Juni 20, 2024

Kolumne 04.09.2023 Nr. 785

    
      BuchKolumne 04.09.2023 Nr. 785

Samantha Shannon – Das Kloster des geheimen Baumes – Die Drachenreiterin
Jack Lutz – London Black
Adriana Trigiani
– Das Beste in uns
Ingo Bott
– Pirlo – Gefährlicher Freispruch
Matthias Naß
– Kollision

   Samantha Shannon –
   Das Kloster des geheimen Baumes – Die Drachenreiterin

Dumai, die geheime Erbin des Throns von Seiiki, ist nun eine Drachenreiterin. Sie fliegt mit ihrem Drachen Furtia durch das Reich, um das Volk vor der Bedrohung durch die finsteren Wyrm zu warnen. Aber niemand schenkt ihr Gehör. Zur gleichen Zeit bereitet Prinzessin Glorian von Ynis ihr Volk auf den Kampf gegen die bösen Drachen vor und muss sich außerdem ihrer menschlichen Feinde erwehren. Denn nicht alle, denen sie ihr Vertrauen schenkt, haben dies auch verdient. Zwei Reiche, ein Feind. Noch gibt es Hoffnung für die Menschen – doch wie lange noch?

Samantha Shannon ist ein Phänomen! Ein Phänomen der Neuzeit. Ein Phänomen auf TikTok. Ihre Fantasy-Bücher begeistern die LeserInnen. Nachdem im Frühjahr die zwei Bände um „Der Orden des geheimen Baumes“ erschienen sind, folgt nun „Das Kloster des geheimen Baumes“. Den Anfang machte „Die Thronfolgerin“, die Fortsetzung „Die Drachenreiterin“ nimmt einen nun wieder mit in Samantha Shannons fantastische Welt. Und diese Welt hat so viel zu bieten, was Fantasy-Herzen höherschlagen lässt. „Eragon“ küsst „Game of Thrones“, und aus dem Kuss wird ein leidenschaftliches, fantastisches Spektakel! Samantha Shannons Fantasy-Welt wird Sie nicht mehr loslassen und bis in die Träume verfolgen. Fantastische Literatur!

Penhaligon, 539 Seiten; 22,00 Euro

 Jack Lutz – London Black

London, 2027. Terroristische Anschläge mit dem Nervengift London Black haben die Menschen in Angst versetzt. 90% der Bevölkerung hat zwar überlebt. Für die anderen 10%, die „Vulnerablen“, beginnt jedoch ein qualvolles Ringen mit dem Tod. Zwei Jahre später wird der Forscher Flinders Cox, der offenbar an einem Heilmittel gearbeitet hat, ermordet. DI Lucy Stone nimmt sich des Falles an. Sie selbst ist eine der Vulnerablen und von den Ereignissen stark traumatisiert. Könnte ein Mitglied der dubiosen Sekte Hand Gottes Cox ermordet haben, um die Fertigstellung des Gegenmittels zu verhindern? Und was führt Cox’ CEO Geoffrey Hurst im Schilde? Lucy und ihrem neuen Kollegen King rennt die Zeit davon. Nicht nur ihr eigenes Leben steht auf dem Spiel, sondern von unzähligen Menschen.

Der Engländer Jack Lutz legt mit „London Black – Wirst du überleben?“ seinen Debüt-Thriller vor. Die Story hört sich sich vielversprechend an, aber Jack Lutz verrennt sich etwas in seinem Story-Geflecht. Das hat mit der Hauptfigur Lucy zu tun, aber auch mit dem Story-Aufbau. Überall fehlt es an Durchschlagskraft, um komplett überzeugen zu können. Das Setting ist gut, ebenso die Idee der Story – auch die Figuren sind teilweise gut gezeichnet, aber bei allem fehlt immer etwas, was mich so richtig an die Story gebunden hätte. Es wird bei der Lektüre von „London Black“ nicht ganz finster, aber man befindet sich oft in einem Londoner Nebel, der ja oft sehr zäh und langlebig sein kann.

Lübbe, 446 Seiten; 12,00 Euro

   Adriana Trigiani – Das Beste in uns

Matelda Cabrelli ist das Oberhaupt der Familie. Die alte Dame ist durchsetzungsfähig und meinungsstark, lässt sich nichts gefallen. Doch sie merkt selbst, dass ihr Leben zu Ende geht. Daher beschließt sie, ihr größtes Geheimnis zu lüften: Die Wahrheit über ihren Vater. Doch sie ahnt nicht, dass die Enthüllung der bewegenden Geschichte ihrer Mutter Domenica auch die Zukunft ihrer Familie verändern wird. Gemeinsam mit Enkelin Anna steht sie bald vor denselben Fragen wie einst ihre Mutter: Was hinterlassen wir, wenn wir nicht mehr da sind? Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Was ist Glück?

Was für eine Geschichte! Ein Buch, das einen umarmt, das einen leiden lässt, das einen traurig macht, dann wieder glücklich, einen heiter werden lässt und die Hoffnung ist immer mit dabei. „Das Beste in uns“, ist der Titel, der Programm ist. Dieser Roman kann das Beste in Ihnen aktivieren, wenn Sie ihn mit Hingabe und offenem Herzen lesen. Adriana Trigiani hat mit diesem Buch einen magischen Bestseller geschrieben, der viele hymnischen Kritiken nach sich zog. Kein Wunder, bei dieser Geschichte, die viel im Heute und nicht weniger um das Jahr 1939 spielt. Das Buch erzählt also zwei Geschichten, eine dramatisch-schöner als die andere. „Das Beste in uns“ – ein Buch, das man nicht mehr hergeben möchte!

dtv, 461 Seiten; 22,00 Euro

   Ingo Bott – Pirlo – Gefährlicher Freispruch

Pempelfort brennt. In der Nacht ging ein riesiges Corona-Testzentrum am Düsseldorfer Rheinufer in Flammen auf. Emre Ben Hamid, Sohn einer Clan-Familie, die gerade richtig groß ins Maskengeschäft eingestiegen ist, soll sich auf diese Weise eines Konkurrenten entledigt haben. Doch Emre behauptet ganz was anderes. Dass er denjenigen kennt, der hier gezündelt hat. Und plötzlich weiß Pirlo, warum es besser ist, das Mandat anzunehmen und noch besser, einen Freispruch für Emre herauszuholen.

Ingo Bott weiß, wovon er schreibt, da er selbst Strafverteidiger ist. Nach „Falsche Zeugen“ ist „Gefährlicher Freispruch“ der dritte Fall für die beiden Strafverteidiger Sophie Mahler und Dr. Anton Pirlo. Ingo Bott setzt die Klasse seiner beiden ersten Pirlo-Fälle auch im dritten Buch fort. Eine Story, die zündet! Die beiden Hauptfiguren sind wieder erste Sahne, ihre Entwicklung zu verfolgen macht großen Spaß. Fall: sehr gut. Hauptfiguren: sehr gut. 500 Seiten spannende Lektüre: sehr gut. Ingo Bott ist der deutsche John Grisham!

Scherz, 490 Seiten; 17,00 Euro

 Matthias Naß – Kollision

Während die Welt gebannt auf die Ukraine schaut, formiert sich viele tausend Kilometer entfernt ein noch viel größerer Konflikt – China und die USA sind im Indopazifik auf Kollisionskurs. Im neuen Epizentrum der globalisierten Weltwirtschaft entscheidet sich, wer im 21. Jahrhundert tonangebend sein wird, der kapitalistisch-demokratische Westen oder das staatskapitalistisch-autokratische Regime Chinas. Die Insel Taiwan, auf die China Anspruch erhebt, ist der Dominostein, dessen Fall die ganze Sicherheitsarchitektur Asiens zum Einsturz bringen würde.

Matthias Naß’ Buch „Kollision – China, die USA und der Kampf um die weltpolitische Vorherrschaft“ ist von erschreckender Aktualität! Man hört es in den letzten Wochen und Monaten immer wieder in den Nachrichten, was sich dort im Indopazifik zusammenbraut. Dieses Buch gibt einen genauen Überblick über diesen Konflikt, der die Welt – leider – in Atem hält. Matthias Naß, der seit vielen Jahrzehnten für die ZEIT über Asien und den Pazifik berichtet, schildert Ursachen und Verlauf dieses Konflikts und zeigt die beteiligten Akteure und ihre sehr unterschiedlichen Interessen auf. Die Hauptkapitel sind: „Das Ringen der Weltmächte“, „Konflikte und Kriegsgefahr“, „Großmachtpolitik und Mittlere Mächte“, „Neue Allianzen“ und „Europäische Interessen“.

C. H. Beck, 282 Seiten; 26,90 Euro