März 1, 2024

Kolumne 06.03.2022 Nr. 759

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BuchKolumne 06.03.2023 Nr. 759

Stefan von der Lahr – Dämonen im Vatikan
Ralf König – ABBA HALLO!
Ursula Kirchenmayer – Der Boden unter unseren Füßen
Charles Dowding – No Dig – Gärtnern ohne Umgraben
Thilo Bode – Der Supermarkt-Kompass

   Stefan von der Lahr – Dämonen im Vatikan

Commissario Bariello ist sehr überrascht, als er im römischen Hochsommer zu einem Toten gerufen wird, der offenbar erfroren ist. Das Rätsel um den Verstorbenen wird noch dunkler, als sich herausstellt, dass er Priester, Redakteur beim „Osservatore Romano“ und in den Wochen vor seinem Tod der festen Überzeugung war, in der Vatikanstadt einen Dämon gesehen zu haben. Vor einem Rätsel ganz anderer Art steht Sua Eccellenza Montebello, der Weihbischof von Neapel. Zum Geburtstag hat er ein kostbares Geschenk bekommen: eine einzigartige Ausgabe der Legenda Aurea – einst das meistgelesene Buch des Mittelalters mit vielen Heiligenlegenden. Doch sein Exemplar birgt außergewöhnliche Zeichnungen, die ein kirchenpolitisches Erdbeben im Vatikan auslösen könnten. Kaum, dass er und seine Leute sich nach Rom begeben, um zu untersuchen, was es damit auf sich hat, ereignen sich weitere mysteriöse Todesfälle. Montebello und Bariello stören offenbar gleichermaßen die Interessen von Kirchenfürsten, Wirtschaftspotentaten und Mafiagrößen. Der Weihbischof und der Kommissar müssen erkennen: Wer auch immer diesen Kreisen in die Quere kommt, dem leuchtet bald das ewige Licht.

Nach „Das Grab der Jungfrau“ und „Hochamt in Neapel“ ist „Dämonen im Vatikan“ der dritte Fall für das Ermittlerduo Commissario Bariello und Weihbischof Montebello. Stefan von der Lahr ist promovierter Altertumswissenschaftler. Wenn es um den Vatikan & Co. geht, oder die Kirchengeschichte, genauso wie die Archälogie, merkt man, da schreibt ein Mann, der Detailwissen hat. An einigen Stellen übertreibt er es ein wenig, aber dafür vermittelt er in diesen Szenen durchaus interessante geschichtliche Details. Doch das Gute überwiegt bei den Fällen seines Ermittlerduos um Commissario Bariello und Weihbischof Montebello. Er versteht es, die geschichtlichen Details spannend in die Geschichte einzubinden und daraus dann einen entsprechend spannenden Fall zu konstruieren. Das schafft er auch wieder in „Dämonen im Vatikan“. Und natürlich sind seine beiden Hauptfiguren, und nicht nur die, charmante Akteure, von denen man gerne noch mehr lesen möchte. Bei den ersten drei Bände kann ich auf jeden Fall nur sagen: Halleluja!

C. H. Beck, 441 Seiten; 22,00 Euro

  Ralf König – ABBA HALLO!

Wieder hat Ralf König seine Gemeinde im Internet über Monate fast täglich mit einem Strip amüsiert und getröstet. Konrad und Paul treiben durch einen zweiten Coronawinter, immer noch mit Maske, aber mit wachsender Lust auf Partys, Ausgelassenheit und auf das neue Album von ABBA. Doch zur Pandemie gesellen sich noch ganz andere Sorgen, was in diesen Zeiten ja wirklich niemanden wundert. Aber nach Jahrzehnten scheinbar problemloser Koexistenz zweier gänzlich unterschiedlicher Charaktere stellen sich Konrad und Paul mit einem Mal und aus gutem Grund die erschreckende Frage: Was, wenn ihre Liebe fort ist?

Ralf König ist bei seinen Fans Kult! Seine Comics bringen viele Menschen zum Schmunzeln. Zuletzt überzeugte er mit „Herbst in der Hose“ und „Vervirte Zeiten“. Besonders gefallen hat mir aber seine Lucky-Luke-Hommage „Zarter Schmelz“. Nun machen wieder Konrad und Paul die Comic-Welt unsicher. Der Titel täuscht etwas, denn es geht in diesem Band nicht vorwiegend am die Pop-Gruppe Abba, sondern natürlich, wie sollte es anders sein, um das Hin und Her der beiden Hauptfiguren. Für mich hielt sich die Komik dabei in Grenzen! Vieles wirkte aufgesetzt. Auch die Themen, die nun mal unsere Welt bestimmen, sind nicht zwingend förderlich für diesen Comic. „ABBA HALLO!“ ist ganz nett für zwischendurch zum Schmökern, aber kein Comic-Buch, das man nun unbedingt lesen muss. Die eingefleischten Ralf-König-Fans werden wohl trotzdem ihren Spaß haben.

Rowohlt, 191 Seiten; 25,00 Euro

  Ursula Kirchenmayer – Der Boden unter unseren Füßen

Kurz vor der Geburt ihres Sohnes finden Laura und Nils die lang ersehnte Altbauwohnung, das Glück scheint perfekt. Wäre da nicht die psychisch kranke Nachbarin aus dem Erdgeschoss. Ungefragt legt sie ihre Hand auf Lauras Bauch – und alles verändert sich. Als sie eines Tages sogar die Wohnungstür eintritt, beginnt ein Kampf, auch um Gespenster der Vergangenheit und die eigenen Ideale. Wer hat die größere Daseinsberechtigung, wer mehr Anspruch auf Wohnraum in einem System, das nicht allen gerecht werden kann? In ihrem Debütroman wirft Ursula Kirchenmayer drängende Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens auf und porträtiert ebenso einfühlsam wie schonungslos die Verletzlichkeit junger Eltern in der Großstadt.

Ursula Kirchenmayer betritt mit „Der Boden unter unseren Füßen“ das literarische Parkett. Ein starker erster Auftritt, der in Erinnerung bleibt! Die Geschichte des jungen Paars ist prägnant und lebensnah geschildert. Man fühlt, lebt, leidet, kämpft mit Nils und Laura. Man ist im Konflikt mit den Figuren und versucht die Handlungen zu verstehen und nachzuempfinden. Da die Geschichte mitten aus dem Leben ist, fällt das besonders leicht, oder auch, es macht es besonders schwer und belastend. Das mich die Geschichte so gepackt hat zeigt, Ursula Kirchenmayer hat einen Nerv getroffen. Ein Debüt, das nachhallt!

dtv, 399 Seiten; 23,00 Euro

   Charles Dowding – No Dig – Gärtnern ohne Umgraben

No Dig – das heißt Gärtnern ohne Umgraben. Und wie sich herausgestellt hat, ist dieses Konzept nicht faul, sondern schlau! Der Erfinder der No-Dig-Methode Charles Dowding zeigt in seinem Gartenbuch interessierten HobbygärtnerInnen, wie sie die sensible Bodenstruktur schonen, nachhaltig Gemüse pflanzen und mit wenig Aufwand reichhaltig Bohnen, Tomaten, Gurken und anderes Gemüse ernten können. Schritt-für-Schritt Anleitungen zu Kompost, Boden und Anbau helfen auch unerfahrenen HobbygärtnerInnen beim Einstieg.

1981 stieß Charles Dowding auf das biologische Gärtnern und die No-Dig-Methode. Er fand heraus, dass durch No Dig und jährliches Mulchen mit Kompost kaum Unkraut wuchs. Weniger jäten zu müssen ist ein wesentlicher Vorteil der No-Dig-Methode, sorgt für eine große Zeitersparnis und Nachhaltigkeit beim Gärtnern. So wachsen Tomate, Kürbis, Zwiebel und Co. ganz natürlich. Ein Gartenbuch, das begeistert! Vor allem natürlich für Gemüsefreunde, und da gibt es ja sehr viele im Trend des Gärtnerns und des Selbstanbaus. Die englische Ausgabe des Buches wird gelobt und geliebt. Die LeserInnen sind aus dem Häuschen bzw. schon im Garten. Die Hauptkapitel sind: „Alles beginnt mit dem Boden“, „Erste Schritte“, „Grundlagenwissen für Gemüsegärtner“ und „Gemüse und Kräuter“. Das umfangreiche Wissen in diesem Buch, wurde auch noch äußerst hübsch aufgemacht. Ein edles Buch mit schönen Fotos und klar formulierten Erklärungen.

Dorling Kindersley, 288 Seiten; 29,95 Euro

Thilo Bode – Der Supermarkt-Kompass

Wir alle gehen in den Supermarkt. Doch zwischen Preissteigerungen und dem Wunsch nach guten Lebensmitteln gleicht der Wocheneinkauf einem Blindflug: Billig ist nicht schlecht, teuer ist nicht gut. Unverständliche Zutatenlisten, undurchsichtige Qualitätsversprechen und fehlende Informationen verhindern, dass wir als Kunden unsere Wahlfreiheit ausüben können. In diesem Buch bekommen Sie einen aufklärenden Gang durch den Supermarkt geboten. Die wichtigsten Lebensmittel werden einem Qualitätscheck unterzogen. Und es beschreibt, was passieren muss, damit Supermärkte die Erwartungen der Verbraucher nach Transparenz und Qualität erfüllen.

Thilo Bode ist ein Kenner der Materie! Er hat so erfolgreiche Bücher wie „Abgespeist – Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können“ und „Die Essensfälscher – Was uns die Lebensmittelkonzerne auf den Teller lügen“ geschrieben. Nun nimmt er sich einen für uns alle alltäglichen Ort vor, den Supermarkt. „Der Supermarkt-Kompass“ ist ein erklärendes, informatives und lehrreiches Buch! Ihren nächsten Gang durch den Supermarkt werden Sie nach der Lektüre mit anderen Augen sehen. Die Hauptkapitel sind: „Die allmächtigen Vier: Aldi, Lidl, Rewe, Edeka“, „Brot + Brötchen“, „Tomaten“, „Gemüse“, „Erdbeeren“, „Äpfel“, „Fruchtsäfte + Limonaden“, „Konfitüren + Marmeladen“, „Honig“, „Verarbeitete Lebensmittel“, „Fleisch + Wurst“, „Milch“, Eier“, „Olivenöl“, „Vegan + Vegetarisch“, „Snacks, salzig + süß“, „Nahrungsergänzungsmittel + Superfoods“, „Illusio Verbrauchermacht“ und „Ampel auf Grün schalten!“. Ein Buch, mit nachhaltiger Wirkung für Ihren täglichen Einkauf und für Ihre Gesundheit!

S. Fischer, 319 Seiten; 22,00 Euro