Kolumne vom 23.12.2019 - Nr.592


Andreas Gruber

daumen rauf

Todesmal

Todesmal

Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt …

Andreas Gruber ist einer der genialsten Thrillerautoren im deutschsprachigen Raum! Die Kultermittler Sneijder und Nemez haben die Anziehungskraft eines Supermagneten! Bei Andreas Gruber kann man mit Superlativen nicht geizen. Auch sein neuer Thriller „Todesmal“, der fünfte in der Sneijder-und-Nemez-Reihe, bestätigt alles, was man von Andreas Gruber kennt. Die Story hat einen sofort und die Seiten fliegen nur so dahin. Hohe Spannungsdichte, viele Überraschungen und Wendungen, das überragende Personal, die psychologischen Details und die überaus kreativen Mordmethoden, alles überzeugt durchgehend.

Goldmann, 589 Seiten; 10,99 Euro


Sabine Friedrich

daumen runter

Einige aber doch

Einige aber doch

Fast alle Frauen und Männer, die die Gestapo als ›Rote Kapelle‹ zusammenfasste, erwartete am Ende der gewaltsame Tod. Aber so gleich ihr Schicksal, so unterschiedlich ihre Lebenswege. Sabine Friedrich erzählt nicht von Helden einer fernen Vergangenheit, sondern von entschlossenen und suchenden, zweifelnden und überzeugten, zornigen und liebenden Menschen, die gezwungen waren, sich zu den Gegebenheiten ihrer Zeit zu verhalten wie alle anderen auch. Die meisten fügten sich. Viele murrten. Wenige handelten. Einige aber doch.

Sabine Friedrich hatte mich 2012 mit ihrem Mammutroman „Wer wir sind“ total begeistert! Umso gespannter war ich auf „Einige aber doch“, denn die Geschichte hörte sich wieder sehr vielversprechend an. Mir schmerzt es, dies Buch nicht positiv bewerten zu können, denn die Geschichte an sich ist wichtig, dass man sie erzählt, und in Romanform hätte man daraus unglaublich viel machen können. Doch Sabine Friedrich hat einen so verquerten Stil gefunden, so dass das Lesen leider sehr anstrengend ist. Das verdirbt einen meist die Freude am Lesen und der sehr guten Geschichte mit ihren herausragenden Charakteren. Auch baut man zu den Figuren nicht die Bindung auf, die man haben sollte bei so einer aufwühlenden, tragischen und traurigen Geschichte.

dtv, 440 Seiten; 20,00 Euro


Stewart O’Nan

daumen rauf

Henry persönlich

Henry persönlichSeit fast fünfzig Jahren ist Henry Maxwell verheiratet – mit Emily, die wir schon „Emily, allein“ kennen. Da ist sie achtzig und schon Jahre verwitwet, führt in ihrem schönen, überschaubaren Routine-Universum ein ziemlich gleichförmiges Leben, allein mit Rufus, ihrem Hund. Nun hat O'Nan die Zeit zurückgedreht und Henry, dem Ehemann, ein eigenes Buch gewidmet, vielmehr ihm und Emily als Ehepaar. Die beiden leben in Pittsburgh, und ihre Kinder und Enkel sind weit entfernt. Emily kocht, und Henry macht den Abwasch, sie hält die Kontakte zu Nachbarn und Familie, und wenn sie ihm davon erzählt, hört er ihr immer gerne zu. Er steht an seiner Werkbank und repariert, was im Haus kaputt geht, trifft sich mit Freunden zum Golfen, engagiert sich im Kirchenvorstand und lädt – zu besonderen Anlässen – Emily zu Restaurantbesuchen ein. Ein mit viel Puderzucker bestreuter Zitronenkuchen macht ihn glücklich, erfüllt ihn mit Wohlwollen gegenüber der ganzen Welt.

„Henry persönlich“ ist fesselnde Literatur! Jeder Satz klingt wie ein klassisches Musikstück! Stewart O’Nans Stil ist voller Eleganz und Klarheit. Ein Roman der Ruhe, der Weisheit, der Einfachheit, mit großer Strahlkraft und Nachhalleffekt. Gerade weil nichts Großes passiert, sondern die vielen kleinen, alltäglichen Dinge bleiben im Gedächtnis. Und das liegt an der Erzählkraft eines Stewart O’Nan. Stewart O’Nan beweist erneut, warum er zu den ganz großen Literaten Amerikas zählt! Er hat immer etwas zu erzählen, und sei es nur, wie Henry spazieren geht, selbst das bekommt bei Stewart O’Nan einen fesselnden Anstrich.

Rowohlt, 480 Seiten; 24,00 Euro


John le Carré

daumen rauf

Federball

Federball

Nat hat seine besten Jahre als Spion hinter sich. Gerade ist er nach London zu seiner Frau zurückgekehrt, da wird ihm ein letzter Auftrag erteilt, denn Moskau wird zunehmend zu einer Bedrohung. Zur Erholung spielt Nat Badminton, seit Neuestem gegen Ed, einen jungen Mann, der den Brexit hasst, Trump hasst, auch seine Arbeit in einer seelenlos gewordenen Medienagentur. Ausgerechnet Ed fordert Nat auch außerhalb des Spielfelds heraus und zwingt ihn, seine Haltung gegenüber dem eigenen Land in Frage zu stellen. Und eine Entscheidung zu treffen, die für alle Konsequenzen hat.



Der Altmeister des Spionage-Thrillers lässt in „Federball“ seiner erzählerischen Kunst wieder freien Lauf. Spannend, aktuell, unberechenbar. John le Carré zeigt, dass er trotz seines reifen Alters noch lange nicht zum alten Eisen im Spionage-Thriller zählt.

Ullstein, 349 Seiten; 24,00 Euro


Rainer Wieland

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Das Buch der Feste

Das Buch der Feste

Seit ihren Anfängen feiern die Menschen Feste: um ihre Götter zu ehren, erfolgreiche Jagden und Ernten zu feiern, Fruchtbarkeit zu beschwören, bei Musik und Tanz die Gemeinschaft zu stärken oder ihren Herrschern zu huldigen. Feste gibt es in allen Kulturen der Welt, in ihnen manifestieren sich uralte Traditionen, Rituale und Gebräuche.

„Das Buch der Feste“ zeigt die Vielfalt der Festlichkeiten in den verschiedensten Regionen, Kulturen und Zeiten. Enthalten sind u. a.: „Gastmahl der Phäaken für Odysseus“, „Die Olympischen Spiele in Griechenland“, „Cäsarspiele: Caligula und Nero“, „Am Hof des Hunnenkönigs Attila“, „Kirschblütenfest in Japan“, „Krönungstag in London“, „Am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV.“, „Der Wiener Kongress tanzt“, „Karneval in Rom“, „Weihnachten bei den Buddenbrooks“, „Münchner Fasching“, „Karnevalsabenteuer in Rio“, „Reisparteitag in Nürnberg“, „Woodstock im Herzen“, „New Yorker Partyleben“ und „Die Mauer fällt“. Wer noch schnell ein mächtig schönes Weihnachtsgeschenk braucht, der kann mit diesem Prachtband nichts falsch machen. „Das Buch der Feste“ ist wahrlich ein festliches Buch mit spannenden Texten und schönen Bildern!

Propyläen, 400 Seiten; 48,00 Euro


Hörbuch der Woche

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Agatha Christie

Die große Hercule-Poirot-Edition

Die große Hercule Poirot Edition

Hercule Poirot ist in seinem Element: Er klärt einen Juwelenraub auf, überführt einen Mörder auf einem Kostümball und ist einem berühmten und betrügerischen Bankier auf der Spur. Dass er dem Fluch ägyptischer Gottkönige mit seiner nüchternen Logik beikommt, beweist wieder einmal, was die stärkste Waffe des großen Meisterdetektivs ist: seine kleinen grauen Zellen! Die Edition enthält: Die Augen der Gottheit, Die mysteriöse Wohnung, Das Mysterium von Hunter's Lodge, Der raffinierte Aktiendiebstahl, Das Abenteuer des ägyptischen Grabes, Der Juwelenraub im Grand Hotel, Der entführte Premierminister, Das Verschwinden Mister Davenheims, Die Tragödie von Mardson Manor, Das Abenteuer des italienischen Edelmanns, Das fehlende Testament, Stille vor dem Sturm, Der verräterische Garten, Poirot und der Kidnapper, Die Pralinenschachtel, Die verlorene Mine, Mord auf dem Siegesball, Tot im dritten Stock, Poirot geht stehlen, Lasst Blumen sprechen, Das Abenteuer des Kreuzkönigs, Das Geheimnis des Plymouth-Express, Das Erbe der Familie Lemesurier, Die mysteriöse Angelegenheit in Cornwall.

Neben Miss Marple hat Agatha Christie mit dem kleinen Belgier Hercule Poirot eine der Kultfiguren des klassischen Kriminalromans erschaffen! Generationen von Autorinnen und Autoren haben sich an diesen beiden Figuren orientiert. Hercule Poirot im detektivischen Einsatz zu erleben ist immer wieder aufs Neue eine große Schau. „Die große Hercule-Poirot-Edition“ enthält die beliebtesten 24 Kurzgeschichten des Meisterdetektivs und seines Begleiters Arthur Hastings, dem praktisch immer der Durchblick fehlt. Die Figur des Hercule Poirot als Sprecher zu meistern, dazu gehört schon einiges. Martin Maria Schwarz ist es gelungen Hercule Poirot nahezu perfekt klingen zu lassen. Ein großer Hörspielratespaß ist somit garantiert! Für Kurzentschlossene ist diese Edition auch ein perfektes Weihnachtsgeschenk. Hörprobe 6:03 Min.

Der Hörverlag, 12 CDs, 797 Minuten; 30,00 Euro


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