Dezember 9, 2022

BuchKolumne 02.03.2020 – Nr.602

BuchKolumne der Woche vom 02.03.2020 – Nr.602

Bei denglers-buchkritik.de kannst Du jeden Montag neue Rezensionen und Buchkritiken lesen und Dir Tipps und Anregungen für neuen Lesestoff holen – egal ob Roman, Krimi, Science-Fiction oder Thriller.

Fiona Barton – Der Trip

Fiona Barton Der Trip

Die beiden Freundinnen Alex und Rosie reisen nach ihrem Abitur nach Bangkok – und verschwinden dort spurlos. Ihre Eltern benachrichtigen Reporterin Kate Waters. Auch ihr eigener Sohn ist in Thailand unterwegs, lässt aber kaum von sich hören. Dann werden nach einem Brand in einem Hostel in Bangkok zwei Frauenleichen gefunden – bei den Toten handelt es sich um Alex und Rosie. Es wird erst sehr spät entdeckt, dass beide schon vor dem Brand ums Leben gekommen sind. Der einzige Zeuge liegt mit Brandwunden im Krankenhaus, ein junger Mann, der im selben Hostel gewohnt hatte: Kates Sohn. Hat er etwas mit dem Tod der Mädchen zu tun?

Der Engländerin Fiona Barton hat gleich mit ihrem Thriller-Debüt „Die Witwe“ einen Bestseller gelandet. Es folgte „The Child“. Bei beiden Büchern hat sie eine sehr spannende Erzählweise gewählt und gekonnt umgesetzt. Sie erzählt rasch aus der Sicht von unterschiedlichen Figuren. Sehr gelungen und sehr fesselnd! Diesen Stil führt sie nun auch in „Der Trip“ fort. Man trifft auch wieder auf alte Bekannte aus den vorherigen Büchern. Es wird aus der Sicht von der „Journalistin“, der „Mutter“, dem „Polizisten“ und nach und nach aus Alex‘ Sicht erzählt, bei der man erfährt, was wirklich alles geschehen ist. Fiona Barton lässt den Leser teilhaben an der Suche und dem Schmerz der Eltern, der neugierigen Journalistin, die plötzlich selbst zur Story für andere Journalisten wird, und diese andere Seite gefällt ihr gar nicht, und den Ermittlungen. „Der Trip“ ist ein höllisch spannender Lese-Trip, der Sie in Atem halten wird!

Wunderlich, 512 Seiten; 16,00 Euro

Matt Richtel – Starke Abwehr – Unser Immunsystem

Starke Abwehr – Unser Immunsystem

Ein Krebspatient im Endstadium springt dem Tod von der Schippe, ein HIV-Patient gilt als medizinisches Wunder, und zwei Frauen müssen damit leben, dass sich ihr eigener Körper gegen sie wendet. Unser Immunsystem ist unser körpereigenes Verteidigungssystem, der Schlüssel zu unserer Gesundheit – und Entscheider über Leben und Tod. Der Autor will die Fragen beantworten: Wieso erkranken weltweit immer mehr Menschen an Autoimmunerkrankungen? Worin liegt der bahnbrechende Erfolg der Immuntherapie? Was ist das Mikrobiom? Und was passiert, wenn die körpereigene Abwehr nicht mehr funktioniert?

Der amerikanische Journalist Matt Richtel hat ein Buch über unser Immunsystem geschrieben. Darauf habe ich mich gefreut, denn ich dachte, da erfährt man auf gut 500 Seiten alles über unser Immunsystem. Doch das war ein großer Irrtum. An den Hauptthemen des Buches erkennt man schon, das nur ein kleiner Teil des Buches sich wirklich intensiv mit dem Immunsystem befasst: „Teil 1: Leben im Gleichgewicht“, „Teil 2: Das Immunsystem und das Fest des Lebens“, „Teil 3: Bob“, Teil 4: Linda und Meredith“, „Teil 5: Jason“ und „Teil 6: Heimkehr“. Das Buch ist mehr eine Lebensgeschichte von unterschiedlichen Personen, die manchmal durchaus spannend sind und berühren, ja, aber die in diesem Buch nur hätten einen kleinen Teil einnehmen dürfen. „Starke Abwehr“ – schwache Leistung!

HarperCollins, 490 Seiten; 22,00 Euro

Lesley Kara – Das Gerücht

Das Gerücht

Anfang der Sechziger weht Hoffnung durch das Land. Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöne Afroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. Beide ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird.

Ein Spannungsroman, bei dem sich die englische Presse und auch einige Starautorinnen überschlag vor positiven Aussagen. Ich war sehr gespannt, was mich da erwarten würde. Lesley Karas Debütroman hat es wahrlich in sich! Es ist ein Roman mit einem Thema aus unserer Zeit, aber eigentlich auch eines, das zeitlos ist. Gerüchte streuen, ohne den geringsten Wahrheitsgehalt, dank sozialer Medien in unserer heutigen Zeit ein immer weitverbreitertes Mittel um Menschen gegen etwas aufzubringen oder für sich zu gewinnen. So auch in „Das Gerücht“. Lesley Karas treibt es leider nicht auf die Spitze. Da wäre in Sachen Dramatik und Spannung noch einiges mehr möglich gewesen. Doch die letzten 100 Seiten entschädigen dann für das Entgangene, denn die gleichen einem einzigen Showdown mit nur mehr als einer großen Überraschung. „Der Gerücht“ wird auch Sie berühren und rätseln lassen, wird Sie in die falsche Richtung schicken, um Sie dann mit einem heftigen und überraschenden Schlag wieder zurückzuholen! Ihre Nerven werden nicht geschont werden, versprochen.

dtv, 397 Seiten; 15,90 Euro

Daniel Wolf – Im Zeichen des Löwen

Im Zeichen des Löwen

Friesland 1351: Schiffe zu bauen – das war schon immer der Traum des junge Zimmermanns Jann Wilken. Er will die Seefahrt revolutionieren und sich in den Häfen der Hanse einen Namen machen. Aber Jann hat es nicht leicht. Er ist der uneheliche Sohn des mächtigen Wilke Tammen Osinga, der den Bastard verabscheut und täglich erniedrigt. Der jähzornige Wilke führt eine Blutfehde gegen seinen Erzfeind Enne Rycken und zieht seine Söhne in den Konflikt hinein. Jann ist seit langem heimlich in seine Jugendfreundin Jorien verliebt. Doch als er ihr endlich seine Gefühle gestehen will, wird sein Dorf von Enne angegriffen, und es kommt zur Katastrophe.

Daniel Wolf schreibt einen historischen Bestseller nach dem anderen! Seine Romane „Das Salz der Erde“, „Das Licht der Welt“, „Das Gold des Meeres“ und „Die Gabe des Himmels“ kann man alle mit einem Wort beschreiben: meisterlich! Nun erscheint sein neuer Roman „Im Zeichen des Löwen“. Und er setzt fort, wo er aufgehört hat. Ein meisterlicher historischer Roman! Und das fast 1.000 Seiten lang, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Mit „Im Zeichen des Löwen“ startet Daniel Wolf eine neue historische Saga, bei der man schon jetzt nicht mehr die Finger davonlassen kann!

Goldmann, 925 Seiten; 12,00 Euro

Klaus-Peter Wolf – Ostfriesenhölle

Bei einem Fahrradausflug auf Langeoog wird der junge Cosmo Schnell plötzlich ohnmächtig und stirbt kurz darauf in den Armen seiner Mutter. Sabine Schnell ist davon überzeugt, dass der beste Freund ihres Sohnes dafür verantwortlich ist. Beide waren You-Tube-Stars, hingen andauernd zusammen. Kurzerhand entführt sie den Jungen. Eine groß angelegte Suche startet, die Insel wird bis in die letzten Winkel durchsucht. Dann findet man eine Leiche – eine Frau. Und jetzt steht Ann Kathrin Klaasen vor der Frage: Sucht die Polizei eigentlich einen jugendlichen Täter oder einen verzweifelten jungen Mann?

Wollen Sie einen packenden Krimi lesen? Dann lesen Sie einen Ostfriesenkrimi von Autorenlegende Klaus-Peter Wolf! Er hat den Ostfrieslandkrimi praktisch erfunden und entert mit jedem neuen Roman die Bestsellerliste. Nicht anders wird es bei „Ostfriesenhölle“ sein. Das liebgewonnene Ermittlerpersonal bekommt wieder viel Platz zur Entfaltung und die Spannung bleibt dabei auch nicht auf der Strecke.

Fischer, 528 Seiten; 12,00 Euro