November 2018

Kolumne vom 26.11.2018 - Nr.536


Sebastian Fitzek

daumen rauf

Der Insasse

Der Insasse

Vor einem Jahr verschwand der kleine Max Berkhoff. Nur der eiskalte und bereits mehrfache Mörder Guido Tramnitz weiß, was mit Max geschah. Doch der sitzt im Hochsicherheitstrakt einer exklusiven Berliner Psychiatrie und schweigt. Max’ Vater Till bleibt nur ein Weg, um endlich Gewissheit zu haben: Er muss selbst zum Insassen werden. Er überredet seinen Schwager Oliver, der Polizist ist, ihn unter falschem Namen einweisen zu lassen. Doch einmal in der Psychiatrie gefangen, scheint es für Till keinen Ausweg daraus mehr zu geben …

„Der Insasse“ ist beängstigend, erschütternd und schnürt einem die Kehle zu – Sebastian Fitzek in Höchstform! Wie geht man mit dem Verlust seines Kindes um, ist u. a. eine der Fragen die der Autor stellt. Was macht das mit einem, mit der Ehe, mit dem ganzen Leben. Aber er stellt auch die Frage: Was wäre wenn? Wenn Sie „unschuldig“ in der Psychiatrie landen würden und es keinen Ausweg mehr zu scheinen gibt? Es gibt ja reale Fälle, in denen Menschen unschuldige jahrelang in der Psychiatrie saßen. Oder ist alles ganz anders? Sebastian Fitzek zeigt in seiner gewohnt starken Art, wie er den Leser verführen und täuschen kann, wie er immer wieder überraschende Entwicklungen präsentiert und wie man als Leser atemlos die Seiten umblättert, um wirklich erst wieder ganz zum Schluss zu erfahren, was für eine fantastische Story er sich wieder ausgedacht hat. Sebastian Fitzek – Deutschlands Psychothriller-As Nr. 1!

Der Insasse mp3

Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Sebastian-Fitzek-Stammvorleser Sebastian Jäger ist wie immer klasse! 19,95 Euro. Hörprobe

Droemer, 377 Seiten; 22,99 Euro


Michelle Hunziker

daumen runter

Ein scheinbar perfektes Leben

Ein scheinbar perfektes Leben

Sie ist eine strahlende Erscheinung, und ihr Leben scheint perfekt. Doch das war nicht immer so. Erstmals erzählt Michelle Hunziker von Zeiten in ihrem Leben, die alles andere als strahlend waren. Als junge Frau geriet sie in die Abhängigkeit einer Sekte. Schnell wurde aus dem anfänglichen Halt Zwang und Entmündigung. Die Sekte bestimmte fortan über ihr Leben und forderte die Trennung von ihrem Mann Eros Ramazzotti. Viele harte Jahre durchlitt sie, bis sie den Ausstieg schaffte und stärker als je zuvor ihr Leben wieder selbst in die Hand nehmen konnte.

Michelle Hunziker, ohne Frage, eine freudestrahlende Schönheit! Umso überraschender, wenn man sich mit ihrem Leben bisher nicht näher beschäftigt hat, ist dieses Buch von ihr. Wer hätte gedacht, dass sie solch einen Lebensabschnitt hinter sich hat und solch eine Leidenszeit durchleben musste. Sie schildert das Leben voller Zwang und Entmündigung authentisch und als Leser beschäftigt einen ihre Geschichte. Doch das Buch, Michelle Hunziker verliert auch die Realität aus den Augen und schweift sehr ins Übernatürliche und Esoterische ab. Das wird dann auch noch ausgebreitet. Damit konnte ich mich gar nicht identifizieren. „Ein scheinbar perfektes Leben“ – nur scheinbar ein perfektes Buch.

Lübbe, 332 Seiten; 20,00 Euro


Karen Rose

daumen rauf

Dornenherz

DornenherzMeredith Fallon betreut Opfer von sexuellem Missbrauch und hilft ihnen, wieder einen Platz in der Welt zu finden. Als ein Mord-Anschlag auf sie verübt wird, dem sie nur knapp entkommt, scheinen die Zusammenhänge klar: Bei ihrer Arbeit muss sie sich jemandes abgrundtiefen Hass zugezogen haben. Detective Adam Kimble vom Cincinnati Police Department, der ein Auge auf Meredith geworfen hat, unternimmt alles, um sie zu schützen. Doch Meredith ist nicht die Einzige, die der Killer im Visier hat ...

Karen Rose – die Lady-Thriller-Queen in Perfektion! Auch mit ihrem vierten und letzten Band der „Dornen“-Reihe zeigt sie wieder durchweg ihre Qualitäten. Sehr lebendige Charakter- und Szenenbeschreibungen, interessante Verwicklungen, nervenaufreibende Spannung und natürlich fehlt nie der Schuss Leidenschaft und Erotik. Wer die vorherigen drei „Dornen“-Thriller verschlungen hat, dem wird es auch mit „Dornenherz“ nicht anders ergehen. Man heftet sich auf die Spuren von Meredith und Adam, und auch von den Bösen der Geschichte und ist über jede neue Entwicklung spannend überrascht.

Knaur, 827 Seiten; 16,99 Euro


Brooke McAlary

daumen rauf

Slow – Einfach leben

Slow Einfach lebenFür das, was wirklich wichtig ist, bleibt im Leben oft erschreckend wenig Platz. Stattdessen stopfen wir unsere Wohnungen, Kalender und Köpfe voll mit Dingen, die uns belasten, statt glücklich machen, setzen uns unter Druck durch Vergleiche mit anderen und Ansprüche an uns selbst. Die Autorin will das ändern und entdeckt mit ihrer Familie die Philosophie des Slow Living. In vielen kleinen Schritten macht sie sich ans Entrümpeln: von der Handtasche über Haus und Job bis zu ihrem Inneren. So findet sie Geld, Raum und Zeit für das, was wirklich wertvoll ist.

„Slow“, der Titel ist Programm. Wenn man in unserer schnelllebigen Gesellschaft der Langsamkeit wieder etwas mehr Raum gibt, kann das kleine Wunder bewirken. Sich wieder den kleinen Dingen zugetan fühlen, wie einen Samen in die Erde stecken und ihn zum Leben zu erwecken, oder schöne Filmabende, oder lebendige Waldspaziergänge. Einige der Hauptthemen sind: „Ausmisten“, „Enteignen sie sich selbst“, „Achtsamkeit“, „Sich ausklinken, um sich wieder einzuklinken“, „Eine Hütte im Wald“.

Lübbe, 288 Seiten; 20,00 Euro


Ralph Ghadban

daumen rauf

Arabische Clans

Arabische Clans

Arabische Clans beherrschen die Berliner Unterwelt. Auch in Frankfurt, Bremen und Essen dominieren libanesisch-kurdische Großfamilien die Geschäfte mit Raub, Drogenhandel, Schutzgelderpressung, Prostitution und Geldwäsche. Mittlerweile sind die kriminellen Clans so stark, dass sie zum Angriff auf die Staatsgewalt übergehen. Sie versuchen, Familienmitglieder bei der Berliner Polizei einzuschleusen, suchen Konfrontation mit Justiz und Jugendämtern und machen Stadtteile zu No-Go-Areas.

Wer bis vor einiger Zeit noch nichts von den arabischen Clans in Deutschland wusste, wird nun schon fast monatlich mit neuen Nachrichten konfrontiert. Wieder wurde ein Clan von der Polizei gesprengt. Was tut sich da in Deutschland? Der Migrationsforscher Ralph Ghadban geht dieser Frage in diesem brandaktuellen Thema nach. Das Buch enthält folgende Schwerpunktthemen: „Gemeinschaftliche und individuelle Kultur“, Die Migration der Mhallami“, „Die Migration nach Deutschland“, „Die Parallelgesellschaft“, „Die Gesellschaft der Mhallami“, „Die Clans und der Rechtsstaat“, „Migration und organisierte Kriminalität“ und „Bekämpfung der Clankriminalität“.

Econ, 304 Seiten; 18,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

John Steinbeck

Von Mäusen und Menschen

Von Mäusen und Menschen

George und Lennie ziehen als Erntehelfer durchs Land. Zusammen träumen sie davon, eine kleine Farm zu besitzen und Kaninchen zu züchten. Aber so weit wird es nie kommen, denn Lennie zieht die Probleme nur so an. Er ist zwar bärenstark, aber geistig zurückgeblieben. Was er streicheln will, macht er mit seinen ungelenken Händen tot. Und als ihn die junge Frau eines Gutsbesitzers auffordert, sie anzufassen, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

John Steinbecks Romane gehören zu den ganz großen Klassikern der Weltliteratur! Darunter „Jenseits von Eden“, „Früchte des Zorns“ und auch „Von Mäusen und Menschen“. Eine Geschichte aus einer ganz anderen Zeit und doch ist sie absolut zeitlos. Zwei Männer, die wenig haben, und etwas mehr haben wollen, und verzweifelt danach streben. Ein Mann, Lennie, der lieb erscheint, aber sein Geist spielt mit ihm ein böses Spiel. Und George, der immer versucht Lennie aus dem Schlamassel zu helfen, bis es nicht mehr geht. Das Hörbuch stammt aus der Ulrich-Pleitgen-Edition. Ulrich Pleitgen, einer der ganz großen deutschen Schauspieler und auch Hörbuchsprecher starb 2018 in Hamburg. Lübbe Audio hat ihm zu Ehren eine Hörbuch-Edition mit ganz unterschiedlichen Werken aufgelegt, darunter auch „Blut und Rausch“ von Stephen King, „Die Nadel“ von Ken Follett, „Wallanders erster Fall“ von Henning Mankell und die Edgar-Allan-Poe-Hörspiele Folge 1 bis 12. Hörprobe

Lübbe Audio, 1 MP3 CD, 219 Minuten; je 10,00 Euro


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Kolumne vom 19.11.2018 - Nr.535


Elizabeth George

daumen rauf

Wer Strafe verdient

Wer Strafe verdient

Die Bürger des englischen Städtchens Ludlow sind zutiefst entsetzt, als man den örtlichen Diakon eines schweren Verbrechens beschuldigt und ihn verhaftet. Kurz darauf wird er in Polizeigewahrsam tot aufgefunden. Im Auftrag Scotland Yards versuchen DCS Isabelle Ardery und Sergeant Barbara Havers Licht ins Dunkel zu bringen. Zunächst weist tatsächlich alles auf den Selbstmord eines Verzweifelten hin – doch Barbara, und später dann auch DI Thomas Lynley trauen dieser Version der Ereignisse nicht. Gemeinsam werfen sie in einer weiteren Untersuchung einen genaueren Blick hinter die idyllische Fassade Ludlows – und entdecken, dass fast jeder hier etwas zu verbergen hat.

Elizabeth George ist die unangefochtene Königin des gehobenen Kriminalromans! Vor allem wenn man ihre Inspector-Lynley-Reihe genau betrachtet, ausgenommen der ersten Bücher, ist klar, dass keine andere Krimiautorin weltweit eine so starke Kriminalgeschichte über meist 800 Seiten ausbreiten kann. „Wer Strafe verdient“ ist akribisch, intelligent und spannend. Ich habe jede Seite genossen! Elizabeth Georges Figurenzeichnungen sind wieder mehr als gelungen. Tragik und Witz geben sich da manchmal die Hand. Sehr gelungen dargestellt ist dabei wieder die liebenswerte Barbara Havers. Isabelle Ardery mutiert noch mehr zu einer weniger liebenswerten Person. Thomas Lynley, wie immer unwiderstehlich. Aber auch alle Figurenzeichnungen der Nebendarsteller sind gelungen. Alle die Charaktere lassen einen also schon nicht mehr los. Wie immer hätte dieser Elizabeth-George-Krimi auch 1.000 Seiten haben dürfen!

Wer Strafe verdient mp3


Auch als Hörbuch erhältlich bei der Hörverlag. Stefan Wilkening liefert wie immer eine ausgezeichnete Performance ab! 26,00 Euro. Hörprobe

Goldmann, 857 Seiten; 26,00 Euro


Helen Callaghan

daumen runter

Lügen. Nichts als Lügen

Lügen Nichts als Lügen

Ausgerechnet in einen heißen Flirt platzt der Anruf von Sophias Mutter Nina, ängstlich, fast panisch, und sicher so grundlos wie etliche Male zuvor. Als Sophia schließlich doch zu ihren Eltern in die wildromantische Gärtnerei nach Suffolk fährt, findet sie nur noch tödliche Stille. Ihre Mutter erhängt an einem Baum, ihr Vater niedergestochen daneben. Mord mit anschließendem Selbstmord, vermutet die Polizei, was für Sophia unvorstellbar ist. Sie kennt ihre Eltern viel zu gut, als dass sie den ruhigen Menschen so etwas zutrauen könnte – und beginnt nachzuforschen. Doch dann findet sie ein Tagebuch in der Handschrift ihrer Mutter. Sie beginnt zu lesen ...

„Dear Amy“, das Debüt der Britin Helen Callaghan, stürmte in ihrer Heimat die Bestsellerlisten. Und auch mich konnte diese Geschichte überzeugen. Zwar auch kein richtiger Psychothriller, genauso wie das auf ihre neues Buch „Lügen. Nichts als Lügen“ zutrifft, aber doch auf ihre Art gut. Auf dem Cover ihres neuen Buches steht zwar wieder Psychothriller, der Leser bekommt aber mehr ein Drama serviert als alles andere. Nicht ganz unspannend, aber weit weg von einem spannenden Psychothrill! Der Beginn lässt zwar noch einiges erwarten, doch dann verflacht die Handlung in Sachen Spannung sehr. Es geht vorrangig um Sophias Mutter Nina und ihrem Leben in einer Sekte. Die Rahmenbedingungen für diese Story waren eigentlich richtig gut. Man hätte ein Spannungshighlight daraus machen können, doch Helen Callaghan gelang das nicht.

Knaur, 435 Seiten; 14,99 Euro


Annette Hess

daumen rauf

Deutsches Haus

Deutsches HausFrankfurt 1963. Eva, gelernte Dolmetscherin und jüngste Tochter der Wirtsleute Bruhns, steht kurz vor ihrer Verlobung. Unvorhergesehen wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Ihre Eltern sind, wie ihr zukünftiger Verlobter, dagegen: Es ist der erste Auschwitz-Prozess, der in der Stadt gerade vorbereitet wird. Eva, die noch nie etwas von diesem Ort gehört hat, folgt ihrem Gefühl und widersetzt sich ihrer Familie. Sie nimmt die Herausforderung an, ohne zu ahnen, dass dieser Jahrhundertprozess nicht nur das Land, sondern auch ihr eigenes Leben unwiderruflich verändern wird.

Annette Hess zeigt sich als Autorin verantwortlich für die Geschichten der großen Fernseherfolge von „Weisensee“ und „Ku’damm 56“ und „59“. Da war ich natürlich sehr gespannt auf ihren Debütroman. Und ich wurde nicht enttäuscht. „Deutsches Haus“ ist packend, filmisch erzählt und thematisch mit großer Strahlkraft, auch in unsere heutige Zeit hinein. Der Roman beginnt mit einer gewissen Leichtigkeit, bis dann das große und wichtige Thema Auschwitz die Geschichte und ihre Figuren verändert. Es zeigt, dass unsere Geschichte eine Verantwortung für unsere Zukunft ist. Aber es gibt heute tatsächlich wieder Millionen Menschen in Deutschland, denen das alles egal ist und die eine Partei wählen, die Ähnliches anstrebt wie die Nazis damals.

Ullstein, 367 Seiten; 20,00 Euro


Anne Holt

daumen rauf

In Staub und Asche

In Staub und AscheJonas Abrahamsen hat 12 Jahre für den Mord an seiner Frau verbüßt. Zu Unrecht, davon ist Kommissar Henrik Holme überzeugt. Noch während er mit Hanne Wilhelmsen in diesem Cold Case ermittelt, gibt es eine zweite Tote: Es ist eine prominente Rechtsradikale. Weder Henrik noch Hanne glauben an die Theorie vom Selbstmord - warum sollte eine Frau, die in ihren Kreisen als Heldin gefeiert wurde, ihrem Leben ein Ende setzen? Als Hanne eine Verbindung zu ihrem alten Fall entdeckt, ist es fast zu spät - denn Abrahamsen hat ein 3-jähriges Kind entführt und will endlich Rache nehmen.

 Der letzte Fall für die Erfolgsermittlerin Hanne Wilhelmsen. Während der Lektüre hat man ein weinendes und ein lachendes Auge. Man ist traurig, dass diese bestechende Krimireihe nun zu Ende geht, ist aber auch hocherfreut über den spannenden und aktuell brisanten Fall. „In Staub und Asche“ darf man als Anne-Holt-Fan keinesfalls verpassen!

Piper, 414 Seiten; 22,00 Euro


Dylan Jones

daumen rauf

David Bowie – Ein Leben

David Bowie Ein Leben

Dieses Buch ist anders als alle, die bisher über David Bowie erschienen sind: Dylan Jones führte Interviews mit über 180 Freunden, Rivalen, Lebenspartnern und Familienangehörigen, von denen viele noch nie über ihr Verhältnis zu Bowie gesprochen haben, und lässt sie in O-Tönen zu Wort kommen. Es berichten unter anderem: Paul McCartney, Bono, Madonna, Tony Visconti, Lady Gaga, Elton John, Iman, Angie Bowie, Iggy Pop, Damien Hirst und Bob Geldof.

„David Bowie – Ein Leben“ – Was für ein Buch! Autor Dylan Jones hat mit dieser Mammutbiographie wahrlich ein echtes Highlight für jeden David-Bowie-Fan geschaffen. Durch den besonderen Aufbau des Buches kommt nie Langeweile auf, man erfährt durch so viele unterschiedliche Personen ganz viel über die Person David Bowie. Jeder hat eine etwas andere Sicht auf David Bowie, und so kommt man selbst während der Lektüre dem Menschen und Künstler David Bowie auf besondere Weise ganz nahe.

Rowohlt, 816 Seiten; 36,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Thomas Klupp

Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Wie ich fälschte log und Gutes tat cd

Weiden ist eine Vorzeigekleinstadt: Die Wirtschaft brummt, von den Lady-Lions gibt es Charity-Barbecues für Flüchtlinge, die Oberschule ruft eine Leistungsinitiative in den MINT-Fächern aus, die Tennisjugend gewinnt das Landesfinale, und mit dem neuen Schuljahr prangt von jeder Wand ein Antidrogenplakat der Champions. Benedikt Jäger und seine Kumpel Vince und Prechtl sind nicht nur mittendrauf zu sehen, sie stecken auch mittendrin in dieser schönen Welt, die alle Abgründe vertuscht: Die Nächte feiern sie exzessiv im „Butterhof“, wie sie ihre Schulleistungen am neuen Evaluierungssystem vorbei vor den erfolgsgierigen Eltern verbergen, ist hohe Fälscherkunst. Benedikt Jäger wird zum Notenfälscher vor dem Herrn, gegenüber seinen Eltern. Doch auf Benedikt warten noch mehr Teenagerprobleme …

Eine Geschichte von unglaublicher Leichtigkeit, Coolness und Wehmut! Als Leser fühlt man sich noch mal zurückversetzt in die eigene Schulzeit. Partys, Mädchen, Schulchaos, nicht weniger chaotische Eltern, und dann gibt es dazu ja noch die Probleme der Welt, die auch in Weiden Einzug halten. „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ ist ein wenig das Gegenstück zu „Fuck ju Göhte“, mehr schulische Realität, aber nicht unbedingt weniger Bissigkeit! Die junge Stimme des Louis Hofmann ist eine grandiose Besetzung für diese Lesung! So unverbraucht und frisch, so cool und locker leicht gelesen. Genauso wie die Story selbst. Hörprobe

Wie ich fälschte log und Gutes tat

 


Auch als Hardcover erhältlich bei Berlin Verlag, 20,00 Euro.

Osterwold Audio, 6 CDs, 399 Minuten; 20,00 Euro


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Kolumne vom 12.11.2018 - Nr.534


Kate Morton

daumen rauf

Die Tochter des Uhrmachers

Die Tochter des Uhrmachers

Birchwood Manor 1862: Der talentierte Edward Radcliffe lädt Künstlerfreunde in sein Landhaus am Ufer der Themse ein. Doch der verheißungsvolle Sommer endet in einer Tragödie – eine Frau verschwindet, eine andere stirbt. Über hundertfünfzig Jahre später entdeckt Elodie Winslow, eine junge Archivarin aus London, die Sepiafotografie einer atemberaubend schönen Frau und die Zeichnung eines Hauses an einer Flussbiegung. Warum kommt Elodie das Haus so bekannt vor? Und wird die faszinierende Frau auf dem Foto ihr Geheimnis jemals preisgeben?

Kate Morton lesen heißt, gehobene, von Anfang bis Ende durchdachte, spannende, emotionale und süchtig machende Unterhaltungsliteratur zu lesen! Das trifft auch auf ihren neuen Roman „Die Tochter des Uhrmachers“ zu. Natürlich wieder ein Bestseller, wie all ihre anderen Romane auch. Sie hat dieses Genre, in dem sie alle Nuance beherrscht, zusammen mit Lucinda Riley maßgeblich geprägt. „Die Tochter des Uhrmachers“ wartet wieder mit zwei parallellaufenden Geschichten auf, eine, bzw. weiterführend mehrere aus der Vergangenheit, eine aus der Gegenwart. Beide haben ihren ganz eigenen Charme, das höhere Spannungspotenzial bieten die Geschichten aus der Vergangenheit. Hier wandelt Kate Morton auf den Spuren eine Krimiautorin.

Die Tochter des Uhrmachers hoer


Auch als Hörbuch erhältlich bei Random House Audio. Elegant und berauschend gelesen von der charmanten Esther Schweins! 22,00 Euro. Hörprobe

Diana, 605 Seiten; 22,00 Euro


Claire Fuller

daumen runter

Bittere Orangen

Bittere Orangen

Im Sommer 1969 geschehen zwei Dinge im Leben von Frances Jellico, die sie zum ersten Mal Freiheit und Selbstbestimmung empfinden lassen: Ihre dominante Mutter stirbt, und sie erhält den Auftrag, für das Lynton Herrenhaus ein architektonisches Gutachten zu schreiben. Frances löst ihre Londoner Wohnung auf und richtet sich für einige Wochen in Lynton ein. Die einzigen Bewohner des einsamen Hauses sind Cara und Peter, das Hausmeisterpaar, zu dem sie rasch eine enge, komplizierte Beziehung entwickelt. Denn Cara macht sie zu ihrer Vertrauten, während Frances sich zunehmend zu dem undurchschaubaren Peter hingezogen fühlt. Das Ende dieses Sommers besiegelt ein Ereignis, das für Frances den Rest ihres Lebens auf tragische Weise beeinflussen wird.

Die Engländerin Claire Fuller konnte mich mit ihrem Vorgängerroman „Eine englische Ehe“ begeistern. Umso gespannter war ich auf ihren neuen Roman „Bittere Orangen“. Und die Story hörte sich wirklich grandios an. Ein Spannungsroman der besonderen Art erwartet mich, so dachte ich zumindest. Leider sind die Orangen wirklich sehr bitter, wenn ich den Titel auf die Story beziehe. Denn das Buch braucht fast zwei Drittel des kompletten Seitenumfangs um endlich dort loszulegen, wo man sich es nach der Beschreibung erhofft hat. Es hätte ein grandioser Roman werden können, durch Claire Fullers Umsetzung bleibt er nur im Mittelmaß hängen.

Piper, 347 Seiten; 22,00 Euro


Iny Lorentz

daumen rauf

Die Wanderhure und die Nonne

Die Wanderhure und die NonneDa der neue Fürstbischof von Würzburg Kibitzstein unter seine Herrschaft zwingen will, geht die ehemalige Wanderhure Marie ein Bündnis mit dem thüringischen Grafen Ernst von Herrenroda ein. Als sie dessen Einladung folgt, wird die Burg, auf der sie sich treffen, überfallen und alle Bewohner bis auf Marie, ihre Tochter Trudi und eine mit dem Grafen verwandte, schwer verletzte Nonne umgebracht. Den drei Frauen gelingt die Flucht in unwegsame Wälder. Doch als sie von Räubern gefangen genommen werden, die mit dem Anführer des Überfalls in Verbindung stehen, begreift Marie das ganze Ausmaß der Katastrophe: Sie sind mitten in die erbitterte Fehde zweier Thüringer Adelsgeschlechter geraten.

Iny Lorentz ist wieder voll in ihrem Element! „Die Wanderhure und die Nonne“ bietet wieder alles, was man sich von einem historischen Roman aus der Feder des Autorenehepaares wüscht – Hochspannung, historische Detailliebe, unverwechselbare Charaktere, temporeich erzählt. Ich habe mich gefreut, als ich die Ankündigung zu einem neuen „Wanderhuren“-Roman gelesen habe. Und ich wurde nicht enttäuscht. Die Serie hat sich dank des unglaublichen Ideenfundus von Iny Lorentz noch nicht abgenutzt. „Die Wanderhure und die Nonne“ ist der siebte Band aus der „Wanderhuren“-Reihe. Es ist allerdings anzumerken, dass dieser Band eher zwei Bücher weiter vorne in der Reihe einzuordnen ist. Wenn man das vorher weiß, trübt das aber keinesfalls das Leseerlebnis.

Knaur, 640 Seiten; 19,99 Euro


Dirk Bockmühl

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Keim daheim

Keim daheimSie sind in uns, auf uns und um uns herum: Keime – Bakterien, Viren und Pilze. Manche sind für unser Leben unverzichtbar, andere einfach nur lästig, und es gibt auch welche, die sehr gefährlich sind. Professor Bockmühls Hygiene-Sprechstunde führt mitten hinein in das faszinierende Reich unserer unsichtbaren Untermieter und erklärt alles, was man über sie wissen kann. So erfahren wir, dass der Biofilm nichts mit dem Kino zu tun hat oder was gegen Schweißgeruch hilft. Und wir begeben uns auf eine mikrobiologische Wohnungstour: Danach sehen wir unsere Toilette garantiert mit anderen Augen und wissen uns vor dem Angriff der „Killerlappen“ zu schützen.

Ein Buch, auf das man schon lange gewartet hat! Endlich sehen wir unser Zuhause mit anderen Augen. Denn was sich da im Verborgenen mit den Keimen so alles abspielt, eine tägliche Abenteuergeschichte. Folgende Hauptthemen sind enthalten: „Mikroben und Menschen – ein Dream-Team?“, „Keim oder nicht Keim, das ist hier die Frage“, „Was ein Keim zum Leben braucht“, „Die Schurkenstreiche der Mikroben“, „Freund oder Feind?“, „Keim daheim“, „In Bad und WC alles okay?“, „Die Küche – der gefährlichste Ort der Wohnung“, „Bettgeflüster – das Schlafzimmer“, „Die Waschküche – nicht nur sauber, sondern rein?“. Zum Ende hin wagt der Autor noch einen Blick in ein Krankenhaus.

Droemer, 286 Seiten; 16,99 Euro


Dr. Michael Barczok

daumen rauf

Luft nach oben

Luft nach oben

Wussten Sie, dass wir täglich einen Heißluftballon voller Luft ein- und ausatmen? Ob wir Marathon laufen oder schlafen, unsere Lunge versorgt uns permanent mit der optimalen Menge an Sauerstoff. Wir spüren unser Atemorgan bloß, wenn etwas nicht stimmt. Was passiert, wenn wir husten, kurzatmig sind oder schnarchen? Was steckt hinter Allergie, Asthma und COPD? Was können wir gegen all die Atembeschwerden tun? Und wie fit ist eigentlich die eigene Lunge?

Nach den Keimen, die uns umgeben, ein weiteres hilfreiches Buch. Unsere Lunge, ein so wichtiges Organ, dem man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Nach diesem Buch sind sie schlauer, was ihre Lunge alles für sie leistet, versprochen. Dr. Michael Barczok, Internist und Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Allergologie, sowie Sozial-, Schlaf- und Umweltmedizin, ist ein ausgewiesener Fachmann. Folgende Hauptthemen sind u. a. enthalten: „Powerorgan Lunge“, Entspannend atmen – einfache Hilfestellungen für unsere Lunge“, „Wer lange hustet, lebt auch lange“, „Die unsichtbaren Gefahren in unserer Luft“, „Vom grippalem Infekt über die Lungenentzündung bis zur Schwindsucht“, „Asthma – Atmen durch einen Strohhalm“, „COPD – wenn die Bronchien rosten“, „Lungenkrebs – wenn Zellen bösartig werden“, „Schlafapnoe – wenn nachts der Atem hängen bleibt“.

Lübbe, 288 Seiten; 16,90 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Dörte Hansen

Mittagsstunde

Mittagsstunde hoer

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ?

Dörte Hansen zeigt die teils unheimlichen Eigenheiten und Eigenleben eines Dorfes, das sich im Niedergang befindet. Exemplarisch für die sterbende Dorfkultur in Deutschland. Die Jungen wandern ab und es bleiben nur die Alten zurück. Und Städter entdecken plötzlich die teils verfallen Häuser für sich neu. Eindrucksvoll im Kleinen wie im Großen geschildert. Die große Welt verändert sich, und das zeigt sich am Ende auch im kleinen Dorf. Die Gastwirtschaft, einst Mittelpunkt von allem, sucht am Ende kaum einer mehr auf. Was im Dorf normal ist, ist auch „besonders“. Man kann seine Kinder und seine Frau schlagen, man kann die Frau des Nachbarn schwängern, über alles wird hinweggesehen, aber nicht, wenn man Feste zu Anlässen wie Geburtstagen nicht groß feiert. „Mittagsstunde“ ist nachdenklich stimmende, schön ausformulierte Literatur! Dörte Hansen hat nach ihrem gefeierten Bestseller „Altes Land“ einen weitren großen deutschen Roman geschrieben. Hannelore Hoger geht voll in der Geschichte auf. Mit ihrer altersweisen Stimme bringt sie die Stimmung es Romans perfekt rüber. Und ihr Plattdeutsch ist ein Genuss! Die Zuhörer dürfen sich auch darüber freuen, dass es sich um eine ungekürzte Lesung handelt. Hörprobe

Mittagsstunde

 


Auch als Hardcover erhältlich bei Penguin, 22,00 Euro.

Random House Audio, 9 CDs, 691 Minuten; 22,00 Euro


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Kolumne vom 05.11.2018 - Nr.534


Andreas Eschbach

daumen rauf

NSA

NSA

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet ... Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien - und deren totale Überwachung?

Andreas Eschbach beweist mit „NSA“ erneut, dass er zu den visionärsten Spannungsautoren Deutschlands zählt! Seit Jahrzehnten schreibt er einen spannenden Bestseller nach dem anderen, mit Geschichten, die man so bisher noch nicht kannte. Das trifft auch auf sein neues Werk „NSA“ zu. Erschreckend, beängstigend, hochaktuell. Was wäre wenn die Nazis damals bereits die technischen Überwachungsmöglichkeiten von heute gehabt hätten? Sich das vorzustellen verursacht üble Bauschmerzen. „NSA“ mischt Fakten mit Fiktion perfekt und ist eine warnende Geschichte für die Gegenwart und Zukunft! Denn man sieht ja, dass es in Deutschland tatsächlich wieder genügend Menschen gibt, die einer Partei nachlaufen, ohne das diese Menschen wirklich wissen, was sie mit ihnen vorhat. Am Ende kommt es zu einer NSDAP 4.0 und vorbei ist es mit der Demokratie und der Freiheit.

Lübbe, 796 Seiten; 22,90 Euro


Tim Mälzer

daumen runter

Neue Heimat

Neue Heimat

Das neue Heimatkochbuch von Tim Mälzer ca. 100 Rezepte aus der guten, echten, nachhaltigen Heimatküche, begleitet von kurzen Texten. Dabei geht es nicht nur um Gerichte, die wir seit jeher als deutsch kennen, sondern auch um solche, die mittlerweile nicht mehr wegzudenken sind, wie Pasta, Burger, Döner. Deutschland 2018 schmeckt nicht nur traditionell deutsch, sondern auch italienisch, spanisch, türkisch - mancherorts auch schon ein wenig syrisch.

An Tim Mälzer scheiden sich die Geister, entweder man liebt oder man hasst ihn. Er kann äußerst charmant sein, aber er kann auch sehr von sich eingenommen sein und will alles mit dem erhobenen Zeigefinger bewerten. Das soll seine Eignung als Starkoch nicht beeinflussen, tut es aber trotzdem, denn man geht mit einem etwas anderem Gefühl an sein neues Kochbuch „Neue Heimat“ heran. Schon der Titel ist gewöhnungsbedürftig. Die Rezepte darin sind jetzt nichts, was einen total von der Herdplatte fegt. Es bleibt festzuhalten, dass, wenn nicht Tim Mälzer auf dem Buchcover stehen würde, von diesem Kochbuch sicherlich nur wenige Exemplare verkauft würden. Enthalten sind u. a. folgende Rezepte: Knödelauflauf, Kartoffelsalat, Königsberger Klopse, Linseneintopf, Bratwurst, Kürbisrisotto, Miso-Lachs, Schnitzel, Tafelspitz, Entenbrust, Linsenpasta. Für jemanden, der noch überhaupt kein Kochbuch besitzt, ist dieses vielleicht eine lohnende Investition, ansonsten eher nicht.

Mosaik, 303 Seiten; 20,00 Euro


Andreas Martin Widmann

daumen rauf

Messias

MessiasPaul Helmer pendelt zwischen zwei Welten. Die eine: das Geschäft der Werbung in London. Die andere: ein deutscher Vorort am Taunus mit Frau und einer erwachsenen Tochter, Judith, die in Schwierigkeiten steckt. Schwierigkeiten, die mit Geld, vielleicht aber auch mit einer größeren Schuld zu tun haben, vor der sie am Ende des Sommers aus einer dänischen Kommune zurück ins Haus der Eltern geflohen ist. Eine Sehnsucht treibt alle in der Familie um. Auf verschiedenen Wegen suchen sie Erlösung: Paul Helmer in der vagen Hoffnung auf seinen unsichtbaren Auftraggeber Faisal, einen Mann von phantastischem Reichtum und ebensolcher Unberechenbarkeit. Helmers Frau Inge mit Hilfe eines Heilers, der immerhin etwas von Menschen versteht. Judith, die Tochter, scheint schon jenseits der Gemeinschaft zu stehen.

Ein Roman über das Leben, die Familie, die Arbeit, und was das alles mit uns macht. Die Leben der so unterschiedlichen Eheleute Paul und Inge Helmer fließen literarisch spielerisch dahin. Andreas Martin Widmann schafft es, scheinbar einfache Dinge des Alltags spannend zu gestalten und zu erzählen. Aus Pauls Arbeit in London wird eine Art Wettkampfveranstaltung, aus Inges Zeit-um-die-Ohren-schlagen zu Hause ein psychisches Labyrinth. Die selbstverliebte 23-jährige Tochter Judith ist im Leben von Mutter Inge wie ein Schatten, obwohl sie sich wünschte, Judith wäre weitaus mehr als das. Doch Judith nutzt ihre Mutter aus. Und am Ende erfährt Paul über seine Tochter etwas, dass er nur schwer begreifen kann. „Messias“ ist eine erleuchtende literarische Erfahrung! Eine Geschichte nicht ohne Nebenwirkungen.

Rowohlt, 439 Seiten; 23,00 Euro


Ursula K. Le Guin

daumen rauf

Erdsee

ErdseeAuf einem Eiland der Inselwelt Erdsee lebt der junge Ged. Von allen nur Sperber gerufen, führt er ein einfaches Leben als Sohn eines Bronzeschmieds. Erst als brutale Räuberhorden sein Dorf überfallen, entdeckt er, dass er über geheimnisvolle, übernatürliche Fähigkeiten verfügt. Es gelingt Ged mit Hilfe der Magie, die Banditen abzuwehren, und fortan ist nichts mehr, wie es war. Sperber wird Lehrling an der berühmten Zauberschule von Rok und stellt dort seine Fähigkeiten unter Beweis: Er beschwört die Mächte der Schatten und schafft eine Verbindung zum Totenreich. Dabei erfährt er, dass ein Riss durch dieses Reich geht, der die Welt der Lebenden zu verschlingen droht. Gemeinsam mit der wiedergeborenen Hohepriesterin Tenar und Tehanu, der Tochter der Drachen, stellt sich Ged einem scheinbar aussichtslosen Kampf um die Rettung von Erdsee.

Die „Erdsee“-Saga von Ursula K. Le Guin (1929 – 2018) gehört zu den großen Fantasy-Klassikern! Und diesem mehrbändigen Klassiker hat sich Tor nun angenommen und daraus ein wuchtiges und schönes Gesamtwerk geschaffen. Doch diese Ausgabe bietet noch mehr, denn es handelt sich um die illustrierte Gesamtausgabe. Prächtige Zeichnungen in Farbe und Schwarzweiß zieren die spannende und ereignisreiche Geschichte. Auch wenn es noch ein bisschen hin ist bis Weihnachten, mit diesem Buch werden Sie Fantasy-Fans eine große Freude machen. Also schon mal auf dem Geschenkzettel notieren.

Tor, 1.103 Seiten; 58,00 Euro


Nassim Nicholas Taleb

daumen rauf

Skin in the Game – Das Risiko und sein Preis

Skin in the Game Das Risiko und sein Preis

Stehen wir für die Risiken ein, die wir verursachen? Zu viele der Menschen, die auf der Welt Macht und Einfluss haben, so der Autor, müssen nicht wirklich den Kopf hinhalten für das, was sie tun und veranlassen. Intellektuelle, Journalisten, Bürokraten, Banker, ihnen vor allem wirft er vor, kein „Skin in the Game“ zu haben. Weil sie den Preis nicht bezahlen müssen, wenn sie irren, fällen sie schlechte Entscheidungen. Der Autor zeigt anhand vieler Beispiele, wie „Skin in the Game“, ein fundamentales Konzept des Risikomanagements, auf alle Bereiche unseres Lebens übertragen werden kann.

Nassim Nicholas Taleb hat mich schon mit „Der schwarze Schwan“ und „Antifragilität“ beeindruckt, sein neues Buch „Skin in the Game“ reiht sich hier nun ein. Erhellend, erfrischend, sarkastisch, streitbar, aber durchdacht. Folgende Hauptkapitel sind u. a. enthalten: „Der plattgemachte Antaios“, „Warum jeder seine eigene Schildkröte essen sollte: Gleichheit in Ungewissheit“, „Der Intoleranteste gewinnt: Die Vorherrschaft der eigensinnigen Minderheit“, „Wie man ganz legal eine Person besitzen kann“, „Die Haut anderer in ihrem Spiel“, „Intellektueller als Idiot“, „Vergiftet werden nur die Reichen: die Vorlieben der anderen“, „Die Fakten sind wahr, die News sind gefälscht“, „Tugend als Ware“, „Sie wissen nicht, wovon sie reden: wenn sie von Religion reden“.

Penguin, 381 Seiten; 26,00 Euro


Hörbuch der Woche

daumen rauf

Romy Fölck

Bluthaus

Bluthaus mp3

Nach ihrem letzten Fall erholt sich Frida Paulsen in der Elbmarsch, als sie der Hilferuf ihrer alten Freundin Jo erreicht. Vergangene Nacht fand diese in der Marsch die Leiche einer Frau und ist nun überzeugt, dass man sie des Mordes verdächtigt. Kurz darauf verschwindet Jo spurlos. Besorgt begibt sich Frida auf die Suche nach ihrer Freundin. Die Spur führt auf die Halbinsel Holnis zu einem einsam gelegenen Haus, das die Inselbewohner nur das Bluthus nennen. Vor vielen Jahren wurde dort eine Familie grausam hingerichtet - den Täter hat man nie gefunden.

Romy Fölck hat mit „Totenweg“, ihrem ersten Krimi um das ungleiche Ermittlerduo Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn, einen gefeierten Bestseller gelandet. Nun folgt der zweite Fall für das Duo, „Bluthaus“. Obwohl Bjarne Haverkorn in dieser Geschichte etwas mehr Raum bekommt als seine junge Kollegin. Auch Haverkorns Privatleben lässt Romy Fölck präsent einfließen. Hier stehen nicht weniger schwere Entscheidungen an als in seinem Beruf. „Bluthaus“ ist geschickt aufgebaut, weiß mit Tiefe und prägenden Figuren zu überzeugen, und die Spannung, mit einigen Überraschungen, kommt nicht zu kurz. Der bekannte Charakterdarsteller Michael Mendl verleiht der Geschichte einen extra Kick! Mit seiner knorrigen Stimme passt er gut zur Stimmung der Geschichte und auch zur eigentlichen Hauptfigur des Romans Bjarne Haverkorn. Hörprobe

Bluthaus

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Lübbe, 20,00 Euro.

Lübbe Audio, 6 CDs, 401 Minuten; 20,00 Euro


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