Kolumne vom 25.02.2019 - Nr.549


Guillermo Arriaga

daumen rauf

Der Wilde

Der Wilde

Juan Guillermo kennt Mexiko-City besser als jeder andere. Mit seinen Freunden streift er durch sein Viertel, gewinnt Mutproben über den Dächern der Stadt und hält die Direktorin der Schule auf Trab. Sein großes Idol dieser unbeschwerten Tage ist sein großer Bruder Carlos. Ein belesener und geschäftstüchtiger junger Mann, der für Juan unantastbar zu sein scheint. Dann wird Carlos ermordet und Juan muss sich der grausamen Frage stellen, ob er seinen Tod hätte verhindern können. Er sinnt auf Rache, doch erst die Schicksalsgemeinschaft mit der schönen Chelo und einem gefährlichen Wolf zeigt ihm einen Weg aus dem Strudel von Verzweiflung und Gewalt.

Der Mexikaner Guillermo Arriaga hat bedeutende Drehbücher verfasst, darunter ist die Oscar prämierte Filmtrilogie „Amores Perros“, „21 Gramm“ und „Babel“. Mit „Der Wilde“ legt er nun einen Roman vor, der den literarischen Oscar verdient hat. Ein sprachgewaltiger Roman mit vielen kleinen Geschichten in einer kolossal großen, die mich in einen absoluten Leserausch versetzt hat! Wild, düster, hart, voller Liebe und Hass, voller Leben und Tod, voller tragischer Momente, aber doch auch immer mit einem Stückchen Hoffnung. Der Roman fegt wie ein Sturm über einen hinweg! Ein Buch, das trotz seiner über 700 Seiten viel zu kurz ist. Ich hätte auch 1.000 und mehr Seiten lesen können. Eine unvergessliche Geschichte!

Klett-Cotta, 746 Seiten; 26,00 Euro


Jörg Maurer

daumen runter

Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt

Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt

In einer verschneiten Berghütte hoch über dem idyllisch gelegenen Kurort will Kommissar Jennerwein mit seinem Team feiern. Einmal ohne Ermittlungsdruck und Verbrecherjagd gemütlich am Kaminfeuer sitzen und Geschichten erzählen. Aber was bedeuten die blutigen Spuren im Schnee, die draußen zu sehen sind? Warum kreist eine Drohne über der Hütte? Und welcher unheimliche Schatten streift durch die Nacht? Während drunten im Kurort die Polizeistation verwaist ist und eine Gestalt leblos in einem versperrten Keller liegt, erkennt Jennerwein, dass er in eine Falle geraten ist, aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Jörg Maurers Alpenkrimis um Kommissar Jennerwein sind Kult! Aber auch der humorige Bestsellerautor kann mal einen weniger guten Band seiner Reihe abliefern. Das ist nun mit „Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“ geschehen. Die Story hörte sich schon etwas dünn an, am Ende war sie das dann auch. Über 400 Seiten mit viel Langeweile gefüllt, zwar mit einigen guten Lachern und dass gewohnt gut aufgelegte Personal, aber an Spannung und Einfallsreichtum mangelt es diesem elften Band der Reihe sehr. „Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt“ – und ich wurde nicht warm mit der Geschichte. Doch eins ist wohl gewiss, Jörg Maurers zwölfter Alpenkrimi „Am Tatort bleibt man ungern liegen“, der im Mai 2019 erscheint, wird wohl wieder besser sein als dieser schwächere Band.

Scherz, 425 Seiten; 16,99 Euro


Ursula Poznanski

daumen rauf

Vanitas – Schwarz wie Erde

Vanitas Schwarz wie ErdeAuf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in die Sprache der Blumen - denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft - und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte …

Die Wienerin Ursula Poznanski gehört im deutschsprachigen Raum zu den absoluten Thriller-Queens! Sie schreibt einen Bestseller nach dem anderen. Nun startet sie eine neue Reihe. „Vanitas – Schwarz wie Erde“ ist der Auftakt einer Psychothrillerreihe. Die Hauptfigur Carolin, die Polizeiinformantin war, und jetzt voll in Blumen aufgeht, ist eine sehr ungewöhnliche Protagonistin. So wie man es von Ursula Poznanski gewöhnt ist, sie schreibt Thriller, die mit frischen Ideen versehen sind. Und an Spannung fehlt in es „Vanitas“ auch nicht. Wer einen guten deutschsprachigen Thriller lesen will, der kommt an Ursula Poznanski nicht vorbei!

Knaur, 377 Seiten; 14,99 Euro


Preston & Child

daumen rauf

Headhunt – Feldzug der Rache

Headhunt Feldzug der Rache Cover

Nur nicht den Kopf verlieren, heißt es für Special Agent Aloysius Pendergast und Lieutenant Vincent D'Agosta: In New York treibt ein Serienkiller sein Unwesen, der die Köpfe seiner Opfer als Trophäen behält. Doch er hinterlässt kaum verwertbare Spuren, und die Ermordeten scheinen nichts gemeinsam zu haben – außer Geld, Macht und keinerlei Skrupel. Geht im Big Apple ein Rächer um? Eine Welle der Hysterie stürzt die ganze Stadt ins Chaos. Mittendrin Pendergast und D'Agosta, die nicht ahnen, dass die Motive des Killers finsterer sind als die neun Kreise der Hölle.

 

Preston & Child stehen für außergewöhnlichen Thriller-Genuss! Auch wenn „Headhunt – Feldzug der Rache“ nicht zu ihren Besten zählt, so ist man als Leser der Aloysius-Pendergast-Reihe doch erfreut, dass man den lieb gewonnen Helden wieder in Aktion erleben darf, und dass mal wieder New York der Hauptschauplatz der Geschichte ist.

 Headhunt Feldzug der Rache
Auch als Hörbuch erhältlich bei Argon Hörbuch. Preston-und-Child-Stammvorleser Detlef Bierstedt liefert wieder eine hervorragende Lesung ab! 19,95 Euro. Hörprobe 1 Hörprobe 2

Knaur, 398 Seiten; 19,99 Euro


Hans Mommsen

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Die verspielte Freiheit – Aufstieg und Untergang der Weimarer Republik

Die verspielte Freiheit Aufstieg und Untergang der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik gilt als erster Versuch Deutschlands, auf demokratischen Füßen zu stehen. Dem Autor gelang es in diesem Buch zu verdeutlichen, weshalb diese erste deutsche Demokratie keine reelle Chance hatte, sich zu etablieren. Zu sehr machten die verklärende Rückwärtsgewandtheit der Eliten, kompromisslose Parteien, der ökonomischer Frust und wachsender Populismus in der Bevölkerung dem jungen Staat zu schaffen – was der Machtentfaltung der NSDAP und dem Untergang der Republik den Weg bereitete.

Hans Mommsen (1930 – 2015) gehörte zu den ganzen großen Historikern. „Die verspielte Freiheit“ ist ein absolutes Standardwerk zu dem Thema. Die Originalausgabe erschien 1989, dies ist eine erweiterte Neuausgabe. Der Blick in die deutsche Vergangenheit ist atemberaubend zu lesen! Spannend und detailliert hat Hans Mommsen diese Schlüsselzeit aufgeschrieben. Mit Blick auf die Gegenwart verdeutlicht das Buch auch, dass man für eine Demokratie auch immer etwas tun muss, sonst gewinnen die Populisten, und das wäre verheerend.

Propyläen, 857 Seiten; 28,00 Euro


Hörbuch der Woche

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David Safier

Die Ballade von Max und Amelie

Die Ballade von Max und Amelie

Die einäugige Hündin Narbe kann sich nicht vorstellen, dass eine wie sie jemals geliebt werden könnte. Doch dann verirrt sich der sanfte Hund Max zu der Müllkippe, auf der Narbe lebt. Er erzählt ihr von seinem wunderschönen Zuhause bei den Menschen und in der Hoffnung auf ein besseres Leben begleitet Narbe den Fremden auf die gefährliche Heimreise. Unterwegs wird Max von Alpträumen geplagt, in denen die beiden ein Liebespaar sind, aber von einem Menschen getötet werden. Aber sind es wirklich Alpträume oder vielmehr Erinnerungen? Narbe wehrt sich anfangs dagegen, dass es ihr Schicksal sein soll, Max zu lieben. Doch kaum beginnt sie zaghaft an das Gute zu glauben, taucht der Mensch aus den Träumen auf.

Ein modernes Hund-Mensch-Märchen, das einen staunen, strahlen und mitfiebern lässt und zugleich viele Fragen des Lebens stellt. Bestsellerautor David Safier beweist erneut, dass er schriftstellerisch weit mehr kann als intelligente Komödien zu schreiben. Nach dem herausragenden Warschauer-Ghetto-Drama „28 Tage lang“ ist ihm auch „Die Ballade von Max und Amelie“ äußerst gelungen. Dass er den Hunden manchmal gar viele menschliche Gedanken verleiht gehört einfach zum modernen Märchen dazu. Da die Geschichte viel freudige, aber auch traurige Momente zu bieten hat, muss auch eine Stimme das darstellen können. Jodie Ahlborn schafft das mit ihrer abwechslungsreichen Lesung. Den „bösen“, und kleineren, Part in der Geschichte übernimmt Vanida Karun. Hörprobe

Die Ballade von Max und Amelie Cover

 

Auch als Hardcover erhältlich bei Kindler, 18,00 Euro

Argon Hörbuch, 6 CDs, 420 Minuten; 19,95 Euro


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