Dezember 5, 2020

BuchTipp des Monat Oktober 2020

Der BuchTipp des Monats Oktober 2020

Das jeweilige Buch ist bei den Rezensionen besonders im Kopf geblieben und daher zum BuchTipp des Monats gewählt worden!

Susan Sontags glamouröse Erscheinung ist so legendär wie ihr schneidender Verstand. Das Themenspektrum, das sie in ihrem literarischen Werk bearbeitete, reicht von postabstrakter Malerei über Pornografie und Existenzialismus bis hin zu Krebs und Kriegsfotografie. Dieses intime Porträt vermisst das Leben und den geistigen Kosmos dieser Intellektuellen, dieser Literaturikone des 20. Jahrhunderts, die wohl ebenso sehr bewundert wie gehasst wurde und für die ihre Freundin Jamaica Kincaid einmal die Worte fand: „Sie war großartig. Ich glaube, seit ich Susan kenne, möchte ich nicht mehr großartig sein.“

Beeindruckend, überwältigend, süchtig machend – eine Biografie wie ein literarischer Rausch! Man lernt die intellektuell frühreife Susan kennen, auch bedingt durch ihre schöne Mutter, die wenig von Mutterschaft hielt. Ihr früh aufkeimender innerer Kampf als Jugendliche mit ihrer Homosexualität (sie fühle nichts als Demütigung und Erniedrigung beim Gedanken an eine körperliche Beziehung zu einem Mann), um später dann doch einen Mann zu heiraten (und Mutter zu werden), sich aber meist unwohl fühlte dabei, sich wieder scheiden zu lassen, wieder ihre Homosexualität (was die breite Öffentlichkeit aber keinesfalls wissen durfte) zu leben, aber auch reihenweise Affären mit Männern, u. a. mit Robert Kennedy oder Warren Beatty, zu haben. Die Sexualität war ein sehr bestimmendes Thema für Susan Sontag, auch weiter, als Anfang der 1960iger ihre Karriere einen großen Schub erfuhr, sie auch mit Andy Warhol und Jackie Kennedy verkehrte, es aber von anderen auch zu Fragen kam wie diesen: „Warum und wie Susan so berühmt wurde, und wie sie sich, selbst in ihren leserunfreundlichsten Phasen, diesen Ruhm bewahrte?“. Mit ihren Essays erregte sie Aufmerksamkeit, ihre verquerten Romane dagegen waren himmelhoch erfolglos. Ihre Schönheit, ihr Frausein, ihr Intellekt, das machte sie für andere so einzigartig. Sie hatte aber auch unglaubliches Glück, die Menschen zu treffen, die ihre Karriere und ihren Ruhm förderten. Dann kam Vietnam und ihr politischer Aktivismus steigerte sich, aber auch ihre Weitsicht. Und es gibt noch so viel mehr von Susan Sontag zu erfahren. Ein Ausspruch von ihr, aber auch viele andere, ist sehr prägend: „Dummheit ist immer verletzend“. Selbst für den, der zuvor noch nie etwas von Susan Sontag gehört haben sollte, ist dieses Buch, das mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, eine Offenbarung. Benjamin Moser erzählt das Leben von Susan Sontag so fesselnd, dass man nur so an den Zeilen klebt! Mit 32-seitigem Bildteil. Fotos, die viel verraten und zeigen.

Penguin, 926 Seiten; 40,00 Euro