich hin wie ein Kaminfeuer. Das Personal ist eher als gemütlich zu betrachten, auch wenn man als LeserIn natürlich Partei für die eine oder andere Seite ergreift. Die Auflösung ist ganz nett. Aber „Mord auf dem Landgut“ ist eben doch kein herausragender Agatha-Christie-Krimi

Lübbe, 255 Seiten; 16,00 Euro

   Ellen Sandberg – Das Unrecht

Jedes Jahr, wenn der Herbst naht, wird Annett von einer inneren Unruhe erfasst. Dann macht sich die Narbe an ihrem Arm bemerkbar, dann werden die Erinnerungen an den Sommer 1988 und an die Clique von damals wach. Fünf Freunde, die sich blind vertrauten, bis einer von ihnen zum Verräter wurde. Jetzt, Jahrzehnte später, begreift Annett, dass sie ihren inneren Frieden erst finden wird, wenn sie sich der Vergangenheit stellt. Kurz entschlossen fährt sie nach Wismar. Zurück an die Ostsee, in ihre alte Heimat. Doch je mehr sie dort über die Ereignisse jenes Sommers herausfindet, umso deutlicher wird: Sie hätte die Vergangenheit besser ruhen lassen, denn der Verrat von damals reißt ihr Leben erneut in einen Abgrund.

Ellen Sandberg ist eine von Deutschlands erfolgreichsten Bestseller-Queens! Sie weiß, wie man Spannungsromane schreibt. Die LeserInnen liegen ihr zu Füßen. Nun ist ihr neuer Roman „Das Unrecht“ erschienen. Und wieder zeigt sie ihre großen Stärken. „Das Unrecht“ ist eine spannende Story mit dem großen Thema deutsch-deutscher Geschichte und dem was damals „normal“ war und zugleich so grausam und verräterisch. Auch zeigen ihre Charakterzeichnungen wieder ihr Gefühl für Story und Figuren. Es geht Hand in Hand und man bleibt dran. „Das Unrecht“ wird Sie mit recht nicht mehr loslassen!

Penguin, 415 Seiten; 22,00 Euro

    Nelson Müller – Gutes Essen

Nelson Müller beschäftigt sich täglich mit Themen wie Nachhaltigkeit, Lebensmittelqualität und dem CO2-Fußabdruck. In diesem Kochbuch teilt er sein Wissen rund um gesundes Essen und nachhaltige Ernährung. Dabei kommt natürlich auch der Genuss nicht zu kurz: Es gibt „Brot-Müsli mit Pflaumen und Zimt-Hafermilch“ zum Frühstück, „Hirsesalat mit Zitronen-Minz-Joghurt“ als Beilage oder „Paprika-Gnocchi mit Fenchel und Kümmelchips“, aber auch „Maultaschen von der Forelle mit Meerrettichsauce“ als Hauptgericht, denn auf Fleisch und Fisch muss nicht verzichtet werden.

Sternekoch Nelson Müller zeigt, wie lecker und unkompliziert das Kochen mit nachhaltigen Produkten ist. „Was essen wir heute?“, über diese Frage geht sein Kochbuch weit hinaus. Denn er beantwortet auch Fragen wie: Was gibt es zu beachten beim richtigen Einkauf, bei Regionalität & Saisonalität? Wie kann ich Müll vermeiden und meinen CO2-Fußabdruck verkleinern? Mit alltagstauglichen Antworten bietet Nelson Müller die Grundlage für Nachhaltigkeit und gesundes Essen – mit über 75 Rezepten. Nelson Müller ist eine echte Marke! Ich beziehe das auf seine überaus sympathische Kommunikation mit seinen Fans. Aber natürlich ist er auch als Koch eine Marke. Ein Kochbuch von Nelson Müller ist also immer ein echter Genuss. „Gutes Essen – nachhaltig, saisonal, bewusst“ bietet für alle LeserInnen viele tolle Gerichte und Inspirationen selbst den Kochlöffel zu schwingen, und zugleich kann man dabei auch immer die Umwelt im Blick behalten. Die Hauptkapitel sind: „Gesundes Frühstück“; „Kleinigkeiten für zwischendurch“; „Salate“; „Suppen und Eintöpfe“; Hauptsache Gemüse“; Dessert geht immer“ und „Basics“.

Dorling Kindersley, 224 Seiten; 24,95 Euro

   Peter Rohrsen – Das Buch zum Tee

Der Teekenner Peter Rohrsen beschreibt in diesem Buch die Teepflanze, ihre Varianten sowie ihre Verbreitung im tropischen „Teegürtel“ und schildert, wie daraus schwarze, grüne und andere Tees entstehen. Ferner stellt er die großen Anbaugebiete und die wichtigsten Teesorten von Assam und Darjeeling bis Sencha und Uva vor. Er erläutert, wie die Qualität von Tees kontrolliert wird, damit sie der Gesundheit dienen und nicht schaden, und verdeutlicht das schwierige Erbe des britischen Empire und seiner Plantagenwirtschaft. Wir lernen, wie die globalen Player im heutigen Tee-Markt operieren und welche alternativen Formen von Produktion und Handel sich im Gegenzug entwickelt haben. Schließlich nimmt uns Peter Rohrsen auf einen Streifzug durch die großen Teekulturen in Asien und Europa mit und gibt uns Tipps, wie wir uns und anderen die perfekte Tasse Tee bereiten.

Seit über einem Jahrzehnt bin ich Teeliebhaber. Jeden Tag einen Liter grüner Tee gehört seitdem zu meiner gesunden Lebensweise. Aber es darf auch gerne mal etwas Fruchtiges und Süßes in Tee-Torm sein. Daher war ich sehr gespannt auf „Das Buch zum Tee – Sorten, Kulturen, Handel“. Peter Rohrsen geht darin so Fragen nach wie: Was ist echter Tee? Wo wächst er? Wieso sind manche Tees so teuer und andere ganz billig? Wie wirkt Tee auf meine Gesundheit? Bevor Sie das Buch lesen, kann ich Ihnen schon mal mit auf den Weg geben, auf die Gesundheit wirkt ein Liter grüner Tee täglich exzellent. Für Teeliebhaber bietet dieses Buch einen echten Mehrwert! Vieles wusste ich schon, trotzdem wurde ich kenntnisreich unterhalten. Die Hauptkapitel sind: „Kamelien Zauber: Die Teepflanze und ihre Verbreitung“, „Vom Blatt zum Getränk: Die Teeproduktion“, „Unerschöpfliche Vielfalt: Anbaugebiete und Teesorten“, „Der lange Weg zur Tasse: Logistik für den Tee“, „Safety First: Qualitätskontrollen und Standardisierung“, „Tee und Gesundheit“, „Der internationale Teemarkt heute“, „Und die Deutschen?“, „Akteure im weltweiten Teehandel“, „Teeplantagenwirtschaft und das Erbe des britischen Empire“, „Darjeeling und Deutschlands Tee-Markt“, „Im Palast und Kloster, Teehaus und Wohnung: Teekulturen der Welt“ und „Tee soll schmecken: Einige praktische Empfehlungen“.

C. H. Beck, 247 Seiten; 22,00 Euro