Oktober 2, 2022

Kolumne 09.05.2022 Nr. 716

BuchKolumne 09.05.2021 Nr. 716

Christian Huber – Man vergisst nicht, wie man schwimmt
Nora Bossong – Die Geschmeidigen
Åsa Larsson – Wer ohne Sünde ist
Christof Mauch – Paradise Blues
Verschiedene Autoren – Die Welt von Avatar

  Christian HuberMan vergisst nicht, wie man schwimmt

31. August 1999. Sengende Hitze liegt über Bodenstein, dem Heimatstädtchen des 15-jährigen Pascal. Eigentlich könnte er den Sommer genießen. Den Skatepark. Die Partys der Oberstufler. Das Freibad mit den besten Pommes des Planeten. Doch seit er nicht mehr schwimmen kann, mag Pascal den Sommer nicht mehr. Warum das so ist, das kann er nicht erzählen. Ebenso wenig, wieso ihn alle Krüger nennen. Und erst recht nicht, warum er sich unter keinen Umständen verlieben darf. Lieber träumt er vor sich hin und schreibt Geschichten. Dann kracht Jacky in seine Welt. Ein geheimnisvolles Mädchen aus dem Zirkus. Mit roten Haaren, wasserblauen Augen und keiner Angst vor nichts. Zusammen verbringen sie einen flirrenden, letzten Sommertag, der alles für immer verändert.

Christian Huber hat mit seinen Weihnachts-Komödien „7 Kilo in 3 Tagen“ und „Alle anderen können einpacken“ den LeserInnen viele humorige Momente beschert. Sein neuer Roman ist da etwas anders. „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ wird getragen von Sehnsucht, Melancholie, leichtem Witz, erster Liebe und einer tollen Zeit. „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ katapultiert die LeserInnen zurück in ihre eigene Jugend, noch einmal 15 sein, und alle die verrückten und schönen Dinge machen und Gefühle von damals erleben. Mit diesem Buch ist das möglich. Die Geschichte sagt einem auch, lebe diesen einen Tag, als ob es keinen nächsten geben könnte. „Wir haben heute“, sagt Jacky. Wenn man sich dessen im Leben bewusst ist, ist jeder Tag ein großes Abenteuer im noch größeren Abenteuer, das Leben heißt.

dtv, 393 Seiten; 22,00 Euro

  Nora Bossong – Die Geschmeidigen

Nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges dachten viele Menschen in Deutschland, die großen existenziellen Fragen seien entschieden und es ginge nur noch um den Feinschliff des guten Lebens. Durch 9/11 erlitt die in den 90ern kultivierte Partylaune ihren ersten Dämpfer, spätestens ab 2008 dann stapelten sich die globalen Probleme: Finanzkrise, Ungleichheit, Fluchtbewegungen, Demokratiefeindlichkeit, Klimawandel. Wie schlagen sich die heute um die 40-Jährigen mit diesen unerwartet massiven, bislang ungelösten Herausforderungen? Können sie ihrer Verantwortung gerecht werden? Oder sind sie nur zur Schadensbegrenzung in der Lage, sodass wir eher auf die nachfolgenden Generationen, darunter jene um Greta Thunberg, hoffen müssen?
 
Nora Bossong, Jahrgang 1982, wirft einen genauen Blick auf ihre AltersgenossInnen, diejenigen, die in unserem Land dabei sind, in einer ausgeprägten Krisenperiode das Ruder zu übernehmen. Das sagt der Verlag über das Buch. Und das Wort „genau“, trifft genau nicht zu, denn Nora Bossong nimmt ihren eigenen Buchtitel „Die Geschmeidigen“ sehr ernst, und surft geschmeidig durch zahlreiche Themengebiete, lässt aber fast durchgehend die Tiefe vermissen und drückt sich meist auch um klare Aussagen. Einige der Hauptthemen sind: „Alte Linke, Neue Rechte und ein Vater der Nation“, „Blühende Landschaften und verfilzte Strukturen“, „Gewählter Wechsel und neue Kriege“, „Jobcenter und Yogamatte“, Sommermärchen und Wirtschaftskrise“, „Der Brexit und unsere Folgen“, „Utopien für mutlose Zeiten“, „Die antidemokratische Versuchung“, „Die gestutzten Flügel der Globalisierung“, „Krieg und Frieden“, „Europäische Familiengeschichte“ und „Nach den Sternen greifen“. Ein Problem ist auch, das durchs Putins Vernichtungskrieg in der Ukraine, das Buch in einem anderen Licht gelesen werden muss. Die Welt ist mittlerweile eine andere. Schnell gelesen und auch schnell wieder vergessen! Ganz geschmeidig.
 

Ullstein, 226 Seiten; 19,99 Euro

    Åsa Larsson – Wer ohne Sünde ist

Der Gerichtsmediziner Lars Pohjanen, der todkrank ist, bittet die Staatsanwältin Rebecka Martinsson, ihm zuliebe einen längst verjährten Mordfall wiederaufzunehmen. Aus purem Mitleid stimmt sie zu, auch wenn sie in Gedanken ganz woanders ist: Die beiden wichtigsten Männer in ihrem Leben – Krister, der Führer der Hundestaffel, und Mons, der smarte Jurist aus Stockholm – haben sich wütend von ihr abgewandt, nachdem Rebecka den einen mit dem anderen betrogen hat. Doch der Cold Case, dem sie sich zuwendet, benötigt ihre volle Aufmerksamkeit, denn er fördert Unheilvolles über ihre Heimatstadt Kiruna zutage. Aber vor allem zwingt er Rebecka, sich dem dunkelsten Kapitel ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen.

„Wer ohne Sünde ist“ ist nach „Denn die Gier wird euch verderben“ der sechste und letzte Band der gefeierten Rebecka-Martinsson-Reihe. Die Schwedin Åsa Larsson hat mit Staatsanwältin Rebecka Martinsson eine Figur erschaffen, die man nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Nicht zuletzt auch wegen der guten Verfilmungen. Das nun Schluss ist, nach schon sechs Bänden, die allerdings im Abstand von 17 Jahren erschienen sind, ist sehr schade! Doch Åsa Larsson zeigt noch einmal die Stärken ihrer Krimi-Reihe. Sehr intensive Figurenzeichnungen, die schwedische Landschaft, die sie einen ganz nahe erleben und spüren lässt. Dazu fehlt es nie an gut eingefügter Gesellschaftskritik und knisternder Spannung. „Wer ohne Sünde ist“ ist eine Lese-Sünde wert! Das Buch wurde mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet..

C. Bertelsmann, 591 Seiten; 22,00 Euro

 Christof Mauch – Paradise Blues

Christof Mauch hat 15 Jahre in den USA gelebt und ist immer und immer wieder durchs Land gereist. Sein Augenmerk galt dabei atemberaubend schönen Landstrichen und den tiefen Wunden, die die Menschen in 200 Jahren in die Natur geschlagen haben. Und dennoch ist der Mythos vom großen, freien, unberührten, von Gott geschenkten Land bis heute eine tragende Säule amerikanischer Identität.

Es gibt ikonische Orte in den USA. Man kennt sie aus Filmen, Serien, von der Musik, aus Dokus oder eigenen Reisen. Christof Mauch erzählt von diesen Orten und wie sie im Herzen der Amerikaner stehen und zugleich ein Abbild der dramatischen Umwälzung an der Natur sind. Mit „Paradise Blues“ erleben sie die USA mal ganz anders! Christof Mauch erlebt die Orte heute und erzählt die historische Geschichte dazu. Die Hauptkapitel sind: „Wiseman, Alaska – Die glücklichste Zivilisation“, „Malibu, Kalifornien – Stranger than Paradise“, „Memphis, Tennessee – Mississippi Blues“, „St. Thomas, Nevada – Die Geister kommen zurück“, „Dodge City, Kansas – Windiger, Wilder Westen“, „Niagara – Die zweitgrößte Enttäuschung“, „Walt Disney World, Florida – Zwei Naturen (oder mehr)“ und „Portland, Oregon – Reisen in Amerikas grüne Zukunft“. Es muss wieder viel mehr ein Leben mit der Natur werden und nicht gegen die Natur. Dieses Buch hält einem den Spiegel vor.

dtv, 360 Seiten; 27,00 Euro

Verschiedene Autoren – Die Welt von Avatar

Seit dem Kinostart 2009 hat James Camerons „Avatar“ 11 Mio. Fans allein in Deutschland zum Staunen gebracht und weltweit über 2,7 Mrd. US-Dollar eingespielt. 13 Jahre später hat das Warten endlich ein Ende. Denn mit insgesamt vier geplanten Fortsetzungen wird die Story rund um die majestätischen blauen Wesen mit den gelben Augen endlich weitererzählt. Für alle Avatar-Fans gibt dieser Bildband erste Einblicke in die Fortsetzung.

Am 16.12.2022 ist es endlich soweit: „Avatar 2“ kommt in die Kinos! Ein filmisches Mega-Ereignis. Wenn man zuvor aber schon in die Welt von Avatar eintauchen will, dann ist dieses Buch genau richtig für einen Trip nach Pandora zu den Na’vi! Die Zeit bis zum Kinostart wird so bildreich und mit informativen Texten verkürzt. Das erwartet „Avatar“-Fans in diesem Bildband:  Einblicke in das Leben der Na’vi. Woran glauben sie? Wie sind sie organisiert? Dazu gibt es Bilder von Pandora: Einmal mit den majestätischen Flugtieren der Na’vi über die berühmten schwebenden Berge fliegen – das Artwork der vielfältigen Landschaft Pandoras mit seiner außergewöhnlichen Pflanzen- und Tierwelt lässt LeserInnen die Welt von Avatar erleben. Weiter gibt es Informationen zur Resources Development Administration (RDA): Welche Menschen stehen hinter der militärisch-industriellen Organisation RDA? Welche wissenschaftlichen Ziele verfolgen sie? Welche Ausrüstung, welche Technologien und welche Fahrzeuge besitzen sie? Diesen Fragen geht das Avatar-Buch mit interessanten Fakten und Originalfilmbildern auf den Grund. Dazu gibt es noch einen exklusiven Ausblick auf die „Avatar“-Fortsetzungen: Nur in diesem Buch erhalten „Avatar“-Fans einen Ausblick auf die vier geplanten Fortsetzungen des Blockbusters sowie erste Originalfilmfotos aus „Avatar 2“.

Dorling Kindersley, 128 Seiten; 16,95 Euro